1
In Tahiti kämmen am Meer die Mädchen schweres Haar mit schwankenden Händen,
Zu dem nahen Ton der Muscheln neigen sie die braunen Nacken,
Frucht verheißt des Landes Fülle,
Sonnenfeuer folgt zur Frühe jeder Nacht voll fremder Kühle.
In Tahiti weht der Meerwind weiße Vögel durch die Luft,
Kleine Federn fallen wirbelnd in den flinken Tanz der Kinder,
Zarte Finger, steif vor Vorsicht, fassen die verlornen Flocken,
Weiße Zähne funkeln Freude,
Flache Hände fordern mehr.
Nicht am Tor fragt die Arbeit jeden Morgen,
Aller Traum wird ausgeträumt,
Reif verlangt das Weib zum Manne
Und die Falter fliegen nie vergebens
Und die Feinde fliehen nie einander.
In das Spiel des Alltags klingt die Flöte,
Doch zur Feier tönen weiche Harfen
Von den Ufern Duft der Wasserblumen
Und die leise Fahrt der bunten Kähne,
In den dunklen Wäldern Sturm der Wipfel
Und das Flüstern schlankgewachsner Gräser.
Über Wiesen in Tahiti fließen rieselnd frische Bäche,
Streifen leichte Weidenzweige hauchgebeugt die helle Nässe,
Gelber Sand und grüner Halm fangen wechselnd schmale Füße,
Jeder Blick ermahnt zu bleiben
Jede Ferne treibt zu eilen.
Karge Männer gehen nach einem nimmermüden Werke,
Wenn ihr Steinbeil Stämme fällt
Sehn sie stumm der Frauen Sorgfalt,
Und die Liebe lichter Lieder mischt sich ihrem rauhen Sange.
2
Spruch der Frauen
Solln wir schaun zur Gruft der Fluten
Und des Sturmes Gut ergründen?
Hundert schlug sein Zorn zurück.
Oder solln in weiter Wölbung
Augen wandern, wundersuchend,
Der Gestirne Gang zu folgen?
Soll der Sprung die Glieder tragen
Über Gräben und Gemäuer,
Und der Schlag der Herzen fliegen
Bis wir matt an Eure straffen
Muskelschweren Kniee sinken?
Oder Eure kleinen Söhne
Mit uns nehmen, gehen lehren,
Ihren guten Schlaf bewachen
Und den ahnungslosen Augen
Täglich Ding zu schauen geben?
3
Spruch der Mutter fürs Kind
Sei nicht Führer vieler,
Weiser sei am Weg
Wachsend zwischen Wolken
In den reinsten Himmel.
Suche nicht nach Glück,
Anderen vergönnt
Sei dem Herz kein Sänger,
Wecker sei der Seele.
Sieh nicht ins Gesicht der Welt
Wenn Du schweigst, sind andre stumm,
Und Dein Wort durchstürzt das Fleisch
Un—endlich.
Weich von Elend
Überstürmt von Tod
Halten wir Güte
In geschlossner Faust.
Wir sind so
Wie die Kinder,
Bloß daß wir
Schreiten müssen.
Da steigen uns
Schwere verworrene
Heimlichkeiten
Vor die Sinne.
Die stürzen uns
In Härte,
Sonst frißt uns
Fremde Lockung.
Güte ist kein Weg,
Helfen kann nur Weisung,
Der Führer ist
Geht einsam voran.
Er kennt kein Opfer,
Ihm sticht das Licht
Der eigenen Augen
Erinnerung aus,
Nur im Schlafe
Umrauscht ihn
Eine Ahnung
Kommender Liebe.
„Fleisch hat die Augen geschlagen,
Ich muß darein gehn,
Wie soll ich nun sehn?“
„Fleisch wird Dich aufwärts tragen.“
„Da ist der Leib sehr wund,
Verzehrt, schwach und heiß.
Wie wird mein Leib nun weiß?“
„Liebe macht ihn gesund.“
„Doch wer gelangt zu mir
Und reicht bis an ein Ende.
Wer greift an meine Hände?“
„Gott ist genug in Dir.“
„Wo find ich seine Zeichen
Und weiß sie zu erfüllen?
Wer kann so hohem Willen
Mit seiner Armut gleichen?“
„Feuer begehrt Dich schwer,
Laß Dich erfassen
Außer allen Maßen
Ist der Geist Dein Herr.
Wachse an diesem Berg,
Wie wirst Du glühend sehn,
Wie wird Dir groß geschehn,
Höchste Lust im Werk.“