III.
Breslau, d. 20. Januar 1844.
Sehr verehrter Herr und Gönner.
Durch Krankheit war ich verhindert, Ihr so sehr freundliches Schreiben früher zu beantworten. Dafür kann ich nun aber auch berichten, daß Altmann zu den Seinigen spedirt ist, wie er in einem seiner freilich etwas länglichen Briefe schreibt. Er will weiteres hören lassen, von der Leidenschaft für das Theater hab ich ihm gründlich geholfen. Er scheint mir in Summa mehr Mitleid als Zorn zu verdienen; ich danke ihm besonders die Gelegenheit, daß Sie meiner gütigst gedachten.
Eine Stelle meines Briefes soll ich Ihnen commentiren. Sie fragen: was mir in Berlin zugesagt war? Die Staatszeitung. Das Wachsen und Gedeihen meiner, der Breslauer Zeitung, die Schall etwa 300 und mir nach 6 Jahren tüchtiger Arbeit über zehntausend Thaler Revenüen brachte, die Art, wie ich sie zur großen Zufriedenheit der Regierung, ohne das lebendige Interesse der Leser zu vergessen, redigirte, hatte mir vielfaches Lob der höchsten Behörden gebracht. So hatte noch kurz vor dem Tode des hochseeligen Königs der jetzige mich gefragt: was kann ich thun, Ihnen die Staatszeitung zu verschaffen? Ein von mir vor Jahr und Tag dem jetzigen Monarchen vorgelegter Plan zur Reorganisation dieses Instituts war wohlgefällig aufgenommen worden, sogar Allerhöchstenorts befohlen worden — da eine der höchsten Personen bereits früher anderweitige Versprechungen gegeben haben sollte — ein neues mit breiten Privilegien versehenes Blatt in Berlin unter meiner Leitung zu begründen. Auch dies ward nicht in’s Leben gerufen! Ich bin mystisch; interessiren Sie sich für diesen abgestorbenen Gegenstand, so fragen Sie gelegentlich, ich bitte, Herrn von Varnhagen, er ist mir günstig und kennt die Sache!.... Aber was geht mir hier ab? —... was geht einem gewissen unsaubern Geschöpf auf dem Mist ab? es ist eine schmutzige Frage! Ich gehöre, sagt meine Eitelkeit, nicht hieher, sondern in die Residenz! So lange wenigstens die Staatszeitung so überaus elend bleibt, hab ich doch ein Recht zu sagen, daß man mich gekränkt hat; erscheint dies erste Blatt in würdiger Gestalt, so werde und will ich schweigen, nicht früher. Unterdeß, wie mir denn allezeit das Bestreben entschiedenster Gegner heilsam gewesen, hat sich meine gewohnte Thätigkeit, nicht ohne Glück, in ein neues Feld geworfen. Mein Theater hier blüht und gedeiht, ohne allen Zuschuß, und findet Anerkennung. Das habe ich zwar schon neulich gesagt, aber ich war immer voll malice und Sie werden nicht glauben, daß ich so etwas ganz harmlos dem berühmten Dramaturgen wiederhole. Wahrlich das Publikum einer großen Hauptstadt, (Sie glauben am Ende gutmüthig, ich meine Breslau?) zu bilden, den Geschmack läutern, es ist eine schöne und würdige Aufgabe für jeden Befähigten!
Da haben sie Klagen und Hoffnungen, Träume und Allerlei. Lassen Sie sich nicht ferner mit mir ein, aber ich bitte, behalten Sie ein wenig lieb
Ihren
getreusten Verehrer
Vaerst.