Zur Geschichte des Jägerhofes zu Dresden

Von Dr. Koepert

Bei den nahen Beziehungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz und dem Verein für Sächsische Volkskunde und Volkskunst dürfte auch die Geschichte des Jägerhofes, in dessen Restgebäude der letztgenannte Verein sein herrliches Volksmuseum untergebracht hat, für unsere Leser von Interesse sein. Handelt es sich doch hier um ein Baudenkmal, das in früheren jagdfrohen Zeiten von großer Bedeutung war, wie die folgenden Ausführungen beweisen werden.

Was nun zunächst die Baugeschichte betrifft, so sei bemerkt, daß das älteste Jägerhaus, von dem berichtet wird, vor dem Wilsdruffer Tor an der Weißeritz gelegen war. Sein Erbauer war Herzog Albrecht. Im Jahre 1492 schenkte Herzog Georg der Bärtige dieses Haus einem alten Diener seines Vaters wegen treuer Dienste mit dem dazugehörigen Garten. Als Ersatz hierfür errichtete er in der Nähe des Jakobihospitals ein neues Jägerhaus, das gleichfalls die Jagdgerätschaften beherbergte, für die Jäger aber keine Unterkunft bot. Diesem Zwecke diente vielmehr ein in der Nähe des Schlosses gelegenes Förstereihaus. Kurfürst August (1553–1586) begnügte sich nicht mit der Jagd auf inländisches Wild, sondern erwarb einige Löwen, die bei Kampfjagden Verwendung finden sollten und zu deren Unterbringung er die Herstellung eines besonderen Löwenzwingers auf der Elbbrücke durch folgendes Schreiben an den Brückenmeister anordnete: »Lieber getrewer. Wir haben unsern Oberzeug- und Baumeister und lieben und getrewen Kaspar Vogt ein Baw uf der ElbBrücken zu Behaltung ezlicher Lewen zu thun befolhen, dargegen wir begern, Ihr wollet den zum forderlichsten seiner Angabe nach machen und fertigen lassen, dergleichen Torhaus auch vollenden, wie er euch anzeigen wirdt und ihn den nichts verhindern lasset, darum thut er unsere Meinung. Datum Dresden den 8. Tag Aprilis 1554. An den Brücken Meister.« Daß das Gebäude wirklich vollendet und seinem Zwecke dienstbar gemacht wurde, geht aus der Tatsache hervor, daß 1558 die »Brückenlöwen« aus ihren Fängen zu einem Kampfjagen herbeigeführt wurden. Im Jahre 1612 wurde ein besonderes Löwenhaus auf der Schössergasse in Form eines viereckigen niedrigen Turmes erbaut, der aber 1839 wieder abgetragen wurde. Im Jahre 1568 verlegte Kurfürst August die Jägerei nach Altdresden, der jetzigen Neustadt, und zwar »um allda, weil selbige Stadt (die jetzige Altstadt) damals ganz offen und unverschlossen gestanden, der Wildbahne zum Fürsuchen, Spüren und in Sonderheit den Wolfsjagden desto näher zu sein.« Damit war der Grund zu dem »Jägerhofe« gelegt, dessen Lage noch jetzt ungefähr an dem stehengebliebenen Restgebäude zu erkennen ist. Der Jägerhof hat im Laufe der Jahrhunderte mancherlei Erweiterungen und Veränderungen erfahren, die sich bis in die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts hinein erstreckten. Nachdem schon die beiden Kurfürsten Christian I. und II. (1582–1611) den Jägerhof vergrößert hatten, erfolgte durch Kurfürst Johann Georg I. eine wesentliche Verschönerung und Vergrößerung, die ihren Abschluß fand in der im Juli 1617 erfolgten feierlichen Einweihung. Über einige Grundstückserwerbungen, die für die Vergrößerung benötigt wurden, gibt ein Aktenstück vom 28. März 1611 Auskunft, das mir gelegentlich meiner Forschungen über altsächsische Jagdgeschichte im hiesigen Hauptstaatsarchiv zu Gesicht kam. Dasselbe behandelt eine Grundstückserwerbung aus dem Jahre 1608 und lautet: »Ew. churfürstliche Gnaden sind meine unterthänigste, gehorsambste Dienste treuen Vleißes jederzeit zuvorn; gnädigster Herr, Euer fürstlichen Gnaden soll ich unterthänigst nicht vorbehalten, das wir Euer fürstlichen Gnaden vor drey Jahren (1608) das Jägerhauß zu Altdresden erweitern lassen, uf Euer fürstlichen Gnaden gnedigstes Begern Ich meinen Garten darzu, vor und umb 300 Fl. Meißnische Werung, 21 Groschen für ein Gulden gerechnet, welche der schösser mir davor einheischigk geworden, und Michaelis 1608 zalett werden sollen, unterthänigst hinlassen müssen, welcher dann zum teill zu solchem Jägerhaus gezogen, zum teill aber mit andern daran stoßenden Stücken verwechselt worden. Wan ich aber solche 300 Fl. bishero nicht bekommen, viel weniger einige Zinsen davon erlanget, und mir armen gesellen solcher verzugk zu größtem Schaden gereihen tut, also gelanget an Euer fürstlichen Gnaden mein unterthänigstes höchst vleißiges Bitten, Euer fürstlichen Gnaden wollen gnedigst zu befehligen geruhen, das mir 300 Fl. zu sambt den Zinsen sonder ferneren verzugk gefolget werden mögen. Unterschrieb: Kilian Prager.« 1625 verkaufte der Bürger und Leineweber Martin Schilling dem Kurfürsten für 450 Gulden einen Acker, um dessen Bezahlung er 1628 bittet. Eine bedeutende Erweiterung erfolgte 1632, als durch Vermittlung des Schössers wieder eine Anzahl Häuser, die auf der Klostergasse gelegen waren, angekauft wurden. Hierüber ist folgende Designation, datiert vom 28. Januar 1632, vorhanden:

1. Auf der Nachtseite, den Röhrenkasten und Weinbergen zu: Christoph Fröhlich, ein Handelsmann, welcher zwar wegen leibesbeschwerung nicht selbst erscheinen kann, hat sich durch seine Hausfrau Catharine erbieten lassen, das er seine beiden wohnhäuser, als eins nach der gassen, das andre nach der Wiesen gelegen, nebst ein Garthen und Weinberglein, ganz bezahlt, Ihrer Churfürstlichen Durchlaucht zu schuldigen, unterthänigst Gehorsamb umb und vor 1200 Thaler abtreten und abfolgen lassen will, ungeachtet es ihm um viel mehreres kostete.

