Zwanzigstes Kapitel.

Vater Sava und die zwei Kasaken traten in die Krankenstube der Kerasivna, fanden sie im Bette liegen, über welchem Heiligenbilder an der Wand hingen, bitterlich weinend:

„Verzeihe mir, mein Herzenskind, mein liebes, unseliges, unglückliches Kind,“ wendete sie sich an Sava, „in meinem Herzen verschloß ich länger als dreißig Jahre meine eigene Schuld, welche auch auf Dir lastet ... ich lebte in dieser ganzen Zeit in beständiger Furcht, daß diese schwere Schuld im Traume offenbart werden könnte, diese Furcht ist Schuld daran, daß ich nicht zur Beichte ging, damit ich sie einer zweiten Person nicht mitteilen müßte, jetzt aber, nachdem es Gottes Wille ist mich von der Welt abzurufen und ich vor ihm zu erscheinen habe, jetzt muß ich alles bekennen.“

Möglicherweise riefen derartige Reden eine gewisse Unruhe bei Vater Sava hervor, weil er durch das so jäh herausgestoßene Geheimnis einer ihm unbewußten Schuld unangenehm berührt wurde, aber sich überwindend, frug er äußerlich ruhig:

„Und worin besteht die große Schuld?“

„In der großen Sünde, die ich verübte an Dir.“

„An mir?“ frug Sava erstaunt.

„Ja, an Dir! — Dein ganzes Leben habe ich Dir verdorben deshalb, weil, obzwar Dir die ganze heilige Schrift bekannt ist und Du zum Geistlichen geweiht wurdest, Du dennoch unwürdig bist das Priesterkleid zu tragen, denn Du bist — — nicht getauft!“

Es ist schwierig sich vorzustellen, welchen Eindruck der Schluß der Rede auf die Anwesenden und besonders den friedfertigsten und gütigsten aller Priester, den Popen Sava machte.

Anfänglich war er bereit, derartige Reden als die eines fieberkranken Menschen, eines Sterbenden, anzusehen, ja er lächelte sanft, indem er sagte:

„Rede doch nicht so, Patin: wie wäre es denn möglich, ich, ungetauft, da Du doch meine Patin bist?“

Kerasivna bewies aber, daß sie noch bei vollem Verstande sei, indem sie zur Antwort gab:

„Ich, Deine Patin? — — Lasse das! — Dich hat Niemand getauft ... Auf wen alle Schuld fällt, weiß ich nicht ... und konnte mir auch darüber mein Lebenlang nicht klar werden ... Ob alles das, was geschah, die Folge war unserer Sünden oder bloßer Zufall, oder ob der heilige Nikolaus allein der Schuldtragende ist ... ich weiß nicht ... Doch, schau, jetzt kommt der Vikarius mit dem Popen aus Peregudi ... Setze Dich neben mir hierher ... und ich werde euch, wie es geschah, daß Sava ungetauft geblieben, erzählen.“

Der Vikarius wollte zwar nicht anfangs zulassen, daß Sava und die Kasaken bei dieser Beichte zugegen seien, mußte aber nachgeben, nachdem Kerasivna darauf bestand und erklärte nur in Gegenwart dieser Anwesenden alles zu sagen, im anderen Falle aber nichts.

Und nun hört zu, was Kerasivna erzählte.