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Ich komme spät nachts noch betrunken ins Bierlokal:

Ganz am Ende der Stadt gelegen. Verrufen. Wild

Lärmt man der versunkenen Nacht nach. Dem Sonntag entgegen. Im Saal

Das Gedröhn und Getön der erhitzten Stimmen zunimmt und furchtbar anschwillt.

Vier Weiber. Sehr schmutzig. Verschwitzt. Fett. Höchst gemein.

Musizierend. Klavier. Zwei Geigen. Die Älteste schmetternd mit tropfendem Mund singt.

Man säuft. Füllt sich den ausgetrockneten Schlund mit Schnaps, mit Branntwein. Rülpst. Stopft sich hinein,

Während draußen vielleicht die schöne Welt schon im erwachenden Morgen aufklingt.

Ich sitz in der Mitte. Umbrandet. Da entlockt zärtlich der verwirrte Tumult

Dem müden Gehirn phantasievoll ein rührend Bild.

Das tilgt, o Mensch, das überdeckt einst reichlich all deine Schuld.

Du kniest hin wie ein Kind. Du neigst deine Stirn. Du Ärger wirst weich und mild.

Dort oben, o sieh: sie spielen auf jenem Podium —

O, wer dies nur einmal sah, es sicherlich nie mehr vergißt! —

Die Engel, die Engel, die lichten, blondgelockt, die weißen. Ringsum, ringsum

Die muffige Luft vom goldenen Klingen ihrer heiligen Gesänge duftend angefüllt ist!

Was soll mir da der helle Tag noch? Oh, so sagt mir. Ich lausche ja hier einem Lied,

So himmlisch entrückt. Dem kommt so leicht nicht mehr eins meiner Erde gleich.

Kein Rauschen der Ströme. Kein Klang der Glocken. Kein Lerchenschlag . . . Mein Gemüt

Erblickt ein unnennbar süßes Himmelreich.