Vom neuen Weinbau
Von Carl Pfeiffer, Hoflößnitz
In den Jahren 1886 bis 1889, teilweise etwa 1892, hat der alte sächsische Weinbau aufgehört irgendeine wirtschaftliche Bedeutung zu haben. Mit dem Reblauskampfe waren wohl auch manche Weinberge aus Mangel an Pflege eingegangen. Fehlende Technik, Führung und erlahmtes Interesse haben nur noch kleine Reste alter Weingärten kleineren Besitzes im Lande zerstreut erhalten lassen. Einige verbleibende Kernpunkte der Orte Kossebaude, Mobschatz, Merbitz, Leuteritz im bäuerlichen Besitz, das alte von Haagensche Stadtgut zu Meißen, die Rote Presse von Langelätze Sörnewitz mit kleinen Resten bäuerlichen Weinbesitzes, der Krassoberg der Stadt Meißen, kleinere Weinflächen der Bauern von Rottewitz, Zadel, Diesbar, Seußlitz und der Schloßweinberg von Seußlitz, wohl noch zwanzig Morgen groß, der Johannisberg des Herrn Nacke am Kroatengrund, Naundorf, der Eckberg des Herrn Böhme, Niederlößnitz, mit wenigen kleinen Nebenliegern haben den Grundstock erhalten, aus dem der neue Weinbau emporgediehen ist.
Die ersten Versuche, den alten Weinbau wieder neu aufleben zu lassen, wurden von den Amtshauptmannschaften Dresden-N. und Großenhain veranlaßt. Amtshauptmann Dr. v. Hübel, der bekannte Förderer des Heimatschutzes, berief die Winzer der Lößnitzorte zu gemeinsamer Arbeit zusammen, der verstorbene Großenhainer Amtshauptmann Dr. Uhlemann tat das gleiche für die Seußlitzer Pflege. Beide Arbeiten begannen im Jahre 1907, und zwar im ersteren Falle durch Anregung der alten Winzer und in Großenhain durch die Anpflanzung der ersten, auf amerikanischen Reben gepfropfter Setzlinge, deren Widerstandsfähigkeit gegen die Reblaus im preußischen Weinbau an der Pfropfanstalt zu Naumburg an der Saale bereits erprobt gewesen ist. Den ersten dieser rekonstruierten Weinberge legte Baumeister Reinhold Bahrmann zu Seußlitz, Amtshauptmannschaft Großenhain, an.
Das erfolgreiche Gedeihen dieser Pfropfreben in Seußlitz veranlaßte den damaligen Vorsitzenden des Landesobstbauvereins (heute Landesverband Sachsen für Obst- und Weinbau, Vorsitzender Forstmeister Timaeus) Geheimen Regierungsrat Dr. Uhlemann, Großenhain, die dem Landesverein angeschlossenen Bezirksobstbauvereine der Lößnitz und Meißen ebenfalls gepfropfte Reben versuchsweise anzupflanzen. Diese Anregung war nun in der Lößnitz, wo Geheimer Regierungsrat Amtshauptmann Dr. von Hübel bereits großes Interesse geweckt hatte, auf fruchtbaren Boden gefallen. Der Böhmesche Eckberg (heute Dr. Tiedemann) erhielt eine größere Pflanzung dieser Pfropfreben, die Geheimrat Dr. Uhlemann aus der preußischen Pfropfanstalt Naumburg bezogen hatte. Viele Mitglieder des Bezirksobstbauvereins der Lößnitz erhielten gleichfalls einige solcher Reben.
Dieser erste Versuch, unter Gewährung kleiner Staatsmittel, wurde nun ständige Einrichtung. In jedem Frühjahr wurden vom Landesobstbauverein eine Anzahl Pfropfreben aus Naumburg bezogen und an Mitglieder der Bezirksobstbauvereine der Lößnitz und Großenhain kostenlos abgegeben, während sich Meißen noch zurückhielt.
Man hatte mit diesen ersten Rebenbezügen zunächst nur die Anregung und den Kleinversuch im Auge, bis dann 1912 von Dr. Goldschmidt, Niederlößnitz, zirka fünftausend, von Kaufmann Günther, Oberlößnitz, dreitausend Reben in einer Fläche als Weinberg angelegt worden sind.
