§ 13. Gleichzeitige Anwendung der verschiedenen Methoden.
37. Verbindung der Schnittmethode mit den Fluchtpunktmethoden. Wir können aber auch die früher behandelte Schnittmethode (vgl. 8) mit den Konstruktionen, die sich aus der Benutzung der Fluchtpunkte ergeben (17, 18 u. f.), verbinden und erhalten dadurch das für Darstellung architektonischer Objekte brauchbarste Verfahren. Wir werden dasselbe am besten an einem Beispiele kennen lernen:
Aufgabe 21. Ein Postament ist durch Grund- und Aufriß gegeben ([Fig. 73]); die neue Bildebene, in der eine Perspektive dieses Objektes entworfen werden soll, steht auf der Grundrißebene senkrecht, geht durch die Achse des Postaments und mag durch die Linie h1h1 bestimmt sein. Außerdem sind der Augpunkt A und der Horizont hh je durch ihre Risse gegeben. Man zeichne das Bild des Körpers, wenn die Distanz 12 cm beträgt.
Wir wählen in der neuen Darstellung die Grundlinie gg und darüber in der durch den Aufriß gegebenen Höhe den Horizont hh ([Fig. 74]) und auf ihm den Augpunkt A. Dann zeichnen wir den Schnitt der Bildebene mit dem Körper, was unter Benutzung der Schnittpunkte 1, 7, 13, 14, 8, 2 von h1h1 mit dem Grundriß und unter Heranziehung des Aufrisses leicht geschehen kann. Denn die durch A gelegte Vertikale ist die Achse des Körpers. Schneidet sie die Grundlinie in n, so machen wir nx = A11.
In x zeichnen wir wieder die Senkrechte und machen xy gleich der aus dem Aufriß zu entnehmenden Höhe des Sockels usf. Auf diese Art erhält man die Schnittfigur der Bildebene mit dem Körper, die in [Fig. 74] durch Schraffierung am Rande hervorgehoben ist.
Fig. 73.
Um jetzt den Grundriß des Körpers in das Bild zu übertragen, verfahren wir in folgender Weise: Wir führen eine Parallelebene zur Grundrißebene ein, welche aus der Bildebene die Parallele ll zum Horizont ausschneiden möge. In diese neue Ebene projizieren wir den Grundriß. Das kommt darauf hinaus, daß der Grundriß um das Stück hl in die Höhe geschoben wird. Wir zeichnen nun zunächst das Bild dieses verschobenen Grundrisses.
Der Grundriß besteht aus zwei Systemen paralleler Geraden und wir werden die beiden Fluchtpunkte zu ermitteln haben, die zu diesen Parallelen gehören. Wir errichten in [Fig. 73] im Punkte A1 eine Senkrechte zu h1h1 und tragen auf ihr etwa ein Viertel der Distanz an, machen also
A1 O1/4 = 3 cm.
Ziehen wir sodann durch O1/4 eine Parallele zu 5.6, so schneidet diese auf dem Horizont den Riß des Teilfluchtpunktes Fa/4 aus. Demnach erhalten wir in [Fig. 74] den Fluchtpunkt Fa, indem wir AFa = 4 A1 Fa/4 auf dem Horizont antragen.
Der Fluchtpunkt Fb der anderen Richtung 6.3, der weit über die Zeichenebene hinausfällt, möge nach der in 35 erörterten Methode bestimmt werden. Wir ziehen durch Fa irgendeine Linie, wählen auf ihr den Punkt p' beliebig und zeichnen einen neuen Horizont, der in fa die Linie von Fa nach p' trifft. Nun ermitteln wir eine horizontale Linie, welche im Punkte p auf der Linie Fap senkrecht steht. ([Aufgabe 9].) Zunächst zeichnen wir den Teildistanzpunkt D1/4, indem wir aus [Fig. 73] die Strecke A1 O1/4 entnehmen und A D1/4 = A1 O1/4 antragen. Dann mögen die Verbindungslinien von p' nach A und D1/4 den neuen Horizont in a und d1/4 treffen. Wir errichten gemäß der früheren Ableitung in a eine Senkrechte zum neuen Horizont und machen dieselbe viermal so lang als die Strecke a d1/4, so daß also
ad4 = 4 ⋅ a d1/4.
