28. Ins Zwönitz- und Würschnitztal.
Die beiden Stammflüsse des Chemnitzflusses führen in reizvollster Weise den Wanderer vom niederen zum höheren Gebirge. Wald, Fluß und Höhe vereinigen sich, um ihm Schönes in reicher Abwechselung zu bieten. Spiegelwald, Fürstenbrunn, Schatzenstein und Prinzenhöhle sind die Glanzpunkte dieses Gebiets.
a) Stollberg – Tabakstanne – Thalheim.
Wanderzeit: 1½ Std.
Ausgangspunkt: Bahnhof Stollberg. Hierher mit der Bahn. Linie Chemnitz–Stollberg.
Stollberg. Stadt mit 7900 Einwohnern, 447 m hoch gelegen. Die Industrie erzeugt Textilwaren. Sitz zahlreicher Behörden und Schulen. In der Nähe das Schloß Hoheneck, in dem ein Landesgefängnis für Männer untergebracht ist.
Vom Bahnhof durch die Bahnhofsstraße zum Markt. Oberhalb der Kirche, am Kunzeschen Hause eine Wegmarkierungstafel. Unser Weg ist rot-blau bezeichnet. Den Kirchsteig hinab, am Ende links in die Kirchstraße und Innere Chemnitzer Straße und so auf den Postplatz. Beim Hotel »Goldner Adler« nach rechts auf der nach Hoheneck führenden Schwarzenberger Straße. Die Johannisgasse bringt uns aus der Stadt heraus. Auf bequemem Wege empor zum Bellevue, Bauernwirtschaft und Schankbetrieb. Hübsche Ausblicke. Wir gehen weiter; rechts geht ein Feldweg ab, den wir nicht benutzen. Bald zu einer Wegteilung. Dem Wegweiser und den senkrechten gelben Marken folgend rechts ab. Zur Höhe hinauf. Wir sehen schon die auf der gegenüberliegenden Höhe stehende Tabakstanne.
Diese altehrwürdige Tanne, nach der auch das 6 Minuten davon an der von Stollberg nach Thalheim führenden Straße gelegene Gasthaus benannt ist, soll bereits der dritte Baum sein, der den gleichen Namen trägt. Ihre Vorgängerin wurde 1879 durch einen Sturm entwurzelt. Sie soll 400 Jahre alt gewesen sein. Der jetzige Baum wurde 1910 von einem Blitzstrahl getroffen und sehr beschädigt. Er trägt die Inschrift:
Sieh hier, mein lieber Wandersmann
Verjüngt die alte Tabakstann,
Und nimm davon die weise Lehr:
Das Neue prüf, das Alte ehr.
Für diesen im Absterben begriffenen Baum ist schon Ersatz vorgesehen.
Bald erblicken wir auch auf einer Waldblöße das Gasthaus »Zur Tabakstanne«, zu Thalheim gehörend. Im ländlichen Stile gebaut mit Garten und Veranden.
Wir gehen den von Stollberg kommenden Fahrweg weiter und erreichen nach halbstündiger Wanderung Thalheim.
Dorf, mehr einer Stadt ähnelnd, mit gegen 7800 Einwohnern, an der Zwönitz gelegen. Mittelpunkt der erzgebirgischen Strumpfindustrie. Station der Linie Chemnitz–Aue.
Mit der Bahn nach Chemnitz zurück.
b) Pfaffenhain – Goldbach – Tabakstanne (1½ Std.) – Thalheim (½ Std.).
Wanderzeit: 2 Std.
Ausgangspunkt: Station Pfaffenhain. Linie Chemnitz–Stollberg.
Rot-weiße Marken führen uns auf der Straße nach Jahnsdorf zum Goldbach. An diesem auf Fußweg rechts entlang zum Wald. Weiter auf dem Waldfahrweg, der sich bis zur Höhe des Gasthauses Tabakstanne schlängelt. Weiteres unter [28 a].
c) Stollberg – Heiliges Holz – Großer Stein – Brettmühle – Guter Brunnen – Zwönitz.
Wanderzeit: 2½ Std.
Ausgangspunkt: Bahnhof Stollberg. Linie Chemnitz–Stollberg.
