IV.

Einst riß ein Rufen aus getürmten Zeiten

mich wild hinaus Heißdürstenden zum Trank:

Dich schreit Gebild. Propheten um Dich leiden.

Wie sank ich nieder, bis ich ganz versank.

Schwer lastete auf mir Dein groß’ Begehren.

Und Not ums All fiel steil mich zu verzehren.

Und wieder auf ins Brausen der Geschicke

warf ich mich brünstig. Zeiten schlugen wild.

O Schicksals Babelturm auf mir: ersticke

im Sturz der Massen, der dich nimmer stillt,

und röchle armen Tanz, so heut wie gestern:

Ihr Stückchen Gottes kosend alle Menschen gehn.

Zerbrich’s an Deiner Gier: Verzweiflung wird dich lästern.

Wild lachend Sonnen ihre Kurven wehn.

Ich stürmte weltenauf und weltennieder.

O Tage, von Tumulten übervielen greis!

Bis mir ein Trösten stieg aus dem Verwirrten:

Mein eignes Rufen hallt die Fremde wider.

Ich Mund allallen Jauchzens und Geschreis.

So kehr’ ich heim, zurück zu mir Verirrtem.

Laß mich denn, Vater, ganz in Dir verstummen!

Sei meines Auf und Nieders letzte Ruh.

Und schüttelt Drang von der Geschicke Summen:

Doch aller tiefste Melodie bist Du!

Will nur mehr schürfen tief in mir ein Lauschen.

Schon klingt Dein Regen, wie Du Dich mir neigst.

Aufraucht mein letztes Opfer, bis Du rauschend,

mein Gott, Deinem Getrümmer Mensch entsteigst.

Nacht

Erhabene, glühst du mir wieder,

Dunkelumfangende du!

Schwankend auf deinen Säulen

und doch voller Ruhe!

O, du überschüttest mich nicht und wirst mich nicht stürzen.

Weit hast du dich gespannt und du versagst dich nicht

meinem Aufruhr!

Hintaumeln darf er unter deinen Gewölben

und sich vergeuden.

Ah, kein aufdrohendes Notgebild

zückt ihm die Zeit.

Sterne schüttest du, unzählige Geschwister

den Bränden meiner Brust,

und wo du die Säume faltest deines Mantels,

da wartet mein Träumen.

O, daß du wartest, Geduldige,

o nimmer mich zwingst

auszubrechen in die berstenden Schollen,

in saugende Klüfte

vor solchem Gefühl!

Ruhe spülst du in meine Adern und kosendes Dunkel

hast du zu einer mildladenden Pforte gestellt,

— o nächtiges Tor! —

ohn’ Ende zu schreiten, zu atmen

und hinzubreiten wie Wellengeriesel die dunkelgeballte Inbrunst

den sonnigen Spielen meines

ewigen Tags!

Frühling
Eine Trilogie

I.
Elegie

Brach uns der Flieder schon auf? O, schütteten heimliche Nächte

Duften in unseren Traum, daß er das Herz uns betört?

Sehet, wie andere Himmel schaukeln die volleren Bäume

auf ihren Blätterstolz schon selig das Strahlengewölb.

Blühen umsäumt uns lauschige Wege, und junggrüne Matten

kosen im spielenden Licht, kosen dem werbenden Wind.

Tänze aus brauendem Wohllaut heben sich lind uns zu schmeicheln.

Mädchen, dein flatterndes Haar lockt uns zur schwellenden Brust.

Weitet sich all unser Fühlen so plötzlich in lindere Räume,

hält uns ein goldenes Netz Vogelsangs heimlich umspannt?

Herz, was erschrickst du? Ermattest von so viel offener Freude?

Schauerst so einsam zurück? Nimmt dich der Jubel nicht auf?

Ach, über Nacht brach der Frühling in deine umschmerzten Gehege,

pocht nun wie feuriger Wein; wehe, du kennst ihn nicht mehr!

Hobest ihn nicht aus dem Ahnen mit spähenden tastenden Augen,

reiftest nicht gläubig hinein in seine schwellende Lust.

Mußtest in Sehnsucht und Qual die stürzenden Tage verjagen,

durftest nicht lauschen, wie lind neuer Gesang sich erschuf.

Schauer sind dir und Jubel die hetzenden Treiber der Tage,

fremd aus versäumtem Bereich fächelt der tröstende Hauch.

