Berlin

Der Süden wird verbluten in der Sonne Stunden.

Der Taten Gott erzürnt aus Lavagrüften schlug.

Es kreiset um das Land der Berge Flammenrunde.

Da brachen auf wir schwarz, ein dünner Totenzug.

Der Süden ist bestimmt zu ewiger Trauer Schlafe.

Wir haben unserer Träume Barken ausgebrannt.

Wir winken mit den Fackeln nach dem stillen Hafen,

Die streichet aus der Finsternisse Mutterhand.

Des Südens Atem klebt an unseren krummen Rücken

Mit Winden lau und dumpfer Glocken Grabgedröhn.

Betrübet euch! Des Abends rote Nebelmücken

Bestürmen euch mit Sang. Laßt uns vorübergehn!

Maultiere brechen hart von schartigem Messergrate.

Lawinen übertünchen uns mit Liebe weißem Fächer.

Wildbäche überblitzen hoch der Brücken Drahte.

Geysire platzen aus der brüchigen Felsen Köcher.

Wir sanken morgens in der Spalten grüne Kammern.

Wir tauchten mittags ein in Gletschermühle Becken.

Es sauste nieder des Erdrutsches Keulenhammer.

Des Winters Sturm riß uns aus wohligem Verstecke.

In Höhlenlöchern warteten die zarten Wunder.

Mit Gerten schlugen wir uns Labung aus dem Stein.

Wir stürzten ab mit nasser Büschel Fleckenschrunde.

Wir starben in den Kelchen der Enziane klein.

Wir tauten auf beim Hirtengruß und dem Geblöke

Der Herden. Aus der Blumen Grunde warmem Lauch

Sog uns zu Funkengärten schräger Purpurkegel.

Es trug uns Raub der neuen Heimat Wirbelhauch.

Aus Dächerfirnen strahlt der Meere Glanzgebreite,

Urwälder sind in Schlot und Balken hochgewachsen.

Der Rauche rußiger Hain beschattet die Gemäuer.

Der Krater Trichter schrumpften, schiefe Aschenzacken.

Der Wiesen Fluren tanzen um als Wimmelplätze.

In langer Straßen Schluchten weinen Abendröten.

Ein Quellenstrudelschwarm zum Himmel hetzet

Bei Kellertunnel-Not und Krach der Speicherböden . . .

Berlin! Du weißer Großstadt Spinnenungeheuer!

Orchester der Äonen! Feld der eisernen Schlacht!

Dein schillernder Schlangenleib ward rasselnd aufgescheuert,

Von der Geschwüre Schutt und Moder überdacht!

Berlin! Du bäumst empor dich mit der Kuppeln Faust,

Um die der Wetter Schwärme schmutzige Klumpen ballen!

Europas mattes Herze träuft in deinen Krallen!

Berlin! In dessen Brust die Brut der Fieber haust!

Berlin! Wie Donner rattert furchtbar dein Geröchel!

Die heiße Luft sich auf die schlaffen Lungen drückt.

D er Menschen Schlamm umwoget deine wurmichten Knöchel.

Mit blauer Narben Kranze ist dein Haupt geschmückt!

Wir wohnen mit dem Monde in verlassener Klause,

Der wandelt nieder auf der Firste schmalem Joche.

Der Tage graue Gischt zu sternernen Küsten brauset.

Auf Winkeltreppe ward ein Mädchen wüst zerstochen.

Wir lungern um die Staatsgebäude voll Gepränge.

Wir halten Bomben für der Wagen Fahrt bereit.

Die blonde Muse längs sich dem Kanale schlängelt,

Quecksilberlicht aus Läden lila sie beschneit.

Auf Pflaster Nebeldämpfe feuchte Wickel pressen.

Auf trägem Damme erste Stadtbahnzüge schnaufen.

Die alten Huren mit den ausgefranzten Fressen,

Sie schleichen in den bleichen Morgen, den zerrauften . . .

O Stadt der Schmerzen in Verzweiflung düsterer Zeit!

Wann grünen auf die toten Bäume mit Geklinge?

Wann steigt ihr Hügel an in weißer Schleier Kleid?

Eisflächen, wann entfaltet ihr der Silber Schwinge?

Auf prasselnder Scheiter Haufen brennet der Prophet.

Der Kirchen Türme ragen hager auf wie Galgen.

Die Haare Flachs. Sein Leib auf Messingfüßen steht,

Im Ofen heiß wie glühender Erzkoloß zerwalket.

Und seine Stimme schwillt wie Wasserrauschen groß,

Da löschet aus des Brandes Qual auf heiliges Zeichen.

Ein fahles Schiff, das löset sich vom Ufer los,

Sich das Gerüste hebt und in die Nacht entweichet. —

Einst kommen wird der Tag! . . . Es rufet ihn der Dichter,

Daß er aus Ursprungs Schächten schneller her euch reise!

Des Feuers Geist ward der Geschlechter Totenrichter.

Es zerren ihn herauf der Bettler Orgeln heiser.

Einst kommen wird der Tag! . . . Die himmlischen Legionen,

Sie wimmeln aus der Wolken Hitze mit Geschmetter.

Es schlagen zu mit Knall der Häuser Särgebretter.

Zerschmeißen euch. Es hallelujen Explosionen.

Einst kommen wird der Tag! . . . Da mit des Zorns Geschrei

Der Gott wie einst empört die milbige Kruste sprenget.

Im Scherbenhorizonte treibt ein fetter Hai,

Dem blutiger Leichen Fraß aus zackichtem Maule hänget.