20. Auftritt.

Dieselben und der Beamte Samuchrischkin; er ist mit einem etwas schäbigen Frack bekleidet und steckt den Kopf durch die Tür.

Samuchrischkin. Gestatten Sie die Frage, ist hier Glow, Alexander Michailowitsch Glow?

Schwochnew. Nein, er ist eben fortgegangen. Was wünschen Sie denn?

Samuchrischkin. Ich komme in Geschäften wegen der Herausgabe der Gelder.

Uteschitelny. Wer sind Sie denn?

Samuchrischkin. Ich bin ein Beamter aus dem Fiskus.

Uteschitelny. Ah, bitte sehr, bitte gehorsamst, Platz zu nehmen. Für diese Sache haben wir alle das lebhafteste Interesse, um so mehr, als wir freundschaftliche Abmachungen mit Alexander Michailowitsch abgeschlossen haben. Deshalb werden Sie begreifen, daß Sie von ihm und von ihm und von ihm (zeigt mit den Fingern auf alle) den aufrichtigsten Dank zu gewärtigen haben. Es handelt sich nur darum, daß man die Gelder aus dem Fiskus möglichst schnell erhalte.

Samuchrischkin. Wie Sie wollen, vor zwei Wochen geht’s nicht.

Uteschitelny. Nein, das ist aber furchtbar lang. Sie vergessen ja, daß wir uns unsererseits bedanken ...

Samuchrischkin. Das versteht sich ja von selbst, es wird alles angenommen: wie könnte ich das vergessen? Wir sprechen auch deshalb von zwei Wochen, sonst würden wir Ihnen vielleicht drei Monate lang zu schaffen machen. Das Geld wird bei uns nicht vor anderthalb Wochen eintreffen, und augenblicklich haben wir im ganzen Amt auch nicht eine Kopeke. In der vorigen Woche haben wir hundertundfünfzigtausend erhalten, die haben wir aber alle ausgegeben. Jetzt warten noch drei Gutsbesitzer auf Geld, die bereits im Februar ihre Güter verpfändet haben.

Uteschitelny. Nun, das gilt für andere. Für uns aber machen Sie es aus Freundschaft. Wir müssen uns etwas näher kennen lernen. Nun ja, wir stehen einander doch nahe. Ja, wie heißen Sie gleich? Fentafléj Perpéntitsch, nicht?

Samuchrischkin. Psoj Stáchitsch.

Uteschitelny. Nun, das ist ja fast dasselbe. Also hören Sie, Psoj Stachitsch. Seien wir wie alte Freunde. Nun wie steht’s, wie gehen die Geschäfte? Wie ist Ihr Dienst?

Samuchrischkin. Ja, wie soll denn der Dienst sein? Wie gewöhnlich: Man dient eben.

Uteschitelny. Nun, und wie ist es mit den verschiedenen Einkünften, verstehen Sie? Sagen wir einfach, nehmen Sie viel Geschenke?

Samuchrischkin. Aber ich bitte Sie: natürlich, wovon soll man denn leben?

Uteschitelny. Nun sagen Sie mal ganz aufrichtig, wie ist es bei Ihnen im Amt: Greifen alle zu?

Samuchrischkin. Ach Gott, nun lachen Sie auch, wie ich sehe. Ach, meine Herren! ... Sehen Sie mal: auch die Herren Schriftsteller, die lachen alle über die, die sich bestechen lassen; aber wenn man genauer zusieht, so lassen sich auch andere Leute bestechen, die besser als wir zu sein scheinen. Z. B. Sie meine Herren, Sie haben nur einen vornehmeren Namen dafür erfunden. Eine Spende für wohltätige Zwecke oder so was. Weiß der Himmel, wie das heißt. Aber sieht man genauer zu, so ist’s in Wirklichkeit dieselbe Bestechung: wie sagt man doch, dieselbe Couleur in grün.

Uteschitelny. Wie ich sehe, fühlt sich unser Psoj Stachitsch gekränkt. So ist es, wenn man dem Ehrgefühl zu nahe tritt.

Samuchrischkin. Ja, das Ehrgefühl ist eine kitzlige Sache, das wissen Sie wohl selber. Aber ich bin gar nicht böse. Ich habe schon ein langes Leben hinter mir, Väterchen.

Schwochnew. Schon gut, wir wollen ganz freundschaftlich miteinander sprechen, Psoj Stachitsch. Wie steht’s mit Ihnen, was machen Sie, wie geht’s bei Ihnen? Wie schlagen Sie sich in der Welt durch? Haben Sie ein Frauchen und Kinderchen?

