Die normännische Zeit.
(Von 1066 bis 1362.)
[ I. Der Verfall der angelsächsischen Sprache.]
Erstes Eindringen der französischen Sprache. Während die angelsächsische sprache noch in ihrer blüthe stand, wurde ihr untergang und die einführung des Französischen bereits vorbereitet. Die herrschaft der Dänen hatte unter Swen, Cnut und Hardicnut ein halbes jahrhundert hindurch den alten sächsischen königsstamm verdrängt, bis dieser im jahre 1042 nach dem schnellen tode des letztgenannten dänischen königs durch allgemeine zustimmung der edelen wieder in der person Eduard’s des bekenners den thron bestieg. In Frankreich, am hofe Wilhelm’s, des herzogs von der Normandie, erzogen, besass Eduard eine vorliebe für französische sprache und sitte und zog sowohl fremde gelehrte und geistliche als fremde ritter[116] nach England, wodurch er der eroberung des landes durch die Normannen selbst vorarbeitete, abgesehen davon, dass er den herzog von der Normandie mit grosser feierlichkeit in England empfing und ihm später den thron förmlich zusicherte. Eroberung England’s durch die Normannen. Durch die auffallende bevorzugung der fremden (sogar der erzbischof von Canterbury war ein Normann) wurde indessen das nationalgefühl der Sachsen verletzt; die edelen, welchen ihre güter entrissen wurden, um sie fremden zu geben, standen auf, und das sächsische parlament (witena-gemot) verbannte im jahre 1052 die zahlreichen Normannen, welche der könig in staats- und kirchenämter eingesetzt hatte. Allein dieser beschluss und die vertreibung der Normannen konnte das schicksal England’s nicht lange aufhalten. Nach Eduard’s tode gelang es im jahre 1066 Wilhelm dem eroberer in der schlacht von Hastings, welche dem letzten sächsischen könige Harold das leben kostete, den thron England’s zu erobern.
Unterdrückung des angelsächsischen Elementes. Jetzt beginnt für England eine zeit der gewaltthat und der unterdrückung, während welcher der grössere theil der englischen bevölkerung in einen zustand der äussersten noth und grössten unwissenheit versetzt wurde.[117] Die angelsächsische sprache litt darunter auf das schlimmste; sogar die form, in welcher die Sachsen die römischen buchstaben zu schreiben gewöhnt gewesen waren, wurde mit derjenigen[118] vertauscht, welche die Normannen mit ihrer sprache und literatur nach England brachten. Der gebrauch der angelsächsischen sprache zur schrift hörte mit der normannischen eroberung fast ganz auf. Sie wurde nur noch einige zeit zur fortsetzung der angelsächsischen chronik und zu einigen kleineren aufsätzen, meist religiösen oder moralischen inhalts, benützt, wofür wir wahrscheinlich den wenigen angelsächsischen mönchen, welche in ihren klöstern bleiben durften, dankbar sein müssen. Erleichtert wurde die einführung des Französischen, welches jetzt mit dem neuen politischen system verwebt war, durch den umstand, dass seit dem anfange des 11. jahrhunderts, während der dänischen herrschaft, die königliche familie, viele angelsächsische grosse und geistliche zuflucht auf dem festlande gesucht und, von der grösseren bildung der Normannen angezogen, deren sprache angenommen hatten, so dass zu der zeit der eroberung das Französische in den höheren kreisen des angelsächsischen volkes durchaus nicht mehr unbekannt war, sondern vielmehr als ein beweis höherer bildung betrachtet wurde.[119]
Französisch, die Sprache des Hofes und Adels. Obwohl Wilhelm besonders im anfange seiner regierung sich mühe gab, das Angelsächsische zu erlernen, um seine neuen unterthanen für sich zu gewinnen, und auch mehrere verordnungen von ihm in ihrer sprache erlassen wurden, so wurde er doch durch sein vorgerücktes alter und vielfache beschäftigungen von dem erlernen derselben abgehalten[120] und sprach mit dem grössten theile des adels nur Französisch.