2. Joachim Koch, Jagt-Zeugknecht, berichtet, das er sein Hauß umb und vor 145 Thaler bahrgeld anno 1629 erkaufft, so er auch albereit bahr bezahlt, erbietet sich, solches umb 145 Thaler, wie er dasselbe erkaufft, wiederum abzutreten, weil er noch wenig darin gebessert hat.

3. Valentin Hieße, Jagtzeugschneider, hat sein Hauß vermöge des Kaufbriefs umb 220 Thaler erkauft; darauf er 150 Thaler bezahlt und ist die übrigen 70 Thaler wie auch, was an Steuern und andern gefällen, bis dato fellig, noch zu bezahlen schuldig, erbietet sich bey obiger Kaufsumme solches wiederumb abzutreten.

4. Hanns Wolff, Thorwärter im Jägerhauß, hat sein Haus umb 185 Thaler bahrgeldt erkaufft und bezahlt, auch über 70 Thaler darin verbauet, will solches um 200 Thaler wieder abtreten.

Auf der linken Seite, gegen den Althan zu:

5. Anna Baßin, Hans Andreas Witbe, helt ihr Hauß umb 400 Thaler, weil es ihr unlängst so viel gelten wolle; Ist eine arme Witbe und viel schuldig; 20 Thaler ist an der Kaufsumme ihr zurückgehandelt worden, verbliebe 380 Thaler.

6. Christian Eckardt, helt sein Hauß umb 400 Thaler. Ist endlich auf 300 Thaler gehandelt worden.

7. Silvester Kahlhorn, Trommelschläger, hat sein Hauß anfangs umb 480 Thaler erkaufft, 60 Thaler darin verbessert und gebauet, und 9 Thaler 15 Groschen der Herrschaft vor den Raum geben, will solches umb 350 Thaler wieder abtreten.

8. Christian Urban Hoffmanns Witbe, hat ihr Häußlein vor 24 Jahren umb 160 Thaler bahr geldt erkaufft und bezahlt und diese Zeit über 30 Thaler darin gebessert, will solches, als eine arme Witbe, um 190 Thaler wieder hinlassen.

Summe der ganzen Kaufsumme aller ob specifizirten Häußer thuts 2985 Thaler.

Für eine Erweiterung des Jägerhofes hatten auch 1639 mehrere Bürger in Altdresden ihre Grundstücke verkauft. Auf ihre Bitte um Bezahlung ihrer Häuser äußert sich Kurfürst Johann Georg I. in einem an den Schösser Paul Weber für den Rat zu Dresden gerichteten Schreiben wie folgt: »Liebe getrewe, Ihr wißet Euch zu erinnern, was wir wegen Abtragung teils Häußer auf der Klostergaßen und den Kohlmarkt zu Altdresden mündlich befohlen. Was es dann aus derlei angeführten vrsachen nicht zu endern gehet, also begehren wir hiermit, ihr wollet solchen unsern Befehlich gehorsambst nachkommen, zu verhütung aber vielen besorglichen Klagens vorher mit den Besizern einen ungefähren Kauff schließen, die noch rückständigen Herrschaftsgefälle an Landtsteuern, Jagddienst, Raumgeldern und dergleichen abziehen undt Sie im übrigen biß zu beßer Zeit zur gedult vermahnen lassen, sodann, wie ihr dieser unser verordnungk nachgekommen, unterthänigst berichten, und unser ratificatio darüber erwartten« …

Demnach scheint in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges das Geld sehr knapp gewesen zu sein, denn wegen obiger Schuld hatten sich die Bürger Georg Wolf, Soldat in der Untergarde, Michael Basse, Büchsenmacher, und Martha Tobias Pohlens, »Defensioners allhier selige nachgelassene arme lahme Witbe« an den Nachfolger Kurfürst Johann Georg II. mit folgendem Schuldverzeichnis gewandt (5. Dezember 1556): Verzeichniß, was wir nachgesetzte arme Bürger und Witbe wegen Ihro Churfürstlichen Durchlaucht nahe gelegenen Jägerhauses anno 1639 im Monat Marty unser abgebrochenen Häußer, nach Abzug aller Churfürstlichen sowohl Ratsgefälle annoch zu fordern und bitten unterthänigst, daß Ihro Churfürstliche Durchlaucht solche uns von den izo einkommenden Hufengeldern gnädigst bezahlen lassen wollten. Als: 176 Thaler 9 Groschen 5 Pfennige Michael Basse, dessen Hauß im Kauf 200 Thaler galt; 163 Thaler 4 Groschen George Wolf, dem Kaufe nach 200 Thaler; 276 Thaler 20 Groschen 11 Pfennige Tobias Pohlens Witbe, dem Kaufe nach 300 Thaler. Thut 616 Thaler 8 Groschen 4 Pfennige.

Eine ausführliche Beschreibung des Jägerhofes findet sich in der Dresdner Chronik von Weck vom Jahre 1680. Hier sind auch die in den Sälen befindlichen Gemälde ausführlicher geschildert, ferner ist die Rede von einem Löwenhaus, in welches die früher im Löwenhause auf der Schössergasse aufbewahrten ausländischen Raubtiere überführt wurden. In dem Festsaal des Jägerhofes wird vor allem ein Gemälde erwähnt, das den Einzug des Kaisers Matthias, König von Böhmen, nebst Erzherzog Ferdinand in Altdresden (1617), ferner die Jagden, die ihnen zu Ehren auf dem Altmarkt stattfanden, darstellt; ein anderes Gemälde stellt die 1602 erfolgte Rettung des Kurfürsten aus Lebensgefahr dar, als derselbe auf einem Schiff infolge einer Pulverexplosion bei Pillnitz beinahe ums Leben gekommen wäre. Auch befand sich in gedachtem Saal eine große Tafel, auf welcher alle Tiere, welche Seine Churfürstliche Durchlaucht von 1611 bis 1653 gefangen, geschossen und gehetzt hat, verzeichnet sind und deren Zahl sich auf 113 629 Stück erstreckte.

