13. Von Hilfstruppen.

Die zweite Art unnützer Kriegsmacht sind die Hilfstruppen: nämlich, wenn ein Mächtigerer angerufen wird, dich mit seinen Waffen zu unterstützen und zu vertheidigen, so wie neuerlich Papst Julius, nach der traurigen Erfahrung mit gedungener Mannschaft, die er bei Ferrara gemacht hatte, den König Ferdinand von Arragonien anrief, daß er ihm mit seiner Armee zu Hilfe kommen möchte. Ein solches Heer kann wol für denjenigen, dem es angehört, etwas Nützliches ausrichten; aber dem, der es herbeiruft, ist es allemal nachtheilig: denn wird es geschlagen, so bist du überwunden; und siegt es, so bist du selbst ihr Gefangener. Die alte Geschichte ist auch von solchen Beispielen voll: ich will aber bei dem vom Papst Julius stehen bleiben, welches noch ganz neu ist. Dieser hätte keinen schlechtern Entschluß fassen können, als sich einem Fremden in die Arme zu werfen, um Ferrara zu erlangen. Zu seinem Glücke kam ein Drittes dazwischen, so daß ihn die Folgen dieses Fehlers nicht trafen. Da nämlich seine Verbündeten bei Ravenna geschlagen wurden, und die Schweizer aufstanden, welche gegen alle Erwartung die Sieger [pg 78]vertrieben, so fiel er weder in die Hände seiner Feinde, die eben geschlagen waren, noch seiner Freunde, weil Andere als sie den Sieg davongetragen hatten. Die Florentiner hatten selbst gar keine Armee, und führten zehntausend Franzosen vor Pisa, um es zu erobern: woraus für sie selbst größere Gefahr entstand, als worin sie sich jemals befunden hatten. Der Kaiser von Konstantinopel sandte zehntausend Türken nach Griechenland, um es gegen seine Nachbarn zu schützen. Nach beendigtem Kriege weigerten sie sich aber, es zu verlassen, und dies war der Anfang der Unterjochung von Griechenland durch die Ungläubigen. Wer sich selbst in die Lage setzen will, auf keine Weise den Sieg davontragen zu können, der bediene sich solcher Hilfstruppen. Mit ihnen ist der Untergang zum Voraus ganz zubereitet, denn sie sind unter einander einig, und im Gehorsame eines Andern. Gedungene Mannschaft hat doch, wenn sie schon gesiegt hat, noch etwas Zeit nöthig, und es müssen besondere Gelegenheiten entstehen: weil sie nicht ein eignes Corps ausmacht, von dir zusammengebracht und bezahlt ist, ein Dritter aber, den du ihnen zum Oberhaupte gibst, nicht augenblicklich so viel Ansehn erhält, dir schaden zu können. Kurz, das Gefährlichste ist bei Miethstruppen ihre Feigheit; bei Hilfstruppen ihre Tapferkeit. Jeder nur etwas kluge Fürst hat immer vermieden, sich solcher Mannschaft zu bedienen, und hat lieber mit eigner überwunden werden, als mit fremder siegen wollen; da er den Sieg, den er durch fremde errungen, nicht für wahren Gewinn halten konnte. Ich trage kein Bedenken, den Cäsar Borgia und seine Handlungen zum Beispiele anzuführen. Dieser Heerführer fiel mit französischen Soldaten in Romagna ein und eroberte mit ihnen Imola und Furli. Weil er diese Armee aber nicht sicher achtete, so wandte er sich zu Miethstruppen, die er für weniger gefährlich hielt, und nahm die Orsini und Vitelli in Sold. Da er auch diese bei der weitern Verhandlung unsicher, untreu und ge[pg 79]fährlich fand, so löste er sie ebenfalls auf und wandte sich zu eignen Leuten. Den Unterschied zwischen beiden Arten der Kriegsmacht kann man leicht einsehen, wenn man nur mit einander vergleicht, wie der Herzog angesehen ward, so lange er die Orsini und Vitelli hatte, und wie viel er gewann, sobald er mit eigner Mannschaft dastand. Zu großer Achtung gelangte er erst, als Jedermann sah, daß er völlig Herr über sein ganzes Heer war. Ich verlasse die neue italienische Geschichte ungern: doch kann ich nicht umhin, den Hiero von Syracus zu nennen, dessen ich schon oben gedacht habe. Die Syracusaner hatten ihn, wie ich bereits erwähnt, zu ihrem Heerführer erwählt. Er sah sogleich ein, daß ihm die Miethstruppen nichts nützen konnten, weil sie gleich wie unsre italienischen von eignen Anführern gedungen waren; da er sie nun weder behalten noch gehen lassen durfte, so ließ er sie insgesammt in Stücke hauen und führte darauf den Krieg blos mit eigner Mannschaft, ohne fremde Hilfe. Noch will ich an eine Begebenheit aus dem alten Testamente erinnern, die hier recht passend ist. Da sich David dem Saul anbot, den Philister Goliath auf seine Ausforderung zu bekämpfen, so gab ihm Saul seine Waffen, um ihm Muth zu machen. So wie David sie aber angethan hatte, so weigerte er sich und sagte, damit könne er sich auf sich selbst nicht verlassen, er wolle mit seinen eigenen Waffen kämpfen, und griff zu Schleuder und Messer. Kurz, fremde Waffen fallen ab, oder erdrücken durch ihre Last, oder erdrosseln dich selbst. Karl der Siebente, Vater Ludwig des Elften, erkannte, nachdem er Frankreich von den Engländern befreit hatte, die Nothwendigkeit eigner Waffen, und errichtete in seinem Lande die Gensd’armes und das Fußvolk. Sein Sohn Ludwig fing darauf an, das Fußvolk zu entlassen und statt dessen Schweizer zu besolden. Dieser Fehler nebst einigen andern, die bald nachfolgten, ward Ursache der großen Gefahr, in welche sein Reich gerieth. Denn er verschaffte da[pg 80]durch den Schweizern großen Ruf, und machte seine eigne Macht verächtlich, da er das Fußvolk auflöste und die Gensd’armes daran gewöhnte, gemeinschaftlich mit Schweizern zu fechten, so daß sie ohne diese nichts mehr auszurichten vermochten. Daher kommt es, daß Franzosen gegen Schweizer nichts vermögen, und ohne Schweizer gegen Andre ebenfalls nichts ausrichten können. Die französischen Heere sind also vermischt, halb gedungene, halb eigne Mannschaft. Das Alles zusammen ist viel besser, als blos gedungene, oder bloße Hilfstruppen: aber doch viel schlechter, als blos eigne. Das angeführte Beispiel ist hinreichend, denn das französische Reich würde unüberwindlich sein, wenn Karls Ordnung aufrecht erhalten und weiter ausgedehnt wäre: aber so machen es die Menschen. Sie fangen ohne viele Ueberlegung eine Sache an, die einigen guten Anschein hat, und achten nicht auf das verborgene Gift, so wie ich oben von der Schwindsucht gesagt habe. Der Fürst, der das Uebel erst alsdann erkennt, wenn es schon da ist, kann nicht für weise gehalten werden, was ja Wenigen gegeben ist. Wenn man dem Untergange des römischen Reiches nachspürt, so findet man den Anfang in der Maßregel, die Gothen zu besolden; denn damit ließ die Stärke des römischen Reiches nach, und alle Kräfte, die dieses verlor, gingen auf jene über. Ich schließe also, daß keine Herrschaft fest steht ohne eigne Waffen; denn wer keine Kraft hat, die ihn bei widrigen Schicksalen schützt, hängt blos vom Glücke ab. Es ist immer die Meinung weiser Männer gewesen, daß nichts so schwach und unbeständig sei, als der Ruf großer Macht, der nicht auf eignen Kräften beruht. Eigne Waffen aber sind solche, die von Unterthanen oder Bürgern geführt werden, auch selbstgeschaffene Heere. Alles Andere sind gedungene oder Hilfstruppen. Die beste Art, eigne Mannschaft anzuordnen, ist leicht auszufinden, wenn die oben von mir angegebenen Anordnungen erwogen werden, und wenn man erwägt, [pg 81]wie Philipp, Alexanders des Großen Vater, und viele andere Fürsten und Republiken es gemacht haben.

