Achte Szene.
Dupré. Gräfin.
Dupré. Welch Geschrei! Giebts hier Unheil?
Gräfin. Ah — kaum athme ich noch! (gegen die Wand) Es ist Dupré. … Welch Entsetzen! … Ruhe, Ruhe, ich beschwöre sie darum! (zu Dupré) Das drang tief ein —
Dupré. Wie — durch die Wand? Hören sie. …
Gräfin. Was sagt er da?
Dupré. Er fürchtet, sie werden in Ohnmacht sinken.
Gräfin. Ah! Das weckt mir einen ähnlichen Gedanken. Er entsetzte mich, ich entsetze ihn wieder. Mache ihm bange, recht bange. Sprich!
Dupré. (gegen die Wand) Mein Herr, mein Herr — Madame taumelt — das geht übel — übel — (zur Gräfin) Ach! — hören sie die Angst!
Gräfin. (entfernt ihren Stuhl von der Wand) Sage ihm, ich sei ohne Besinnung.
Dupré. Ach mein Herr! Madame ist bleich, wie eine Lilie. — Die Augen sind starr — der Anblick durchbohrte ihr Herz.
Gräfin. Trefflich! Nur weiter! Ich glaube er weint.
Dupré. Er weint, schluchzt, rauft das Haar. Hören sie es denn nicht? (gegen die Wand) Das nenne ich Krämpfe, Convulsionen! Ich brachte sie auf den Divan, und empfing furchtbare Stöße ihrer Hand. — Die Wangen sind hellgrün und dunkelgelb, die Lippen Indigoblau. … Ja ja, ich habe Eau de cologne hier —
Gräfin. Sag ihm, daß die Krämpfe zunehmen.
Dupré. O — o — o! (schlägt an die Wand) Hören sie es wohl, Herr Chevalier, sie macht den Lärmen — mit Hand, Fuß, und Stirn, ich halte sie nicht allein. — Mein Gott welcher Zustand. … Ja den Kopf halt ich zwischen den Händen, sie stieß sich nur einmal wider die Stirn, es bedeutet wenig. (zur Gräfin) Aber nun Madame, enden sie!
Gräfin. So laß mich zu mir kommen, aber nach und nach. (sie rückt den Stuhl wieder zur Wand hin.)
Dupré. Ah dem Himmel sei Dank, da fand ich doch ein wirksam Mittel. Ich wollte ihr ein wenig Wasser ins Gesicht sprengen, sie schlug mit dem Arm an die Carafine, und so strömte die ganze Flut über sie. — Aber es thut Effekt. — Sie träuft wie eine Nymphe im Bade. — Wäre nur das Wasser nicht so eiskalt. Doch mit einem Schnupfen kömmt sie davon. — Ja es hilft wunderbar. — Sie öffnet die Augen … (die Gräfin und Dupré klopfen wider die Wand) das ist sie immer noch. … Die Krisis des Uebels. Sie stampft — windet sich — die Nerven sind fürchterlich angegriffen. … Ah — nun kömmt Ruhe über sie — Erholung — die Mißfarbe schwindet — das Kolorit ist wieder da. … Die Lippen noch ein klein wenig blau, sonst alles wieder in voller Ordnung.
Gräfin. Sage, ich nenne seinen Namen.
Dupré. Mein Herr, sie stammelt etwas, kaum hörbar zwischen den Lippen. Ah — Blan — Blan — ihren Namen, mein Herr! … O glauben sie, daß ich wie ein Kind weine — (weint) Ihre Augen sind noch immer so stier — da quellen, glänzen, brechen Thränen hervor. … Antworten sie ihm doch.
Gräfin. (gegen die Wand mit weinendem Ausdruck.) Ich wollte sie bergen — meine Fühlbarkeit — vielmehr meine Schwäche —
Dupré. Wie zärtlich er nun ist.
Gräfin. Geh, ich mögte nur lachen!
Dupré. (ab.)