Der Tetanus oder Wundstarrkrampf.

Der Wundstarrkrampf ist eine in verschiedenen Fällen sehr verschieden schwer verlaufende Erkrankung, die zustande kommt, wenn – gewöhnlich bei schweren Verletzungen, Knochenbrüchen mit Weichteilzerreißung, Quetschungen usw. – zusammen mit gröberen Verunreinigungen, Schmutz, Gartenerde, Staub, auch Tetanusbazillen in die Tiefe der Gewebe gelangen, diese so sehr verbreiteten Keime, von denen wir oben (S. 30 u. 32) schon gesprochen haben. In seltenen Fällen kann eine Tetanusinfektion auch im Anschluß an eine Geburt – von den Wunden der Geburtswege aus – erfolgen, aber immer nur dann, wenn grobe Unreinlichkeit vorgelegen hat. Charakteristisch für das Krankheitsbild sind Krampfzustände von zunehmender Häufigkeit, Ausdehnung und Schwere.

Der Tetanusbazillus, der zuerst von Kitasato rein gezüchtet wurde, ist ein sehr verbreiteter, anaërober Bazillus, der Eigenbewegungen besitzt und endständige Sporen bildet. Seine krankmachenden Eigenschaften beruhen auf der Bildung von Toxinen, die er auch in Kulturen produziert. Diese Toxine vermögen auch im Tierversuch Tetanus auszulösen und sind ganz außerordentlich wirksam, so daß minimale Mengen von Tetanus-Kulturfiltraten den Tod empfänglicher Versuchstiere unter den charakteristischen Erscheinungen des Wundstarrkrampfes herbeiführen.

Es ist gelungen, ein dem Diphtherieserum in seiner Wirkungsweise ähnliches Tetanusserum zu gewinnen, doch ist leider dessen Wirksamkeit nicht ausreichend, um den einmal ausgebrochenen Starrkrampf noch sicher zu heilen. Dagegen wird neuerdings berichtet, daß die Injektion verhältnismäßig kleiner Mengen des spezifischen Serums einen sicheren Schutz gegen den Ausbruch des Tetanus bei Leuten gewährt, die durch verunreinigte schwere Verletzungen in erheblichem Grade der Gefahr der Erkrankung an Wundstarrkrampf ausgesetzt sind.