14. Was der Fürst im Kriegswesen zu beobachten hat.

Ein Fürst soll also nichts Anderes zu seinem Augenmerk nehmen, auf nichts Anderes denken, und zu seiner eignen Beschäftigung erwählen, als das Kriegswesen und die Einrichtung desselben; denn dies ist die einzige eigne Sache dessen, der befehlen will, und vermag so viel, daß sie nicht allein geborne Fürsten erhält, sondern auch manche Privatpersonen zur Herrschaft erhebt. Und im Gegentheil haben manche Fürsten die Herrschaft verloren, sobald sie die Wollüste dem Kriegshandwerke vorzogen. Die erste Ursache, die Herrschaft zu verlieren, ist es, wenn man den Krieg verachtet: das Mittel, sie zu erwerben, ist die Erfahrenheit in der Kriegskunst. Francesco Sforza ward durch seine Geschicklichkeit in derselben Herzog von Mailand; seine Söhne fielen durch ihre Abneigung gegen die Mühseligkeiten des Kriegs von der herzoglichen Würde wieder zurück in den Privatstand. Unter andern Uebeln, die die Abneigung gegen den Krieg mit sich führt, ist dies, daß sie Verachtung erregt: und dieses ist etwas, wofür sich der Fürst am allermeisten hüten muß, wie weiter unten mit Mehrerem gezeigt werden wird. Denn zwischen einem Bewaffneten und einem Unbewaffneten ist gar kein Verhältniß. Es ist unvernünftig zu erwarten, daß der Bewaffnete dem Unbewaffneten gehorchen werde, und daß der Unbewaffnete unter seinen bewaffneten Dienern sicher sein solle. Auf einer Seite Verachtung, auf der andern Argwohn: das kann zusammen unmöglich gut gehen. Ein Fürst, der den Krieg nicht versteht, ist außer andern Uebeln, wie gesagt, auch noch diesem unterworfen, daß er auf die Achtung seiner Leute keinen Anspruch machen und ihnen nicht trauen kann. Er darf daher dieses Kriegshandwerk niemals ver[pg 82]nachlässigen, und muß es im Frieden noch mehr üben, als im Kriege selbst; welches auf zweierlei Art geschehen kann: durch Thätigkeit und durch Nachdenken. Was das Erste betrifft, so muß er seine Mannschaft immer in guter Ordnung und in Uebung halten; selbst aber seinen Körper durch die Jagd abhärten, welche ihm außerdem Gelegenheit gibt, die verschiedene Beschaffenheit der Gegenden zu beobachten: zu lernen, wie die Berge sich erheben und die Ebenen laufen, wie Flüsse und Seen beschaffen sind, und dies Alles auf das Genaueste zu bemerken. Diese Kenntniß hat zweierlei Nutzen. Erstens lernt er sein eignes Land besser kennen, und die Mittel es zu vertheidigen. Zweitens erlangt er durch diese praktische Kenntniß die Fertigkeit, unbekannte Gegenden zu erforschen, an denen ihm gelegen ist; denn die Hügel, Berge, Thäler, Flüsse und Seen, z. B. in Toscana, haben einige Aehnlichkeiten mit denen in andern Ländern, so daß man durch die Bekanntschaft mit jenen auch diese leichter kennen lernt. Der Fürst, dem diese Geschicklichkeit fehlt, ermangelt eines Haupterfordernisses des Feldherrn; denn hierdurch lernt man den Feind aufsuchen, Lager auswählen, Armeen führen, Schlachten anordnen und mit Vortheil Belagerungen anfangen. Unter andern Lobsprüchen, welche die Schriftsteller dem achäischen Feldherrn Philopömen ertheilen, ist auch dieser begriffen, daß er im Frieden immer an den Krieg dachte, und wenn er sich mit seinen Freunden im freien Felde befand, oft mit ihnen Betrachtungen darüber anstellte, wer im Vortheile sein würde, wenn der Feind auf jenem Hügel stände, und wir hier mit unserm Heere wären? Wie er alsdann mit Beibehaltung der Schlachtordnung sicher anzugreifen sei? Was müßte geschehen, wenn wir uns zurückziehen wollten? Was hätten wir zu thun, um ihn zu verfolgen, wenn er sich zurückzöge? Auf Spaziergängen legte er ihnen alle Fälle vor, die bei einem Heereszuge vorkommen können, hörte ihre Meinung, sagte ihnen die seinige und unterstützte [pg 83]diese mit Gründen: so daß nach so vielen Betrachtungen fast kein Zufall im Felde sich ereignen konnte, der nicht zum Voraus erwogen wäre. Was die Bildung des Geistes anlangt, so muß der Fürst die Geschichte lesen und die Handlungen ausgezeichneter Männer betrachten; erwägen, wie sie sich im Kriege benommen haben, die Ursachen ihrer Siege und Niederlagen erforschen, um diese zu vermeiden, jene nachzuahmen; und vor allen Dingen es so zu machen suchen, wie irgend ein großer Mann, den er sich zum Muster vorgestellt hat, vor ihm gehandelt; so wie man sagt, daß Alexander der Große den Achilles, Cäsar den Alexander, Scipio den Cyrus zum Vorbilde gewählt habe. Wer Xenophons Leben des Cyrus gelesen hat, wird im Leben des Scipio erkennen, wie viel Ruhm diesem die Nachahmung gebracht, und wie sehr Scipio sich bemüht hat, in der Enthaltsamkeit, Leutseligkeit, Menschlichkeit und Freigebigkeit das zu erreichen, was Xenophon vom Cyrus meldet. Auf solche Art muß ein weiser Fürst die Muße benutzen; nicht aber im Frieden müßig gehen, sondern sich durch Anstrengung einen Schatz sammeln, den er im Unglücke gebrauchen könne, damit das Glück, wenn es sich wendet, ihn vorbereitet finde, seinen Schlägen zu widerstehen.

15. Wodurch die Fürsten Lob und Tadel erwerben.

Es erübrigt noch die Untersuchung, wie der Fürst sich gegen seine Untergebenen und gegen seine Freunde benehmen müsse. Und da dieses schon von Manchen abgehandelt worden, so besorge ich, es werde mir zum Uebermuthe angerechnet werden, daß ich ebenfalls von der Sache rede, insbesondere da ich von meinen Vorgängern abweiche. Da aber meine Absicht darauf gerichtet ist, etwas für den, der es versteht, Nützliches zu schreiben, so scheint es mir schicklicher, die Wahrheit so darzustellen, wie sich dieselbe in der Wirklichkeit findet, als den Einbildungen jener zu folgen: [pg 84](denn manche Schriftsteller haben Republiken und Fürstenthümer erdacht, dergleichen niemals gesehen worden, oder in der Wahrheit gegründet gewesen sind) weil ein so großer Unterschied vorhanden ist unter dem, was da geschieht, und dem, was geschehen sollte; daß derjenige, der das Erste vernachlässigt und sich nur nach dem Letzten richtet, seinen Untergang eher als seine Erhaltung bereitet. Jemand, der es darauf anlegt, in allen Dingen moralisch gut zu handeln, muß unter einem Haufen, der sich daran nicht kehrt, zu Grunde gehen. Daher muß ein Fürst, der sich behaupten will, sich auch darauf verstehen, nach Gelegenheit schlecht zu handeln, und dies thun oder lassen, so wie es die Nothwendigkeit erfordert. Mit Hintansetzung alles dessen, was über erdichtete Fürsten vorgebracht worden, und um bei der Wahrheit zu bleiben, sage ich, daß allen Menschen, von denen geredet wird, und vorzüglich den Fürsten, die so viel höher stehen als andre, gewisse Eigenschaften beigelegt werden, die mit Lob oder Tadel verbunden sind. Einer gilt für freigebig, der andere für filzig,[17] einer liebt zu geben, der andre zu rauben; einer ist grausam, der andre mitleidig; einer treulos, der andre zuverlässig; einer weibisch und feig, der andre muthig und wild; einer menschenfreundlich, der andre übermüthig; einer wollüstig, der andre keusch und züchtig; einer aufrichtig, der andre listig; einer hartherzig, der andre nachgibig; einer ernsthaft, der andre leichtsinnig; einer religiös, der andre ungläubig und so weiter. Ich weiß wohl, daß Jedermann eingestehen wird, es sei wünschenswerth die Fürsten möchten von allen obbenannten Eigenschaften die lobenswerten besitzen: da aber die Beschaffenheit der menschlichen Natur nicht verstattet, [pg 85]dies zu erwarten, und alle jene Vorschriften zu befolgen, so ist es nothwendig, klug genug zu sein, um den übeln Ruf solcher Laster zu vermeiden, über welche die Herrschaft verloren gehen könnte; vor den Fehlern aber, welche solche Folgen nicht haben, muß man sich zwar hüten, wenn es möglich ist; allenfalls aber kann man sich sogar ohne viele Vorsicht darin gehen lassen. Endlich muß man sich nicht so ängstlich vor dem bösen Rufe solcher Untugenden hüten, ohne welche man schwerlich die Herrschaft behauptet; denn wenn man die Sachen genau betrachtet, so gibt es anscheinende Tugenden, bei denen man zu Grunde geht; und anscheinende Fehler, auf denen die Sicherheit und Fortdauer des Wohlbefindens beruht.

