Die angelsächsische Zeit.

(Von 500 bis 1066.)

[ I. Die lateinische Sprache.]

Christliche Kelten sind die ersten schriftsteller des nunmehr unter dem namen Anglia, England, bekannten landes gewesen. Das idiom, dessen sie sich bei der abfassung ihrer werke bedienten, war die kirchen-, d. h. die lateinische sprache.

Gildas. Nennius. Columban. Gildas oder Gildus, ein christlicher priester und missionar aus Alcluyd (Dumbarton), welcher in der ersten hälfte des sechsten Jahrhunderts gelebt haben soll, mag eine lateinische abhandlung über die ältere brittische geschichte geschrieben haben, welche unter seinem namen bekannt ist. Allein die geschichte dieses autors ist sehr unsicher; man stellt seine wirksamkeit sogar um ein jahrhundert später und ist selbst der meinung, dass zwei verschiedene Gildas zu verschiedenen Zeiten gelebt haben, um durch eine solche annahme die geschichtlichen ungehörigkeiten des wahrscheinlich später überarbeiteten buches zu erklären. Einige bezweifeln das geschichtliche dasein eines schriftstellers Gildas gänzlich.[35] Ein ähnliches schicksal theilt Nennius, dem ebenfalls ein kleines historisches werk zugeschrieben wird.[36] Derselbe soll zu anfang des siebenten jahrhunderts als abt zu Bangor gelebt haben. Der erste unzweifelhafte Schriftsteller von bedeutung ist Columban, geboren in Irland, ein grosser beförderer des christenthums, welcher im jahre 615 starb. Seine schriften bestehen aus lateinischen abhandlungen und gedienten.[37]

Theodorus. Adrian. Theodorus, gebürtig aus Tarsus, ein sogar zu Rom wegen seiner gelehrsamkeit und seiner kenntniss der alten sprachen berühmter gelehrter, erzbischof von Canterbury, und sein freund, der abt Adrian, von geburt ein Afrikaner, von W. von Malmsbury „fons litterarum, rivus artium“ genannt, begannen in der zweiten hälfte des siebenten jahrhunderts die klassischen sprachen in England zu lehren. Diesen beiden fremden verdankten die Angelsachsen eine reihe von lateinischen schriftstellern und gelehrten, welche auf das ausland wieder befruchtend zurück wirkten.

Aldhelm. Unter den lateinischen Schriftstellern der ältesten angelsächsischen zeit in England ist zu erwähnen Aldhelm, abt von Malmsbury, dem ersten angelsächsischen kloster, wo die mönche nach einer festen regel lebten, und wo sich um Aldhelm, welcher durch seine gelehrsamkeit eben so sehr als durch seine frömmigkeit und herzensgüte berühmt war, selbst aus Schottland und Frankreich schüler sammelten. Aldhelm starb im jahre 709. Ausser einigen unsicheren schriften ist zuerst eine abhandlung Aldhelm’s in prosa De Laude Virginitatis zu erwähnen, welche ein lieblingsbuch der Angelsachsen war, und in mehreren handschriften auf uns gekommen ist. Einige derselben, besonders die späteren, sind theilweise mit einer angelsächsischen übersetzung zwischen den zeilen versehen. Aldhelm schrieb über denselben gegenstand noch eine andere abhandlung in hexametern. Beide schriften enthalten die leidensgeschichten von märtyrern beiderlei geschlechts, welche sich durch ihre keuschheit ausgezeichnet haben. Ein anderes werk Aldhelm’s, Aenigmata, war bei den Angelsachsen nicht minder beliebt. Voraus geht eine einleitung in prosa, welche von den eigenthümlichkeiten der lateinischen metrik handelt. Ausser diesen schriften ist noch ein gedicht Aldhelm’s über die sogen. todsünden und eine kleine sammlung seiner briefe vorhanden. Die Aenigmata, eine nachahmung der Aenigmata des Symposius, enthalten eine doppelt acrostische einleitung in versen, deren erste oder letzte buchstaben den vers

Aldhelmus cecinit millenis versibus odas.

geben, woraus geschlossen wird, dass das nur siebenhundert und vier und sechszig verse enthaltende werk nicht vollständig sei. Wright theilt diese acrostische einleitung aus einem im brittischen Museum aufbewahrten alten manuscripte mit. Sie möge ihrer sonderbarkeit wegen und als älteste probe lateinischer dichtung der Angelsachsen hier eine stelle finden:

Arbiter æthereo jugiter qui regmine sceptra
Lucifluumque simul cœli regale tribunal
Disponis, moderans æternis legibus illud;
Horrida nam multans torsisti membra Behemoth,
Ex alta quondam rueret dum luridus arce,
Limpida dictanti metrorum carmina præsul
Munera nunc largire, rudis quo pandere rerum
Versibus ænigmata queam clandestina fatu.
Sic Deus indignis tua gratis dona rependis,
Castalidas nymphas non clamo cantibus istuc,
Examen neque spargebat mihi nectar in ore,
Cinthi sic nunquam perlustro cacumina, sed nec
In Parnasso procubui, nec somnia vidi.
Num mihi versificum poterit Deus addere carmen,
Inspirans stolidæ pia gratis munera menti.
Tangit si mentem, mox laudem corda rependunt
Metrica; nam Moysen declarant carmina vatem
Jamdudum cecinisse prisci vexilla trophæi,
Late per populos inlustria, qua nitidus sol
Lustrat ab oceani jam tollens gurgite cephal,
Et psalmista canens metrorum carmina voce
Natum divino promit generamine numen,
In cœlis prius exortum, quam Lucifer orbi
Splendida formatis fudisset lumina sæclis.
Verum si fuerint bene hæc ænigmata versu,
Explosis penitus nevis et rusticitate,
Ritu dactilico recte decursa, nec error
Seduxit vana specie molimina mentis,
Incipiam potiora; sui Deus arida verbi,
Belligero quondam qui vires tradidit Iob,
Viscera perpetui si roris repleat haustu.
Siccis nam laticum duxisti cautibus amnes
Olim, cum cuneus transgresso marmore rubro
Desertum penetrat; cecinit quod carmine David.
Arce poli genitor, servas qui sæcula cuncta,
Solvere jam scelerum noxas dignare nefandas.

Aldhelm war auch in seiner muttersprache ein solcher sänger, Scóp, dass ihn Alfred der grosse in die vorderreihe angelsächsischer dichter setzt; doch sind seine gedichte in der muttersprache verloren gegangen, obwohl sie im zwölften jahrhundert, wie William von Malmsbury schreibt, noch gesungen wurden. J. Grimm ist geneigt, das von ihm herausgegebene angelsächsische epos Andreas dem Aldhelm beizulegen.[38] Von ihm soll auch eine übersetzung der psalmen in angelsächsische verse herrühren, aber es sind keine genügende gründe vorhanden, die von Thorpe im jahre 1835 herausgegebene psalmenübersetzung für ein werk Aldhelm’s zu halten. Aus seinen angelsächsischen gedichten mochte Aldhelm die gewöhnte alliteration auch auf seine lateinischen verse übertragen, wie obige Probe zeigt.[39]

Ceolfrid. Ein anderer kirchenschriftsteller der Angelsachsen, berühmt durch seinen noch berühmteren schüler Beda, war Ceolfrid, welcher um das jahr 642 wahrscheinlich in Northumberland geboren war. Ceolfrid lebte als abt des klosters zu Yarrow und seit 690 als abt des klosters zu Wearmouth. Im jahre 716 legte er sein amt nieder und begab sich auf die reise nach Rom, um dort zu sterben; sein tod erfolgte aber schon unterwegs in Frankreich. Durch seinen ruf angezogen, sammelten sich viele schüler, darunter auch Beda, um den abt von Wearmouth, welcher in kirchenangelegenheiten eine solche autorität besass, dass der neu bekehrte könig der Picten, Naitan, ihn um auskunft über die feier des osterfestes bat. Der von Ceolfrid als antwort an Naitan geschriebene brief ist von Beda (kirchengeschichte V, 21) überliefert worden.[40]

Tatwine. Tatwine, geboren in Mercia, erzbischof von Canterbury von 731 bis 734, in welchem jähre er starb, ist ein nachfolger Aldhelm’s auf dem gebiete der lateinischen poesie, indem von ihm Aenigmata, gedichte in hexametern, in einem noch nicht gedruckten manuscript des brittischen museums (reg. 12. c. XXIII) auf uns gekommen sind. Das folgende von Wright aus der Handschrift mitgetheilte Aenigma Tatwine’s beweist, dass die angelsächsischen mönche sich der feder zum schreiben bedienten.[41]

De Penna.

Nativa penitus ratione, heu, fraudor ab hoste!
Nam superas quondam pernix auras penetrabam;
Vincta tribus nunc in terris persolvo tributum,
Planos compellor sulcare per æquora campos,
Causa laboris, amoris, tum fontes lacrimarum
Semper compellit me aridis infundere sulcis.

Felix. Felix, ein mönch zu Croyland, wahrscheinlich in Lincolnshire geboren, mag um das jahr 730 gelebt und geschrieben haben, da er ein freund Alfwald’s, königs der Ostangeln, war, welcher von 713 bis 749 herrschte. Felix ist der verfasser einer lebensbeschreibung des heiligen Guthlac, welcher sich zuerst in der wildniss von Croyland niederliess und im jahre 714 starb. Das buch ist dem könige Alfwald gewidmet. Die folgende probe aus Guthlac’s lebensbeschreibung, eine schilderung Croyland’s zu anfang des achten jahrhunderts, ist von Wright mit einer aus einem manuscript des brittischen museums (cotton. vespas. d. XXI. fol. 25) entlehnten und dem Alfric zugeschriebenen angelsächsischen übersetzung zusammengestellt worden.[42]

Angelsächsisch:
Est in mediterraneorum Anglorum Britanniæ partibus immensæ magnitudinis acerrima palus, quæ a Grontæ fluminis ripis incipiens, haud procul a castello quod dicunt nomine Gronte, nunc stagnis, nunc flactiris interdum nigris fusis vaporibus et laticibus, necnon crebris insularum nemoribus intervenientibus, et flexuosis rivis parum ab austro in aquilonem maritenus longissimo tractu protenditur. Ys on Bretone lande sum fenn unmætre mycelnysse, þæt on-ginneð fram Grante éa naht feor fram þære cestre ðy ylcan nama ys nemned Granteceaster. Þær synd unmætre moras, hwilon sweart wæter steal and hwilon fúle éa riþas yrnende, and swylce eac manige ea-land and hreod and beorhgas and treow ge-wrido, and hit mid menig-fealdan bignyssum widgille and lang þeneð wunað on norð sǽ.
Igitur cum supradictus vir beatæ memoriæ Guthlacus illius vastissimæ eremi inculta loca comperisset, cœlestibus adjutus auxiliis rectissimo callis tramite perrexit. Mid þan se fore-sprecena wer and þære eadigan ge-mynde Guðlaces þær widgillan westenes þa ungearawan stowe þær ge-mette þa wes he mid godcundre fultume ge-fylst and þa sona þan rihtestan wege þyder to geferde.
Contigit ergo proximantibus accolis illius solitudinis experientiam sciscitaretur, illisque plurima spatiosæ eremi inculta narrantibus, ecce quidam de illic adstantibus nomine Tatwinus se scisse aliquam insulam in abditis remotioris eremi partibus adserebat, quam multi inhabitare tentantes propter incognita eremi monstra et diversarum formarum terrores amiserant. Þa wæs mid þam þe he þyder com þæt he frægn þa bigendean þæs landes, hwær he on þam westene him eardung stowe findan mihte mid þy hi him menig-feald þing sædon be þære widgilnysse þæs westenes. Þa wæs Tátwine ge-haten sum man sǽde þa þæt he wiste sum ea-land synderlice digle þæt oft menige men eardian ongunnon, ac for menig-fealdum brogum and egsum, and for annysse þæs widgillan westenes þæt hit nænig man adreogan ne mihte.
Quo audito vir beatæ recordationis Guthlacus illum locum sibi monstrari a narrante efflagitat. Ipse autem imperiis viri Dei annuens, arrepta piscatoria scapula per invia lustra in tetræ paludis margines Christo viatore ad prædictam insulam, quæ lingua Anglorum Cruland vocatur, pervenit, quæ ante propter remotioris eremi solitudinem inculta et ignota manebat. Ac hit ælcforþan be fluge, mid þam þe se halga wer Guðlac þa word ge-hyrde, he bæd sona þæt he him þa stowe ge-tæhte, and he þa sona swá dyde. Eode þa on scip and þa ferdon begen þurh þa rugan fennas oþ þæt hi comon to þære stowe þe man haleð Cruwland. Wæs þæt land on middan þam westene swá ge-rád ge-seted þæs fore-sædan fennas swyðe digle, and hit swyþe feawe men wiston buton þam anum þe hyt him tæhte,
Nullus hanc ante famulum Christi Guthlacum solus habitare colonus valebat, propter videlicet illic demorantium dæmonum phantasias: in qua vir Dei Guthlacus contemto hoste, cælesti auxilio adjutus, inter umbrosa solitudinis nemora solus habitare coepit. swylc þær nǽfre menig man ǽr eardian ne mihte ær se eadiga wer Guthlac to-com for þæra eardunga þara awerigedra gasta. And he þa se eadiga wer Guþlac for-hogode sona þa costunge þæra awerigedra gasta, and mid heofonlicum fultume ge-strangod wearð, be-twyx þa fenlican ge-wrido þæs widgillan westenes, þæt he ana ongan eardian.

Beda. Cuthbert. Alle seine vorgänger übertraf Beda, mit dem beinamen Venerabilis, der lateinische hauptautor England’s unter den Angelsachsen. Die nachrichten über sein leben rühren hauptsächlich von ihm selbst her; sie sind am ende seiner kirchengeschichte enthalten. Geboren war Beda im jahre 673 in der nähe des ortes, wo bald darauf das kloster Wearmouth gegründet wurde. In diesem kloster unter dessen gelehrtem abte Ceolfrid erwarb sich Beda seine glänzenden kenntnisse, welche ihm einen ehrenplatz in der literaturgeschichte England’s sichern; in diesem kloster verbrachte er sein ganzes leben mit kurzen unterbrechungen unter übungen der frömmigkeit und literarischen arbeiten, deren grösserer theil aus der zeit von 716 bis 731 herzurühren scheint, in welchem jahre Beda’s hauptwerk, seine grosse kirchengeschichte der Angelsachsen, vollendet wurde. Die schilderung der letzten krankheit Beda’s, während welcher er mit einer übersetzung des evangeliums Johannis in das Angelsächsische beschäftigt war, und seines todes ist von der hand seines schülers Cuthbert auf uns gelangt. Sein tod erfolgte am sechs und zwanzigsten Mai 735 am Asthma.

Beda selbst hat zu ende seiner kirchengeschichte ein verzeichniss der von ihm bis zum jahre 731 verfassten schriften, welche sich auf acht und dreissig belaufen, mitgetheilt, zu welchen noch fünf andere aus späterer zeit hinzutreten. Seine werke umfassen hauptsächlich theologie und kirchengeschichte, betreffen aber auch naturwissenschaft und grammatik. Seine abhandlung de Natura Rerum und die im zehnten jahrhundert entstandene übersetzung derselben war mehrere jahrhunderte das wissenschaftliche hauptwerk in England. Seine wichtigste arbeit, die kirchengeschichte der Angelsachsen, welche er nach den vorhandenen besten schriftlichen und mündlichen quellen schrieb, ist nächst der angelsächsischen chronik, welche vieles aus Beda’s werk entlehnt, zugleich die hauptquelle für die erste geschichte der Angelsachsen in England; könig Alfred übersetzte Beda’s berühmtes werk in das Angelsächsiche.[43]

Egbert. Unter Beda’s freunden ist der bemerkenswertheste Egbert, erzbischof von York, von 732 bis 766, ein bruder Eadbert’s, königs von Northumberland. Egbert legte eine bibliothek zu York an, welche zu Alcuin’s zeiten eine für damalige verhältnisse sehr reiche sammlung von kirchenvätern, alten klassikern (Aristoteles, Cicero, Virgil, Plinius, Statius, Lucanus, Boethius, Cassiodorus, Orosius etc.), alten grammatikern und scholiasten (Probus, Donatus, Priscianus etc.) enthielt. Dieses war die bibliothek, welche Alcuin gegen Karl den grossen rühmte, und aus welcher er „die blüthen Britannien’s“ nach Frankreich holen wollte, damit „der garten in York nicht verschlossen sei, sondern die früchte desselben in das paradies von Tour gebracht würden.“ Um Egbert’s zeit war in die angelsächsische kirchendisciplin eine bedenkliche schlaffheit gekommen; sowohl weltliche als geistliche hatten sich einem üppigen leben ergeben, und gelehrsamkeit und zucht fingen an, aus den klöstern zu weichen. Beda ermahnt daher seinen freund noch kurz vor seinem tode, wieder eine strengere zucht in der diöcese einzuführen und wenigstens das Credo und Pater noster zum besten der laien wie des clerus in das angelsächsische übersetzen zu lassen. Egbert schrieb hierauf einen dialog De Ecclesiastica Institutione, welcher noch erhalten ist; hierauf veröffentlichte er auszüge (excerptiones) aus den älteren kirchenvorschriften über die wichtigsten punkte der kirchenzucht und verfasste endlich das confessionale und poenitentiale, die beiden hauptschriften der angelsächsischen kirche über diesen gegenstand. Wie es scheint, waren sie lateinisch und des besseren verständnisses wegen auch zugleich angelsächsisch abgefasst worden.[44] Folgendes ist eine probe aus diesen beiden schriften:

Aus dem Confessionale.
27. Feowertyne winter mæden heo mot agan hire lichaman ge-weald. Cniht oð þæt he sig XV. winter eald sig he on his fæder ge-wealdum; syððan he hine mot munecian, gif he wyle, and na ær. Fæmne oð þæt heo sig XIII. oððe XIIII. winter sig heo on hyre yldrena mihtum; æfter þære yldo hire hlaford hi mot gefon mid hire wyllan. Se fæder his sunu, gif him mycel neod byð, he hine mot on þeowet ge-syllan, oð þæt he bið VII. winter ofer þæt, butan þæs suna willan, he hine ne mot syllan. Puellæ quatuordecim annorum corporis sui potestatem habere licet. Puer, usque ad XV. æstatis annum, in potestate sit patris sui; deinde se monachum potest facere, si velit, et non antea. Puella usque ad XIII. vel XIIII. annum sit in potestate parentum suorum; post hanc ætatem dominus ejus illam capere potest, cum voluntate sua. Pater potest filium suum, magna necessitate compulsus in servitutem tradere, usque ad septimum annum; deinde, sine voluntale filii, eum tradere non potest.
Aus dem Pœnitentiale lib. IV.
32. Gif hwylc ge-hadod man on huntað fare, gif hit beo cleric, forga XII. monað flæsc; diacon, II. gear; mæsse-preost, III.; and bisceop, VII. Si ordinatus quis homo ad venationem prodeat, si sit clericus, XII. menses a carne se abstineat; diaconus, II. annos; presbyter, III.; et episcopus, VII.
33. Gif hwylc bisceop, oððe ænig ge-hadod man, hine oftrædlice oferdrince, oððe he þæs ge-swice, oððe his hades þolige. Si episcopus quis, vel quilibet ordinatus homo, ex consuetudine se inebriet, vel ab hoc desistat, vel ordinem suum perdat.
34. Gif munuc for ofer-druncennysse spiwe, fæste XXX. daga. Si monachus ex ebrietate evomuerit, XXX. dies jejunet.
37. Seðe þurh facn oþerne oferdreneð, fæste XL. daga.[45] Qui per fraudem alium inebriaverit, XL. dies jejunet.

Wilbrod. Winfrid. Ein Angelsachse war es, welcher das christenthum seinen heidnischen stammverwandten in Deutschland zu bringen versuchte, nachdem Wilfred, 634 bis 709, den letzten germanischen stamm in England, die Südsachsen, 681 zur neuen lehre bekehrt hatte. Dieser erste angelsächsische apostel, welcher sein leben der bekehrung der Deutschen am Unterrhein und in Friesland widmete, war Wilbrod, gestorben 738. In seine fussstapfen trat Winfrid oder Bonifacius, geboren um 680, welcher von 716 ab weiter in das innere von Deutschland, in Thüringen, Sachsen, Hessen, Franken, Baiern vordrang und zugleich viele Angelsachsen in diese länder nach sich zog, bis er endlich im jahre 755 von den heidnischen Friesen erschlagen wurde. Interessant ist eine zusammenstellung der abschwörungsformel und des glaubensbekenntnisses, welche Winfrid bei der taufe der bekehrten Sachsen anwendete, und des Angelsächsischen.[B]

Die Abschwörungsformel.
Bonifacius.Angelsächsisch.
Forsachistu diabolæ? Et resp. Ec forsacho diabolæ. End allum diabol gelde? Resp. End ec forsacho allom diabol gelde. End allum diabole uercum? Resp. And ec forsacho allom diaboles uuercum end uuordum, Thunar erende, Uuoden end Saxnote,[46] ende allem them unholdum the hira genotas sint. Forsacest þu diabule? Et resp. Ic forsace diabule. And eallum diabul gelde? Resp. And ic forsace eallum diabul gelde. And allum diabules wercum? Resp. And ic forsace eallum diabules wercum and wordum, þunor erende, Wodne and Seaxneate, and eallum þam unholdum þe hira geneatas sind.
Englisch.Deutsch.
Forsakest thou the devil? Answ. I forsake the devil. And all worship of the devil? Answ. And I forsake all worship of the devil. And all works of the devil? Answ. And I forsake all works and words of the devil, the worship of Thor, Woden and Saxnote and all the evil spirits who are their companions. Entsagst du dem teufel? Antw. Ich entsage dem teufel. Und allem teufelsdienst? Antw. Und ich entsage allem teufelsdienst. Und allen teufelswerken? Antw. Und ich entsage allen teufelswerken und worten, der Thorverehrung, dem Wodan und Sachsengott, und allen den Unholden, die ihre Genossen sind.
Das Glaubensbekenntniss.
Bonifacius.Angelsächsisch.
Gelobistu in Got almehtigan, fadær? Resp. Ec gelobo in Got almehtigan, fadær. Gelobistu in Crist, Godes suno? Resp. Ec gelobo in Crist, Godes suno. Gelobistu in halogan gast? Resp. Ec gelobo in halogan gast. Gelyfest þu in God ælmihtigan, fæder? Resp. Ic gelyfe in God ælmihtigan, fæder. Gelyfest þu in Crist, Godes sunu? Resp. Ic gelyfe in Crist, Godes sunu. Gelyfest þu in haligan gast? Resp. Ic gelyfe in haligan gast.
Englisch.Deutsch.
Believest thou in God Almighty, the father? Answ. I believe in God Almighty, the father. Believest thou in Christ, God’s son? Answ. I believe in Christ, God’s son. Believest thou in the Holy Ghost? Answ. I believe in the Holy Ghost. Glaubst du an Gott allmächtigen, den vater? Antw. Ich glaube an Gott allmächtigen, den vater. Glaubst du an Christ, Gottes sohn? Antw. Ich glaube an Christ, Gottes sohn. Glaubst du an den heiligen geist? Antw. Ich glaube an den heiligen geist.

Vergleicht man das original mit der angelsächsischen übersetzung, so ist zu bemerken, dass das bei den Angelsachsen vorkommende wort diabul gewöhnlich in deofle zusammengezogen erscheint, und dass anstatt erende gewöhnlich arung, erung (had-erung) vorkommt, wogegen anstatt and auch ende, und anstatt eall auch all geschrieben werden könnte. Im übrigen sind original und übersetzung wenig mehr verschieden als die angelsächsische sprache in England selbst zu verschiedenen zeiten und orten.

