Schriftsteller des 13.-15. Jahrhunderts.

Demetrios Pepagomenes, Leibarzt des Kaisers Michael VIII. Palaiologos (1261-1281), verfaßte mehrere Spezialschriften, von denen nur zwei auf uns gekommen sind, eine tierärztliche (über die Ernährung und die Krankheiten der Jagdfalken) und eine andere über die Gicht (σύνταγμα περὶ τῆς ποδάγρας, ed. J. St. Bernard, Leyden 1743; lateinisch in der Sammlung des Stephanus) in 46 Kapiteln. Der Verfasser zeigt sich hierin als rationeller Beobachter und vorsichtiger Therapeut, getreu dem in der Vorrede ausgesprochenen Grundsatze: „ὁ γὰρ ἄριστα διαγνοὺς, ἄριστα καὶ θεραπεύει.” Seine Vorbilder sind Hippokrates, Galenos, Alexandros von Tralles und Paulos. Im Bestreben, die Krankheitslehre auf die Kenntnis der Lebensvorgänge zu stützen, wählt Demetrios die Lehre von der Ernährung zum Ausgangspunkt und findet den Hauptfaktor der Gicht in einer Retention von krankhaften Auswurfstoffen (περιττώματα). Die Gicht ist also eine Diathese, welche den ganzen Körper ergreift, die Symptome erklären sich aus der Bewegung (dem Fluß, ῥευματισμός) der Auswurfstoffe nach den geschwächten Teilen (vorzugsweise Gelenken) und aus der Ablagerung (vgl. hierzu Paulos S. 122); auch innere Organe, Herz, Leber und Gehirn, können von dem Leiden befallen werden. Ohne von den hergebrachten Theorien (Ausartung der schädlichen Säfte in Galle etc., vgl. Alexandros von Tralles S. 118) abzuweichen, unterläßt es Demetrios doch, über die Beschaffenheit der zu Grunde liegenden Dyskrasie spitzfindige Spekulationen anzustellen, hingegen legt er den Nachdruck auf die Aetiologie und Therapie. Da die Gicht ursprünglich durch Fehler der Lebensweise hervorgerufen werde — das Leiden pflanze sich hereditär in ganzen Familien fort — so kann der Krankheit nur durch ein diätetisches Regime, welches allerdings, wie er sagt, leicht anzuempfehlen, aber schwer zu befolgen ist — vorgebeugt werden, unterstützend wirke auch die prophylaktische Anwendung von Brechmitteln oder gelinden Abführmitteln (allmonatlich); bei Anfällen verordnete er Emetika, stärkere Laxantia (darunter die erst von den Arabern eingeführte Senna), sowie darauffolgend Molkenkur, Klysmen, bei Vollblütigen aber nur beim ersten Anfalle vorsichtige Venäsektion an der leidenden Seite (wenn der ganze Körper schon von Säfteverderbnis ergriffen sei, schade der Aderlaß, weil durch denselben die schädlichen Säfte zu den leidenden Stellen hingetrieben würden). Wie die meisten Vorgänger verbot er den Weingenuß, vom Fasten dagegen versprach er sich keinen Nutzen, weil es die Säfteverderbnis begünstige, und zu den vielerlei äußeren Linderungsmitteln (z. B. Mohnsaft mit Safran) nahm er nicht früher Zuflucht, als bis schon eine genügende Entleerung erfolgt war.

Ueber die prophylaktische Diät bei Gicht schrieb in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts Joannes Chumnos (Δίαιτα προφυλακτικὴ εἰς ποδάγραν, ed. Fr. Boissonade in Anecdota Nova, Paris 1844).