16. Von der Freigebigkeit und dem Geize.

Ich fange mit der ersten unter den obgedachten Eigenschaften an, und behaupte, daß es gut ist, für freigebig zu gelten. Hingegen wird die Freigebigkeit, die du so ausübst, daß du nicht dafür giltst, schädlich sein. Denn wird sie nur recht tüchtig ausgeübt, und wie es recht ist, aber nicht recht bekannt, so vermeidet man damit nicht einmal den üblen Ruf des Gegentheils. Um den Namen eines Freigebigen unter den Menschen zu behaupten, muß man alle Art von Aufwand machen. Damit verzehrt ein Fürst Alles, was er hat, und wird zuletzt genöthigt, um den Namen des Freigebigen aufrecht zu halten, seine Unterthanen mit Auslagen zu beschweren, und alle Wege einzuschlagen, um Geld zu bekommen. Das macht ihn bei seinen Unterthanen verhaßt, und sobald er in Geldnoth geräth, wird er verächtlich. Seine Freigebigkeit hat Wenige bereichert, seine Verschwendung aber drückt Viele, und er kommt darüber bei der ersten Verlegenheit in Gefahr. Sieht er dies ein und will zurückziehen, so kommt er in den bösen Ruf der Filzigkeit. Da der Fürst also nicht auf solche Art freigebig sein darf, daß es in die Augen falle und bekannt [pg 86]werde, so muß er den Ruf des Geizes nicht fürchten. Mit der Zeit wird er schon wieder für freigebig gelten, wenn man sieht, daß bei seiner Sparsamkeit die gewöhnlichen Einkünfte zureichen; daß er die Kosten eines Krieges, womit er etwa überzogen wird, bestreiten kann, ohne die Unterthanen zu beschweren, so daß er am Ende freigebig gegen den großen Haufen ist, dem er das Seinige läßt, und geizig nur gegen die Wenigen, die nichts von ihm erhalten. Wir haben zu unsern Zeiten gesehen, daß nur diejenigen große Dinge andichteten, die für geizig galten; die Andern aber zu Grunde gingen. Papst Julius der Zweite hatte den Namen der Freigebigkeit durch das Betragen erworben, wodurch er sich auf den päpstlichen Stuhl schwang: nachdem er ihn bestiegen hatte, dachte er nicht mehr daran, um sich vielmehr nur zum Kriege gegen Frankreich vorzubereiten. Er hat auch wirklich so viele Kriege geführt, ohne außerordentliche Auflagen zu machen. Seine lange Sparsamkeit schaffte Rath zu allen ungewöhnlichen Ausgaben. Wenn der jetzige König von Spanien (Ferdinand der Katholische) für freigebig hätte gelten wollen, so hätte er nicht so viele Unternehmungen ausführen können. Ein Fürst, der solche Wirthschaft führt, daß er nicht nöthig hat seine Unterthanen auszuplündern, um sich zu vertheidigen, daß er nicht zu besorgen hat, arm und verachtet zu werden, daß er nicht in Gefahr geräth, aus Noth habsüchtig zu werden, darf nicht fürchten für geizig zu gelten: denn das ist eine Untugend, auf der die Sicherheit seiner Herrschaft beruht. Und wenn Jemand sagen sollte, daß Cäsar durch seine Freigebigkeit zur Herrschaft gelangt sei, und daß viele Andre durch diesen Ruf sich sehr hoch geschwungen haben, so antworte ich Folgendes: entweder du bist schon gemachter Fürst, oder auf dem Wege es zu werden. Im ersten Falle ist die Freigebigkeit nachtheilig, im zweiten ist es zwar nöthig, für freigebig zu gelten, und von der Art war Cäsar, der die Herrschaft von Rom zu erlangen strebte: hätte er [pg 87]aber länger gelebt, ohne diese Weise zu handeln abzulegen, so hätte er seine Herrschaft selbst zerstört. Auf die Antwort, daß viele freigebige Fürsten mittelst ihrer Kriegsheere große Dinge ausgerichtet haben, erwidere ich: der Fürst vergeudet entweder das Seinige und das Gut seiner Unterthanen, oder fremdes. Im ersten Falle sollte er sparsam sein; im zweiten muß er auf alle Weise den Namen der Freigebigkeit suchen; denn der Fürst, der mit einem Heere auszieht, welches vom Raube, Plünderung, Brandschatzung lebt, und fremdes Gut an sich bringt, muß wol freigebig sein: sonst fände er keine Soldaten, die mit ihm ausziehen. Wenn du nicht dein eignes oder deiner Unterthanen Gut vergeudest, so magst du wol freigebig sein, wie Cyrus, Cäsar und Alexander: fremdes Gut durchbringen, macht keinen schlechten Namen, sondern das Gegentheil. Nur die Verschwendung des eignen schadet. Keine Sache verzehrt sich selbst, so wie die Freigebigkeit. Indem du sie übst, verlierst du die Kraft dazu, und wirst entweder arm oder niederträchtig, oder um der Armuth zu entgehen, räuberisch und dadurch verhaßt. Unter allen Dingen, die ein Fürst vermeiden muß, steht oben an, verachtet und verhaßt zu sein, und die Freigebigkeit führt zu Beidem. Es ist daher weiser, sich als geizig verschreien zu lassen, was freilich einen schlechten Namen macht, jedoch ohne Haß zu erzeugen, als um des Rufes der Freigebigkeit willen als räuberisch berüchtigt und dabei verhaßt zu werden.

17. Von der Grausamkeit und Milde.

Ich gehe weiter zu den übrigen oben benannten Tugenden und sage, daß jeder Fürst suchen müsse, für mitleidig gehalten zu werden, jedoch aber so, daß er diese Tugend nicht übel anwende. Cäsar Borgia galt für grausam. Diese Grausamkeit hatte die Provinz Romagna zusammen gehalten, in Einigkeit, in Frieden und in treuer Unterwürfigkeit. Erwägt man es genau, so wird man finden, daß [pg 88]dies viel menschlicher war, als das Betragen der Florentiner, die zugaben, daß Pistoja zerstört ward, um nicht für grausam zu gelten. Ein Fürst muß daher den Ruf der Grausamkeit nicht scheuen, um seine Unterthanen in Gehorsam und Einigkeit zu erhalten. Es ist mehr Gelindigkeit darin, wenige Strafen zu verfügen, als durch unzeitige Nachsicht Unordnungen zu veranlassen, welche Mord und Raub erzeugen, die ganze Gemeinwesen treffen, wohingegen die Straferkenntnisse der Fürsten nur Einzelne drücken. Unter allen Fürsten kann der neue am wenigsten den Namen der Grausamkeit vermeiden, weil seine Lage voll Gefahren ist, und daher Virgil der Dido zur Entschuldigung ihrer strengen Regierung Folgendes in den Mund legt:

„Res dura et regni novitas me talia cogunt

Moliri, et late fines custode tueri.“

Dennoch muß er nicht leicht glauben und sich in Bewegung setzen; sich auch nicht von selbst fürchten, sondern mit Klugheit und Menschenfreundlichkeit mäßig verfahren, so daß ihn weder zu vieles Zutrauen unvorsichtig, noch zu vieles Mißtrauen unerträglich mache. Hieraus entsteht eine Streitfrage, ob es besser sei, geliebt oder gefürchtet zu werden. Ich antworte, daß beides gut ist; da aber schwer ist, beides mit einander zu verbinden, so ist es viel sichrer, gefürchtet zu werden, als geliebt, wenn ja eines von beiden fehlen soll. Denn man kann im Allgemeinen von den Menschen sagen, daß sie undankbar, wankelmüthig, verstellt, feig in der Gefahr, begierig auf Gewinn sind: so lange du ihnen wohlthust, sind sie dir ganz ergeben, wollen Gut und Blut für dich lassen, ihr eignes Leben aufopfern, das Leben ihrer Kinder (wie ich schon gesagt habe), so lange die Gefahr entfernt ist; kommt sie aber näher, so empören sie sich. Der Fürst, der sich auf ihre Worte verlassen und keine andren Zurüstungen gemacht hat, geht zu Grunde: denn die erkauften Freundschaften, so da nicht durch Größe des Geistes und Edelmuth erworben sind, haben zwar guten [pg 89]Grund, halten aber doch nicht vor, wenn es Noth thut. Die Menschen machen sich weniger daraus, den zu beleidigen, der sich beliebt macht, als den, der gefürchtet wird; denn die Zuneigung der Menschen beruhet auf einem Bande der Dankbarkeit, das wegen der schlechten Beschaffenheit der menschlichen Natur abreißt, sobald der Eigennutz damit in Streit geräth: die Furcht aber vor Züchtigung läßt niemals nach. Doch muß der Fürst sich auf solche Art fürchten machen, daß er nicht verhaßt werde; denn es kann recht gut mit einander bestehen, gefürchtet zu sein und nicht gehaßt. Hierzu ist vornehmlich erforderlich, daß er sich der Eingriffe in das Vermögen seiner Bürger und Unterthanen, und ihrer Weiber enthalte. Ist es ja nothwendig, einem das Leben zu nehmen, so geschehe es so, daß die gerechte Ursache am Tage liege. Vor allen Dingen aber enthalte er sich, das Vermögen der Unterthanen anzutasten, denn die Menschen verschmerzen allenfalls noch eher den Tod des Vaters, als den Verlust des Vermögens. Auch fehlt es niemals an Veranlassungen, das Vermögen zu nehmen. Wer einmal anfängt so zu plündern, findet immer Ursachen, den Nächsten ebenfalls anzugreifen: die Veranlassungen zum Blutvergießen sind seltner, und es fehlt leichter daran. Hat der Fürst aber ein großes Heer beisammen, so darf er den Ruf der Grausamkeit nicht fürchten; denn ein Kriegsheer kann ohne das nicht wohl beisammen und in Gehorsam erhalten werden. Unter die bewunderungswürdigen Thaten des Hannibal wird vorzüglich gezählt, daß er ein großes, aus unendlicher Mannichfaltigkeit von Menschengeschlechtern zusammengesetztes Heer in fremde Länder geführt, ohne daß jemals ein Aufstand oder Zwistigkeit unter ihnen entstanden wäre, und zwar so wenig im Unglücke als im Glücke. Dies kann nur von seiner unmenschlichen Grausamkeit herrühren, die ihn in Verbindung mit seinen unendlichen großen Eigenschaften ehrwürdig und furchtbar machte, was ja durch die übrigen allein nicht geschehen [pg 90]wäre. Unüberlegte Schriftsteller bewundern seine Handlungen und tadeln auf der andern Seite die Ursachen derselben. Daß dem wirklich also gewesen, beweist das Beispiel des Scipio, der ein in seinen und in allen Zeiten so seltnes Beispiel aller Tugenden gab, und dessen Kriegsheer in Spanien dennoch rebellirte; was keine andre Ursache gehabt hat, als seine Milde, die den Soldaten mehr Freiheit zugestand, als mit der militärischen Zucht vereinbar ist. Fabius Maximus warf ihm dies im Senate vor und nannte ihn deswegen den Verderber der römischen Kriegszucht. Als einer seiner Unterbefehlshaber die Locrenser vernichtete, machte er diesem keinen Vorwurf darüber, und strafte ihn nicht: auch dieses rührte von seiner allzunachsichtigen Gemüthsart her. So daß Jemand im Senate ihn damit entschuldigte, es gebe Menschen, die besser wüßten, selbst nie zu fehlen, als die Fehler Andrer zu bestrafen. Diese Gemüthsbeschaffenheit würde am Ende den Ruhm des Scipio befleckt haben, wenn er hätte fortfahren sollen, den Befehlshaber zu machen. Da er aber unter der Regierung eines Senates lebte, so verschwand der Fehler nicht nur, sondern gereichte ihm noch zum Ruhme. Ich komme zum Beschlusse auf meine Behauptung zurück und fasse sie also: da die Liebe der Menschen von ihrer Neigung, ihre Furcht aber vom Betragen des Fürsten abhängt, so muß der weise Fürst es nicht auf die Neigungen Andrer ankommen lassen, sondern auf das achten, was von ihm abhängt; nur muß er vermeiden, sich verhaßt zu machen.

