Das zornmütige Annchen.
„Was ist immer munter, geht bei Tag und Nacht und wird von allen gern gelitten?“ Dieses Rätsel gab einmal Schuster Pechdraht etlichen Buben und Mädeln auf, und selbst die, die eigentlich keine guten Rater waren, riefen gleich: „Unser Dorfbrunnen.“ Schulzens Jakob fügte ganz hochmütig hinzu: „Solche leichte Rätsel sollte man gar nicht aufgeben.“
Schuster Pechdraht konnte, so oft er wollte, sagen, er hätte die Turmuhr gemeint, die Kinder glaubten es ihm doch nicht. Das Brünnlein auf dem Dorfplatz, das Tag und Nacht leise plätscherte, war ihnen allen viel, viel lieber als die Turmuhr, die dummerweise immer anzeigte, wann Schulzeit war. Was hatten die Buben und Mädel schon für lustige Sachen am Brunnen erlebt! Welch ein prächtiger Rettungshafen war der bei Ritter- und Räuberspielen! Am Brunnen konnte man spritzen, da wagte sich die feindliche Partei nicht so leicht heran. Wollten sich ein paar Mädel oder Buben treffen, immer hieß es: „Am Brunnen.“ Da war schon mancher dumme Streich erdacht worden, und wie oft war schon ein Bube oder Mädel, ein Schulbuch, eine Wasserkanne, ein Puppenkind oder eine Schürze, eine Bubenmütze oder gar ein Vesperbrot in den großen Steintrog des Brunnens gefallen. Ja, der Brunnen konnte etwas erzählen. Lustige und ernsthafte, kurze und lange Geschichten wußte er, viel dumme, aber herzlich wenig kluge. Hans Rumps hatte ordentlich Mitleid mit dem vielgeplagten Brunnen; er hatte oft gesagt, es sei unausstehlich, daß die Kinder fortwährend am Brunnen herumspielten. An einem Linksaufstehtag hatte er einmal den Schulzen so lange gebeten, bis der wirklich das Spielen am Brunnen verbot. Hans Rumps selbst hatte stöhnend und seufzend ein Plakat geschrieben, auf dem stand: „Es is ferbohden hiher zu schpieln un Uhnsinn un Lerm magen. Wär das nich duht wirtt beschtrafft. Di Ohrdsbollezeih.“
Mit der Rechtschreibung standen die Oberheudorfer Kinder nun zwar selbst manchmal auf dem Kriegsfuß, Hans Rumps' Plakat erregte aber doch ihr allergrößtes Vergnügen. Sogar Heine Peterle, der es meist unter zehn Fehlern im Diktat nicht tat, sagte: „Na, wenn das der Herr Lehrer sieht!“
Der bekam es aber nie zu sehen, denn als Hans Rumps diese schöne Verordnung eben am Brunnen befestigen wollte und dazu auf den Rand des Troges trat, verlor er plötzlich das Gleichgewicht und plumpste mit seinem Plakat ins Wasser. Er kam wieder heraus und wurde auch wieder trocken, seine schöne Verordnung aber war aufgeweicht, die Schrift ineinander gelaufen und alles unbrauchbar geworden. Hans Rumps schrieb kein zweites Plakat, der Schulze dachte: „Ach, mögen sie doch spielen!“ und so blieb der Brunnen den Kindern unverboten.