Triebe nicht und nicht die Knospen sahst du im lockenden Morgen

atmen und schwellen und blühn, eh sie die Sonne verriet,

daß sie in Jubel aufschäumten, als hätte sich lichtes Gewölke

mild auf dem zarten Gezweig kosend und bergend versäumt.

Sahst nicht die jubelnden Bäume hinstürmen in weitoffne Himmel!

Schriest nicht in blühenden Sturm! Wehe, es ist nicht dein Lenz!

Stehst nun, ein Fremdling, im lieblichen Segen frohlockender Gärten.

Stiegst wohl vom Berge herab, nimmer erkennt dich das Tal,

nimmer umspielt dich Willkommen der selbstgepflanzten Gebüsche,

mütterlich Raten und Tun hegt nicht den heimlichen Ort.

Blickst nun so einsam, verstoßen, auf dankbare Freude der Andern,

in ihr auflachendes Spiel lockt dich kein freundlicher Ruf.

Gehst in den Abend und schauerst vor Kühle, nun Flöten aufschluchzen

nun sich ein Mädchenlied süß noch in den Amselsang flicht.

Ah, und da kommt es dir, Armer: die Tränen hast du vergessen,

linderndes Schluchzen der Nacht, das dich den Tagen versöhnt.

Drin sich das hastende Leben rückfindet und ausruht für Künfte,

dämmernde Teiche, darin Rosen trinken den Mond.

Hast nicht die Süße des Trauerns vergönnt deiner wartenden Sehnsucht!

Unausgeweintes Leid, mußt es nun tragen so schwer.

II.
Bacchanale

Taumelt der alte Gott über meine Erde?

Locken schneeige Brüste aus Sonnenglut,

daß ich sie küsse,

daß ich ersticke in ihrer hüllenden Lust?

O mein Frühling du im rauschenden Zenith!

Wie brandest du rasend über uns Kleinen

und ohn Erbarmen!

Sehnend standest du auf, bis du schwanktest

in deinem Blütenrausch,

und wieder verschütten wirst du dich,

niederstürzen vom Berg deiner Trunkenheit.

Dein Vergehen noch überjubelst du

glühenden Tanzes!

O Seliger über uns allen! Hier meinen Sang

deinem höchsten Tag!

Deinem Triumphe, du Göttlicher,

beuge ich mich tief.

Klirrend dir entgegen zückt

aller Welten Blut.

Zeugung ohn’ Ende und Wollust, die sie geboren,

spritzt heiß aus deinem Wahn,

aus Blütenkelchen, Dolden, Träumen, Rausch!

Magnolien verschäumen sich, und des Rhododendrons Süße

lohte deinen Küssen, erbarmungsloser Sieger, schon hin.

Sternig perlt Goldregen nieder zur Erde,

— Umarmung der Danae! —

und dunkle Rosen ertrinken in zuckenden Orchideen

wie Tropfen Blutes.

Meere schütten sich dir aus

und über sterbenden Flieder noch stöhnt der Jasmin seine Lust.

Farben und Düfte taumeln ineinander

zu deinem tödlichen Trunke,

o reiche ihn uns!

Wir jubeln des Gifts, das in unsern Adern frohlockt,

und der treibenden Sünde.

Zerstör’ uns, vernichte uns, panischer Zauber des Blutes!

Komm an, du Allbefreier! o, endlich nimm uns auf!

Deine Grausamkeit, laß sie uns küssen,

du spielende Natur!

O Bestie, wir beten dich an,

noch unterm Dolche, den du uns lachend zückst.

Erwürge uns, Rasende, immer noch

ist unser der Triumph!

Ihr berstenden Sphären, brecht los eure drohenden Gewitter!

Versengt uns! O tötet uns! Nirvana glüht!

Schon packen die Stürme in meine rauschenden Buchen,

beugen sie tief,

schon ächzen die knorrig verwurzelten Stämme

unterm düstern Firmament.

Entladung umgärt uns!

Donner brechen vor aus Himmelshöhlen,

zerschmettern die Wölbung —

o wie stehen wir hohl!

In stäubende Blütenwolken hüllen wir uns tief

und bergen uns,

bis kühlende Tropfen uns netzen —

O, Regensang lindet! —

und unser Aufruhr ergibt sich in jubelndes Schluchzen:

O du, unsre Erde!

III.
Ode

Wo ist ein Leid, so tief, daß es mich hülle!