18. In wie fern ein Fürst sein Wort halten muß.

Jedermann weiß, wie lobenswürdig es ist, wenn ein Fürst sein Wort hält und rechtschaffen lebt, nicht mit List. Dennoch sieht man aus der Erfahrung unsrer Tage, daß diejenigen Fürsten, welche sich aus Treu und Glauben wenig gemacht haben, und mit List die Gemüther der Menschen zu bethören verstanden, große Dinge ausgerichtet, und [pg 91]am Ende diejenigen, welche redlich handelten, überwunden haben. Wisset also, daß es zwei Arten gibt, zu kämpfen: eine durch die Gesetze, die andre durch Gewalt – das Erste ist die Sitte der Menschen; das Zweite die Weise der Thiere. Oft aber reicht das Erste nicht zu, und so muß zu der zweiten Manier gegriffen werden. Einem Fürsten ist daher nöthig, den Menschen und das reißende Thier spielen zu können. Diese Lehre wird von den Alten dadurch angedeutet, daß sie berichten, wie Achilles und viele andre Helden vom Centauren Chiron aufgezogen und unterwiesen worden. Einen solchen Lehrer haben, halb Mensch, halb Thier, heißt nichts Anderes, als daß ein Fürst beide Naturen, die menschliche und die thierische, gut zu gebrauchen wissen soll, weil eine ohne die andre nicht lange besteht.[18] Weil es denn nothwendig ist, daß der Fürst sich darauf verstehe, die Bestie zu spielen, so muß er Beides davon nehmen, den Fuchs und den Löwen; denn der Löwe entgeht den Schlingen nicht, und der Fuchs kann sich gegen den Wolf nicht wehren. Die Fuchsgestalt ist also nöthig, um die Schlingen kennen zu lernen, und die Löwenmaske, um die Wölfe zu verjagen. Diejenigen, welche sich allein darauf legen, den Löwen zu spielen, verstehen es nicht. Ein kluger Fürst kann und darf daher sein Wort nicht halten, wenn die Beobachtung desselben sich gegen ihn selbst kehren würde, und die Ursachen, die ihn bewogen haben es zu geben, aufhören. Wenn die Menschen insgesammt gut wären, so würde dieser Rath nichts werth sein. Da sie aber nicht viel taugen und ihr Wort gegen dich nicht halten, so hast du es ihnen auch nicht zu halten: und einem Fürsten kann es nie an Vorwand fehlen, es zu beschönigen, wenn er es bricht. Hiervon könnte man viele neue Beispiele anführen und zeigen, wie viele Friedensschlüsse, wie viele Ver[pg 92]sprechungen durch die Untreue der Fürsten vereitelt sind, und daß derjenige, der den Fuchs am besten zu spielen gewußt hat, auch am weitesten kommt. Aber es ist nothwendig, sich darauf zu verstehen, wie diese Eigenschaft beschönigt wird, stark in der Kunst zu sein, sich zu verstecken und zu verlarven. Die Menschen sind so einfältig und hängen so sehr von dem Drucke des Augenblicks ab, daß derjenige, der sie hintergehen will, allemal Jemand findet, der sich betrügen läßt. Ein einziges neues Beispiel will ich anführen. Papst Alexander der Sechste that gar nichts Anderes als betrügen, dachte an nichts Anderes und fand immer Leute, die sich anführen ließen. Niemals hat Jemand eine größere Fertigkeit gehabt, zu versichern und mit großen Schwüren zu betheuern, und weniger zu halten. Dennoch gelangen ihm seine Anschläge, Hinterlisten nach Wunsch, weil er die Welt von dieser Seite gut kannte. Ein Fürst muß also nicht die vorhin beschriebenen Tugenden haben, wol aber das Ansehn davon. Ich wage es zu behaupten, daß es sehr nachtheilig ist, stets redlich zu sein: aber fromm, treu, menschlich, gottesfürchtig, redlich zu scheinen ist sehr nützlich. Man muß sein Gemüth so bilden, daß man, wenn es nothwendig ist, auch das Gegentheil davon vorbringen könne. Ein Fürst, und absonderlich ein neuer Fürst, kann nicht immer alles das beobachten, was bei andern Menschen für gut gilt; er muß oft, um seinen Platz zu behaupten, Treue, Menschenliebe, Menschlichkeit und Religion verletzen. Er muß also ein Gemüth besitzen, das geschickt ist, sich so, wie es die Winde und abwechselnden Glücksfälle fordern, zu wenden, und zwar nicht eben den geraden Weg allemal verlassen, so oft es Gelegenheit dazu gibt; wol aber den krummen Weg betreten, wenn es sein muß. Ein Fürst muß sich daher wohl hüten, daß nie ein Wort aus seinem Munde gehe, das nicht von obgedachten fünf Tugenden zeugt. Alles, was von ihm herkommt, muß Mitleid, Treue, Menschlichkeit, Redlichkeit, [pg 93]Frömmigkeit athmen. Nichts aber ist nothwendiger, als der Schein der letztgenannten Tugend. Denn die Menschen urtheilen im Ganzen mehr nach den Augen, als nach dem Gefühle. Die Augen hat Jeder offen; Wenige haben richtiges Gefühl. Jeder sieht, was du zu sein scheinst; Wenige merken, wie du beschaffen bist, und diese Wenigen wagen es nicht, der Stimme des großen Haufens zu widersprechen, dem der Glanz großer Würde immer für einen Grund der Bewunderung gilt. Bei den Handlungen der Menschen, absonderlich der Fürsten, welche keinen Gerichtshof über sich anerkennen, wird immer auf den Endzweck gesehen. Der Fürst suche also nur sein Leben und seine Gewalt zu sichern: die Mittel werden immer für ehrenvoll gelten und von Jedermann gelobt werden, denn der große Haufe hält es stets mit dem Scheine und mit dem Ausgange. Die ganze Welt ist voll von Pöbel, und die wenigen Klügern kommen nur zu Worte, wenn es dem großen Haufen, der in sich selbst keine Kraft hat, an einer Stütze fehlt. Ein Fürst unsrer Zeit, den ich besser nicht nenne,[19] predigt nichts als Frieden und Treue, und wäre doch um seine Herrschaft gekommen, wenn er sie selbst beobachtet hätte.