[121] Die wenigen angelsächsischen grossen, welche zuerst noch am hofe des neuen königs zutritt hatten, mussten selbstverständlich das Französische verstehen und sprechen können. Schon um das jahr 1070 gedenkt die geschichte nur noch eines einzigen angelsächsischen Earls mit namen Waltheof, welcher drei jahre später wegen theilnahme an hochverrath hingerichtet wurde. Von dieser zeit ab, sagt Ingulph, verlieh der könig güter und würden nur an Normannen.[122] Der zahlreiche französische adel, welchem die besitzungen der alten sächsischen Earls geschenkt wurden, umgab sich auf seinen gütern, wie der könig am hofe, ebenfalls mit fremden, so dass die französische sprache binnen wenigen jahren über alle theile des landes ausgebreitet war. Hier auf den gütern der normannischen barone war es, wo die Angelsachsen am tiefsten gedemüthigt, am meisten getreten wurden; hier war es, wo die sächsischen leibeigenen das vieh hüten und das wild schonen mussten, welches früher ihr eigenthum gewesen war und bis auf den heutigen tag die deutschen namen ox, cow, calf, sheep, swine, hart, roe, deer bewahrt hat, während ihre normännischen herren das geschlachtete thier, oder erlegte wild in der halle verzehrten und dem todten oder verendeten fleische mit den französischen wörtern beef, veal, mutton, pork, venison den normännischen besitztitel aufdrückten. Eine anzahl fester kastelle in den grossen städten wie auf verschiedenen punkten des landes schützten mit ihrer normännischen besatzung[123] die eroberung des landes und beförderten die an einzelnen orten nicht ohne widerstreben der Sachsen erfolgende unterjochung des volkes.
Französisch, die Sprache der Geistlichkeit. Vielleicht noch wichtiger als das politische übergewicht der Normannen war für die verdrängung der angelsächsischen und die verbreitung der französischen sprache diejenige massregel Wilhelm’s, durch welche er alle höheren geistlichen stellen mit ihm ergebenen und französisch sprechenden fremden besetzte. Schon im jahre 1072 waren die zwei erzbischöfe, sieben von elf bischöfen und sechs von zwölf äbten keine Angelsachsen mehr, und wenige jahre später ist das missverhältniss der Franzosen und Sachsen noch grösser, indem man jedes mittel ergriff, um die volksthümliche geistlichkeit zu entfernen. Der angelsächsische bischof Wulfstan, welcher schon im jahre 1072 auf der kirchlichen synode sich eines dolmetschers[124] bedienen musste, um die rechte seines stuhles zu vertheidigen, sollte später mit wissen des königs wegen seiner einfalt und unwissenheit (simplicitate et illiteratura) abgesetzt werden, und nur ein wunder rettete ihn.[125] Es versteht sich, dass die höhere geistlichkeit keine gelegenheit vorübergehen liess, um auch die unteren stellen der kirche mit ergebenen und normännisch gesinnten und sprechenden priestern anzufüllen. Von dem könige und den neuen baronen wurde eine beträchtliche anzahl neuer klöster gegründet, welche mit normännischen mönchen besetzt wurden. Die zahl der klösterlichen stiftungen, welche von fremden klöstern auf dem festlande abhingen—alien priories—wuchs beträchtlich und belief sich 1414, in welchem jahre sie von der krone secularisirt wurden, auf ein hundert und vierzig. Französisch, die Sprache des Rechtes und der Schule. Auch für die rechtspflege wurde sowohl von den normännischen baronen, welche gesetze für ihr gebiet erlassen konnten, als auch von den königlichen richtern, ausschliesslich die französische sprache gebraucht. Das Französische wurde auch in der schule von der normännischen eroberung bis zu Eduard’s III. zeit als unterrichtssprache angewendet, in welcher allein eine humane und gelehrte bildung zu erreichen war.[126]
So trat an die stelle des Angelsächsischen als sprache des hofes, des adels, der rechtspflege und bildung das Französische in seiner damaligen gestalt. Wie dessen beschaffenheit war, könnte am besten aus den gesetzen Wilhelm’s des eroberers ersehen werden, wenn diese in authentischer gestalt auf uns gekommen wären. Folgendes ist eine probe derselben:
Französische Gesetze Wilhelm’s des Eroberers.