Nikolaos Myrepsos (μυρεψός ═ unguentarius), welcher am Hofe des Kaisers Joannes Dukas Vatatzes (1222-1255) zu Nicäa als ἀκτουάριος lebte, verfaßte eine berühmt gewordene Rezeptsammlung, das Δυναμερόν. Nach dem Berichte eines Zeitgenossen zeichnete er sich zwar als Praktiker aus, entbehrte aber höherer Bildung. Er sammelte eine Unmasse von Arzneiformeln — die meisten scheint er während seines Aufenthalts in Alexandrien, woher er stammte, und in Italien kennen gelernt zu haben — und veröffentlichte dieselben als Greis (etwa 1270-1290) in seinem Antidotarium (der Originaltext ist bis jetzt ungedruckt, lateinische Uebersetzung mit Kommentar von Leonhard Fuchs, Basel 1549 u. ö., auch in Stephanus, Medicae artis principes, Paris 1567). Es enthält 2656 Vorschriften, welche in 48 Abschnitten angeordnet sind. Die Titel derselben lauten in der lateinischen Uebersetzung folgendermaßen: Antidota; Sales; Unguenta; Apomeli et Apophlegmatismi (Hydromel, Masticatoria); Bechica; Glandes et Epomphalia (äußere Abführmittel in Form von Nabelpflastern); Muliebria et linguae mala; Drosata (Sirupe); Stomachica et Dysenterica; Emplastra; Epithemata (Bähungen); Hedrica (Suppositorien); Eligmata (Linctus); Anthelmintica; Errhina (Niesemittel); Olea; Enemata; Smegmata; Zulapia et Decocta; Hepatica et Hemicranica; Suffimenta; Theriaca; Hierae; Collyria; Pasmata sive Inspersilia (Streupulver); Unctiones purgantes; Purgatoria et Condita; Purgantia eligmata; Cerata; Cataplasmata colica et cephalica; Pilulae; Lexopyreta (allgemeine Fiebermittel) et Lichenica; Malagmata et Unguenta; Nardina, Nephritica, Nomas sanantia, Abstersoria; Pulveres; Oxymelita, Oxyporia, Confectiones vini; Pessa; Propomata ad alopecias; Zulapia etc.; Satyriaca, Sapones, Sinapismi; Pastilli, Hypoglottides, Aquae etc.; Somnifera; Aquae, Diuretica, Uterina; Pediculos, lentigines etc. amolientia; Fissuras labiorum et strumas sanantia; Scabiem sanantia et Psilothra (Enthaarungsmittel); Auricularia. Das Arzneibuch des Nikolaos bildet für sich eine Pharmakopöe, welche aus griechischen, lateinischen und arabischen Autoren geschöpft ist. Von mineralischen Mitteln kommen Salmiak und Kochsalz in verschiedenartigen Verbindungen mit Pflanzenmitteln vor, das Quecksilber in Form von Salben gegen Hautaffektionen (Krätze). Der arabische Einfluß macht sich stark fühlbar — Moschus, Kampfer, Senna, Ambra u. a. bilden den Bestandteil vieler Arzneikompositionen, doch wird der Destillation nirgends gedacht. Sehr zahlreich sind die Antidota mit hochtrabenden Namen (z. B. Athanasia, A. isotheos, miranda, aphrastos, isochrysos, Mysterium etc.), die Besprechungsformeln und abergläubischen Gebräuche; Abortivmittel sind weggelassen.

Der letzte hervorragende byzantinische Arzt, Joannes Aktuarios[28], Sohn des Zacharias (Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts), ein Schüler des Philosophen Rakendytes, verfaßte mehrere verdienstvolle Werke, welche in ihrer Diktion edle klassische Bildung, in ihrem Inhalt eine, mit selbständiger Kritik und Eigenerfahrung gepaarte, erschöpfende Literaturkenntnis verraten. Das Hauptwerk, Θεραπευτικὴ μέθοδος, zeigt, daß Joannes, geleitet von hippokratischem Geiste, in der Behandlungsweise nach Individualisierung strebte, die einfachen, milden Heilstoffe soweit als möglich den üblichen Arzneimischungen oder drastischen Mitteln vorzog[29] und daß er auf dem Wege unbefangener Beobachtung manche wertvolle klinische Erfahrung zu machen verstand. Die Theorie ist zwar im wesentlichen galenisch, doch suchte Joannes — wie dies namentlich aus der Darstellung der Pulslehre hervorgeht — die allzugroße Weitschweifigkeit und damit verknüpfte Unklarheit des Pergameners zu überwinden. Ueber die immer mehr beliebt gewordene Uroskopie schrieb er eine, später als grundlegend und klassisch angesehene, Monographie in sieben Büchern περὶ οὔρων, worin aber — im Gegensatz zur herrschenden Strömung — der Harnschau keineswegs der Wert eines diagnostischen Universalmittels beigelegt ist, sondern immer auch auf die Bedeutung der übrigen Untersuchungsmethoden verwiesen wird[30]. Seiner ganzen Richtung nach, wie schon aus dem Hauptwerke hervorgeht, schloß sich Joannes am meisten der Schule der Pneumatiker an[31]; von ihren Grundsätzen konnte er namentlich in der Psychologie und Psychopathologie (von welcher sich der philosophisch geschulte Arzt wohl ganz besonders angezogen fühlte) Gebrauch machen; die Frucht seiner einschlägigen Forschungen bildet die, auch praktisch bemerkenswerte, aus zwei Büchern bestehende Schrift περὶ ἐνεργειῶν καὶ παθῶν τοῦ ψυχικοῦ πνεύματος καὶ τῆς κατ' αὐτὸ διαίτης über die Funktionen und krankhaften Störungen des Seelengeistes und die darauf bezügliche Diät.

