X.
Sonnabend früh.
Sie müssen nicht glauben, mein edler Freund, daß ich Sie verrätherisch in Sanssouci verlassen habe: ich werde vor meiner sehr ungewissen Abreise nach der großen Babel, wo die „Herrenkammer“ mordet und sticht, Sie gewiß noch umarmen. Eine plötzliche sehr heftige Erkältung und der große Camin mit Flammfeuer in den „Neuen Kammern“ hat mich plötzlich hineingejagt, um mich hier besser zu pflegen und meinen lezten Bogen, der angekommen ist, selbst noch zu corrigiren — eine Tugend, die dem industriellen Weltgeiste sehr gleichgültig ist.
Diese Zeilen werden Ihnen von einem jungen Officier gebracht, den dieser Weltgeist so wenig ergriffen, daß er, bei einem gewiß viel Hofnung erregenden, dichterischen Talente, ganz würdig ist, Ihnen vorgestellt zu werden. Herr B. von L., verwandt mit dem Adjutanten des Pr. Heinrich in Rom, soll Ihnen, (darum flehe ich) eine Ode über das Weltall selbst vorlesen, die er mir zu meinem Geburtstag (14. Sept.) geschenkt. Die großen und einfachen Formen seiner Dichtung haben etwas sehr anziehendes. Ich hatte den jungen Mann, der schon in Sicilien an Platens Grabe stand, nie vorher gesehen und ich kann das Lob, das er mir gespendet ihm nicht schöner und wohlthuender remuneriren, als wenn ich ihm freundliche Aufnahme und Rath bei Ihnen verschaffe.
Empfangen Sie und die liebenswürdige Gräfinn, die erneuerte Versicherung meiner Verehrung und unverbrüchlichen Dankgefühle
Ihr
A. v. Humboldt.
Ich denke den König noch zu erwarten.