| [127] Ces sount les Leis et les Custumes, que li Reis William grauntat a tut le puple de Engleterre apres le Conquest de la terre. Ice les meismes, que li Reis Edward sun cosin tint devant lui. Co est a saveir: | Dieses sind die gesetze und gewohnheiten, welche der könig William dem ganzen volke von England gewährte nach der eroberung des landes. Es sind die nämlichen, welche der könig Edward, sein vetter, vor ihm hielt. Nämlich: |
| 1. Pais a saint Yglise; de quel forfait, que home out fait en cel tens, e il pout venir a sainte Yglise, out pais de vie e de membre. | 1. Friede der heiligen kirche; welch verbrechen nur immer jemand in dieser zeit begangen hat, und er kann in eine heilige kirche kommen, habe frieden des lebens und der glieder. |
| E se alquons meist main en celui, qui la mere Yglise requireit, se ceo fust u Evesque u Abbeie u Yglise de religion, rendist ceo, que il i avereit pris, e cent solz de forfait, e de mere Yglise de Paroisse XX solz, e de Chapelle X solz. | Und wenn jemand hand an den legt, welcher die mutter kirche aufsuchte, wenn es eine bischöfliche kathedrale, oder eine abtei, oder eine kirche von religiosen ist, gebe er zurück, was er dort genommen hatte und hundert sous busse, und bei einer mutter-pfarr-kirche 20 sous, und bei einer kapelle 10 sous. |
| E qui enfraint la pais le Rei en Merchene Lae, cent solz les amendes. Altresi de hemfare[128] e de aweit purpenset. | Und wer den frieden des königs bricht, nach mercischem gesetz hundert sous die busse. Ebenso bei heimsuchung und vorbedachtem überfall. |
| 26. De murdre. Ki freceis occist e les homes del hundred nel prengent e amenent a la justise dedenz les oit jours pur mustrer pur qui il l’a fait, sin rendrunt le murdre XLVII marc. | 26. Vom mord. Wer einen Franken tödtet, und die männer der hundertschaft ergreifen und führen ihn nicht vor gericht innerhalb acht tagen, um zu zeigen, wer es gethan hat, sollen sie den mord mit 47 mark sühnen. |
Die orthographie, also wahrscheinlich auch die aussprache des Französischen, wie es in den gesetzen Wilhelm’s erscheint, war höchst unsicher. O, u, ou schwanken (seignor, seignur, seignour), ebenso oi und ei (roi, rei, saveir); ch, c, j wechseln (chascun, cascun, polcier, pochier, jose, chose); gu ist mit w vertauscht (guarant, warant, guage, wage), qu mit k und c (qui, ki, kar, queur); für s findet sich z (liveres, liverez, launces, launcez) u. s. w. Der artikel wird li, le, lui, in der zusammenziehung mit de bald du, bald del, mit a aber immer al geschrieben; die persönlichen pronomina lauten io, il, ele, nous, nus, le, lui, li, se, sei, eus, els; die conjugationen unterscheiden sich deutlich durch ihre endung 1) er: doner, trover, amener, 2) ir: venir, partir, 3) eir (oir, er): saveir, savoir, aveir, aver, 4) re: occire, nuire. Das part. præs. endet auf ant oder aunt (jatant, conusaunt), das part. pass. der ersten conjugation auf et, ed, e (blamet, apeled, juge), ebenso die 3. p. sing. præs. (truvet, apeled, passe), das imp. auf at oder ad (grauntat, achetad), das fut. auf t, d, a (aurat, aurad, serra), das subj. pr. auf ied und ie (s’en escondied, s’en escondie).[129]