Joannes war ein Vorbote jener Renaissance, welche der Medizin nach einigen Jahrhunderten beschieden sein sollte.

Joannes Aktuarios schrieb außer den oben genannten Werken noch über den Aderlaß, über Dysurie und Lebensordnung, über Gewichte, ferner Kommentare zu den hippokratischen Aphorismen und zu aristotelischen Büchern. In Idelers Phys. et med. gr. minor. sind die Originaltexte der sieben Bücher περὶ οὔρων, der beiden ersten Bücher der Θεραπευτικὴ μέθοδος, Methodus medendi, περὶ διαγνώσεως παθῶν und der Schrift περὶ ἐνεργειῶν περὶ ἐνεργειῶν καὶ παθῶν τοῦ ψυχικοῦ πνεύματος καὶ τῆς κατ' αὐτὸ διαίτης enthalten. Im 16. Jahrhundert wurden lateinische Uebersetzungen (zuerst der beiden letzten, dann aller sechs Bücher) des Methodus medendi, der Monographien über den Harn und über den Seelengeist veranstaltet, vgl. Opera omnia, Paris 1556 (Lugd. 1556) und die Sammlung des H. Stephanus, Medicae artis principes etc.

Die Schrift über den Harn verwertet mit besonnener Kritik die Beobachtungen des Hippokrates und Galenos, die Vorarbeiten des Magnos und Theophilos (vgl. S. 120, 121), enthält aber außerdem viele eigene Erfahrungen des Verfassers; die Theorie, auf welcher seine Uroskopie fußt, ist die galenische. Der Harn ist die Kolatur des Blutes und wird aus der unteren Hohlvene ausgeschieden[32], aus seiner Beschaffenheit lasse sich daher ein Rückschluß auf die Veränderungen des ganzen Blutes bei Krankheiten machen. Die Veränderungen, welche der Harn durch die besonderen Affektionen einzelner Organe erleidet, erklären sich aus der Sympathie. Joannes unterscheidet wie Theophilos (vgl. S. 121) zahlreiche Farben des Harns, er beobachtet den Bodensatz, das Enäorem[33], die Wolke und zieht aus den oft sehr subtilen Wahrnehmungen seine Schlüsse im Sinne der Humoralpathologie. Das Harngefäß soll aus weißem Glase verfertigt und zur genaueren Bestimmung in elf Grade eingeteilt sein. Der Bodensatz nimmt die vier untersten Grade ein, das Enäorem den sechsten, siebenten und achten, die Wolke den zehnten und elften; der fünfte und neunte bilden die Zwischenräume zwischen Bodensatz und Enäorem, bezw. zwischen diesem und der Wolke. Vgl. die vorhergehende Zeichnung S. 135.

Aus byzantinischer Zeit sind noch andere Abhandlungen über den Harn auf uns gekommen, so die Schriften des Joannes Tzetzes, des Syrers Isaak Taxeotes (handschriftlich) und mehrere anonyme oder pseudonyme (vgl. Ideler, Phys. et med. gr. minor. II).

Das Hauptwerk „μέθοδος θεραπευτική” schrieb Joannes zunächst zum Gebrauche seines ehemaligen Mitschülers Apokauchos, als dieser als Gesandter zu den hyperboräischen Skythen (Russen) ging. Das erste und zweite Buch enthält eine allgemeine Diagnostik, verbunden mit einer kurzen Uebersicht über die Erkrankungen der einzelnen Organe und Systeme. Das dritte Buch handelt von der Venäsektion und Arteriotomie, den Klysmen, Suppositorien, Einspritzungen, Gurgelungen, Purganzen, Bädern, von der Diät und der Fieberbehandlung. Das vierte Buch stellt ein Kompendium der speziellen Pathologie und Therapie dar. Die beiden letzten sind der Arzneimittellehre gewidmet, die sich vorteilhaft von der des Myrepsos unterscheidet. Die Chirurgie ist nur ganz spärlich vertreten; die Augenheilkunde zeichnet sich durch Genauigkeit aus (Text und deutsche Uebersetzung des einschlägigen Abschnittes in J. Hirschberg, „Die Augenheilkunde bei den Griechen”, Arch. f. Ophth. 1887); so kennt Joannes das früh durch Angewöhnung, das durch Kontraktur entstandene, endlich das angeborene Schielen.

