Freytag, Gustav.
Geboren am 13. Juli 1816 zu Kreuzburg in Schlesien; 1839 habilitirte er sich als Privatdocent in Breslau, wo er auch öffentliche Vorträge litterar-historischer Gattung vor großen Hörerkreisen hielt, bei denen sich der Zauber gewinnender Persönlichkeit entfaltete. Aus den vierziger Jahren datirt sein erstes (Preis-) Lustspiel „Kunz von Rosen,“ dessen Originalität mit jugendlicher Frische hervortrat. Ein Bändchen vermischter Gedichte (1845) trägt den seltsamen Titel „Zu Breslau,“ der seiner Verbreitung gewiß nicht förderlich gewesen, was um des reizenden Inhalts Willen sehr zu beklagen ist. Dann kam (1847) die Valentine und (1848) Graf Waldemar, zwei Dramen, welche bald auf allen deutschen Bühnen heimisch wurden. Mittlerweile war Fr. nach Leipzig übersiedelt, wo er „die Grenzboten“ redigirte und sich mehr und mehr in die Politik warf. Davon tragen auch das Schauspiel: die Journalisten (1854) und die Tragödie: Die Fabier (1859) unverkennbare Spuren. Sein Roman: „Soll und Haben“ (1857) lieferte (ein noch nie erlebtes Beispiel) den Beweis, daß es auch in Deutschland möglich ist, auf diesem Felde einen vollkommenen Succeß zu erleben, wie wir ihn bis dahin nur in Frankreich, oder England möglich hielten. Sieben oder acht Auflagen in wenig Jahren vergriffen! Das war noch nicht da, und dürfte sich auch schwerlich wiederholen! — Der Dichter trägt gegenwärtig Titel und Orden, und erfreut sich von allen Seiten her anerkennender Auszeichnungen.
Mit desto reinerer Freude dürfen wir beide Briefe des berühmten Mannes an Tieck begrüßen, aus denen so innig und anmuthig der herzliche, einfache, naturwahre Mensch redet.