Lebens-Alpenfahrt!

Stets wandeln wir dem Abgrund dicht,
Wo Tief und Dunkel schrecken,
Aus dem ein Tod und letzt Gericht
Die Drachenhälse recken!

Wir wandeln, ahnen nicht Gefahr,
So sorglos hin wie Kinder …
Da strauchelst du und gleitest gar
Und gleitest ab geschwinder!

»Jetzt gilt's! Ist keine Latsche da,
An der du dich kannst halten?
Umfassen nicht, dem Sturze nah,
Dich rettende Gestalten? …

Humor, so heißt die Latsche schlicht
Gleich Göttern hochgeboren –
Erhaschst du sie im Gleiten nicht,
Dann, Freund, bist du verloren!

Ich mußte gleichwohl sinnen,
Wenn nichts ich auch ersann;
Hab' lange so gesonnen,
Merk' nun, daß ich nichts kann,
Und komm' am Lebensende
Als Lehrling wieder an!

Hin eilen die Sterne weit
In endlosem Schwung!
Schon morgen um die Zeit
Bist nimmer so jung!
Umarme hinieden
Die Gegenwart froh:
Was heut dir beschieden,
Nicht morgen ist's so!

Gedanken, weisheitsvoll,
Wenn ich sie jemals hab':
Sie brachen immer mir
Beim Bleistiftspitzen ab!

*

Mit Schmerzen durftst du auf die Welt;
Du weißt nichts mehr davon –
Mit Schmerzen mußt du aus der Welt:
Du merkst es leider schon!

Schenkt dir ein höheres Alter Gott,
Dann bitt' aus tiefster Brust,
Daß manches noch erleben darfst,
Doch nicht zu viel erleben mußt!

Du wappnest dich mit Panzerketten,
Mit Schild und Haube fest aus Stahl:
Der Todespfeil, nichts kann dich retten,
Durchdringt die Fugen überall!

Und du erliegst! – Sei, Freund, doch weise,
Schnell zieh den schweren Panzer aus,
Der dich beschwert nur auf der Reise,
Hemdärmlig wage keck den Strauß!

Ein Held, er beut die Brust dem Schusse,
Der mitten zielt ins Herz hinein,
Und lächelnd wie zum Abschiedsgruße
Geht er in seinen Himmel ein!