Hervorzuheben wäre es, daß Joannes die Lokalisationslehre des Poseidonios in dem psychiatrischen Abschnitte seines Werkes benützt, den Tetanus auf Säfteandrang zum Rückenmark zurückführt, die bei Vergiftung mit Bleiglätte auftretende Kolik kennt und zuerst den Peitschenwurm (Trichocephalus dispar) erwähnt. Die Pulslehre bearbeitete Joannes im Sinne Galens, doch weit übersichtlicher. Was seine Therapie anlangt, so wendete er sich gegen den Gebrauch der drastischen Abführmittel (ausgenommen Aloë), an deren Stelle die zwei Arten der Myrobalane, Senna, Manna u. a. traten (äußerlich ließ er mit Euphorbiumsalbe Einreibungen der Fußsohle zum Zwecke des Purgierens machen, als Brechmittel verordnete er auch Zäpfchen aus Nieswurz); wie die Vorgänger verordnete er Pfeffer in Wechselfiebern, Schwefel bei Brustleiden, Mohnsaft bei Dysenterie und bei chronischer Bronchitis, Moschus gegen Herzklopfen. Von der Venäsektion glaubte er, daß sie nicht bloß Plethora, sondern auch die Verderbnis der Säfte beseitigen könne, auch nahm er den Aderlaß bei den einzelnen Affektionen an bestimmten Stellen vor, z. B. bei Kopfleiden am Oberarm, bei Brustleiden an der Ellenbogenbeuge, bei Milz- und Leberleiden am Unterarm oder an der Hand. Gewöhnlich bevorzugte er derivatorische Aderlässe, die revulsorischen nur in bestimmten Fällen (z. B. am Fuße bei Kopfleiden, am Arm bei Entzündungen der Geschlechtsteile); bei Pleuritis empfahl er die Venäsektion auf der leidenden Seite.

Die Hauptsätze der Psychophysik des Joannes Aktuarios sind folgende: Das Göttliche im Menschen, die Seele, ist einfach und mit vielen Kräften begabt, körper- und gestaltlos. Das Organ der Seele ist das Pneuma, und dieses macht den wesentlichsten Teil des in der sinnlichen Welt lebenden Menschen aus. Das πνεῦμα φυσικόν wird aus der Nahrung in der Leber bereitet und vermittelt das Begehrungsvermögen; dasjenige Pneuma, welches durch die untere Hohlvene ins Herz gelangt, wird dort zum Lebensgeist, πνεῦμα ζωτικόν, umgewandelt und verbreitet sich auf dem Wege der Arterien im ganzen Körper. Die höchste Umwandlung erfolgt im Gehirn, wo der Seelengeist, das πνεῦμα ψυχικόν, entsteht. So wie sich der Saft der Pflanzen in allen Teilen verändere, so erleide auch das Pneuma in den einzelnen Teilen des Körpers Umwandlungen, und seine verschiedenen Verrichtungen werden durch den verschiedenen Bau der Organe bedingt, ähnlich wie das Licht die Farbe des von ihm durchschienenen Glases annehme. Die Sinnestätigkeit, welche durch das Pneuma vermittelt wird, erklärt Joannes nach der Emanationstheorie des Empedokles (vgl. Bd. I, S. 158), zum Beweise, daß beim Sehen aus dem Auge Pneuma ausströmt, wird das Glänzen der Augen bei vielen Tieren, die Erweiterung der Pupille beim Schließen des anderen Auges, das Funkensehen bei mechanischer Reizung angeführt. Als Geistestätigkeiten unterscheidet er die Wahrnehmung (αἴσθησις), die Einbildungskraft φαντασία), das Urteilsvermögen (μέρος δοξαστικόν), den Verstand (διάνοια) und die Vernunft (νοῦς). Die Vernunft nimmt die höchste Stelle ein und ist am wenigsten mit dem Pneuma verbunden, die Einbildungskraft ist den höheren Seelenkräften untergeordnet. (In der Seele der Tiere dagegen, welche sich hauptsächlich durch den Mangel einer Vervollkommnungsfähigkeit von der menschlichen unterscheide, bilde die Einbildungskraft den vornehmsten Teil.) Wiewohl Joannes das Verhältnis der Einbildungskraft zum Gedächtnis treffend erläutert, lokalisiert er doch mit Poseidonios die erstere in die vordere, das letztere in die hintere Hirnhöhle, und während er der Vernunft die mittlere zum Sitze anwies, blieb er in Ungewißheit, welche Hirnteile vom Urteilsvermögen und vom Verstande eingenommen werden. — Im zweiten Buche der Schrift werden die Einflüsse der Lebensweise (Nahrung, Getränke, Schlaf, Leibesbewegung, Bäder u. s. w.) besprochen.