Dem Bonifacius wird von Th. Wright ein lateinisches gedicht, Aenigmata, (Ms. reg. 15. B. XIX. fol. 204) in hexametern zugeschrieben, worin zehn (am ende der handschrift fehlt ein blatt, daher für uns nur neun) tugenden geschildert werden. Seine übrigen schriften bestehen aus predigten und briefen.[47]

Willebad. Alcuin. Von Winfrid’s angelsächsischen nachfolgern in der bekehrung und bildung der Deutschen mögen noch genannt werden Willehad aus Northumberland, bischof von Wigmodia (dem district um Bremen), und Alcuin aus York, (gestorben 804), der gelehrte freund Carl’s des grossen. In Egbert’s zu York gestifteter schule gebildet, hatte Alcuin vor seiner entfernung die aufsicht über die dortige kostbare bibliothek. Seine wirksamkeit als schriftsteller bezieht sich mehr auf Carl’s des grossen reich als auf England. Von den vielen lateinischen schriften Alcuin’s wurden indessen die Questiones in Genesin im zehnten jahrhundert in das Angelsächsische übersetzt, welche übersetzung in vielen handschriften auf uns gekommen ist, woraus man schliessen kann, dass sie ein beliebtes buch der Angelsachsen war.[48]

Grimbald. Johann. Werferth. England selbst hörte mit den einfällen der Dänen und ihren verwüstungen, welche auch die klöster und kirchen nicht verschonten, so lange auf, eine freistatt der gelehrsamkeit und bildung zu sein, bis die insel durch Alfred dem grossen wieder einige Ruhe gewann. An die stelle der lateinischen sprache trat nunmehr besonders durch die bemühungen Alfred’s die angelsächsische, welche früher nur von dem Scóp, oder sänger, und dem christlichen psalmisten literarisch benützt worden war. Alfred war genöthigt, in dasselbe England, aus welchem im vorigen (achten) Jahrhundert eine anzahl gelehrter männer hervorgingen, um das deutsche festland mit ihrem wissen und ihren büchern zu befruchten, fremde gelehrte, Grimbald von St. Bertin und Johann von Corvey, zur erziehung und bildung der unwissenden angelsächsischen geistlichkeit herbeizurufen. Von Alfred’s hohen geistlichen (der erzbischof von Canterbury ordinirte an einem tage sieben bischöfe in der kirche zu Winchester) sind keine lateinischen schriften auf uns gelangt. Werferth, bischof von Worcester, soll von Alfred mit der übersetzung der gespräche des papstes Gregor in das Angelsächsische betraut worden sein. Das einzige bekannte manuscript dieser übersetzung befindet sich im Corpus Christi College (Nr. 322) zu Cambridge; es stammt aus dem elften jahrhundert. Die lebensbeschreibung Alfred’s, welche unter dem namen des bischofs Asser bekannt ist, mag wahrscheinlich eine spätere, aus dem elften jahrhundert herrührende arbeit eines mönches sein,[49] welcher dazu die angelsächsische chronik und mündliche überlieferungen benützte.

Folchard. Gotselin. Gegen das ende dieser periode, besonders unter Eduard dem bekenner, kam eine anzahl fremder geistlichen nach England. Von diesen verdienen genannt zu werden Folchard aus Flandern, von dem heiligenlegenden in lateinischer sprache geschrieben worden sind, und Gotselin, ein mönch aus dem französischen kloster St. Bertin, in Canterbury 1098 gestorben, welcher eine menge legenden von englischen heiligen, darunter eine lebensbeschreibung des heiligen Augustin abgefasst hat. Dieselben befinden sich zerstreut in den verschiedenen Actis Sanctorum.[50]

Die kirchenschriftsteller der Angelsachsen führten der volkssprache keine unbedeutende anzahl lateinischer Wörter zu, welche fast sämmtlich kirchliche angelegenheiten betreffen; so findet sich später im Angelsächsischen der gebrauch von mynster, minster, (monasterium), portic, porch, (porticus), cluster, cloister, (claustrum), munuc, monk, (monachus), bisceop, bishop, (episcopus), arcebisceop, archbishop, (archiepiscopus), sanct, saint, (sanctus), profost, provost, (propositus), pall, pall (pallium), calic, chalice, (calix), candel, candle, (candela), psalter, psalter, (psalterium), mæsse, mass, (missa), pistol, epistle, (epistola), prædician, to preach, (prædicare), profian, to prove, (probare), gemartyrod etc. Zugleich lernten die Angelsachsen fremde erzeugnisse mit ihren lateinischen namen kennen, die sie in ihre sprache aufnahmen; so z. B. camell, camel, (camelus), ylp, elephant, (elephas), fic-beam, figtree, (ficus), feferfuge, (feverfew), (febrifuga), peterselige, parsley, (petroselinum), pipor, pepper, (piper), purpur, purple, (purpura), pumic-stan, pumicestone, (pumex).

[ II. Die angelsächsische Sprache.][51]

Germanische Sprachen. Verwandtschaft und Zusammenhang der angelsächsischen sprache mit den übrigen zweigen des grossen germanischen stammes möchten am besten aus folgender übersicht hervorleuchten:

[diagram in plain-text format]
Alt-Germanisch.[52] Alt-Deutsch[53] Alt-Skandinavisch[54]

Die vorväter der germanischen eroberer Britannien’s wohnten an der nordküste Deutschland’s in ihrer ganzen ausdehnung von Friesland bis zur jütischen halbinsel. Die sprache derselben war die niederdeutsche,[55] weichere tochter der germanischen mutter in verschiedenen mundarten, welche in England sich zu verschmelzen trachteten, obwohl man ihre unterschiede in alter wie neuer zeit wahrzunehmen vermag. Durch die insulare lage des landes, welche zur einheit drängte, wie durch die berührung mit den romanisirten Britten und Galliern, endlich durch die frühe einführung des bildenden christlichen elementes entwickelte sich in England die sprache und literatur der Angelsachsen zu einer solchen blüthe, wie sie in dieser schönheit und mannigfaltigkeit bei keinem anderen deutschen stamme zu einer so frühen zeit anzutreffen ist. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass das Angelsächsische schon in früher zeit eine gebildete prosa besass; die prosa aber bekundet zugleich die geistige reife des volkes wie seiner sprache, weil es ihr sein wissen und denken vertraut, während in der alten poesie nur sein fühlen zu finden ist.

Das Angelsächsische. Es scheint unzweifelhaft, dass die deutschen einwanderer in der letzten hälfte des fünften jahrhunderts einzelne schöpfungen der nordischen muse nach England mitbrachten. Die ersten denkmäler der angelsächsischen sprache führen uns in die zeit zurück, wo alle literatur noch poesie, und der sänger, dichter und gelehrte eine person war. So wie das leben damals durchaus dichterisch war, so war auch die dichtkunst eine lebendige, das leben schildernde, epische. Im gesange wurden die thaten der urväter, die geschichten der vergangenen tage der mitwelt überliefert, und was diese schuf, wurde sogleich wieder dem liede anvertraut und darin der nachweit aufbewahrt. So wurde im gesange die geschichte und die weisheit des volkes niedergelegt und vererbt auf die künftigen enkel.

Der Scóp. Die gabe des gesanges konnte nicht künstlich erworben werden, sondern stammte von der gottheit und war eine besondere gabe derselben, wie Beda (kirchengeschichte IV, 24) von Caedmon erzählt. Der sänger, scóp (von sceapan, scyppan, schaffen), stand daher in Ehren bei den Sachsen, sein platz war in der halle und an der tafel der fürsten; er begleitete sie in die schlacht und feierte ihre häuslichen freuden. Wie hoch die dichtkunst und der gesang unter den Sachsen gehalten wurde, sieht man aus manchen andeutungen des alten gedichtes Beowulf. Wenn der dichter uns die freude schildern will, welche in der königlichen halle von Heorot herrschte, so darf der sänger nicht fehlen (Beow. v. 987); dagegen ist es ein sicheres zeichen der sorge und des kummers, wenn die gewohnten gesänge nicht gehört werden (v. 4519). Dass die sänger die thaten der helden, mit denen sie lebten, im gesange verherrlichten, geht aus einer anderen stelle Beowulf’s deutlich hervor. Kaum hatte Beowulf den schrecklichen Grendel besiegt, als auch schon der hofsänger Hrothgar’s sich anschickt, den sieg Beowulf’s in verse zu bringen und damit der nachwelt zu überliefern (Beowulf, v. 1728). Zuweilen sang der dichter auch höhere dinge als die thaten der helden; er erhob seine harfe und sang die erschaffung der welt (Beowulf, v. 178). Je nach den umständen mochten auch heitere mit ernsten gegenständen in den liedern des sängers abwechseln. Der sänger wanderte auch fort von der heimath, besuchte fremde länder und sang vor den grossen derselben, welche ihm reichliche ehrengeschenke gaben, die er als zeugen seines ruhmes von der wandersfahrt nach hause brachte, wo er dann seine reisen schilderte. So mag das gedicht entstanden sein, welches unter dem namen Traveller’s Song oder Scopes widsið aus der exeterhandschrift mehrmals abgedruckt worden ist. (Vergl. weiter unten den schluss dieses alten gedichtes.)

Dadurch, dass ein sänger dem anderen die gesänge, welche er empfangen und gedichtet hatte, überlieferte, und dass dieselben durch das öftere hören auch in dem weiteren kreise des volkes bekannt wurden, entstand ein poesiencyclus, welcher, ohne dass ein autor der einzelnen stücke bekannt gewesen wäre, rhapsodisch von geschlecht zu geschlecht forterbte, bis endlich die aufzeichnung einzelner rhapsodien oder grösserer epopöen erfolgte. Der berühmte Codex Exoniensis ist eine solche sammlung späterer aufzeichnungen einzelner rhapsodien des angelsächsischen sangkreises.

Während der langen zeit zwischen dem entstehen der dichtungen und ihrer aufzeichnung durch die schrift, wurden sie ganz allein dem gedächtniss anvertraut und so erhalten. Jetzt, wo die schrift an die stelle des gedächtnisses getreten ist, mag man sich über die kraft und empfänglichkeit des letzteren ungemein wundern. Der aufzeichner von Wilfred’s lebensbeschreibung, Eddius (vita Wilfred. in Gale’s Historiae Britanniae scriptores XV. fol. Oxon. 1691. Seite 52. 53), erwähnt, dass Wilfred als jüngling, während seines aufenthaltes im kloster Lindisfarne, zuerst das psalmbuch nach dem lateinischen texte von Hieronymus, und dann das ganze noch einmal nach dem römischen text (more Romanorum juxta quintam editionem) auswendig gelernt habe. Aus William von Malmsbury (p. 77. Ausg. 1601) geht hervor, dass noch zu seiner zeit im 12. jahrhundert, als die angelsächsische literatur schon im verfall war, viele lieder aus alter zeit im munde des volkes lebten. Die wesentliche folge dieser überlieferung von mund zu mund war, dass die ursprüngliche form der gedichte sich im laufe der zeit änderte. Wenn die späteren sänger sie vortrugen, so geschah es natürlich in der sprache, die sie sprachen und ihre zuhörer am besten verstanden; daher kommt es, dass die handschriften, welche sie enthalten, in dem herrschenden westsächsischen dialekte ihrer zeit abgefasst sind, so dass man eigentlich nicht im stande ist, die allmälige veränderung der lebendigen sprache bis zu ihrer erstarrung in der schrift stufenweise zu verfolgen. Ja selbst die ursprüngliche gestalt des inhalts der gesänge konnte durch auslassungen, zusätze und kleine dem orte und der zeit angepasste veränderungen wechseln, wie sich dies in der that namentlich an Caedmon nachweisen lässt.

Noch zu Alfred’s zeit mochte das gedächtniss das hauptmittel der überlieferung der alten gesänge sein. Er selbst wurde schon im frühen alter angehalten, die dichterischen erzeugnisse seines volkes auswendig zu lernen (Saxonica poemata diu noctuque solers auditor relatu aliorum sæpissime audiens docibilis memoriter retinebat. Asser, vita Aelfr. ed. M. Parker p. 7). Von dem zehnten jahrhundert bis in das zwölfte hinab erfolgten die meisten aufzeichnungen, wie die vielen aus dieser zeit herrührenden handschriften beweisen. Eine sichere nachricht über solche aufzeichnungen findet sich in dem buche de Gestis Herwardi Saxonis (in einem manuscripte des zwölften jahrhunderts), desselben Hereward, welcher mit seinen gefährten in den sümpfen von Ely den scharen Wilhelm’s des eroberers lange zeit trotzte. Der anonyme verfasser des buches erzählt in seiner vorrede, dass er als quelle das werk von Hereward’s priester Leofric, editum a Lefrico diacono eiusdem ad Brun presbitero, benützt habe und fährt dann fort: „Huius enim memorati presbiteri erat studium, omnes actus gigantum et bellatorum ex fabulis antiquorum, aut ex fideli relatione, ad edificationem audientium congregare, et ob memoriam Angliæ literis commendare.“ Leofric mochte der Scop Hereward’s sein und den muth der sächsischen kämpfer durch schilderung der heldenthaten ihrer vorväter kräftigen.[56]

Der poetische ausdruck der alten gesänge beruht auf dem parallelismus der gedanken, häufigen metaphern und paraphrasen, besonders aber auf der natürlichen lebendigkeit der schilderung. Die poetische figur des gleichnisses kommt sehr selten vor. Im ganzen Beowulf findet sich nur fünfmal eine vergleichung in höchst einfacher form: eines schiffes mit einem vogel, der augen Grendel’s mit feuer, seiner nägel mit stahl, des lichtes in Grendel’s wohnung mit dem sonnenlichte, und des schmelzens eines schwerdtes mit dem des eises. Sylbenmass giebt es in den angelsächsischen gedichten nicht, binnen- wie end-reim nur selten.[57] Beide werden durch eine gewöhnlich doppelte hebung und senkung der stimme in je zwei durch alliteration verbundenen hemistichen ersetzt, welche von den englischen herausgebern angelsächsischer poesie in der regel getrennt als besondere verse, von den deutschen meist in einen vers zusammen gedruckt werden. In den handschriften sind die gedichte ununterbrochen gleich prosa geschrieben, jedoch sind die hemistichen meist durch punkte geschieden, was besonders bei langen versen für die verstheilung der Engländer spricht.[58] Die alliteration in ihrer regelmässigen form verlangt, dass in dem ersten hemistich die beiden tonwörter mit demselben buchstaben beginnen, welcher dann wiederum der anfangsbuchstabe des ersten tonwortes im zweiten hemistich sein soll. Jedoch finden sich viele abweichungen von dieser regel, welche auch durch spätere interpolationen und durch die ungenauigkeit der abschreiber verletzt worden sein mag. Die alliteration begünstigte, wie in späteren zeiten der reim, die bewahrung der gedichte im gedächtnisse. Man kann dieses daraus entnehmen, dass man sie auch in den predigten benutzte, um dem volke das behalten derselben zu erleichtern. (Vergl. Thorpe’s analecta Anglo-Saxonica seite 74, und Leo’s angelsächsische sprachproben seite 23.)

Beowulf. Das wahrscheinlich älteste denkmal der angelsächsischen vorzeit ist das epos Beowulf, welches der Däne G. J. Thorkelin von dem einzigen, noch dazu im jahre 1731 bei dem feuer im brittischen museum beschädigten manuscripte (Cotton. Vitellius A. 15) 1815 zu Kopenhagen zum ersten male und zwar sehr fehlerhaft herausgab.[59]

Die handschrift scheint aus dem zehnten jahrhundert zu stammen, bis wohin also das gedicht den mündlichen änderungen der sänger und den irrthümern der abschreiber unterworfen gewesen ist. Obgleich der geschichtliche stoff (aus der mitte des fünften jahrhunderts) und dessen behandlungsweise ersichtlich weit älter sind und in ihren grundlagen von den Angeln aus ihrer alten heimath nach England gebracht worden sein mögen, so hat doch dieses epos im laufe der zeit mannigfache umgestaltungen erlitten, namentlich scheint jede erwähnung der alten gottheiten der Angeln von den späteren christlichen Barden absichtlich in dem gedichte vertilgt worden zu sein. Das epos ist mehr mythus als heldensage, indem es von dem kampfe Beowulf’s zu Heorot, dem schlosse des dänenkönigs Hrothgar, mit zwei mächtigen wassergeistern, Grendel und dessen mutter, seinem hauptinhalte nach handelt und zum schluss den tod Beowulf’s bei der besiegung eines schätze bewachenden drachen und sein begräbniss schildert.

Als der todtwunde Beowulf sein ende herannahen fühlt, befiehlt er sein mal zu errichten (Kemble XXXVIII. v. 5598):

Ne mæg ic her leng wesan;
hatað heaðo-mære
hlæw ge wyrcean,
beorhtne æfter bæle,
æt brimes nosan;
se scel to gemyndum
minum leodum
heah hlifian
on Hrones næsse;
þæt hit sæ-liðend
syððan hatan
Biowulfes biorh,
ða ðe Brentingas
ofer floda genipu
feorran drifað.
Nicht mag ich hier lang bleiben;
heisset die kriegsberühmten
ein mal aufrichten,
glänzend nach dem leichenbrande
an des (see) randes nase,
welches soll zum gedenken
meinen leuten
hoch emporragen
auf Hronesnæs;
dass es die seefahrer
seitdem heissen
Beowulf’s berg,
wann die Brentinge
über der fluth dunkel
weithin treiben.

Und so wie Beowulf sein grabmal wünschte, so wird es von den seinigen hoch an der küste aufgeführt (XLIII. v. 6268):

Him ða gegiredan
Geata leode
ad on eorðan,
unwaclicne,
helm-behongen,
hilde-bordum,
beorhtum byrnum,
swa he bena wæs:
alegdon ða to-middes
mærne þeoden
haeleð hiofende,
hlaford leofne;
ongunnon þa on beorge
bæl-fyra mæst
wigend weccan:
wu[du-r]ec astah
sweart of swic-ðole,
swogende [g]let
[woþe] bewunden,
wind-blond gelæg
oð þæt he ða ban-hus
gebrocen hæfd[e],
hat on hreðre;
higum unrote
mod-ceare mændon
mon-dryhtnes [cwealm].
Ihm dann bereiteten
die Geatenmänner
einen scheiterhaufen auf erden
einen mächtigen,
helmbehangenen,
mit kriegsschilden,
glänzenden panzern,
wie er gewünscht hatte:
es legten dann zu mitten
den berühmten führer
die trauernden helden,
den geliebten herrn;
begannen dann auf dem berge
den mächtigsten leichenbrand
wetteifernd zu wecken:
der holzrauch stieg auf,
schwarz vom holzverzehrer,
rauschende gluth,
mit wehklagen umwunden,
windwirbel lag (darauf),
bis dass er das beinhaus
gebrochen hatte,
heiss auf der brust;
in den seelen bekümmert,
im gemüth besorgt betrauerten (sie)
des mannherrn tod.

Hier ist die handschrift lückenhaft. Der schluss des ganzen gedichtes, welcher das aufrichten des Beowulfmals schildert, möge hier nach der von Leo gegebenen übersicht des inhaltes einen platz finden; er enthält die alten heidnischen gebräuche bei der todtenbestattung.

„Da machte das Wedervolk einen todtenhügel, einen hohen und breiten, den die seefahrer leicht von weitem sehen konnten; und in zehn tagen zimmerten sie auf des kriegsberühmten zeichen (becn); mit einem walle umgaben sie es, wie die klügsten es als die ehrenvollste weise angaben. Sie thaten in den todtenhügel ringe und glänzende siegelsteine, aller art rüstzeug, wie es die wildsinnigen männer vorher aus dem schatze genommen hatten; sie liessen die erde halten der edlen zierden, den kies das gold—da liegt es nun noch unnütz wie sonst. Dann ritten um den leichenhügel kampfthiere, edelinge, es waren deren zwölf; sie sprachen und sangen zu seinem preise; sie durchforschten seine edlen eigenschaften, priesen seine heldenthaten, wie es recht ist, dass männer ihren holden herrn mit worten loben, wenn er fort muss aus der leibesumhüllung. So betrauerten die stammhäupter der Geaten ihren theuern herrn, seine heerdgenossen; sie sagten, dass von allen königen der welt er der freigebigste gewesen und freundlichste; dem volke der mildeste und nach edlem begierig.“

In das hauptthema Beowulf’s sind acht zum theil längere episoden eingeflochten. Die dritte und schönste (XVI. XVII. v. 2119-2317), welche ein Scóp bei dem festmahle nach Grendel’s besiegung vorträgt, der kampf Hengest’s und Hnæf’s gegen den Friesen Finn und die eroberung und endliche zerstörung der Finn’s burg,[60] ist bruchstückweise in einer andern bearbeitung auf uns gekommen, welche Kemble in seiner ausgabe des Beowulf seite 238-241 mittheilt. Auch der stoff und die erste grundlage dieses gedichtes ist, wie es scheint, von den Angeln von ihren ursprünglichen sitzen nach England verpflanzt worden.

Sängers Reise. Ein anderes, sehr altes gedicht ist der Traveller’s Song, nach dem anfange desselben auch Scopes widsith, sängers weitfahrt, sängers reise genannt. Dieses gedicht befindet sich in der berühmten Exeter handschrift[61] aufbewahrt und ist öfters gedruckt worden (in Conybeare’s Illustrations of Anglo-Saxon Poetry, Kemble’s Beowulf, Guest’s History of English Rythms und Leo’s altsächsischen und angelsächsischen sprachproben) und daher sehr bekannt, obwohl sein inhalt dunkel und offenbar durch viele interpolationen entstellt ist. Das einschieben vieler völkernamen lässt das gedicht nicht mehr als eine schilderung der sängerfahrt erkennen, sondern macht es eher zu einer zusammenstellung der in den damaligen poetischen volkssagen vorkommenden helden- und völkernamen, aus welcher sich die ursprüngliche fassung schwer abscheiden lässt. Diese selbst mag sehr alt sein und in die zeit, wo die Angeln noch auf dem festlande lebten, hineinragen. Leo (in seinen alt- und angelsächsischen sprachproben s. 75) sagt über den Traveller’s Song:

„In dem gedicht sind zwei ostdeutsche und zwei norddeutsche heldenkreise, von denen jene um 200 jahre aus einander liegen, verschmolzen. Eormanrîk (Hermanarich) der ostgothenkönig mit den gothenhelden bildet den einen kreis, der auch von deutschen heldensagen vielfach berührt wird. Der zweite ist der Älfvynes (Alboins), des sohnes Eádvynes (Audoins). Beide sind verknüpft durch Ealhhilden, die tochter Eádvynes, die (wie es scheint) fürstin der Myrgingen (wohl Eadgil’s gemahlin) geworden ist, und welche als friedenswerberin den sänger zu Eormanrîk begleitet. Ein dritter berührter kreis ist der der Kûtrûn, denn Hagena (Hagen) und Henden (Heþin), so wie Wâda (Wâte) werden erwähnt; ein vierter ist der des Beówulf, dem Fin Folcvalding und Hrôdvulf (Rudolf) und Hrôdgâr (Rüdiger) angehören. Diese vier epischen kreise mussten offenbar dem sänger schon ihrer historischen grundlage nach in solcher entfernung stehen, dass er bei seinen zuhörern eine chronologische scheidung nicht zu fürchten brauchte; sie waren alle schon sagenhaft; weshalb das gedicht nicht wohl früher als etwa 100 jahre nach Alboin—also nicht vor den letzten zeiten des 7. jahrhunderts verfasst sein kann; vielleicht aber auch später, denn dass die andern sagenkreise im volke fortlebten, ist bekannt, und dass im 8. jahrhundert noch, wie in diesem gedicht, Alboin bei Altsachsen und Baiern gefeiert wurde, sagt Paulus Diaconus. Dass diese epischen stoffe bei den Angelsachsen erst nach ihrer bekehrung zum christenthum, jedenfalls also erst im 7. jahrhundert, so verbunden wurden, macht auch die einmischung der Meder, Perser, Griechen, Idumäer, Hebräer u. s. w. wahrscheinlich. Doch geben wir auch diese späteren elemente und einmischungen alle zu, so bleibt immer noch ein bedeutender stoff übrig, der nur alten an das 4. jahrhundert hinaufreichenden liedern und heldensagen entnommen und zum theil nicht durch spätere landes- und stammkenntniss corrigirt sein kann, sondern so wie er ist von den Angeln mit nach England genommen sein muss.“

Leo hat seinen abdruck des gedichtes aus Kemble’s zweiter ausgabe des Beowulf mit dankenswerthen bemerkungen versehen, welche in das dunkel einiges licht tragen. Eben so Ettmüller, welcher dem gedichte eine besondere bearbeitung gewidmet hat.[62]

Der schluss des gedichtes lautet:

[63]Swa scriþende
gesceapum hweorfað
gleomen gumena
geond grunda fela,
Þearfe secgað,
Þoncword spreccað,
simle suð oþþe norð,
sumne gemelað
gydda gleawne,
geofum unhneawne,
se þe fore duguþe wile
dom aræran,
eorlscipe æfnan,
oþþæt eal scageð
leoht and lif somod.
Lof se gewyrceð
hafað under heofonum
heahfæstne dom.
So schreitend
mit liedern wandern
die sänger der menschen
über viele länder,
bedürfniss sagen,
dankwort sprechen (sie)
immer süd oder nord,
(wenn) einem sie begegnen
liedeskundigen,
gaben-unkargen,
der vor dem adel will
herrschaft aufrichten,
würde zeigen,
bis alles schüttert
licht und leben zusammen.
Lob wer erwirkt,
hat unter dem himmel
hochfeste herrschaft.