Vom Bahnhof zum Marktplatz durch die Bahnhofstraße. Vom Markt weiter durch Herrenstraße, Marienplatz, Schneebergerstraße, Schützenplatz und schlagen den gegenüber der Grabnermühle links abzweigenden Weg ein, der nach dem »Waldfrieden« (Restaurant und Sommerfrische) führt. An diesem vorüber gelangen wir durch das Heilige Holz nach dem Großen Stein. Vorher ist auf einem Schild ein Weg nach dem Guten Brunnen angegeben, den wir aber nicht gehen! Wir gehen unsern Weg weiter über den Großen Stein und wandern zur Brettmühle, eigentlich Gasthaus Jägerhaus, zu Niederzwönitz gehörend. Von hier gehen wir dem blau-weiß-blau bezeichneten Wege nach zum Bad »Guter Brunnen«.
600 m hoch gelegenes Gasthaus, Badehaus und idyllischer Weiher, ruhig im Walde gelegen. Die Quellen enthalten kohlensauren Kalk salzsaures Magnesia, sie wurden 1498 entdeckt und ähneln den Gasteiner Wässern.
Den blau-weiß-blau bezeichneten Waldpfad weiter, dann Feldweg bis auf die Stollberger Straße. Diese weiter. Die Höhe überschreiten, am Feldschlößchen vorüber, über die Bahngeleise zum Bahnhof Zwönitz. (Siehe Wanderung [26 d].)
Zwönitz ist Haltestelle der Bahn Chemnitz–Aue. Mit der Bahn nach Chemnitz zurück.
d) Zwönitz – Moosheide (¾ Std.) – Grünhain (¾ Std.) – Spiegelwald (20 Min.) – Fürstenbrunn (1 Std.) – St. Oswaldskirche – Langenberg – Schwarzbach – Elterlein (2 Std.).
Wanderzeit: 5 Std.
Ausgangspunkt: Bahnhof Zwönitz. Linie Chemnitz–Aue.
Über Zwönitz siehe Wanderung [26 d].
Vom Bahnhof nach dem Markte, die Annaberger Straße weiter, dann rechts die Schützenstraße aufwärts zum Schützenhaus. Dahinter geradeaus, den weiß-gelben Marken folgend, nach Moosheide. Einfaches Gasthaus, 630 m hoch gelegen. Nun den rot-weiß-roten Marken nach, die Fahrstraße weiter nach Grünhain.
Stadt mit 2600 Einwohnern, 630 m hoch gelegen. Industrie: Posamenten, Blechwaren, Spielsachen, Emaillegeräte. Grünhain wurde 1236 vom Burggrafen Meinhardt II. von Meißen gegründet, zunächst als Cistercienserkloster. Es entwickelte sich zu einem der reichsten und angesehensten in ganz Sachsen. 1429 wurde es von den Hussiten verwüstet und 1553 aufgelöst. Die Gebäude wurden durch Krieg und Brand zum größten Teil vernichtet, nur geringe Reste zeugen von verschwundener Pracht, so der »Fuchsturm«, in welchem Kunz v. Kauffungen die Nacht nach seiner Gefangennahme zugebracht haben soll.
Vom Marktplatze die Hauptstraße aufwärts bis vor die Eisenbahnbrücke. Nun links den rot-weißen Marken nach. Über die Bahn, dann links ab. Zum Walde empor. An der Waldecke nach rechts, Fahrweg durch den Spiegelwald zum König-Albert-Turm.
727 m hoch. Aussichtsturm und Sommerwirtschaft. Die Aussicht ist ganz prächtig. Nordost: Unter uns Grünhain; links davon die Greifensteine, darüber hinaus Schloß Augustusburg, rechts von Grünhain die Dreibrüderhöhe. Im Osten: der grabähnliche Pöhlberg, rechts davon der Scheibenberg, dahinter der Bärenstein. Weiter hinter diesem der Preßnitzer Spitzberg. Im Südosten: Fichtel- und Keilberg, rechts davon der Gottesgaber Spitzberg und der Pleßberg (kahl, mit Turm). Süden: unter uns Beierfeld, tief im Tale Schwarzenberg, am Horizont der Plattenberg, rechts hinter Schwarzenberg die Morgenleite mit Aussichtsturm, sowie der Auersberg. Westen: das Auer Tal, dahinter der Filzteich bei Schneeberg, rechts davon die Zwickauer Gegend, dann der Totenstein. Norden: der Rochlitzer Berg.