Wo quillt ein Schicksal, das mich unterjocht!

Uns zwingt ein Drang aus übermächtiger Fülle

auf Höhen, wo der Gott im Rausche pocht.

Die Himmel öffnend, stürzt er uns entgegen.

Trieb Jubel oder Not uns auf den Grat?

Wir fragen nicht. Wir schlürfen seinen Segen

und warten demutvoll auf unsre Tat.

Denn irgendwo ist sie dem Mann beschieden;

gespiegelt schon aus Höhlen seiner Not,

formloser Traum befreiter Karyatiden,

weitoffen dem unendlichen Gebot!

O magisch Wirken, das sie heimlich bindet,

die Schwestern Eigennot und Tatenglück:

Not lischt, die sich in Taten sicher gründet,

und Tat schmilzt mündend in die Not zurück.

Wir kennen nicht des Leidens bange Süße,

des Trauerns Säumnis ist uns nicht vergönnt.

Und wo wir Lust mit stolz Entsagen büßen,

wir dulden keinen Zug, der es euch nennt.

Und schreiten herben Augs die steilen Pfade.

Gewölke Lächelns blühn zu Seiten auf.

Schon winkt in Fernen Opfers reinste Gnade

zu bändigen des Chaos rasenden Lauf.

Wir tragen dieses Erdenseins Empörung.

Donnernd stürzt Weltennot in eigne Qual.

Zerstampfe sie und lache der Zerstörung:

Auf reißt uns Wollen immer höh’rer Wahl.

Wie sich Gewalten in uns stemmen, bauschen!

Wir Trunkene des grenzenlosen Falls,

ballten wir Wehr aus dem Vernichtungsrausche?

Ah! Retter sind wir des bedrohten Alls!

Orphischer Psalm

Treibender Du,

den alles Wesen verkündet,

Geburt und alle Gebärde jubelt

und noch jauchzt das Vergehn,

zu groß sind, ach! Deine Welten

meinem Umklammern,

zu groß noch — daß ich Hingerissener wagte

mich ganz Dir zu nahn: —

meinem rasenden Zerstören.

Siehe, Deiner Tage sind viel

und bunt sind ihre Gewänder und flattern im Sturm. —

und lockt doch in ihrem verschlungenen Reigen

verborgen ein Spiel!

Laß es mich künden, Erhabener!

Tiefer sind Deine Nächte und ihre Weihn

schlingen wie Brücken von Tag zu Tage sich hin, —

doch ihren letzten Gesang

Du läßt ihn mich schweigen.

Dumpf aus den Gründen verhöhnen mich

Fetzen Antworts.

Träume ewigen Beginnens wüten

um endliche Gestalt.

Traumstümpfe züngeln hinauf in den dunkeln Raum,

aber in meinen gierigen Händen

zerbrechen alle Bilder,

zerbrechen an Deinem Allsein,

das uns verschmäht.

Berstend von Deinem Rufen entfloh ich,

— mühselige Gedankenflucht! —

Immer doch warst Du über mir

und ich erkannte Dich nicht.

Entfernt Dich nur immer weiter mein dunkles Sehnen?

Wie härmt ich mich, Vater!

Bis mich dein Sinn in tiefes Träumen rief.

O lockend süßer Grund! Weg über Moore!

Wie sank ich gern ins ewige Zurück.

Und goldne Kreise schwingend mit mir sanken.

Tiefblaue Räume perlten klares Taun,

Goldkreise zogen milddurchstrahlten Reigen,

Glanzschächte brachen auf, in ihrem Blaun

flammende Pfeile sah ich sinken, steigen.

Wie brach ich wunschlos ganz in mir zusammen!

War frohe Beute grenzenlosem Spiel.

O Bad in violetten Wolkenflammen,

hier ist mein Wesen klar geschautes Ziel.

Hier quillt kein Fragen: Deutung alles Werden;

im Gleichklang strömen volle Welten hin,

und ewig wechselnd tauschen sich Gebärden;

doch über allem: Lächeln ist ihr Sinn.

So schweb ich in der Gunst der Harmonien,

aus tief verborgenem Grund ein Singen quillt,

schon rhythmen sich die Spiele, Kreise sprühen:

Aus dem Gewoge taucht der Leier Bild,

wächst höher, strebt hinauf in mein Erwachen,

Spätabend tönt ihr süßen Willkomm dar.