Byrhtnoth’s Tod. Endlich gehört zu den bekannten epischen gedichten, welche der volkspoesie angehören, noch eine romantische schilderung des todes des aldermannes Byrhtnoth, welche ihren stoff aus der wirklichen geschichte geschöpft hat. Im jahre 991 fand der held des gedichtes im kampfe gegen die Dänen den tod, und der ursprung des gesanges dürfte nicht später zu setzen sein, indem der rühmliche tod eines edlen gleichzeitigen sängern hinreichende veranlassung zu einem liede sein mochte. Anfang und ende des gedichtes fehlen. Das Ms. (ehemals Cotton. Otho, A. 12) ist verbrannt. Es findet sich abgedruckt in W. Conybeare’s Illustrations of Anglo-Saxon Poetry, seite 173-183, und Thorpe’s Analecta Anglo-Saxonica, seite 121.

An diese alten volksthümlichen epischen sagen und gesänge schliesset sich ein anderer cyclus von epischen gedichten, welcher auf den mit dem christenthume überkommenen vorstellungen und geschichtlichen stoffen ruht.

Die einführung des christenthums eröffnete den Sachsen ein neues feld der dichtkunst, welches auch alsbald eifrig angebaut wurde. Die sänger vertauschten nun ihre alten sagenkreise mit den erzählungen des alten und neuen testamentes, oder mit christlichen legenden und fanden eifrige hörer. Dabei blieben aber die worte und ausdrucksweise fast dieselben; man änderte nur den stoff.

Caedmon. Der hauptträger der neuen religiösen poesie ist Caedmon, der mönch von Whitby, wie er gewöhnlich genannt wird. Nach Beda’s ausspruch waren Caedmon’s verse von besonderer schönheit und blieben unerreicht von andern dichtern (Bedæ Hist. eccl. IV, 24: „et quidem et alii post illum in gente Anglorum religiosa poemata facere tentabant, sed nullus eum æquiparare potuit“). Dieser umstand mag veranlassung zur erfindung der mit dem namen Caedmon verknüpften legende gewesen sein, wonach derselbe auf ungewöhnliche weise die gabe der dichtkunst empfangen haben soll. Es wäre auch möglich, dass Caedmon der erste gewesen wäre, welcher religiöse dichtungen gesungen hätte, so dass man bei ihm eine besondere göttliche eingebung voraussetzen mochte. Wie dies immer sein möge, so viel ist gewiss, dass die zeit zwischen Caedmon († 680) und Beda († 735) der hervorbringung religiöser poesie ganz besonders günstig war. Beda selbst war (doctissimus in nostris carminibus) in der religiösen poesie der Angelsachsen bewandert.

Die Caedmon-legende, der eine geschichtliche[64] grundlage nicht abgesprochen werden soll, wird von Beda in seiner kirchengeschichte (IV, 24) erzählt, wonach ein ehemaliger viehhirt, in der nähe des klosters von Whitby in der mitte des siebenten jahrhunderts lebend, die gabe des gesanges im schlafe vom himmel (divinitus) erhalten haben soll.

Erzbischof Usher kam im anfange des siebzehnten jahrhunderts in den besitz einer angelsächsischen handschrift aus dem zehnten jahrhundert, deren inhalt in vieler beziehung mit Beda’s angabe der von Caedmon behandelten stoffe übereinstimmte. Junius, welcher diese handschrift von Usher empfing, gab dieselbe im jahre 1655 unter Caedmon’s[65] namen heraus. Gegenwärtig befindet sich das Ms. in der bodleyanischen bibliothek zu Oxford in einem sehr mangelhaften zustande, indem sogar einzelne blätter herausgeschnitten worden sind. Es zerfällt in zwei theile, von denen der erste ursprünglich fünf und fünfzig abschnitte enthielt, erscheint gegenwärtig aber unvollständig; die behandelten stoffe sind aus dem alten testamente entlehnt. Der zweite theil, in einer jüngeren und nachlässigeren hand geschrieben, umfasst jetzt noch elf abschnitte, welche hauptsächlich die höllenfahrt Christi und dessen sieg über den teufel betreffen.[66] Im jahre 1832 gab Thorpe diese dichtungen von neuem unter Caedmon’s[67] namen heraus, wodurch sie der kritik zugänglicher wurden. Schon Hickes und später Conybeare hatten auf die verschiedenheit der einzelnen abschnitte in der sprache, auf die völlige zusammenhangslosigkeit des ganzen aufmerksam gemacht, und in neuester zeit ist man ziemlich darüber einverstanden, dass die unter Caedmon’s namen gehenden gedichte, so wie sie sind, nicht von Caedmon herrühren.[68] Vielleicht mag ihm keines in der ganzen sammlung, oder doch nur in der überarbeitung eines späteren angelsächsischen dichters angehören. Sagt doch schon Beda, dass viele den von Caedmon zuerst betretenen weg, die heiligen Schriften poetisch zu paraphrasiren, nach ihm gewandelt sind; auch besitzen wir noch eine anzahl ähnlicher dichtungen, obwohl einige in der „Caedmon’s“ sammlung die schönsten und besten der ganzen gattung sind und einen schwung zeigen, dass man zu glauben versucht wird, Milton müsse sie gekannt haben, ehe er sein Paradise Lost dichtete, in welchem ähnliche stoffe behandelt sind.[69]

Der anfang Caedmon’s lautet:

[70]Us is riht micel,
þæt ve rodera veard,
vereda vuldorcining,
vordum herigen,
môdum lufien.
Uns ist sehr recht,
dass wir der himmel wart,
der heere herrlichen könig,
mit worten ehren,
mit gemüth loben.
He is mægna spêd,
heáfod ealra heáhgesceafta,[71]
freá ælmihtig.
Næs him fruma æfre,
òr gevorden;
ne nû ende cymð
èccan drihtnes;
ac he bîð â rîce
ofer heofenstôlas.
Er ist der kräfte ursprung,
haupt aller hochgeschöpfe,
herr, allmächtiger.
Nicht war ihm anfang jemals,
ursprung geworden;
nicht nun ein ende kommt
des ewigen herrn;
sondern er ist immer mächtig
auf himmelsthronen.
Heágum þrymmum,
sôðfæst and svîðfeorm,
sveglbôsmas heold,
ða væron gesette
vîde and sîde,
ðurh geveald godes,
vuldres bearnum,
gàsta veardum.
Mit hohen kräften,
wahrhaft und mächtig,
himmelsräume hielt er,
die gesetzt waren,
weit und breit,
durch gottes gewalt,
den kindern der herrlichkeit,
den beschützern der geister.
Hæfdon gleám and dreám
and heora ordfruman
engla þreátas,
beorhte blisse væs
heora blæd micel;
þegnas þrymfæste
þeóden heredon,
sægdon lustum lôf
heora lîffreán
démdon drihtnes,
dugeðum væron
svîðe gesælige.
Sie hatten freude und lust
und ihren uranfang
der engel scharen;
glänzende herrlichkeit war
ihre grosse seligkeit:
kraftfeste diener
priesen den herrn,
sagten mit lust das lob
ihres lebensherrn,
rühmten des herrn,
waren in tugenden
sehr selig.
Synna ne cûðon,
firena fremman,
ac hie friðe lifdon
èce mid heora aldor.
Elles ne ongunnon
ræran on roderum,
nymðe riht and sôð,
ærþon engla veard
for oferhygde
dveal on[72] gedvilde.
Sünden konnten sie nicht.
(nicht) verbrechen begehen,
sondern sie lebten in frieden
ewig mit ihrem vater.
Anderes begannen sie nicht
aufzurichten in den himmeln,
als recht und wahrheit,
ehe denn der engel wart
wegen überhebung
....... irrthum.
Noldan dreógan leng
heora selfra ræd,
ac hie of siblufan
godes âhvurfon.
Hæfdon gielp micel,
þæt hie við drihtne
dælan meahton
vuldorfæstan vîc,
verodes þrymme,
sîd and svegltorht.
Sie wollten nicht lang ausdehnen
ihren eigenen rath,
sondern sie von der kindesliebe
Gottes wendeten sich.
Sie hatten viel anmassung,
dass sie mit dem herrn
theilen möchten
den herrlichfesten ort,
mit heeresmacht,
bahn und himmelslicht.
Him þær sâr gelamp,
æfst and oferhygd,
and þæs engles môd,
þe þone unræd
ongan ærest fremman,
vefan and veccean.
þâ he vorde cvæð,
nîðes ofþyrsted,
þæt he on norðdæle
hâm and heáhsetl
heofena rîces
âgan volde.
Ihm da schmerz zustiess,
neid und überhebung,
und jenes engels gemüth,
der diesen unrath
begann zuerst zu fassen,
weben und wecken.
Dann er mit wort sprach,
durstig nach bösem,
dass er am nordtheil
heimath und hochsitz
des himmelreiches
besitzen wollte.
þâ vearð yrre god
and þâm verode vrâð,
þe he ær vurðode
vlîte and vuldre;
sceôp þam vêrlogan
vræclîcne hâm,
veorce tô leáne
helleheáfas,
hearde niðas;
hêht þæt vîtehûs
vræcna bîdan,
deóp dreáma leás,
drihten ure,
gâsta veardas.
Da ward Gott ergrimmt
und dem heere zornig,
das er vorher würdigte
mit glanz und herrlichkeit;
er schuf jenen verlogenen
eine verbannungs-heimath,
zum schweren lohne
höllklagen,
harte strafen,
hiess das strafhaus
der verbannten bleiben
tief, freudenlos,
unser herr,
der geister warten.
þa he hit geare viste,
sinnihte beseald,
sûsle geinnod,
geondfolen fyre
and færcyle,
rêce and reáde lêge,
hêht þâ geond
þæt rædleáse hof
veáxan vîtebrôgan.
Da er es fertig wusste,
mit ewiger nacht versehen,
mit schwefel geschwängert,
überfüllt mit feuer
und mit überkälte,
mit rauch und rother flamme,
hiess er dann über
jenen rathlosen hof
wachsen die strafschrecken.

Judith. Ausser den unter Caedmon’s namen herausgegebenen dichterischen bearbeitungen der heiligen schriften ist noch eine andere erhalten, deren verfasser ebenfalls unbekannt ist. Es ist dieses das bruchstück eines längeren gedichtes, welches seinen stoff aus dem apokryphischen buche Judith entlehnt und mit Judith c. 12, v. 10 beginnt. Die schilderungen und die reden der handelnden personen gehören dem dichter an, welcher nur den stoff und zusammenhang aus der bibel entnommen hat. Das ganze bestand einst aus zwölf abschnitten, von denen jedoch die ersten acht und ein theil des neunten verloren sind. Das erhaltene bruchstück dieses schönen gedichtes befindet sich in demselben Ms. (Cotton. Vitellius, A. XV), welches uns den Beowulf bewahrt hat. Es ist oft gedruckt worden, am besten in Thorpe’s Analecta p. 131, woraus es in Leo’s alt- und angelsächsische sprachproben seite 65 u. f. und in Ettmüller’s scôpas and bôceras seite 140 übergegangen ist.

Judith XI.
[73]þa seo gleave het,
golde gefrætevod,
hire þinenne,
þoncolmode,
þæs herevæðan
heafod onvriðan
and hit to behðe[74]
blodig ætyvan
þam burhleodum
hu hire æt beaduve gespeov.
Dann die kluge hiess,
mit gold geschmückt,
ihre mägde,
gedankenvoll,
des heerführers
haupt enthüllen
und es zum zeichen
blutig zeigen
den burgleuten,
wie ihr im kampfe gelang.
Spræc þa seo æðele
to eallum þam folce:
Her ge magon sveotole,
sigerofe hæleð!
Leoda ræsvan!
on þæs laðestan
hæðenes heaðorinces
heafod starjan,
Sprach dann die edle
zu allem dem volke:
hier mögt ihr offenbar,
siegreiche helden!
volkes führer!
auf dieses gehasstesten
heiden-häuptlinges
haupt starren,
Olofernus,
unlifigendes,
þe us monna mæst
morðra gefremede,
sarra sorga,
and sviðor git
ycan volde;
ac him ne uðe God
lengran lifes,
þæt he mid læððum
us eglan moste;
ic him ealdor oðþrang,
þurh Godes fultum.
Holofernes,
des leblosen,
der uns von menschen die meisten
der morde anthat,
bittere sorgen,
und mehr noch
hinzufügen wollte;
aber ihm nicht zuliess Gott
längeres leben,
dass er mit verletzungen
uns bekümmern sollte;
ich ihm das leben nahm
durch Gottes hülfe.
Nu ic gumena gehvæne,
þissa burhleoda,
biddan ville,
rondviggendra,
þæt ge recene, eov,
fysan to gefeohte,
siððan frymða God,
ærfæst cyning,
eastan sende
leohtne leoman.
Nun ich der männer jeden,
dieser burgleute,
bitten will,
der schildträger,
dass ihr schleunigst, ihr,
eilet zum gefechte,
seit der anfänge Gott,
der ehrenfeste könig,
von osten sendet
einen glänzenden strahl.
berað lind forð
bord for breostum
and byrnhomas,
scire helmas,
in sceaðena gemong,
fyllan folctogan
fagum sveordum,
fæge frumgaras.
Traget die banner vor,
den schild vor den brüsten,
und panzerhemden,
glänzende helme,
in der räuber gemeng,
zu fällen die führer
mit blitzenden schwerdtern,
die feigen fürsten.
Fynd sindon eovere
gedemed to deaðe,
and ge dom agon,
tir æt tohtan,
swa eov getacnod hafað,
myhtig drihten,
þurh mine hand.
Es sind euere feinde
dem tode geweihet,
und ihr habet die vollstreckung,
sieg von dem feldherrn,
wie er euch gezeigt hat,
der mächtige herr,
durch meine hand.

Juliana. An diese biblischen stoffe epischer dichtung reihen sich solche, welche sich an die heiligenlegenden anschliessen, sämmtlich von unbekannten verfassern. Hierzu gehört das in der exeterhandschrift befindliche christliche epos Juliana, welches die martergeschichte dieses in der christenverfolgung Maximian’s zu Commedia geopferten mädchens enthält.

Andrêas. Elêne. Ein zu Vercelli in Piemont von Blume[75] aufgefundenes manuscript, seitdem unter dem namen der Vercellihandschrift bekannt, enthält ausser einigen bruchstücken zwei grössere christliche epopöen, die legende des heiligen Andreas und die auffindung des heiligen kreuzes durch Helena, mutter Constantin’s des grossen. Diese gedichte hat Thorpe für die mitglieder der Record Commission im jahre 1836 zu London veröffentlicht,[76] und die beiden darunter befindlichen christlichen epopöen sind unter den namen Andrêas und Elêne mit sachlichen und sprachlichen erklärungen und bemerkungen über das wesen der angelsächsischen poesie im jähre 1840 zu Cassel von J. Grimm herausgegeben worden.

Für den muthmasslichen Verfasser des Andreas wird von dem herausgeber Aldhelm gehalten (vergl. seite 35), und der dichter der Elene giebt sich im epilog mit eingeflochtenen runenbuchstaben (seite 88 der ausgabe Grimm’s) als „Cynewulf“ zu erkennen, ganz in derselben weise, wie dieses in einigen räthseln der exeterhandschrift geschieht. Wright (Biog. Brit. Liter. A. S. Period. Seite 501-505) schliesst aus dieser übereinstimmung in der art der namensanführung auf einen und denselben verfasser, den er, obgleich nicht mit gewissheit, für denjenigen Cynewulf hält, welcher um das jahr 992 abt des klosters zu Peterborough war. Wenn diese annahme richtig wäre, dann würde J. Grimm unrecht haben, das gedicht Elene zugleich mit Beowulf in den beginn des achten Jahrhunderts zu setzen. Bemerkt möge noch werden, dass die im facsimile von Grimm mitgetheilte handschrift des Ms. zu Vercelli mit dem von Thorpe gegebenen facsimile des Codex Exoniensis viele ähnlichkeit hat und dem ende des zehnten, oder dem anfang des elften jahrhunderts angehört. Folgendes ist der anfang des epos Andreas, genau nach der redaction von J. Grimm:

Hvät ve gefrunon
on fyrndagum
tvelfe under tunglum
tìreádige häleð
þeódnes þegnas
(no hira þrym âläg
camprædenne)
þonne cumbol hneótan,
Was wir vernahmen
in fernen tagen:
zwölf unter den sternen
vorzügliche männer,
des herren diener,
(nicht ihre herrlichkeit erlag
im kampfzustande)
erhoben damals die fahne,
siððan hie gedældon,
svâ him dryhten sylf
heofona heáhcyning
hlyt getæhte.
þät væron mære
men ofer eorðan,
seitdem sie sich theilten,
wie ihnen der herr selbst,
himmels hochkönig,
das loos zeigte,
das waren grosse
menschen auf erden,
frome folctogan
and fyrdhvate,
rôfe rincas,
þonne rond and hand
on herefelda
helm ealgodon
on meotudvange.
fromme volksführer
und kräftige herzöge,
berühmte krieger,
da schild und hand
auf dem heerfelde
den helm schützten,
auf dem gottesplatze.
Väs bira Matheus sum,
se mid Judêum
ongan godspell ærest
vordum vrîtan,
vundorcräfte.
Da war unter ihnen ein Matthäus,
der bei den Juden
anfing das evangelium zuerst
mit worten zu schreiben
in wunderkraft.
Þâm hâlig god
hlyt geteóde
ût on þät îgland,
þær ænig þâ git
ellþeódigra
êðles ne mihte
blædes brûcan.
Dem der heilige Gott
das loos bestimmte,
hinaus auf jene insel,
wo irgend einer bis jetzt
der fremden
edlen lebens
nicht möchte geniessen.
Oft him bonena
hand on herefelda
hearde gesceód,
eal väs þät mearcland
morðre bevunden
feóndes fâcne,
folcstede gumena,
häleða êðel.
Oft ihn der frevler
hand auf dem heerfelde
hart bedrückte.
Ganz war das grenzland
mit mord umwunden,
mit feindes betrug
im lager der männer,
der edlen helden;
näs þær hlâfes vist
verum on þâm vonge
ne väteres drync
to brûcanne.
ah hie blôd and fel,
fira flæschoman
feorran cumenra
þêgon geond þâ þeóde.
nicht war da des brodes speise
den menschen in dem lande,
noch des wassers trank
zu gebrauchen,
sondern sie blut und haut,
menschliche leiber
der fernkommenden
nahmen sie bei jenem volke.
svelc väs þeàv hira,
þät hie æghvylcne
ellþeódigra
dydon him tô môse
mete þearfendum,
þâra þe þät eáland
ûtan sôhte.
Solches war ihre sitte,
dass sie von allerlei
fremden
tödteten sich zur tafel,
den nahrung bedürftigen,
derer, die das eiland
von aussen besuchten.

Guthlac. Endlich gehört noch hierher die legende des angelsächsischen heiligen Guthlac, welche sich ohne angabe des verfassers im Codex Exoniensis in einem verstümmelten zustande befindet.[77] Das gedicht gründet sich auf die Vita Guthlaci des Felix von Croyland, von welchem auch eine ungedruckte angelsächsische übersetzung in prosa vorhanden ist. Auch die legenden des heiligen Cuthbert[78] und des heiligen Edmund, königs der Ostangeln, welche in form versificirter homilien in Thorpe’s Analecta Anglo-Saxonica seite 74 und seite 131 veröffentlicht worden sind, können zu den epischen stoffen angelsächsischer dichtkunst gerechnet werden.

Athelstan’s Siegeslied. Die lyrik ist in den resten der angelsächsischen poesie reich vertreten, obwohl, wie das epos, mehr in der kirchlichen gattung, als im volksliede. Von letzterem ist ein siegeslied der schlacht bei Brunanbyrig, wo die Westsachsen unter Athelstan und Edmund den normannenkönig Anlaf im jahre 938 schlugen, in der angelsächsischen chronik aufbewahrt, welches, wahrscheinlich bald nach dem kampfe gedichtet, diesen mit begeisterung schildert. Der anfang dieses liedes lautet:

[79] Her Aeðelstan cyning,
Eorla drihten,
Beorna beah-gyfa,
And his broðor eac
Eadmund æðeling,
ealdor langne tyr,
geslohgon æt sæcce
sweorda ecgum
ymbe Brunan-burh,
Hier Athelstan könig,
der adeligen herr,
der beiden armspangengeber,
und sein bruder auch
Edmund der edle,
weitgerühmte fürst,
schlugen im kampfe
mit der schwerdter schärfe
um Brunanburg,
bord-weall clufan,
heowan heaðo-linde,
hamora lafum
eaforan Eadwardes,
swa him geæðele wæs
from cneo-mægum,
þæt hie æt campe oft
wið laðra gehwæne
land ealgodon,
hord and hamas,
hettend crungon.
spalteten den brettwall,
hieben die hohen banner
mit der hammer stümpfen
die kinder Edward’s,
wie ihnen angeboren war
von den geschlechtsverwandten,
dass sie im kampfe oft
gegen der bösen jeden
das land vertheidigten,
den schatz und die wohnungen,
den feind vernichteten.
Sceotta leode
and scip flotan
fæger feollan,
feld dynede
secga swate,
syððan sunne up
on morgen-tid,
Schottenleute
und die schiffflotte
fielen schön,
das feld rauschte
von heldenblut,
seit die sonne auf
zur morgenzeit,
mære tungol,
glad ofer grundas
godes condel, beorht
eces drihtnes,
oþþ sio æþele gesceaft
sah to setle;
das grosse gestirn,
froh über tiefen,
Gottes licht, der glanz
des ewigen herrn,
bis das edle geschöpf
sank zur ruhe;
þær læg secg mænig
garum forfrunden,
guman norðerne
ofer scyld sceoten,
swylce Scyltisc eac
werig wiges sæd.
da lag mancher kämpfer
von geren durchbohrt,
die nordmänner
auf dem schild erschossen,
dazu der Schotte auch,
sehr müde des kampfes.

Lyrische Gedichte. Einige andere lyrische dichtungen haben subjective veranlassungen. Eine derselben in der exeterhandschrift,[80] in welchem die alten deutschen sagenkreise erwähnt sind, trägt das gepräge eines hohen alters. Sie ist von Torpe mit der überschrift Deor the Scald’s Complaint versehen worden. Die klage eines heimathlosen weibes, eines landfahrers und eines seefahrers, sämmtlich in der exeterhandschrift,[81] haben mit ausnahme des zweiten, welches einen ächt englischen seemannscharakter trägt, wenig anziehungskraft. Unter den religiösen und kirchlichen lyrischen dichtungen befinden sich in der exeterhandschrift eine grosse zahl hymnen auf die dreifaltigkeit, auf Christi geburt, menschwerdung, kreuzigung, auferstehung, höllen- und himmelfahrt, auf die wunder der schöpfung, die güte Gottes und das jüngste gericht.