Etliche Tage, nachdem Muhme Lenelies die Geschichte von der schönen Liebelinde erzählt hatte, saß Annchen Amsee am Brunnen und nähte. Es war wieder schönes Wetter geworden. Ein bißchen kalt war es zwar, aber das kümmerte Annchen nicht weiter, sie nähte mit vielem Eifer an ihrem Röckchen und war rot und heiß dabei geworden. Annchen Amsee war ganz fleißig in der Schule, war flink mit den Beinchen und noch flinker mit dem Zünglein, aber Nähen, Stricken, Sticken und Stopfen wollte und wollte ihr nicht gelingen. In der Handarbeitsstunde war sie die schlechteste Schülerin, und es gab Ermahnungen und Strafen ohne Ende. Seit Muhme Lenelies aber von der geschickten Flickerin erzählte hatte, war in Annchen der Wunsch erwacht, auch so fleißig und geschickt zu werden, um dann vielleicht einen Prinzen zum Mann zu bekommen. So saß sie denn am Freitag nachmittag und stopfte. Natürlich hatte sie gerade ein Loch im Kleid, sie hatte sich auch geschwind etliche Haare ausgerissen und versuchte damit ihr Heil. Es ging aber nicht so einfach, immer wieder rissen die Haare, und das Loch war wie ein großes hungriges Maul, das sich nicht schließen will, selbst beim größten Butterbrot nicht. Neben der Kleinen standen zwei Mägde, Mine aus der „Himmelblauen Ente“, die gekommen war, Wasser zu holen, und Amsees Laura, die wusch Eier am Brunnen ab. Morgen sollte zum Markt gefahren werden, und Laura meinte, den Städtern müsse man die Eier schön sauber bringen. Ihre Bäuerin fand zwar immer, dies sei eine überflüssige Arbeit, Laura aber ließ nicht gerne davon ab, Oberheudorfs Sauberkeit sollte in der Stadt gerühmt werden. Krämers Trude hatte sich auch eingefunden, und die großen und kleinen Mädel schwatzten gerade eifrig miteinander, als fünf Buben die Dorfstraße entlang kamen. Natürlich blieben sie stehen, und natürlich sahen sie zu, was die Mädel taten. Schnipfelbauers Fritz war es, der zuerst rief: „Annchen stopft, seht doch nur! Nä, sie will wohl 'nen Prinzen heiraten?“
Annchen Amsee wurde rot. Sie neckte sonst gern und ließ sich necken, aber nur nicht mit ihren Nähkünsten. Sie sagte darum sehr schnippisch: „Was geht's euch an? So dumme Buben, wie ihr seid, will ich freilich nicht heiraten.“
„Sie stopft, sie will 'nen Prinzen,“ riefen nun auch die andern Buben höhnend.
„Sie kriegt gar keinen, sie muß auch hundert Jahre lernen!“ schrie Heine Peterle.
„Seid doch still, ihr,“ schalt Mine, die gerade fortgehen wollte, und spritzte die Buben. „Haltet den Mund!“ gebot Laura, und auch Trude schalt und fing an zu spritzen; nur Annchen tat, als bemerkte sie die Buben nicht mehr, eifrig stopfte sie weiter.
„Sie nimmt ihre Haare, nä, seht doch!“ rief Schulzens Jakob, der sich gar nicht um das Spritzen kümmerte. Die fünf Buben brachen in ein lautes, höhnisches Gelächter aus, und soviel auch Laura und Trude schalten, sie neckten das arme Annchen immer weiter. Die dachte tapfer: „Sie werden es schon satt kriegen,“ dabei kamen ihr aber doch die Tränen in die Augen, und immer riß der Faden. Darüber wollten sich nun die Buben ausschütten vor Lachen. Bei jedem Stich, den Annchen tat, schrieen sie: „Es reißt, es reißt! Aufgepaßt, der Prinz rennt fort!“
„Nun hört aber endlich auf,“ sagte Laura und schwang drohend einen nassen Lappen, „sonst bekommt ihr den an den Kopf!“
„Erst treffen!“ rief Heine Peterle schnippisch und stellte sich breit und keck vor den Brunnen hin.
Das zornmütige Annchen.
Ritsch! riß Annchens Haar entzwei und damit auch ihre Geduld. Sie besann sich einen Augenblick, sollte sie spritzen oder ihr Röckchen den Buben an die Köpfe werfen. Da fiel ihr Blick auf Lauras Eierkorb. Hastig griff sie hinein und – platsch! flog ein Ei Heine Peterle gerade mitten auf seine kleine, dicke Stupsnase. Das halbe Gesicht wurde gelb, es sah aus, als hinge dem Buben ein Eierkuchen an der Nase. Ehe sich die andern noch besannen, ergriff das zornmütige Annchen zwei andere Eier. Platsch! flog das eine dem dicken Friede in den offenen Mund, der Bube schluckte und pustete, und da hatte Schulzens Jakob schon ein Ei gerade vorn auf seinem Bäuchlein, als hätte er eine große Sonnenblume vorgesteckt.
