So oder so!

»Und ich sage dir, Gelbes: Wenn du überhaupt willst, daß ein Enterich dich heiratet, so lerne das Gehorchen,« rief eine dicke weiße Peking-Ente und wippte aufgeregt mit dem Schwänzlein.

»Warum, Frau Mutter?«

»Weil dich sonst keiner nimmt!«

»Es braucht mich keiner zu nehmen, dem ich gehorchen muß,« sagte das Gelbe. Es war eigentlich schon weiß geworden und hatte nur einen gelben Schnabel.

»Was für einen willst du denn?« fragte entsetzt die Alte.

»Einem der mich tun läßt, was ich will,« sagte sehr bestimmt das junge weiße Entlein mit dem gelben Schnabel.

»Und was willst du?« forschte die Ente angstvoll.

»Gleiche Rechte wie der Enterich.«

»Was sind das für Rechte, du schreckliches Geschöpf?« schrie die Entenmutter, die noch nie solche Ansichten gehört hatte.

»Ich will baden, wo ich will, ich will fressen, was ich will, ich will auf die Wiese gehen, wann ich will, und ich will meine Jungen aufziehen, wie ich will: da hat mir keiner etwas dreinzureden, denn es sind meine Jungen!« Das Gelbschnäbelchen mußte Atem schöpfen. Die Alte steckte einen Augenblick den Kopf unter den Flügel, sie mußte sich sammeln.

Da mischte sich eine bunte Rouen-Ente ins Gespräch.

»Entchen,« sagte sie zu dem weißen Entlein, »sieh' dich vor! Es könnte schief gehen mit solchen Grundsätzen. Da, sieh' mein eigenes Junges. Dem habe ich meine Ansichten beigebracht und bin glücklich und gut durchs Leben gekommen. Kleines Buntes, wer wird dein Herr sein?«

»Der Enterich,« sagte die kleine Rouen-Ente.

»Was ist deine Pflicht?«

»Gehorsam ist meine Pflicht!«

»Was wird dein Glück sein?«

»Meine Jungen aufzuziehen, wird mein Glück sein!«

»Und dein Stolz!« mahnte die Alte.

»Und mein Stolz,« fügte die Junge hastig hinzu.

»Lächerlich!« schüttelte sich der Gelbschnabel.

Da kam ein Enterich gewatschelt. Groß, schneeweiß, krausen Flaum im Nacken und die Schwanzfedern gelockt, wie es sich für einen Enterich aus guter Familie schickt. Er verbeugte sich vor dem weißen Entlein.

»Es ist Zeit, daß ich mir eine Familie gründe,« sagte er. »Können Sie sich entschließen, meine Gefährtin zu werden?« Die Art seiner Rede gefiel dem Entlein.

»Werde ich volle Freiheit haben, zu tun, was ich will?« fragte das kecke Ding.

»Das werden Sie!« versprach der Enterich.

»So will ich mit Ihnen ziehen,« entschied das Entlein, und sah mit seinen beerenschwarzen kugelrunden Augen zu seiner Mutter hinüber.

»Frau Mutter, nun werden Sie etwas erleben,« rief es. Aber die alte Peking-Ente antwortete nicht. Sie schlürfte eben eine dicke Raupe in sich hinein.

Der Enterich trat nun auch vor das junge Rouen-Entchen.

»Wollen auch Sie mit mir kommen?« fragte er etwas von oben herab.

»Es ist mir eine große Ehre,« sagte bescheiden das Bunte und verneigte sich, »und ich werde Ihnen eine gehorsame Gefährtin sein.«

»Freut mich,« sagte der Enterich. Die beiden jungen Enten nahmen nun Abschied von ihren Müttern und zogen mit dem Enterich auf seinen Hof.

Dort lebten sie vergnügt zusammen. Das weiße Entlein nach neuen Grundsätzen, und das Bunte nach alten. Da der Enterich ein guter Kerl war, kam es mit den Grundsätzen ganz aufs selbe heraus.

Sie fraßen alle drei aus einer Schüssel: die Weiße, weil sie fressen wollte, und die Bunte, weil sie fressen durfte.

Sie zogen beide hinter dem Enterich her auf die grüne Wiese, die Weiße, weil es ihr so paßte, und die Bunte, weil sie nichts Besseres zu tun wußte.

