14. Die Abwaschung des Täuflings am achten Tage.

Nach Beendigung aller oben angeführten Zeremonien und noch vieler anderer mehr wurde am achten Tage der Täufling wieder in die Kirche gebracht, um abgewaschen zu werden. „Diese Sitte gründet in der griechisch-russischen Kirche darin, daß bei der Myronsalbung das Chrisam nicht gänzlich abgewischt worden ist. Das Kind muß daher während dieser Zeit sein Taufröcklein tragen und darf nicht gebadet werden.“[266]

Wir übergehen die übrigen Gebräuche, welche weder von beständiger Dauer waren, noch von den verschiedenen Kirchen einstimmig angenommen wurden.[267] Von den angeführten glauben wir aber den Beweis erbracht zu haben, daß sie alle durchweg eine menschliche Erfindung und Einrichtung sind und nie ihren Ursprung in der Bibel haben. Dies zeigte uns schon die oben zitierte Stelle aus Tertullian, der unverhohlen zugibt, daß der Exorcismus und einige andere Taufgebräuche sich allein auf die Tradition gründen. Dasselbe gibt auch in noch klareren Worten Basilius der Große (gest. 379) zu, was wir seinem Buch „Vom hl. Geist“, Kapitel 27, entnehmen: „Wir begnügen uns nicht mit dem, was die Apostel oder das Evangelium mitteilen, sondern wir haben noch eine ungeschriebene Lehre; wir segnen z. B. das Wasser der Taufe und das Chrisma der Salbung, ja den Täufling selbst: wo steht das geschrieben? Geschieht es also nicht nach einer verschwiegenen und geheimgehaltenen Lehre? Welches geschriebene Wort (der Bibel) lehrt die Salbung mit dem Chrisma? Woher ist es genommen, daß wir den Täufling dreimal untertauchen? Aus welchem Buche haben wir die übrigen Taufgebräuche, wie unter anderem, daß dem Teufel und seinen Engeln entsagt wird? Rühren sie nicht aus jener verborgenen Geheimlehre her, welche unsere Väter in der Stille aufbewahrten?“

Zu Luthers Zeit waren diese Taufgebräuche noch alle vorhanden und manche davon von Luther beibehalten und in Anwendung gebracht worden, doch seine Anschauung darüber ist die, daß sie alle in den Bereich der Menschensatzungen zu rechnen sind. Wir führen noch seine eigenen Worte zum Schlusse an. Er sagt: „So gedenke nun, daß in dem Taufen diese äußerlichen Stücke das Geringste sind, als da ist: unter Augen blasen, Kreuz anstreichen, Salz in den Mund geben, Speichel und Kot in die Ohren und Nase tun, mit Öl auf der Brust und Schultern salben und mit Chrisam den Scheitel bestreichen, Westerhemde anziehen und brennende Kerzen in die Hände geben, und was das mehr ist, das von Menschen, die Taufe zu zieren, hinzugetan ist; denn auch wohl ohne solches die Taufe geschehen mag und nicht die rechten Griffe sind, die der Teufel scheut oder flieht.“[268]