22. Durch das Preßnitztal zum Haßberg, Kupferhübel, Herrgottstuhl und Keilberg.

Eine außerordentlich lohnende Wanderung für rüstige Fußgänger, die von Chemnitz aus in 2 Tagen auszuführen ist. Ein Stück wird das liebliche Preßnitztal durchgangen, dann berührt man die wilde Gegend des Haßberges, genießt von einem der schönsten Aussichtspunkte des ganzen Gebirges – dem Kupferhübel – eine prachtvolle Aussicht, steigt dann in das schöne Egertal hinab, besteigt den wenig begangenen Herrgottstuhl und nimmt einen alpinen Aufstieg zum Keilberg. Am 2. Tag bricht man möglichst zeitig in Pürstein auf, um rechtzeitig den Abendzug in Oberwiesenthal zu erreichen.

1. Tag: SteinbachSchmalzgrube (¾ Std.) – Christophhammer (¾ Std.) – Haßberg (1¼ Std.) – Preßnitz (1 Std.) – Kupferberg (1¼ Std.) – Kupferhübel (½ Std.) – Kleintal-Pürstein (2 Std.).
2. Tag: Okenau (1 Std.) – Herrgottstuhl (1¼ Std.) – KrondorfHauenstein-Warta (1 Std.) – HüttmesgrünHauensteiner ForsthausHofbergKeilberg (4½ Std.) – Oberwiesenthal (1 Std.).

1. Tag.

Wanderzeit: 7½ Std.

Ausgangspunkt: Bahnhof Steinbach. Linie Wolkenstein–Jöhstadt.

Steinbach, Dorf mit 1100 Einwohnern. Über die Bahn und am linken Ufer der Preßnitz bis zur Brücke, weiter auf dem rechten Ufer am Flusse hin bis zur Straße. Auf dieser nach Schmalzgrube. Dorf am Zusammenfluß des Schwarzwassers und der Preßnitz, als Sommerfrische stark besucht. Bis zum Gasthof Lorenzmühle. Dann über die Preßnitz und die linke Straße gehen. Wir überschreiten die Grenze, gehen an einer Sägemühle vorbei nach Christophhammer.

Böhmisches Grenzdorf mit 750 Einwohnern, 659 m hoch gelegen.

Es empfiehlt sich nun, zum Haßberg einen Führer mitzunehmen, da der Besitzer, Graf Buquoi das Betreten des Waldes und das Anlegen jeglicher Markierungen verbietet. Man wandert auf der Preßnitzer Straße bis zur Brettmühle. Hier links ab zum Forsthaus. Von hier den breiten Fußweg in nördlicher Richtung bis zur 2. Schneise, die rechts zur Höhe führt. Auf dieser Schneise ca. 10 Minuten, dann rechts auf einen Fußpfad, der sich zum Gipfel des Haßberges emporschlängelt.

990 m hoch. Er besteht aus Leucitbasalt und ist fast ganz bewachsen. Aussicht bietet er am besten noch von der nach Christophhammer gelegenen Seite. Im Osten Sebastiansberg, dahinter das böhmische Mittelgebirge. Südosten: Preßnitz, Kupferhübel, Kupferberg, dahinter das Duppauer Gebirge. Rechts vom Kupferberg: Schmiedeberg, Keil- und Fichtelberg, entfernter rechts der Auersberg. Im Westen: Bärenstein und Scheibenberg, rechts davon der Pöhlberg.

Den Abstieg nimmt man ohne Führer am besten auf dem Herwege bis zur Brettmühle zurück, dann die Preßnitzer Straße weiter, am Mauthäusel (Gasthaus) vorüber nach Preßnitz.

Man kann auch den mühsamen Weg vom Haßberggipfel auf der Südwestseite durch das Steingeröll auf die Forststraße nehmen und den Kammzeichen folgend am Forsthaus vorüber nach Preßnitz wandern.

Preßnitz, Stadt mit 4000 Einwohnern, 721 m hoch gelegen, früher freie Bergstadt. Eine echte Musikantenstadt. Scharen von Musikern und Musikerinnen gehen alljährlich in die Welt hinaus, bis nach der Türkei, Nordafrika und Amerika. Die Hauptinstrumente sind Guitarre, Harfe, Violine und Cello. Ignaz Walter 1776–92 Bürgermeister von Preßnitz ist der Begründer des Preßnitzer Musikantenwesens. Er selbst war Harfenist und führt den volkstümlichen Beinamen »König David«.

Nun an der Stadtkirche vorbei links zur Landstraße. Auf dieser am Friedhof rechts vorbei bis zur Brücke. Hier rechts den Fußweg ab. Dieser kreuzt mehrere Feldwege, geht an drei einzelstehenden Kreuzen vorbei. Immer in der Richtung bleiben. An einzelnen Häusern von Köstlwald vorüber. Über die Höhe. Hinter dem Bahnwärterhaus die Bahn überschreiten, rechts weiter zur Stadt Kupferberg.