19. Verachtung und Haß sind zu vermeiden.

Nachdem ich von den wichtigsten der aufgezählten Eigenschaften ausführlich gehandelt, so will ich die übrigen hier in die allgemeine Lehre zusammenfassen, daß der Fürst (so wie zum Theil im Einzelnen schon gesagt ist) Alles vermeiden muß, was ihn gehässig oder verächtlich machen kann; und so oft er dies vermeidet, wird er das Seinige gethan haben, und alle übrige üble Nachrede kann ihm keine Gefahr bringen. Verhaßt macht ihn vor allem Andern (wie bereits erwähnt worden), wenn er räuberisch ist, und das Vermögen und die Weiber seiner Unterthanen angreift, [pg 94]deren er sich enthalten sollte. So lange der Menschen Vermögen und Ehre nicht angetastet wird, so lange leben sie zufrieden, und es ist nur der Ehrgeiz einiger Wenigen zu bekämpfen, welche auf mancherlei Art leicht im Zaume zu halten sind. Verächtlich wird derjenige, der für wankelmüthig, leichtsinnig, weibisch, kleinmüthig, unentschlossen gilt: dieses muß ein Fürst vermeiden, wie eine Klippe; und sich bemühen, in seinen Handlungen eine gewisse Größe, Muth, Ernst und Stärke zu zeigen. In allen Verhandlungen mit den Unterthanen muß er von sich die Meinung zu erregen suchen, daß seine Entschlüsse unwiderruflich seien: und sich in solcher Achtung erhalten, daß Niemand es wage, ihn zu hintergehen oder zu bestricken. Der Fürst, der in diesem Ansehn steht, hat Ruf genug, und gegen ihn wird schwerlich eine Verschwörung angezettelt. Es greift ihn nicht leicht Jemand an, sobald man weiß, daß er große Eigenschaften hat und von den Seinigen geachtet wird. Ein Fürst hat nur zwei Dinge zu fürchten: eines im Innern von den Unterthanen; das andre von Außen von fremden Mächten. Gegen diese wehrt man sich mit guter Kriegsmacht, und wer die hat, dem kann es nie an Freunden fehlen: im Innern wird er stets Ruhe erhalten, so lange von Außen Alles sicher ist, es wäre denn, daß eine Verschwörung entstände; und wird er von Außen angegriffen, hat aber Alles angeordnet und so gehandelt, wie ich gesagt habe, so wird er, bleibt er sich selbst nur getreu, alle Anfälle abwehren, so wie Nabis der Spartaner. Aber von den Unterthanen ist auch bei äußerer Ruhe eine Verschwörung zu fürchten, gegen welche der Fürst sich sichert, wenn er Haß und Verachtung vermeidet und das Volk zufrieden stellt. Dies ist aber nothwendig, wie gezeigt worden. Eines der kräftigsten Mittel gegen Verschwörungen ist es, allgemeinen Haß und Verachtung des Volks zu vermeiden; denn wer Verschwörungen anzettelt, glaubt immer, durch den Tod des Fürsten das Volk zufrieden zu stellen. [pg 95]Wer hingegen weiß, daß er dieses dadurch beleidigen wird, wagt es nicht, solche Dinge zu unternehmen: denn die Schwierigkeiten sind unendlich auf Seiten der Verschwornen. Die Erfahrung zeigt, daß viele Verschwörungen gemacht, wenige aber gelungen sind; denn wer sie unternimmt, kann allein nichts ausrichten; Hilfe kann er nur bei denen suchen, die er für unzufrieden hält. Sobald du aber einem Mißvergnügten deine Absichten entdeckt hast, so gibst du ihm das Mittel, seine eignen Wünsche zu befriedigen, denn er mag von der Verrätherei des Anschlags allen Vortheil hoffen. Wenn er sichern Gewinn von dieser Seite sieht, und von der andern Ungewißheit und Gefahr, so muß er eine seltne Treue der Freundschaft gegen seinen Mitgenossen, oder eingewurzelten Haß gegen den Fürsten haben, wenn er dir Wort halten soll. Kurz, auf Seiten der Verschwornen ist nichts als Furcht, Eifersucht, Argwohn, welche Alles lähmen; auf Seiten des Fürsten ist das Ansehn der fürstlichen Würde, die Gesetze, Schutz der Freunde und der öffentlichen Gewalt, so daß, wenn hier noch die Zuneigung des Volks hinzukommt, es unmöglich ist, daß Jemand so tollkühn sei, eine Verschwörung anzufangen. Gewöhnlich haben die Verschwornen vor der Ausführung ihres Anschlags Uebles zu fürchten: nach derselben müssen sie auch noch alsdann, wenn Alles gelingt, das Volk fürchten, und es bleibt ihnen daher keine Zuflucht. Ich könnte unzählige Beispiele davon anführen; es ist aber mit Einem genug, welches sich zur Gedenkzeit unsrer Väter ereignet hat. Annibal Bentivoglio, Fürst von Bologna und Großvater des jetztlebenden Herrn Annibal, ward von der Partei der Canni in einer Verschwörung ums Leben gebracht. Er hinterließ ein einziges Kind in den Windeln, den Giovanni. Gleich nach dem Morde stand das Volk auf und brachte die ganze Partei der Verschwornen um. Das war die Wirkung der Zuneigung des Volks von Bologna gegen die Familie Bentivoglio, welche damals so groß war, daß die Bologneser, [pg 96]in Ermangelung eines Andern von der Familie, der nach Annibals Tode den Staat hätte regieren können, nach Florenz kamen, wo ein Sprößling des Hauses Bentivoglio sich aufhielt, der aber für den Sohn eines Schmieds galt, um diesem die Regierung zu übertragen, die er auch wirklich geführt hat, bis Herr Giovanni das hinreichende Alter erreicht hatte.[20] Ich schließe also, daß ein Fürst Verschwörungen wenig zu fürchten hat, so lange ihm das Volk gewogen ist. Wenn er demselben aber verhaßt ist, so muß er Alles und jeden Menschen fürchten. Wohlgeordnete Staaten und weise Fürsten haben daher immer mit der größten Sorgfalt zu vermeiden gesucht, daß die Großen nicht in Verzweigung fallen, das Volk aber zufrieden bleibe; denn dieses ist eine der wichtigsten Sorgen des Regenten. Unter den wohlgeordneten und regierten Reichen unsrer Zeit ist Frankreich zu nennen, wo sich unzählige gute Anstalten finden, von denen die Sicherheit und Freiheit des Königs abhängt. Unter diesen ist die erste das Parlament und sein Ansehn. Wer dieses gegründet hat, kannte den Uebermuth der Großen und ihre Dreistigkeit: er sah die Nothwendigkeit, ihnen einen Zaum anzulegen. Auf der andern Seite kannte er den Haß des Volks gegen die Großen, der von der Furcht herrührt. Um dasselbe sicher zu stellen, dem Könige aber die üblen Folgen abzunehmen, die von den Großen zu besorgen waren, wenn er das Volk begünstigte, und von dem Volke, sobald er die Großen begünstigte, so ordnete er einen dritten Richter an, der ohne Beschwerde des Königs die Großen niederhalten und das Volk schützen [pg 97]konnte. Es ließ sich keine bessere Ordnung für die Sicherheit des Reichs und des Königs ausdenken. Hieraus ist noch eine Lehre zu ziehen: daß die Fürsten alle harten Maßregeln durch Andre ausführen lassen, Gnadensachen aber für sich selbst behalten müssen. Ferner schließe ich, daß ein Fürst den Großen mit Achtung begegnen solle, jedoch ohne das Volk zum Hasse zu reizen. Es mag vielleicht Manchem scheinen, daß das Beispiel der römischen Kaiser diesem widerspreche, da doch mehrere, die vortrefflich regiert und vorzügliche Kraft des Geistes gezeigt hatten, durch Verschwörungen den Thron oder gar das Leben verloren haben. Diesem Einwurfe zu begegnen, will ich den Charakter einiger Imperatoren durchgehen, und die Ursachen ihres Falles anzeigen, welche demjenigen nicht widersprechen, was ich oben gesagt habe. Dabei werde ich zum Theil erinnern, was dem, der die Geschichte jener Zeit liest, bemerkenswerth sein muß. Es ist für mich hinreichend, die Imperatoren, welche vom Marcus Antoninus an bis auf Maximinus regiert haben, durchzugehen. Marcus, sein Sohn Commodus, Pertinax, Julianus, Severus, Antoninus Caracalla, Sohn des Vorigen, Macrinus, Heliogabalus, Alexander und Maximinus. Zuerst ist zu bemerken, daß, wenn in andern Reichen nur der Ehrgeiz der Großen und die Zügellosigkeit des Volks zu bekämpfen ist, die römischen Imperatoren noch eine dritte Schwierigkeit vor sich fanden, welche in der Habsucht und der Wildheit der Kriegsmacht bestand. Diese Sache hat solche Schwierigkeit, daß sie Ursache des Unterganges einiger Kaiser wurde; weil es schwer ist, die Soldaten zufrieden zu stellen und das Volk zugleich mit: denn das Volk wünscht Ruhe und liebt deswegen die Fürsten von gemäßigter Denkungsart: die Soldaten aber lieben kriegerische, übermüthige, grausame, raubsüchtige Fürsten. Sie verlangten Personen von solcher Gemüthsart zu Imperatoren, um doppelten Sold zu erhalten und ihren Geiz und grausame Gemüthsart zu befriedigen. Daher [pg 98]mußten alle Imperatoren, die nicht von Natur oder durch ihre Bestrebungen sich ein Ansehn zu verschaffen wußten, welches Alles Jene im Zaume zu halten vermochte, zu Grunde gehen. Die meisten von ihnen, insbesondere die aus dem Privatstande waren, bemühten sich, wenn sie diese Schwierigkeiten fühlten, nur die Soldaten zufrieden zu stellen, und achteten wenig auf die Bedrückung des Volks. Dies war nothwendig. Denn wenn Fürsten es nicht vermeiden können, den Haß des einen oder andern Theils auf sich zu laden, so müssen sie doch alle Sorgfalt anwenden, daß es nicht von beiden zugleich geschehe. Ist es einmal unvermeidlich, von einer Partei gehaßt zu werden, so sei es doch wenigstens nicht von der mächtigsten. Die Imperatoren, welche zur neuen Herrschaft aufstiegen, und desfalls außerordentlicher Gunst bedurften, machten sich daher lieber einen Anhang unter den Soldaten als im Volke, welches ihnen aber doch nur in so fern etwas nützte, als sie ihr Ansehn bei den Letztern zu erhalten vermochten. Aus diesen Ursachen nahmen diejenigen, welche von milder Gemüthsart, Gerechtigkeit liebend, der Grausamkeit abgeneigt, menschenfreundlich und leutselig waren, nämlich Marcus, Pertinax und Alexander, den einzigen Marcus ausgenommen, ein gewaltsames Ende. Marcus allein lebte und starb geehrt, weil er durch Erbrecht den Thron bestiegen hatte, und ihn weder den Soldaten noch dem Volke verdankte. Außerdem war er durch so viele Tugenden ehrwürdig, wußte beide Stände während seiner ganzen Regierung in ihren Grenzen zu halten und machte sich nie verhaßt oder verächtlich. Pertinax aber ward gegen den Willen der Soldaten gewählt, welche unter dem Commodus an Zügellosigkeit gewöhnt, das ordentliche Leben, welches Pertinax einführen wollte, unerträglich fanden. Dies