Bücherbesprechung
Die Oberlausitzer Heimat. – Verlagsanstalt Görlitzer Nachr. u. Anz., Görlitz. Preis M. 5,–.
Der Kalender hat bereits seinen Ruf, darum nimmt man den diesjährigen stattlichen Band gleich froh und erwartungsvoll zur Hand. – Landschaftsbilder an oft geradezu unaussprechlicher Innigkeit erfreuen da gleich zu Anfang den Beschauer. Sie begleiten das Kalendarium und stehen so bescheiden in ihrer Ecke. Der flüchtige Beschauer geht wohl gar über sie hinweg, aber ich meine, einen besseren Führer durch die Oberlausitz kann einer nicht leicht haben, als wenn er sich dem Schöpfer dieser entzückenden Zeichnungen anvertraut. Welch ein Zauber geht von diesen stillen Dörfern, von der blauen Bergkette aus; wie schweift der Blick hinaus über das weite Gesenke bei Dittelsdorf. Ein altes Schloß, ein paar Hütten von starren Föhren, und am stimmungsvollsten wohl das Jägerndörfel im Winternebel mit den steilen Rauchsäulen über den Dächern. Fürwahr, das ist Heimatkunst! Wir danken dem Künstler Bruno Lademann für seine Arbeit. – Auch der unterhaltende Teil ist wieder trefflich zusammengestellt; eine Fülle des Wissenswerten aus der Lausitzer Geschichte dabei. Ich glaube wirklich, hierin ist der Oberlausitzer Kalender unübertroffen. Nur eins möchten wir zur Sprache bringen. Es ist in dem Kalender ein allerdings ganz reizender Aufsatz von Ottomar Enking enthalten, von einer kleinen Stadt zur Pfingstenzeit. Aber durch die Gassen dieser Stadt weht keine Lausitzer Luft – es ist ein niederdeutsches Gemeinwesen, was da geschildert ist. Unsrer Meinung nach muß ein Heimatkalender auf strenge Bodenständigkeit halten, es wird ihm das sicher gedankt werden und die Herren Herausgeber der Oberlausitzer Heimat haben ja eine Fülle trefflicher Mitarbeiter aus dem eigenen Gau an der Hand. – Möge das schöne Heft die wohlverdiente Verbreitung finden.
G. P.
Ludwig Richter als Radierer. Von Walther Hoffmann. Mit 51 Bildern, Berlin 1921. Dietrich Reimer (Ernst Voßen). M. 35.–.
»Ein neuer Ludwig Richter!« Mit dieser Anpreisung legt der Herausgeber den Bilderband in unsere Hände. Und in der Tat bedeutet dieses Buch für viele etwas Neues, auch wenn sie Ludwig Richter aus einzelnen Radierungen schon kennen, die er zumeist nach eigenen Gemälden für den Kunstverein geschaffen hat, wie beispielsweise seine Genoveva, die Christnacht und den Rübezahl. Vielleicht erinnert sich auch mancher noch an das und jenes anspruchslose Landschaftsblättchen aus der Frühzeit seines Schaffens, das handgetönt in den gefühlsdurchtränkten Freundschaftsstammbüchern der Biedermeierzeit sich findet oder im schmalen Goldrähmchen über dem Sofa in Großmutters guter Kirschbaumstube hing. Im übrigen weiß man recht wenig vom »Radierer« Ludwig Richter. – Die Neuerscheinung füllt somit eine schon oft empfundene Lücke aus. Aus den bei Hoff verzeichneten 240 und den durch Singer und besonders Budde noch 26 neu entdeckten Blättern hat Walther Hoffmann 51 ausgewählt. Sie sollen unsers Meisters Kunstschaffen in der Entwicklung darstellen. Vom ersten unbeholfenen Landschaftsstich des Vierzehnjährigen bis hin zu jenem letzten Kabinettstück seiner Kunst, das Ludwig Richter als ein altersmüder Greis im Jahre 1866 für seinen Freund Cichorius radierte, sind alle Phasen der allmählichen Vervollkommnung vertreten. – In Hinsicht auf die Auswahl kann man gewiß vereinzelt anderer Meinung sein. Insonderheit hätte der Heimatfreund die Göttin von Sais, ein paar der Übertragungen von fremden Werken und einige italienische Landschaften zugunsten anderer Blätter wohl entbehrt, die, wie die ruhende Familie, das Bild zum Schlaflied Tiecks, der Schnitzelmann und selbst die so bescheidenen »An- und Aussichten« die deutsche Heimat uns zum Herzen sprechen lassen. Gerade nach dieser Seite hin kann Ludwig Richter nicht genug im deutschen Volk verbreitet werden. Er ist des Heimatschutzes bester Vorkämpfer. Wo Ludwig Richter eine Heimstatt hat, lernt man die Heimat auch beseelen. Da wird die stille Heimatschönheit treu gehütet, weil man an Ludwig Richters Bildern der Heimat inneren Wert erkennen lernt. Darum hinein ins Volk mit unserm Ludwig Richter, die Heimat wird nur Vorteil davon haben! – So sei das vorliegende Buch jedwedem Heimatfreund empfohlen und um so wärmer noch empfohlen, als Walther Hoffmann auch die beigebrachten Stiche in ansprechender Form erläutert. Die Ausstattung ist gleichfalls anerkennenswert. Mag dieses Buch recht viele Freunde finden!