Wir folgen nun den gelb-weißen liegenden Kreuzen. Zunächst Richtung Grünhain bis zur Waldecke. Nun rechts am Walde hin. Über die Bahn, rechts der Bahnhof Beierfeld. Nun halblinks die Straße überschreiten, dann rechts. Die Wegsäule gibt uns die Richtung zum »Fürstenberg« an. In den Wald. Kurz darauf Wegteilung: rechts hinab. Der Weg bringt uns wieder auf die Fahrstraße, die wir vorher überschritten. Diese nach rechts. Es folgt eine Wegteilung: geradeaus. Bei der nächsten Straßenteilung nach ca. 10 Minuten wiederum geradefort. Dem Wegweiser »Raschau« folgen. An einzelnen Häusern vorüber. Der Weg geht bergab und führt in den Wald. Dem Wegweiser folgend, den 1. Weg rechts ab. Links die König Albert-Buche, 1889 gepflanzt. Nun links hinunter zum Fürstenbrunn.
Hier wurde am 8. Juli 1455 Prinz Albert, der Stammvater der albertinischen Wettiner aus den Räuberhänden Kunz von Kauffungens befreit. An diese Begebenheit erinnert ein Granitobelisk über dem Fürstenbrunn. Daneben ein Blockhaus mit Restaurationsbetrieb, in dessen Gastzimmer sich einige, den Prinzenraub darstellende Bilder befinden.
Nun zu dem nahen Dörfchen Haide, mit der sagenumwobenen St. Oswalds- oder Dudelkirche.
Sie soll 1514 durch den Grünhainer Abt Georg Küttner gegründet und wegen Dazwischenkunft der Reformation nicht ausgebaut worden sein. Die Sage erzählt jedoch folgendes: Der reiche Hammerherr Kaspar Klinger habe den Bergherrn Wolf Götterer aus Elterlein, von dem er sich beleidigt glaubte, meuchlings erschlagen. Er erbot sich, zur Sühne dem heiligen Oswald eine Kirche zu bauen. Dem reichen Hammerherrn gestatteten die Richter solch teure Lösung. Aber der Himmel ließ sich nicht bestechen. Als die Kirche geweiht werden sollte, zog ein schwarzes Wetter herauf. Als der Priester den Hammerherrn ermahnte, den Zorn Gottes durch Reue zu besänftigen, wurde er verlacht. Da fuhr ein Blitzschlag hernieder, erschlug den Sünder und vernichtete die Kirche, sodaß nur die Trümmer übrig blieben. Fromme Scheu hinderte den Wiederaufbau des Kirchleins.
Von hier auf der Raschauer Straße weiter nach dem Dorfe Langenberg mit dem Rittergut Förstel, das von der Leipziger Ortskrankenkasse als Erholungsheim eingerichtet wurde. Vor dem Rittergute erhebt sich ziemlich frei aus der Erde der Silberemlerfelsen.
Wir folgen nun den weiß-rot-weißen Marken durch das Dorf nach Schwarzbach und Elterlein.
Stadt mit 2500 Einwohnern, 620 m hoch gelegen.
Weiteres siehe [28 e].
Mit der Bahn über Zwönitz nach Chemnitz zurück.
e) Zwönitz – Ziegenberg (20 Min.) – Moosheide (45 Min.) – Schatzenstein (45 Min.) – Elterlein (45 Min.) – Schwarzbach (25 Min.) – Förstel – Langenberg (45 Min.) – Schwarzenberg (40 Min.).
Wanderzeit: 4½ Std.
Ausgangspunkt: Bahnhof Zwönitz. Linie Chemnitz–Aue.
Über Zwönitz siehe [26 d].
Vom Bahnhof zum Markt. Dann auf der Annaberger Straße, den weiß-gelb-weißen Marken folgend, bis zur Schützenstraße. Durch diese bis zum Schützenhaus. Hier links zum Ziegenberg.
651 m hoch. Obelisk mit Medaillons Kaiser Wilhelms I., König Alberts, Moltkes und Bismarcks. Hübsche Ausblicke auf das Zwönitztal, Lößnitz und Schneeberg.
Nun in südwestlicher Richtung hinab zur Straße und auf dieser (schön schattig!) bis an den Wald zur Moosheide.
676 m hoch gelegenes Gasthaus. Vor dem Hause bergan und nach links. Den Zeichen nach auf hübschen Waldwegen zum Schatzenstein.
Felsklippen aus Glimmerschiefer, 763 m hoch gelegen, tief im Walde versteckt. Der höchste Felsen ist verwachsen, bietet daher keine Aussicht. Von den westlich gelegenen hat man gute Aussicht auf das obere Erzgebirge.
Vom Schatzenstein den Marken weiter folgend bis zum Ausgang aus dem Wald. Am Waldrande hin und zur Grünhain-Elterleiner Straße. Auf dieser nach links zur Stadt Elterlein.