Das Normännisch- Französische. Als die Normannen nach England kamen, war zwar erst ein und ein halbes jahrhundert seit ihrer niederlassung in Frankreich verflossen, allein sie hatten ihre nordische sprache längst vergessen und diejenige angenommen, welche das von ihnen besiegte volk sprach, nämlich jenes entartete Latein, welches man lingua Romana, langue Romane nannte, und aus welcher sprache das spätere Französisch sich gebildet hat. Schon der zweite normannenherzog Wilhelm I., nachfolger Rollo’s, musste, wie Dudo de St. Quentin (lib. III, p. 112) erzählt, seinen sohn nach Bayeux senden, um dort Dänisch zu lernen, indem die langue Romane zu Rouen, wo der sitz der normannischen herrschaft war, fast ausschliesslich gesprochen wurde. Daher ist auch, was von der literatur der Normannen in Frankreich und England bekannt geworden ist, nur in der lingua Romana geschrieben; jedoch fallen die ältesten bekannten sprachdenkmale der Normannen in England, vielleicht mit ausnahme der gesetzgebung, erst in den anfang des 12. jahrhunderts.
Entartung des Angelsächsischen. Unterdessen ward das Angelsächsische durch den hass des volkes gegen seine fremden dränger erhalten und fortwährend, ja in den niederen schichten der eingeborenen bevölkerung, wahrscheinlich mit geringen ausnahmen, ausschliesslich gesprochen. Es erfuhr dadurch, dass die gebildeteren und höheren stände des landes sich nicht die mühe gaben, dasselbe zu lernen oder als schriftsprache veredelt fest zu halten, ausserordentliche veränderungen, nicht bloss durch allmäliges eindrängen französischer worte, sondern noch vielmehr durch die vernachlässigung der ableitungs- und beugungsendungen und das aufgeben seines grammatischen baues. Noch schlimmer erging es der alten sächsischen sprache, als nach einigen generationen sieger und besiegte sich mehr mischten und zu einem volke zu verschmelzen begannen. Jetzt musste die sprache des volkes, das bereits verstümmelte Angelsächsische, als mittel des verkehrs und der gegenseitigen verständigung dienen, wodurch seine umwandlung in das spätere Norman-Saxon oder Englisch beschleunigt wurde. Es war natürlich, dass der sieger nur so viel von der sprache des besiegten volkes lernen wollte, als er nothdürftig brauchte, um sich verständlich zu machen; er lernte daher zwar allmälig den wortschatz der sprache, nicht aber deren grammatik kennen, welche er vielmehr von seiner eigenen sprache auf die zu erlernende übertrug. Die verwickelten formen und veränderlichen endungen des Angelsächsischen liess der Normann unberücksichtigt, da sie ihm bei der auffassung der sprache als eines mittels zur verständigung nur hinderlich waren. Aber auch die besiegten mussten es nöthig finden, ihre sprache zu verstümmeln, um sich verständlich zu machen, da die Normannen nicht besondere lust haben mochten, auf die unterschiede der endungen zu achten, und schnelles verständniss der hauptzweck ihrer gespräche sein musste. Dieser ist am leichtesten zu erreichen, wenn man zu einem fremden nur in einfachen, wenig verbundenen worten spricht: der infinitiv der zeitwörter, der nominativ bei den hauptwörtern, die stammform bei den eigenschaftswörtern sind hierzu ausreichend.
