Dank und Bitte an unsre werten Mitglieder!

Ein Jahr nähert sich dem Ende, das in seiner zweiten Hälfte eine Teuerung brachte, die jede und alle Berechnung unmöglich machte. Wenn wir trotzdem bis hierher durchkamen und dieses stattliche letzte diesjährige Heft unsrer Mitteilungen in uneingeschränktem Umfang, in alter Ausstattung – wie früher – herausgeben konnten, so zeugt dies von der Festigkeit der wirtschaftlichen Lage unsres Vereins, von unserm unbeugsamen Willen »Durchzuhalten«. Tausende von Zuschriften mit diesem Wort und reichen Geldspenden haben uns dazu ermuntert und dies ermöglicht. Wir konnten nicht jedem einzelnen danken – und das lag auch nicht in der Absicht unsrer Spender –, den Dank unseres Vereins statten wir durch das weitere Erscheinen der grünen Hefte, durch unsre weitere Tätigkeit ab. Und dazu bitten wir erneut – was eigentlich in dieser schweren Zeit selbstverständlich ist – um die Hilfe, die Unterstützung aller unsrer Mitglieder. Wenn wir den diesjährigen Jahresbeitrag rückwirkend auf mindestens 100 M. erhöhen müssen, so bedeutet diese Summe bei der heutigen Teuerung ein so kleines Entgelt bei dem vielen, das wir bieten, daß wir, um bestehen zu können, auf erneute freiwillige Beiträge von allen denen, die dazu irgendwie in der Lage sind, direkt angewiesen sind. Das Postgeld jedes Heftes kostet uns heute schon 12 M., ab 15. Dezember 24 M. Würden wir die alljährlichen Gesamtkosten unsrer Mitteilungen auf die Zahl unsrer Mitglieder umlegen, so müßten wir einen Jahresbeitrag von 300 M. fordern. Das wollen und können wir nicht, weil wir sonst die vielen wirtschaftlich schwachen Mitglieder, Rentner, Schüler, Schülerinnen und viele andere verlieren würden, und warum sollen wir so vielen unsrer Volksgenossen die Zugehörigkeit zu ihrem Heimatverein unmöglich machen, zu einem Verein der ihnen das letzte, was wir besitzen, die Heimat erst lieb und wert macht.

Bei der Bemessung eines freiwilligen Weihnachtsbeitrages für uns, der zur Beschaffung des Papiers für unsre nächstjährigen Mitteilungen verwendet werden soll, bitten wir an die heutigen Kosten der illustrierten Zeitschriften und der Tageszeitungen zu denken, um einen Maßstab für unsre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Von der Höhe der eingehenden Beträge wird das weitere Erscheinen unsrer Mitteilungen wesentlich abhängen. Wir bitten daher herzlich, uns im schweren Kampf ums Dasein auch weiter zu helfen und dadurch die größte sächsische Kulturbewegung lebensfähig zu erhalten zur eigenen Freude.

Mögen alle bedenken, daß bei uns eine Arbeit geleistet wird, wo uns kein politischer Trennungsgraben zerklüftet, auf der uns und unsren Nachfahren eine verjüngende Freude an Heimat und Vaterland erwachsen wird.

Weihnachten 1922.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz
Dresden-A., Schießgasse.

Band XI, Heft 10/12

1922

Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern herausgegeben

Abgeschlossen am 1. November 1922