Sie legten jeden Morgen ihr Ei, die Gelbschnäbelige, weil sie wußte, daß es ihr von der Natur so bestimmt war, und die andere, weil das Ei ja von selber kam.

Und beide bekamen Junge, niedliche gelbe Dinger. Und beide führten sie gut und gewissenhaft: Die Weiße, weil sie die herzigen Geschöpfe liebte, ob sie wollte oder nicht, und die Bunte, weil sie sie auch liebte und es noch dazu ihre Pflicht und ihr Stolz war.

Die mit den neuen Grundsätzen führte und erzog ihre Jungen, wie sie es für gut fand, denn der Enterich redete ihr nie darein, er hatte anderes zu tun. Und die mit den alten Grundsätzen führte sie auch allein, denn auch um ihre Kleinen kümmerte sich der Enterich nicht.

Und als die beiden Enten älter geworden und die Eier nur mehr spärlich kamen, da stieg die Köchin hinunter zum Ententeich, packte die Weiße und die Bunte, drehte ihnen den Kragen um und kochte sie an einer braunen Tunke.

»Es waren gute Enten, alle beide!« sagte betrübt der Enterich und nahm sich schweren Herzens zwei andere.

Warum die Schafe heiraten

»Frau Mutter,« fragte das Lämmlein, »warum haben Sie eigentlich geheiratet?«

»Das ist eine dumme Frage,« sagte des Lämmleins Cousine. »Warum heiratet man? Darum!«

»Darum! Das möchte ich gerade wissen, was ›darum‹ bedeutet.«

»Lämmlein, zum Heiraten gibt es mancherlei Gründe,« erklärte nun das alte Schaf, »zum Beispiel die Liebe.«

»Aha!« sagte das Lämmlein. »Frau Mutter, da haben Sie aus Liebe geheiratet?«

»Bewahre! Dazu war ich viel zu vernünftig.«

»Hat die Schafs-Cousine aus Liebe geheiratet?«

»Auch nicht,« sagte diese, »dazu war ich zu alt.«

»Aber meine älteste Schwester?«

»Ach nein, die war zu häßlich dazu.«

»Der Bruder?«

»Der war zu arm dazu.«

»Ja, aber,« fragte das Lämmchen verwundert, »wer heiratet denn aus Liebe?«

Das alte Schaf dachte lange darüber nach, kratzte sich energisch mit dem Hinterfuß die Seite, scharrte ein wenig mit dem Vorderfuß auf der Erde, aber es fiel ihr doch niemand ein, der aus Liebe geheiratet hatte. Es riß ein Kräutlein aus und sagte: »Ich weiß es wahrhaftig nicht!«

»Und warum kann man noch heiraten, Frau Mutter?«

»Um einen warmen Stall zu haben, gutes Futter, und – nun, um eben ein würdiges, verheiratetes, gediegenes Schaf zu sein.«

»Und warum noch, Frau Mutter?«

»Lämmchen, du fragst zuviel!«

»Frau Mutter, wenn ich nicht frage, so weiß ich es nicht.«

»Warum man heiratet, brauchst du nicht zu wissen, du wirst es schon noch erfahren,« sagte die Schafs-Cousine.

»Ich will aber aus Liebe heiraten,« erklärte bestimmt das Lämmchen, »das gefällt mir am besten.«

»Mir auch,« brummte das alte Schaf, und die Schafs-Cousine sagte: »Heirate du nur, Lämmchen! Ganz gleich aus welchem Grunde. Die Liebe kommt nach.«

»Ganz gleich zu wem,« spottete der Schafs-Cousine alter Bock.

»Setzt meinem Schäflein keine Dummheiten in den Kopf,« schalt der Schafsbock, des Lämmchens Vater.

»Herr Vater, so sagen Sie mir, warum Sie geheiratet haben? Aus Liebe? Oder um einen warmen Stall zu haben? Oder um verheiratet zu sein? Ich möchte es so gerne wissen.«

»Lämmchen, Lämmchen,« seufzte der Bock, »mußt du denn alles erfahren?«

»Heraus damit!« schrie der Schafs-Cousine Alter.

»Ein rechter Bock von altem Schrot und Korn hat nur einen einzigen Grund, warum er heiratet: Um dem Staate zu dienen und eine Familie zu gründen.«

»Mäh! Bäh!« machte das Cousinen-Schaf.

»Das war aber schön von Ihnen, Herr Vater!« sagte bewundernd das Lämmchen und stellte seine Fragen ein.