620 m hoch gelegen mit ca. 2500 Einwohnern. Früher wurde hier Eisenstein gewonnen und im Hammerwerk und Regelschmiede weiterverarbeitet. Jetzt beschäftigt man sich mit Posamenten- und Gorlnäherei und Landwirtschaft. Auch Eisengießerei und Maschinenbau. Auf dem Markte ein Denkmal der Barbara Uttmann, die hier geboren sein soll.
Wir folgen nun den weiß-rot-weißen Marken südlich nach Schwarzbach. Weiter durch das Schwarzwassertal zum Rittergut Förstel, wo im Rittergut das Genesungsheim der Leipziger Ortskrankenkasse untergebracht ist. Vor dem Rittergute ein isolierter Felsen, der Silberemlerfelsen. Weiter durch Dorf Langenberg nach Schwarzenberg.
Stadt, 465 m hoch gelegen, in prächtiger Umgebung. Hier fließen Schwarzwasser und große Mittweida zusammen. Die Stadt ist von allen Seiten mit waldigen Höhen umgeben. Industrie: Blechwarenfabriken, Emaillierwerke, Eisengießerei, Kammgarnspinnerei, Pappenfabrik, Posamenten. 7800 Einwohner. Das Schloß gibt der Stadt ein malerisches Ansehen. Reiche historische Erinnerungen. Schon 1150 ging die zur bayerischen Ostmark gehörige Herrschaft Schwarzenberg käuflich in den Besitz Friedrich Barbarossas über. Friedrich II. schenkte sie an Böhmen, wo sie über 200 Jahre verblieb. 1459 kam sie als Heiratsgut an den Sohn Friedrich des Sanftmütigen, Herzog Albrecht, der mit einer böhmischen Prinzessin vermählt war. Letztgenannter verkaufte in Geldnöten den Besitz an die Familie v. Tettau. Von ihr erwarb sie Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige zurück. Den steinernen Schloßbau führte, an Stelle eines morsch gewordenen hölzernen, 1555 Kurfürst August auf. Durch Kriege und Brände hatten Stadt und Schloß viel zu leiden. Heute ist im Schlosse das Amtsgericht untergebracht.
Station der Linie Annaberg–Aue–Werdau. Wir fahren über Aue nach Chemnitz zurück.
Man kann mit dieser Wanderung auch einen Besuch des Oswaldkirchleins und Fürstenbrunnens verbinden. Man geht nach Durchwanderung Langenbergs rechts den Weg nach Haide mit der Oswaldskirche (Seite 229) und von hier zum Fürstenbrunn. Nun nach Schwarzenberg: Aus dem Gasthaus kommend geradefort, den prächtigen Waldweg. Nach 20 Minuten aus dem Walde. Bei schöner Aussicht auf Schwarzenberg durch Wiesen hinunter, den Schwarzbach überschreiten, den Weg im Tal weiter. Dann nach Wildenau, zu Schwarzenberg gehörend, am 1. Hause links ab, sofort aber nach rechts abbiegen. Unter der Bahn weg. Am Schützenhaus vorbei. Bei Kilometerstein 9,6 teilt sich der Weg. Rechts führt ein Fußweg in 5 Minuten zum Bahnhof; links auf der Fahrstraße weiter zur Stadt. (¼ Std.).
f) Grünhain – Spiegelwald (20 Min.) – Fürstenbrunn (1 Std.) – Oswaldkirche (10 Min.) – Waschleithe – Grünhain (1¼ Std.) – bez. Zwönitz (1½ Std.).
Wanderzeit: 2¾ Std. bez. 4¼ Std.
Ausgangspunkt: Bahnhof Grünhain. Linie Zwönitz–Scheibenberg.
Von Chemnitz hierher über Zwönitz.
Vom Bahnhof zum Markte. Dann die Hauptstraße bis zur Eisenbahnbrücke. Kurz zuvor zeigt links ein Wegweiser den Weg zum Spiegelwald mit dem König-Albert-Turm. Der Weg ist rot-weiß bezeichnet. Über die Bahn, links zum Wald. Von hier rechts den Fahrweg weiter zum Turm. Beschreibung der Aussicht usw., sowie Wanderung zum Fürstenbrunn und zur Oswaldkirche siehe Wanderung [28 d].
