Die Bekämpfung der Nonne

Von Oberforstmeister Feucht, Bad Schandau

Während der letzten Kriegsjahre hat im südwestlichen Böhmen, zunächst in der Umgebung von Pilsen eine Massenentwicklung der Nonne stattgefunden, die wegen Mangel an Arbeitskräften wie an Leim, für den die Rohstoffe fehlten, überhaupt nicht bekämpft werden konnte und bereits zu gewaltigen Kahlfraßflächen geführt hatte, ehe im Jahre 1919 überhaupt die erste Kunde davon zu uns nach Sachsen gekommen ist. Aus diesen Kahlfraßgebieten sind nun bei schwüler Wärme und starkem südöstlichen Winde gewaltige Schwärme meist weiblicher Nonnenfalter abgeflogen, die in der Nacht vom 17. zum 18. Juli 1920 die Staatsforstreviere der Oberforstmeisterei Schandau von Sebnitz bis Gottleuba in einer Breite von fünfunddreißig Kilometer und etwa zehn Kilometer Tiefe überfluteten.

Von der Staatsforstverwaltung wurde sofort der Kampf gegen diese unwillkommenen, gefürchteten Feinde unserer Fichtenwaldungen mit allen verfügbaren Arbeitskräften an Männern, Frauen und Schulkindern durch Sammeln und Töten namentlich der weiblichen Falter aufgenommen. Das Ergebnis waren hundertdreitausend männliche und zweihundertdreiundsechzigtausend weibliche Falter. Auch die Gemeindevorstände und Privatwaldbesitzer sind auf Anregung der Forstverwaltung zum sofortigen Sammeln veranlaßt worden. Leider konnte diese Sammeltätigkeit bei der gewaltigen Größe der mit einem Schlage befallenen Fläche von gegen dreihundertfünfzig Quadratkilometer nicht so gründlich und vollständig mit den vorhandenen Arbeitskräften durchgeführt werden, daß ein voller Erfolg der Sammeltätigkeit möglich gewesen wäre. Dies zeigte sich bei den im Herbst und Frühjahr vorgenommenen Eierzählungen, die in einzelnen Beständen schon Eiablagen von tausend bis dreitausend und mehr Eiern an manchen Stämmen ergaben. Es war also für das Jahr 1921 nichts Gutes zu erwarten.

Der Falterflug des Jahres 1921 hat dies, zumal das Frühjahr und der Sommer mit seiner anhaltenden warmen, trockenen Witterung, die für die Entwicklung der Nonne äußerst günstig war, durchaus bestätigt. Die Sammelergebnisse bei der Vertilgung von Raupen und Puppen waren folgende: zweimillionenzweihundertvierzigtausend Raupen, zweimillionenfünfhundertvierzehntausend Puppen und fünfzehnmillionensiebenhundertzweiundfünfzigtausend Falter, darunter dreizehnmillionensiebenhundertsiebenunddreißigtausend weibliche Falter. Diese ungeheure Zunahme und das Ergebnis der Probeeierzählungen an gefällten Stämmen gaben der Forstverwaltung Veranlassung für das Jahr 1922 umfassende Volleimungen in Aussicht zu nehmen. Diese Leimungen umfaßten eine Fläche von nicht weniger als zweitausendachthundertdreißig Hektar.

Leider war auch der Witterungsverlauf des Frühjahrs und des Sommers 1922 für die Entwicklung der Nonne wieder außerordentlich günstig. Das Frühjahr trat zwar spät ein, es herrschte aber dann fast ununterbrochen trockenes, windstilles Wetter, so daß die Entwicklung der Raupen bis zur Verpuppung völlig ungestört vor sich ging.

Die Folge war in vielen Beständen mehr oder weniger starker Lichtfraß, stellenweise in den besonders stark belegten Flächen auch Kahlfraß, jedenfalls war aber später festzustellen, daß viele Bestände, die sonst unfehlbar dem vollen Kahlfraß zum Opfer gefallen wären, durch den Leimring, der ungezählte Millionen von Spiegelräupchen vernichtete und später ebensoviel alte Raupen abfing, nur lichtgefressen und daher erhalten geblieben sind, so daß sich die Kosten für die Leimung reichlich bezahlt gemacht haben.

Gewaltig war in diesem Jahre der Falterflug, zeitweise machte er den Eindruck eines starken Schneegestöbers.