Aus dem 15. Jahrhundert stammt eine ganz kurze griechische Aufzählung der Körperteile Ἑρμενεία τω̄ν τοῡ σώματος μερω̄ν von Georgius Sanguinaticius (mit dem Beinamen Hypatus), welcher um 1450 lebte, römischer Konsul und lateranensischer Graf war. Ausgabe und lateinische Uebersetzung in Anonymi Introductio anatomica graece et latine, cum notis Dn. W. Trilleri et J. St. Bernardi, Lugd. Batav. 1744.

Hygienisch-diätetische Schriften. Ὑγιεινὰ παραγγέλματαGesundheitsvorschriften (früher dem Asklepiades oder dem Oreibasios zugeschrieben), ed. Bussemaker in Poetae bucolici et didactici, Paris 1851; griech. Text in 83 jambischen Versen mit lat. und deutscher metr. Uebersetzung von v. Welz unter dem Titel „Des Asklepiades von Bithynien Gesundheitsvorschriften”. Ein aus 21 Versen bestehendes Fragment Ἀσκληπιαδῶν ὑγιεινὰ παραγγέλματα bei Ideler (Phys. et med. gr. minor. I). — περὶ τροφῶνüber die Nahrungsmittel, dem Kaiser Konstantinos Pogonatos (668-685) gewidmet, Fragment, ed. Ermerins in Anecdota med. gr., Leyden 1840. — Dem Wiener Kodex des Dioskurides und der zweiten Aldine des Dioskurides, Venet. 1518, beigefügt ist ein griechisches Lehrgedicht über die Heilkräfte der Pflanzen (ed. M. Haupt im Index lectionum Berolinens, a. 1873/74). — περὶ τὰ ἐν πυθίοις θερμάüber die Pythischen Heilquellen, Gedicht des Paulus Silentiarius (ed. in Boissonade's Ausgabe des Anakreon, Paris 1831). — Aristotelis Epistola ad Alexandrum Magnum de conservatione sanitatis (alte ital. Uebersetzung in F. Puccinoti, Storia della medicina, Florenz 1870, Bd. II) geht auf ein byzantinisches Original zurück. — περὶ τῶν δώδεκα μηνῶν τοῦ ἐνιαυτοῦ ὁποίαις δεῖ χρῆσθαι τροφαῖς ἑνὶ ἑκάστῳ αυτῶν καὶ ἀπὸ ποίων ἀπέχεσθαι, ed. Fr. Boissonade in Anecdota graeca, Paris 1831, Bd. III und bei Ideler l. c. I. Aehnliche diätetisch-hygienische Vorschriften für die einzelnen Monate existieren in zahlreichen Codices. — Mehrere medizinische Kalender bei Ideler l. c. II. — περὶ καταρχῶνde actionum auspiciis, Gedicht des Maximus, ed. Bussemaker (in Poet. bucolici et didactici, Paris 1851), enthält einen Abschnitt über den Einfluß der Konstellationen und die Wahl der Aderlaßtage.

Populäre Arzneibücher ═ ἰατροσόφια (zumeist in vulgärgriechischer Sprache), welche oft die Namen berühmter Verfasser (z. B. Blemmydes, Johannes von Damaskos, Psellos) tragen, ebenso Schriften magisch-medizinischen Inhalts (Astrologie, Beschwörungsformeln, Gebete gegen bestimmte Krankheiten etc.) sind handschriftlich in großer Menge vorhanden; vgl. hierzu K. Krumbacher, Geschichte der byzantinischen Literatur, München 1897.

Uebersetzungen. Synesios übersetzte von dem Reisehandbuch „Zad al Mosafer” des arabischen Arztes Dschafer Ahmed ben Ibrahim el Dschezzar unter dem Titel Ἐφόδια τοῦ ἀποδημοῦντος zwei Bücher ins Griechische; das erste handelt über Fieber (ed. St. Bernard, Amsterdam und Leyden 1749). Eine vollständige griechische Uebersetzung wird dem Constantinus Rheginus oder Memphites zugeschrieben. Georgios Choniates übersetzte ein persisches Werk über Gegengifte ins Griechische (handschriftlich erhalten).

[1] Die Akademie in Konstantinopel wurde (als Gegengewicht gegen das heidnische Athen) von Theodosius II. gegründet, während des Bilderstreits geschlossen, sodann seit der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts allmählich wiederhergestellt.

[2] Schon die Beschäftigung mit Tiersektionen konnte bei dem damals im Volke herrschenden Aberglauben in den Verdacht der „Zauberei” bringen.