Von der Oswaldkirche den weiß-blau-weißen Marken folgen. Unser Weg führt im schönen Oswaldtale zum Dörfchen Waschleithe. Von hier windet sich der Weg im Walde empor und führt nach Grünhain zurück. Von hier mit der Bahn zurück. Man kann die Wanderung bis Zwönitz fortsetzen, was bez. des Bahnanschlusses leicht geboten erscheint. Auf der Zwönitzer Straße wandert man über die Mooshaide (Restauration) bequem in 1½ Stunde nach Zwönitz.
g) Lößnitz – Alberoda – Dürre Henne – Hohe Warte – Prinzenhöhle (1½ Std.) – Niederschlema (1 Std.) – Floßgraben – Aue (1¼ Std.).
Wanderzeit: 3¾ Std.
Ausgangspunkt: Lößnitz, unterer Bahnhof. Linie Chemnitz–Aue.
Lößnitz. Stadt mit 7400 Einwohnern, 422 m hoch gelegen. Man fährt bis zum unteren Bahnhof, da er näher an der Stadt liegt als der obere. Lößnitz ist eine der ältesten Ansiedelungen des ganzen Gebirges. Industrie: Strumpf-, Schuh-, Baumwollwaren-, Wäschefabrikation.
Unser Weg ist weiß-blau-weiß bezeichnet. Durch eine prächtige Lindenallee kommen wir zu dem aussichtsreichen Schießhause. Prächtige Aussicht! Nun hinab nach dem Dorfe Alberoda (1855 Einwohner). Nun hinauf zum Gasthaus »Dürre Henne«, einer einsamen Ansiedelung. Von hier zum Aussichtspunkt Hohe Warte, 503 m hoch gelegen. Großartiger Blick ins Muldental auf- und abwärts, sowie durch das Schlematal mit dem Dörfchen Nieder- und Oberschlema, und der Stadt Schneeberg.
Nun zunächst auf Feldwegen, dann durch Wald hinab ins Muldental. Den Talweg rechts weiter bis zu einem Wegweiser. Diesem rechts hinauf folgen zur Prinzenhöhle.
Diese ist ohne Zweifel ein angefangener aber nicht weiter gebauter Stollen. Wir stehen am Schauplatze einer Szene aus dem bekannten Prinzenraube. Der Hergang war kurz folgender: Kunz v. Kauffungen hatte in der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1455 die beiden Söhne des Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen aus dem Altenburger Schlosse geraubt. Während er seinen Spießgesellen den 14jährigen Ernst übergab, behielt er den 12jährigen Albert bei sich. Die Prinzen sollten nach dem Schlosse Eisenberg in Böhmen gebracht werden. Auf getrennten Wegen eilten die Räuber durchs Erzgebirge. Eingeschüchtert durch das Sturmläuten versteckten sich die Genossen Kunzens, Mosen und Schönfels, mit ihrem Prinzen Ernst in der hiesigen Kluft. Als sie nun von dem Schicksale Kunzens erfuhren, der inzwischen in der Nähe des Fürstenbrunns gefangen genommen worden war, boten sie dem Amtshauptmann von Zwickau die Auslieferung des Prinzen an, wenn sie selbst an Gut, Leib und Leben ungestraft blieben. Auf diese Bedingungen ging man ein und verschaffte so dem Prinzen Ernst die Freiheit.
Am Eingange der Höhle befindet sich eine Marmortafel, die an das Ereignis erinnert. In der Nähe liegt das im Schweizerstil gebaute Forsthaus mit Restauration und prachtvollem Blick ins Muldental.
Von hier den weiß-blau-weißen Marken weiter folgend. Auch ein Wegweiser gibt die Richtung an, ins Muldental hinab. Die Eisenbahnbrücke überschreiten, dann rechts. Über die Grabenbrücke und dann über die eiserne Muldenbrücke.
Man kann nach Überschreiten der letzteren einen Abstecher hinauf zur Ruine Eisenburg oder Isenburg unternehmen. Ein Fußsteig führt rechts hinauf. Die geringen Mauerreste gehörten jedenfalls zu einer Vorburg des Schlosses Stein. Sonstige Nachrichten fehlen.
Wir gehen auf unsern Weg zurück. Auf Waldweg hinauf zum Bismarckstein. Hier Tourentafel 165 b. Der Weg teilt sich. Wir gehen links hinab nach Niederschlema.
Dorf mit 2600 Einwohnern, 300 m hoch gelegen. Industrie: Papier- und Maschinenfabriken.
Unsere Marken führen uns weiter zum Floßgraben.