Jetzt gib mir eine liebe Welt zum Spiele.

Der mich im Traum erhört, Du sei mein Tag,

daß ich die Leier, Deiner Träume Gabe,

den Welten, Deinem Spiegel schlagen mag.

Du laß mich lieben, bis ich wunderbar

in meinem Rausch das All umschlungen habe.

Was schmerzt dich, Bruder Mensch? O, traue, sage!

Haßt du mich noch, da ich dir singend nah?

Gib her dein Leid, ich will es mit dir tragen

und will dir künden, was ich träumend sah.

Ihr lieben Tiere, daß ihr noch müßt toben!

Noch habt ihr solches Singen nicht gehört.

In Dumpfheit Arme, kommt, auch ihr dürft loben,

wenn euch der wilde Schreck nicht mehr umstört.

Ihr Blumen, duldende! Ihr kühlen Steine!

Hier ist ein Trank, der alle hüpfen macht.

Ihr Hügel, lernt nun endlich euer Weinen,

in goldnen Spielen sei es euch gebracht.

Ihr Welten, stürzt zusammen solcher Einung!

Ein Stern in eure armen Seelen fällt.

Frohlocken heißt die göttliche Beweinung!

Erlösung blutet immer durch die Welt.

Was durft ich schauen! O, was durft ich singen!

Geh ich nicht, Rasender, am Rand des Nichts?

Lauert nicht Schwäche hinter meinem Schreiten,

stößt mich ein böser Blick hinab, hinab!

Ach, werden nicht die Dinge sich empören?

Wütende Dinge, die ich in Liebe gebannt!

Wird nicht ein Zauber ausbrechen,

dem ich das Siegel entwand?

Ach, einmal werden mich alle Bilder hassen,

zurück mich schleudern aus ihrem sichern Verband!

Nichts wird mehr mein sein,

nichts auf der grünen Erde!

Verstoßen wird sein, wer das All zu früh erkannt.

Dämonen werden sich auf mich stürzen.

Bestien geknechteten Leids.

Rache der Zeichen!

Schlotternd werde ich hingehn

und nicht mehr wissen mein Lied.

Träume hetzen mich,

Fieber züngeln um meinen brennenden Leib.

Mänaden! Mänaden über mir!

O, blaues Meer wird mich nicht retten,

wird dampfen von meinem Blut!

Schreien werde ich, schreien

und Dich nicht mehr kennen, mein Vater!

Dann bleib mir nah!

O walte Du in meinem irren Traum!

Du schwebe mild in meinem irren Lächeln,

Du sei die Glut, die noch im Fieber loht!

Mit Deiner milden Hand nimm auf mein Rasen

und friede es gütig

zu einem Beten in Deinem

mildlösenden Busen.

Gotischer Psalm

Gebirge stemmtest du auf,

fühlloser Stein!

Und trotzige Felsen in lichtdurchwühlte Himmel,

daß Stürme an dir zerbrachen,

die heulenden wilden,

und furchtbar dich umschatteten

die bleichen Hände der großen ewigen Nacht.

Bis endlich in neue Sonnen sich entfaltete

dein morscher Trotz,

bis unter Menschenhand ausbrachen

in Blüten und wiegende Rosen

deine Gemäuer,

und ragende wildgeschleuderte Arme dich boten,

die wehenden Türme der Kathedralen

dich boten dem Gott!

Lächelnder Geist sank in die offenen Kelche,

loderndes Blütenfeld!

O ihr Türme über den fliehenden Landen,

ihr Arme der Menschheit!

Ragendes Menschenblut plötzlich all dies Getürme!

Göttliche Winde harfen darinnen ihr Lied.

In Spiele lindet schon der Symbole schaurig Tanzen;

Mein nothaft Stöhnen rhythmet sich zum Sang.

Deutung des Tags erlischt — Urdeutung jubelt;

Aus seinen Trümmern steigt der ewige Tag,

nagt sich empor an selbsterdachten Welten,

aus Untergängen hehr verjüngter Geist.

Was gilt Getanes noch, wo Tun doch alles!

In schwingenden Kreisen stirbt der alte Tod.

O Tore Lebens, denen wir genesen!

So schleudert Sterben uns in reinern Drang!

Wo ist noch Finsternis? Wo lauern Schrecken?

Hier ist der Tag, den Gott in Händen hält.