Abb. 1 Weinberge der Hoflößnitz
Der Bezirksobstbauverein der Lößnitz hatte 1911, um dem steigenden Rebenbedarf zu folgen, in Erwägung gezogen, eine Rebenveredlungsanstalt einzurichten, war aber bei der Regierung mit seiner Vorstellung um Gewährung von Beihilfen abschlägig beschieden worden. Diese Anregung des damaligen Vorsitzenden Ahrends, Niederlößnitz, hatte der Bezirksobstbauverein zu Meißen, unter dem Vorsitz des Amtshauptmanns von Oer, aufgegriffen und sich für Schaffung einer Rebschule staatliche Mittel verschafft, so daß dort 1914 die ersten veredelten Reben verfügbar, aber, da nicht genügend vorgearbeitet worden war, keinen leichten Absatz fanden. In der Lößnitz war inzwischen 1913 auf Anregung von Geheimrat Dr. Uhlemann eine Vereinigung zur Förderung des Weinbaues der Lößnitz und Umgebung mit etwa dreizehn Mitgliedern und dem Weinbergbesitzer Max Böhme als Vorsitzendem gegründet worden, die es sich zur Aufgabe machen wollte, den Weinbau zu fördern. Diese Vereinigung arbeitete sehr rege durch Aufklärung, Neuanpflanzung von Weinbergen, Errichtung einer Rebenveredlungsstation, zu deren Einrichtung auf Anregung des Amtshauptmanns von Dresden-Neustadt, Geheimrat Dr. von Hübel, das Ministerium dreitausend Mark Beihilfe bewilligte. Der Landesobstbauverein trug zu den Kosten der Rebschule jährlich etwa eintausendzweihundert Mark, eine gleiche Summe bewilligte er der Meißner Schule. Die Leitung der Rebschule lag in Händen des Rebschulausschusses unter Vorsitz von Oberingenieur Brückner, Radebeul. Einen nicht unbedeutenden Anteil an der Einrichtung hatte die 1912 gegründete Hoflößnitzgesellschaft, durch Gestellung ihres Gärtners für Durchführung der Veredlungen, kostenlose Benutzung des Hoflößnitzgeländes von zunächst viertausend Quadratmeter und Errichtung der Unterstützungsgestelle für Anzucht der amerikanischen Reben.
Die nun bis dahin geleistete Kleinarbeit hatte besonders bei den alten Lößnitzern, die nun ihren Weinbau wieder haben sollten, sehr befruchtend angeschlagen und auch links der Elbe, in Kossebaude war Vater Tielemann der erste Neuwinzer, nicht minder die Kleinwinzer von Diesbar, Seußlitz. Meißen hielt sich noch zurück. Erst als der Landesobstbauverein den Mangel geeigneter Führung feststellte und 1912 den Weinbaulehrer, der bis dahin zwölf Jahre in dem Hauptweinbaugebiet am Rhein und an der staatlichen Weinbauanstalt zu Oppenheim am Rhein war, nach Sachsen berief, wehte frisches Leben durch den neuen Weinbau.
Der Stadtrat von Meißen begann nach einem vor dem gesamten Kollegium durch den Weinbaulehrer gehaltenen Vortrage mit der Rekonstruktion seiner Weinberge. Es wurde sachgemäße Düngung eingeführt, geringwertige Berglagen durch neuzeitliche Pflanzungen ersetzt und zur Durchführung aller Belange ein Oberwinzer vom Rhein angestellt. Ebenso hat Herr von Harck den neuen Weinbaufachmann herbeigezogen, den Winzern von Diesbar, Seußlitz gute Lehren erteilen lassen, in größeren Rebenschnittkursen einen sachgemäßen Schnitt der Reben eingeführt und so den Ertrag der Weinberge gehoben. Nach wenigen Jahren wirkte sich diese Arbeit so aus, daß z. B. der Bahrmannsche Weinberg seine Erträge von sieben Zentner Trauben im Herbst auf vierundfünfzig Zentner gehoben hat. Mit diesem Zeitpunkte begann auch die Hebung der Kellerwirtschaft, die ihre größten Erfolge im Keller des Herrn Baumeister Bahrmann, Seußlitz, hatte.