Abschwächung der Endungen. Besonders zeichnet sich die übergangszeit der halbsächsischen periode durch die neigung der wörter aus, die endsylben der deklination und conjugation zu kürzen oder abzuwerfen: ylc für ylce, sone für sunu, name für nama, dages für dagas, hwilon, hwilen für hwilum; cumme für cuman, nemne für nemnan; gehote für gehaten; lufian, lufien für lufienne oder lufigenne; clepen für cylpiað. Schon früh verwandelt sich das augmentative ge- vor dem part. perf. in ein y- oder i- z. b. i-hote für gehaten. In der deklination zeigt sich eine vermischung der starken und schwachen formen: munucan für munucas, steorres für steorran; bald hört bei der pluralisation jede rücksicht auf geschlecht oder deklination ganz auf, indem das einfache -s in übereinstimmung mit dem Französischen die mehrfache zahl der hauptwörter bezeichnet. Von den alten beugungssylben der deklinationen erhalten sich das -s im genitiv, -e im dativ und zuweilen ein -n im accusativ sing. für alle deklinationen und geschlechter, während der plural der substantiva und adjectiva ausser dem -s allmälig alle beugungssylben der casus abwarf. Die präpositionen of und to, welche schon im Angelsächsischen zur grammatischen bildung abhängiger casus angewendet worden waren, bewirken jetzt die vollständige abwerfung der casusendung, wenn sie vor den hauptwörtern stehen. Bei grösserer abschwächung der sprache verliert sich auch das -n des infinitivs, der gebrauch mancher starken formen des verbs im imperf. und part. praet., endlich auch die anwendung der artikel se, seo, þæt, wofür þe, the, gesetzt wird. Auffallend ist gegen ende des zwölften und im ganzen dreizehnten jahrhundert der gebrauch des wortes me (wahrscheinlich eine abkürzung von men oder man) in der bedeutung des deutschen wortes man. Beispiele finden sich schon in der Sachsenchronik. Am längsten halten sich die alten formen bei dem pronomen und pronominal adjectivum: þan, þonne, þære, þam, heo, heora, hem, min, þin etc. Auch bei dem worte beon, sein, verschwinden die alten formen sehr allmälig; noch sagte man ben und beeth für sind und sindon; mehrere derselben haben sich bis auf den heutigen tag erhalten. Im allgemeinen ist schon gegen ende des elften und im folgenden jahrhundert das bestreben der sprache zu bemerken, die vollen vokale mit leichteren zu vertauschen und die endsylben der wörter zu verkürzen; so findet man in den letzten jahren der Sachsenchronik schon kyng für cyning, biscopes für bisceopas, dohter für dohtor, sweren für swerian; bute für butan, lihtede für lihtedon, u. s. w.
Semi-Saxon. Das zwölfte jahrhundert war die zeit, wo die veränderung des alten Angelsächsischen am schnellsten ging. Die wenigen literarischen produkte dieser zeit, welche man auch mit dem namen der Halbsächsischen (Semi-Saxon) bezeichnet,—die letzten aufzeichnungen der Sachsenchronik, die sprichwörter Alfred’s in halbsächsischen versen, welche von Ailred de Rievaux im anfange des zwölften jahrhunderts (die beiden vorhandenen manusc. sind aus dem 13. sec.)[130] erwähnt werden, ein Bestiarium (wörtliche übersetzung aus dem lateinischen Physiologus von Theobald) aus derselben zeit,[131] ein gespräch zwischen leib und seele, eine modernisirte grammatik von Alfric (Ms. aus dem 12. sec.), eine übersetzung der nonnenordnung (Rule of Nuns) von Simon de Ghenf in mehreren manuscripten,[132] einige predigtsammlungen,[133] dann die grösseren werke von Layamon und Orm nebst dem gedichte von der eule und der nachtigall von Nicholas de Guildford—bilden den übergang zu der englischen (Norman-Saxon oder Anglo-Norman) literatur des dreizehnten und vierzehnten jahrhunderts. Zur vergleichung mögen folgende sprachproben hier eingeschaltet werden:
Sprachprobe aus der Sachsenchronik.