Ebenso wie 1920 uns aus Böhmen große Überflüge heimgesucht haben, sind nun in diesem Jahr aus den Hauptbefallsgebieten der Sächsischen Schweiz große Überflüge in nördlicher Richtung erfolgt und haben vermutlich die Gebiete des Fischbacher Waldes, der Dresdner und der Lausnitzer Heide, des Tharandter Waldes usw. heimgesucht und dort ihre Eier abgelegt, so daß nunmehr auch diese Gebiete und ebenso die dortigen Privatwaldungen für nächstes Jahr gefährdet erscheinen.

Die ungeheuren Schäden, die man von den Bergen der Sächsischen Schweiz gegenwärtig bei einem Blick nach Böhmen hinüber, aber auch schon in den sächsischen Waldungen selbst, stellenweise zu Gesicht bekommt und die großen Überflüge dieses Sommers, die auch die bewohnten Ortschaften und offenen Fluren und Gärten überfluteten, haben nun die öffentliche Meinung und weite bisher gleichgültigere Kreise aufgerüttelt und auf die Größe der unseren Waldungen drohenden Gefahren aufmerksam gemacht und die vorher vielfach fehlende Geneigtheit bei der Bekämpfung der Nonne werktätig Hilfe zu leisten, geweckt. Dies zeigen auch die zahlreichen in der Presse von mehr oder weniger berufenen Verfassern gemachten, gutgemeinten Vorschläge, die Wahres und Falsches durcheinandermischen und längst versuchte und als unwirksam wieder aufgegebene Bekämpfungsmaßnahmen mit großer Begeisterung erneut empfehlen.

Es seien daher zur Aufklärung die bisher bekannten und in der Praxis bewährten Bekämpfungsmaßnahmen in aller Kürze etwas näher beschrieben.

Abb. 1 Weiblicher Nonnenfalter
(Phot. Emil Wünsche Nachf., Dresden)

Die erste und sinnfälligste Maßnahme ist der Fang der Falter, namentlich der weiblichen, um die Eiablage zu verhüten. (Abbildung 1 zeigt einen weiblichen Falter an einen Fichtenstamm.) Diese Maßnahme ist bei einer beginnenden Nonnenkalamität oder bei eben erfolgten Überflügen in bisher nicht befallene Waldgebiete die wirksamste Vertilgungsmaßnahme, wenn sie sofort nach dem Auftreten der Falter mit möglichster Beschleunigung, also mit möglichst viel flinken und raschen Arbeitskräften, vorgenommen wird. Man kann also in diesem Falle, wenn man wirkliche Erfolge erzielen will, auf die Mitwirkung von Schulkindern nicht verzichten, um so weniger als das erfolgreiche Faltersammeln sich nur auf die kurze Zeit vor und während der Eiablage erstreckt. Falter zu sammeln, die ihre Eier abgelegt haben, hat keinen Zweck, sie tun keinen Schaden mehr und sterben in Kürze ab.

Sehr lebhaft sind zur Faltervertilgung neuerdings wieder Leuchtfeuer, Fackeln, Scheinwerfer oder irgendwelche andere starke Lichtquellen empfohlen worden, alle diese Mittel sind bereits bei früheren Nonnenplagen, so z. B. in den Jahren 1908 bis 1910 in Sachsen und 1890/91 in Bayern in großem Maßstabe versucht worden, sämtlich ohne durchschlagenden Erfolg. Herrscht zufällig einmal bei einem Hochzeitsflug günstiges warmes Wetter, so fliegen wohl einige Zehntausende Falter in die Leuchtfeuer, meistens aber sind es Männchen, denn sowie die Weibchen mit der Eiablage beschäftigt sind, kümmern sie sich um Feuer und Fackeln nicht im geringsten mehr und bei rauhem kühlen Wetter tun dies auch die Männchen nicht.

Weiter kommt in Frage das Sammeln von Eiern. Diese Maßnahme ist mühsam und schwierig, denn die Eier sind gut unter Rindenschuppen verborgen, die erst mit dem Messer abgeblättert werden müssen, um die Eier zu finden. Will man die Eier abkratzen, fallen viele zu Boden und bleiben entwicklungsfähig. Besser ist daher die Eier mit Teer zu überstreichen. Im ganzen ist dieser Maßnahme nur geringe Bedeutung beizumessen, da man nur den geringen Teil der Eier im untersten Stammabschnitt vernichten kann.

