Ist außer dem Glauben auch noch die Taufe zur Seligkeit notwendig?

Hat einerseits die Kirche des Altertums sowie auch die spätere der Taufe allerlei magische Wunderkraft zugeschrieben und damit den lächerlichsten Aberglauben verbunden, so gab es auch solche, welche die Taufe für gänzlich überflüssig hielten und behaupteten, daß der Glaube zur Seligkeit völlig hinreiche. Diese letzte Meinung gab auch Tertullian die Veranlassung, seine Abhandlung „Über die Taufe“ gegen eine Frau namens Quintilla aus der häretischen Partei des Cajus zu schreiben. Tertullian hält die Taufe für eine „Besiegelung“ oder „als äußere Hülle für den Glauben“. Aus Joh. 3, 5 in Verbindung mit Matth. 28, 19 leitete er die Notwendigkeit der Taufe zur Seligkeit ab.[307] In der Geschichte des Mittelalters findet man ebenfalls des öfteren die Idee vertreten, daß, wo ein tiefer und reiner Gottesglauben vorhanden ist, die Taufe überflüssig sei.

Im Reformationszeitalter traten Männer auf, die dieselbe Meinung hatten. So verwarf Schwenckfeld (gest. 1561) die Wassertaufe und lehrte, „daß die Menschen nur durch den Glauben und nicht durch die Taufe selig würden“.[308]

Dieser Behauptung begegnet man auch in unsern Tagen noch sehr oft. Nun fragt sich’s, ob diese Lehre einen Schriftgrund hat oder ob sie nur auf Menschenmeinung beruht. Einige Stellen des N. Testaments sollen uns über diese Frage Klarheit geben. Zuerst sei hier die Taufe Jesu angeführt. Er, das reine und unbefleckte Gotteslamm, der sicher mehr Glauben besaß als je ein Sterblicher, ließ sich taufen und bezeugte ihre Notwendigkeit, indem er sagte: „Also gebühret es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“[309] Auch im Taufbefehl selbst liegt ein klarer Beweis dafür vor, daß außer dem Glauben die Taufe erforderlich ist. Da lesen wir: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden.“[310] Die Taufe ist hier außer dem Glauben dem Menschen von Christo als eine unerläßliche Pflicht zur Seligkeit gemacht. Auch nicht das mindeste liegt in den Worten Jesu, was uns zu einer Einschränkung der Taufe berechtigen oder veranlassen könnte.

Paulus bekehrte sich und wurde an Christum gläubig, aber dies genügte nicht — er mußte sich auch noch taufen lassen. Dies war es auch, was ihm der Herr auf seine Frage hin: „Herr, was willst du, daß ich tun soll?“ befahl: „Stehe auf und gehe in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst,“[311] nämlich sich taufen zu lassen, was ihm einzig noch fehlte. Diese Tatsache bestätigt Paulus auch durch die Erzählung seiner Bekehrungsgeschichte.[312] All die vielen Neubekehrten und an Jesum gläubig gewordenen Seelen, von denen wir in der Apostelgeschichte berichtet finden, sind stets auch getauft worden. Auch nicht ein einziger Fall wird angeführt, woraus zu ersehen wäre, daß in der apostolischen Kirche der Glaube als genügend erachtet wurde.[313]