erzeugte Haß. Dazu kam Geringschätzung wegen seines Alters, und so ging er, gleich nachdem er die Regierung angetreten, zu Grunde. Es ist bemerkenswerth daß Haß durch gute Hand[pg 99]lungen sowol als durch schlechte erregt werden kann. Ein Fürst, der sich auf dem Throne erhalten will, darf daher oft, wie ich bereits gesagt habe, nicht gut handeln, denn wenn die Masse seines Volks oder Kriegsheers, oder die Großen seines Reiches, deren er bedarf, um sich zu halten, verdorben sind, so muß er wol ihrem Sinne folgen und sie zufrieden stellen, wozu die rechtschaffenste Handlungen oft schädlich sind. Auf den Alexander zu kommen: dieser war so gütig gesinnt, daß man unter anderm Lobe, das ihm ertheilt wird, bemerkt, er habe in einer vierzehnjährigen Regierung keinen Menschen, ohne daß er verurtheilt worden, tödten lassen. Dennoch fiel er in Geringschätzung, weil er für weibisch galt, und es hieß, er ließe sich von seiner Mutter regieren. Es entstand eine Verschwörung der Soldaten gegen ihn, durch welche er um das Leben kam. Nunmehr wollen wir die entgegengesetzten Charaktere des Commodus, Severus, Antoninus Caracalla und Maximinus betrachten. Wir finden sie höchst raubsüchtig und grausam. Um die Soldaten zu befriedigen, enthielten sie sich keiner Art von Mißhandlung des Volks. Dennoch kamen sie, mit alleiniger Ausnahme des Severus, gewaltsamer Weise ums Leben. Severus hatte ein so tapferes Gemüth, daß er die Herrschaft dadurch glücklich zu behaupten vermochte, daß er die Soldaten zu Freunden behielt, obwol er das Volk sehr drückte: denn seine großen Eigenschaften machten ihn den Soldaten und dem Volke so ehrwürdig, daß dieses erstaunt und demüthig, jene aber voll Verehrung und befriedigt waren. Da die Handlungen dieses zur Herrschaft emporgestiegenen Regenten ganz ausgezeichnet gewesen sind, so will ich kurz zeigen, wie er den Fuchs und den Löwen zu spielen verstand, was ich vom Fürsten verlangt habe. Da Severus die Feigheit des Kaisers Julianus erkannte, überredete er das Heer, welchem er in Slavonien vorgesetzt war, nach Rom zu gehen, um den Tod des Pertinax zu rächen, den die Leibwache getödtet hatte. Unter diesem [pg 100]Vorwande setzte er sich in Bewegung, ohne seine Absichten auf den Thron merken zu lassen, und langte in Italien an, ehe man seine Abreise wußte. Gleich nach seiner Ankunft in Rom erwählte ihn der Senat aus Furcht, und Julianus ward getödtet. Noch blieben dem Severus zwei Schwierigkeiten: die eine in Asien, wo Niger sich hatte ausrufen lassen, die andre im Occidente, wo Albinus nach der Würde des Imperators strebte. Er hielt es für gefährlich, sich zugleich gegen Beide zu erklären, und beschloß daher, den Niger anzugreifen, den Albinus aber zu hintergehen. Diesem schrieb er, er sei vom Senate erwählt, wolle die Würde mit ihm theilen, gab ihm den Titel Cäsar und ließ ihn durch den Senat zu seinem Collegen erwählen. Albinus nahm dieses für Ernst. Als Severus aber den Niger besiegt und den Orient beruhigt hatte, kehrte er nach Rom zurück und beschwerte sich im Senate über den Undank des Albinus, der ihn verrätherischer Weise nach dem Leben getrachtet habe, und den er wegen seiner Undankbarkeit züchtigen müsse. Er suchte ihn hierauf in Frankreich auf und nahm ihm Würde und Leben. Wer diese Geschichte aufmerksam erwägt, wird den muthigsten Löwen und den schlauesten Fuchs erkennen: wird sehen, wie er von Allen gefürchtet und geehrt ward und beim Kriegsheere nicht verhaßt war. Man darf sich nicht wundern, daß dieser neue Fürst die Herrschaft zu behaupten gewußt, da er sich durch seinen großen Ruf beständig gegen den Haß zu wehren wußte, den seine Neuerungen beim Volke hätten erzeugen können. Sein Sohn Antoninus hatte ebenfalls ausgezeichnete Eigenschaften, und ward deswegen vom Volke bewundert, bei den Soldaten aber beliebt, weil er kriegerisch war, alle Strapazen nicht achtete und köstliche Speisen so wie alle andern Wollüste verachtete, welches ihm die Zuneigung aller Armeen erwarb. Aber seine Wildheit und Grausamkeit war so unerhört, daß er bei verschiednen Gelegenheiten einen großen Theil des Volks von Rom und alle Bewoh[pg 101]ner von Alexandrien tödtete. Dadurch ward er der ganzen Welt verhaßt, und flößte auch denen, die um ihn waren, Furcht ein, so daß ein Centurio ihn mitten in seiner Armee umbrachte. Hierbei ist zu bemerken, daß die Fürsten solchen gewaltsamen Tod durch die Hand eines entschlossenen Mannes gar nicht vermeiden können. Denn es kann Jeder die That vollbringen, der nur sein eignes Leben nicht achtet. Doch hat der Fürst sie eben nicht zu fürchten, weil solche Handlungen äußerst selten sind. Er muß sich nur hüten, diejenigen, die um ihn sind, und deren er sich in Regierungsgeschäften bedient, nicht gröblich zu beleidigen, wie Antoninus that, der einen Bruder des Centurio hatte tödten lassen, und ihm selbst täglich drohte, trotzdem aber die Leibwache anvertraute. Das war tollkühn und mußte ein schlechtes Ende nehmen, wie es auch in Wahrheit geschehen ist. Wir kommen zum Commodus, der die Herrschaft gar leicht hätte behalten können, die er als Sohn des Marcus geerbt hatte. Er durfte nur in die Fußtapfen seines Vaters treten, so hätte er Volk und Soldaten Genüge gethan. Da er aber ein grausames und thierisches Gemüth hatte, veranlaßte er selbst in der Armee allerlei Complotte, und ließ sie zügellos werden, um seine Raubgier zu befriedigen und das Volk auszuplündern. Auf der andern Seite behauptete er seine Würde schlecht, indem er oft ins Theater herabstieg, um mit Gladiatoren zu kämpfen, und andre Dinge vornahm, die der kaiserlichen Würde schlecht anstanden; er ward also bei den Soldaten verächtlich. Auf einer Seite gehaßt, auf der andern verachtet, fiel er als Opfer einer Verschwörung. Endlich vom Maximinus. Dieser war höchst kriegerisch, und da die Armee einen Widerwillen gegen das weibische Wesen des Alexander bekommen, von dem ich oben geredet habe, tödteten sie diesen und wählten jenen zum Kaiser, welcher er jedoch nicht lange blieb. Zwei Dinge machten ihn verhaßt und verachtet. Das eine seine niedrige Herkunft, da er in Thra[pg 102]cien das Vieh gehütet hatte (welches allgemein bekannt war, und ihn in allen Augen herabsetzte); das andre, daß er im Anfange seiner Herrschaft verschob, nach Rom zu gehen und Besitz von der kaiserlichen Würde zu nehmen; daneben in üblen Ruf gerieth, weil er durch seine Statthalter in Rom und anderen Orten viele Grausamkeiten verüben lassen. Da mithin die ganze Welt voll Unwillen über seine niedrige Herkunft, und andrerseits voll Haß und Furcht wegen seines wilden Gemüths war, so verschwor sich der Senat, ganz Rom und endlich ganz Italien gegen ihn. Hierzu kam sein eignes Heer, welches im Lager vor Aquileja Schwierigkeiten bei der Belagerung fand, seiner Grausamkeit überdrüssig ward, und da es sah, daß ihn die ganze Welt haßte, ihn umbrachte. Ich will weder vom Heliogabalus, noch vom Macrinus, noch Julianus reden, welche so niedrige Geschöpfe waren, daß sie sofort zu Grunde gingen: sondern ich komme zum Schlusse und sage, daß die Fürsten unsrer Zeit sich weniger in jener Verlegenheit befänden, auf außerordentliche Mittel denken zu müssen, um die Soldaten zu befriedigen. Wenngleich auf diese Rücksicht genommen werden muß, so hat es doch damit so viel nicht zu bedeuten; denn die heutigen Fürsten haben keine Heere beisammen, die mit der Regierung und Verwaltung der Provinzen so verwebt wären, als die römischen. War es damals nöthiger, das Kriegsheer zu befriedigen, als das Volk, weil jenes mächtiger war, als dieses; so ist es gegenwärtig für alle Fürsten (mit Ausnahme der Sultane von Konstantinopel und Egypten) notwendiger, das Volk zufrieden zu stellen, weil selbiges heutigen Tages mehr vermag, als die Soldaten. Ich nehme den türkischen Kaiser aus, der ungefähr zwölftausend Mann zu Fuß und fünfzehntausend zu Pferde hält, von denen die Sicherheit und Stärke seines Reiches abhängt, und die er daher nothwendig ohne alle Rücksicht auf die andern Unterthanen zu Freunden behalten muß. Eben so ist es mit dem Sultan von Egypten, der ganz in [pg 103]den Händen seiner Soldaten ist, und diese daher zu Freunden behalten muß, es koste was es wolle. Es ist dabei zu bemerken, daß dieser Sultan von allen andern Fürsten verschieden ist, und Aehnlichkeit mit dem Papste hat, der weder Erbfürst ist, noch für einen neuen Fürsten gelten kann; denn es werden jedesmal nicht die Söhne des verstorbenen Regenten Erben und Nachfolger, sondern der Fürst wird von denen gewählt, die dazu befugt sind. Da diese Ordnung der Dinge alt ist, so kann es nicht für eine neue Herrschaft gelten, indem keine von den Schwierigkeiten vorhanden sind, die ein neuerrichtetes Fürstentum drücken. Wenngleich der Fürst aus dem Privatstande zu der Würde erhoben wird, so sind doch die Anordnungen alt, und Alles ist darauf eingerichtet, ihn als einen Erbfürsten zu empfangen. Auf meine Behauptung zurückzukommen, so wird Jeder, der die obige Erzählung erwägt, einsehen, daß Haß und Verachtung die Ursachen des Unterganges jener Imperatoren gewesen. Es wird dadurch begreiflich, wie es zugegangen ist, daß, da einige auf diese, andre auf entgegengesetzte Weise handelten, dennoch einige von jenen und einige von diesen ein glückliches, andre ein unglückliches Ende genommen. Dem Pertinax und Alexander half es nichts, dem Marcus nachzuahmen, weil sie sich auf den Thron geschwungen hatten, dieser aber ein Erbfürst war; dem Caracalla, Commodus und Maximinus war es sehr nachtheilig, es so zu machen wie Severus, weil es ihnen an den erforderlichen Tugenden fehlte, in seine Fußtapfen zu treten. Ein neuer Fürst kann dem Marcus nicht nachahmen und braucht nicht dem Severus zu folgen: sondern er muß vom Severus annehmen, was nöthig ist, seine Herrschaft zu gründen; vom Marcus aber das, was ruhmwürdig und nützlich ist, einen bereits festgegründeten Staat zu erhalten.