Bei sehr starkem Befall kann auch das Eiersammeln lohnen, wie die Sammelergebnisse des Herbstes 1921 beweisen, die über einundzwanzigmillionen Eier im Forstbezirk ergeben haben.

Das Sammeln von Raupen kommt zumeist in Kulturen, in denen man die Raupen ablesen kann, in Frage. In Althölzern kommen zeitweilig, namentlich bei großer Hitze und kurz vor der Häutung große Massen von Raupen aus den Kronen bis in den untersten Stammteil herab, so daß sie hier ebenfalls mit gutem Erfolg in größeren Mengen vernichtet werden können, wenn diese Erscheinung rechtzeitig bemerkt wird.

Das Sammeln von Puppen ist nur neben dem gleichzeitigen Raupensammeln und bei starkem Befall von Wert; da die Puppen in borkigen Beständen ziemlich schwer zu finden sind, lohnt das Sammeln nicht sonderlich.

Mehrfach ist auch das Bespritzen mit giftigen Flüssigkeiten versucht worden. Dies empfiehlt sich namentlich zur Vertilgung von Spiegelräupchen unter Verwendung der bekannten auch gegen die Kiefernschütte gebräuchlichen Platzschen Pflanzenspritze mit fünfprozentiger Lösung von Obstbaumkarbolineum. Unter Verwendung des Verlängerungsrohres dieser Spritze kann man die Stämme bis hoch hinauf mit dem Verstäuber erreichen.

Auch mit giftigen Gasen, wie sie im Kriege Verwendung gefunden haben, sind in Böhmen umfassende Versuche gemacht worden. Leider zeitigte auch dieser Versuch keinen Erfolg. Es starben höchstens die Bäume ab, aber nicht die widerstandsfähigen Raupen.

Abb. 2 Nonnenraupengespinste unter den Leimringen
(Phot. Oberverwaltungs-Inspektor Herrmann, Zittau)

Als letztes uns zu Gebote stehendes Mittel bliebe nur noch der viel umstrittene Leimring zu besprechen. Seine Wirkung ist eine doppelte. Zunächst fängt er alle unterhalb des Leimringes aus den Eiern gekommenen Spiegelräupchen, die zum Fraße in die Baumkronen hinaufsteigen wollen, ab, und verurteilt sie zum Hungertode. Wer in der Sächsischen Schweiz in diesem Frühjahre derartige geleimte Bestände besichtigt hat, wird bestätigen können, daß durch die Leimringe schon in einem einzigen geleimten Bestande Millionen und Milliarden von Räupchen vernichtet worden sind, bevor sie irgendwelchen Schaden anrichten konnten. Die Abbildungen 2 und 3 geben davon ein anschauliches Bild. Da man nun damit rechnen kann, daß etwa die Hälfte der Raupen sich zu weiblichen Faltern entwickelt haben würden, so sind für das nächste Jahr ebensoviel eierablegende Weibchen, die man beim Sammeln im Falterzustande in gleichem Maße niemals gefangen hätte, mit vernichtet worden.

Zum besseren Verständnis der Abbildungen 2 und 3 sei noch folgendes hinzugefügt: die im Frühjahr aus den Eiern ausgeschlüpften Räupchen sitzen zunächst einige Tage dicht gedrängt in sogenannten Spiegeln beisammen, ehe sie den Aufstieg in die Baumkronen beginnen. Bei ihren Wanderungen spinnen sie ununterbrochen ihre feinen Fäden, die sie auf den Unterlagen stellenweise festheften, so daß zuletzt feinste schleierartige Gespinste entstehen. Diese Gespinste werden um so dichter, je mehr Räupchen denselben Weg nehmen. Das ist namentlich unter den Leimringen der Fall, unter denen sich schließlich gewaltige Mengen von Spiegelräupchen ansammeln, die immer spinnend rastlos den Stamm umwandern, am Leimring, den sie nicht überschreiten können, sich an einen Gespinstfaden fallen lassen, um dann denselben Weg ruhelos zu wiederholen, bis sie schließlich an Nahrungsmangel zugrunde gehen.