[3] Ein sehr ansehnliches Material liegt nur handschriftlich vor und entzieht sich der allgemeinen Kenntnis, erst von der kommenden Forschung dürfen wir wirklichen Aufschluß erwarten.

[4] Gerade Aerzte haben zur Anbahnung dieser kulturellen Beziehungen viel beigetragen, sei es, daß sie aus Liebe zur Forschung Reisen unternahmen, sei es, daß sie als Gesandte in fremden Ländern verwendet wurden und ihren Aufenthalt für die Wissenschaft ausnützten, z. B. Stephanos von Edessa, Uranios.

[5] Der Unterricht war wahrscheinlich mit der Demonstration anatomischer Tafeln (vgl. Rob. Fuchs, Deutsche med. Wochenschr. 1898) verbunden.

[6] Als Titel von Hofärzten kommen je nach der Zeitperiode verschiedene Rangbezeichnungen vor, z. B. κόμης τοῦ ὀψικίου (comes obsequii) ═ Chef des kaiserlichen Gefolges, πρωτοσπαθάριος ═ Oberst der kaiserlichen Leibwache, ἀκτουάριος u. a.

[7] Es war überhaupt keine Seltenheit, daß Priester auch als Aerzte fungierten, von einem solchen ließ sich z. B. Justinian behandeln.

[8] Hauptquellen des Werkes sind Archigenes, Soranos, Galenos und Oreibasios. Soranos ist wohl indirekt durch die Kompilation des Philumenos benützt; Archigenes namentlich auch für die Lehre von den giftigen Tieren, Giften und Gegenmitteln. Außerdem kommen in Betracht: Adamantios (Zahnheilkunde), Antyllos, Asklepiades, Demosthenes, Didymos, Dioskurides, Heras, Herodotos (Wurmleiden), Hippokrates, Justos, Kriton, Leonides (Genital- und Afteraffektionen), Markellos von Side (Lykanthropie), Markianos, Philagrios (Milzleiden), Poseidonios (Gehirnleiden), Rhuphos, Severos.

[9] Vgl. die deutsche Uebersetzung des XVI. Buches von M. Wegscheider.
Aëtios bringt in diesem Buche Bruchstücke aus den einschlägigen Schriften des Archigenes, Galenos, Leonides, Philagrios, Philumenos, Rhuphos, Soranos. Bei nicht wenigen Kapiteln, die in ihrem Inhalt an Soranos erinnern, findet sich die Bezeichnung „nach Aspasia”. Es ist die Vermutung ausgesprochen worden, daß es sich bei „Aspasia” um ein so betiteltes, aus der methodischen Schule hervorgegangenes Buch, nicht um eine ärztliche Persönlichkeit handle.

[10] Vgl. die deutsche Uebersetzung von J. Hirschberg.

[11] Schon Soranos empfahl, unmittelbar nach der Geburt Oel in die Augen der Neugeborenen zu träufeln, um den Augenleiden vorzubeugen (vgl. Bd. I, S. 346). Auch Aëtios empfiehlt dies (Lib. IV. cap. 3).

[12] Von den vier älteren Brüdern des Alexandros erlangte der Erbauer der Hagia Sophia, Anthemios, der bedeutendste Mathematiker und Mechaniker seiner Zeit, unvergänglichen Ruhm, Metrodoros zeichnete sich als Grammatiker, Olympios als Jurist, Dioskoros als Arzt aus.

[13] Zitiert werden unter anderen Aëtios, Apollonios, Archigenes, Asklepiades, Dioskurides, Erasistratos, Galenos, Hippokrates, Jakobos Psychrestos, Magnos, Mnaseas, Philagrios, Philotimos, Rhuphos, Severos, Xenokrates.

[14] Bemerkenswert ist namentlich eine Stelle (ed. Puschmann II, 154), wo Alexandros den Galen wegen seiner Therapie tadelt und sich folgendermaßen entschuldigt: Hier gilt in Wahrheit jenes Wort, welches Galen über Archigenes sprach: „Er war ein Mensch, und es ist deshalb schwer anzunehmen, daß er sich nicht in manchen Dingen geirrt haben sollte, da er manches überhaupt gar nicht gekannt, anderes unrichtig gedeutet oder nur oberflächlich beschrieben hat.” Zwar hätte ich nicht gewagt, dies von einem Manne zu sagen, der in wissenschaftlicher Hinsicht so hoch dasteht, wenn nicht die Wahrheit mir Mut eingeflößt, und ich das Schweigen für eine Sünde gehalten hätte. Denn wenn der Arzt sich eine Ansicht bildet und sie nicht ausspricht, so tut er großes Unrecht, handelt frevelhaft und bringt sich durch sein Stillschweigen freiwillig in großen Schaden. Man muß dabei den Grundsatz befolgen, welchen, wie er sagt, Aristoteles ausgesprochen hat: „Lieb ist mir Plato, lieb ist mir aber auch die Wahrheit, und wenn es sich um die beiden handelt, so muß man der Wahrheit den Vorzug geben.”