Städtchen mit 1200 Einwohnern, 841 m hoch am Südabhang des Erzgebirges gelegen. Einst ergiebiger Kupferbergbau. Der Mariahilfstollen am Kupferhübel kann wegen seiner Malachitbildungen gegen Eintrittsgeld besichtigt werden. ¼ Stunde nördlich der Stadt der Kupferhübel, 908 m hoch, der eine der schönsten Aussichten des Erzgebirgskammes bietet. Der Gipfel trägt ein Gasthaus, sowie die Mariahilf-Kapelle. Die Aussicht ist prächtig. Nordosten: der Haßberg. Norden: Preßnitzer Spitzberg. Nordwesten: Dorf Schmiedeberg. Westen: Im Vordergrunde Oberhals, dahinter der Gottesgaber Spitzberg, rechts davon der Keilberg, weiter rechts der Fichtelberg, das einzelne Haus an seinem Westabhang ist das Neue Haus, links vom Keilberg der Hauenstein. Im Süden und Osten überschauen wir einen großen Teil des Egertales. Jenseits davon die Ruine Engelhaus. Weiter das Mittel-, Lysen- und Duppauer Gebirge. Im Osten: den Milleschauer. Im Südosten: Kaaden a. d. Eger, etwas links davon Saaz. In dieser Richtung soll man bei günstigem Wetter die Weißen Berge bei Prag erblicken. Im Süden: Kupferberg, über dem Kirchturm gerade hinaus Ruine Egerburg. Rechts davon der Lysenkamm. Vor diesem die Ruine Schönburg, etwas rechts davon im Hintergrunde der Oedschloßberg bei Duppau.

Wir wandern von der Südecke des Städtchens weiter, schneiden die Straßenwindungen ab und gelangen zur Sphinx, einem Felsgebilde. Nun auf alpinen Steigen bei herrlicher Aussicht hinab nach Steingrün und Kleinthal, Ortschaften, deren Häuser weit verstreut sind. Dann am Bühlbache weiter hinab nach Pürstein.

Dorf am Fuße des Himmelsberges, 351 m hoch gelegen. Oberhalb davon die spärlichen Überreste der Burg Pürstein. Gelegenheit zum Übernachten haben wir in den Gasthäusern Schloßberg, Stadt Wien, Eisenhammer.

2. Tag.

Weiter abwärts zur Station Pürstein und auf der Straße nach Okenau. Nun das »Kunststräßel« aufwärts zum Hegerhaus, wo man der Sicherheit wegen noch einmal Wegerkundigungen einziehen kann. Nun nach rechts. Ca. 150 m dahinter links an einer alten Buche vorbei, steil zur Höhe hinauf. Von der Felsbastei, einem natürlichen Felsstuhl, aus herrliche Aussicht ins Egertal.

Im Nordwesten unter uns das Dorf Wotsch. Im Westen der Keilberg mit Turm, davor etwas rechts die Wirbelsteine. Im Nordosten: Ruine Schömburg. Im Norden: Okenau, dahinter Pürstein. Weiter hinaus der Kupferhübel. Im Westen: der Himmelstein.

Wir wandern nun auf bezeichnetem Wege westlich zu einem Jagdunterstand, daneben ein Hochsitz. Dann in Windungen auf schmalem Fußweg hinab nach Krondorf-Sauerbrunn.

400 m hoch gelegen. Hübsche Anlagen und Promenaden. Kurrestaurant und Quellenhaus.

Nun hinab zur Station Hauenstein-Warta. Das Dorf Warta liegt am jenseitigen Ufer der Eger, die wir überschreiten. (Brückengeld!)

Nun links durch das Dorf, die Fahrstraße weiter. Über eine Steinbrücke. Dahinter rechts ab, dem Wegweiser folgend nach Dorf Hauenstein. Malerisch liegt dabei auf einem Basaltfelsen das dem Grafen Buquoi gehörige Schloß.

Beim 1. Hause von Hauenstein halblinks hinauf zur breiten Fahrstraße. Auf dieser rechts weiter nach Hüttmesgrün. Vom Gasthause aus kürzen wir auf einem steilen Fußwege die Straßenbogen. Steil hinauf zum Hauensteiner Forsthaus, (volkstümlicher Name Reitförster). Der Rückblick ist überwältigend schön. Am Forsthaus vorbei und auf der Straße weiter wandern. Links die Felsklippen sind die 1094 m hohen Wirbelsteine. Die Waldstraße bringt uns zum Mauthaus (Wirtshaus), an der Kaiserstraße nach Kupferberg gelegen. Mit dieser dann zum Gasthaus Hofberg. Dahinter links hinauf in ½ Stunde zum Gipfel des Keilberges.

Über den Keilberg und die Abstiege von demselben siehe auch Wanderung 24.

Nach Oberwiesenthal auf rot-weiß bezeichnetem Fußwege. Die Kaiserstraße überschreitend zum Gasthaus Waldschlössel. Zum Waldrand und dann zum Grenzbach hinab. Dann wieder bergan zu Stadt und Bahnhof Oberwiesenthal.

Mit der Bahn nach Chemnitz zurück.