Fünftes Kapitel.

Je tiefer der Stern des Lehrers sank, desto höher stieg derjenige Termosesows. Spielend gewann er die Gunst der gesamten Weiblichkeit; der Frau Postmeisterin machte er geradezu den Hof, und zwar in einer Weise, die dem Lehrer aufs äußerste mißfiel; denn Termosesow huldigte ihr nicht als Dame, sondern gewissermaßen als Vertreterin der Staatsgewalt.

Beim Abendessen ließ Termosesow die Damen mehr oder weniger im Stich und hielt sich an die Herren. Mit jedem stieß er an und leerte dabei eine recht beträchtliche Zahl Gläser, ohne daß irgendeine Wirkung zu bemerken gewesen wäre. Schnell war er gut Freund mit Achilla, Darjanow und Vater Zacharia. Auch Tuberozow redete er wiederholt an, aber der Alte zeigte sich sehr wenig entgegenkommend. Dafür begann Achilla, nach einem etwa halbstündigen Gespräch, zur nicht geringen Verwunderung der Anwesenden, den Petersburger Gast plötzlich zu duzen, drückte ihm die Hand, küßte seine wulstige Lippe und verlieh ihm sogar Kosenamen.

»Bei Gott, dieses Termoseslein ist ein Mordskerl,« predigte der Diakon. »Haben wir zwei es dem Lehrer nicht fein gegeben? Nicht? Nein, Bruder Termosesselchen, du darfst nicht fort von hier. Was hast du in Petersburg zu suchen? Hier können wir zwei beide im Winter Füchse fangen. Das ist ein Hauptspaß, Brüderlein. Nicht?«

»Freilich, freilich,« antwortete Termosesow und begann nun seinerseits den Diakon zu preisen und nannte auch ihn einen Mordskerl. Und dann küßten die beiden Mordskerle sich wieder.

Als das Fest sich zu seinem Ende neigte und Zacharia und Tuberozow schon heimgehen wollten, hielt Termosesow den Diakon am Ärmel zurück und sagte: »Du hast doch keine Eile?«

»Eigentlich nicht,« antwortete Achilla.

»Dann warte noch etwas, wir gehen zusammen.«

Achilla erklärte sich bereit und Termosesow schlug noch ein Tänzchen vor. Er tanzte zuerst mit der Postmeisterin, dann mit ihren Töchtern, dann mit noch zwei oder drei andern Damen, und zu allerletzt mit der Biziukina. Dann aber kriegte er den Diakon zu fassen, drehte ihn im Walzertakt ein paarmal herum und führte, als er ihn, wie eine Dame, an seinen Platz gebracht hatte, seine Hand an die Lippen, küßte aber die eigene.

Achilla, der darauf nicht im mindesten gefaßt war, geriet in Verlegenheit und riß seine Hand hastig zurück, Termosesow jedoch lachte unbändig und sagte:

»Hast du dir wirklich eingebildet, ich würde deine Kutschertatze küssen?«

Der Diakon war gekränkt und dachte: ›Am Ende hätt' ich mich lieber nicht mit dem Kerl einlassen sollen.‹ Aber da man sich gleich darauf auf den Heimweg machte, so schloß er sich der Gesellschaft an. Die Familie des Postmeisters, der Diakon, Warnawa, Termosesow und Madame Biziukina gingen zusammen. Erst wurde die Frau Postmeisterin mit ihren Töchtern nach Hause gebracht, und bei dieser Gelegenheit hörte Achilla, wie sie beim Abschied zu Termosesow sagte:

»Ich hoffe, wir sehen uns häufiger.«

»Daran zweifle ich keinen Augenblick,« antwortete Termosesow und fügte noch hinzu: »Sie fanden es so hübsch, daß der Polizeichef sein Wohnzimmer mit den Bildnissen der ganzen kaiserlichen Familie geschmückt hat?«

»Ja, ich wünsche sie mir schon so lange.«

»Diesen Wunsch kann ich Ihnen morgen erfüllen.«

Und damit trennten sie sich.