II.
Bonn, 19. Apr. 1840.
Die späte Zusendung meiner Griechischen Tragödien an den gütigsten Gönner meiner Arbeiten der Art, dem ich vor Allen sie zu überreichen mich getrieben fühle, würde sträflich seyn, läge das Sträfliche nicht in der Saumseligkeit, das Buch nicht zu vollenden. So weit als es jetzt ist, war es vor meiner Reise nach Dresden vor einem Jahr, und der Rest des Manuscripts sollte gleich nach der Rückkehr abgedruckt werden. Unterbrechungen sind schlimm, und von einer Zeit zur andern wurde die Wiederaufnahme des Drucks verschoben, so daß der Verleger längst den fertigen Theil ausgegeben hat und ich einen dritten, vorher nicht beabsichtigten Abtheilungstitel setzen muß. Der Wunsch allein, Ihnen ein Ganzes vorzulegen, Hochverehrter, damit Sie vielleicht an dessen Einrichtung ein Gefallen fänden, was Sie im Einzelnen, zum Theil auch nach der Natur der Sachen, am häufigsten vermissen könnten, ist Ursache meines Zögerns gewesen. Doch alles muß sein Ziel finden, und ich hoffe, daß der Schluß nicht zu lang auf diese Theile nachfolgen wird, um die Beurtheilung der Absicht des ganzen Unternehmens noch zeitig genug zu ergänzen. Darf ich auf einige Stücke besonders aufmerksam machen, so nenne ich Peleus, Triptolemos, Tereus, Thamyris von Sophokles, Andromeda, Sthenelos, Kresphontes von Euripides.
Löbells neuliche Reise hat den Gedanken, indem ich oft mich wiege, recht rege in mir gemacht, wie glücklich ich seyn würde, recht viele Abendstunden in Ihrer mich auf allen Seiten ergreifenden Unterhaltung zubringen zu können.
Mit der reinsten Verehrung und Anhänglichkeit empfiehlt sich Ihrem freundlich geneigten Andenken
F. G. Welcker.
Den Beyschluß für die Stadtpost wollen Sie entschuldigen.
Wendt, Amadeus.
Geb. zu Leipzig am 29. September 1783, gestorben zu Göttingen am 15. Oktober 1836.
Er war Redakteur des Leipziger Kunstblattes, des (ehem. Becker’schen) Taschenbuches für „Geselliges Vergnügen,“ gab verschiedene wissenschaftliche Werke heraus, wie z. B. Grundzüge der philosophischen Rechtslehre (1811). — Ueber die Hauptperioden der schönen Künste (1831) — und führte in Leipzig ein anerkannt kritisches Regiment.
Nach Göttingen ward er an die Universität als Professor der Philosophie berufen.