Heimatschutzbewegung und Hotel
Aus dem Bewußtsein der Kürze des eigenen Lebens ergibt sich für den denkenden Mann, der seine Kraft an eine edle Aufgabe und ein hohes Ziel gesetzt hat, die Aufgabe, Motive und Ergebnisse seines Daseins an andere Männer weiterzugeben, daß, auch wenn sein Licht erlosch, sein Werk nicht stirbt. Aber damit in seinem Geist weiter gearbeitet werden kann, ist es nötig, Freunde und Schüler zu bilden. Es gibt keine große, geistige Gemeinschaft, die ihr Werk erhalten wissen will, die nicht ebenso verführe. Auch diejenigen, die ihre Heimat lieb haben, wirken in diesem Sinne. Es darf gefragt werden, ob durch unsere Bestrebungen schon alle erreichbaren Kreise berührt worden sind. An einen Stand zu erinnern mag erlaubt sein, an den Stand der Kellner. Niemand bezweifelt, daß seine Aufgabe nicht in der Sorge um gutes Essen und Trinken für die Gäste aufgeht; des tüchtigen Kellners Ziel ist es, dem Gast das Heim möglichst zu ersetzen. Er ist bemüht, dem Reisenden Unterhaltungsmöglichkeiten nachzuweisen; er wird oft zum Berater für Ausflüge, für Sehenswürdigkeiten. Um das tun zu können, wird er bemüht sein, aus den Reisehandbüchern sich selbst eine umfassende Kenntnis anzueignen. Aber sind diese Bücher ohne weiteres Hilfsmittel für den Heimatschutz? Niemand wird über die bekannten Reisehandbücher gering denken; sie bieten eine Fülle von Stoff. Aber es kann nicht von ihnen verlangt werden, daß sie die stillen Schönheiten, daß sie das Stimmungsvolle einer ganz schlichten Landschaft weitergeben, mitteilen können. Das ist nur persönlichem Erleben und, wenn ich so sagen darf, in der individuellen Mitteilung möglich. In dieser Art Mitteilung aber bewegt sich hauptsächlich die hierher gehörige Aufgabe der Kellner. Um sie zu erfüllen, bedürfen sie einer Einführung in das Wesen der Heimatschönheit, brauchen sie selber Mitteilung erlebter Schönheit und Stimmung. Für die Mitglieder des Heimatschutzes liegt hier eine Aufgabe. Wir werden – wenn es die Gelegenheit gibt – auch dem Kellner gegenüber es nicht an Mitteilung über die Schönheit seiner Stadt fehlen lassen dürfen, wir werden doch auch in den größeren Hotels nach den »Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz« fragen müssen. Jedermann weiß, daß man in Gasthöfen bisweilen Lektüre trifft, deren Wert man als fragwürdig bezeichnen darf. Warum sollen wir da nicht für wirklich Wertvolles freudig eintreten? So möchten diese Zeilen bitten, für die Heimatschutzbewegung in einem ganz besonderen Berufe Freunde und Förderer zu gewinnen.
Pfarrer Herzog, Aue i. E.