Im Jahre 1916 begann ein erneuter Abschnitt für den neuen Weinbau, nachdem bereits 1913, 1914, 1915 recht bedeutende Neuanpflanzungen der Herrn Günther, Dr. Goldschmidt, Wackerbarths Ruhe; Kammerherrn von Minckwitz, Niederlößnitz; Gasch und Fährmann in Rottewitz; Bahrmann, Seußlitz; Kupfer, Kossebaude, entstanden waren und ihre Entwicklung vorbildlich, die Erträgnisse in seltener Höhe ausfielen. Man muß diese Musterpflanzungen neuer Art gesehen haben. Das Jahr 1916 brachte für die Weiterentwicklung des Weinbaues die Erweiterung der Rebenveredlungsstation zu Schloß Hoflößnitz, die Übersiedlung des bis dahin in Meißen stationierten Weinbaulehrers und die Einrichtung von Musterweinbergen, für Sortenprüfung, Prüfung der Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, Prüfung des Kellerergebnisses aus neueingerichteten Düngungsversuchen, Geräteprüfung und die Einrichtung laufender Lehrgänge über Weinbau, Kellerbehandlung der Weine und Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen.
Aufnahme von P. Georg Schäfer, Dresden
Abb. 2 Weinberge Wackerbarths Ruhe, Niederlößnitz
Diese Lehrgänge, vom Landesverband Sachsen für Obst- und Weinbau und der Lößnitzer Weinbaugesellschaft werden laufend gut besucht.
Aufnahme von P. Georg Schäfer, Dresden
Abb. 3 Winzerhaus im Weinberg Eckberg mit Jakobstein (zu Wackerbarths Ruhe, Niederlößnitz, gehörig)
Mit diesem Zeitpunkte wurde in Hoflößnitz die Anzucht veredelter Reben sehr gehoben. Neben den hier gewonnenen amerikanischen Unterlagsreben bezog die erweiterte Anstalt verschiedene Waggonladungen solchen Amerikanerrebenholzes aus den Rebenzuchtstellen Preußens zu Oberlahnstein und Engers und der Bayrischen aus Regensburg, der Badischen Augustenberg.
Abb. 4 Weinbergsmauer am Kroatengrund, Naundorf-Kötzschenbroda
(aus dem Heimatschutzarchiv, Dresden)
Um diese großen Posten Veredlungen – siebzig- bis zweihunderttausend Stück – rechtzeitig und gut herstellen zu können, war zur Veredlungszeit im Frühjahre die Einstellung von fünfzehn bis sechzehn Akkordveredlern aus Dresdener Baumschulen nötig geworden. Das Rebenvortreibehaus mußte wiederholt beschickt werden, so daß die letzten Veredlungen erst in den ersten Junitagen zur Auspflanzung gelangten.
Aufnahme von P. Georg Schäfer, Dresden
Abb. 5 Bergaltar mit Kastanie im Weinberg »Johannisberg«, Naundorf-Kötzschenbroda
Diese Massenvermehrung ist vorübergehend zurückgetreten, weil mit dem immer stärker werdenden Vordringen der Reblaus im Rheinweingebiet dort alle vorhandenen Aufzuchten für eigene Vermehrung verwendet werden müssen. Es sind daher in den letzten Jahren nur die den eigenen Zuchtgärten entnommenen Rebenhölzer zur Veredlung gelangt. Aber auch nach dieser Richtung ist Neumaterial bezogen und als Zuchtgarten aufgepflanzt worden, so daß bald wieder in gleichem Ausmaße herangezüchtet werden kann.
Mit regem Eifer hat sich hier etwas entwickelt, was kein Mensch geahnt hätte. Noch viel mehr hätte aber geschehen können, wenn die freudige Arbeit sich auf Hilfe hätte stützen können. Der Krieg mit seinem Vernichten hat auch diesen Arbeiten den kleinen Jahreszuschuß von 1200 bis 1800 Mark entrissen, so daß seit den Kriegsjahren alle Arbeiten der neuen Weinbauanstalt aus eigenen Einnahmen bestritten werden mußten. Dieses Missen hat auch nach neuen Einnahmen geschaut und so ist daraus die Schaffung eines Kellereibetriebes zur Kelterung der in den Versuchsweinbergen geernteten Trauben hervorgegangen. Hier soll bei den Lehrgängen durch das Beispiel Erzeugung von Rebensaft, Verlauf der Gärung und Erzielung edler Weine gezeigt werden. Auch das ist gelungen, wie bereits durch die von hier ausgehende Beratung in privaten Kellern ein Weg gewiesen worden ist, der dem Sachsenwein alle Ehre macht.