Ausserdem enthält die exeterhandschrift ein seltsames moralisches gedicht, worin eine verdammte seele sich gegen ihren leichnam, der sie im leben am seligwerden hinderte, beklagt. Diesem ist von Thorpe (aus der vercellihandschrift) ein gegenstück beigegeben worden, welches die freudige anrede einer seligen seele an ihren körper enthält, der ihr im leben zur erringung der seligkeit beistand. Das letztere gedicht ist nur ein bruchstück.[82]

Didaktische Gedichte. Unter die lyrischen produkte der angelsächsischen poesie gehört auch die paraphrasirende übersetzung der psalmen,[83] welche von Thorpe im jahre 1835 aus einer pariser handschrift auf kosten der universität Oxford herausgegeben worden ist. Bis zum fünfzigsten psalm ist die übersetzung in freier prosa, von da ab in einer metrischen paraphrase verfasst. Ob Aldhelm der verfasser wenigstens des letzteren theiles sei, wie Thorpe vermuthet, ist sehr ungewiss. Die für diese ansicht angeführten gründe sind sehr schwach.

An die psalmenparaphrase schliessen sich poetische umschreibungen des apostolischen glaubensbekenutnisses und des vaterunsers.

In der exeterhandschrift befinden sich drei allegorische lehrgedichte,[84] von denen das eine in symbolischer weise den wallfisch (leviathan) mit dem teufel vergleicht. Das übereinstimmende beider wird in den gefahren gefunden, welche sie dem menschen bereiten. Das andere beschreibt die eigenschaften des panthers und vergleicht sie dann mit denen des heilandes. Das dritte ist eine paraphrase des dem Lactanz zugeschriebenen gedichtes vom vogel phönix, mit welchem der angelsächsische dichter in längerer selbstständiger ausführung die auserwählten diener Christi vergleicht.

Die Gaben der Menschen. Die exeterhandschrift enthält ferner mehrere moralische gedichte über die verhältnisse des menschlichen lebens, von denen das folgende, vollständig abgedruckte eine probe ist:

Von den verschiedenen gaben der menschen.
[85]Fela bið on foldan.
forð gesynra.
geongra geofona.
þa þa gæst-berend.
wegað in gewitte.
swa her weoruda god.
Viele sind auf erden
stets offenbare
(jüngere) zartere gaben,
welche der geist tragend
bewegt im verstande,
wie hier der heerscharen Gott,
meotud meahtum swið.
monnum dæleð.
syleð sundor-giefe.
sendeð wide.
agne spede.
Þara æghwylc mot.
dryht-wuniendra.
dæl onfôn.
der herr in mächten stark,
den menschen zutheilet,
giebt verschiedene gaben,
sendet weit
mit eigener kraft,
deren ein jeder soll
der menschenwohnenden
einen theil empfangen,
ne bið ænig þæs.
earfoð-sælig.
mon on moldan.
ne þæs med-spedig.
lytel hydig.
ne þæs læt-hydig.
þæt hine se ar-gifa.
ealles biscyrge.
Nicht ist ein so
schwer seliger
mensch auf erden,
nicht so mittelglücklich,
wenig behutsam,
nicht so spät bedacht,
dass er ihm der ehr-gaben
gänzlich beraube,
modas cræfta.
oþþe mægen-dæda.
wis on gewitte.
oþþe on word-cwidum.
þy læs ormod sy.
ealra þinga.
þara þe he geworhte.
in woruld-life.
geofona gehwylcre.
der geistes kräfte,
oder tüchtiger thaten,
weise im verstande
oder im wortgespräch,
damit er nicht verzweifelnd sei
aller dinge,
derer, die er gewirkt
im weltlichen leben
mit jeglicher der gaben.
næfre god demeð.
þæt ænig eft.
þæs earm geweorðe.
nænig eft þæs swiþe.
þurh snyttru-cræft.
in þeode þrym.
þisses lifes.
forð gestigeð.
Niemals Gott bestimmt,
dass einer wiederum,
so arm würde,
noch irgend einer so gross
durch geisteskraft
in dem volksgetümmel
dieses lebens
vorsteigt,
þæt him folca weard.
þurh his halige giefe.
hider onsende.
wise geþohtas.
and woruld cræftas.
under anes meaht.
ealle forlæte.
þy læs he for wlence.
wuldor-geofona ful.
dass ihm der volkswart
durch seine heiligen gaben,
werde hierher senden
weise gedanken
und weltliche künste,
um eines macht
alle verlasse,
damit er nicht aus stolz,
herrlicher gaben voll,
mon mode swið.
of gemete hweorfe.
and þon forhycge.
hean-spedigran.
ac he gedæleð.
se þe ah domes geweald.
missenlice.
geond þisne middan-geard.
leoda leoþo-cræftas.
lond-buendum.
ein mensch, geistes stark,
vom masse sich wende
und dann verachte
die weniger glücklichen;
sondern er theilt aus,
welcher hat der verfügung gewalt,
mannigfaltig
über diese welt
der menschen gliederkräfte
den landbauern.
sum her ofer eorþan.
æhta onlihð.
woruld-gestreona.
sum bið wonspedig.
heard-sælig hæle.
bið hwæþre gleaw.
modes cræfta.
Einer hier auf erden
habe anlegt
weltlicher schätze;
einer ist ein bedürftiger,
schwerseliger mensch,
ist dennoch kundig
der geisteskräfte;
sum mægen-strengo.
furþor onfehð.
sum freolic bið.
wlitig on wæstmum.
sum biþ woð-bora.
giedda giffæst.
sum biþ gearu-wyrdig.
einer gewaltige kraft,
höhere empfängt;
einer ist fröhlich,
schön an gestalt;
einer ist ein dichter,
der lieder fähig;
einer ist wortebereit;
sum biþ on huntoþe.
hreð-eadigra.
deora dræfend.
sum dyre bið.
woruld-ricum men.
sum bið wiges heard.
beado-cræftig beorn.
þær bord stunað.
einer ist auf der jagd
wildhafter
thiere ein dränger;
einer ist theuer
welt-mächtigen männern;
einer ist ein kampfharter,
kriegskundiger mann,
wo der schild tönt;
sum in mædle mæg.
mod-snottera.
folc-rædenne.
forð gehycgan.
þær witena biþ.
worn ætsomne.
sum mæg wrætlice.
weorc ahycgan. (ms. ahyggan.)
heah-timbra gehwæs.
einer im rathe kann
der klugen
volksgesetze
ausdenken,
wo der weisen sind
viele beisammen;
einer kann wunderbar
werk ersinnen,
irgend ein hochgezimmertes;
hond bið gelæred.
wis and gewealden.
swa bið wyrhtan ryht.
sele asettan.
con he sidne ræced.
fæste gefegan.
wiþ fær-dryrum.
die hand ist gelehrt,
weise und gewaltig,
wie es einem baumeister ziemt,
einen saal zusammenzusetzen;
kann das weite gerüst
fest zusammenfügen
gegen plötzliche einstürze.
sum mid hondum mæg.
hearpan gretan.
ah he gleo-beames.
gearo brygda list.
sum bið rynig.
sum ryht scytte.
sum leoða gleaw.
sum on londe snel.
feþe spedig.
Einer mit händen mag
die harfe grüssen;
er hat des klangholzes
bereiter griffe kunst;
einer ist ein läufer,
einer ein rechter schütze,
einer in liedern geschickt,
einer zu lande schnell,
fussflüchtig.
sum fealone wæg.
stefnan steoreð.
stream-rade con.
weorudes wisa.
ofer widne holm.
þôn sæ-fore.
snelle mægne.
arum bregdað.
yð-borde neah.
Einer die falbe woge
mit dem steven durchsteuert,
den stromweg kennt
der schar führer
über den weiten holm,
wann seefahrer,
mit schneller kraft
mit rudern treiben
dem wogenbord (strande) nahe.
sum bið syndig.
sum searo-cræftig.
goldes and gimma.
þôn him gumena weard.
hateð him to mærþum.
maþþum renian.
Einer ist sinnig, (?)
einer besonders kundig
des Goldes und der Edelsteine,
wann ihn der männer wart
heisst, ihm zur mähr
eine zier bereiten.
sum mæg wæpen-þræge.
wige to nytte.
mod-cræftig smið.
monige gefremman.
þôn he gewyrceð.
to wera hilde.
helm oþþe hup-seax.
oððe heaþu-byrnan.
scirne mece.
oððe scyldes rond.
fæste gefegan. (gefegeð.)
wið flyge gares.
Einer mag waffentrachten (?)
dem kriege zu nutzen,
ein geschickter schmied,
viele bereiten,
wann er arbeitet
dem männer kampfe
helm oder hüftmesser,
oder volle rüstung,
glänzendes schwert,
oder schildes rund,
fest gefügt
gegen den flug des gers.
sum bið arfæst.
and ælmes georn.
þeawum geþyde. (geþyded?)
sum bið þegn gehweorf.
on meodu-healle.
sum bið meares gleaw.
wic-cræfta wis. (wicg-cræfta.)
Einer ist ehrenfest
und giebt almosen gern,
in sitten gesellig.
Einer ist ein vertrauter diener
in der methhalle;
einer ist des pferdes kundig,
in reiterkünsten weise.
sum gewealden-môd.
Þafað in geþylde.
þæt he þôn sceal.
sum domas con.
þær dryht-guman.
ræd eahtiað.
sum bið hræd tæfle.
sum bið gewittig.
æt win-þege.
beor-hyrde god.
Einer demüthig,
leidet in geduld,
was er dann muss.
Einer urtheile versteht,
wo freunde
rath schlagen.
Einer ist würfelkundig,
einer ist witzig
bei dem weintrinken,
ein guter bierwächter.
sum bið bylda til.
ham to habbanne.
sum bið here-toga.
fyrd-wisa from.
sum biþ folc-wita.
sum biþ æt þearfe þrist.
hydigra-þegn.
mid his þeodne.
sum geþyld hafað.
fæst gongel ferð.
Einer ist ein guter zimmerer,
ein haus zu errichten.
Einer ist ein herzog,
ein starker heerführer.
Einer ist ein volksrath,
einer ist in der noth dreist,
der schüchternen diener;
mit seinem herrn
einer geduld hat,
eine feste (?) seele.
sum bið fugel-bona.
hafeces cræftig.
sum bið to horse hwæt.
sum bið swið-snel.
hafað searolic
gomen gleo-dæda.
gife for gum-þegnum.
leoht and leoþu-wac.
Einer ist ein vogeljäger,
des falken kundig.
Einer ist zu pferde geschwind,
einer ist sehr schnell,
hat ein künstliches
spiel lustiger dinge,
gaben für gute diener,
leicht und gelenk.
sum bið leofwende.
hafad môd and word
monnum geþwære.
sum her geornlice.
gæstes þearfe.
mode bewindeþ.
and him metudes est. (Ms. eft.)
ofer eorð-welan.
ealne geceoseð.
Einer ist angenehm,
hat gemüth und wort,
bei menschen beliebt.
Einer hier gern
des geistes bedürfnisse
im gemüthe verschliesst
und sich des schöpfers gunst
vor irdischem wohle,
allem, wählt.
sum bið deor-mod.
deofles gewinnes.
bið a wið firenum.
in gefeoht gearo.
sum cræft hafað.
circ-nytta fela.
mæg on lof-songum.
lifes waldend.
hlude hergan.
hafað healice
beorhte stefne.
Einer ist bedacht
auf des teufels krieg,
ist immer gegen sünden
im gefecht bereit.
Einer geschicklichkeit hat
vieler kirchengenüsse,
kann in lobsängen
des lebens walter
laut ehren,
hat eine hohe,
helle stimme.
sum bið boca gleaw.
larum leoþu-fæst.
sum biþ list-hendig.
to awritanne.
word-gerynu.
Einer ist buchbewandert,
in lehren gliedfest.
Einer ist behend,
auf zu schreiben
wortgeheimnisse.—
Nis nu ofer eorþan.
ænig monna.
mode þæs cræftig.
ne þæs mægen-eacen
þæt hi æfre anum.
ealle weorþen.
gegearwade.
Nun ist nicht auf erden
irgend ein mann
im geiste so erfahren,
noch so künste reich,
dass sie stets einem
alle würden
bereitet,
þy læs him gilp sceððe.
hade, oþþe fore þære mærþe.
môd astige.
gif he hafaþ ana.
ofer ealle men.
wlite and wisdom.
and weorca blæd.
ac he missenlice. (He. i. e. God.)
monna cynne.
gielpes styreð.
and his giefe bryttað.
damit ihm nicht übermuth schade,
oder wegen deren mähr
das gemüth sich überhebe,
wenn er hätte allein
vor allen menschen
schönheit und weisheit
und der werke frucht;
sondern er verschiedentlich
des menschengeschlechtes
stolz steuert,
und seine gaben vertheilt:
sumum on cystum. (Ms. summum.)
sumum on cræftum.
sumum on wlite.
sumum on wige.
sumum he syleð monna.
milde heortan.
þeaw fæstne geþoht.
sum biþ þeodne hold.
einigen in würden,
einigen in künsten,
einigen in schönheit,
einigen im kriege;
einigen menschen verleiht er
milde herzen,
ein wohlbestelltes gemüth;
einer ist dem herrn hold.
swa weorðlice.
wide tosaweð.
dryhten his duguþe.
a þæs dôm age.
leoht-bære lof.
se us þis lif giefeð.
and his milde môd.
monnum cyþeð.
So würdiglich
weit säet aus
der herr seine tugenden.
Immer also habe macht,
leuchtendes lob,
der uns dieses leben giebt
und seinen milden geist
den menschen verkündet!

Sinnsprüche. Die Angelsachsen besassen einen grossen schatz körniger sprüchwörter und inhaltsreicher sinnsprüche in versen, von denen uns die exeterhandschrift vier sammlungen aufbewahrt hat. Diese sentenzen sind derjenigen ähnlich, welche uns Cuthbert in seiner epistola de morte Bedæ als einen spruch des sterbenden Beda in folgenden worten aufbewahrt hat:

For þam nedfere
neni wirþeð
þances snotera,
þonne him þearf sy,
to gehicgenne
er his heonongange,
hwet his gaste
godes oððe yveles
efter deaðe heonon
demed weorþe.
Vor der nothfahrt
niemand wird
gedanken weiser,
denn ihm bedarf sei,
zu forschen
vor seinem hingange,
was seinem geiste
des guten oder bösen
nach dem tode (von) hinnen
zugeurtheilt werde.

Räthsel. Endlich sind uns in der exeterhandschrift eine grosse menge räthsel überliefert, deren aufgeben und lösen eine beliebte unterhaltung der Angelsachsen war. Von den beiden hier mitgetheilten räthseln mag die auflösung des ersten „gedanke“ oder „luft“ und des zweiten „gerste“ sein, mit rücksicht auf das daraus gebraute getränk (John Barleycorn).

Codex Exoniensis, seite 482.
Ic eom mare.
þon þes middan-geard.
læsse þon hond-wyrm.
leohtre þon mona.
swiftre þon sunne.
sæs me sind ealle.
flodas on fæðmum.
and þas foldan bearm.
grene wongas.
Ich bin mehr
als diese welt,
weniger als ein handwurm,
leichter als der mond,
schneller als die sonne,
die seen gehören mir alle,
die fluthen in umfassungen,
und des feldes schooss,
grüne gefilde;
grundum ic hrine.
helle under-hnige.
heofonas ofer-stige.
wuldres eðel.
wide ræce
ofer engla eard.
die gründe berühre ich,
zur hölle neige ich mich hinunter,
die himmel ersteige ich,
der herrlichkeit wohnsitz;
weit reiche ich
über der engel heimath;
eorðan gefylle.
ealne middan geard
and mere-streamas.
side mid me sylfum.
saga hwæt ic hatte.
die erde erfülle ich,
die ganze welt
und die meerströme
weit mit mir selbst.
Sage, wie ich heisse?
Codex Exoniensis, seite 410. (Wright’s Introductory Essay, seite 79).
Bið foldan dæl.
fægre gegierwed.
mid þy heardestan.
and mid þy scearpestan.
and mid þy grymmestan.
gumena gestreona.
Es ist ein theil des feldes,
schön bereitet,
mit dem härtesten
und mit dem schärfesten
und mit dem grimmigsten
menschlicher werke,
corfen sworfen.[86]
cyrred þyrred.
bunden wunden.
blæced wæced.
frætwed geatwed.[87]
feorran læded.
to durum dryhta.
geschnitten, gestrichen,
gewendet, gedörrt,
gebunden, gewunden,
gebleicht, geweckt,
geputzt, gezeigt,
weit gebracht
zu den thüren der leute.
dream bið in innan.
cwicra wihta.
clengeð[88] lengeð.
þara þe ær lifgende.
longe hwile.
wilna bruceð.[89]
and no wið-spriceð.
Eine freude ist es im innern
lebender wesen,
hängt sich an und verlängert;
derer das vorher lebende
lange zeit
willen gehorcht
und nicht widerspricht
and þon æfter deaðe.
deman onginneð.
meldan mislice.
micel is to hycganne.
wisfæstum menn.
hwæt seo wiht sy.
und dann nach dem tode
zu urtheilen beginnt,
zu melden verschiedentlich.
Sehr muss nachdenken
der weiseste mann,
was dieses wesen sei.

In diesen räthseln kommen hin und her die alten runen theils, wie es scheint, als buchstaben, theils auch in ihrer wortbedeutung vor. Ein angelsächsisches gedicht über die bedeutung der runen ist von W. Grimm herausgegeben worden.

Prosa. Wenn wir uns zu den prosaischen schriften der angelsächsischen literatur wenden, welche der mündlichen überlieferung so wie späterer ungenauer aufzeichnung mehr entrückt waren, so findet sich nicht nur grössere sicherheit in sprache und rechtschreibung, welche mit geringen ausnahmen die des autors sein mag, sondern es ist auch leichter, den historischen fortschritt in der literatur zu verfolgen, als bei der poesie, da dieselbe nur selten auf einzelne dichter zurückzuführen ist, sondern auf der breiten unterläge des volkslebens ruht.

Athelbert’s und Wihtræd’s Gesetze. Die ersten anfänge angelsächsischer prosa sind in den gesetzen zu suchen, welche Athelbert, könig von Kent, der im jahre 616 starb, bald nach seiner bekehrung zum christenthum in neun und achtzig bestimmungen erlassen haben soll. Manche derselben mag eingeschoben sein. Die sprache ist gewiss modernisirt; die überschrift This syndon tha domas, the Aethelbirht cyning asette on Augustinus dæge, welche sich in dem einzigen manuscript dieser gesetze findet, ist ebenfalls späteren ursprungs, worauf auch die aufzählung der priesterlichen rangordnung und die volle entwickelung des kirchenregimentes im ersten paragraph schliessen lässt:

§ 1. Godes feoh and ciricean XII gylde; biscopes feoh XI gylde; preosles feoh IX gylde; diacones feoh VI gylde; clerices feoh III gylde; ciricfrið II gylde; mynsteres frið II gylde. § 1. Gottes- und kirchen-gut gelte zwölffach; bischof’sgut elffach; priestergut gelte neunfach; diakonusgut gelte sechsfach; clerikergut gelte dreifach; kirchenfrieden gelte zwiefach; klosterfrieden gelte zwiefach.

Von den kentischen königen Hlothar, Eadric und Wihtræd, sind gleichfalls gesetze erhalten. Die des letzteren sind unter zuziehung des brittischen erzbischofs Birhtwald (Bretone heahbiscop) und des bischofs von Rochester nach vorher gepflogener berathung mit den mächtigen des landes erlassen worden. In diesen gesetzen findet sich im § 13 schon eine strafe auf götzendienst gesetzt:

§ 13. Gif ceorl buton wifes wisdome deoflum gelde, he sie ealra his æhtan scyldig and healsfange. Gif butwu deoflum geldað, sion his healsfange scyldige and ealra æhtan. § 13. Wenn ein ehemann ohne wissen der frau den götzen diene, sei er aller seiner güter verlustig und des halsfanges. Wenn beide den götzen opfern, seien sie des halsfanges und aller güter verlustig.

Alfred’s Gesetze. Dann folgen die gesetze der westsächsischen könige Ine und Alfred, welcher letztere seinen gesetzen die mosaischen vorsetzte und die gesetze seiner Vorgänger Ine, des königs Offa von Mercia und Athelbert’s von Kent benützte, wie er selbst in einfacher rede erzählt:

Ic þa Aelfred cyning þæs togædere gegaderod and awritan het manega þara, þe ure foregengon heoldon þara þe me licedon, and manege þara þe me ne licodon ic awearp mid minra witena geþeahte and on oðre wisan bebead to healdenne. Ich, könig Alfred, sammelte da diese und liess viele von denen, welche unsere vorgänger hielten, wenn sie mir gefielen; und viele derer, die mir nicht gefielen, verwarf ich mit meiner witan rathe und gebot, sie in anderer weise zu halten.
Forþam ic ne dorste gedyrstlæcan þara minra awuht feala on gewrit settan; forþan me wæs uncuð, hwæt þæs þæm lician wolde, þe æfter us wæron; Denn ich wagte nicht es zu unternehmen, von den meinigen viel in die schrift zu setzen; denn es war mir unbekannt, was davon denen gefallen würde, die nach uns wären;
ac þa þe ic gemette awðer on Ines dæge mines mæges, oððe on Offan Mercna cyninges, oððe on Aeðelbyrhtes, þe ærest fulluht onfeng on Angelcynne, þa þe me ryhtoste þuhton, ic þa her on gegaderode and þa oðre forlet. aber die, welche ich fand entweder in Ine’s meines verwandten tagen, oder in Offa’s, des königs der Mercier, oder in Athelbert’s, der zuerst die taufe empfing im Angelvolke, die, welche mir am wichtigsten schienen, die sammelte ich hier, und die anderen liess ich weg.
Ic þa Aelfred Westseaxna cyning eallum minum witum þæs geeowde and hy þa cwæðon þæt him þæt licode eallum wel to healdenne. Ich nun Alfred, könig der Westsachsen, zeigte diese allen meinen witan (räthen), und sie erklärten dabei, dass ihnen allen dieses wohl gefiel zu halten.