Verbinden wir d4 mit fa, so schneidet eine Senkrechte zu dieser Linie im Punkte d4 den Punkt fb aus und die Verbindungslinie von fb mit p' geht nach dem Fluchtpunkte Fb.
Weitere Linien nach Fb können wir nach dem dritten in 36 angegebenen Verfahren ermitteln. Zu diesem Zwecke sind in der Figur rechts und links zwei Vertikale gezeichnet. Die Verbindungslinie p'fb schneidet auf diesen die Punkte 0 aus; die Abschnitte bis zum Horizont sind rechts und links je in zwölf gleiche Teile geteilt; alle Linien nach Fb teilen entsprechende Abschnitte der beiden Vertikalen im gleichen Verhältnis. Es braucht wohl kaum bemerkt zu werden, daß die Nummern auf den beiden Vertikalen bloß dem Zwecke dienen, Linien nach dem Fluchtpunkt Fb zu liefern, und daß diese Nummern ganz unabhängig sind von den übrigen Ziffern der Figur.
Die Konstruktion des Bildes des verschobenen Grundrisses kann nun wie folgt erfolgen. Die Punkte 1, 7, 13, 14, 8, 2 auf der Linie ll ergeben sich sofort, indem man die entsprechenden Strecken von h1h1 überträgt. Ist also m der Schnittpunkt der Achse des Körpers mit ll, so ist
m1 = A11, m7 = A17 usf.
Fig. 74.
Verbinden wir dann die Punkte 1 und 2 mit Fa, so sind dies zwei Seiten des äußeren Viereckes. Die auf der Linie von 2 nach Fa gelegenen Ecken 3 und 4 bestimmen wir nun etwa durch Tiefenlinien. Wir zeichnen zunächst im Grundriß ([Fig. 73]) die Senkrechte durch 3 zu h1h1, welche in s1 die Bildtafel trifft. Machen wir in [Fig. 74] ms = A1s1, so ist s die Spur in der Parallelebene und As das Bild der Tiefenlinie. Diese Linie As schneidet dann auf der Linie 2.Fa den Punkt 3' aus. Ebenso mag man die übrigen Ecken 4', 5', 6' ermitteln und es nun als Kontrolle benutzen, daß 4'.5' und 3'.6' durch Fb gehen müssen.
Man kann auch die Spuren der Geraden, soweit sie bequem erreichbar sind, hinzunehmen. Um das Bild des zweiten Vierecks 9, 10, 11, 12 zu zeichnen, ist im Grundriß die Spur t1 der Linie 9. 12 gezeichnet. Machen wir in [Fig. 74] mt = A1t1, so ist t die Spur der Linie 9. 12 und 9'. 12' geht verlängert durch t.
Endlich können wir auch noch die Eigenschaft verwenden, daß die Verbindungslinien 5'.3', 6'.4', 9'.11', 10'.12' usf. alle durch m gehen müssen.
Ist auf diese Art das Bild des verschobenen Grundrisses oben konstruiert, so liefern die Vertikalen durch die Ecken 3', 4', 5', 6' usf. je einen ersten Ort, auf dem die Bilder des Grundrisses selbst gelegen sein müssen. Unter Benutzung der Schnittfigur mit der Bildebene ist das Bild des Körpers dann aber leicht fertigzustellen. So liefert z. B. der Punkt x mit Fa verbunden die untere, linke Kante des Sockels und die Senkrechten durch 5' und 6' schneiden auf ihr die betreffenden Ecken aus.
Wie wir bei dieser Aufgabe die Grundebene nach oben verschoben (Deckenriß), so kann man unter Umständen auch unterhalb der Grundebene eine Parallelebene wählen, in diese den Grundriß projizieren (sog. Kellergrundriß) und dessen Bild zur Konstruktion benutzen.