II
Weh euch! Weh euch! Die ihr den König ausgespeiet,
Besudelt mit der Finger Dreck den Hermelin.
Er tummelt sich im trüben Teich mit Wimmelschleien
Und Molchenbrut in fleckigen Schwerterschilfen dünn.
Weh euch! Denn er erwacht mit silberner Zymbel Schellen
Und schroffem Blitz, der eueren morschen Fels zerhaut,
Er wird sich nackt im Traum vor euere Weiber stellen,
Ein Adler, rasselnd mit den ehernen Flügeln laut.
Weh euch! So tragt wie Büßer euer Haupt gesenkt
Und schleicht die Mauern lang, die wie ein Alb euch drücken,
Der Rosenkränze Stricke um das Handgelenk,
Erfrorener Sterne Haufen in den Augenlücken.
. . . Da Bettelweiber auf der Kirchen Stufen hocken
Und ums Portal, das klafft, sich kreischend raufen.
Ein härener Sack hängt das Gestirn in Wolkenflocken,
Durch die der Abendengel düstere Schatten laufen.
Laternen schlingen gierig auf der Nebel Grunde,
Aus denen fahler Pferde Vier, sich bäumend, steigen.
Raketen sprühen aus der Reiter heulendem Munde.
Verbrannte Blätter sich die Horizonte neigen.
. . . Wir warten, während rings die Autobusse sausen,
Geduldig. Hupen bohren durch uns scharlach-schrill.
Wo sich die Wunden kratzen, sich die Armen lausen
Und Buden jammern unter herbstlichem Geknüll.
Kommt eine schwarze Fahne nicht herabgewehet?
Bedecket uns mit schleimiger Blässe finsterem Grind?
Nah hinter uns der Morde böse Schatten stehen.
Wer bricht ins Knie? Ein heißer Blutquell rinnt.
O Regen! Deiner grünen Wassermassen Stürze
Verwaschen Haus und Wald. Es bröckelt mein Gesicht.
. . . Und stampfen platschend durch der Straßen gelbe Pfützen.
Uns schützt kein sicherer Unterstand. Uns hellt kein Licht . . .
O Regen! Färbest Wände aschenfahl uns: Tinte
Und grauer Trauer Schleier über uns gezogen,
Bewegt leicht von unerforschter Pohle Winde.
Ein blonder Star hat uns zu irrer Fahrt bewogen . . .
O Regen! Leise schluchzend schied der Tag verweinet,
Da webet bleiche Laken dichtes Schneegefäll.
In Kneipenlöchern dumpf der Hunde Völker greinen,
Und Clowne kreiseln winzelnd um ein Zirkuszelt.
Die Vorstellungen werden jählings abgebrochen.
Der Primadonnen Phantasiekostüme — Feuer!
Wirr krümmen sich der Rennmotore Eisenknochen.
Tragflächen reißen mittendurch und Höhensteuer.
Wo sind wir hin auf brüchiger Gassen Pfad gelanget?
Und der es ruft, versinkt wie Stein in gröhlendem Sumpf.
Auf öden Ackerfeldern wachsen Lanzenstangen,
Durchschossene Tornister und Gamaschenstrumpf. —
„Wir sind die Untergänge vor ersehntem Ziele.
Wir sind die Trauernden beim Tangorausch der Zeit.
Wir sind die Fallenden in der Erfüllung Streit.
Wir sind die Untersten im knäulichten Gewühle.
Wir brannten kreischend ab mit Sardes Königsfeste.
Wir ließen murrend uns ins Land Ägypten schleppen.
Wir litten den Erstickungstod im Burgenneste
Und waren Flucht Napoleons aus Rußlands Steppe.
Wir schlangen innig-heiß den Todesblock der Guillotine
Und taten gerne mit bei Metzel und Gegräuel.
Wir wühlen uns durch Fleisches Gänge als Trichine.
Wir offenbaren uns am Kopf als Eiterbeule . . .“
. . . Schon wirbeln Fackeln durch die kubischen Räume leer.
Aus rissigen Spalten prasseln flammende Geschwader.
Mit weißem Krach zerbirst der Finsternisse Krater.
Aus rußigen Stollen stößt ein roter Höllenspeer.
In andern Welten wird die Erde fortgeboren,
Geschleudert durch vergilbten Äther, glühender Samen.
Sie spiegelt sich entflüchtend in der Meere Rahmen
Und in der blendenden Gletscher Ebene, kahlgeschoren.
Es plaudern Stürme über dem entrückten Werk
Mit nackten Einsamkeiten, die sich zitternd scharen.
Aus blauen Schalen träufeln flimmernd Sonnenhaare,
Die ballen drehend sich zu goldenem Klumpenberg.
Da jeder Name sank, in Dunkelheit vergessen,
Da jeder Schall erstarb, in Dunkelheit getauchet.
Ihr mögt der Dunkelheiten Reiche kaum ermessen,
Die blähen, Moore, endlos sich mit schwangerem Bauche.
Die Dunkelheiten haben unseren Sinn verstöret.
Die Dunkelheiten halten Weg und Platz verborgen.
Die Dunkelheiten haben Raum und Ort verzehret.
Die Dunkelheiten rückten donnernd vor den Morgen.
Wir werden eingelullet sein . . . In nassen Gräbern
Der Nächte wie in Bettlersärge eingezwängt.
In Marmorplatten sich die blasse Wölbung fängt.
Des Winds Hyänen schnuppernd durch die Grüfte stöbern.