Ein Heimatschützer im fernen Osten

Am 19. Februar dieses Jahres beging Emil Sigerus in Hermannstadt seinen siebzigsten Geburtstag. Er ist ein Sohn des siebenbürgischen Sachsenvolks, das wie kein andrer deutscher Stamm dem Mutterlande mehr als acht Jahrhunderte hindurch unter den schwierigsten Verhältnissen die Treue bewahrt hat, ein kleines Häuflein, umbrandet von den Fluten andrer Völker. Die Kraft zu solchem Ausharren haben die Siebenbürger Sachsen aus dem Mutterboden gesogen, mit dem sie stets in geistiger Verbindung geblieben sind; der unerschütterliche Wille, deutsch zu bleiben, hat ihre Führer zu allen Zeiten beseelt.

Auch Emil Sigerus ist seinen Volksgenossen ein Führer geworden, ein Führer auf dem weiten Gebiete der Denkmalpflege und des Heimatschutzes, indem er ihnen die Augen öffnete für die Schönheiten ihres karpathenumgürteten Landes mit den blühenden sächsischen Städten und Dörfern, sie hinwies auf den Wert ihrer vielhundertjährigen Sitten und Gebräuche, ihrer Volkstrachten, ihrer Bauweise, ihres Handwerks usw. Das Karpathenmuseum in Hermannstadt, ähnlich unserm Volkskundemuseum in Dresden, ist eine Schöpfung, zum größten Teil zugleich eine Schenkung von ihm, dem unermüdlichen Sammler deutscher Kulturgüter.

Von seinen literarischen Arbeiten, deren Zahl unbegrenzt ist, nennen wir nur die Sammelwerke: »Sächsische Burgen und Kirchenkastelle«, »Aus alter Zeit«, »Durch Siebenbürgen, eine Touristenfahrt«, die reich ausgestatteten Mappen »Siebenbürgisch-sächsische Leinenstickereien« und das kultur-historisch so überaus wertvolle Werk »Vom alten Hermannstadt« (zwei Bände). Sich und seinem Volke hat Emil Sigerus mit diesen Arbeiten, die auch in Deutschland die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich gelenkt haben, ein dauerndes Denkmal gesetzt.

Manche, die diese Zeilen lesen, werden auch die persönliche Bekanntschaft des Jubilars gemacht haben. Denn wenn ein Reichsdeutscher nach Hermannstadt kam, fand er bei E. Sigerus stets aufopfernde Hilfsbereitschaft, und so werden viele seiner in Dankbarkeit gedenken.

Mögen diese Zeilen dem Jubilar beweisen, daß man auch im deutschen Mutterlande seine Lebensarbeit hoch einzuschätzen weiß!

Martin Braeß