„Bist du denn närrisch, Mädel?“ schrie Laura erbost und rettete jammernd ihren Eierkorb. „Nä, zum Kuckuck, was fällt denn dir ein? Das ist ja wohl eine neue Mode, mit Eiern Fangball zu spielen? Warte, ich werde dir zeigen, was es heißt, Eier aus Vergnügen andern an die Köpfe zu werfen!“ Ehe Laura aber noch ausgeredet und die Buben sich von ihrem Schreck erholt hatten, war Annchen Amsee schon auf und davon. Wie gejagt eilte sie nach Hause, Trude rannte schluchzend hinterdrein. Annchen raste, Trude raste, und so kamen sie unbemerkt in Amsees Holzstall hinein. Dort kauerten sich beide Mädel in den dunkelsten Winkel und heulten erst ein Weilchen um die Wette. Hörte Annchen einmal auf, so schluchzte Trude „Huhuhu!“ und hörte Trude auf, dann jammerte Annchen „Achachachach!“ Eigentlich hatte es Krämers Trude doch gar nicht nötig zu weinen, sie war jedoch eine viel zu gute Freundin, um Annchen in ihrem Kummer allein zu lassen.
Auf einmal flüsterte aber Trude ängstlich: „Es kommt jemand!“ Ganz geschwind krochen beide hinter einen Reisigberg. Trude schob noch rasch ein paar Bündel vor, und so saßen sie wie in einer kleinen Kammer. Aber da lugten auch schon etliche bitterböse Bubengesichter in den Holzstall hinein, und tuschelnde Stimmen wurden laut: „Ob sie hier sind?“ – „Nä, die sind sicher ins Haus gelaufen, die Bangbüxen,“ sagte Heine Peterle verächtlich. Eine Weile standen die Buben beratend an der Türe. Einer sagte: „Wir müßten sie doch sehen!“ Der dicke Friede meinte: „Vielleicht sind sie hinters Holz gekrochen, ich gehe rein und suche!“ Die Mädel zitterten wie Espenlaub in ihrem Versteck, und beinahe hätten sie beide losgeschrieen, als plötzlich eine barsche Stimme rief: „Was macht ihr denn da?“ Ein Knecht kam über den Hof, und ein wenig verlegen brummelten die Buben, daß sie Annchen und Trude suchten. „Die sind nicht hier,“ rief der Knecht, kam in den Holzstall hinein und rief: „Mädel, seid ihr da?“
Alles blieb still, die beiden wagten in ihrem Reisigkämmerlein kaum zu atmen, sie fürchteten sich schrecklich, und Annchen hatte das Gefühl, eine furchtbare Tat begangen zu haben. „Na seht ihr, sie sind nicht drin,“ sagte der Knecht, „also marsch hinaus!“ Er trieb die Buben aus dem Holzstall, schloß die Türe und schob den Riegel vor.
Die beiden Mädel hörten, wie die Buben fortgingen, und nach einem Weilchen flüsterte Annchen: „Wir wollen jetzt ins Haus gehen, da sind wir sicherer.“ Sie versuchten die Türe zu öffnen, aber o weh, sie war verschlossen. Betroffen schauten die beiden einander an. „Wir sind – eingesperrt!“ Einen Augenblick standen sie beide ratlos an der Tür; sie wußten erst nicht recht, sollten sie lachen oder weinen. Weil nun das Tränenbrünnlein aber schon einmal aufgezogen war, fingen sie ein jämmerliches Weinen an. Sie hockten beide im dämmerigen Holzstall und schluchzten wieder abwechselnd „Huhuhuhu!“ und „Achachachach!“, schluchzten, bis Krämers Trude auf einmal an ihr Vesperbrot dachte, das sie in der Tasche hatte. „A – a – annchen,“ heulte sie, „i – i – ich haabe was zu essen!“
Dies Wort wirkte sehr beruhigend auf Annchen, denn ihr fiel ein, daß sie eigentlich Hunger und kein Vesperbrot hatte. Sie trocknete daher ihre Tränen, und beide Mädel begannen Trudes Schnitten zu verzehren. Sie wurden leidlich satt zusammen und waren nun imstande, etwas ruhiger über ihre Lage nachzudenken. Zu schreien wagten sie nicht, sicher trieben sich die Buben in der Nähe herum. „Nachher holt unsere Laura noch Holz, sie tut das immer gegen Abend,“ sagte Annchen, „dann können wir raus. Sie ist schon nicht mehr böse, die brummt nie lange!“
„Wenn – wenn nur keine Ratten hier sind,“ flüsterte Trude bänglich.