Stürzt neubeseligt uns in solch Vergeuden:

O, nehmt mich hin! o, nehmt doch — ich halte mich nicht!

Brech hin, Geripp, wie ich mich taumelnd verschütte,

rotleuchtendes Meer von Wollen und Gewähr!

Schon rennen Tiere neu uns zu vertrauen,

geheime Sphäre wölkt um unsern Sinn.

O Bruder Mensch! Kristall, den ich durchleuchte!

Dumpf schauert zwischen Mensch und Mensch der Gott!

Brech durch zum andern! Zwing die letzten Tode:

durchgottet ist der weite Sinn des Alls!

Und wie du dich bewegst, du wirst ihn raffen.

Erlös ihn, daß er wachsend dich erlös.

Stürz auf in deine offenen Geschicke!

O erster Schrei aus dumpfer Lagernacht

in rote Frühn, o ewiges Entscheiden

in blitzenden Momenten! Werdetanz!

So münd ich hin, aus dem ich einst gebrochen,

ins wild entbundne All. Stern rast um Stern.

Zuckt Ewigkeitsbeginnen solcher Einung?

O Kreatur! zurück in zeitlos Sein!

Aus gierer Lust, die dich dem Gott entrissen,

kehrst du nun heim zu deiner höchsten Lust.

Durch bunte Welten hast du dich gelitten,

bis Sühne dich entband zum Jubel: „Gott!

Ich deine Welt! Pokal und trunkner Zecher!

Und Sonnen reifen mich zum süßen Trank!“

Schon stäubt wie Sand, was mir Dein Bild verschleiert.

Aufbricht der Sinn. In Schächte blaugehöhlt

stürzt schmetternd in sein Flammen alles Wesen

und Ruhen lächelnd birgst Ruhlosen Du!

Du lichter Schatten sinnenlos umwunden.

Lebendiger außer allem Leben! Geist im Leib!

Wie weil ich lind in Deinem Lächeln, Vater!

Hier flicht sich ewiger Kranz. — Leib faßt Dich nicht.

Zurück ins Branden muß ich Dich zu halten,

zurück in bunter Sinne Wechselspiel.

Wie rag ich noch? In Dir doch so entworden.

Welt spült und leckt an meinem neuen Strand.

Du gib mir strenge Form den Wunsch zu straffen,

züchte die Sinne, walte Du als Maß!

Musik in hartem Takt, doch schwingend Triumphe!

So Dich zu baun aus Leben, dulde Du!

O Bild, du Schrei der tiefverborgenen Sinne!

O Sturz ins Wort, du Reife ins Gebet!

In mir erst wirst Du, steigender Gott! mein Wollen

schürft Dich aus dumpfer Ruh in meinen Sturm —

Und formt in mir die stammelnden Gesichte,

an denen ich mich höher ranken mag.

Und Sünde lauert, wo mein Drang ermüdet

Dir, Rufender, zu folgen Tor um Tor!

Du lockst zu immer neuen Wanderfahrten,

Du Insel überm dunkelblauen Meer.

Und irr ich weit — ich habe Dich umworben,

in meine Not taut Trost aus Deiner Ruh.

Du Schwingender zwischen den engen Sphären

Du treibst aus mir, Du guter Drang, zu Dir!

Und überwölbst uns groß zu keimenden Domen

und Türme schießen aus gestauter Brunst.

Gestein blüht auf, wo sie Dein klargetürmtes Echo rühren,

wiegende Rose singt in Deinem Sturm:

singt allen Lebens ewig sich neuende Schöpfung

im brüderlichen Tausch des werdenden Gotts.

Inhalt

Seite
Armes Wort[5]
Winterritt mit weißen Hunden[7]
Nacht im Februar 1917[8]
Märzpsalm[9]
Seht, wie Tod bereite Schale hebt[12]
Einer doch wandelt[13]
Ein Menschentag I-IV[15]
Flucht und Zuflucht I-IV[21]
Nacht[26]
Frühling (Eine Trilogie)[28]
Orphischer Psalm[36]
Gotischer Psalm[41]

Von Oskar Schürer erschienen ferner:

Kleine Lieder (Sammlung „Die Pforte“)

Dreiländerverlag

„1917“ (Fragment eines Kriegs in Gesängen)

Dreiländerverlag

Drohender Frühling, Gesänge und Stanzen

Roland-Verlag, München

Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):