[15] Ins Lateinische wurde Alexandros schon früh, jedenfalls lang vor dem 9. Jahrhundert übersetzt. Späterhin wurden Schriften des Alexandros ins Syrische, Arabische und Hebräische übertragen.

[16] Sehr interessant sind mehrere Fälle von Psychotherapie: „So heilte der Arzt Philotimos (vgl. Bd. I, S. 244) einen Kranken, welcher an der Idee litt, daß man ihn, weil er ein König gewesen wäre, enthauptet habe, dadurch, daß er ihm plötzlich eine bleierne Mütze auf den Kopf setzte, so daß er die Schwere fühlte und die Ueberzeugung bekam, er habe seinen Kopf wieder erhalten.” ... „Eine Frau, die eine Schlange verschluckt zu haben glaubte, wurde dadurch geheilt, daß man in ihren Auswurf ein kleines Tierchen setzte, welches vollständig dem Gebilde ihrer Phantasie glich und dem Tiere entsprach, wie es ihr leerer Wahn ihr vorgemalt hatte.”

[17] Gegen Singultus werden, wie noch heute in der Volksmedizin, auch verschiedene Wundermittel empfohlen mit der Motivierung: „Man darf gewisse Dinge nicht gering achten, sondern man muß alles anwenden, aber bei der Behandlung zugleich die übrigen Vorschriften beobachten, welche die Wissenschaft gibt.”

[18] Auch eine ganze Reihe von Wundermitteln wird aufgezählt, z. B.: „Man nehme einen eisernen Ring, mache den Reif desselben achteckig und schreibe auf das Achteck: Fliehe, fliehe o Galle! Die Lerche hat dich gesucht. Darunter mache man auf den Kopf des Ringes das Zeichen ϗ.” „Ich rate euch,” sagt Alexandros, „diese Mittel nicht dem ersten besten, sondern nur den Gläubigen und solchen, welche sie wohl zu bewahren verstehen, mitzuteilen.”

[19] Hingegen werden Wundermittel mitgeteilt.

[20] Am Schlusse teilt Alexandros eine ganze Reihe von Sympathiemitteln gegen Podagra mit, z. B. folgendes: Man nehme ein goldenes Blatt und schreibe bei abnehmendem Monde die untenstehenden Worte darauf; dann binde man die Sehnen eines Kranichs darum und schließe es in eine dem Blatte entsprechende Kapsel ein, welche der Kranke an den Fersen tragen muß. „μεί, θρεύ, μόρ, φόρ, τεύξ, ζά, ζών, θέ, λού, χρί, γέ, ζέ, ών.. Wie die Sonne in diesen Namen fest wird und sich täglich erneuert, so macht auch dieses Gebilde fest, wie es früher war, schnell, schnell, rasch, rasch. Denn siehe! Ich nenne den großen Namen, in welchem das wieder fest wird, was dem Tode geweiht war: ἰάζ, ἀζύφ, ζύων, θρέγξ, βαίν, χωώκ. Macht dieses Gebilde fest, wie es dereinst war, schnell, schnell, rasch, rasch.”

[21] Folgende sind die wichtigsten Farben, welche der Harn zeigen kann: λευκόν, γαλακτῶδης, γλαυκόν, χαροπόν, ὑπωχρον, ὡχρόν, ὑπόῤῥυον, πυρρόν, ὑπόξανθον, ξανθόν, ὑπέρυθρον, ἐρυθρόν, οἰνωπόν, κυανοὑν, χλωρόν, πελιδνόν, μέλαν.

[22] Vgl. Bd. I, S. 235 u. 318. Severos und ihm folgend Aëtios hatten diese Methoden als barbarisch bezeichnet.

[23] Der Star wurde als Gerinnung einer ausgeschwitzten Flüssigkeit betrachtet, und als sein Sitz galt der Raum zwischen Regenbogenhaut und Kristall.