Ein interessantes Aktenstück, das ich der Güte des Herrn Hofrat Professor Seyfert verdanke, gibt Kunde von einer Reparierung der Dächer und Aufsetzen des neu vergoldeten Turmknopfes im Jägerhofe und enthält noch mancherlei wissenswerte Einzelheiten aus der Zeit um 1671; es sei hier auszugsweise wiedergegeben: »Demnach der Durchlauchtigste Hochgeborene Fürst und Herr, Herr Johann Georg der Andere, Hertzog zu Sachßen, Jülich, Kleve und Bergk des Heil. Röm. Reichs Ertz-Marschall und Churfürst Landtgraff in Düringen, Marggraff zu Meißen, auch Ober- und Nieder Lausitz, Burggraf zu Magdeburg, Graff zu der Marck und Ravensberg, Herr zum Ravenstein, Unser allerseits gnädigster Herr und gütigster Landes-Vater, Bey nothwendiger Reparierung dieses Churf. Sächß. Jägerhauses und derer Dächer-Außbeßerung, unter andern auch diesen Thurm besteigen, und selbigen Knopff, weil er ziemlich wandelbar befunden, den 15. Septembris des 1671sten Jahres herunter nehmen, hingegen diesen sambt der Fahne gantz neu verfertigt vergüldeten, den 19ten dieses umb 2 Uhr wieder hinaufsetzen lassen, haben Höchstermeldte Ihr Churf. Durchl. der werten Posterität zu gutem Andenken in gegenwertigen Knopff, welcher guter 3. Viertel übern Diameter, nachfolgende kurtz entworffene Nachricht hinein zu legen und zu verwahren vor gut befunden und gnädigst anbefohlen, Und zwar, so soll anitzo nicht weitläuffig berühret, was etwan im Römischen Reich und andern Orten hin und wieder dieses Jahr geschehen, welches denen Historien: Chronic und Novellen Schreibern zu überlassen, sondern nur dieses, was vor weniger Zeit allhier in unsern Landen geschehen. Wir haben Gott lob und Danck wohlfeile Zeiten, wir wissen von keiner ungesunden Lufft und graßirenden Seuche, keine so wohl öffentl. als innerlichen Kriege und rebellion, sondern es blühet und grünet annoch heutigen Tages bei unß der Anno 1648 durch göttliche Gnade im Heil. Röm. Reich allgemeine sowol Religion- als Profan Friede, daß dannenhero dero Churfürstenthum und Lande an Einwohnern und Unterthanen sehr wohl zugenommen, also daß sowohl in Städten als Dörffern die liebe Jugend in starker Anzahl heran gewachßen und daß Land sich umb ein merkliches gebessert, zu welchem ende dann Unser gnädigster Herr aus Landes Väterl. Vorsorge in seinem gantzen Lande anitzo eine Revision durch die Herren Ober Consistoriales und hierzu verordnete Commißarien unter denen geistlichen angestellet die schwachen Pfarren sonderl. aufm Lande und in den Dörffern von dem benachbarten verstercket, die starcken mit einsetzung noch eines pfarrers, damit der Gottesdienst desto besser und füglicher abgewartet, einem Seelsorger auch sein Ambt nicht so schwer wird: Zertheilet, die Winckel Schüler abgeschafft, hingegen die öffentlichen Stadt- und Landschulen erweitert … Inzwischen ist nicht zu vergessen, daß an der vor drey Jahren durch einen starcken unversehenen Donnerschlag hohen biß auff den innern Gang gantz herunter geschlagenen Kreutzthurm Haube und Seiten Thürmchen, nach der Schule zu in Neu-Dresden, wie auch in diesem Jägerhause nechst den Bärengarten an einem Löwenhause (so den 8ten July instehenden Jahres von Churf. Durchl. selbst eigner Person, neben hohen Cavalieren und hierzu verordnete Baumeister durch legung des Ersten Grundsteins zu bauen angefangen worden) annoch sehr starck gearbeitet wird, zu dem ende, damit Stadt Dresden desto ehe wieder gezieret und die beyden vom Großhertzog von Florentz Ihr Churf. Durchl. von dort aus allhier nacher Dreßden zu einem Präsent geschickten Löwen, welche nach einem verflossenen Jahre drey junge Löwen, als in diesen Landen noch nicht erhört, gezeuget und zumahl wegen des alten in Neu-Dreßden zu kleinen und sehr baufälligen Löwenhauses [in der Schössergasse] wie auch besserer Lauff und Bequemlichkeit vor Selbige, mit der Zeit hinein gethan würden, umb so viel desto mehr und weiln die hiergezeugten Jungen Löwen eine fürtreffliche rarität beym Hause Sachsen sind, soll dieses itztgedachte Löwenhauß vor eilff Wochen nunmehr angefangen und zehn Ellen über die Erden aufgeführt, auch zu einer sonderbaren künftigen Zierde des Jägerhauses, der vierte Theil davon noch vor winters ins Dach gebracht werden. Im übrigen ist zum Schluß zu vermelden,

Was an Churf. Durchl. und dero Bedienten damahls noch am Leben gewesen

als:

Churfürst Johann Georg der Andere dieses Namens als itzt regierender Herr und Churfürst, sambt dero Vielgel. Herrn Brüdern als: Hertzog August zu Halle, Hertzog Christian zu Merseburg und Hertzog Moritz zu Zeitz, wie auch derselben allerseits jungen Herrlein und Fräulein die Durchlauchtigste Churfürstin zu Sachßen, Frau Magdalena Sibylla geb. Markgräfin zu Brandenburg. (Folgen die übrigen Prinzen.)

