Macht die Geistestaufe die Wassertaufe überflüssig?

Inmitten der östlichen wie auch der westlichen Kirche gab es freidenkerische Parteien, welche zuerst — und dies mit vollem Recht — die unzähligen abergläubischen Gebräuche der Kirche verachteten, später aber unberechtigterweise auch die Taufe verwarfen mit der Begründung, daß nur die Geistestaufe nötig sei. „Unter den Griechen,“ schreibt Ruperti, „waren es im 12. Jahrh. die Bogomilen, die Messalianer und Euchyten; in der lateinischen Kirche die aus den Paulicianern entstandenen sogenannten Manichäer, welche sich vom 11. und 12. Jahrh. an aus dem griechischen Reiche in Italien, Frankreich, den Niederlanden, England und Deutschland ausbreiteten.“ „Sie nannten die gewöhnliche Taufe der Kirche eine bloße Wassertaufe, rühmten dagegen das Sakrament des Händeauflegens, welches sie die geistige Taufe nannten, weil dadurch der Geist mitgeteilt und die Sünde vergeben werde. Sie tauften daher diejenigen, welche zu ihrer Partei übertraten, ohne Gebrauch des Wassers, durch Berufung des hl. Geistes, Singen des Vaterunsers und Händeauflegen.“[314]

Die Quäker, welche im Jahre 1649 in England entstanden, verwerfen ebenfalls die Wassertaufe und lehren, daß dieselbe anfänglich nur eine Abbildung der innern und geistigen Taufe dargestellt habe, für die jetzige christliche Kirche aber nicht mehr bindend wäre. Die einzige wahre und notwendige Taufe sei die Taufe mit dem hl. Geist. Diese ihre Lehre steht aber im krassesten Gegensatz zu den klaren Vorschriften des Wortes Gottes. Jesus gebot den Jüngern die Taufe.[315] Die erste Predigt auf Grund dieses Befehles ist uns durch Lukas in Apg. 2 wiedergegeben. Da wird durch Petrus die Taufe zur Bedingung der Verheißung des hl. Geistes gemacht. „Die Gabe des Geistes“ ist die verheißene Segnung. Buße und Taufe sind die gebotenen Pflichten, um die verheißene Segnung zu empfangen.

Petrus, der auf besondere Anweisung des Herrn in das Haus des Kornelius ging, predigte unter Leitung des Geistes demselben sowie allen, die sich im Hause versammelt hatten. Die Wirkung und das Ergebnis dieser Predigt war, daß der hl. Geist auf alle fiel, die dem Worte zuhörten. Aus der Anordnung Petri, welche er nach diesem gab, geht hervor, daß die Geistestaufe nicht allein genügte, vielmehr aber das Empfangen derselben ein Beweis dafür ist, daß die Wassertaufe am Platze sei. Er sagt: „Mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den hl. Geist empfangen haben gleichwie auch wir? Und befahl, sie zu taufen in dem Namen des Herrn.“[316]

Paulus kam auf seiner dritten Missionsreise nach Ephesus, wo er etliche Jünger fand, die den hl. Geist noch nicht empfangen hatten. Der Apostel unterrichtete sie zunächst gründlich im Evangelium, dann wurden sie auf sein Gebot hin getauft, und erst nachdem sie getauft waren, legte der Knecht Gottes die Hände auf sie und erflehte so den hl. Geist Gottes auf die Neugetauften herab.[317] Die Reihenfolge in bezug auf die Pflicht und die Gabe ist hier dieselbe, welche wir auch von Petrus in Apg. 2, 38. 39 beobachtet finden.

Wir könnten derartige Beispiele noch mehr aus der Schrift als Beweis, daß die Geistestaufe niemals die Wassertaufe überflüssig macht, anführen, doch glauben wir, daß die bereits zitierten vollständig genügen werden. Diejenigen, welche die Wassertaufe verwerfen, verwerfen den, der sie geboten hat und verachten den hl. Geist, der durch Jesum wirkte. Die Weisheit solcher Menschen ist in diesem Falle nicht in Übereinstimmung mit dem Worte Gottes und kann deshalb nicht von obenher sein.

Wir glauben so fest wie irgend jemand an die Notwendigkeit, den hl. Geist zu besitzen. Aber ebenso sicher sind wir auch davon überzeugt, daß ihn Gott nur da geben kann, wo Achtung und Gehorsam vor seinen heiligen Geboten und Vorschriften vorhanden ist. Ungehorsam ist eine Zaubereisünde, betrübt den hl. Geist und verwirkt den Segen.