[pg 104]

20. Ob Festungen und andere Sicherheitsanstalten den Fürsten nützlich oder schädlich sind?

Einige Fürsten haben ihre Unterthanen entwaffnet, um ihre Herrschaft sicher zu stellen, andre haben es darauf angelegt, daß die Parteien in den ihnen unterworfenen Städten fortdauern sollten, andre haben Feindschaften gegen sich selbst unterhalten, andre haben sich bemüht, diejenigen, welche ihnen zu Anfang verdächtig waren, zu gewinnen; einige haben Festungen erbaut, andre haben sie niedergerissen und zerstört. Obgleich über alle diese Dinge kein allgemeines Urtheil stattfindet, sondern es auf die besondern Umstände des Staates ankommt, in welchem eine Entschließung zu fassen ist, so will ich doch im Allgemeinen so viel davon reden, als die Natur der Sache verstattet. Es ist einem neuen Fürsten niemals zuträglich gewesen, seine Unterthanen zu entwaffnen. Vielmehr hat ein solcher sie allemal mit Nutzen bewaffnet, wenn er sie unbewaffnet fand: denn wenn er sie bewaffnet, so werden diese Waffen Sein, Verdächtige werden treu, die Getreuen können sich erhalten, und die Unterthanen werden Anhänger ihres Herrn. Da es aber unmöglich ist, alle Unterthanen zu bewaffnen, so sind diejenigen, welche dazu ausersehen werden, mit gewissen Vorzügen auszuzeichnen: mit den andern aber kann man ganz sicher nach Belieben verfahren. Diese Verschiedenheit in der Behandlung sichert die Ergebenheit derer, die hervorgezogen werden; die andern aber entschuldigen das Verfahren, weil sie die Nothwendigkeit einsehen, diejenigen, welche mehr Verpflichtung und Gefahr übernehmen, zu belohnen. Wer hingegen damit anfängt, das Volk zu entwaffnen, beleidigt es, und zeigt Mißtrauen in ihren Muth oder ihre Treue: solche Gesinnungen erregen beide Haß. Weil der Fürst nicht ganz ohne Kriegsmannschaft sein kann, so muß er zu Miethstruppen greifen, von deren Beschaffenheit oben gehandelt worden. Wären diese aber [pg 105]auch tadellos, so kann man doch ihrer nicht genug unterhalten, um sich gegen mächtige Feinde und verdächtige Unterthanen zugleich zu vertheidigen. Neue Fürsten haben daher allemal, wie ich bereits gesagt habe, in ihren neuerworbenen Ländern Kriegsmannschaft eingeführt. Die Geschichte ist voll solcher Beispiele. Wenn aber ein Fürst ein Land erwirbt, welches als ein neues Glied mit seinen Besitzungen im alten Staatskörper vereinigt wird, so ist es nothwendig, diese Provinz zu entwaffnen, mit alleiniger Ausnahme derjenigen, die sich bei der Eroberung für ihn erklärt haben. Und auch diese ist es rathsam, mit der Zeit und bei guter Gelegenheit schlaff und weichlich zu machen, und die Sachen so einzurichten, daß alle Soldaten aus dem alten Lande seien. Unter unsern Vorfahren pflegten die Weisesten zu sagen, die Herrschaft müsse über Pistoja durch innere Uneinigkeit, über Pisa durch Festungswerke behauptet werden. Sie unterhielten daher in jener untergebenen Stadt die innern Zwistigkeiten, um sie sichrer zu beherrschen. Dieses mochte zu der Zeit gut sein, als ein gewisses Gleichgewicht in Italien vorhanden war: gegenwärtig aber scheint mir der Rathschlag nicht mehr tauglich. Ich glaube vielmehr, daß aus angestifteten Uneinigkeiten niemals Gutes kommt: vielmehr müssen Städte, die innerlich entzweit sind, bei Annäherung eines Feindes bald fallen; denn der schwächste Theil wird sich immer an den auswärtigen Feind hängen, der andre aber nicht im Stande sein, sich zu behaupten. Diese Ursachen haben, wie es mir scheint, die Venezianer bewogen, die Parteien der Guelfen und Ghibellinen in den ihnen unterworfenen Städten zu unterhalten. Wenn sie es gleich nicht bis zum Blutvergießen kommen ließen, so unterhielten sie doch diese Zwistigkeiten, damit die Bürger beschäftigt und abgehalten würden, sich gegen sie aufzulehnen. Dieses schlug aber nicht so aus, als beabsichtigt war; denn sie waren nicht sobald bei Vaila geschlagen, so faßte eine der Parteien Muth und stürzte die venezianische Herr[pg 106]schaft. Aehnliches Verfahren deutet allemal die Schwäche des Fürsten an. Unter einer kräftigen Herrschaft werden solche Uneinigkeiten nicht gestattet, weil sie nur im Frieden zu etwas nützen können, indem sie dienen, die Unterthanen nach Gefallen zu behandeln; entsteht aber Krieg, so tritt doch zu Tage, wie trüglich eine solche Art zu regieren ist. Ohne Zweifel dient es zur Größe eines Fürsten, Schwierigkeiten und Widerstand zu überwinden. Wenn das Schicksal einen neuen Fürsten, der unstreitig eines guten Rufes mehr bedarf, als ein Erbfürst, groß machen will, so erweckt es ihm Feinde und reizt dieselben zu Unternehmungen gegen ihn, damit er sie zu Schanden mache, und auf der Leiter, die ihm seine Feinde solchergestalt zutragen, noch höher steige. Es haben daher Einige geurtheilt, daß ein weiser Fürst, wofern die Gelegenheit sich darbietet, einige Feinde schlauer Weise anfeuern müsse, um durch ihre Besiegung größer zu werden. Die Fürsten, und insbesondere neue, haben mehr Treue bei denen gefunden, und mehr Nutzen von denen gezogen, die ihnen im Anfang verdächtig waren, als bei denen, die sich gleich anfangs zu ihnen schlugen. Pandolfo Petrucci, Fürst von Siena, regierte seinen Staat mehr durch Jene, als durch die Andern. Aber es ist nicht viel davon zu sagen, weil es allein auf die Umstände ankommt. Ich will nur noch dieses Einzige anführen, daß diejenigen, welche einer Herrschaft anfangs feind waren, wofern sie so beschaffen sind, daß sie sich nicht ohne Unterstützung halten können, vom Fürsten leicht gewonnen werden, und genöthigt sind, ihm treuere Dienste zu leisten; da sie einsehen, daß sie etwas thun müssen, um die nachtheiligen ersten Eindrücke auszulöschen. Der Fürst zieht also von ihnen größern Nutzen, als von denen, welche sich in seinem Dienste ganz sicher halten und daher seine Sache vernachlässigen. Da der Gegenstand es erfordert, darf ich nicht verabsäumen, die Fürsten, die ein Land durch Hilfe ihrer Anhänger unter den Einwohnern erobern, zu erinnern, [pg 107]daß sie wohl erwägen, welche Ursachen jene bewogen haben, es mit ihnen zu halten. Ist dies nicht aus einer natürlichen Zuneigung, sondern blos aus Mißvergnügen mit dem vorigen Zustande der Dinge geschehen, so wird man sie mit aller Mühe schwerlich zu Freunden behalten, weil es beinahe unmöglich ist, sie zufrieden zu stellen. Wenn man alte und neue Geschichten erwägt, so wird man finden, daß es leichter ist, diejenigen zu gewinnen, welche bei dem vorigen Zustande der Dinge zufrieden, und deswegen dem neuen Herrn feind waren, als diejenigen, welche unzufrieden waren und diesen deswegen begünstigten.

