Die Pfarrlinde in Markersbach bei Gottleuba
Eine wichtige Aufgabe des Heimatschutzes ist von jeher die Erhaltung alter Bäume. Die erheblichen Mittel, welche bisher für diese Art Altershilfe Verwendung fanden, haben manchen ehr- und denkwürdigen Baum vor völliger Zerstörung und Zusammenbruch bewahrt.
Die Markersbacher Pfarrlinde (Phot. R. Wiehl, Dresden)
Auch der alten Pfarrlinde in Markersbach bei Gottleuba drohte dieses Schicksal. Es wäre ein besonders schwerer Verlust gewesen, stellt doch dieser Baum nicht nur ein durch Alter geweihtes Naturdenkmal dar, sondern er ist auch als getreuer Schicksalszeuge der Gemeinde kulturgeschichtlich von hohem Werte. Soll doch hier unter seinem grünen Blätterdache, der Überlieferung nach, der erste evangelisch-lutherische Gottesdienst abgehalten worden sein, und da Markersbach 1576 seinen ersten evangelisch-lutherischen Pfarrer erhielt, kann das Alter dieser Linde auf etwa vierhundert Jahre angenommen werden. Daß bei diesem hohen Alter auch alle lebensfeindlichen Einflüsse sich besonders geltend machten, ist trotz des gesunden Aussehens des eineinhalb Meter im Durchmesser habenden Stammes und der vollen Laubkrone nicht verwunderlich. Durch die Öffnungen zweier vor langer Zeit abgebrochenen Hauptäste hatten Regen und Schnee ungehindert Zutritt in das unzugängige, völlig hohle Stamminnere und förderten die Fäulnis in besorgniserregender Weise. Diese Gefahr für den Weiterbestand des Baumes ist jetzt beseitigt. Die nicht ungefährliche, auf hohen Leitern auszuführende Arbeit des Verschließens der Astöffnungen wurde in zweckentsprechender Weise von Herrn Baumeister Reppchen in Gottleuba ausgeführt. Die Mittel hierzu stiftete ein seit Jahren mit Markersbach und seinen Bewohnern innigst verbundener Freund aller Heimatschutzbestrebungen, Herr Geheimer Kommerzienrat Meinel-Tannenberg.
Zum Danke dafür aber rauscht jetzt die alte ehrwürdige Pfarrlinde in Markersbach besonders freudig und aus ihrer mächtigen Krone klingt nicht nur in leisen Flüstern ein Lied aus längst vergangenen Tagen, sondern sie kündet auch laut und vernehmlich das hohe Lied ihrer Wohltäter. –
Georg Marschner.