Kurt Melzer, Dresden.
Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei
Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden.
Ein deutsches Weihnachtsspiel
»Im Stall zu Bethlehem«
In vier Aufzügen mit Text, Buntfiguren
und Anleitung zum Bühnenbau
bearbeitet von M. Brethfeld und Th. Göhl
Verlag: Landesverein Sächsischer Heimatschutz
Dresden-A., Schießgasse 24
Preis M. 6.–
Bestellkarte in diesem Heft
Im Stall zu Bethlehem – unter diesem Titel hat der Landesverein Sächsischer Heimatschutz ein deutsches Weihnachtsspiel für unsere Jugend herausgegeben, das freudiger Empfehlung würdig ist. Urheber sind die Pädagogen M. Brethfeld und Th. Göhl, denen es aus ihrer Erziehertätigkeit heraus entstanden ist. Die Jugend soll, soweit es möglich, das Krippenspiel selbst herstellen und selbst aufführen, und auch die Zuschauer sollen durch Vers und Volkslied zu Mithandelnden werden. Ein löblicher erzieherischer Grundsatz in einer Zeit, wo die Unterhaltung bedauerlicherweise sogar in Haus und Familie so oft von bezahlten Kräften besorgt wird, anstatt daß alle zu eigener Befriedigung mitwirken. Und noch eine zweite niederdrückende Erfahrung bewog die Herausgeber, dem Krippenspiel gerade die gewählte Form zu geben: die Erfahrung, daß unsere Jugend in Kino und Theater an Weihnachtsspiele gewöhnt wird, die an äußerem Aufwand immer reicher werden, die uns aber immer weiter wegführen von den wahren Quellen innerer Volkskraft, immer weiter weg von Einfachheit, Wahrhaftigkeit und schlichter Innerlichkeit. Sogar der Christbaum ist der gedankenlosen äußeren Bereicherung und inneren Verarmung verfallen. Durch ihr Krippenspiel wollen die Herausgeber mit den Mitteln einer natürlichen und schlichten Volks- und Kinderkunst mithelfen im Kampfe gegen Veräußerlichung und Verflachung unseres schönen Weihnachtsfestes, bei der Vertiefung und Verinnerlichung des Weihnachtsgedankens und des Weihnachtsgefühls. Das Spiel besteht aus vier Bogen mit Figuren, die ausgeschnitten werden müssen – Maria, Joseph und das Kind in der Krippe, die Hirten, die heiligen drei Könige usw. – dazu kommt eine Anleitung zum Aufbauen des Theaters, wozu die einfachsten Mittel ausreichen und keine besondere Kunstfertigkeit beansprucht wird, und endlich der Text, der ein Vorspiel und vier Aufzüge umfaßt. Auch einige von den alten schönen Weihnachtsliedern sind hineinverwebt, die von allen Kindern, mitwirkenden wie zuschauenden, gesungen werden sollen. Die Aufführung dürfte höchstens eine halbe Stunde in Anspruch nehmen. – Allen, die an der heimatlichen Volkskunst Anteil nehmen und im Sinne der obigen Sätze an der Gesundung unserer Unterhaltung mitarbeiten möchten, sei das Weihnachtsspiel bestens empfohlen. Das Spiel kostet M. 6.– und ist beim Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24, erhältlich.
Bunte Gassen,
helle Straßen
Dresden 1921
des Landesvereins Sächsischer
Heimatschutz Heimatbücherei
Band II
185 Seiten – Großoktav
hart gebunden
Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereins Sächs. Heimatschutz M. 15.–
Bestellkarte in diesem Hefte
Gerhard Platz »Vom Wandern und Weilen im Heimatland«, der erste Band unserer Heimatbücherei ist vergriffen und wird nächstes Jahr in neuer Auflage erscheinen. Jetzt kündigen wir den zweiten Band an. Max Zeibig ist sein Verfasser. Wer kennt nicht seine gemütvollen Schilderungen aus der Kinder-, aus der Jugendzeit, die in den angesehendsten sächsischen Tageszeitungen seit Jahren erscheinen. Heinrich Sohnrey gab dem Buche das Geleitwort und wünschte, daß es nicht nur in Sachsen, sondern in ganz Deutschland Verbreitung finde.
Landesverein Sächsischer Heimatschutz
Dresden-A., Schießgasse 24.
Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.