Die Barmhertzigkeit des Höchsten lasse das Churhaus Sachßen zu mächtigen Schutz und Schirm der Evangelischen reinen Lehre unveränderter Augsburgischen Confession unter den Fittichen seiner väterl. Huld kräftiglich erwachsen, für allen geist- und leibl. Feinden siegreich bestehen und in seinem allerheyligsten Namen zeitlich und ewig gesegnet seyn!

Von Jägerey Bedienten:

Der Oberjägermeister Herr Loth. von Bomsdorff auf Medingen, der Oberforstmeister Herr Wolff Siegm. von Pflug, der Pirschmeister Herr Johann Georg Sittich, der Wagenmeister Herr Christian Angermann.

Von Steinmetzen, Maurern und Zimmerleuten:

Nikolaß Sauter, Hofsteinmetz, Andreas Hoffmeister und Jakob Richter, beyde Hofmaurermeister, Caspar Hempel, Jägermaurermeister, Matthes Schumann, Hofzimmermeister, Michel Fuchs, Jagtzimmermeister.

Von Bau-Ambts Bedienten:

Der Oberlandbaumeister Wolff Caspar von Klengel auf Radeburg und Nauendorff, welcher zu itztgedachten Löwen Hause die invention gegeben und der Landbaumeister Johann Albert Eckart, welcher gedachtes Gebäude fortstellet.«

Neubauten entstanden noch 1720, 1722, 1723. Im Jahre 1740 kam der 90 Ellen lange und 14 Ellen breite englische Hundestall hinzu. 1743 beantragte der Oberhofjägermeister Graf Wolffersdorf den Bau eines Stockwerks auf das große Vordergebäude des Jägerhofes als Dienstwohnung für sich und erbot sich, die Baukosten von 10 000 Talern gegen ratenweise Rückzahlung vorzuschießen. Das Bauholz wurde der Heide entnommen. Nach einem Plan, der die Lage des Jägerhofes ums Jahr 1750 zeigt, enthält dieser folgende Gebäude und Plätze: Der Jägerhof, ein freier Platz, auf dem Wassertröge für die Hunde und einige große Linden standen, wurde umsäumt nach Westen von dem langen und alten Zeughaus, das nach Süden in das Hauptgebäude nach der Straßenfront zu überging, dasselbe enthielt im Parterre die englischen Hundeställe, darüber war der große Jägersaal. Im Parterre waren noch die Reise- und Jagdwagen untergebracht. In dem anschließenden westlichen Flügel war die Pirschmeisterwohnung. Auf der anderen Seite des Eingangstores war das vordere hohe Zeughaus. Der Jägerhofplatz wurde nach Norden abgeschlossen durch das Wildbretgewölbe, den Hundezwinger und das Jägerwirtshaus. Hinter diesem Gebäudeblock war zunächst das hohe Zeughaus, von ihm durch einen schmalen Gang getrennt die Gebäude für die wilden Tiere: die sogenannten Affenstuben, Tiger- und Löwenfänge und die Wohnung für den Löwenwärter. Die ganze Anlage hieß das Löwenhaus, zu dem noch ein großer freier Platz gehörte. Gleich neben dieser Anlage befand sich der Bärengarten mit dem Bärenfang. Der Bärengarten wurde nach Süden von einem Wagenschuppen, nach Westen vom sogenannten Winterlager und nach Norden von den Ställen für die Kommissariatspferde abgeschlossen. Weitere Plätze waren noch der Jagdzimmerhof, Jagdröhrenhof und Auslaufplätze für die Hunde.

Es liegt auf der Hand, daß bei so einer großen Anlage fortwährend kleinere Umbauten, Reparaturen usw. sich nötig machten, daher man auch besondere Handwerker anstellte, z. B. Jagdtischler, Jagdschlosser, Jagdglaser. So z. B. wurden 1728 vier Fänge neu gemacht für das Löwenhaus. Der vom Zimmermeister Johann Breißner gemachte Anschlag von 119 Taler 23 Groschen 3 Pfennig wurde vom damaligen Landbaumeister Pöppelmann geprüft und auf 107 Taler 2 Groschen herabgesetzt. Die Glanzzeit des Jägerhofes fällt entschieden in die erste Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, aber auch schon Mitte des siebzehnten Jahrhunderts waren die Hundeställe und Menagerie gut besetzt, wie aus einem Bericht aus dem Jahre 1654 hervorgeht. Es kamen nämlich wegen einer Auseinandersetzung in der Jülich-Hatzfeldschen und Erfurtischen Sache auf Veranlassung des Kurfürsten Johann Georg I. der Dr. Georg Franzke, Fürstl. Sächs. Geh. Rat und Kanzler zu Gotha, und Dr. Rudolf Wilhelm Krauße, Fürstl. Sächs. Konsistorialrat zu Weimar, nach Dresden und besuchten außer andern Sehenswürdigkeiten auch das Jagdhaus in Altdresden. An Jagdzeug ohne Reh-, Wolf- und Hasennetze waren über dreihundert Fuder zu finden, ohne die, die die Kurfürstlichen Forstmeister auf dem Lande hatten. Mit den Netzen konnte man fünfzehn Meilen Weges stellen. Drei große Häuser mit allerhand Jagdzeugen waren vorhanden, in welchen die Wagen vierfach standen.

