7. Auftritt

Der Hausmeister (tritt sehr beleidigt und erregt herein und gestikuliert heftig mit den Händen). Wenn ihr euch nicht vor Gott fürchtet, so solltet ihr euch doch wenigstens vor eurem Gewissen fürchten. Die Teppiche sind bis jetzt noch nicht ausgeklopft! Sie, Grigori Pawlowitsch, sollten den andern ein Beispiel geben: und gerade Sie schlafen vom Morgen bis Abend. Die Augen sind Ihnen ja ganz verschwollen vom Schlaf, bei Gott! Sie sind ein wirklicher Schurke, Grigori Pawlowitsch!

Grigori. Bin ich denn kein Mensch, daß ich nicht auch mal einschlummern kann?

Der Hausmeister. Wer sagt denn auch ein Wort dagegen? Warum soll man nicht einmal einschlummern können? Aber doch nicht für den ganzen Tag! Und auch du, beispielsweise, Pjotr Iwanowitsch, ohne etwas gegen dich sagen zu wollen, du gleichst doch ganz einem Schwein — bei Gott! Was hast du zu arbeiten? Ein, zwei Leuchter putzen. Und warum sitzt du hier herum? (Pjotr entfernt sich langsam.) Und dir, Iwan, müßte man einfach einen Stoß ins Genick geben.

Grigori (indem er sich entfernt). Ach, dieses Leben — dieses Leben! Der Kerl steht auf und gleich beginnt er zu schreien!

Der Hausmeister (bleibt allein). Darin besteht eben die Ordnung, daß jeder Mensch seine Pflicht kennt. Wenn du ein Diener bist — so mußt du auch ein Diener sein, bist du ein Edelmann — so sei ein Edelmann, bist du ein Bischof — so mußt du ein Bischof sein. Sonst könnte ja jeder anfangen ... ich würde z. B. gleich sagen: „Nein, ich bin kein Hausmeister, sondern ein Gouverneur oder irgendeiner von der Infanterie.“ Aber darauf würde mir doch jeder antworten: „Nein, du lügst, du bist ein Hausmeister und kein General.“ — Ja! „Deine Pflicht ist es, über das Haus zu wachen und über das Benehmen der Diener!“ Ja! „Für dich heißt es nicht: ‚Bon jour comment vous français‘, sondern: halt Ordnung, gib deine Anweisungen!“ So ist’s! Jawohl!

8. Auftritt

Anuschka, das Stubenmädchen aus dem andern Hause, tritt ein.

Der Hausmeister. Ah, Anna Gawrilowna! Meine Hochachtung! Ich begrüße Sie mit außerordentlichem Vergnügen!

Anuschka. Machen Sie sich keine Mühe, Lawrenti Pawlowitsch. Ich komme absichtlich nur auf eine Minute zu Ihnen; ich habe den Wagen Ihres Herrn gesehen und erfahren, daß er nicht zu Hause ist.

Der Hausmeister. Daran haben Sie sehr wohl getan. Ich und meine Frau werden uns sehr freuen. Bitte, setzen Sie sich doch.

Anuschka (setzt sich). Sagen Sie, Sie wissen doch etwas von dem Ball, der in den nächsten Tagen stattfinden soll?

Der Hausmeister. Natürlich. Sehen Sie wohl, es war beispielsweise eine Kollekte veranstaltet: ein Mensch gibt etwas, und ein anderer gibt etwas, und wie gesagt, ein dritter ... Natürlich wird das sozusagen eine größere Summe ausmachen. Ich und meine Frau haben zusammen fünf Rubel gegeben. Natürlich: es ist doch ein Ball! Oder wie man zu sagen pflegt: eine Soiree! Es wird auch was vorgesetzt werden, wie gesagt, Erfrischungen und für die jungen Leute Tänze und Vergnügungen ähnlicher Art.

Anuschka. Ich werde unbedingt kommen, unbedingt. Ich bin nur hergekommen, um zu erfahren, ob Sie und Agafja Iwanowna da sein werden.

Der Hausmeister. Agafja Iwanowna spricht von nichts anderem als von Ihnen.

Anuschka. Ich fürchte mich nur wegen der Gesellschaft.

Der Hausmeister. Nein, Anna Gawrilowna, die Gesellschaft wird sehr gut sein. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich habe gehört, daß der Kammerdiener des Fürsten Tolstogub, der Büfettier und der Kutscher des Fürsten Brjuchowezki und das Stubenmädchen irgendeiner Fürstin da sein werden. Ich hoffe, daß auch einige Beamte kommen werden.

Anuschka. Nur eins gefällt mir gar nicht, daß auch die Kutscher da sein werden. Sie riechen immer nach schlechtem Tabak oder Wodka; und dabei sind sie alle so ungebildet und haben schlechte Manieren.

Der Hausmeister. Erlauben Sie mir Ihnen zu sagen, Anna Gawrilowna, daß es Kutscher und Kutscher gibt. Das ist natürlich richtig: die Kutscher haben ununterbrochen mit den Pferden zu tun und manchmal müssen sie, mit Verlaub zu sagen, sogar den Dung auskehren; gewiß, so ein einfacher Mensch — der trinkt ab und zu ein Glas Wodka und manchmal auch mehr, raucht gewöhnlich Bakun, wie es das einfache Volk meistenteils zu tun pflegt, und so ist es ja natürlich, daß er manchmal beispielsweise nach Dung oder Wodka stinkt — gewiß, das stimmt. Aber das müssen Sie doch selbst sagen, Anna Gawrilowna, daß es auch Kutscher gibt, die zwar Kutscher sind — die man aber nach ihren Gewohnheiten eher Stallbeamte als Kutscher nennen möchte. Ihr Amt oder ihre Obliegenheit sozusagen besteht darin, daß sie Hafer herausgeben oder einem Vorreiter oder Kutscher eine Zurechtweisung erteilen, wenn sie sich was zuschulden kommen lassen.

Anuschka. Wie Sie schön reden können, Lawrenti Pawlowitsch, ich bin immer ganz hingerissen.

Der Hausmeister (mit einem zufriedenen Lächeln). Oh, keine Ursache zu danken, Gnädigste! Gewiß, nicht jeder Mensch kann reden, nicht jeder hat sozusagen die Gabe des Wortes. Natürlich kommt es vor ... daß einer, wie man zu sagen pflegt, nur stammelt ... oder andere Fälle ähnlicher Art ... was ja allerdings eine natürliche Anlage ist ... Aber belieben Sie nicht, in mein Zimmer zu kommen? (Anuschka geht ab, Lawrenti Pawlowitsch folgt ihr.)

Fragment

Ein Zimmer im Hause Maria Alexandrownas.