III

Singe mein trunkenstes Loblied auf euch ihr großen, ihr rauschenden Städte.

Trägt euer schmerzhaft verworren, unruhig Mal doch mein eigen Gesicht!

Zerrüttet wie ihr, rüttelnd an rasselnder Kette.

Glänzende Glorie, seltsamst verwoben aus Licht und Nacht du, die meine zerrissene Stirn umflicht!

Schwer schallt aus ewig dröhnendem Dunkel euerer ziehenden Kolonnen und Scharen

Marschtritt, gedämpfter Waffen- und Trommelklang.

Feuerschein. Rasende Automobile an schimmernden Palästen vorfahren.

Auf glänzenden Treppen der Damen und Kavaliere flimmernder Gang.

Liebende. Einsam und weinend am düsteren Gestade

Schmutzigen Stroms, der träg durch die Vorstadt hinzieht.

Höret die alte, die ewige Bitte um die lichte, die himmlische Gnade

Verhallen im Strudel der Wasser als Schlummer- und Todeslied!

Rote Laternen blinken und winken aus finsteren Gassen.

Schwarze Schatten gebückt hinschleichen, die Böses tun.

Fabriken, Lagerräume, Baracken, die öd, die verlassen

Im falben Scheine des Mondes gleich großen schlafenden Heerlagern ruhn.

Aus verfeuchteten Kellern gebärender Weiber schallende Schreie.

Schwarzer Zug. Geheul. Begräbnis. Glockenton.

Horchet begeistert, wie sich erleuchteten Saals eine neue

Meinung durchsetzt in stürmischer Diskussion!

Volk. Fahnen. Ernst. Eiserne Fäuste.

Rußig. Ruhig. Mann, Weib und Kind.

Geruch der Fäulnis steigt auf aus den blutverschweißten

Hemden, doch die, wie ich glaube, einst leuchtend gleich purpurenen Rosen sind!

Blühen dann wieder des Sonntags die himmlischen Feste,

Flattern Bänder weit, wehen Wimpel bunt über dem ländlichen Grün.

Man tanzt. Ist fröhlich. Unterhält sich so am besten.

Hoch am blauen Himmel wieder die weißen Wolken ziehn.

Aber schon brausen und sausen über Brücken und Viadukte

Die Züge. Durchs Abendgold

Heimführend die Fröhlichen, die Vergnügten.

Dumpf der Zug in der dämonischen Bahnhofshalle einrollt.

Niederströmt die Masse. Die Ketten

Klirren. Der irdische Dämon Hölle und Feuer schürt . . .

Und doch —: singe mein trunkenstes Loblied auf euch ihr großen, ihr rauschenden Städte!

Von euch verdorben. In euch verirrt. Von euch verführt.

Doch sterbend vom Schein himmlischen Lichtes berührt . . .

Denn plötzlich schrillen empor Sturmglocken und Pfeifen.

Ekstatisch schwillt ein unendlicher Brand.

Wasser stürzen. Rote Flammenfangarme in die schwarze Nacht hineingreifen.

Millionen versinken. Tief glüht das Land . . .

Singe mein trunkenstes Loblied auf euch, ihr großen, ihr rauschenden Städte,

Trägt euer schmerzhaft verworren, unruhig Mal doch mein eigen Gesicht.

Zerrüttet wie ihr, rüttelnd an rasselnder Kette.

Glänzende Glorie, seltsamst verwoben aus Licht und Nacht du, die meine zerrissene Stirn umflicht!