Ein altes Patrizierhaus

Aufnahme von Konrad Richter, Auerbach i. V.

Auch in Sachsen stößt der Wanderlustige gar nicht so selten auf wenig bekannte Bauten, die einer näheren Betrachtung wert sind. Alte Herrensitze und Baumgehöfte, Dorfkirchen, Rathäuser und Kleinhausbauten sind oft geschildert und dargestellt worden. Ein Patrizierhaus, wie das in der Abbildung gezeigte, findet man in Sachsen und vor allem auf dem Lande oder im Gebirge selten. Die reicheren Bürger, die in der Lage waren, sich vornehme Häuser zu bauen, suchten den Schutz der Stadt und das Zusammenleben in ihr; Patrizierhäuser auf dem Lande oder in kleinen Orten kannte man nicht.

Abb. 1 Altes Patrizierhaus in Stützengrün (Ansicht von Südwesten)

Abb. 2 Altes Patrizierhaus in Stützengrün (Ansicht von Südosten)

Um so überraschter ist man, in der kleinen Gemeinde Stützengrün i. V. ein so behäbiges, auf Wohlstand und Geschmack hinweisendes Haus zu finden. Der Bauherr hat zweifellos nicht irgendeine zufällige Planung durch einen Unternehmer zur Ausführung bringen lassen, er hat bewußt Form und Anlage seines Hauses geprüft und sich seinen Baumeister gesucht. Die sicherlich nicht in jeder Einzelheit fein durchgebildeten Formen des Hauses, die fast auf süddeutschen Einfluß hinweisen, lassen die Gesamtanlage doch außerordentlich wirkungsvoll erscheinen. Die horizontale Gliederung, die gleichmäßige Verteilung der Fenster und die Betonung ihrer Achsen durch gleich große Dachgeschoßfenster, die Durchführung der Achsenbeziehungen, die Hervorhebung des Einganges durch einen kleinen Giebelvorbau, die schmucken Fensterläden, die Putzgliederung und die starke Schattenwirkung des weit vorspringenden Gesimses sind die Bestandteile dieses ausgezeichneten Werkes. Dazu betont die Besonderheit des Hauses noch das in dieser Gegend sonst nicht heimische Mansardendach, das aber zu diesem breitgelagerten Hause mit seiner süddeutschen barocken Form gehört.

Möge die Veröffentlichung die Freude am Finden heimischer Kunstwerke fördern.

Dr. Conert.