Dieser 1556 bis 1559 angelegte Kanal führte einen Teil des Muldenwassers von Bockau nach Oberschlema-Schneeberg, er diente einst der Holzflößerei. Der Weg an ihm hin ist ganz herrlich. Er bringt uns am Genesungsheim des D. V. d. H. vorüber. Dahinter links den Fußweg hinab nach Aue.
Weiteres siehe Wanderung [29 a].
Von Aue mit der Bahn nach Chemnitz zurück.
h) Stollberg – Oberdorf – Beutha (1¼ Std.) – Raum (20 Min.) – Meisterei (¼ Std.) – Prinzenhöhle (¾ Std.) – Stein (¾ Std.) – Hartenstein (20 Min.) – Raum (½ Std.) – Beutha (20 Min.) – Stollberg (1¼ Std.).
Wanderzeit: 5¾–6 Std.
Ausgangspunkt: Bahnhof Stollberg. Hierher mit der Bahn.
Über Stollberg siehe Seite [224]. Vom Bahnhof durch die Bahnhofstraße zum Markt. Nun durch die Herrenstraße über den Marienplatz, die Schneeberger Straße entlang. Bei Landgrafs Restaurant rechts ab, auf der Teichstraße weiter, sie setzt sich als Dorfstraße durch Mittel- und Oberdorf fort. Wir kommen am Walkteiche vorüber und gelangen schließlich zum Bahnhof Oberdorf-Beutha. Nun links über die Höhe nach Beutha. An der Kirche vorüber, rechts in die Dorfstraße einbiegen. Später links die Straße nach Raum. Hier nimmt uns die Staatsstraße Lichtenstein–Hartenstein auf, die wir links einbiegend, ein Stück gehen. Dann beim Restaurant rechts auf einem Feldweg zur Meisterei.
Früher eine Scharfrichterei und Abdeckerei, jetzt gern aufgesuchter Gasthof mit Garten.
Nun links in den Wald bis zum Wegweiser »Prinzenhöhle«. Diesen Weg schlagen wir ein, er ist rot-weiß bezeichnet. Wir kommen zu einer Waldblöße, auf dem dem verstorbenen Fürsten von Schönburg-Waldenburg ein Denkstein errichtet worden ist. Auf unsern Weg zurück. Prächtiger Buchenwald nimmt uns auf, der »Knoblochberg« genannt, was zu Zeiten auch mit den Geruchsorganen wahrzunehmen ist. Der Weg geht immer abwärts, zuletzt etwas steil. Wir halten uns links und kommen zum Forsthaus (auch Schankbetrieb). Hübsche Ausblicke auf das jenseitige Muldenufer mit dem Dorfe Wildbach und der Isenburg-Ruine (siehe vorige Wanderung). Nun durch den herrlichen Wald auf felsigem Steig hinab zur Prinzenhöhle. (Siehe Wanderung [28 g]).
Wir gehen nun weiter talabwärts zur Zwickauer Mulde und am rechten Ufer derselben nach Stein mit dem altehrwürdigen Schlosse.
Das Dörfchen zählt 110 Einwohner. Das Schloß, hoch auf dem Felsen thronend, gibt dem Orte ein überaus malerisches Ansehen. Es gehört der Herrschaft Schönburg-Waldenburg und dient jetzt zu Wohnzwecken für Beamte. Die Besichtigung ist gestattet. 194 Stufen hinauf auf den alten Hauptturm, der einen schönen Ausblick gewährt. Burgverlies, Ruine der Burgkapelle, Verteidigungsgalerie, 32 m hoher Eckturm.
Nun beim Teiche rechts hinauf nach der Stadt Hartenstein.
Stadt mit 2800 Einwohnern, 350 m hoch gelegen. Der Markt macht mit seinen altertümlichen Gasthäusern einen hübschen Eindruck. Auf dem 396 m hohen Schloßberge das imposante Schloß Hartenstein, dem Fürsten von Schönburg-Waldenburg gehörend. In Abwesenheit der Besitzer kann das Schloß besichtigt werden. Allerlei Altertümer, darunter eine Feldschlange, die bei den Freudenschüssen nach Beendigung des Krieges 1871, scheinbar trüber Ahnungen voll, zersprang.
Vom Schlosse rechts hinauf, durch ein Waldstück, auf unsere frühere Straße, auf der wir hergekommen sind. Zurück nach Raum und weiter nach Station Oberdorf-Beutha. Bei günstiger Gelegenheit benutzt man von hier aus die Bahn bis Stollberg; im andern Falle wandert man über Oberdorf nach Stollberg zurück.
Von Stollberg nach Chemnitz mit der Bahn.