Aufnahme von Kurt Nierich, Naundorf-Kötzschenbroda
Abb. 6 Weinpresse in der Hoflößnitz
So ist die Hoflößnitz heute wieder der Mittelpunkt des Sachsenweinbaues geworden, zunächst nicht in Festen wie einst, aber in froher Arbeit und – den kommenden Festen, wie sie 1924 erstmalig der Lößnitz und ganz Sachsen wiedergegeben werden sollen.
Aufnahme von Kurt Nierich, Naundorf-Kötzschenbroda
Abb. 7 Weinbergsgelände um Schloß Seußlitz
Wer heute von Dresden nach Meißen fährt, sieht schon von Ferne die einfachen Neuanpflanzungen der einst kahlen Rebhügel. Da sehen wir von Radebeul abfahrend »Haus in der Sonne«, eine der jüngsten, erst ins vierte Jahr laufende Rebenpflanzung des Herrn Prof. Dr. Hammitzsch, Oberlößnitz, unten die schon ältere Pflanzung des Börnerschen Bennoschlößchens, dann die Bergspitze belebend die Barthsche Neupflanzung; jene von Krause, Wahnsdorf, und das Spitzhaus mit Bismarckturm säumend die großen Neupflanzungen der aus der Weinbaugesellschaft hervorgegangenen Genossenschaft, die schon tragfähige große Anlage des Herrn Oberingenieur Moß, daneben die des Bankbeamten Domaschke und darunter, um das Hoflößnitzschlößchen die Versuchsweinberge der Versuchs- und Lehranstalt Hoflößnitz. Etwas zurückgetreten breitet sich der große, im Jahre 1912 begonnene Weinbergbesitz Dr. Goldschmidts aus, während uns am Friedstein, nachdem wir die Jungpflanzung der Sektkellerei Bussard gesehen haben, die große Jungpflanzung des Herrn Michaelis grüßt. Dann folgen die mit viel Mühe geschaffenen Kleinanlagen Müller, Geneus, Postsekretär Börner, Max Schumann, die sich nun an die Musterweinkulturen Schloß Wackerbarths Ruhe des Herrn Dr. Tiedemann anlehnen und die den ehemaligen Max Böhmeschen Besitz umfassen. Hier sehen wir nicht nur den neuzeitlichen Weinberg, sondern finden auch die in moderner Kellerwirtschaft geführte Weinkellerei, deren Weine auch bei süddeutschen Konkurrenzen mit Glanz bestanden haben.
Angereiht liegt der aus dem Niedergang des Weinbaus erfolgreich durchgehaltene Weinberg des Schlosses Johannishof, Naundorf, den Herr Fabrikbesitzer Nacke mit gutem Riesling bepflanzt hat. Hier bietet der Keller noch alte Jahrgänge bis zum 1889er, der einem guten Rüdesheimer nichts nachgibt. Ganz im verborgenen Winkel, den Kroatengrund durchwandernd, liegt noch manch kleines Weinberglein, aber auch der noch durchgehaltene Weinberg unseres alten Vater Carl Mitzschke, der diese Weine in seinen Weinstuben darreicht. Auch Mieths Weinstuben aus alter Zeit, nicht weit entfernt, sind als Zeugen alter Kultur erhalten geblieben. Neues Leben zeigt sich auch in der Nähe der Friedensburg und der Sängerhöhe.
Aufnahme von P. Georg Schäfer, Dresden
Abb. 8 Parkmauer des Grundstücks »Johannisberg« an der Johannisbergstraße Naundorf-Kötzschenbroda
Nach Zitzschewig und Weinböhla hat sich inmitten alter Weinkulturen der neue Weinbau reichlich Eingang verschafft. An den Bergen entlang beginnen neue Hügel mit Jungpflanzungen am Holk von Rittergutsbesitzer Richter, Baselitz, bis hin nach Freibar mit seinen zahlreichen Kleinpflanzungen, den Bergen des Rittergutes Saußlitz, Frau von Harck, Baumeister Wachs und Baumeister Bahrmann mit seiner bekannten Kellerwirtschaft und der Schloßberg Saußlitz, jetzt in Bewirtschaftung von Herrn Major Freude, Weingut Rote Presse, Sörnewitz.