Die Fürsten pflegen wol zu ihrer Sicherheit Festungen anzulegen, welche ihnen als Zaum und Gebiß ihrer Gegner dienen, und bei einem Ueberfalle eine Zuflucht für den ersten Anlauf anbieten. Ich kann diese Weise nicht mißbilligen, da es von Alters her so geschehen. Doch hat Herr Nicolo Vitelli zu unsrer Zeit zu Città di Castello zwei Burgen niedergerissen, um diesen Ort zu behaupten. Guid’Ubaldo, Herzog von Urbino, zerstörte nach seiner Rückkunft in sein Land, aus welchem ihn Cäsar Borgia vertrieben hatte, alle festen Plätze in demselben, weil er es auf diese Art leichter zu behaupten dachte. Eben so machten es die Bentivogli nach ihrer Rückkehr in Bologna. Festungen sind daher nach Umständen nützlich oder schädlich, und wenn sie auf einer Seite helfen, so schaden sie auf der andern. Dies beruht auf Folgendem: der Fürst, der mehr sein eignes Volk als Fremde zu fürchten hat, muß Festungen anlegen; wer sich aber mehr vor fremden, als vor seinen eignen Leuten fürchtet, unterlasse es. Dem Hause Sforza hat das Castell von Mailand, welches Francesco Sforza erbaut hat, mehr Schaden gethan, als irgend ein andrer Umstand. Die beste Festung ist, seinem Volke nicht verhaßt zu sein; denn wen das Volk haßt, dem helfen Festungen nicht, weil es nie an Fremden fehlt, die dem Volke zu Hilfe kommen, sobald es die Waffen ergriffen hat. Zu [pg 108]unsern Zeiten hat man kein Beispiel gesehen, wo sie einem Fürsten Nutzen gebracht hätten, außer der Gräfin von Forli;[21] welche sich bei einem Volksaufstande nach dem Tode ihres Gemahls, des Grafen Girolamo, dahinein rettete, bis Hilfe von Mailand kommen konnte und sie wieder einsetzte: dabei verstatteten die damaligen Umstände den Fremden nicht, dem aufrührerischen Volke zu Hilfe zu kommen. Nächstdem aber, da Cäsar Borgia sie angriff, und das Volk sich mit Fremden gegen sie verband, diente die Festung zu nichts. Allemal wäre es ihr mehr werth gewesen, von ihrem Volke nicht gehaßt zu werden, als Festungen zu haben. In Erwägung alles dessen will ich gern denjenigen loben, der Festungen anlegt, und den, der keine anlegt; tadle aber denjenigen, der sich darauf verläßt, und deswegen den Haß des Volkes nicht achtet.[22]

21. Wie ein Fürst sich zu betragen hat, um großen Ruhm zu erwerben.

Nichts erwirbt einem Fürsten so viel Achtung, als große Unternehmungen und glänzende Handlungen. Zu unsrer Zeit haben wir den Fernando, König von Arragonien, gegenwärtigen König von Spanien. Derselbe kann gewissermaßen für einen neuen Souverain gelten, weil er aus einem schwachen Fürsten, durch den Ruhm seiner Thaten, zu dem ersten Monarchen der Christenheit geworden. Wenn man seine Handlungen betrachtet, so findet man in allen Größe: einige sind aber ganz außerordentlich. Zu Anfang seiner Regierung griff er Granada an; diese Unternehmung ward der Grund seiner Größe. Anfangs vollführte er sie [pg 109]ganz gemächlich und brauchte nicht zu besorgen, darin gehindert zu werden; beschäftigte damit die castilischen Barone, welche dadurch abgehalten wurden, auf Neuerungen zu Hause zu denken, und erwarb selbst dadurch unvermerkt großes Ansehn über sie und Ruf. Er war vermögend, seine Armee mit dem Gelde der Kirche und seines Volks zu unterhalten, und legte durch diese langen Feldzüge einen guten Grund zu der Kriegsmacht, welche ihm in der Folge zu so großer Ehre verhalf. Außerdem aber übte er, um zu größeren Unternehmungen schreiten zu können, unter beständigem Vorwande der Religion eine fromme Härte aus, durch Vertreibung der Mauren. Ein schrecklicheres und seltneres Ereigniß gibt es nicht. Unter gleichem Vorwande fiel er in Afrika ein, versuchte einen Feldzug in Italien, griff endlich Frankreich an. So beschäftigte er sich beständig mit großen Entwürfen, welche unaufhörlich seine Unterthanen in der Erwartung ihres Ausganges und in Bewunderung erhielten. Diese seine Handlungen entsprangen eine aus der andern, also, daß gar nicht dazwischen zu kommen, und keine Zeit war, dagegen zu wirken. Ferner ist es einem Fürsten sehr ersprießlich, in der innern Verwaltung auffallende Dinge zu thun, so wie vom Herrn Bernhard von Mailand erzählt wird, als wenn Gelegenheit entsteht, irgend Jemanden wegen außerordentlicher Dinge im Guten oder im Bösen auf solche Art zu belohnen oder zu bestrafen, daß davon viel geredet werde. Vor allen Dingen muß ein Fürst in jeder seiner Handlungen den Ruf des Großen und Hervorstechenden suchen. Noch erweckt es große Hochachtung gegen einen Fürsten, wenn er sich als einen ernstlichen Freund oder Feind beweist: das ist, wenn er ohne alle Bedenklichkeit entschiedene Partei nimmt; dies bringt stets mehr Ruhm, als neutral zu bleiben. Denn wenn zwei mächtige Nachbarn in Streit gerathen, so hast du von dem Sieger etwas zu befürchten, oder nicht. In beiden Fällen ist es besser, hervorzutreten [pg 110]und ernstlich Theil zu nehmen: denn im ersten Falle wird derjenige, der sich nicht bloßgeben wollte, allemal eine Beute des Siegers, zur größten Zufriedenheit des Ueberwundenen, und es bleibt keine andre Zuflucht mehr offen. Denn der Ueberwinder verlangt keine verdächtigen Freunde, die in der Gefahr nicht beistehen. Der Besiegte bietet demjenigen keine Zuflucht an, der in den Zeiten des Kampfes sich geweigert hat, Theil zu nehmen. Antiochus hatte sich von den Aetoliern bewegen lassen, nach Griechenland zu kommen, um die Römer zu bekämpfen. Er schickte Gesandte an die Achäer, welche Freunde der Römer waren, um sie zu bewegen, Zuschauer zu bleiben. Auf der andern Seite redeten ihnen die Römer zu, die Waffen für sie zu ergreifen. Als dies in der Versammlung der Achäer zur Berathung kam, so antwortete der römische Gesandte dem Botschafter des Antiochus, der zur Neutralität mahnte, Folgendes: „Wenn es Euch als der beste und nützlichste Ausweg empfohlen wird, neutral zu bleiben, so bedenket, daß Euch nichts Nachtheiligeres angegeben werden könnte; denn wenn Ihr am Kriege keinen Theil nehmet, so werdet Ihr ohne Dank und ohne Ehre eine Beute des Siegers werden.“ Es wird immer so kommen, daß derjenige, der mit dir nicht gut steht, dich ersuchen wird, neutral zu bleiben; der Andre aber wird dich bitten, ihn zu schützen. Unentschlossene Fürsten schlagen meistentheils diesen Weg der Neutralität ein und gehen auch meistentheils darüber zu Grunde. Macht aber ein Fürst ernstlich gemeine Sache mit einem Theile, und dieser trägt den Sieg davon, so bleibt er freilich abhängig von demselben, jedoch sind die Fäden der Dankbarkeit angeknüpft, und die Menschen sind nicht so verrätherisch, daß sie die Undankbarkeit bis dahin treiben sollten, ihren Anhänger sogleich zu unterdrücken. Auch ist der Sieg selten so vollständig, daß der Sieger nicht allerlei Rücksichten nehmen müßte und vorzüglich auf die Gerechtigkeit. Wenn aber der Theil, zu dem du dich [pg 111]geschlagen hast, unterliegt, so steht er dir doch bei, und du hast einen Freund, mit dessen Beihilfe du vielleicht wieder emporkommen kannst. Im zweiten Falle, da die streitenden Parteien einander so gleich sind, daß vom Sieger nichts zu fürchten ist, so ist es so viel klüger, Partei zu nehmen, weil sonst Einer zu Grunde gerichtet wird, dem ein kluger Zuschauer vielmehr beistehen würde; siegt er, so behältst du ihn in Händen, und es ist fast unmöglich, daß derjenige, dem du beistehst, nicht den Sieg davontrage. Hier ist noch bemerkenswerth, daß ein Fürst sich niemals mit einem Mächtigern verbinden muß, um über einen Dritten herzufallen, außer im Falle der Noth. Denn wenn er siegt, so bist du in seiner Gewalt: dies ist aber vor allen Dingen zu vermeiden. Die Venezianer verbanden sich mit Frankreich gegen den Herzog von Mailand; dies geschah unnöthiger Weise, und sie gingen darüber zu Grunde. Wenn es aber unvermeidlich ist, so wie mit den Florentinern der Fall war, als der Papst und die Spanier die Lombardei überzogen, alsdann muß man freilich wol diesen Entschluß nehmen. Kein Staat glaube jemals mit Sicherheit auf etwas zählen zu können, sondern rechne beständig auf die Ungewißheit aller Dinge: denn die Welt ist so beschaffen, daß man allemal einer Unbequemlichkeit entgeht, in eine andre aber hineingeräth. Die Klugheit besteht darin, unter ihnen auszuwählen, und die geringste auszusuchen. Ferner noch muß ein Fürst Liebe zu ausgezeichneten Eigenschaften beweisen und vorzügliche Männer in jedem Fache ehren. Er muß seine Bürger anfeuern, daß sie sich ernstlich in ihrem Gewerbe anstrengen, sei es im Handel oder dem Ackerbau, oder anderm Gewerbe; daß sie nicht fürchten, das, was sie erworben, zu genießen; ihre Besitzungen, aus Furcht sie zu verlieren, vernachlässigen; aus Furcht vor neuen Steuern den Handel liegen lassen. Vielmehr muß er Jeden dazu aufmuntern, und denjenigen, der der Stadt oder dem Staate auf irgend eine Art förderlich ist, belohnen. Sein [pg 112]Volk muß er zu den gehörigen Zeiten im Jahre mit Festlichkeiten und Schauspielen beschäftigen, und da jede Stadt aus Zünften besteht, diese ehren, ihren Zusammenkünften zu schicklichen Zeiten beiwohnen, sich menschenfreundlich und freigebig beweisen, dabei aber seine Würde in allen Dingen behaupten, welche niemals vernachlässigt werden darf.