Cnut’s Gesetze. Ausser den Alfred’schen gesetzen zeichnen sich die von Cnut gegebenen durch milde und edle humanität aus, welche gegen die barbarei und härte der mittelalterlichen, ja selbst vieler neueren gesetze bedeutend absticht. Als eine probe der sprache sowohl wie der grundsätze in Cnut’s gesetzen mögen folgende bestimmungen hier einen platz finden:

2. And we lærað, þæt þeah hwa agylte and hine sylfne deope forwyrce, þonne gefadige man þa steore, swa hit for gode sy gebeorhlic and for woruld aberendlic. 2. Und wir ermahnen, dass, obwohl jemand etwas verbreche und sich selbst tief verwirke, dann man eine strafe anordne, wie sie vor Gott gebührlich und vor der weit erträglich sei.
And geþence swiðe georne se þe domes geweald age, wæs he sylf georne, þonne he þus cweð: Et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus, þæt is on englisc: and forgif us, drihten, ure gyltas, swa we forgyfað þam þe wið us agyllað. Und es bedenke sehr sorgfältig der, welcher des urtheils gewalt habe, was er selbst gern habe, wenn er also spricht: Et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus, das ist auf Englisch: und vergieb uns, herr, unsere schuld, wie wir vergeben denen, die sich gegen uns verschulden.
And we beodað, þæt man cristene men for ealles to lytlum huru to deaðe ne forræde, ac elles geræde man friðlice steora folce to þearfe, and ne forspille man for litlum godes handgeweorce and his agene ceap, þe deore gebohte. Und wir gebieten, dass man christenleute für alles zu geringe wenigstens nicht zum tode verurtheile, sondern man vielmehr milde strafen feststelle dem volke zum nutzen, und nicht den menschen, das geschöpf Gottes, und sein eigenes gut, das er theuer erkaufte, um geringes zerstöre.
66. And utan don, swa us þearf is, helpan a þam raðost, þe helpes best behofað; þonne nime we þæs lean þær us leofast byð. Forþam a man sceal þam unstrangan men for godes lufe and ege liðelicor deman and scryfan, þonne þam strangan, for þam þe ne mæg se unmaga þam magan, we witon, ful georne gelice byrðene ahebban, ne se unhæla þam halan gelice. 66. Und möchten wir thun, wie wir sollen, helfen immer dem zunächst, welcher der hilfe am besten bedarf; dann empfangen wir den lohn da, wo er uns am liebsten ist. Denn immer soll man den schwachen mann aus Gottes-liebe und furcht gelinder richten und büssen, als den starken, denn nicht kann der unmächtige, wie wir wissen, mit dem mächtigen eine völlig gleiche bürde haben, noch der sieche mit dem gesunden eine gleiche.
And þy we sceolan medmian and gesceadlice todælan ylde and geogoðe, welan and wædle, freot and þeowæt, hæla and unhæle, and ægðer man sceal ge on godcundan scriftan ge on woruldcundan doman þæs þinge tosceadan. Und darum sollen wir maass halten und unterschiedlich zutheilen dem alter und der jugend, dem reichthum und der armuth, der freiheit und der knechtschaft, der gesundheit und dem siechthum, und jeder mann soll sowohl bei göttlichen büssen als bei weltlichen urtheilen diese dinge scheiden.
Eac on mænigre dæde, þonne man bið nydwyrhta, þonne bið se man gebeorges þe bet wyrðe, þe he for neode dyde þæt þæt he dyde. And gif hwa hwæt ungewealdes gedeð, ne byð þæt ealum na gelice, þe hit gewealdes gedeð. Auch bei mancher handlung, wenn der mensch nothgedrungen ist, ist der mensch des schutzes würdiger, weil er aus noth das that, was er that. Und wenn jemand etwas unabsichtlich thut, ist er nicht in allem dem gleich, der es absichtlich that.
67. Þis is þonne seo lihtinge, þe ic wylle eallon folce gebeorgan, þe hig ær þyson mid gedrehte wæron ealles to swiðe. Þæt is þonne ærest, þæt ic bebeode eallum minan gerefan, þæt big on minan agenan rihtlice tilian and me mid þam feormian, and þæt him nan man ne þearf to fearme fultume nan þinge syllan, buton he sylf wylle. 67. Dieses ist denn die erleichterung, die ich allem volke angedeihen will, da sie vor diesem damit zu sehr gedrückt wurden. Das ist das erste, dass ich gebiete allen meinen amtleuten, dass sie auf meinem eigenthum ordentlich bauen und mich damit beköstigen, und dass ihnen niemand zur beköstigung als unterstützung irgend etwas geben darf, ausser er will es selbst.
77. And ic wille þæt ælc man sy his huntnoðes wyrðe on wuda and on felda on his agenan. And forga ælc man minne huntaðloce hwær ic hit gefriðod wille habben, be fullan wite. 77. Und ich will, dass jedermann seiner jagd würdig sei in wald und feld auf seinem eigenthum. Und es vermeide jedermann mein jagdgehege, we ich es gefriedigt haben will, bei voller strafe.

Die Gesetze Wilhelm’s des Eroberers. Die alten angelsächsischen gesetzsammlungen[90] sind fortgeführt bis zu Wilhelm dem eroberer, welcher ebenfalls noch einige verordnungen in angelsächsischer sprache erliess, obwohl er sich im allgemeinen der französischen und lateinischen sprache bei seinen erlassen bediente.

Das folgende angelsächsische gesetz Wilhelm’s zeigt ausser der sprache auch die geringe achtung, in welcher die sächsische tapferkeit bei dem eroberer stand. Es ist aufbewahrt im Codex Roffensis, welcher eine reiche, von Arnulf, bischof von Rochester (starb 1124), angelegte sammlung angelsächsischer urkunden enthält.

Willelmes cyninges asetnysse. König Wilhelm’s Satzungen.
Wilhelm cyng gret ealla þa þe þys gewrit tocymð ofer eall Englaland freondlice, and beot and eac cyð eallum mannum ofer eall Angel-cynn to healdenne, þæs is: König Wilhelm grüsst alle, denen diese schrift zukömmt, über ganz England freundlich, und gebietet und heisst auch allen mannen im ganzen Angelvolke zu halten, nämlich:
1. Gif Engliscman beclypað ænigne Frænciscne man to orneste for þeofte oððe for manslihte, oððe for ænigan þingan, þe gebyrige ornest fore to beonne oððe dom betweox twam mannum, habbe he fulle leafe swa to donne. 1. Wenn ein Engländer einen fränkschen mann zum ernstkampfe fordert wegen diebstahls, oder todtschlages, oder wegen irgend einer sache, wegen der sich ernstkampf gebührt oder gottesurtheil zwischen zwei männern, habe er volle erlaubniss, es zu thun.
And gif se Englisca forsæcð þæt ornest, þe Frencisca, þe se Englisca beclypað, ladige hine mid aðe ongean hine mid his gewitnesse æfter Norðmandiscere lage. Und wenn der Engländer jenen kampf aufgiebt, reinige sich der Franke, den der Engländer belangt, mit eid gegen ihn mit seinem zeugniss nach normännischem gesetz.
2. Eft gif Frenciscman beclypað Engliscne man to orneste for þam ylcan þingan, se Englisca be fulre leafe hine werige mid orneste oððe mid irene, gif him þaet gecwemre byð. And gif he untrum byð and nelle þæt ornest oððe ne mæge, begyte him lahlicne spalan. 2. Dann wenn ein Franke einen Engländer zum ernstkampfe wegen derselben dinge fordert, so vertheidige sich der Engländer nach willkür mit kämpf oder mit eisen-(ordal), wenn ihm das bequemer ist. Und wenn er schwach ist und den kampf nicht will oder mag, so schaffe er sich einen gesetzlichen vertreter.
3. Und wenn der Franke überwältigt ist, gebe er dem könige drei pfund. Und wenn der Engländer sich nicht mit ernst wehren will, oder mit zeugniss, reinige er sich mit eisen. 3. And gif se Francisca byð ofercuman, he gyfe þam cynge III pund. And gif se Englisca nele hine werian mid orneste oððe mid gewitnesse, he ladige hine mid irene.
4. Aet eallan ullagan þingan se cyng geselle, þæt se Englisca ladige hine mid irene. And gif se Englisca beclypað Frenciscne mid utlagan þingan, and wille hit þonne on him gesoðian, se Frencisca bewerie hine mid orneste. 4. Bei allen verbrecherischen dingen setzt der könig fest, dass der Engländer sich mit eisen reinige. Und wenn der Engländer einen Franken mit verbrecherischen dingen beschuldigt und will es an ihm bewahrheiten, wahre sich der Franke mit kampf.
And gif se Englisca ne durre hine to orneste beclypian, werige hine se Fræncisca mid unforedan aðe. Und wenn der Engländer ihn nicht zum kämpf zu fordern wagt, wahre sich der Franke mit ungebrochenem eide.

Das durch die christlichen sendboten und kirchenobern eingeführte Studium der klassischen sprachen, besonders der lateinischen, hatte einen so günstigen boden in England gefunden, dass die früchte desselben bald auch in Deutschland und Frankreich genossen werden konnten, indem England den genannten ländern nicht nur lehrer, sondern auch bücher lieferte. Der eifer für die christliche religion und das studium der römischen spräche führte seit dem ende des siebenten jahrhunderts Engländer in grosser anzahl auf jener strasse nach Italien und Rom, welche noch jetzt die grosse heeresbahn der reisenden Engländer ist.

Der Glossator Aldred. Diese beschäftigung der Angelsachsen mit den wissenschaften musste auch einen wohlthätigen einfluss auf ihre muttersprache ausüben, indem in dieser nun für das verständniss der grösseren menge eine grosse zahl übersetzungen und paraphrasen von den gebildeteren geschrieben wurden. Dadurch bekam die angelsächsische sprache, welche bis dahin nur umgangs- und dichtersprache war, einen festen boden. Zu der zeit, als die kenntniss der lateinischen sprache den mönchen und geistlichen schwand, und dafür dem volke die allgemeine bildung zugänglicher ward, also in der mitte des neunten jahrhunderts, beginnen auch die glossen und übersetzungen zwischen den zeilen in heiligen wie profanen schriften. In dem sogenannten Durham buche und dem Durham Ritual[91] nennt sich der glossator Aldred. Folgendes ist ein beispiel, wie die glossen des Durham buches beschaffen sind:

Glossen.

Luc. 1, 6. 7.
Wæsin dagumHerodescynigesJudæsacerdsummið noma
Fuitin diebusHerodisregisJudææsacerdosquidamnomine
of londAbia,andwifþæm oððe himof dohterum Aaron,and
Zachariasde viceAbia,etuxorillide filiabus Aron,et
nomahisElisabeð.
nomeneiusElisabet.
Wœronuutsoð-fæstobœgofore Godefærendoin allum
Erantautemiustiamboante Deumincedentesin omnibus
bodumandsoðfæstnissumDrihtnesbuta gnornunge.
mandatisetjustificationibusDominisine quærella.

Zur vergleichung der angelsächsischen sprache, wie sie an verschiedenen orten und zu verschiedenen zeiten bei der bibelübersetzung im gebrauch war, folgt hier die parabel vom säemann (Marc. IV, 3-8): [92] [C]

Aus Marshall’s Gospels, Dordrecht 1665. (Westsächsisch, reines Angelsächsisch.) Aus dem im Anfang des zehnten Jahrhunderts geschriebenen Durham Book (Cotton. Mss. Nero, D. IV. fol. 100).
3. Gehyrað, Ute eode se sædere hys sæd to sawenne. 4. And þa he sew, sum feoll wið þone weg, and fugelas comon and hyt fræton. 5. Sum feoll ofer stans-cyligean, þar hyt næfde mycel eorðan, and sona up-eode, forþam hyt næfde corðan þiccnesse. 6. Þa hyt up-eode, seo sunne hyt forswælde, and hyt forscranc, forþam hyt wirtruman næfde. 7. And sum feoll on þornas, þa stigon þa þornas and forðrysmodon þæt, and hyt wæstm ne bær. 8. And sum feoll on god land, and hyt sealde, upstigende and wexende, wæstm, and an brohte þrittig-fealdne, sum syxtig-fealdne, sum hund-fealdne. 3. Heono eode ðe sawende (sedere) to sawenne. 4. and miððs geseuw, oðer (sum) feoll ymb ða stret, and cwomon flegendo and fretton (eton) ðæt. 5. sum ec feoll of stæner, ðer ne hæfde eorðu michel (menig); and bræðe upp iornende wæs (arisen wæs) forðon niefde heanisse eorðes: 6. and ða arisen (ða upp eode) wæs sunna, gedrugade (forbernde); forðon niefde wyrt-ruma, gedrugade. 7. and sum feoll in ðornum, and astigon (upp eodun) ðornas, and under-dulfon þæt and wæstm ne salde. 8. and oðer feoll on eorðu grodum, and salde wæstm stigende, and wæxende, and to brohte enne (an) ðrittig and un sexdig, and an hundrað.
Aus der zu Harewood oder Harwood (æt Harawuda) im zehnten Jahrhundert über die lateinischen (St. Hieronymi) Evangelien geschriebenen sogenannten Rushworth Glosse (Ms. Bibl. Bodl. D. 24. Nr. 3946, jetzt D. 2. 19. Auct.) Aus Wicliffe’s um 1380 verfassten Bibelübersetzung.
3. Geherðe; heonu eode ðe sedere (sawend) to sawend. 4. and miððy giseow, oðer (sum) gifeol ymb ða strete, and comun flegende, and fretan (etan) ðæt. 5. oðer (sum) soðlice gifeol ofer stænere, ðer ne hæfde eorðo, and hræðe up iornende wæs, forðon ne hæfde heonisse eorðo. 6. and ða aras (uparnende wæs) sunne, and drygde for bernde; and for þon ne hæfde wyrtruma, adrugade. 7. and oðer gifeol in þornas, and astigun (upeadun) ðornas and underdulfun dæt, and wæstem ne salde. 8. and oðro gifeol on eorðo gode; and salde wæstem stigende, and wexende, and tobrohte an (enne) ðritig, and an sextig and an hundreð. 3. Here ye, lo a man sowinge goith out to sowe, 4. and the while he sowith sum seed fel aboute the weye, and briddis of hevene camen and eeten it, 5. other felde doun on stony places where it hadde not myche erthe, and anoon it sprong up; for it hadde not depnesse of erthe, 6. and whanne the sunne roos up it welewide for hete, and it driede up, for it haade no roote. 7. And other fel doun into thornes, and thornes sprungen up and strangliden it, and it gaf not fruyt. 8. And othere felde doun into good lond, and it gaf fruyt spryngyng up and wexinge, and oon broughte thritty fold, and oon sixty fold, and oon an hundrid fold.

Jetzige englische Bibelübersetzung.

3. Hearken: behold, there went out a sower to sow: 4. and it came to pass, as he sowed, some fell by the wayside, and the fowls of the air came and devoured it up. 5. And some fell on stony ground, where it had not much earth; and immediately it sprang up, because it had no depth of earth. 6. But when the sun was up, it was scorched; and because it had no root, it withered away. 7. And some fell among thorns, and the thorns grew up, and choked it, and it yielded no fruit. 8. And other fell on good ground, and did yield fruit that sprang up and increased; and brought forth, some thirty, and some sixty, and some an hundred.

Ethelwold. Dunstan. Alfred. Mönchsregeln wurden ebenfalls aus dem Lateinischen in das Angelsächsische übersetzt, oder glossirt. Solche übersetzungen und glossen sind von Ethelwold, bischof von Winchester, gestorben 984 (Wright’s Biogr. Brit. Liter. A. S. Period. seite 441. 442), und von dem berühmten Dunstan, erzbischof von Canterbury und bischof von London und Rochester, gestorben 988 (am angeführten orte, seite 459. 460), meist nur handschriftlich vorhanden. Diese glossenliteratur macht den natürlichen übergang zu der ausbildung der angelsächsischen prosa.

Als eigentlicher schöpfer der angelsächsischen prosa ist Alfred (848-901) anzusehen, welcher nicht bloss gross als könig, sondern noch grösser als lehrer seines volkes ist. Seine wissbegierde machte ihn schon im knabenalter zu einem eifrigen zuhörer bei den gesängen des scop’s (Saxonica poemata diu noctuque solers auditor relatu aliorum sæpissime audiens docibilis memoriter retinebat. Vergl. Asser, vita Aelfr. ed. M. Parker p. 7), und der wunsch, diese gedichte auch selbst lesen zu können, soll der erste anstoss bei Alfred gewesen sein, lesen zu lernen. Die lateinische sprache war zu seiner zeit in England schon so weit in vergessenheit gerathen, dass die priester selbst die messe, welche sie täglich lasen, kaum verstanden. Alfred jammert über diese vernachlässigung der wissenschaften an mehreren stellen seiner werke, so in der vorrede zu Gregor’s liber pastoralis (ed. M. Parker), worinm er auch klagt, dass die kirchen zwar überall mit literarischen schätzen angefüllt seien, dass aber niemand nutzen aus diesen büchern ziehe, weil sie nicht in der angelsächsischen sprache geschrieben wären. Alfred selbst trug sorge, dass diesem übelstande abgeholfen wurde, indem er mehrere bücher in das Angelsächsische übersetzte, so das Pastorale des Gregorius, des Boethius abhandlung de consolatione philosophiæ, die geschichte des Orosius, die englische kirchengeschichte von Beda und wahrscheinlich auch die selbstgespräche des heiligen Augustinus (Wright’s Biogr. Brit. Liter. A. S. Period. seite 394). Ausserdem liess er andere bücher von seinen literarischen freunden übersetzen, mit deren beistande er auch seine eigenen übersetzungen ausarbeitete, indem er sich die originale in leichtere sätze und worte umschreiben liess. Es möge hier beiläufig bemerkt werden, dass die metrische paraphrase des Boethius, welche gewöhnlich Alfred zugeschrieben wird, aus inneren gründen[93] ihm nicht angehörig zu sein scheint. Die unter Alfred’s namen gehenden sprüchwörter[94] sind in der sprache des dreizehnten jahrhunderts und sicher unecht. Alfred’s beispiel musste ein mächtiger antrieb für die gebildeten seines volkes sein, die angelsächsische sprache und literatur zu pflegen, für welche er noch dadurch sorgte, dass in den neuerrichteten schulen neben dem studium der klassischen sprachen der volkssprache gleiche sorgfalt gewidmet wurde.[95]

Die vorrede zu Alfred’s Übersetzung des Boethius lautet:

[96] Alfred kuning wæs wealhstod ðisse bec. And hie of bec Ledene on Englisc wende, swa hio nu is gedon. hwilum he sette word be worde. hwilum andgit of andgite. swa swa he hit þa sweotolost and andgitfullicost gereccan mihte for þæm mistlicum and manigwealdum weoruld bisgum þe hine oft ægþer ge on mode ge on lichoman bisgodan. König Alfred war übersetzer dieses buches und übersetzte es aus bücherlatein in das Englische, wie es nun geschehen ist. Zuweilen setzte er wort für wort, zuweilen sinn für sinn, so wie er es am deutlichsten und verständigsten deuten konnte, wegen der verschiedenen und mannigfaltigen weltlichen geschäfte, welche ihn oft sowohl im gemüthe als mit dem körper beschäftigten.
(Ða bisgu us sint swiþe earfoþ rime þe on his dagum on þa ricu becomon þe he underfangen hæfde. and þeah þa he þas boc hæfde geleornode and of Lædene to Engliscum spelle gewende. þa geworhte he hi efter to leoþe. swa swa heo nu gedon is.)[97] Die geschäfte sind sehr schwer zu zählen, die in seinen tagen über das reich kamen, die er unterfangen hatte. Und doch, da er dieses buch gelernt und aus dem Latein in die englische sprache übersetzt hatte, da setzte er es später in verse, so wie es nun geschehen ist.
and nu bit and for Godes naman healsaþ ælcne þara ðe þas boc rædan lyste. þas he for hine gebidde. and him ne wite gif he hit rihtlicor ongite þonne he mihte. forþæmðe ælc mon sceal be his andgites mæðe and be his æmettan sprecan ðæt he sprecþ. and don þæs þas he deþ. Und er bittet nun und um Gottes namen beschwört jeden derer, welche dieses buch zu lesen gelüstet, dass er für ihn bete, und ihn nicht tadele, wenn er es richtiger versteht, als er konnte, denn jedermann soll nach seines verstandes maasse und nach seiner musse sprechen, das er spricht, und dasjenige thun, was er thut.

Unzweifelhaft echt ist die vorrede Alfred’s zu seiner übersetzung des Gregor’schen hirtenbuches, von welchem er an jeden seiner bischöfe, deren namen in dem anschreiben (der vorrede) enthalten sind, ein exemplar übersendete. Drei der urschriften sind noch vorhanden, welche an Wulfsige, bischof von Sherborne (in der öffentlichen bibliothek zu Cambridge), an Waerferth, bischof von Worcester (in der Bodleyana zu Oxford Ms. Hatton, 88), und an Plegmund, erzbischof von Canterbury (im brittischen museum Ms. Cotton. Tiberius, B. XI) gerichtet wurden. Da Alfred das reinste Westsächsisch schrieb, möge hier die ganze vorrede und, zur vergleichung mit dem jetzigen Englisch, die von Th. Wright seite 397 ff. seiner Biog. Brit. Liter. A. S. mitgetheilte genaue übersetzung derselben einen platz finden:

Ðis is seo fore-spræc hu S. Gregorius þas boc ge-dihte, þe man Pastoralem nemnað. This is the preface how St. Gregory made the book which people call Pastorale.
Ælfred kyning haleð gretung Wulfsige bisceop his worðum luflice and freondlice, and þe cyðan hate, þæt me com swiðe oft on gemynd, hwylce witan geo wæron geond Angel-cyn, ægðer ge godcundra hada ge woruldcundra, and hu ge-sæliglica tida þa wæron geond Angle-cyn, Alfred the king greets affectionately and friendly bishop Wulfsige his worthy, and I bid thee know, that it occurred to me very often in my mind, what kind of wise men there formerly were throughout the English nation, as well of the spiritual degree as of laymen, and how happy times there were then among the English people,
and hu þa cyningas þe þone anweald hæfdon þæs folces, Gode and his æryndwritum hyrsumodon; and hu hi ægðer ge heora sybbe ge heora sydo, and ge heora anweald innan borde gehealdon and eac ut hira eðel rymdon; and hu him þa speow, ægðer ge mid wige ge mid wisdome; and how the kings who then had the government of the people obeyed God and his Evangelists, and how they both in their peace and in their war, and in their government, held them at home, and also spread their nobleness abroad, and how they then flourished as well in war as in wisdom;
and eac þa godcundan hadas hu georne hi wæron ægðer ge ymbe lara ge ymbe leornunga, and ymbe ealle þa þeow-domas þi hy Gode sceoldon, and hu man ut on borde wisdome and lare hider on land sohte, and hu we hi nu sceoldon ute begitan, gif we hi habban sceoldon. and also the religious orders how earnest they were both about doctrine and about learning, and about all the services that they owed to God; and how people abroad came hither to this land in search of wisdom and teaching, and how we now must obtain them from without if we must have them.
Swa clæne heo wæs oðfeallen on Angel-cynne þæt swiðe feawa wæron be-heonan Humbre þe hira þenunge cuðon understandan on Englisc, oððe furðon an ærend-gewrit of Ledene on Englisc areccan: and ic wene þæt naht monige begeondan Humbre næron. Swa feawa heora wæron, þæt ic furþon anne ænlepne ne mæg ge-þencan be-suðan Thamise þa þa ic to rice feng. So clean it was ruined amongst the English people, that there were very few on this side the Humber who could understand their service in English, or declare forth an epistle out of Latin into English; and I think that there were not many beyond the Humber. So few such there were, that I cannot think of a single one to the south of the Thames when I began to reign.
Gode ælmightigum sy þanc, þæt we nu ænigne an steal habbað lareowa. For þam ic þe beode, þæt þu do swa ic ge-lyfe þæt þu wille, þæt þu þe þissa woruld þinga to þam ge-æmtige, swa þu oftost mæge, þæt þu þone wisdome þe þe God sealde þær þær þu hine befæstan mæge befæst. Ge-þenc hwilce witu us þa becomon for þisse woruld, þa þa we hit na hwæðer ne selfe ne lufedon, ne eac oþrum mannum ne lyfdon. To God Almighty be thanks, that we now have any teacher in stall. Therefore I bid thee that thou do as I believe thou wilt, that thou, who pourest out to them these worldly things as often as thou mayest, that thou bestow the wisdom which God gave thee wherever thou mayest bestow it. Think what kind of punishments shall come to us for this world, if we neither loved it ourselves nor left it to other men.
Þone naman anne we lufdon þæt we Cristene wæron, and swiðe feawe þa þeawas. Þa ic þis eal ge-munde, þa ge-mund ic eac hu ic ge-seah ær þam þe hit eal for-heregod wære and for-bærned, hu þa circan geond eal Angel-cyn stodon maðma and boca ge-fylled, and eac micel mæniu Godes þeawa, and þa swiðe lytle feorme þara boca wiston, for þam þe hi hira nan þing ongitan ne mihton, for þam þe hi næron on hira agenge þeode awritene. We have loved only the name of being Christians, and very few the duties. When I thought of all this, then I thought also how I saw, before it was all spoiled and burnt, how the churches throughout all the English nation were filled with treasures and books, and also with a great multitude of God’s servants, and yet they knew very little fruit of the books, because they could understand nothing of them, because they were not written in their own language;
Swilce hi cwædon ure yldran þa þe þas stowa ær heoldon, hi lufedon wisdome, and þurh þone hi begeton welan and us læfdon. Hær mon mæg gyt ge-seon hira swæð; ac we him ne cunnon æfter spyrgean, for þam we habhað ægðer for-læton ge þone wela ge þone wisdom, for þam þe we noldon to þam spore mid ure mode on lutan. as they say our elders, who held these places before them, loved wisdom, and through it obtained weal and left it to us. Here people may yet see their path, but we cannot follow after them, because we have lost both weal and wisdom by reason of our unwillingness to stoop to their track.
Þa ic þa þis eall ge-munde, þa wundrode ic swiðe þæra godera witena þe geo wæron geond Angel-cyn, and þa bec befullan ealle ge-leornod hæfdon þæt hira þa nanne dæl noldon on hira agen ge-þeode wendan, ac ic þa sona eft me sylfum andwyrde and cwæð, hi ne wendon pæt æfre men sceoldon swa recelease wurðan, and seo lar swa ðofeallan. When I thought of all this, then I wondered greatly that none of the excellent wise men who were formerly in the English nation and had fully learned all the books, would translale any part of them into their own native language; but I then soon again answered myself and said, they did not think that ever men would become so careless and learning so decay.
For þære wilnunge hi hit for-leton, and woldon þæt her þe mara wisdome on lande wære, þi we ma ge-þeode cuðon. Þa ge-munde ic hu seo æ wæs æryst on Ebreisc ge-þeode fundon, and eft þa Crecas ge-leornodon, þa wendon hi hit on hira agen ge-þeode ealle, and eac ealle oðra bec, They therefore willingly let it alone, and would that more wisdom were in this land, the more languages we knew. Then I considered how the law was first found in the Hebrew tongue; and again the Greeks learnt it, then they translated it all into their own speech, and also all other books;
and eft Leden-ware swa sone siððan hi hit ge-leornodon, hi wendon ealle þurh wise wealhstodas on heora agen ge-þeode, and eac alle oðra Cristene þeoda sumne dæl hira on hira agen ge-þeode wendon. and also the Latin people afterwards, as soon as they had learnt it they translated it all through wise interpreters into their own tongue; and also all other Christian people translated some part of them into their own tongue.
For þi me þingð betere gif geow swa þincð, þæt we eac sume bec þa þemed beþyrfysta syn eallum mannum to witanne, þæt we þa on þæt ge-þeode wendon þe we ealle ge-cnawan mægen, and ge-don swa we swiðe eaðe magon mid Godes fultume, gif we þa stylnesse habbað, þæt eall seo geoguð þe nu is on Angel-cynne freora manna, þara þe þa speda hæbben, þæt hi þam befeolan mægen syn to leornunga oðfæste, þa hwile þe hi nanre oðerre note ne mægen, oð fyrst þe hi wel cunnen Englisc ge-writ arædan. Therefore it appears to me better, if you think so, that we also some books which seem most needful for all men to understand, that we translate them into that language that we can all understand, and cause, as we very easily may with God’s help, if we have the leisure, that all the youth that is now in the English nation of free men, such as have wealth to maintain themselves, may be put to learning, while they can employ themselves on nothing else, till at first they can read well English writing.
Lære mon siððan furðor on Leden geþeode, þa þe man furðor læran wille, and to herran hade don wille. Þa ic ge-munde hu seo lar Leden ge-þeodes ær þysum afeallen wæs geond Angel-cyn, and þeah manega cuðon Englisc gewrit arædan, Afterwards let people teach further in the Latin tongue those whom they will teach further and ordain to higher degree. When I thought how the learning of the Latin language before this was decayed through the English people, though many could read English writing,
þa ongan ic ge-mong oðrum mislicum and monigfealdum bisgum þisses kynerices þa boc wendan on Englisc þe is genemned on Leden Pastoralis, and on Englisc Hirde-boc, hwilum word be worde, hwilum andgit of andgite, swa swa ic hi ge-leornode æt Plegmunde minum ærce-biscope, and æt Assere minum biscope, and æt Grimbolde minum mæsse-preoste, and æt Johanne minum mæsse-preost. then I began among other divers and manifold affairs of this kingdom to translate into English the book which is named in Latin Pastoralis, and in English Herdsman’s book, sometimes word for word, sometimes meaning for meaning, as I learnt it of Plegmund my archbishop, and of Asser my bishop, and of Grimbold my presbyter, and of John my presbyter.
Siððan ic hi þa ge-leornod hæfde, swa swa ic hi for-stod swa hic hi andgitlicost arrecan meahte, ic hi on Englisc awende; and to ælcan biscop-stole on minum rice wylle ane on-sendan, and on ælere bið an æstel se bið on fiftigum mancessa. After I had then learnt it so that I understood it as well as my understanding could allow me, I translated it into English; and I will send one copy to each bishop’s see in my kingdom, and on each one there is a stile of the value of fifty mancuses;
And ic bebeode on Godes naman, þæt man þone æstel fram þare bec ne do, ne þa boc fram þam mynstre, uncuð, hu lange þær swa ge-lærede biscopas syn, swa swa nu Gode þanc wel hwar sindon. For ði ic wolde ðæt hi ealne weg æt þære stowe wæron, buton se biscop hi mid him habban wylle, oððe heo hwær to læne sy oððe hwa oðre bi-write. and I bid in God’s name that no one take the handle from these books, nor the books from the mynster, unknown, as long as there are any learned bishops, as (thanks to God) there are now everywhere. Therefore I would that they remain always in their places, unless the bishop will have them with him, or it be lent somewhere until somebody write another copy.

In die übersetzung des Orosius fügte Alfred den bericht eines normanns über die umsegelung Skandinavien’s ein, dessen anfang hier als eine andere probe der Alfred’schen schreibart mitgetheilt wird.

[98] Ohthere sæde his hlaforde Aelfrede kyninge þæt he ealra Norðmanna norðmest bude. He cwæð þæt he bude on þæm lande norðeweardum wið þa west sæ. he sæde ðeah þæt þæt land sy swyðe norð þanon. ac hit is eall weste buton on feawum stowum. sticce mælum wiciað Finnas. on huntaðe on wintra. and on sumera on fiscoðe be þære sæ. Ohther sagte seinem herrn, dem könig Alfred, dass er von allen nordmännern am nördlichsten wohne. Er sagte, dass er in dem lande nordwärts gegen die westsee wohne; er sagte indessen, dass dieses land von da weit nach norden sich erstrecke, und ganz wüst sei, ausser dass an wenigen orten him und her Finnen hausen, zur jagd im winter und im sommer auf dem fischfang an der see.
He sæde þæt he æt sumum cyrre wolde fandian hu lange þæt land norð right læge. oððe hwæþer ænig man be norðan þæm westene bude. Ða for be norðrihte be þæm lande. let him ealne weg þæl weste land on þæt steorbord. and þa wid sæ on bæc-bord. þry dagas þa wæs he swa feor norið swa swa hwæl huntan fyrrest farað. Er sagte, dass er einmal untersuchen wollte, wie weit das land nach norden läge, oder ob jemand noch nördlich von dieser wüste wohne. Deshalb ging er gerade nördlich von dem lande, und liess den ganzen weg das wüste land an dem steuerbord und die offene see an dem backbord. In drei tagen war er so weit nördlich, wie die wallfischjäger weitestens fahren,
Ða for he þa gyl norð ryhte. swa fær swa he mihte on þæm oðrum þrim dagum geseglian. Þa beah þæt land þær caste ryhte. oððe sio sæ in on þæt land. he nyste hwæþer. buton he wisste þæt he þær bad westan windes. oððe hwone norðan. and seglede þanon east be lande. swa swa he mihte on feower dagum geseglian. deshalb ging er dann noch immer gerade nördlich, so weit er in anderen drei tagen segeln konnte; da zog sich das land genau östlich, aber ob die see in das land hineinging, wusste er nicht; er wusste jedoch, dass er dort west- oder etwas nördliche winde abgewartet, und segelte dann östlich am lande hin so weit er in vier tagen segeln konnte.
Þa sceolde he þær bidan ryhte norðan windas. forðan þæt land beah þær suð rihte. oððe sio sæ in on þæt land. he nyste hwæþer. Þa seglede he þanon suðrihte be lande, swa swa he mihte on fif dagum geseglian. Dann musste er da rechte nordwinde abwarten, denn das land zog sich dann ganz nach süden, ob aber die see in das land hinein ging, wusste er nicht. Dann segelte er von da südlich am lande so weit, als er in fünf tagen segeln konnte.

Folgendes ist eine probe von Alfred’s Übersetzung des Boethius c. XII.

Ða ongan se wisdom gliowian. and geoddode þus. Se þe wille fæst bus timbrian. ne sceall he hit no settan upon þone hehslan cnol. and se ðe wille godcundne wisdom secan. ne mæg he hine wiþ ofermetta. and eft se þe wille fæst hus timbrian. ne seile he hit on sondbeorhas. Da begann die Weisheit zu singen und sang also: derjenige, welcher ein festes haus zimmern will, der soll es nicht setzen auf die höchste bergspitze, und der da will göttliche weisheit suchen, der mag es nicht mit übermuth. Und wieder, wer ein festes haus zimmern will, der setze es nicht auf sandberge.
Swa eac gif þu wisdom timbrian wille. ne sete ðu hine uppan þa gitsunga. forðam swa swa sigende sond þonne ren swylgþ. swa swylgþ seo gitsung þa dreosendan welan þisses middangeardes. forðam hio hiora simle bið ðurstegu. So auch wenn du weisheit bauen willst, so setze sie nicht auf gelüste; denn so wie durstiger sand den regen verschlingt, so verschlingt auch die begierde die vergänglichen schätze dieser welt, denn sie ist ihrer immer durstig.
ne mæg hus naht lange standan on ðam hean munte. gif hit full ungametlic wind gestent. næft þæt þæt te on ðam sigendan sonde stent for swiþlicum rene. swa eac þæt mennisce mod bið undereten and aweged of his stede. þonne hit se wind strongra geswinca astyrod. oððe se ren ungemetlices ymbhogan. Ein haus kann nicht lange stehen auf dem hohen berge, wenn es ein voller, unmässiger wind drängt; auch behält er das nicht, welches auf dem durstigen sande steht, wegen vieles regens. So wird auch das menschliche gemüth verkehrt und von seiner stätte gebracht, wenn es der wind starker versuchungen bewegt, oder der regen unermesslicher gelüste.
Ac se þe wille habban þa ecan gesælþa. he sceal fleon þone frecnan wlite þises middaneardes. and timbrian þæt hus modes on þam fæstan stane eaðmetta. forþam ðe Crist eardað on þære dene eadmodnesse. and on þam gemynde wisdomes. Aber der, welcher das ewige glück haben will, muss fliehen den gefährlichen glanz dieser welt und das haus des geistes auf dem festen steine der demuth zimmern; denn Christus wohnt in dem thale der demuth und in dem geiste der weisheit.
forþam simle se wisa mon eall his lif læt on gefean unonwendendlice and orsorh. Þonne he forsihþ ægðer ge þas eorþlican god ge eac þa yflu. and hopaþ to þam toweardam. Þæt sint þa ecan. forþam ðe God. hine gehelt æghwonan. singallice wuniende. on his modes gesælþum. ðeah þe se wind. þara earfoþa. and seo singale gemen. þissa woruld selþa. him onblawe. Daher führt der weise mann immer sein ganzes leben in unveränderlicher und unbesorgter freude, wenn er sowohl das irdische gut als auch das übel verachtet und auf die zukünftigen dinge hofft, welche ewig sind; denn gott hält ihn überall, immerdar wohnend in seines geistes freuden, wenn auch der wind der kümmernisse und die beständige sorge dieser weltfreuden ihn anblase.

Alfric. Ebenso bedeutend für die angelsächsische literatur und spräche als Alfred ist Alfric, erzbischof von Canterbury, welcher 1006 starb. Er hinterliess zahlreiche schriften, von denen mehrere auf uns gekommen sind: eine sammlung von acht predigten, eine übersetzung der ersten sieben bücher der bibel und mehrere abhandlungen. Auch war er der verfasser eines lateinischen glossariums, eines colloquiums und einer lateinischen grammatik, welche ihm den namen des grammatikers erwarb. Diese schriften, welche für den unterricht der mönche und geistlichen hauptsächlich bestimmt waren, verdankten ihren ursprung dem streben, die sinkende kenntniss der lateinischen sprache zu heben. Klagt doch Alfric, dass es schon so weit gekommen war, dass kein englischer priester einen lateinischen brief schreiben oder verstehen konnte, bis erzbischof Dunstan und bischof Ethelwald mit der klosterregel einige gelehrsamkeit hergestellt habe, (swa þat nan Anglisc preost ne cuðe dihtan oððe asmeagan ænne pistol on Leden, oð þæt Dunstan arce-biscop and Aeðelwald biscop æft þa lare on munuc lifum arærde.) Obwohl Alfric ein geistlicher und gelehrter war, bediente er sich doch nicht, wie seine vorgänger, der lateischen sprache, sondern schrieb in angelsächsischer, um das volk aufzuklären, wie er angiebt, zu welchem zwecke er auch nach seiner eigenen erklärung alle dunklen worte vermied, damit er besser verstanden würde.[99]

Aus Alfric’s Abendmahls-Predigt.Übersetzung.
[100]Nu smeadon ge-hwilce men oft, and git ge-lome smeagaþ hu se hlaf ðe bið of corne ge-gearcod and ðurh fyres hætan abacen, mage beon awend to Cristes lichaman, oððe þæt win, þe biþ of manegum berium awrungen, weorþe awend þurh anigre bletsunge to Drihtnes blode. Nun untersuchten etliche Menschen oft und forschen noch häufig, wie das brod, das aus korne bereitet ist und durch feuers hitze gebacken, in Christi leib verwandelt werden könne, oder dass wein, der aus vielen beeren gepresst ist, durch eine segnung in des herrn blut verwandelt werde.
Nu secge we ge-hwilcum mannum þæt sume ðing sind ge-cwedene be Criste þurh ge-tacnunge, sume þurh ge-wissum ðinge. Soð ðing is and ge-wis þæt Crist wæs of mædene acenned, and sylfwilles ðrowode deaþ, and wæs bebyriged, and on ðisum dæge of deaþ aras. Nun sagen wir solchen menschen, dass einige dinge bei Christo durch gleichniss, andere mit gewissheit gesagt sind. Eine wahre und gewisse sache ist es, dass Christ von einer jungfrau geboren ward, und freiwillig den tod litt, und begraben ward und an diesem tage (ostern) vom tode aufstand.
He is ge-cweden hlaf ðurh ge-tacnunge, and lamb, and leo, and gehu elles. He is hlaf ge-haten, for þan þe he is ure lif and engla. He is lamb ge-cweden, for his unscæþþinysse; leo, for ðære strencþe þe he oferswiþde ðone strangan deofol. Ac swa þeah æfter soþum ge-cynde nis Crist naþor ne hlaf, ne lamb, ne leo. Er wird brod durch gleichniss, und lamm, und löwe und was sonst. Er wird deshalb brod geheissen, weil er unser und der engel leben ist; er wird lamm genannt, wegen seiner unschuld; löwe, wegen der kraft, mit der er den starken teufel überwältigte. Aber doch ist Christ nach wahrem wesen weder brod, noch lamm, noch löwe.
Hwi is ðonne þæt halige husell ge-cweden Cristes lichama, oððe his blod, gif hit nis soþlice þæt þæt hit ge-haten is? Soðlice se hlaf and þæt win þe beoþ þurh sacerda mæssan ge-halgode, oþer ðing hi æteowiaþ menniscum andgitum wiþutan, and oþer þing hi clypiað wiþ-innan geleaffullum modum. Warum wird denn das heilige abendmahl Christi leib oder sein blut genannt, wenn es das nicht wahrhaftig ist, was es geheissen wird? Wahrlich, das brod und der wein, die durch des priesters messe geheiligt werden, zeigen äusserlich dem menschlichen verstande ein anderes wesen, und eine andere sache rufen sie innerlich den gläubigen gemüthern zu.
Wiþ-utan hi beoþ ge-sewene hlaf and win ægþer ge on hiwe ge on swæcce, ac hi beoþ soþlice æfter þære halgunge Cristes lichama and his blod ðurh gastlice gerynu. Hæþen cild biþ ge-fullod, ac hit ne bræt na his hiw wiþ-utan, ðeah ðe hit beo wiþ-innan awend. Aeusserlich sind sie sichtbarlich brod und wein sowohl im aussehen als im geschmack; aber sie sind auch in Wahrheit nach ihrer heiligung Christi leib und sein blut durch geistiges geheimniss. Ein heidenkind wird getauft, aber es ändert seine gestalt äusserlich nicht, obwohl es innerlich umgewandelt sei.
Hit biþ ge-broht synfull ðurh Adames forgægednysse to þam fant fate. Ac hit biþ aþwogen fram eallum synnum wiþinnan, ðeah ðe hit wiþ-utan his hiw ne awende. Es wird durch Adam’s ungehorsam sündig zu dem taufgefäss gebracht; aber es wird von allen sünden innerlich abgewaschen, obgleich es äusserlich seine gestalt nicht verwandle.
Eac swylce þæt halige fant wæter, ðe is gehaten lifes wyl-spring, is gelic on hiwe oðrum wæterum, and is under ðeod brosnunge, ac ðæs halgan gastes miht ge-nealæcþ þam brosnigendlicum wætere, ðurh sacerda bletsunge, and hit mæg syþþan lichaman and sawle aþwean fram eallum synnum ðurh gastlice mihte. Auch solches heilige taufwasser, welches die quelle des lebens geheissen wird, ist an gestalt anderen wässern gleich, und ist dem gänzlichen verderben (ausgesetzt), aber des heiligen geistes macht kommt durch des priesters segnung zu dem verderblichen wasser, und es kann darauf leib und seele durch geistige macht von allen sünden abwaschen.
Efne nu we ge-seoþ twa ðing on ðisum anum ge-sceafte. Æfter soþum ge-cynde, þæt wæter is brosniendlic wæter, and æfter gastlicre ge-rynu hæfþ halwende mihte. Seht, nun erblicken wir zwei wesen an diesem einen geschöpfe. Der wahren natur nach ist das wasser verderbliches wasser und nach dem geistigen geheimniss hat es heiligende macht.
Swa eac gif we sceawiaþ þæt halige husel æfter lichamlicum andgite, þonne ge-seo we þæt hit is ge-sceaft brosniendlic and awendedlic: Gif we þa gastlican mihte ðær on to-cnawaþ, ðonne undergite we þæt ðær is lif on, and forgifþ undeadlicnysse ðam ðe hit mid ge-leafan þicgaþ. So auch wenn wir das heilige abendmahl nach menschlichem verstande schauen, dann sehen wir, dass es ein verderbliches und wandelbares geschöpf ist; wenn wir die geistige macht daran erkennen, dann sehen wir ein, dass leben darin ist, und dass es unsterblichkeit giebt denen, die es mit glauben geniessen.
Micel is betwux ðære ungesewenlican mihte ðæs halgan husles, and þam ge-sewenlican hiwe agenes ge-cyndes. Hit is on ge-cynde brosniendlic hlaf and brosniendlic win, and is æfter mihte Godcundes wordes soþlice Cristes lichama and his blod, na swa þeah lichamlice, ac gastlice. Viel ist zwischen der unsichtbaren macht des heiligen abendmahles und der sichtbaren gestalt seiner eigenen natur. Es ist von natur verderbliches brod und verderblicher wein, und ist nach der macht des göttlichen wortes wahrlich Christi leib und sein blut, doch nicht etwa leiblich, sondern geistig.

Alfric Bata. Als nachfolger Alfric’s ist Alfric Bata oder Putta, erzbischof von York, zu nennen. Er ist der verfasser von zwei hirtenbriefen, welche zuerst in lateinischer sprache geschrieben waren, aber auf den wunsch Wulfstan’s, welcher bis 1023 erzbischof von York war, in das Angelsächsische übersetzt wurden, damit ihr nutzen ein allgemeiner würde. Ein zuerst von Alfric Grammaticus verfasstes colloquium, so wie wahrscheinlich auch dessen grammatik und glossarium, wurde von Alfric Bata von neuem herausgegeben. Der tod Alfric’s erfolgte im jahre 1051.[101]

Aus dem zweiten Hirtenbriefe Alfric’s.
[102] Crist sylf ge-halgode husel ær his þrowunge; he bletsode þone hlaf and to-bræc, þus cweþende to his halgum apostulum, „etaþ þisne hlaf, hit is min lichama;“ and he eft bletsode ænne calic mid wine, and cwæþ heom þus to „Drincaþ ealle of þisum, hit is min agen blod þære niwan ge-cyþnysse, þe biþ for manegum agoten, on synna for-gyfenysse.“ Christ selbst heiligte das abendmahl vor seinem leiden; er segnete den leib und brach ihn, also zu seinen heiligen aposteln sprechend: „esset dieses brod, es ist mein leib;“ und darauf segnete er einen kelch mit wein und sprach also zu ihnen: „trinket alle von diesem, es ist mein eigenes blut des neuen zeugnisses, welches für viele vergossen wird zur sündenvergebung.“
Se Drihten þe halgode husel ær his þowunge, and cwæþ þæt se hlaf wære his agen lichama, and þæt win wære witodlice his blod, se halgaþ dæghwamlice þurh his sa cerda handa blaf to his lichaman and win to his blod on gastlicere ge-ryne, swa swa we rædað on bocum. Der herr, welcher das abendmahl vor seinem leiden heiligte und sprach, dass das brod wäre sein eigener leib, und der wein wirklich sein blut wäre, weiht täglich durch seines priesters hand brod zu seinem leib und wein zu seinem blut im geistigen geheimniss, wie wir in büchern lesen.
Ne biþ se liflica hlaf lichamlice swa þeah se ylca lichama þe Crist on þrowode, ne þæt halige win nis þæs Hælendes blod þe for us agoten wæs on lichamlican þinge; ac on gastlicum andgyte ægþer biþ soþlice, se hlaf his lichama, and þæt win eac his blod, swa swa se heafonlica hlaf wæs þe we hataþ manna. Das lebendige brod ist indessen doch nicht derselbe körper, an dem Christus litt, noch ist der heilige wein des heilandes blut, das für uns vergossen ward in leiblicher weise, aber in geistigem sinne ist ein jedes wahrlich, das brod sein leib,und der wein auch sein blut, wie es das himmlische brod war, das wir manna heissen.
Aus dem Colloquium.
Þucnapaliwætdydestto dæg
Magister.Tu,puer,quidfecistihodie?
Manegaþingic dydeon þisse nihtþa þacnyll
Discipulus.Multasresfeci.Hac nocte,quandosignum
ic ge-hyrdeic arásof mínon beddeandeodeto cyrcean
audivi,surrexide lectulo,etexiviad ecclesiam,
andsanguht-sangmidge-broþrum
etcantavinocturnamcumfratribus;
æfter þawe sungonbe eallumhalgumanddægredlicelóf-sangas
deindecantavimusde omnibussanctis,etmatutinaleslaudes;
æfterþysumprímandseofonseolmasmidletanianand
posthæc,primam,etseptempsalmos,cumletaniis,et
capitolmæssansyþþanundern-tideanddydonmæssanbe dæge
primammissam;deindetertiam,etfecimusmissamde die;
æfterþisumwe sungonmiddægandætonanddruncon
posthæccantavimussextam,etmanducavimus,etbibimus,
andsleponandeftwe arisonandsungonnón
etdormivimus,etiterumsurreximus,etcantavimusnonam,
andnuwe syndheræt-foranþegearuwege-hyranhwetþu us secge
etmodosumushiccoramte,paratiaudirequidnobis dixeris.
Hwænnewylle gesinganæfenoþþeniht-sange
M.Quandovultiscantarevesperum,autcompletorium?
Þonnehyt timabyþ
D.Quandotempuserit.
Wære þuto dægbeswuncgen
M.Fuistihodieverberatus?
Icnæsfor-þamwærliceic meheold
D.Nonfui,quiacautemetenui.
Andhwþinege-feran
M.Etquomodotuisocii?
HwætmeahsastbeþamIc nedeoryppanþe
D.Quidmeinterrogasdehoc?Nonaudeopanderetibi
diglaúreAnra ge-hwylcwátgifhe beswuncgen wæsoþþena
secretanostra.Unusquisquescitsiflagellatus eratautnon.