Aus der Sächsischen Chronik. (Ausgabe von Gibson.)
| An. MCXXXV. On þis gere for se king Henri ofer sæ æt te Lammasse. and þæt oðer dei. þa he lai an slep in scip. þa þestrede þe dæi ouer all landes. and uuard þe sunne swilc als it uuare þre-niht-ald mone. an sterres abuten him at middæi. | A. 1135. In diesem jahre fuhr der könig Heinrich über see zur lammmesse (festus primitiarum), und am zweiten tage, da er im schiffe schlief, da verfinsterte sich der tag über alle lande und ward die sonne so als wenn sie ein drei nächte alter mond wäre, und sterne um sie zu mittage. |
| Wurðen men swiðe ofwundred and ofdred. and sæden þæt micel þing sculde cumme her efter. swa dide. for þæt ilc gær warð þe king ded. þæt oðer dæi efter S. Andreas massedæi on Normandi. Ða wes tre sona þæs landes. for æuric man sone ræuede oðer þe mihte. | Da wurden die menschen sehr verwundert und erschreckt und sagten, dass ein grosses ding hierauf kommen würde; und so geschah es, denn dasselbe jahr ward der könig todt den anderen tag nach St. Andreas messetag in der Normandie. Da war alsbald störung des landes, denn jedermann, der konnte, beraubte bald den andern. |
| Ða namen his sune and his frend and brohten his lic to Engleland. and bebiriend in Reding. God man he wes. and micel æie wes of him. Durste nan man misdon wið oðer on his time. Pais he makede men and dær. Wua sua bare his byrðen gold and silure. durste nan man sei to him naht bute god. | Da nahmen seine söhne und seine freunde und brachten seinen leichnam nach England und begruben ihn in Reding. Er war ein guter mann und viel furcht war vor ihm; niemand durfte unrecht zufügen einem andern zu seiner zeit. Frieden machte er menschen und thieren. Wenn jemand seine last gold oder silber trug, so durfte niemand ihm etwas sagen ausser gutes. |
| An. MCXXXVII. Ða þe king Stephne to Engla-land com. þa macod he his gadering æt Oxene-ford. and þar he nam þe biscop Roger of Seres-beri. and Alexander biscop of Lincoln. and te Canceler Roger hise neues, and dide ælle in prisun. til hi jafen up here castles. Da þe | A. 1137. Da der könig Stephan nach England kam, hielt er seine versammlung zu Oxford und nahm da den bischof Roger von Seresberie und Alexander bischof von Lincoln und den kanzler Roger, seinen neffen, und warf alle in das gefängniss, bis sie ihre schlösser übergaben. |
| suikes undergælon þæt he milde man was and softe and god. and na justice ne dide. þa diden hi alle wunder. Hi hadden him manred maked and aðes suoren. ac hi nan treuðe ne heolden. alle he wæron forsworen. and here treoðes forloren. for æuric rice man his castles makede and aganes him heolden. and fylden þe land full of castles. | Da die verräther merkten, dass er ein milder mann war, und sanft und gut, und keine gerechtigkeit vollzog, da wunderten sie sich alle. Sie hatten ihm gehuldigt und eide geschworen, aber sie hielten keine treue; sie waren alle meineidig und ihres glaubens verlustig. Denn ein jeder reiche mann baute seine schlösser, und sie behaupteten sie gegen ihn; und füllten das land voll schlösser. |
| Hi suencten suiðe þe wrecce men of þe land mid castel-weorces. þa þe castles waren maked. þa fylden hi mid deoules and yuele men. Ða namen hi þa onen þe hi wenden þæt ani god hefden. baðe be nihtes and be dæies. carl-men and wimmen. and diden heom in prisun efter gold and syluer. and pined heom untellendlice pining. for ne wæren næure nan martyrs swa pined alse hi wæron. | Sie plagten sehr die unglücklichen menschen des landes mit schlösserbauen, und als die schlösser fertig waren, da füllten sie sie mit teufeln und bösen menschen. Da nahmen sie diejenigen menschen, von denen sie wähnten, dass sie einiges gut hätten sowohl bei tage als bei nacht, männer und weiber, und warfen sie in das gefängniss nach gold und silber, und quälten sie mit unbeschreiblicher qual, denn kein märtyrer wurde so gequält, als sie es waren. |
