IX

Die Tulaer Meister, die ein erstaunliches Werk verrichtet hatten, beendeten in dieser Zeit grade nur eben ihre Arbeit. Die Boten kamen keuchend zu ihnen gelaufen, die einfachen Leute aber aus dem neugierigen Publikum kamen überhaupt nicht bis ans Ziel, weil sie aus Ungewohntheit unterwegs ihre Beine verloren hatten und hingestürzt waren, und dann auch aus Furcht, um Platow nicht vor die Augen zu treten, sich nach Hause geschlichen, ja, und wo es sich grade traf, sich versteckt hatten.

Als aber die Kuriere herbeigaloppiert kamen, fingen sie sogleich zu schreien an, und wie sie sahen, daß die Meister nicht öffneten, begannen sie sofort ohne Zeremonie die Riegel an den Läden abzureißen; die Bolzen saßen aber so fest, daß sie nicht im Geringsten nachgaben; sie rissen an den Türen, die Türen waren aber von innen zugeriegelt mit eichenen Riegeln. Da nahmen die Boten einen Balken von der Straße, stemmten ihn nach Art der Feuerwehrleute unter den Dachsattel und schoben das Dach von dem kleinen Hause auf einmal weg. Sie nahmen das Dach ab und selber stürzten sie sogleich zu Boden, weil von den Meistern im engen Häuschen von der ununterbrochenen Arbeit in der Luft eine solche »Schweißspirale« entstanden war, daß der Ungewohnte, der aus der frischen Luft kommt, kein einziges Mal atmen kann.

Die Boten schreien:

»Was macht ihr denn, ihr, so und so, ihr Pack, daß ihr uns auch noch mit einer solchen ‚Spirale‘ zu betäuben wagt! Habt ihr etwa keinen Gott mehr?«

Die aber antworten:

»Wir sind ja sogleich fertig. Wir schlagen soeben noch das letzte Nägelchen ein, und wenn wir es eingeschlagen haben, dann werden wir unsere Arbeit selber hinaustragen.«

Die Boten aber sprechen:

»Er wird uns bis dahin lebendig auffressen und nichts zum Gedächtnis der Seele zurücklassen.«

Die Meister aber sagen:

»Er wird nicht Zeit haben, euch zu verschlucken, weil, bis ihr gesprochen habt, bei uns auch schon dieser letzte Nagel eingeschlagen ist. Lauft und sagt, daß wir die Sache sogleich bringen.«

Die Boten liefen, waren aber nicht überzeugt — sie glaubten, daß die Meister sie betrügen würden; und deshalb liefen sie zwar so rasch sie konnten, sie schauten sich aber ständig um; die Meister kamen aber hinter ihnen her und eilten so sehr, daß sie sich sogar nicht völlig angekleidet hatten, wie es sich gehört, um vor einer wichtigen Persönlichkeit zu erscheinen, sie schlossen vielmehr noch im Gehen die Haken an ihren Röcken. Zwei von ihnen trugen überhaupt nichts in Händen, der dritte aber, der Linkser, hielt im grünen Futteral die zarische Schatulle mit dem englischen stählernen Floh.

X

Die Boten laufen zu Platow und sprechen:

»Da sind sie jetzt selber hier!«

Platow spricht sogleich zu den Meistern:

»Ist es fertig?«

»Alles«, antworten sie, »ist fertig!«

»Gebt her!«

Sie gaben es.

Die Equipage war aber bereits angespannt, und Fuhrmann und Vorreiter an ihrem Platz. Die Kosaken setzten sich sogleich schon neben den Fuhrmann und erhoben die Nagaiken über ihn, und so ausholend halten sie sie auch.

Platow riß das grüne Futteral ab, öffnete die Schatulle, nahm aus der Watte die goldene Tabaksdose heraus, aus der Tabaksdose die brillantene Nuß — und sieht: der englische Floh liegt dort wie er war, aber außer ihm ist nichts weiter da.

Platow spricht:

»Was ist denn das? Wo ist denn eure Arbeit, mit der ihr den Kaiser erfreuen wolltet?«

Die Waffenschmiede antworten:

»Da ist auch unsere Arbeit!«

Platow spricht:

»Worin ist sie denn beschlossen?«

Die Waffenschmiede antworten:

»Wozu das erklären? Alles ist hier vor Eurem Blick — schaut nur selber zu!«

Platow zuckt die Achseln und schreit:

»Wo ist aber der Schlüssel zum Floh?«

»Aber da« — antworten sie — »wo der Floh ist, da ist auch der Schlüssel, in derselben Nuß!«

Platow wollte den Schlüssel fassen, die Finger waren aber bei ihm zu kurz und zu dick; er bemühte sich lange Zeit — konnte aber auf keine Weise weder den Floh erfassen, noch das Schlüsselchen zu dem Uhrwerk in seinem Bauch. Plötzlich erzürnte er sich und begann zu schimpfen auf kosakische Art.

Er schrie:

»Was habt ihr denn, ihr Halunken, gar nichts getan, ja dazu noch am Ende gar die ganze Sache verdorben! Ich werde euch den Kopf abreißen!«

Die Tulaer geben ihm zur Antwort:

»Ganz umsonst beleidigen Sie uns so — wir müssen von Ihnen, als dem Abgesandten des Kaisers, alle Beleidigungen erdulden. Deswegen aber, weil Sie an uns zweifelten und glaubten, daß wir sogar den kaiserlichen Namen zu betrügen fähig seien — werden wir Ihnen jetzt das Geheimnis unserer Arbeit nicht eröffnen. Geruhen Sie doch dieses Ding zum Kaiser zu bringen — er wird erkennen, was für Leute er an uns hat, und ob er sich unserer zu schämen braucht!«

Platow schrie:

»Nun, so lügt ihr denn, ihr Schufte! Ich werde mich aber von euch nicht so trennen, vielmehr wird einer von euch mit mir nach Petersburg fahren, und ich werde schon von ihm herausbekommen, was eure Schlauheiten sind!«

Damit streckte er die Hand aus, faßte mit seinen kurzen Fingern den schieläugigen Linkser am Kragen, so daß bei ihm alle Haken vom Rock abflogen, und stieß ihn zu sich in den Wagen, zu seinen Füßen.

»Sitze hier« — spricht er — »bis nach Petersburg, wie ein Pudel. Du wirst mir alle verantworten. Ihr aber«, spricht er zu den Boten, »jetzt heida! Sperrt nicht das Maul auf, damit ich übermorgen in Petersburg beim Zaren bin!«

Die Meister wagten nur für ihren Kameraden einzutreten: »Wie denn, Sie werden ihn von uns so ohne ein ‚Tugament‘ wegführen? Ihm wird es unmöglich sein, zurückzukommen!« Platow aber zeigte ihnen statt der Antwort nur die Faust, eine so furchtbare — sie ist rotbraun, ganz mit Narben bedeckt, und irgendwie zusammengewachsen — und drohend spricht er: »Da habt ihr das ‚Tugament‘!« Den Kosaken aber schrie er zu:

»Heida, Kinder!«

Die Kosaken, die Fuhrleute und die Pferde — alles begann gleichzeitig zu arbeiten, und man entführte den Linkser ohne Dokument; und einen Tag später, wie Platow befohlen hatte, fuhr man auch schon beim Palast des Zaren vor, und sogar galoppierend, wie es sich gehörte, fuhren sie bei den Säulen vorbei.

Platow stand auf, hing die Orden an und ging zum Kaiser, befahl aber den ihn begleitenden Kosaken, den schieläugigen Linkser beim Eingang zu bewachen.