18. Auftritt
Dieselben, Uteschitelny und Glow.
Uteschitelny (faßt Glow bei der Hand, in der er die Pistole hält). Was ist mit dir, was ist mit dir, Bruder? Bist du verrückt? Hören Sie, hören Sie doch, meine Herren? Er hatte schon die Pistole in den Mund gesteckt. He, schäm dich!
Alle (an ihn herantretend). Du, du ... Um Gottes willen, was ist mit dir?
Schwochnew. Und dabei ist er so’n gescheiter Mensch; und wegen so einer Lappalie will er sich erschießen!
Icharew. Auf diese Weise müßte sich ja ganz Rußland erschießen: Jeder hat verspielt oder hat doch die Absicht, zu verspielen. Wenn das nicht wäre, so könnte man ja auch nicht gewinnen, das mußt du doch selber bedenken!
Uteschitelny. Du bist einfach ein Dummkopf, laß dir’s sagen. Du kennst dein eigenes Glück nicht. Fühlst du denn nicht, daß du gewonnen hast, indem du verloren hast?
Glow (ärgerlich). Ihr haltet mich wirklich für einen Dummkopf. Was ist denn da für ein Gewinn, zweihunderttausend zu verlieren! Der Teufel auch!
Uteschitelny. Ei, du Einfaltspinsel, weißt du denn nicht, was für einen Ruhm du dir im Regiment erwirbst? Hörst du, eine Kleinigkeit: noch nicht Junker sein und zweihunderttausend verlieren! Die Husaren werden dich ja auf den Händen tragen!
Glow (ermuntert sich). Was denkt ihr denn? Werde ich denn nicht den Mut haben, auf das alles zu pfeifen, wenn es so weit ist? Hol’s der Teufel! Es lebe das Husarentum!
Uteschitelny. Bravo, es leben die Husaren! Teremtete! Champagner! (Man bringt ein paar Flaschen.)
Glow (das Glas in der Hand). Es leben die Husaren!
Icharew. Es leben die Husaren! Hol’s der Teufel!
Schwochnew. Teremtete! Es leben die Husaren!
Glow. Ich pfeife auf alles, wenn es so ist. (Stellt das Glas auf den Tisch.) Aber das eine ist schlimm, wie komme ich nach Hause? Mein Vater! Mein Vater! (Faßt sich beim Haar.)
Uteschitelny. Wozu willst du denn zum Vater? Ist ja gar nicht nötig!
Glow (ihn verwundert anglotzend). Wieso?
Uteschitelny. Du kannst ja von hier direkt ins Regiment fahren! Wir geben dir was zur Equipierung. Liebster Schwochnew, wir müssen ihm jetzt zweihundert Rubel geben, mag der Junker sich etwas amüsieren. Ich hab’s schon bemerkt, er hat so ’ne Brünette, was?
Glow. Hol’s der Teufel! Ich laufe gleich zu ihr, und werde sie im Sturme nehmen!
Uteschitelny. Ist das ein Husar, was? Schwochnew, hast du nicht zweihundert Rubel bei dir?
Icharew. Ich werde ihm schon was geben, mag er sich ordentlich amüsieren! (Glow nimmt das Papiergeld und fuchtelt damit in der Luft herum.)
Alle. Champagner! (Man bringt die Flaschen.)
Glow. Es leben die Husaren!
Uteschitelny. Sie leben hoch! Weißt du, Schwochnew, was mir jetzt eingefallen ist? Wir wollen ihn auf die Hände nehmen und in die Höhe werfen, wie man es bei uns im Regiment tat. Nun, antreten! faßt ihn an! (Alle treten an ihn heran, fassen ihn an den Händen und Füßen, wiegen ihn auf und ab und singen dabei nach der bekannten Melodie das bekannte Lied:)
Herzlich lieben wir dich allesamt,
Bleibe unser Haupt du immerdar,
Unsre Herzen sind für dich entflammt,
Wir sind deine treue Kinderschar!
Glow (mit erhobenem Glas). Hurrah!
Alle. Hurrah! (lassen ihn auf die Erde hinab).
Glow (wirft das Glas zu Boden, alle zerschlagen ebenfalls ihre Gläser, die einen mit dem Stiefelabsatz, die anderen direkt am Boden). Ich gehe gleich zu ihr.
Uteschitelny. Können wir nicht auch mit, wie?
Glow. Nein, niemand soll ..., und wenn jemand ... so geht’s auf Säbel.
Uteschitelny. Ach, ist das ein Haudegen, was? Eifersüchtig und streitsüchtig wie ein Teufel. Ich glaube, meine Herren, daß aus ihm noch ein richtiger Kampfhahn wird. Nun adieu, leb wohl, Husar, wir halten dich nicht weiter auf.
Glow. Adieu!
Schwochnew. Komm und erzähl uns nachher! (Glow ab).
19. Auftritt.
Dieselben ohne Glow.
Uteschitelny. Man muß ihn sanft behandeln, so lange das Geld noch nicht in unsern Händen ist. Aber dann hol ihn der Teufel!
Schwochnew. Ich fürchte nur eins, daß sich die Sache mit der Herausgabe der Gelder vom Fiskus lange hinziehen könnte.
Uteschitelny. Ja, das wäre sehr schlimm. Übrigens meine Herren, wie ihr wißt, gibt’s ja zu diesem Zweck Antreiber. Wie dem auch sein mag, wir werden schon diesem oder jenem etwas Geld in die Hände stecken müssen; der Ordnung halber.