Über das, was die Zeughäuser des Jägerhofes enthielten, sind wir genau unterrichtet, da aus dem Jahre 1725 ein Inventurverzeichnis, angefertigt vom Proviantverwalter Johann Friedrich Heylandt, vorhanden ist. Es waren vorhanden: 22 Fuder und 2 Tücher, hohe Tücher so grüngefärbete. – 2 Fuder Schuß-Tücher, an 4 Tüchern. – 1 Fuder hohe Zwilligten Tücher, an 5 Tüchern so bey Lustjagen aufm Schloßhofe wie auch im Jägerhofe gebrauchet worden. – 14 Fuder Mittel-Tücher, an 42 Tüchern. – 9 Fuder Schmahle Tücher, an 27 Tüchern. – 1 Quertuch mit dem gemachten Churf. Wappen. – 4 Lauff-Flügel-Tücher. – 6 Fuder dänisches Zeug, an 36 Tüchern, 5 Tücher oder sog. Fußlappen. – 18 Fuder und 1 Gebund Hirschlappen, an 361 Gebunden. – 9 Fuder Fang-Netze, an 25 Netzen. – 1 Fuder Fang-Netze so schwächer, an 13 Netzen. – 2 Krumb-Ruthen-Netze. – 5 Fuder Spiegel-Netze, an 11 Netzen. – 7 Prell-Netze. – 1 Quertuch-Netze. – 3 Rehe-Netzgen, ums Rehehäusgen zu stellen. – 11 Rehe- und Hasen-Netze. – 110 Wolfs-Netze. – 1 Netz in Fuchszwinger gehörig. – 2 Kaninchen-Netze. – 60 Lerchen-Schlebnetze. – 90 Zwilligtne Wagendecken. – 90 Wagen mit zugehörigen Hemmketten und Vorläge-Wangen, Zum Hohen-, Mittel- und dähnischen Tüchern, Lappen und Netzen. – 1 Rock-Wagen. – 1 Wirck-Wagen. – 1 Wagen zur Blauhuts-Mondur. – 1 Wagen mit der Feldschmiede. – 2 Pirsch-Wagen. – 1 Roll-Wagen. – 5 Schirmwagen. – 1 langer Hunde-Wagen. – 4 Wagen zum Hirsch-Kasten. – 1 Wagen zum Rehhäusgen. – 1 Kalesche zur Hirsch- und Schweins-Waage. – 4 eiserne grüngemahlte Gitterwagen vor die Löwen, Tiger und Bäre. – 3 Bären-Wagen [mit denen die im Lande gefangenen Bären aus den an verschiedenen Orten z. B. Hohnstein, Augustusburg befindliche Bärengärten nach Dresden in den Jägerhof transportiert wurden]. – 9 Zeug-Schlitten, worbey das Stellzeug an Forrkeln, Gabeln, Schlegeln, Haarken, Krum-Ruthen, Äxten, Picken, Stickeln, Radehauen, Lampen und Wagen-Winden, desgl. die Bären-, Hirsch-, Sau-, Wolfs-, Lux-, Fuchs- und Haasenkästen, nicht weniger die Schieß- und Hundeschirme, Fürstenhäusergen [aus denen die Fürstlichkeiten bei eingestellten Tagen das Wild beschossen], Fuchsprellen, Wolfs- und Fuchszeugen, Wolfskeulen, Biber- und Fischottergabeln, auch wenn was sonsten zur Jagerey gehörig, wegen dessen Weitläufigkeit, nicht spezificiert ist.

Abb. 1

Nach diesem Verzeichnisse des Proviantverwalters Heylandt kann man ermessen, wie große Anforderungen an die Jägerei gestellt wurden und wie umständlich der Jagdbetrieb in der damaligen Zeit sich gestaltete. In dem bekannten Werke von Fleming: »Der Vollkommene Teutsche Jäger«, Leipzig 1719 finden sich nähere Angaben über die damals üblichen Jagdmethoden. Leider ist uns vieles von diesen Jagdgerätschaften verloren gegangen, aber vieles findet sich vielleicht noch in den Forstämtern und auf dem Lande zerstreut unbeachtet vor, dessen Erhaltung und Sammlung aus heimatlichem Interesse äußerst wünschenswert wäre. Wie schön und erstrebenswert wäre es, wenn in dem jetzt noch erhaltenen Teile des Jägerhofes, in unserm herrlichen volkskundlichen Museum, alles das gesammelt und aufgestellt würde, was von der Altsächsischen Jägerei noch erhalten geblieben ist. Unser Hofrat Seyfert würde sich gewiß einer solchen Sammlung gegenüber, die so recht eigentlich im Jägerhof am rechten Platz ist, nicht ablehnend verhalten und ihr ein bescheidenes Plätzchen einräumen. Es hat sich auch zu diesem Zweck ein Ausschuß gebildet, denen Herren vom Deutschen Jagdschutzverein, höhere Forstbeamte und Mitglieder des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz angehören. Hoffentlich nimmt dieser Ausschuß bald Veranlassung, mit einem diesbezüglichen Aufruf an die Öffentlichkeit zu treten und zur Sammlung und Ablieferung alter, auf die Jagd bezüglicher Gebrauchsgegenstände aufzufordern.

Von lebendem Inventar waren in den Hundeställen vorhanden: 37 große englische Doggen und Bärenbeißer, jeder an einer eisernen Kette, 30 Leithunde, 20 Jagdleithunde, 20 Besuchknechtsleithunde, 40 Hirschhunde, 40 Koppeljagdhunde, 5 Leib- und Kammerhunde, 50 englische Hunde, 40 Saufinder, 50 Dachsschleifer, 20 Streichweidhunde. In besonderen Behältnissen waren damals 40 Bären zu sehen. Im Löwenhaus befanden sich zwei weiße Füchse, ein Kreuzfuchs, ein indianischer Fuchs, 25 Luchse, vier weiße und ein schwarzer Bär, ein Tigertier, gelb mit schwarzen Flecken (also wahrscheinlich ein Leopard), ein Löwe, eine Löwin, jedes in einem absonderlichen Behältnis, ein »halber Pavian« und ein Affe.

