GLASMALEREIEN.
Mit Rücksicht auf räumliche Verhältnisse ist die kleine Sammlung alter Glasmalereien teils in der Sammlung von Glasarbeiten, teils im Saale IX aufgestellt.
Die hier ausgestellten beginnen in der Ecke links mit einer Dreifaltigkeitsdarstellung aus dem XIV. Jahrhundert aus dem Stifte Heiligenkreuz in Niederösterreich. Es folgen Glasmalereien des XV. Jahrhunderts aus St. Stephan in Wien, Architekturen und religiöse Darstellungen, ferner zwei größere Tafeln aus Wiener-Neustadt aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts, darstellend Philipp den Schönen und Johanna von Kastilien an einem Altar kniend, hinter ihnen ihre Namenspatrone. Darunter zwei kleinere italienische Glasmalereien aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts und eine französische Arbeit aus der Mitte des XVI. Jahrhunderts, beides Stücke, die mit der gleichzeitigen Ölmalerei wetteifern. Im folgenden Fenster eine Tafel aus dem Ende des XV. Jahrhunderts mit dem Wappen von Österreich, Burgund, Kastilien usw., eine Dreifaltigkeitsdarstellung aus dem XVI. Jahrhundert und eine Wappentafel mit Ornamentumrahmung, datiert Nikol ... Delft pinxit 1608. Weitere Glasmalereien sind im Saal IX ausgestellt. Wir finden hier zunächst vier prächtige Schweizer Scheiben, Kabinettbilder von köstlicher Zartheit der Ausführung. Das erste mit dem Monogramm A H ist die Arbeit eines der besten Schweizer Glasmaler, des Andreas Hör aus St. Gallen, das folgende mit Bacchus ist unbezeichnet. Von dem berühmten Züricher Glasmaler Christoph Maurer ist das dritte Bild „Der Sommer“ ausgeführt, das die volle Signatur des Meisters samt der Datierung 1597 trägt. Das vierte, „Jakobs Traum“, ist unsigniert. Die auf diesen Scheiben angebrachten Wappen sind Nürnberger Geschlechterwappen, unter welchen das Tuchersche, Behaimsche und Stromersche konstatiert werden konnte. Die darunter befindlichen Rundscheiben sind deutsche Arbeiten aus dem XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts. Im nächsten Fenster finden wir braun abgetönte Schwarzlotmalereien mit Silbergelb, auch Kunstgelb genannt, eine technische Neuerung des XIV. Jahrhunderts, die von da ab ununterbrochen in Übung bleibt. Besonders hervorzuheben die Darstellungen aus der Legende vom verlorenen Sohne und die Rundscheiben des XV. Jahrhunderts, mit Grablegung und Christus in der Vorhölle. Ebenfalls dem XV. und XVI. Jahrhundert gehören die acht Glasmalereien am folgenden Fenster an, darunter eine prächtige spätgotische Madonna in der Strahlenglorie. Die zweite Schweizer Scheibe am nächsten Fenster, ebenfalls mit A H signiert und von 1566 datiert, trägt das Wappen des Paulus Fer, Bürgermeisters zu Kempten. Außerdem finden wir hier zwei Kreuzigungsbilder aus dem XV. und XVI. Jahrhundert, eine frühgotische kleine Scheibe mit der Anbetung der heiligen drei Könige und verschiedene Wappenscheiben des XVI. Jahrhunderts.