Vielfach werden die leichten Räupchen, an ihrem feinen Spinnfaden hängend, vom Winde nach Nachbarbäumen verweht, dadurch bildet sich eine Querverbindung von einem Baum zum anderen, bei zahlreichen Raupen vermehren sich diese Fäden rasch, kreuzen sich und werden von den Räupchen nun gewissermaßen als Brücke von Baum zu Baum und von Ast zu Ast benutzt und immer dichter versponnen, so entstehen schließlich auch dichte Schleier zwischen nahe beieinanderstehenden Bäumen, in denen ebenfalls Massen von Räupchen zugrunde gehen.

Damit ist aber die Wirkung des Leimrings nicht erschöpft. Im Laufe ihres Lebens kommen zahllose Raupen, wie alle früheren und jetzigen Beobachtungen beweisen, sei es nun durch Sturm oder Regen oder aus eigenem Antriebe, z. B. während der viermaligen Häutungen oder wegen übergroßer Sonnenwärme in den Wipfeln, wenigstens einmal vom Baum herab und werden dann am Wiederaufklettern durch den Leimring gehindert. Es sammeln sich deshalb unter den Leimringen auch gewaltige Massen von fast ausgewachsenen Raupen an, wie Abbildung 4 zeigt. Diese Raupen können leicht vernichtet werden. Unterläßt man dies, so sind sie doch, nachdem sie den etwaigen Unterwuchs und das Heidelbeerkraut am Boden kahlgefressen haben, dem Nahrungsmangel ausgesetzt, so daß sie massenhaft zugrunde gehen oder für Krankheitskeime besonders empfänglich werden und bei dem dicht gedrängten Beisammensitzen, manchmal in doppelter Schicht übereinander, sich gegenseitig anstecken. Selbst der ungläubigste Thomas müßte beim Anblick derartiger Bilder in der Natur sich zu der Überzeugung durchringen, daß der Leimring gegenwärtig noch das relativ beste Mittel auch zur Einschränkung der Massenvermehrung der Nonne ist.

Abb. 3 Nonnenraupengespinste unter den Leimringen
(Phot. Oberverwaltungs-Inspektor Herrmann, Zittau)

Das ist aber nicht seine einzige Wirkung. Fast größer noch ist seine wirtschaftliche Bedeutung, insofern als er viele Bestände, deren Eibelag für einen vollständigen Kahlfraß gerade hinreichen würde, durch Vernichtung eines großen Teiles der fressenden Raupen davor bewahrt. Dadurch werden große volkswirtschaftliche Schäden vermieden, die durch den Abtrieb hiebsunreifer und darum minderwertiger Bestände, sowie durch die übermäßige Vergrößerung der Wiederanbauflächen entstehen. Bei früheren Nonnenkalamitäten sind die ungeheueren Kahlschlagsflächen erst in zehn und mehr Jahren, nachdem der Boden durch das lange Bloßliegen stark gelitten hatte, mit sehr großen Schwierigkeiten und Kosten wieder angebaut worden. Außerdem wird durch den unregelmäßigen Kahlfraß der Nonne, mitten aus den geschlossenen Beständen heraus, vielfach die geordnete Bestandslagerung zerstört und Anlaß zu späterem ausgedehnten Windbruch gegeben.

Man kann daher jedem Waldbesitzer nur den Rat geben, seine Fichtenbestände, wenn durch die nötigen Probeeizählungen der starke Eibelag festgestellt ist, zu leimen, er erweist damit nicht nur sich selbst einen Dienst, sondern auch der Allgemeinheit, indem er dadurch zur Einschränkung der Weiterausbreitung der Nonnenplage beiträgt. Die Bereitstellung erheblicher Staatsmittel zur möglichst weitgehenden Durchführung der Leimung wäre deshalb vom allgemeinen volkswirtschaftlichen Standpunkt aus durchaus gerechtfertigt. Ein kleiner Waldbesitzer, der vielleicht nicht einmal schlagbaren Wald, sondern nur jüngere Bestände besitzt, die ihm keinen Ertrag liefern, könnte sonst die erheblichen Mittel, die das Leimen erfordert, vielfach gar nicht aufbringen. Will er sich das Geld zu den in diesem Jahre erheblichen Leimungskosten borgen, so wäre er mit Schulden belastet, die ihn zugrunde richten könnten.

