Vom Natur- und Heimatschutz
Die Eibe auf dem Löbauer Berge. Der basaltne Rothstein ist als Standort einer Anzahl bodeneigener Eiben oder Taxusbäume bekannt. Nur wenige wissen aber davon, daß auch auf dem Löbauer Berg eine stattliche Eibe – ob an ihrem jetzigen Standorte von jeher vorhanden oder dahin verpflanzt, entzieht sich unsrer Kenntnis – zu finden ist. Sie steht an dem westlichen Stufenaufgange nach der ältesten Bergwirtschaft, dem sogenannten Berghäuschen, und zwar am letzten Treppenabsatz unweit der gegenwärtig zu Wohnzwecken benutzten Gebäudeteile der Wirtschaft. Der Baum, dessen Höhe zurzeit ungefähr zwölf Meter beträgt, ist am Anfange der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in seiner Krone verstutzt worden, als zu dieser Zeit auf genanntes Haus ein Stockwerk aufgesetzt und zu einer Gaststube eingerichtet wurde. Es geschah dies mit Rücksicht auf die Aussicht, die durch den Wipfel der Eibe verdeckt wurde. An Höhe und Stärke übertrifft dieselbe die älteste Rothsteineibe ganz bedeutend, die nur gegen sechs Meter hoch ist. Der Stammumfang unsers Baumes, der sicher als mehrhundertjährig zu bezeichnen ist, beträgt dicht über dem Erdboden neunzig Zentimeter, ein schlanker gerader Wuchs zeichnet ihn aus. Leider krankt der schöne Baum in einigen Ästen seiner Krone, braunes Nadelgezweig unterbricht das dunkle Grün seines Hauptes. Schuld daran sind vielleicht die unmittelbare Nähe der Treppenstufen oder die erwähnte Verstutzung oder die inzwischen hochgewachsenen Eschen wenig unterhalb seines Standortes. Es ist vom Standpunkte des Naturschutzes entschieden zu begrüßen, daß die letztgenannten Bäume seitens der städtischen Forstverwaltung demnächst gefällt werden sollen. Es wären aber auch noch weitere Maßnahmen zum Schutze dieses Naturdenkmales, als welches unsre Eibe zweifellos bezeichnet werden darf, zu empfehlen. Denn das ist wohl anzunehmen, daß die Eibe auf dem Löbauer Berge dereinst wie auf dem Rothstein mit zu des Berges ursprünglicher Bewaldung gehört hat, als deren letzter Rest nun unser Baum anzusehen ist. Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang eine Bemerkung des städtischen Försters in einem »Kulturanschlage« vom Jahre 1816, nach welcher damals in der Bergwaldung Eiben »ausgesät« werden sollten.
O. Schöne.