„Hu hu,“ quiekte Annchen und hopste so hoch, als säße ihr schon eine auf dem Schoß, „Ratten, pfui!“
„Ich glaube, da krabbelt was,“ tuschelte Trude und kletterte geschwind auf einen Stoß Reisigbündel hinauf. „Komm hierher, hier kommen sie vielleicht nicht hinauf.“ Annchen folgte dem Rat. Oben saß es sich ganz behaglich, nur etwas stachlig, aber wie sie beide gerade recht überlegten, wie sie sich setzen wollten, geriet der Reisighaufen ins Rutschen, und die beiden Mädel kamen sehr fix wieder unten an. „Ich habe mir mein Kleid zerrissen,“ stöhnte Trude, und Annchen barmte: „Ich habe mich gekratzt.“
Selbst in einem Holzstall läßt sich allerlei erleben, dies merkten Annchen und Trude an diesem Nachmittag. Die Rattenfurcht veranlaßte sie immer wieder zu neuen Klettereien; waren sie oben, so purzelten sie wieder herab. So ging es hin und her, und sie vergaßen beinahe, daß sie eingesperrt waren. Es wurde dunkler und dunkler, und als die Mädel nun genugsam heruntergefallen waren, gaben sie es auf, vor den Ratten zu flüchten; sie kauerten sich in eine Ecke und begannen, sich leise allerlei Geschichten zu erzählen.
Die fünf Buben waren unterdessen im ganzen Dorfe herumgezogen und hatten die Mädel gesucht. Dreimal hatten sie beim Krämer und bei Amsees gefragt, ob Trude oder Annchen da wären, aber niemand wußte etwas von ihnen. Inzwischen war Annchens Tat auch im Dorfe bekannt geworden. Ihre Mutter hatte sie ebenfalls erfahren, und alle dachten: „Die Mädel haben sich versteckt.“
Es wurde dunkel, die Hausfrauen rüsteten das Abendbrot, und Hans Rumps stand seufzend aus seinem Bette auf und überlegte, wo er in dieser Nacht wohl am besten schlafen könnte. Jetzt begannen Annchens Mutter und die Krämerin doch ängstlich nach ihren Mädeln auszuschauen. Es wurde im Dorfe herumgeschickt, aber niemand wußte etwas von den beiden. Die Turmuhr schlug sieben. Das war die Zeit, in der in jedem Oberheudorfer Haus das Abendessen auf dem Tische stand, aber kein Annchen, keine Trude ließen sich sehen. Amsees Laura kam zum Schulzen, fragte nach Annchen und sagte zürnend zu Jakob: „Daran seid nur ihr Buben schuld. Wer weiß, was den Mädeln passiert ist!“ Und die Krämerin jammerte in Heine Peterles Elternhaus: „Wo nur mein Mädel ist!“
Da ließen alle Buben, auch die, die gar nicht dabei gewesen waren, ihr Abendbrot im Stich und rannten hinaus, die vermißten Mädel zu suchen. Sie vergaßen allen Zorn und suchten sehr eifrig und aufgeregt, denn sie hatten wirklich Angst, den Mädeln könnte etwas passiert sein. Nach und nach geriet das ganze Dorf in Aufregung, die Erwachsenen schalten und klagten, die Kinder schrieen, und Hans Rumps tutete etliche Male in sein Horn. Bei Amsees hatten sie das Haus schon dreimal abgesucht, nun kamen wieder etliche Buben und sagten: „Vielleicht sind sie hier doch wo!“
„Wir wollen noch einmal in den Holzstall gehen,“ meinte Laura. „Friedrich behauptet zwar, sie wären nicht dort, aber je ja, der bringt es fertig, zu Himmelfahrt nach dem Ostersonntag zu suchen!“
„So ein dummes Gewäsch,“ schrie Friedrich erbost, ging mit schweren Schritten voran nach dem Holzstall, riß die Türe auf und rief: „Na seht her, nischt ist da!“