Die ausländischen wilden Tiere wurden teils angekauft, teils erhielt sie der Kurfürst als Geschenk von anderen Fürsten. So erhielt König Friedrich August I. vom König von Schweden 1731 einen Löwen, zwei Löwinnen, einen Tiger, eine indische Katze, Tiere, welche ihm selbst vom Dey von Algier und Tunis geschenkt und durch einen aus Holstein stammenden freigelassenen Sklaven überbracht worden waren. 1728 erhielt er vom Markgrafen von Bayreuth vier Tiger geschenkt. Es scheint übrigens, als ob es sich öfter statt Tigern um Leoparden gehandelt hat, da auch die Wendung: »ein gefleckt Tigerthier« vorkommt. Der König Friedrich August I. kaufte auf der Leipziger Ostermesse 1727 drei Affen, ebenso 1731 ein Stachelschwein, 1729 eine Löwin, einen Tiger, einen Pavian, ein »arabisch Tier«; 1726 wurden erworben ein schwarzer Fuchs, Mammarcke genannt, und ein roter afrikanischer Fuchs (wahrscheinlich Schakal). Im Jahre 1730 rüstete August der Starke sogar eine Expedition nach Afrika aus, mit der Aufgabe, seltene Tiere entweder lebendig oder in Häuten, Skeletten oder Abbildungen zu erlangen.

K. von Weber hat über diese sächsische Expedition nach Afrika genaueres im Archiv für die Sächsische Geschichte (Bd. III, 1865) berichtet. Der Leiter der Expedition, Hebenstreit, studierte in Leipzig Medizin und ward 1729 Doktor. Durch den ihm befreundeten Leibmedikus von Heucher wurde er dem König empfohlen, dem er einen Plan einer Entdeckungsreise nach Afrika zur Erlangung seltener Tiere und Pflanzen entwickelte. Der Plan fand den Beifall des Königs, der Hebenstreit veranlaßte, sich tüchtige Reisegefährten auszusuchen. Er wählte als Zeichner Chr. Aug. Ebersbach, als Botanist Chr. Gottlieb Ludwig, als Anatomist Zach. Phil. Schulze, als Mechanist Joh. Heinr. Buchner, als Maler Chr. Friedr. Schuberth. In Hebenstreits Instruktion war bestimmt, daß er in Afrika »für die königlichen Cabinette und die Menagerie Thiere, Vögel, Kräuter, Blumen, Gewächse, Steine nebst anderen Dingen, für welche er eine aparte Spezifikation bekommen, sammeln solle« usw.; lebendige Tiere sollte er in mehreren Exemplaren kaufen und zu ihrer Wartung Leute annehmen oder Sklaven und Mohren kaufen. Er sollte flüchtig alle Sachen abmalen lassen und als Schildereien überschicken. Aus der Hofapotheke wurden ihm die nötigen Medikamente verabfolgt; außerdem erhielt er zwei Büchsen, zwei Flinten und zwei Paar Pistolen. Die Reisedauer war auf zwei bis drei Jahre bestimmt. Am 28. September 1731 wurde Hebenstreit durch den Kabinettsminister Grafen Brühl vereidigt und am 30. Oktober 1731 wurde von Leipzig aus die Reise angetreten. Am 24. Januar 1732 schifften sich die Reisenden auf einem englischen Schiffe nach Algier ein, dessen Dey die Fremdlinge wohlwollend aufnahm. Dem leidenden Sohne des Dey konnte Hebenstreit durch seine ärztliche Kunst helfen, und er erhielt als ärztliches Honorar eine junge Löwin und zwei Stachelschweine. Von der Stadt Algier reisten sie nach Blida und besuchten das Innere von Algier. In der Landschaft Amùrah erhielt Hebenstreit vom Aga einen jungen Löwen und einen jungen Bacheraluasch, bubalum Aldrovandi oder wilden Ochsen, »der die Gestalt eines Hirsches habe, dem er in allem gleiche, bis auf die Beine und Hörner, welche letztere denen der Gazelle gleichen«. Das noch junge Tier wurde mit der Milch einiger Ziegen, welche Hebenstreit kaufte, aufgezogen. Ein Marabout (Priester) beschenkte ihn ebenfalls mit einem Bacheraluasch, und zwar einem Weibchen. Hebenstreit hatte sich dem Aga angeschlossen, der mit zahlreicher bewaffneter Begleitung die Steuern eintrieb. Bei einer botanischen Exkursion erlangte Hebenstreit ein Chamäleon, das ihm von sehr großer Seltenheit erschien. Am 26. Mai 1732 traf er wieder in Algier ein und sandte seine Tiere auf einem englischen Schiffe nach Marseille. Es waren ein junger Löwe, drei Bacheraluasche, die aber auf dem Schiffe starben, zwei Gazellen, zwei Strauße, zwei Genetten, zwei Frettchen, zwei afrikanische Hühner und ein schöner Falke. Zum Wärter bestellte er einen von ihm freigekauften Sklaven, den Chirurgus Renneberg aus Schleitz. Er selbst blieb noch in Algier, von wo aus er nach Konstantia, Tunis und Tripolis ging. An der Küste in der Nähe von Bona, lernte Hebenstreit auch die Korallenfischerei kennen. In Biserta gelang es ihm, verschiedene Tiere, wie Strauße und Flamingos, sowie auch schöne Pferde zu erlangen. Zwei Mitglieder seiner Gesellschaft ließ er nebst den Tieren in Tunis zurück und ging selbst mit drei Gefährten nach Tripolis. Am 19. Dezember 1732 schifften sich die Reisenden nach Malta ein, um am 1. Februar wieder nach Tunis zurückzukehren und von da aus ganz Numidien zu bereisen. In Zaguan bekam er zwei einjährige Löwen, welche die Einwohner in einer Höhle gefangengehalten hatten. In dem seichten Kanal, den die Insel Querquenor bildet, beobachtete Hebenstreit das Fischen der Schwämme und gelangte auch in den Besitz von acht Antilopen, die dort sehr häufig waren. In dem Wüstenorte Capra erhielt er ein von ihm Audét genanntes Tier, das von der Ziege die Hörner, vom Hirsch den Kopf, die wolligen Haare vom Schaf entlehnt zu haben schien. Von Tunis aus sandte Hebenstreit am 17. April 1733 seinen Gefährten Ludwig wegen dessen schwacher Gesundheit mit den erlangten Tieren und Sammlungen auf einem Hamburger Schiff nach Europa zurück. Ludwig wurde später in Leipzig Professor der Medizin und veröffentlichte als Ergebnis seiner Reiseerfahrungen eine Epistola de vomitu navigantium. Da Friedrich August I. am 1. Dezember 1733 gestorben war, wurde Hebenstreit von dessen Nachfolger Friedrich August II. zurückgerufen. Im Mai 1733 landete er in Marseille. Für das Kgl. Naturalien- und Raritätenkabinett brachte er eine reiche Sammlung von Pflanzen, Muscheln und anderen ausländischen Seltenheiten mit. Die Zahl der lebenden Tiere war im Verhältnis zu den Kosten und der Dauer der Reise gering. Dazu kam, daß eine große Anzahl Tiere noch auf der Seereise umkam, wie z. B. Antilopen, Chamäleons, zwei Strauße. Von lebenden Tieren gelangten mit Hebenstreit nach Hamburg: sieben Strauße, welche dann in einem Gehege bei Moritzburg untergebracht wurden, zwei bunte Esel (Zebras), einige Schafe mit großen Schwänzen und Hörnern, zwei guinäische Schafe, ein Tiger (!?), ein Löwe, ein Dabba oder afrikanischer Wolf, ein Dieb (afrikanischer Fuchs), zwei Stachelschweine, eine Demoiselle (Jungfernkranich), vier afrikanische Mäuse (wahrscheinlich Springmäuse), fünf guinäische Hühner, zwei Geier, ein Adler, drei Meerkatzen, zwei Affen, allerhand Tauben. In dem mitangeführten Tiger hat man wohl einen Leopard zu vermuten, da die Verbreitung der Tiger auf Asien beschränkt ist.