Cynewulf. Wright (Biog. Brit. liter. A. S. Period. Seite 501 ff.) erwähnt einen angelsächsischen dichter Cynewulf, von welchem aus der vercellihandschrift und aus der exeterhandschrift drei religiöse gedichte, welche diesen namen in runen eingefügt enthalten, beigegeben sind. Ob dieser Cynewulf aber derselbe sei, den lateinische schriftsteller Kenulfus nennen, und welcher abt von Peterborough um das jahr 992 war und später im jahre 1006 bischof von Winchester wurde, ist unsicher und zweifelhaft. Der tod des letzteren erfolgte im jahre 1008.

Wulfstan. Endlich verdient noch Wulfstan, erzbischof von York und bischof von Worcester von 1003 bis 1023, in welchem jahre er starb, erwähnt zu werden. Er war der freund beider Alfric’s, von denen der jüngere für ihn die beiden hirtenbriefe in das Angelsächsische übersetzte. Wulfstan selbst schrieb einen hirtenbrief an das volk seiner kirchenprovinz, welcher erhalten und auf uns gekommen ist. Ausserdem schrieb er eine anzahl angelsächsischer predigten, welche unter dem namen des Lupus Episcopus bekannt sind. Die merkwürdigste dieser homilien ist im jahre 1012, vier jahre vor dem tode Athelred’s verfasst und trägt im manuscript die überschrift: Sermo Lupi ad Anglos, quando Dani maxime persecuti sunt eos.[103]

Aus der angeführten Predigt.
For-ðam hit is on us eallum swutol and ge-sene, þæt we ær ðysan oftor bræcon þonne we betton, and ðy is ðysse ðeode fela onsæge: Ne dohte hit nu lange inne ne ute: ac wæs here and hunger, bryne, and blodgyte on ge-wel hwylcum ende oft and ge-lome; Deshalb ist es uns allen deutlich und offenbar, dass wir vor diesem öfterer sündigten als wir uns besserten, und daher kommt das viele leid dieses volkes. Es taugte nun lange weder innen noch aussen, sondern es war hier hunger, brennen und blutvergiessen an jedem ende oft und unaufhörlich,
and us stalu and cwalu, stric and steorfa, orf-cwealm and uncoðu, hol and hete and rypera reaflac derede swyðe ðearle, and us ungylda swyðe ge-drehton, and us unwedera foroft weoldan unwæstma. und diebstahl und qual, pest und sterben, viehseuche und krankheit, verleumdung und hass und diebes überfälle belästigten uns übergewaltig, und ungerechte auflagen drückten uns sehr, und unwetter bereiteten sehr oft unfruchtbarkeit.
For-ðam on ðysum earde wæs, swa hit ðincan mæg, nu fæla geara unrihta fela, and tealte ge-trywð æghwær mid mannum. Deshalb waren in diesem lande, wie man es sich denken kann, nun viele jahre viele ungerechtigkeiten. und die treue wankt überall bei den menschen.

Predigten machen einen hauptbestandtheil der angelsächsischen literatur aus, wovon die grosse anzahl handschriften mit homilien, welche Wanley in seinem cataloge verzeichnet hat, den besten beweis liefert. Gedruckt ist das wenigste davon.

Apollonius von Tyrus. Die übersetzung der geschichte des Apollonius von Tyrus[104] von einem unbekannten Verfasser ist das einzige angelsächsische werk der romantischen prosa, welches sich im ganzen mittelalter beliebt erhielt und zuletzt in dem Shakespeare zugeschriebenen Play of Pericles eine dramatische verwandlung erfuhr.

Astronomie. Einen schatz wissenschaftlicher werke besitzt die angelsächsische literatur nicht, da die lateinische sprache die wissenschaft im engeren sinne beherrschte. Indessen verdienen doch zwei bücher, ein populär-astronomisches und ein medicinisches, beide in angelsächsischer spräche vorhanden, erwähnt zu werden. Beide mögen aus dem zehnten jahrhundert herrühren. Das erstere ist in mehreren exemplaren auf uns gekommen, woraus auf dessen verbreitung geschlossen werden kann.[105] Es beschreibt und erklärt die himmelserscheinungen in einfacher sprache, von welcher folgendes eine probe ist:

Ms. Cotton. Titus D. XXVII. (Mitgetheilt in Wright’s Introductory Essay. Seite 86 ff.)
Ure eorðlice niht soðlice cymð þurh þære eorðan sceade, þonne seo sunne gæð on æfnunge under þissere eorðan; þonne bið þære eorðan bradnys betwux us and þæra sunnan, þæt we hyre leoman lihtinge nabbað oððæt heo eft on oðerne ende upastihð. Unsere irdische nacht kommt in wahrheit von der erde schatten, wenn die sonne des abends unter diese erde geht; dann ist der erde breite zwischen uns und der sonne, so dass wir ihre lichtstrahlen nicht haben, bis sie wieder am anderen ende aufsteht.
Seo eorðe stent on gelicnesse anre pinn-hnyte, and seo sunne glit onbuton be Godes gesetnysse, and on þone ende þe heo scinð is dæg þurh hyre lihtinge, and se ende þe heo forlæt bið mid þeostrum oferþeaht, oððæt heo eft þyder geneahlæce. Die erde gleicht einer fichtennuss, und die sonne gleitet herum nach Gottes gesetz, und an dem ende, wo sie scheint, ist tag durch ihr licht, und das ende, welches sie verlässt, ist mit düsterheit bedeckt, bis sie sich wieder dahin nähert.
Middan-geard is gehaten eall þæt binnan þam firmamentum is. Firmamentum is þeos roderlice heofen, mid manegum steorrum amet; seo heofen, and sæ, and eorðe, synd gehatene middan-geard. Middan-geard heisst alles, das binnen dem firmamente ist. Firmament ist der ätherische himmel, mit vielen sternen geziert; der himmel, und die see und die erde werden middan-geard geheissen.
Seo firmamentum tyrnð symle onbutan us under þissere eorðan and bufon, ac þær is ungerim fæc betwux hire and þære eorðan; feower and twentig tida beoð agane, þæt is an dæg and an niht, ær þam þe heo beo æne ymb-tyrnd, and ealle þa steorran þe hyre on fæste synd, turniað onbutan mid hyre. Das firmament dreht sich beständig um uns, unter dieser erde und darüber, aber es giebt einen unermesslichen raum zwischen ihm und der erde; vier und zwanzig stunden sind vorüber, das ist ein tag und eine nacht, ehe es sich einmal umdreht, und alle die sterne, die ihm angeheftet sind, drehen sich herum mit ihr.
Seo other stent on æle-middan, þurh Godes mihte swa gefæstnod, þæt heo næfre ne byhð ufor ne neoðor, þonne se ælmihtiga scyppend þe ealle þing hylt buton geswince hi gestaðelode. Die andere steht in der mitte, durch Gottes macht so befestigt, dass sie niemals höher oder niedriger ist, als der allmächtige schöpfer, welcher alle dinge ohne mühe hält, sie stellte.
Aelc sæ, þeah þe heo deop sy, hæfð grund on þære eorðan, and seo eorðe abyrð ealle sæ, and þone garsecg, and ealle wyll-springas and ean þurh hyre yrnað; swa swa æddran licgað on þæs mannes lichaman, swa licgað þa wæter-æddran geond þas eorðn; næfð naðor ne sæ ne ea nænne stede buton on eorðan. Jede see, so tief sie auch sei, hat grund auf dieser erde, und die erde trägt alle seen, und das weltmeer und alle quellen und ströme laufen durch sie; so wie die adern liegen auf des menschen leichnam, so liegen die wasseradern durch die erde; und es hat weder eine see noch irgend ein fluss eine stätte, ausser auf der erde.

Medicin. Das oben erwähnte medicinische buch findet sich in der königlichen bibliothek des brittischen museums in einer prachtvollen handschrift, welche wahrscheinlich einmal das eigenthum eines angesehenen arztes war. Das werk handelt in zwei theilen von der behandlung äusserer und innerer übel und den mitteln zu ihrer heilung. Wunden, augenübel, schlangenbisse, vergiftungen müssen in jener zeit, aus welcher die handschrift herrührt, besonders häufig gewesen sein, da viele mittel dagegen angegeben werden. Die heilmittel wurden gewöhnlich aus dem pflanzenreiche entlehnt. Folgendes sind proben dieser recepte.

Ms. Reg. 12. D. XVII. (Mitgetheilt in Wright’s Introductory Essay, seite 98 ff.)
Wið þon ilcan: genim fætful grenre rudan leafa, and senepes sædes cucler fulne, gegnid to-gædere, do æges þæt hwite to cucler fulne, þæt sio sealf sie þicce, smire mid feþere on þa healfe þe sar ne sie. Bei demselben (übel: kopfschmerz): nimm ein gefäss voll grüner rautenblätter und senfsamens einen löffel voll, reibe (es) zusammen, thue von einem eie das weisse dazu, einen löffel voll, dass die salbe dick sei, schmiere (sie) mit einer feder an die seite, welche nicht schmerzt.
Wið poccum: swiðe sceal mon blod lætan, and drincan amylte buteran bollan fulne; gif hie utslean, ælcne man sceall aweg adelfan mid þorne, and þonne win oððe alor[106]-drenc drype on inan, þonne ne beoð by gesyne. Bei pocken soll der mensch viel blut lassen und geschmolzener butter einen napf voll trinken; wenn sie ausschlagen, soll selbiger mann (sie) mit einem dorne weggraben, und dann wein oder erlen-trank hinein tropfen, dann werden sie nicht gesehen werden.
To wunde clæsnunge: genim clæne hunig, gewyrme to fyre, gedo þonne on elæne fæt, do sealt to, and hrere oð þæt hit hæbbe briwes þicnesse, smire þa wunde mid, þonne fullað hio. Zur wundenreinigung nimm reinen honig, wärme (ihn) am feuer, dann thue (ihn) in ein reines gefäss, thue salz dazu, und rühre bis dass es die dicke eines breies habe, schmiere die wunde damit, dann reinigt (es) sie.

Die Sachsenchronik. Den schluss der angelsächsischen, und zugleich den übergang zu der nächstfolgenden sogenannten halbsächsischen (Semi-Saxon), oder normännischen periode der englischen literatur bildet die Sachsen-chronik.[107] Die gewöhnliche annahme ist, dass der aufang von diesem, nächst Beda’s kirchengeschichte, wichtigsten quellenwerke der angelsächsischen geschichte zur zeit des königs Alfred gemacht worden sei, als der geschmack an historischen gegenständen durch Alfred’s eigene arbeiten geweckt und verbreitet wurde. Man will dieses auch aus dem umstande schliessen, dass die älteste handschrift, das „Benet Ms.,“ nicht nur bis zur geschichte des Jahres 891 von einer und derselben hand geschrieben ist, sondern auch bruchstücke aus Beda’s kirchengeschichte nach Alfred’s übersetzung enthält, wozu der umstand tritt, dass das werk bis über die mitte des neunten jahrhunderts hinaus unverkennbare spuren einer späteren abfassung zeigt. Erst mit Alfred’s regierung fangen die eigentlichen annalen an, welche bis zu 925, dem todesjahre Eduard’s, fortgesetzt sind. Mit diesem jahre werden die aufzeichnungen kürzer und abgebrochener, bis sie mit dem jahre 1001 in dürftige notizen übergehen, welche bis zum jahre 1070 fortgesetzt werden. Zum schluss der handschrift folgt eine lateinische lebensbeschreibung Lanfranc’s. Andere handschriften führen den abgebrochenen faden der geschichte weiter bis zum tode Stephan’s, welcher im jahre 1154 erfolgte. Gegen das ende des ganzen werkes, wie es uns in einer einzigen zusammenstellung der verschiedenen handschriften vorliegt, finden sich schon viele vernachlässigungen der grammatik, so wie auf den letzten seiten sogar französische Wörter. Peterborough, wo die letzten aufzeichnungen der in der angelsächsischen chronik zusammengestellten handschriften erfolgt sein mögen, blieb auch nach der eroberung England’s durch die Normannen ein sächsisches kloster, in welchem die sprache des unterliegenden volkes eine letzte zufluchtsstätte fand. An mehreren stellen athmet das werk den unwillen der besiegten über den übermuth der normannischen sieger.

Als Verfasser des ältesten theiles der sachsenchronik, welcher aus mündlichen überlieferungen und älteren chroniken, besonders aber beinahe wörtlich aus Beda’s kirchengeschichte und dessen Chronicon sive liber de sex ætatibus mundi geschöpft ist, wird nach blossen vermuthungen Plegmund angegeben, welcher ein freund Alfred’s war und gerade um jene zeit erzbischof von Canterbury (von 890 bis 923) wurde, wo die älteste handschrift des ältesten manuscriptes schliesst. Erzbischof Plegmund ist zwar bereits in alten zeiten als angelsächsischer schriftsteller aufgeführt worden, allein ohne dass man ihm bis jetzt irgend ein werk mit einiger sicherheit zuschreiben könnte. Die übrigen alten handschriften, welche zur zusammenstellung des gegenwärtig unter dem namen der angelsächsischen chronik bekannten buches gedient haben, enthalten, mehr oder minder durch interpolationen und aus früher nicht benützten quellen geschöpfte zusätze erweitert, dieselbe älteste, wahrscheinlich aus Alfred’s zeit stammende recension und verfolgen dann ihren eigenen weg, indem in ihnen selbstständige aufzeichnungen von begebenheiten niedergelegt sind. Eine sorgfältige kritische sichtung und würdigung der einzelnen haudschriften ist noch nicht erfolgt, da es den englischen herausgebern weniger darauf, als auf eine möglichst vollständige zusammenstellung des historischen stoffes angekommen ist.

Alter der angelsächsischen Sprache. Wie alt eigentlich die in den angelsächsischen handschriften erhaltene sprache nach ihrem inneren und äusseren wesen, nach ihrer bildung, rechtschreibung, mithin auch nach ihrer aussprache sei, lässt sich nicht mehr mit sicherheit bestimmen. Das gemeinsame loos beinahe aller schriftlichen werke des mittelalters war es, modernisirt und verändert zu werden, wenn sie von einer person abgeschrieben und vervielfältigt wurden, welche die sprache redete, in der sie abgefasst waren. Nur die unwissenheit des abschreibers sicherte vor absichtlichen änderungen; die unvermeidlichen und unfreiwilligen fehler eines solchen abschreibers[108] können von der kritik viel leichter erkannt und verbessert werden, als die eigenwilligen verbesserungen eines der sprache kundigen schreibers, welcher gewöhnlich nur für den sinn, nicht für die worte und deren construction, noch viel weniger aber für die orthographie des autors sorge trug, und die sprache und schreibart eines manuscripts in die sprache und rechtschreibung seiner zeit und seines ortes verwandelte. Auf diese weise drängt sich die frage nach der sprache eines autors gewöhnlich in die frage nach der zeit und dem orte zusammen, wann und wo das manuscript entstanden sei, wie sich dieses mit bezug auf das Angelsächsische aus parallelstellen unzweifelhaft herausstellt (Bosworth’s A. S. Diction. vorrede LVII). Das älteste angelsächsische manuscript[109] wird von Wanley aus inneren gründen auf das jahr 737 zurückgeführt, wahrscheinlich aber ist es kurz vor Alfred’s zeit entstanden. Caedmon’s Sprache. Dasselbe enthält einige dem Caedmon als dessen erstlinge zugeschriebene verse, welche von Beda (IV, cap. 24) in das Lateinische übersetzt werden. Dieselben verse befinden sich in Alfred’s angelsächsischer übersetzung des Beda, jedoch in modernisirter sprache, wie sie der herausgeber Caedmon’s Thorpe (Pref. Caedm. XXII) in einer zu Oxford aufbewahrten, dem zehnten jahrhundert angehörenden handschrift fand.

Cod. Ms. Epis. Norwic.
Wanley, p. 287.
Cod. Ms. C. C. C. Oxon.
Thorpe, Pref.
Wörtliche deutsche Uebersetzung
Nu scylun hergan
hefæn ricæs uard
metudæs mæcti
end his mod gidanc
uerc[a] uuldur fadur
sue he uundra gihuæs
eci drictin1)
or astelidæ.
Nu we sceolan herian.3)
heofon-ríces weard.
metodes mihte.
and his mod-geþonc.4)
wera5) wuldor fæder.
swa he wundra gehwæs.
ece dryhten.6)
oord7) onstealde.8)
Nun sollen wir ehren (des) himmelreiches wart, (des) schöpfers macht und seines gemüthes gedanken, (der) menschen herrlicher vater! wie er, jeglicher wunder ewiger herr, den anfang aufstellte.
He ærist scop
elda barnum
heben til hrofe
haleg scepen
þa middun geard
mon cynnæs uard
eci dryctin
æfter tiadæ
firum foldu2)
frea allmectig.
He ærest gescéop.9)
eorðan bearnum.
heofon to hrófe.10)
halig scyppend.
þa middan geard.
mon cynnes weard.
ece dryhten.11)
æfter teode.
firum foldan.
frea ælmihtig.
Er zuerst schuf (die) erde (den) menschen, (den) himmel zum dach, heiliger schöpfer! dann (den) erdkreis, (des) menschengeschlechtes wart, (der) ewige herr, nachher (hervor) zog (den) führern (das) Feld, herr allmächtiger!

Hierzu finden sich noch nach Bosworth’s A. S. Dictionary p. LVII, wo beide stücke[110] mitgetheilt werden, folgende verschiedene lesarten: 1) dryctin. 2) foldum. 3) herigean. 4) geþanc. 5) fehlt. 6) drihten. 7) ord. 8) astealde. 9) gescop. 10) rofe. 11) drihtne. Ausserdem ist a) uerc entweder ein druckfehler, oder ein versehen des herausgebers für uere, was bei der ähnlichkeit der buchstaben c und e leicht geschehen konnte. Wäre die lesart uerc, oder weorc wie Sharon Turner in seiner History of the A. S. (vol. III. Book IX. chap. 1) liest, die richtige, dann würde „herrlicher werke vater“ zu übersetzen sein. Ebenso scheint anstatt b) elda die richtige lesart erda zu sein. Ein anderes beispiel noch weit bedeutender abweichungen ist Caedmon’s paraphrase des gesanges der drei männer im feurigen ofen, welche ausser im oxforder manuscript, auch noch in der exeterhandschrift (Codex Exoniensis, seite 185-197), in letzterer aber nicht bloss mit verschiedenen lesarten, sondern gegen das ende in wesentlichen erweiterungen und einer ganz anderen form erhalten ist. Vergleiche Bouterwek’s Caedmon, I. seite 143 ff., wo eine genaue vergleichung der beiden handschriftlichen redactionen dieses dem Caedmon beigelegten gesanges angestellt ist. Welches nun die wirkliche Sprache Caedmon’s, der um 680 starb, gewesen sei, lässt sich durch nichts bestimmen.

Dem zehnten jahrhundert verdanken wir die ältesten und besten der erhaltenen handsehriften in angelsächsischer sprache, weshalb der schluss wohl kein falscher sein dürfte, dass diejenige sprache, welche wir reines Angelsächsisch nennen, die sprache der gebildeten Westsachsen von dem jahre 900 bis 1000 war und sich vielleicht ein jahrhundert hindurch unverfälscht und wenig verändert erhalten hat.

Verschiedene Dialekte. Ausserdem muss bemerkt werden, dass die verschiedenen stämme der Sachsen und Angeln fortwährend ihre dialektverschiedenheit in sprache und schreibart bewahrten, welche so tief gewurzelt ist, dass sie sich bis auf den heutigen tag in den provinziellen sprachsonderungen des englischen volkes verfolgen lässt. Die sprache des von den Angeln besetzten nördlichen theiles von England pflegte man früher den sächsisch-dänischen dialekt zu nennen, zumal hier die Dänen die hauptsitze ihrer langjährigen eroberung hatten. Besser und richtiger ist es aber wohl, ihn den nordanglischen, oder geradezu den anglischen im gegensatze des angelsächsischen (der eigentlich nie existirt hat), westsächsischen, oder sächsischen dialektes zu nennen, zumal die sprache der Dänen und Nordangeln damals noch sehr wenig verschieden sein mochte. Die bewohner von Yorkshire, Northumberland und der schottischen Niederlande unterscheiden sich durch ihre härtere und rauhere sprache noch heut von den Südengländern.

Verlust von Handschriften. Während der beständigen einfälle der Dänen gingen viele angelsächsiche bücher verloren, indem im neunten und zehnten Jahrhundert mehrere klöster mit ihren bücherschätzen von ihnen verbrannt wurden. Nach der normännischen eroberung wurden die besiegten und damit auch ihre sprache und bücher von den siegern verachtet, so dass sie nur noch in denjenigen klöstern und geistlichen stiften, welche in den händen der Sachsen verblieben, gelesen, in den andern aber von staub und feuchtigkeit verzehrt wurden. Im anfange des dreizehnten jahrhunderts war die volkssprache durch das eindringen des französischen idioms bereits so verdorben, dass die angelsächsischen bücher selbst von den nachkommen der alten Sachsen nicht mehr leicht verstanden werden konnten. Von nun ab wurden die angelsächsischen manuscripte nicht bloss vernachlässigt, sondern oft als unnütz beseitigt, oder anderweitig um ihres materiales willen verbraucht. So finden sich in einem im jahre 1248 angefertigten cataloge der in der bibliothek zu Glastonbury aufbewahrten bücher folgende worte:

Item, duo Anglica, vetusta et inutilia.
Item, Sermones Anglici, vetusti, inutiles.
Passionale Sanctorum Anglice scriptum, vetustum, inutile.

Wenn die mönche pergament brauchten, so pflegten sie wohl jene alten und unnützen angelsächsischen handschriften zu nehmen, die für sie unleserlichen, oder unverständlichen worte abzukratzen und ein für sie wichtigeres, neues werk auf das pergament zu schreiben. Eines dieser palimpseste befindet sich in der bibliothek des Jesus-College zu Cambridge, auf welchem eine prächtige handschrift der homilien Alfric’s lateinischen dekretalen hat platz machen müssen. Hier und da, vorzüglich am rande, sind die ursprünglichen angelsächsischen worte noch zu erkennen. Zuweilen brauchten die mönche auch einbände für ihre mess- und chorbücher; dann nahmen sie einige blätter jener alten, unnützen pergamente und klebten sie zusammen. So fand Sir Thomas Phillipps stücke einer angelsächsischen handschrift in den deckeln eines in der kathedrale zu Worcester aufbewahrten buches.[111] Auf diese und ähnliche weise mögen viele angelsächsische handschriften vernichtet worden sein. Zuweilen sind nur dadurch werthvolle angelsächsische manuscripte erhalten worden, dass sie sich zufällig in demselben bande mit lateinischen werken befanden, welche der aufbewahrung würdig erachtet wurden. Vielleicht lasen auch noch einzelne mönche die angelsächsischen handschriften, soweit sie dieselben etwa mit Alfric’s grammatik und glossarium bemeistern konnten. Der letzte und grösste verlust angelsächsischer schriften erfolgte zur zeit der reformation, als bei der aufhebung der englischen klöster die handschriftlichen bibliotheken derselben nach allen richtungen zerstreut wurden. Die trümmer derselben sind noch in und an alten englischen büchereinbänden wahrzunehmen; denn obgleich die reformatoren gerade die kirchlichen schriften der Angelsachsen begierig aufsuchten, so sind doch viele andere angelsächsische manuscripte im sechszehnten Jahrhundert zu büchereinbänden benützt worden.