„Du meine Güte, nä, da liegen ja alle beide und schlafen wie'n paar Ratten!“ rief Laura, und die Buben brüllten los: „Sie sind da, sie sind da!“
Mit diesem Jubelruf rannten die Buben hinaus und erfüllten die Dorfstraße mit ihrem Geschrei. Laura aber sagte kurz entschlossen zu Friedrich, der ganz verdutzt dastand und sich immerfort wunderte, daß die Mädel im Holzstall waren: „Nimm du Krämers Trude und trag sie rasch heim, ich nehme unser Annchen, sonst kommen die Buben zurück, und es gibt ein großes Getratsch!“
Friedrich tat ganz stillschweigend, wie es Laura anordnete, und als wirklich nach einigen Minuten eine ganze Schar Buben ankam, die nun alle die beiden Mädel sehen wollten, da lagen diese bereits in ihren Betten, und die Buben mußten abziehen. Sie waren sehr entrüstet darüber, sie hätten zu gern gewußt, wie die Mädel eigentlich in den Holzstall hineingekommen waren, denn Heine Peterle und Schulzens Jakob behaupteten noch immer, sie wären bestimmt nicht darin gewesen.
Am nächsten Morgen gingen Annchen und Trude mit etwas schwerem Herzen zur Schule. Trude hatte ja eigentlich keinen Grund dazu, aber aus lauter Freundschaft war sie mit verlegen und schaute mit ängstlich nach den Buben aus. Vor dem Brunnen trafen sie wieder alle fünf Kameraden, die gestern dabeigewesen waren. Einige Augenblicke standen Mädel und Buben stumm einander gegenüber, die Mädel verlegen, die Buben nicht wissend, ob sie gut oder böse sein sollten. Auf einmal platzte Schulzens Jakob heraus: „Wie seid ihr denn reingekommen?“
Annchen und Trude waren heilfroh, daß sie sprechen konnten und ihre wunderbaren Abenteuer im Holzstall erzählen durften. Sie taten es sehr eifrig, erzählten von ihrem Versteck, von den Ratten, die vielleicht dagewesen wären, und von der Purzelei, und die Buben lauschten, lachten, fanden die Holzstallgeschichte sehr vergnüglich und bedauerten eigentlich, daß sie nicht mit dringewesen waren. Plötzlich rief Krämers Trude kichernd: „Ach, Heine Peterle, dir saß das Ei gerade auf der Nase!“
Wie ein Zauberwort wirkte dies. Sie brachen alle in ein lautes Lachen aus, Schulzens Jakob und der dicke Friede schrieen ordentlich stolz: „Mir saß es hier!“ – „Mir saß es hier!“ Trude hopste vor Vergnügen hin und her, Annchen kicherte in ihre Schürze hinein, und Schnipfelbauers Fritz und Heine Peterle führten einen reinen Indianertanz auf. Die Schulranzen gerieten in Gefahr, in den Brunnen zu fliegen, und die Bücher und Federkasten polterten wie wild in den Ranzen herum. Die Kinder hatten allen Zorn, alles Beleidigtsein vergessen und hätten wohl bis Mittag am Brunnen gestanden und gelacht, wenn nicht plötzlich mahnend die Schulglocke getönt hätte. Da liefen sie eilig alle Hand in Hand der Schule zu; sie waren wieder gute Freunde, wie sie es bisher gewesen waren, und waren vergnügt, daß sie den Berenbachern eine so furchtbar komische Geschichte erzählen konnten.
Das Brünnlein aber rann und gluckste, tropf, tropf, tropf, tropf! Es freute sich auch, daß es wieder etwas gesehen und gehört hatte.