Hebenstreit wirkte dann bis zu seinem im Jahre 1757 erfolgten Tode in der medizinischen Fakultät der Universität Leipzig als Professor der Pathologie und Therapie.

Abb. 2 Abbildung des Jägerhofes (aus Weck, Churf. Sächs. Residenz u. Haupt Vestung, Dresden 1685)

Die Bedürfnisse für die Tiere wurden meist durch den Oberhofjägermeister beim Kammerkollegium beantragt, und zwar für jedes Tier einzeln. Jedoch kümmerte sich König August der Starke persönlich eingehend um die Angelegenheiten des Jägerhofes und ließ sich Bericht erstatten. Das tägliche Deputat für einen Löwen betrug acht Pfund Rindfleisch, ebenso für den Leoparden; für den Tiger waren fünf Pfund Rindfleisch bewilligt, für den afrikanischen Fuchs wurden täglich zwei Groschen Verpflegungsgeld bewilligt, für einen Affen ein Groschen. Ein Luchs erhielt drei Pfund Rindfleisch. Für die Verpflegung des Stachelschweins, von dem übrigens ein Paar vorhanden war, waren zwei Groschen täglich ausgesetzt. Diese hatten sich wiederholt vermehrt, und so wurde für jedes Junge, nachdem es selbständig geworden war, ein Groschen bewilligt. Indes die mit der Auszahlung des Geldes beauftragten Beamten scheinen sehr säumig gewesen zu sein, da sich der mit der Verpflegung der Stachelschweine betraute Löwenwärter Naumann mehrfach an den König selbst wendet und um Auszahlung des rückständigen Verpflegungsgeldes bittet. Trotz der großen Summen, die die Unterhaltung der Jägerei kostete, war man doch bestrebt, möglichst sparsam zu wirtschaften, wie aus folgendem Aktenstück hervorgeht.

»Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König und Herr!

Ew. Kgl. Majestät und Churf. Durchlaucht haben zwar dem am 16. Okt. verwichenen Jahres in dero Löwenhaus anhero gebrachten Leopard zur tägl. Unterhaltung 8 Pfund Schöpsenfleisch allergnädigst geordnet, welches ich auch bis ultimo Dezember verwichenen Jahres um denjenigen Preyß, davor 14 Pf. gleichwie das Rindfleisch mir bezahlet wird, an den Löwenwärter geliefert. Nachdem aber bekannt, daß besagtes Schöpsenfleisch jedesmahl im Sommer im Preyß zu steigen pfleget, daß solches vielmahls das Pfund zu 18, 20 und mehr Pfennigen zu stehen kommt, welches dann bei heuriger notorischen Theuerung umb so viel mehr zu besorgen stehet, ich aber erwehntes Schöpsenfleisch um besagten Preyß weiter nicht zu liefern vermögend bin. Und aber der Löwenwärter vermöge beiliegenden Attestates vorzugeben weiß und anführet, wie das Rindfleisch diesem Leopard zur Speisung viel zuträglicher als Schöpsenfleisch sei, indem er hierdurch besser gedeyen und Kraft bekäme, überlasse zu Ew. Kgl. Majestät allergnäd. resolution, ob dieselbe geruhen wolle, statt des in der Verordnung enthaltenen Schöpsenfleisches nunmehro Rindfleisch, welches ich das ganze Jahr über vor 14 Pf. zu liefern verbunden bin, allergn. zu verwilligen und solches vom 1. Januar a. c. den Anfang nehmen lassen.

Dresden 1. Febr. 1727.

Ew. Kgl. Maj. u. Churf. Durchlaucht
Johann Georg Geym, Hofmetzger.«

Mit Bezug auf vorstehendes berichtet der Löwenwärter Christian Naumann: »Ein leobardt ist Anno 1726 den 16. oktober inß Königs Löwenhauß gebracht worden. Darauf ist täglich gegeben worden 8 Pf. Schebsenfleisch, nachdem aber solch fleisch nicht umb den Preiß kan geliefert werden, so hab ich dem leobardt Rindfleisch gegeben und befindet sich bey Rindfleisch besser als bei Schebsenfleisch. Dahero ich bei dem Hofmetzger angehalten umb Rindfleisch, bekam auch solches richtig und ist der anfang gemacht worden.«

Abb. 3 Das Landesmuseum für Sächsische Volkskunst

In den Streckenberichten erscheinen zum ersten Male ausländische Tiere, die bei Kampfjagen usw. verwandt wurden, bei Johann Georg II., welcher fünf Löwen, vier Löwinnen, zwei Tiger, vier Affen erlegte; bei Johann Georg III. erschienen ein Löwe, ein Leopard, ein Panther im Streckenbericht, während König August der Starke drei Löwen, zwei Panther, fünf Tiger, sechs Affen, ein Tier »Menschenfresser« genannt, und ein Stachelschwein (!) zur Strecke brachte.