An der Elbe nach Meißen sehen wir rechts den Jungweinberg Görischgut, links die Neuanlagen Wendisch Dreia, die großen Pflanzungen Fährmann und Gasch, Rottewitz, und in Meißen die Stadtweinberge von vielen Keltbaren, die Graue und Rote Presse des Herrn Major Freude, Sörnewitz, die Neuanlagen des Kellereibesitzers Umlauft, die Neuanlage des Meißner Weinbauvereins unter Führung seines Vorsitzenden Professor Dr. Schellenberger, Landwirtschaftsrat an der Landesschule Meißen. Am Kalkberg die Rebschule des Vereins und im Spaargebirge noch eine Anzahl alter Kleinanlagen, dem Domprobst, Köhlers Weinberg am Domprobst. Links der Elbe sehen wir den neuzeitlich umgestalteten Berg des Herrn F. Schulze, Kossebaude, Zietzschmann, Leuteritz, Welda, Merbitz und eine größere Zahl bäuerlicher Altweinberge. Selbst im Osten finden wir neue Rebpflanzungen, in der Höhe des Gustav-Heims die von Herrn Professor Dr. Strebell, an der Elbe von Herrn Rittergutsbesitzer Möwes und an der Saloppe die schon tragbare Jungpflanzung von Frau Generalkonsul Wunderlich.
Aufnahme von P. Georg Schäfer, Dresden
Abb. 9 Platanengruppe an der oberen Bergstraße Oberlößnitz
Wenn hier nicht jede Anlage aufgeführt werden konnte, so zeigt der gezogene Strich, daß der Weg, den die neue Führung eingeschlagen hat, in allen Gemarkungsstadien Kernpunkte zu schaffen, recht gewesen ist. Überall beginnt neues Leben und nicht allzufern ist die Zeit, in der wir wieder alle Rebenhügel im Wein prangen sehen. Heut erfolgreicher, weil uns die Erfahrung und neueste Technik hilft, Höchsterträge zu gewinnen, ohne welche ein Weinbau in der jetzt schweren Zeit nicht möglich wäre.
Aufnahme von Kurt Nierich, Naundorf-Kötzschenbroda
Abb. 10 Schloß Seußlitz
Nicht nur Pflanzung, Bodenpflege, Schnittmethode und Düngung sind zeitgemäß und auf höchste Leistung eingestellt, auch die Kellerwirtschaft ist neuzeitlich, daneben läuft eifrige züchterische Arbeit auf Hochzucht bei der Auswahl der Zuchtpflanzen.
Abb. 11 Ehemals von Hagensches Weingut Meißen (aus dem Heimatschutz-Archiv)
Trotzdem hat der Winzer schwer um sein Brot zu kämpfen, aber er entbehrt der erfolgreichen Beispiele nicht mehr. Der Anfänger wird geführt vom ersten Spatenstich, bis er sich in seinen neu gewordenen Beruf hineingelebt hat. Hat er sich hineingefunden, dann spannt er selbst die Segel und steuert erfolgreich. Viele Neulinge stehen fragend da, auch ihnen wird geholfen. So lebt alles im neuen Weinbau, wozu nicht wenig von den Fachvereinen, dem Weinbauverein in Meißen, Vorsitzender Professor Dr. Schellenberger, in der Lößnitz der Weinbaugesellschaft, Vorsitzender Landwirtschaftsrat Weinbaulehrer Pfeiffer, die beide dem Landesverband Sachsen für Obst- und Weinbau als Bezirksvereine angeschlossen, und pekuniär in neuester Zeit auch vom Landeskulturrat, der seine Weinbauversuchs- und Lehranstalt mit Hauptrebenzüchtungsstation in Schloß Hoflößnitz unter Leitung des Landwirtschaftsrats Pfeiffer hat, betreut werden, beigetragen wird.
Abb. 12 Wohn- und Wirtschaftsgebäude auf dem Ratsweinberge in Meißen (Aus dem Heimatschutz-Archiv)
Hat auch die Landesregierung in den letzten Jahren nicht vermocht, Mittel zur Förderung des Weinbaues bereit zu stellen, so hat sie doch jederzeit regen Anteil an dem Gelingen dieser Arbeiten genommen. In diesem Jahre hat auch die Amtshauptmannschaft Dresden einen Beitrag zur Förderung des Kleinwinzerstandes eingestellt.
Abb. 13 Schloß Seußlitz mit Park (Aus dem Heimatschutz-Archiv)
Die geringe finanzielle Förderung der Weinbauanstalt und der Rebschulen hat andererseits aber den Erfolg, daß diese sich wirtschaftlich trotz kostspieliger Versuche selbst erhalten und damit zum befruchtendsten Beispiel für die Praxis werden.