[24] Die Zusammenstellung war folgende: I. de sectis; II. ars medica; III. de pulsibus ad tirones; IV. ad Glauconem de medendi methodo; V. de elementis secundum Hipp.; VI. de temperamentis; VII. de facultatibus naturalibus; VIII. fünf Bücher über Anatomie: a) de ossibus, b) de musculor. dissectione, c) de nervor. dissectione, d) de venar., e) de arteriar. anatome; IX. sechs Bücher über die Ursachen und Zeichen der Krankheiten: a) de differentiis morborum, b) de morbor. causis, c) de symptomat. differentiis, d) de symptomat. causis libri tres; X. de loc. affectis; XI. a) de differentiis puls., b) de dignoscendis pulsib., c) de causis puls., d) de prognosi ex pulsu; XII. de differentiis febrium; XIII. de crisibus; XIV. de diebus criticis; XV. Methodi medendi libri; XVI. de sanitate tuenda.

[25] Von den Kommentaren des Joannes Alexandrinus zu den galenischen Schriften sind jene zu unterscheiden, welche Joannes Philoponos im 6. Jahrh. verfaßt hatte.

[26] Es handelt sich wahrscheinlich um kein Originalwerk, sondern um eine Uebersetzung aus dem Arabischen (Avicenna?).

[27] Er wird in manchen Handschr. als πρωτοβεστιάριος ═ Obergarderobenmeister und als μαγιστὴρ Ἀντιοχείας ═ Oberaufseher des von Antiochos erbauten Palastes in Konstantinopel bezeichnet.

[28] Dieser Beiname rührt davon her, daß Joannes mit dem Titel eines ὰκτουάριος am Hofe der Paläologen lebte.

[29] Hier macht sich der Einfluß der inzwischen erstarkten arabischen Medizin geltend, welche insbesondere in der Fiebertherapie an Stelle der drastischen Purganzen anfeuchtende, kühlende Mittel einführte.

[30] Wenn auch Hippokrates, Galen, Oreibasios, Aëtios, Alexandros und Paulos bald mehr, bald weniger ausführlich über die Harnschau schrieben, so betrachtete doch keiner von ihnen die Uroskopie als diagnostisches Universalmittel, dem gegenüber die übrigen Methoden vernachlässigt werden dürften. Noch Aëtios legte auf die Pulsuntersuchung den Nachdruck, wenn er auch namentlich bei fieberhaften Affektionen die Harnschau für sehr nützlich hielt. Joannes Aktuarios suchte der durch Magnos, Theophilos u. a. begründeten einseitigen Vorliebe für die Uroskopie entgegenzutreten, indem er sogar in der Spezialschrift über den Harn die Notwendigkeit der Untersuchung des Pulses, der Atmung, des Sputums, der Fäces u. s. w. betonte. Im allgemeinen, sagt er, genügt keine einzige Methode für sich allein, um eine richtige Diagnose und Prognose zu stellen, namentlich bedürfe die (an sich leichtere) Uroskopie der Ergänzung durch die (schwierigere und weniger zuverlässige) Pulsuntersuchung, nur die Vereinigung beider gebe die nötige diagnostische Sicherheit. Der Puls lasse auf die Beschaffenheit der inneren Wärme und Lebenskräfte schließen, der Harn zeige die Quantität und Qualität der Säfte an, die Exkrete endlich weisen auf die Art der Kochung (Verdauung etc.) hin. Welche Methode im einzelnen Falle am wichtigsten ist, hänge somit von der Natur der Krankheit ab.

[31] Die Prinzipien der Pneumatiker ließen sich am leichtesten mit der christlichen Weltanschauung vereinigen.

[32] Der Harn ist nach der Lehre des Joannes Aktuarios nichts anderes als ein Ausscheidungsprodukt, welches bei der Pepsis in der Leber entstehe. In der Aneignung und Umwandlung des Nahrungsstoffes unterschied er nämlich mehrere Stufen, nämlich 1. die Verdauung im Magen, 2. die Verarbeitung des Nahrungsstoffes in den Gekrösvenen, der Pfortader und im unteren Teile der Leber, 3. die weitere Umwandlung in den Gefäßen des oberen Teiles der Leber, 4. die Assimilation in den Organen; diesen vier Stufen entsprechen die verschiedenartigen Ausscheidungen: 1. Erbrechen und Stuhlgang, 2. Gallenabsonderung, 3. Harnabsonderung, 4. Ausdünstung, Schweiß und Ausschläge.

[33] Enaiorema ═ das Aufgehängte, d. h. die im Harn schweben bleibende Wolke. Galenos sagt im Kommentar zu Hipp. Progn.: „Ich nenne Enaiorema das Dichte und Weißliche im Harne, das weder oben in der Flüssigkeit, noch am Boden des Gefäßes, sondern ungefähr in der Mitte der flüssigen Masse oder doch etwas unter derselben sich sammelt.... Oft sammelt sich nun etwas ähnliches an der Oberfläche des Harns, und das nenne ich dann eigentlich Wolke (νεφέλη).”