Daß der Verkehr mit den wilden Tieren auch im Jägerhofe nicht ohne Gefahr für die Wärter war, zeigt folgender dem »Sammler« entnommener Bericht: »An bestimmten Tagen wurden diese Tiere aus ihren Tierkästen gelassen, um diese von Unrat zu reinigen; nachher trieb man sie wieder in ihr Behältnis und legte ein Schloß vor die Tür. An einem Tage läßt man einen Tiger aus Unvorsichtigkeit aus dem Kasten bleiben, welcher sich in einem Winkel des Tiergartens versteckt hatte. Der Hüter begibt sich, seiner Verbindlichkeit nach, nach dem Tiergarten und wird plötzlich von dem Tiger, der sich aufrichtet, angefallen. Die Gefahr flößt dem Manne eine außerordentliche Herzhaftigkeit ein. Er ergriff mit der linken Hand den Hals dieser Bestie und hat noch Entschließung genug, um dem Tiere geschwinde die Luftröhre zusammenzudrücken. Er greift auch mit der rechten Hand zu und drängt mit solcher Gewalt seine Brust an die Brust des Tieres, daß dieses weder mit seinen Zähnen noch mit seinen Tatzen dem Leibe des Hüters schaden konnte. In diesem kläglichen Zustande stunden sie beide vier oder fünf Minuten gegeneinander angeklemmt. Endlich verzweifelt der Hüter an der längeren Fortdauer seiner Kräfte, ließ die Bestie plötzlich mit aller Macht aus seinen Händen und stieß sie weit zurück. In dieser Bestürzung wich sie geschwind nach dem Winkel des Kastens und ließ ihrem Überwinder Zeit genug, um in der Flucht wiewohl halbtot die Türe zu erreichen. Eben dieser Hüter mußte sich 1738 mit einer starken Meerkatze oder einem Affen herumschlagen, welche sich von der Kette losgerissen hatte. Dieser Kampf fiel so unglücklich aus, daß er mit großer Not mit dem Leben davon kam. Seine rechte Hand ward abscheulich zugerichtet und er lag sehr lange krank.«

Mit König August III. war der Höhepunkt der sächsischen Jägerei erreicht, wenigstens was den Aufwand für dieselbe betrifft. König Friedrich August der Gerechte liebte zwar die Jagd auch, aber seiner einfachen sparsamen Natur entsprach auch ein einfacher Jagdbetrieb. Beim Jägerhof waren 1826 noch folgende Offizianten angestellt: ein Jagdzeughauswagenmeister, ein Jäger bei den Hunden, ein Jägerhausbursche, ein Rauchmeister, acht Jagd- und Zeugdiener, ein Pirschkarrenknecht, zwölf Jagdstalleute, ein Hundsbursche. Dazu kamen noch sieben Jagdhandwerker. 1830 wurde der Jägerhof in eine Kavalleriekaserne umgewandelt. Über das fernere Schicksal des Jägerhofes geben die beiden folgenden Schriftstücke Auskunft. Das erste, ausgestellt am 12. September 1837, lautet: »Unter der Regierung Sr. Majestät des König Friedrich August II. wurde im Jahre 1837 der Reiterkasernenflügel E nebst den daran befindlichen Thürmen mit Blitzableitern versehen, und deshalb die Spillen und Knöpfe letzterer abgenommen und so wie die Dächer repariret, wobey die darinn vorgefundenen älteren Nachrichten hiermit wieder im Originale beygelegt worden. Wir fügen noch nachrichtlich bey, daß im Jahre 1831 unter der Regierung Sr. Maj. des höchstsel. Königs Anton, der bis dahin bestandene Jägerhof mit Ausschluß der Kreis-Oberforstmeisterwohnung, an die Militärbehörde abgetreten, die alten unpassenden und höchst schadhaften Gebäude, bis auf den Flügel E und F nebst dem alten Zeugschuppen, abgetragen und aus den gewonnenen Räumen die Flügel A B C und D, sowie das Reitbahngebäude und Arresthaus, nach dem Entwurfe und unter der Oberleitung des damaligen Commandanten des Ingenieur-Corps und Direktors des Militär-Oberbauamts, Oberstleutn. Johann Carl Anton Ulrich neu erbauet wurden … Die Reparatur der Thürme besorgte der Schieferdecker Johann Friedrich Streubel.«

Und endlich in einem aus dem Jahre 1858 stammenden Aktenstück heißt es: »Als Ergänzung zur Geschichte des ehemaligen Jägerhofes, derzeit Neustädter Reiter-Caserne genannt, über dessen Einrichtung die Urkunde vom 12. Sept. 1837 das Nähere besagt, ist noch zu erwähnen, daß der im Jahre 1831 stehengebliebene alte Jagdzeugschuppen im Jahre 1851 abgetragen und an dessen Stelle ein neuer Flügel unter der Bezeichnung ›Flügel G der Neustädter Reiter-Caserne‹ zu erbauen angefangen worden ist. In demselben Jahre 1851 wurde auch die große Hälfte des Flügels E der Neustädter Reiter-Caserne zu Lokalitäten einer allgemeinen Offiziers-Speiseanstalt für die Dresdner Garnison eingerichtet, welche sich bisher im Flügel F derselben Caserne befanden. Zu erwähnen ist noch, daß bei Umwandlung des Jägerhofs in die Reiter-Caserne der sogen. ›kleine Jägerhof‹ zu einer Pionier-Kaserne eingerichtet wurde, bestehend aus einem Vordergebäude, dem Hintergebäude und zwei Stallgebäuden …« Mit der Verlegung der Kasernen in die sog. Albertstadt wurde ein Gebäude nach dem andern des alten Jägerhofes abgebrochen, bis auf eins, in dem sich nach einem zweckmäßigen Umbau das im September 1913 eröffnete Landesmuseum für Sächsische Volkskunst befindet.