25. Auftritt

Dieselben und Alexej.

Alexej (zu Glow). Sie wünschen zu wissen, wo die Herren sind?

Glow. Jawohl.

Alexej. Die sind ja schon abgereist.

Glow. Wieso abgereist?

Alexej. So, sie hielten schon seit einer halben Stunde Wagen und Pferde bereit.

Glow (schlägt die Hände zusammen). Nun sind wir beide hineingelegt!

Icharew. Was für ein Unsinn? Ich verstehe kein Wort. Uteschitelny muß jeden Augenblick zurückkommen. Du weißt ja, daß du die ganze Schuld jetzt mir bezahlen mußt. Sie haben sie mir zediert.

Glow. Ach was, Schuld? Zum Teufel! Du willst bezahlt haben? Siehst du denn nicht, daß du zum Narren gehalten und angeführt bist wie ein Gimpel?

Icharew. Was sprichst du da für einen Unsinn? Du scheinst deinen Rausch noch immer im Kopf zu haben.

Glow. Nun, wie es scheint, haben wir beide einen Rausch. Erwache doch! Glaubst du etwa, ich bin Glow? Ich bin ebensowenig Glow, wie du der Kaiser von China.

Icharew (unruhig). Aber ich bitte dich, was sprichst du da für einen Unsinn? Und dein Vater? ... und ...

Glow. Der Alte? Erstens ist er gar nicht mein Vater, und wird den Teufel Kinder haben; und zweitens heißt er auch nicht Glow, sondern Krinizin und nicht Michailo Alexandrowitsch, sondern Iwán Klímitsch; der ist von derselben Bande.

Icharew. Hör mal, sprich du im Ernst; damit treibt man keinen Spaß.

Glow. Was für einen Spaß? Ich habe mich ja selber daran beteiligt und bin ebenfalls betrogen. Sie haben mir dreitausend für meine Mühe versprochen.

Icharew (geht auf ihn zu, hitzig). He, treib keinen Spaß, sage ich dir! Du glaubst, ich bin so dumm? Und die Vollmacht, und der Fiskus? Da war doch noch soeben der Beamte aus dem Fiskus, Psoj Stachitsch Samuchrischkin. Du glaubst, ich kann ihn wohl nicht gleich herbeiholen lassen?

Glow. Erstens ist er gar kein Beamter aus dem Fiskus, sondern ein Stabskapitän a. D. von derselben Bande; und dann heißt er gar nicht Samuchrischkin, sondern Mursaféjkin und nicht Psoj Stachitsch, sondern Frol Semjónowitsch.

Icharew (verzweifelt). Und wer bist du, Teufel? sprich, wer bist du?

Glow. Wer ich bin? Ich war ein anständiger Mensch und bin durch die Not zu einem Schwindler geworden. Sie haben mir alles im Spiel abgewonnen, alles bis aufs Hemd. Was soll ich nun machen? ich will doch nicht vor Hunger sterben. Für dreitausend habe ich mich dazu hergegeben, mitzuarbeiten und dich zu beschwindeln. Ich sag’ es dir gerade heraus, du siehst, ich handle vornehm.

Icharew (faßt ihn wütend am Kragen). Du Schwindler.

Alexej (für sich). Na, da kommt’s, wie es scheint, gleich zu einer Rauferei, da will ich lieber verschwinden. (Ab.)

Icharew (Glow fortziehend). Komm, komm.

Glow. Wohin, wohin?

Icharew (in Wut). Wohin? zum Gericht! zum Gericht!

Glow. Aber ich bitte dich, du hast ja gar kein Recht dazu!

Icharew. Wieso, ich habe kein Recht? Stehlen, am hellichten Tage Geld wegnehmen ... in so gaunerischer Weise! Ich hätte kein Recht? Aber warte nur, im Gefängnis, in Sibirien wirst du wohl auch sagen, daß ich kein Recht habe? Warte nur, man wird eure ganze Gaunerbande noch abfassen! Ihr werdet schon sehen, was es heißt, das Vertrauen und die Ehrlichkeit gutmütiger Menschen zu hintergehen. Das Gesetz, das Gesetz, das Gesetz werde ich anrufen. (Zieht ihn fort.)

Glow. Du könntest das Gesetz ja dann anrufen, wenn du selbst nicht gesetzwidrig gehandelt hättest. Aber bedenke doch, du hast dich ja mit ihnen verbunden, um mich zu beschwindeln und mir das Geld abzugewinnen, und die Karten waren ja dein eigenes Fabrikat. Nein, Brüderchen, das ist ja eben die Sache, daß du gar kein Recht hast, zu klagen.

Icharew (schlägt sich in seiner Verzweiflung mit der Hand vor die Stirn). Zum Teufel, das ist wahr. (Fällt entkräftet auf den Stuhl, indessen eilt Glow fort). Aber solch ein teuflischer Betrug!

Glow (steckt den Kopf durch die Tür). Tröste dich, du hast es ja noch nicht so schlimm, dir bleibt ja noch die Adelaida Iwanowna! (Verschwindet).

Icharew (wütend). Hol der Teufel die Adelaida Iwanowna! (Ergreift das Kartenspiel und schleudert es gegen die Tür, einzelne Karten fliegen auf den Boden.) Da muß es nun solche Schwindler geben zum Schimpf und zur Schande der Menschheit! Aber es ist ja einfach zum Wahnsinnigwerden: Wie teuflisch war das alles durchgeführt, wie fein! Dieser Vater, dieser Sohn und dieser Beamte Samuchrischkin — und das alles ist abgekartet, und ich kann nicht einmal klagen. (Springt vom Stuhl auf und geht erregt im Zimmer auf und ab.) Und da soll man noch den Schlauen spielen, da soll man seinen Geist, seinen Witz anstrengen, Mittel erdenken .... Nein, hol’s der Teufel, es lohnt sich gar nicht, es ist des edlen Eifers, es ist der Mühe nicht wert! Da findet sich gleich in deiner Nähe ein Gauner, der dich noch übergaunert, ein Schwindler, der mit einem Male das ganze Gebäude in die Luft sprengt, an dem du jahrelang gearbeitet hast. (Mit einer ärgerlichen Handbewegung.) Zum Teufel, ist das eine schwindelhafte Welt! Nur der hat Glück, der so dumm ist wie ein Klotz, und der nichts versteht, an nichts denkt, nichts tut und mit abgenutzten Karten um einen Groschen Boston spielt!

Szenen aus einer unvollendeten Komödie

Deutsch von Alexandra Ramm

Der Morgen eines vielbeschäftigten Herrn