Küstner, Karl Theodor von.

Ein Mann der seiner Vaterstadt Leipzig ein gutes Theater gegeben, und zu dessen ehrenhafter Aufrechterhaltung jahrelange, bedeutende Opfer gebracht, hätte ein besseres Schicksal verdient, als dann den Rest seines Lebens sich mit Intendanz- und Generalintendanz-Mühen komplicirter Hofbühnen abzumartern, und bei allem Fleiß und redlichstem Wollen auf die Länge von Niemand Dank einzuerndten. Die theuer bezahlten, schwererworbenen Erfahrungen eines selbstständigen Privatunternehmers konnten unmöglich zu durchgreifender Anwendung gelangen, wo so mannichfach sich durchkreuzende Interessen Rücksichten über Rücksichten gebieten, und wo Jeder, vom Höchsten bis zum Niedrigsten, offne oder versteckte Gegnerschaft übt. Aber das alte Sprüchwort sagt: „der Mensch ist seines Schicksal’s Schmied,“ und hat nun der großmüthige, für Poesie und wahre Kunst unermüdlich wirksame Leipziger Theaterdirektor, sich auf Münchener und Berliner Ambosen, Rang, Titel und Orden zu schmieden den Drang gefühlt, so mußte er’s auch hinnehmen, daß er sich an der, von so vielseitigen Blasebälgen angeströmten Gluth mancherlei Brandwunden holte. Sie sind verheilt; und er darf, in hohen Jahren, sich an dem Bewußtsein laben, daß kein gerechter und vom Theaterwesen unterrichteter Mensch, an seinem unausgesetzten Bestreben für’s Beste der ihm untergebenen Bühnen zweifelt.

München, den 10ten Juni 1841.

Da ich höre, daß Sie, hochgeehrtester Herr, in unserer Nähe sind, kann ich nicht unterlassen diese Zeilen an Sie zu richten. Als ich im vorigen Herbste von Dresden zurückkehrte, gedachte ich gegen S. Majestät den König Ihrer und unserer Gespräches über Ihre Anherokunft nach München, wobei S. Maj. äußerten, daß Dieselben Sie mit Vergnügen hier sehen würden. Führt Sie vielleicht Ihr Weg von Baden nach München?

Ich muß jedoch dabei bemerken, daß wenn Sie S. Maj. treffen wollen, dieß vor dem 10ten Juli geschehen müßte, indem der König an diesem Tage von hier abreiset.

Ich benutze diese Gelegenheit, um Ihnen meine innigste Theilnahme an dem Schlimmen — und Guten zu bezeigen, das Sie erfahren haben. Schwer war der Verlust einer lieben vortrefflichen Tochter und geistreichen Gehülfin; — gerecht die Huldigung dreier deutscher Könige, die sie dem Lieblingskinde der Poesie darbrachten! Ehrend für die Geber, den Empfänger, die deutsche Nation!

Möchte Ihnen Baden Tröstung und Stärkung, so wie der spätere Aufenthalt in Potsdam Zerstreuung und Freude gewähren! Dieß wünscht von ganzem Herzen

einer Ihrer innigsten Verehrer

K. Th. v. Küstner,

K. Bair. Hoftheater-Intendant.