Ampère, Jean Jacques Antoine,

Sohn des berühmten Mathematikers und Naturforschers A. M. Ampère, geboren zu Lyon den 12. August 1800, gestorben am 27. März 1864 zu Pau. Er bereiste Italien, Deutschland, Skandinavien, den Orient. Lehrer am collège de France in Paris. Unfehlbar gehörte er zu den wenigen, seltne Ausnahmen bildenden Franzosen, die doch einigermaßen, mindestens so weit es französischem Wesen irgend möglich, in den inneren Geist deutscher Poesie eingedrungen sind. Deren tiefere Bedeutung, hauptsächlich im Verhältnisse zu jenen Ansprüchen, welche seine Landsleute an schöne Litteratur machen, unbefangen zu erfassen, scheint allerdings auch diesem ernsten und männlichen Streben nicht gelungen zu sein; sonst könnten er und sein Freund F. unmöglich an die Spitze der (im ersten Briefe erwähnten) projektirten Uebertragung Tieck’scher Dichtungen jenen von schon veralteten, kaum noch deutscher jetzt lebender Generation verständlichen Anspielungen strotzenden, polemisch-parodischen Scherz „der gestiefelte Kater“ zu stellen beabsichtiget haben. Nichts war minder geeignet Tieck’s Muse in Paris einzubürgern. Vielleicht hat Ampère auf seinen allzu umfassenden Wegen durch die Welt den ursprünglich klaren Blick für deutsche Zustände verloren, der ihm eigen war, als er sich (1827) bei Göthe in Weimar aufhielt, und der ihn befähigt hatte, sich sogar an Hebel’s alemanischen Gedichten wahrhaft zu entzücken. Wie weit sein Forscherdrang ihn trieb, zeigen schon folgende Büchertitel an: La Grèce, Rome et Dante (Paris 1850.) — Litterature et voyages (2 vol. Paris 1834.) — De la litterature française dans ses rapports avec les litteratures étrangères au moyen age (Paris 1833.) — Vieler anderer nicht zu gedenken.

Eines seiner gediegensten Werke dürfte jedenfalls die drei Bände starke Schilderung einer Reise durch Amerika sein, welche reich ist an lehrreichen Wahrnehmungen und Aussprüchen. In diesem Buche sagt er einmal: „Die Regierung der Vereinigten Staaten gleicht einer Lokomotive auf der Schienenbahn. Sie begann ihren Lauf mit weiser Besonnenheit; bald fing man die Maschine zu überheizen an; die Schnelligkeit der Bewegung hat sehr zugenommen; es geht mit vollem Dampfe, und große Strecken werden rasch zurückgelegt. Doch in diesem Lande geschieht es oft, daß der Kessel platzt und die Lokomotive in die Luft fliegt. — Avis aux Américains!“ —

Ampère’s bedeutender Verdiensten unbeschadet soll nicht verschwiegen bleiben, daß er eine kaum zu entziffernde von Nachlässigskeitsfehlern wimmelnde Handschrift führte, und daß für nachstehende Briefe nichts geschehen konnte, als sie buchstäblich zu kopieren,... so weit dies menschenmöglich war.