Wie sich aus dem Gesagten ergibt, besitzen wir leider keine absolut sicher wirkenden Bekämpfungsmittel gegen die Nonne. Mißerfolge bei Anwendung eines oder des andern der geschilderten Mittel und selbst bei Anwendung aller dieser Mittel gleichzeitig sind bei dem stellenweise ungeheuren Massenauftreten der Raupen nicht ausgeschlossen. Das hat vielfach zu der fatalistischen Auffassung geführt, überhaupt nichts gegen die Nonne zu tun und alles der Natur zu überlassen. Diese Auffassung muß verhängnisvoll wirken. Für die Natur ist es vollkommen gleichgültig, ob eine gewisse Bodenfläche mit Wald bestockt ist oder ob sie zur Grassteppe, zu Moor oder Heide oder Flugsandboden wird, für den Menschen dagegen bedeutet dieses unter Umständen den Untergang.

Große Hoffnungen hat man auf die »biologische« Bekämpfung, jetzt ein sehr beliebtes Schlagwort, gesetzt, leider auch vergebens, denn alle Versuche, künstlich Krankheiten bei den Nonnenraupen, namentlich die sogenannte Wipfelkrankheit, zu erzeugen oder zu verbreiten, sind bis jetzt gescheitert. Alle Infektionsversuche im Großen in der freien Natur durch Ausbreiten von toten Raupen, Streu und Kot aus Orten, wo die Wipfelkrankheit unter den Raupen bereits herrschte, waren erfolglos.

Ebenso trügt die Hoffnung, die man auf die Wirkung von Schmarotzern, Schlupfwespen und Raupenfliegen (Tachinen) setzt. Diese Tachinen sind, wenn sich die Insektenwelt in der Natur im Gleichgewicht befindet, nur in verhältnismäßig geringer Zahl vorhanden, da sie von der Zahl der Wirtstiere abhängig sind, in denen sie sich entwickeln. Ihre Massenentwicklung tritt deshalb erst ein, wenn die Wirtstiere sich schon außergewöhnlich vermehrt haben. Sie können also den Nonnenschaden ebenfalls nicht aufhalten, denn sie sind erst dann in Überzahl vorhanden, wenn der Schaden im Walde bereits geschehen ist.

Abb. 4 Anhäufung von Nonnenraupen unter dem Leimring
(Phot. Forstwart Hohlfeld, Zeughaus, Sächs. Schweiz)

Auch die Wipfelkrankheit, die in früheren Fällen jedesmal der Nonnenplage schließlich ein rasches Ende machte, tritt ebenfalls immer erst dann ein, wenn der Kahlfraß weite Flächen der Waldungen bereits vernichtet hat. So lange es uns nicht gelingt, die Erreger der immer noch ungeklärten Wipfelkrankheit zu finden und auch außerhalb der Raupen künstlich zu züchten, um sie schon beim Eintreten einer größeren Nonnenvermehrung sofort zur Infektion von Raupen verwenden zu können, um so die vernichtende Krankheit mit Erfolg künstlich zu verbreiten, wird unsere biologische Bekämpfung der Nonne, wie zeither, so gut wie erfolglos bleiben.

Das ist zunächst das bis zu einem gewissen Grade betrübende Ergebnis unserer heutigen biologischen Forschungen. Das darf uns aber nicht entmutigen, diese Forschungen fortzusetzen. Ebensogut wie das jahrzehntelange Suchen nach den Erregern mancher menschlichen Krankheiten schließlich von Erfolg gewesen ist, wird dies hoffentlich auch bei der rätselhaften Wipfelkrankheit, die seit Jahrzehnten die Wissenschaft beschäftigt hat, gelingen.

Jedenfalls dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen, so lange uns die Wissenschaft keine besseren Bekämpfungsmittel in die Hand gibt, sondern müssen die bisher angewendeten, erfahrungsmäßig wirksamen Vorbeugungs- und Bekämpfungsmaßnahmen des Sammelns von Faltern, Eiern, Raupen und Puppen und namentlich des Leimens der besonders gefährdeten Bestände auch weiterhin im weitesten Umfang anwenden. Namentlich in den erst in diesem Jahre neu befallenen Landesteilen Mittelsachsens und des Niederlandes, wo die Plage noch in der Entwicklung begriffen ist, ist das eine zwingende Notwendigkeit. Je umfassender und gründlicher die Bekämpfung beim ersten Auftreten der Plage einsetzt, um so mehr ist auf einen Erfolg zu hoffen.