Mensch im Abend

Für Josef Amberger

Er treibet durch die Straßen voller Ruh,

Indes des Himmels Gründe Purpurröte färbet,

Die Arme weit, die weißen Augen zu.

Da flacher Bläuen Strahl ihn nicht verderbet

Und nicht zerreißt mehr, ihn erhabenen Sinn. —

Wo wirst du landen, Streuner, diese Nacht?

An welche Ufer schlägst du müde hin?

Verweinet und zerstöret? Ob du lachst?

Ob du vielleicht dich in den schwarzen Träumen

So tief eingräbst, daß dich nicht Schrei aufschreckt?

Ruhend, da Laub fällt von den Bäumen,

Auf weichem Boden gut, sanft zugedeckt?

Ob du vom Hügel aus, der Nacht entrücket,

Ins Land ausschaust, das heller Zukunft brennt?

Ob du verweilest schwer, wo Ausschlag drücket

Man in die Hand sich, Strom im Dunklen flennt?

Da Dottermond durch flatterndes Gerippe

Verbrannter Wolkenstädte rennet,

Teilst du verzweifelt Äste und Gestrüppe

Und flehest, daß dich Jener Stimme nenne?

„. . . Schon hebet sich mein Blick, an Lampenmonden

Entlang sich findend. Städteplatz schon brauset.

Ich schlage wieder diesen Weg ein, den gewohnten,

Doch mild, und Sterne nicht zerkrampfend in der Faust.

Ein wenig aus dem Bleietag mich aufzuschwingen

Kam ich und daß zu dir empor ich eile,

Geneigte Trösterin, mit heller Flöten Singen

Den Bann entzaubernd die Gebresten heilend.

Vor meinen Augen flimmern Leuchtemücken,

Erst Punkte schwarz, die tanzen Surrerunden.

Die Schatten schlagen schwarze Tücherbrücken.

Es steigen Leitern, gläsern mondumwunden.“