Samuchrischkin. Gott sei Dank, Gott hat mich gesegnet. Zwei Jungens besuchen schon die Kreisschule, die zwei anderen sind noch etwas jünger. Einer läuft noch im Hemdchen rum und der andere kriecht noch auf allen Vieren.

Uteschitelny. Nun, und sie können wohl alle mit den Händchen schon so machen, glaub ich. (Zeigt mit der Hand, wie man Geld nimmt.)

Samuchrischkin. Ach bitte, meine Herren, sind Sie aber! Sie fangen schon wieder an.

Uteschitelny. Nun, nun, schon gut, Psoj Stachitsch. Das geschieht ja alles aus Freundschaft. Was ist denn nun dabei, wir sind ja unter uns. Heda, ein Champagnerglas für Psoj Stachitsch. Wir müssen ja jetzt gute Freunde sein. Wir wollen Sie auch bald mal besuchen.

Samuchrischkin (nimmt das Glas). Ah, bitte schön, meine Herren, Sie sollen herzlich willkommen sein! Ich kann Ihnen aufrichtig sagen, einen solchen Tee wie Sie ihn bei mir trinken werden, finden Sie nicht einmal beim Gouverneur.

Uteschitelny. Natürlich ein Geschenk vom Kaufmann?

Samuchrischkin. Jawohl, vom Kaufmann, direkt aus Kjachta bezogen.

Uteschitelny. Aber wie ist denn das, Psoj Stachitsch, Sie haben ja gar keine amtlichen Beziehungen zu den Kaufleuten.

Samuchrischkin (trinkt das Glas aus und stützt sich mit den Händen auf die Knie). Die Sache ist nämlich so. Der Kaufmann hat eigentlich nur aus Dummheit blechen müssen. Der Gutsbesitzer Frakassow, wenn Sie den vielleicht kennen, nimmt eine Hypothek auf sein Gut auf, alles ist abgemacht, wie sich’s gehört, und am nächsten Tag soll er das Geld bekommen. Er plant die Errichtung irgendeiner Fabrik halbpart mit dem Kaufmann. Nun, Sie begreifen wohl, uns geht es ja gar nichts an, ob das Geld für eine Fabrik verwendet wird oder für etwas anderes, und wessen Kompagnon er ist, das ist gar nicht unsere Sache. Aber der Kaufmann plappert aus Dummheit in der Stadt herum, daß er mit dem Gutsbesitzer halbpart ein Kompagnie-Geschäft abgeschlossen hat und von ihm von Stunde zu Stunde Geld erwartet. Da ließen wir dem Kaufmann sagen: wenn er uns zweitausend schickt, so wird das Geld gleich ausgezahlt, wenn nicht, so kann er lange warten. Indessen aber, verstehen Sie wohl, sind ihm schon die Kessel und die andern Gerätschaften für die Fabrik gebracht worden, und man wartet bloß noch auf das Handgeld. Der Kaufmann sieht — die Sache ist schlimm, er bezahlt seine zweitausend und jedem von uns noch drei Pfund Tee. Man wird vielleicht sagen, das ist Bestechung, aber es geschieht ihm doch recht. Warum ist er so dumm, wer hat ihn denn zum Reden gezwungen; er hätte doch seiner Zunge Halt gebieten können.

Uteschitelny. Hören Sie mal, Psoj Stachitsch, bitte erledigen Sie doch unser Geschäftchen, wir werden Ihnen schon was geben, und Sie machen es mit Ihrem Vorgesetzten ab, wie sich’s gehört. Nur um Gottes Willen möglichst schnell, Psoj Stachitsch, wie?

Samuchrischkin. Wir werden uns schon Mühe geben. (Steht auf.) Aber ich will Ihnen ganz offen sagen, so schnell, wie Sie wollen, geht es nicht. Bei Gott, bei uns im Amt ist keine Kopeke vorhanden, aber ich will mir schon Mühe geben.

Uteschitelny. Nun, und wie soll ich nach Ihnen fragen?

Samuchrischkin. Fragen Sie ganz einfach nach Psoj Stachitsch Samuchrischkin. Auf Wiedersehen, meine Herren! (Geht zur Tür).

Schwochnew. Psoj Stachitsch, bitte Psoj Stachitsch, (sieht sich um) sehen Sie doch zu.

Uteschitelny. Psoj Stachitsch, bitte Psoj Stachitsch, helfen Sie recht schnell.

Samuchrischkin. Ich habe ja schon gesagt, ich werde mir Mühe geben.

Uteschitelny. Zum Henker, das dauert aber lange, (schlägt sich mit der Hand vor die Stirn) nein, ich will ihm nachgehen, vielleicht erreiche ich etwas, ich werde kein Geld sparen, hol ihn der Teufel, ich werde ihm dreitausend von meinem Geld geben. (Schnell ab).