M. Parker. R. Cotton. Die beiden hauptsammler angelsächsischer handschriften im sechszehnten jahrhundert waren Matthew Parker, erzbischof von Canterbury, und Sir Robert Cotton. Durch seine hohe geistliche stellung wurde es dem erzbischofe Parker leicht, die in den klöstern und kirchen gefundenen alten handschriften seiner eigenen sammlung einzuverleiben. Eben so glücklich war Cotton bei der sammlung der in den klöstern an angelsächsischen handschriften gemachten beute, welche in die hände der antiquare oder einzelner privatpersonen übergegangen war. Matthew Parker’s bibliothek wird jetzt im Corpus Christi College zu Cambridge, die bibliothek Robert Cotton’s im brittischen museum zu London aufbewahrt. Ausserdem befindet sich eine anzahl handschriftlicher schätze in angelsächsischer sprache in der berühmten Bodleyana zu Oxford, in der Universitätsbibliothek zu Cambridge, in den büchersammlungen einiger Colleges zu Oxford und Cambridge und einigen privatbibliotheken England’s; auf dem festlande existiren einzelne angelsächsische handschriften in Brüssel, Paris und Vercelli.

Erst zur zeit der englischen reformation wurde die öffentliche aufmerksamkeit auf die im staube der bibliotheken ruhenden, oder von curiositätensammlern aufbewahrten angelsächsischen handschriften gelenkt, weil in ihnen waffen zur bekämpfung der römischen lehren gesucht und gefunden wurden, denn die alten angelsächsischen theologen predigten gegen dieselben als damals neu entstehende irrthümer. Auch hatten die Angelsachsen die heilige schrift theilweise in die landessprache übersetzt, was die reformatoren begierig benützten und nachahmten.

J. Foxe. W. L’Isle. Der berühmte John Foxe druckte im jahre 1571 die angelsächsischen evangelien mit einer englischen übersetzung, nachdem er bereits früher einige auszüge aus Alfric und dessen ganze homilie gegen die Transsubstantiation herausgegeben hatte. Im jahre 1623 druckte William L’Isle Alfric’s angelsächsische abhandlung über das alte und neue testament und dessen „Sermon of the Paschall Lambe,“ welche schrift für so wichtig erachtet wurde, dass fünfzehn englische bischöfe und erzbischöfe deren ächtheit mit ihrer unterschrift beglaubigt hatten.[112] Darunter befand sich auch die des erzbischofs Parker, des grossen beschützers angelsächsischer literatur. In der vorrede zu der ersten dieser abhandlungen beklagt sich L’Isle bitter über die vernachlässigung, mit welcher die angelsächsischen schriften behandelt worden seien; „having,“ sagt er, „in our libraries so goodly monuments of reverend antiquitie, divine handwritings, in so faire and large character that a man running may read them: we do not make them known to the world, but let them lie still like a treasure hid to no use, and even till they be almost forgotten of ourselves.“

Hickes. Wheloc. Junius. Spelman. Wanley. Somner. Gibson. L’Isle’s bericht von dem umwege, auf welchem er seine kenntniss des Angelsächsischen erlangt hatte, zeigt uns deutlich, wie wenig bis zu seiner zeit geschehen war, um das Angelsächsische der vergessenheit zu entreissen. Er erzählt uns, dass er sich zuerst etwas mit dem Hoch- und Niederdeutschen bekannt machte. Dann las er zu seiner erholung alles Altenglische, dessen er habhaft werden konnte, und bemerkte, dass er dem Angelsächsischen um so näher kam, je älter das Englische war, aber er fand auch, dass das Angelsächsische je älter, desto grössere schwierigkeiten bot. Nach einiger zeit las er die übersetzung Virgil’s von Gawin Douglas und setzte sich so allmälig in den stand, die alten denkmäler der angelsächsischen sprache zu lesen und zu verstehen. Man sieht aus L’Isle’s geständnissen, mit welchen mühseligkeiten im anfange des siebzehnten jahrhunderts derjenige zu kämpfen hatte, welcher die verborgenen schätze der angelsächsischen literatur heben wollte. Doch war der anstoss einmal gegeben, und dasselbe jahrhundert wurde noch fruchtbar für die angelsächsische sprache. Hickes’s Thesaurus (3 vols. fol. Oxon. 1705) und Institutiones Gram. A. S. (4 Oxon. 1689) werden stets denkmäler des fleisses und der gelehrsamkeit ihres autors bleiben, so viele fehler diese werke auch enthalten; Wheloc veranstaltete eine ausgabe von Alfred’s übersetzung des Beda (fol. Cantab. 1644) und der angelsächsischen gesetze (fol. Camb. 1644), welche 1568 zu London von Lambard zum ersten male veröffentlicht worden waren; Junius gab den Caedmon zum ersten male heraus; Spelman veröffentlichte die angelsächsischen kirchengesetze; Wanley bearbeitete einen catalog der damals bekannten angelsächsischen handschriften (catalogus librorum septentrionalium); Somner machte den ersten versuch eines angelsächsischen wörterbuchs; Gibson liess die angelsächsische chronik drucken.

Wilkins. Barrington. Manning. Rask. Grimm. Während des achtzehnten jahrhunderts kam das studium des Angelsächsischen etwas in verfall, obwohl Miss Elstob in den ersten jahren desselben die angelsächsische homilienliteratur pflegte und förderte, auch eine grammatik schrieb, und Wilkins eine neue und vermehrte auflage (fol. Lond. 1721) der angelsächsischen gesetze veranstaltete, auch die alfred’schen schriften in Barrington und Manning gegen ende dieses jahrhunderts bearbeiter fanden. Im neunzehnten jahrhundert wurde die sprache der Angelsachsen auf dem wege der comparativen grammatik und der geschichtlichen sprachforschung von dem Dänen Rask und dem deutschen sprachgelehrten Jacob Grimm untersucht und damit der grund zu weiterer wissenschaftlicher bearbeitung des Angelsächsischen gelegt, auf dem seit den letzten zwanzig jahren englische und deutsche gelehrte eifrig und erfolgreich weiter gebaut haben. Rask verglich in seiner grammatik das Angelsächsische mit dem Isländischen, welches freilich nicht gerade der am nächsten verwandte dialekt ist, weshalb manche irrthümer unvermeidlich waren. Englische und deutsche Bearbeiter. Trotzdem brach dieses buch dem Studium des Angelsächsischen in England eine neue bahn. Mehr noch als Rask’s grammatik bewirkte das lehrgebäude der germanischen sprachen von J. Grimm, welcher eine vergleichung sämmtlicher deutschen dialekte mit philologischer schärfe und philosophischem sinne durchführte. Erst diesem buche ist die verhältnissmässig grössere sicherheit und gründlichkeit des urtheiles über den organismus der angelsächsischen sprache zu verdanken, welche man bei den neuesten deutschen und englischen bearbeitern des angelsächsischen sprachschatzes vorfindet, wie selbst letztere mit anerkennungswerther offenheit eingestehen. Die auf Rask’s und Grimm’s arbeiten bauenden sprachforscher in England nennen sich daher mit recht die „new school“ angelsächsischer philologen. Die anwendung der comparativen grammatik ist bei der angelsächsischen spräche um so nothwendiger, als die aus verschiedenen zeiten herrührenden handschriften mit ihrer verschiedenen rechtschreibung[113] und behandlung der sprache durchaus keinen sichern halt gewähren. Um nur einen fall anzuführen, sind die accente, welche offenbar die langen vokale bezeichnen sollen, in den handschriften theils weggelassen, theils bei einem und demselben worte verschieden gesetzt, so dass in dieser beziehung die handschriften oft irre leiten, während die vergleichung der verwandten sprachen gewöhnlich zu begründeten resultaten führt. Im übrigen muss bemerkt werden, dass die angelsächsischen philologen England’s, denen eine grosse anzahl handschriften zu gebote stehen, ihren hauptfleiss auf die förderung des sprachschatzes verwenden und in der neuesten zeit die in England aufbewahrten manuscripte mit grösserer genauigkeit als in früherer zeit benützen, während deutsche philologen das von den Engländern zu tage geförderte erz kritisch sichten und einzelnes zu reinem metall verarbeitet haben. Wenn indessen die englischen ausgaben angelsächsischer werke im besten falle das zu grunde gelegte manuscript getreulich wiedergeben, weshalb bei der sehr verschiedenen orthographie und grammatik der einzelnen handschriften beinahe jedes in England aufgelegte angelsächsische buch von den andern in diesen beiden principien jeder sprache abweicht, haben dagegen die Deutschen, auf Grimm’schen grundsätzen fussend, eine angelsächsische sprache in ihren ausgaben geschaffen, wie sie in keinem manuscripte zu finden ist.

Thorpe. Kemble. Ingram. Wright. Halliwell. Das wiederaufleben des studiums der angelsächsischen sprache machte zu derselben zeit auch den mangel gedruckter bücher fühlbar, da es nur wenigen vergönnt sein konnte, die reichen, aber in bibliotheken zerstreuten handschriften selbst einzusehen, noch viel weniger aber, sie zu benützen. Die Society of Antiquaries beschloss daher zu anfang des jahres 1831, um diesem mangel abzuhelfen, die veröffentlichung der überreste der angelsächsischen und ältesten englischen literatur, welche nur handschriftlich vorhanden, oder unvollständig herausgegeben, oder äusserst selten geworden waren. Bereits im folgenden jahre erschien eine vorzügliche ausgabe Caedmon’s mit einer wörtlichen englischen übersetzung von Benjamin Thorpe, der sich schon durch seine übersetzung von Rask’s angelsächsischer grammatik vortheilhaft bekannt gemacht hatte. Von demselben sprachforscher erschien im jahre 1842 eine gute ausgabe der unter dem namen Codex Exoniensis bekannten exeterhandschrift mit einer übersetzung, nachdem er kurz vorher die angelsächsische evangelienübersetzung (Ða halgan godspel, on Englisc), nach den handschriften revidirt, herausgegeben hatte. Der lang vernachlässigte Beowulf wurde von Kemble bearbeitet und der zweiten auflage desselben ein zweiter band mit einem guten glossarium, einer wörtlichen übersetzung des gedichtes und einigen anmerkungen beigegeben. Bald nach der ersten auflage Beowulf’s erschienen Thorpe’s Analecta Anglo-Saxonica, eine sammlung bisher ungenau, oder noch nicht herausgegebener prosaischer und poetischer stücke angelsächsischer literatur mit einem vollständigen glossarium; demselben gelehrten verdanken wir auch eine ausgabe der angelsächsischen übersetzung des Apollonius von Tyrus aus einem in Cambridge aufbewahrten manuscripte, welcher eine englische übersetzung und ein glossarium beigefügt sind. Im jahre 1823 erschien eine neue ausgabe der angelsächsischen chronik mit einer englischen übersetzung und kritischen und erklärenden anmerkungen von J. Ingram. In neuerer zeit hat sich auf dem gebiete der angelsächsischen literatur Thomas Wright besonders ausgezeichnet. Seine Essays on subjects connected with the literature, popular superstitions and history of England in the middle ages erschienen 1846, die Biographia Britannica literaria (Anglo-Saxon-Period) 1842, welchem werke eine auch besonders erschienene abhandlung, Introductory Essay on the state of Literature and learning under the Anglo-Saxons, vorangeht. Die Reliquiæ Antiquæ oder Scraps from ancient Manuscripts, welche ebenfalls einiges interessante aus der angelsächsischen literatur enthalten, sind von Wright in gemeinschaft mit J. O. Halliwell herausgegeben worden. Grammatiken. Lesebücher. Bosworth’s Wörterbuch. Das studium des Angelsächsischen ist auch durch herausgabe mehrerer hilfsbücher erleichtert worden. Ausser der Übersetzung von Rask’s grammatik erschienen: An Introduction to Anglo-Saxon Reading, comprising Aelfric’s Homily on the Birthday of St. Gregory, with a copious Glossary etc. By L. Langley, und ein Guide to the Anglo-Saxon Tongue, on the basis of Professor Rask’s Grammar, to which are added extracts in verse and prose, with notes for the use of learners. By E. J. Vernon. The Elements of Anglo-Saxon Grammar, with a Praxis and Vocabulary. 12. Leeds, 1819. By J. L. Sisson. The Elements of Anglo-Saxon Grammar with copious notes, illustrating the structure of the Saxon and the formation of the English language. 8. London, 1823. By J. Bosworth. Von demselben: A compendious grammar of the primitive English or Anglo-Saxon language. 8. London, 1826. Rudiments of a grammar of the Anglo-Saxon tongue. 8. London, 1829. By J. Gwilt. An Anglo-Saxon grammar and Derivatives. By W. Hunter. 8. London, 1832. In Deutschland gab im jahre 1838 H. Leo in Halle altsächsische und angelsächsische sprachproben heraus, mit einer freilich ungeordneten und unvollständigen erklärung der angelsächsischen wörter versehen. In diesem buche ist überall eine gleichmässige orthographie nach den von Grimm aufgestellten grundsätzen der lautveränderung eingeführt worden. Unter den Deutschen haben sich besonders beide Grimm, Mone, Ettmüller und Bouterwek durch kritische und wissenschaftliche behandlung der von den Engländern an das tageslicht geförderten schätze der angelsächsischen literatur ausgezeichnet. Ihr streben ist nicht ohne rückwirkung auf die englischen forscher geblieben, unter denen sich Kemble offen als schüler Grimm’s bekennt, dem (J. Grimm) er auch seinen Beowulf gewidmet hat. Von J. Bosworth ist ein reichhaltiges, obwohl nicht vollständiges und kritisch gesichtetes wörterbuch, A dictionary of the Anglo-Saxon language. 8. London 1838, mit einer ausführlichen einleitung veröffentlicht worden, so dass seit dieser zeit das studium dieser reichen sprache jedem leicht zugänglich gemacht ist. Zu hoffen bleibt, dass Kemble englischen fleiss und deutsche gründlichkeit zur bearbeitung eines angelsächsischen „sprachschatzes“ verwende.[114]

Die angelsächsischen Beugungsformen. Das Angelsächsische hat, wie das Deutsche, drei sprachliche geschlechter, und eine deklination des artikels, der pronomina, adjectiva und substantiva, welche den casus zugleich mit dem geschlechte bezeichnen. Die pronomina der ersten und zweiten person besitzen ausser dem singular und plural auch eine dualform. Die deklination der nomina zerfällt in eine starke und schwache, wie die conjugation der verba, welche neben dem indicativ auch eine form für den conjunctiv besitzt. Als anhaltspunkte für die vergleichung der ausartenden formen in der späteren halbsächsischen und englischen sprache folgen hier die wesentlichen eigenthümlichkeiten der angelsächsischen sprachbildung nach J. Grimm’s deutscher grammatik:

Substantiva.

Substantiva.

Starke Deklination.
Masculina.
Sing.Plur.
(fisch)(hirt)(sohn)(leute)
N.fischird-esun-ufisc-ashird-assun-aleod-e
G.fisc-eshird-essun-afisc-ahird-asun-aleod-a
D.fisc-ehird-esun-afisc-umhird-umsun-umleod-um
Ac.fischird-esun-ufisc-ashird-assun-aleod-e.
Feminina.
(gabe)(adel)(that)
N.gif-uæðel-odædgif-adæd-a
G.gif-eæðel-odæd-egif-enadæd-a
D.gif-eæðel-odæd-egif-umdæd-um
Ac.gif-eæðel-odæd-egif-adæd-a.
Neutra.
Sing.Plur.
(wort)(fass)(reich)
N.wordfætric-ewordfat-uric-u
G.word-esfæt-esric-esword-afat-aric-a
D.word-efæt-eric-eword-umfat-umric-um
Ac.wordfætric-ewordfat-uric-u.
Schwache Deklination.
masc.femin.neutr.masc.femin.neutr.
(hahn)(zunge)(ohr)
N.han-atung-eear-ehan-antung-anear-an
G.han-antung-anear-anhan-enatung-enaear-ena
D.han-antung-anear-anhan-umtung-umear-um
Ac.han-antung-anear-ehan-antung-anear-an.
Unregelmässige Deklination.

Verschiedene m. und f. mit den vokalen a, o, u lauten im d. sing., meistens auch im n. und ac. pl. um. Man (mensch), d. men, pl. men; broðor (bruder), d. breðer; moðor (mutter), d. meðer; dohtor (tochter), d. dehter; fot (fuss), d. fet, pl. fet: toð (zahn), d. teð, pl. teð; boc (buch), d. bec, pl. bec; broc (hose), d. brec, pl. brec; gos (gans), d. ges, pl. ges; turf (rasen), d. tyrf, pl. tyrf; burh (burg), d. byrh, pl. byrh; cu (kuh), d. cy, pl. cy; lus (laus), d. lys. pl. lys; mus (maus), d. mys, pl. mys. Im gen. s. und im gen. und d. plur. findet der umlaut nicht statt.

Adjectiva.

Adjectiva.

Starke Deklination.
masc.femin.neutr.masc.femin.neutr.
Sing.Plur.
(blind)
N.blindblind(u)blindblind-eblind-eblind-u
G.blind-esblind-reblind-esblind-rablind-rablind-ra
D.blind-umblind-reblind-umblind-umblind-umblind-um
Ac.blind-neblind-eblind.blind-eblind-eblind-u.

Schwache adjectiva werden wie die schwachen substantiva deklinirt.

Comparation.
Stark.Schwach.
Posit.smæl (klein)smal-a
Comp.smæl-ra m., smæl-re f. n.smæl-ra, smæl-re
Superl.smal-ost.smal-esta m., smal-este f. n.

Pronomina.

Pronomina.[115]

Personalia.
Sing.n.ic (ich)þu (du)he (er)heo (sie)hit (es)
g.minþinhishirehis
d.meþehimhirehim
ac.meþehinehihit.
Plur.n.we (wir)ge (ihr)hi (sie)
g.ureeowerhira
d.useowhim
ac.useowhi.
Dual.n.wit (wir zwei)git (ihr zwei)
g.uncerincer
d.uncinc
ac.uncinc.
Possessiva.
m. f. n.m.f.n.
S. nom.min (mein)g.min-esg.min-reg.min-es
þin (dein)þin-esþin-reþin-es
uncer (unser zwei)uncr-esunc-reuncr-es
ure (unser)ur-esur-eur-es
incer (euer zwei)incr-esinc-reincr-es
eower (euer)eowr-eseow-reeowr-es.

Im übrigen werden diese pronomina wie die starken adjectiva deklinirt.

Demonstrativa.

Hierzu gehören der bestimmende artikel, welcher so deklinirt wird:

m.f.n.m. f. n.
S.n.se (der)seo (die)þæt (das)pl.þa (die)
g.þæsþæreþæsþara
d.þamþæreþamþam
ac.þoneþaþætþa.

und das hinweisende pronomen:

S.n.þes (dieser)þeos (diese)þis (dieses)pl.þas (diese)
g.þisesþisseþisesþissa
d.þisumþisseþisumþisum
ac.þisneþasþisþas.
Relativa und Interrogativa.
m. f.n.
S. und pl.n.hwa (welcher, wer)hwæt
g.hwæshwæs
d.hwamhwam
ac.hwonehwæt.

Hwilc, welcher, hwæðer, welcher von beiden, werden wie die starken adjectiva deklinirt.

Numeralia.

Numeralia.

An, einer, wird wie ein starkes und wie ein schwaches adjectivum deklinirt; twegen m. twa f. n., zwei, begen m. ba f. n., beide, und þry, drei, haben folgende deklination:

m.f. n.m.f. n.
N.twegentwaþryþreo
G.twegratwegraþreoraþreora
D.twamtwamþrymþrym
Ac.twegentwaþryþreo.

Verba.

Verba.

Starke Conjugation.

J. Grimm nimmt in den deutschen sprachstämmen zwölf starke conjugationen an, nämlich folgende für das Angelsächsische:

imp.plur.p. p.
1.Fealle (falle)feolfeollonfeallen
2.Swape (fege)sweopsweoponswapen
3.Hleape (springe)hleophleoponhleapen
4.Slæpe (schlafe)slepsleponslæpen
5.Blawe (blase)bleowbleowonblawen
6.Gale (singe)golgolongalen
7.Dwine (schwinde)dwandwinondwinen
8.Creope (krieche)creapcruponcropen
9.Drepe (treffe)drapdræpondrepen
10.Cwele (tödte)cwalcwæloncwelen
11.Swelle (schwelle)sweallswullonswollen
12.Binde (binde)bandbundonbunden.
Endungen.
1.2.3.1. 2. 3.
Ind. præs.s.-e-est-eðconj.-e
pl.-að-að-að-en
imp.s.-e-e
pl.-on-on-on-en.

imperat. s. — pl. -að; inf. -an, -anne; part. pr. -ende; pp. -en.

Conjugation.

Schwache Conjugation.

Es giebt zwei schwache conjugationen:

imp.plur.p. p.
1.Nerian (halten)ner-edener-edonner-ed
2.Sealfian (salben)sealf-odesealf-odonsealf-od.
Endungen.
1.2.3.1. 2. 3.
Ind. præs.s.-e-stconj.-e
pl.-að-að-að-en
imp.s.-de-dest-de-de
pl.-don-don-don-den.

imperat. s. — pl. -ð; inf. -an, -enne; part. pr. -ende; pp. -d.

Unregelmässige Conjugation.
Præs. ind. s.eom (bin),eart,is;pl.sind, sindon;
conj. s.si,si,si (sig, seo);sin;
imperf. s.wæs,wære,wæs;wæron;

inf. wesan; imp. s. wes, pl. wesað; part. pr. wesende; pp. gewesen;
fut. oder præs. ind. beo (beom), bist, bið, pl. beoð;
conj. beo. pl. beon;

inf. beon; imperat. beo, pl. beoð.

praes.imperf.
s.Mot (muss)mostmot,pl.motonmoste.
Wat (weiss)wastwat,witonwiste.
Nat (weiss/nicht)nastnat,nytonnyste.
Ah (eigene, besitze)agonahte.
Deah (tauge),dugedeah,dugonduhte.
Mag (mag)meahtmag,magonmeahte.
Sceal (soll)scealtsceal,sculonsceolde.
Gemon (erinnere)gemunongemunde.
Dear (darf),dearstdear,durrondorste.
þearf (bedarf)þurfeþearf,þurfonþorfte.
Can (kann)canst (const)can,cunnoncuðe.
An (gebe)unnean,unnonuðe, pp. geunnen.
Wille (will)wiltwille,willaðwolde.
Nylle (will/nicht)nyltnylle,nyllaðnolde.
Do (thue)destdeð,doð.

imperf. s. dide, didest, dide; pl. didon; inf. don; pp. gedon.

Was man gewöhnlich das angelsächsische alphabet nennt, ist mit ausnahme der buchstaben þ, th, ð, dh, nichts anderes als das mit dem christenthume eingeführte römische alphabet. Ehe man sich des letzteren bediente, besassen die Angelsachsen zwar ihre eigenen buchstaben, runen, welche man aber nur zu kurzen inschriften und denksprüchen benützte; da nur wenige ihre bedeutung und anwendung kannten, so betrachtete sie der aberglaube als etwas mystisches, zauberisches, ähnlich wie man später die schreibkunst oder auch wohl im allgemeinen die gelehrsamkeit mit dem worte grammarye benannte, welches aber auch magie, zauberei bedeutete. Als die schreibkunst mit der einführung des römischen alphabets allgemeiner wurde, legte man das alte runenalphabet nicht sogleich ganz bei seite; ja es finden sich noch spuren davon in den handschriften des zwölften jahrhunderts. In der exeterhandschrift sind einzelne runen zum räthselspiel angewendet. (Wright’s Biog. Brit. Liter. A. S. Period. Seite 105. 502-504.)


[ Zweite Periode.]