Lichtkörper und Heizkörper.
Wartezimmer von Arch. Hans Stubner.
Die moderne Lichtquelle, Elektrizität, hat zu Beleuchtungskörpern geführt, deren Form keinem Vorbild entlehnt werden konnte, sondern aus der Natur der Sache geschöpft werden mußte. Hier kann man die lehrreiche Wahrnehmung machen, daß solchen rein sachlichen Lösungen ein großer dekorativer Reiz innewohnt. Glühlampen an Leitungsdrähten in wohlgemessenen Abständen von der Decke herabhängend, können durch ihre Anordnung allein höchst erfreulich wirken. Hier bedarf es keines weiteren Ornaments. Würde ein solches hinzutreten, so dürfte es leicht störend empfunden werden. Die Tatsache, daß aus rein sachlichen Lösungen die glücklichsten dekorativen Wirkungen abzuleiten sind, ließe sich an allen bisher üblichen Beleuchtungskörpern demonstrieren, an denen wir leider gewohnt sind, ein Übermaß der unsinnigsten Ornamente zu sehen. Eine sachlich gelöste Petroleumlampe, die durch zweckmäßige Form allein edel wirkt, gehört, wenn sie wirklich vorkommt, zu den größten Seltenheiten. Für den Künstler ist hier noch immer ein Feld offen. Für Gasbeleuchtung sind moderne Beleuchtungskörper geschaffen worden, aus Metall und Opalscentglas, die formal zu den Schönsten gehören, das wir in diesem Genre besitzen. Dagegen kommt es vor, daß den Kerzenweibchen oder ehemaligen Kerzenlustern elektrische Glühlampen aufgesetzt werden, die auf imitierten Kerzenschäften stehen und solcherart den Anschein einer wirklichen Kerzenbeleuchtung erwecken. Es können immer Fälle vorkommen, bei Festessen z. B., wo man sich lieber der edelsten Lichtquelle, der Kerze selbst bedient, die wie kein anderes Beleuchtungsmaterial geeignet ist, Festweihe und feierlichen Glanz zu verbreiten. Dann aber sollen es wirkliche Kerzen sein. Aufrichtigkeit und ehrliches Bekennen, also hier Materialbekennen, sind Grundlage jedes gesunden Geschmacks. An elektrischen Tischglocken, Tastern, Lichtträgern und Leuchtern hat die neue Zeit viel geschaffen. Aber auch hier ist vor einer gewissen Überkunst zu warnen. Rein sachliche und geschmackvolle Lösungen sind selten. Es muß dahin gestellt bleiben, ob es ein glücklicher Gedanke ist, mit dem Zweckbegriff eine figurale Darstellung zu verbinden, die mit der Sache eigentlich nichts zu tun hat. Wir sehen Leuchter in Gestalt von Lichtträgerinnen, weibliche Gestalten, die Kerzen tragen, bald schwer belastet, bald mit geschlossenen Augen hinschreitend, als Symbol der Nacht, dann emporschwebend wie die züngelnde Flamme oder hingekauert, den Kerzenschaft wie eine Säule umklammernd. Der Plastiker lebt sich nur aus, wenn er an den Gebrauchsgegenständen, die er formt, seine figuralen Ideen verkörpern kann. Unzählige Symbole leitet seine Phantasie aus dem Lichtmotiv ab und umrankt es mit dem üppigen Gespinnst seiner Formerfindung. Diesen Dingen gegenüber, die ja zum Teil auch wirkliche Schönheit offenbaren, ist der Standpunkt fernzuhalten, daß ein sehr gebildeter und disziplinirter Geschmack die streng sachlichen Formen an allen Gebrauchsdingen vorzieht, damit die eigentlichen Kunstwerke, die sich im Raum befinden, zu jener unbestrittenen Geltung kommen können, die ihnen zukommt.
Warteraum von Arch. Alois Hollmann.
Halle von Arch. Alois Hollmann.
Vorzimmer von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.
In Bezug auf die Heizkörper ist ähnliches zu sagen. Frühere Zeitalter, die u. zw. Renaissance vor allem, hat Öfen gehabt, an denen die Freude am Ornament wahre Orgien feierte. Jeder Kachel trug ein anderes Ornament, eine andere figurale Darstellung, eine andere Farbengebung. Das ganze war ein Wunderbau wie der babylonische Turm. Im Zeitalter des Barock, Rokoko und Empire begegnet man weiß glasirten Öfen in geschwungenen Linien, oder Obeliskenformen, die ein Postament für plastische Gruppen vorstellten. Später kam die Hafnerkunst gänzlich auf den Hund. Heute kann man dem Ofen und der Holz- und Kohlenheizung nicht mehr das Wort reden. Eine neue Beheizungsart stellt sich vor: die Zentralheizung durch erwärmtes Wasser oder Luft und die Gasheizung. Gaskamine wendet man in Wohnungen sehr vorteilhaft an; man kann sich des von der gerippten, blinkenden Metallfläche wiederstrahlten Feuerscheins erfreuen, ein Hochgenuß für romantische Gemüter, die nach der anheimelnden Poesie der »Fireside« der offenen Kamine, eine unbezähmbare Sehnsucht empfinden. Sie können am Gaskamin ihrer Sehnsucht fröhnen, ohne die Schattenseiten der begehrten Dinge zu empfinden. Denn diese Einrichtungen sind technisch vorzüglich. Aber sie sind vom ästhetischen Standpunkt aus unerträglich. Sie sind gewöhnlich mit den heillosesten Stilschnörkeln verbrämt. Da hilft nur Eines: Man gibt ihm eine hölzerne Umhüllung, weiß oder sonstwie lackiert, mit einem Gesimse für kleine Kunstwerke versehen und mit Sitzgelegenheiten rechts und links. Wir haben damit in unserer Stadtwohnung die gemütlichste und traulichste Einrichtung gewonnen, wie man sie sonst nur in einem englischen Hause zu finden gewohnt ist.
Vorzimmer von Arch. Karl Sumetsberger.