| Me henged up bi þe fet and smoked heom mid ful smoke. me henged bi þe þumbes. oðer bi þe hefed. and hengen bryniges on her fet. Me dide cnotted strenges abuton here hæued. and uuryðen to þæt it gæde to þe hærnes. | Man hängte sie auf bei den füssen und räucherte sie mit dickem rauche; man hängte sie auf bei den daumen, oder bei dem kopfe, und hängte brände an ihre füsse. Man legte knotige stränge um ihr haupt und würgte sie so, dass es an das gehirn ging. |
| Hi diden heom in quarterne þar nadres and snakes and pades wæron inne. and drapen heom swa. Sume hi diden in crucet-hus. þæt is in an ceste þæt was scort and nareu. and undep. and dide scærfe stanes her inne. and hwengde þe man þær inne. þæt hi bræcon alle þe limes. Etc. | Sie warfen sie in gefängnisse, in welchen nattern und schlangen und kröten waren, und quälten sie so zu tode. Einige thaten sie in das marterhans, das ist in einen kasten, der kurz und eng war und nicht tief, und steckten scharfe steine hinein und quälten die menschen darin, dass sie brachen alle die glieder. u. s. w. |
| An. MCLIV. On þis yær wærd þe king Stephen ded, and bebyried þere his wif and his sune wæron bebyried æt Tauresfeld. þæt ministre hi makiden. þa þe king was ded, þa was þe eorl beionde sæ. And ne durste nan man don oþer bute god for þe micel eie of him. þa he to Engleland come, þa was he underfangen mid micel wortscipe, and to king bletcæd in Lundine, on þe Sunnendæi beforen mid-winter-dæi. | A. 1154. In diesem jähre ward der könig Stephan todt und begraben, we sein weib und seine söhne begraben waren, zu Tauresfeld. Dieses Münster machten sie. Als der könig todt war, da war der Earl über see. Und niemand wagte etwas zu thun, als gutes, wegen der grossen furcht vor ihm. Als er nach England kam, da ward er empfangen mit grosser verehrung und in London zum könig geweiht am sonntage vor mittwintertag. |
Diese stellen aus den letzten jahren der Sachsenchronik zeigen bereits eine stark veränderte grammatik und orthographie des Angelsächsischen, so wie einige französische wörter: castles, prisun, justice, martyrs, quarterne (carcer), ceste.
Sprachproben aus Homilien.
Das Grab. (Aus Bosworth’s A. S. Dict. p. XXIV.)
(Am rande einer homiliensammlung in der Bodleyana Codex NE. F. 4. 12. nach Wanley’s angabe um das jahr 1150 geschrieben.)
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Ðe wes bold gebyld, er þu iboren were; ðe wes molde imynt, er ðu of moder come; ac hit nes no idiht, ne þeo deopnes imeten; |
Dir war ein gebäude gebaut, ehe du geboren warst; dir war eine erde bestimmt, ehe du von der mutter kamst; aber es ist noch nicht bereitet, noch die tiefe gemessen, |
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nes gyt iloced, hu long hit þe were: Nu me þe bringæð, þer ðu beon scealt, nu me sceal þe meten, and ða mold seoðða. |
noch ist nachgeblickt, wie lang es dir wäre! Nun bringt man dich dahin, wo du bleiben sollst, nun soll man dich messen, und die erde nachher. |
Ein Bruchstück einer Predigt.
(Aus Reliq. Antiq. Bd. I. Seite 130.)
| Nox precessit, dies autem appropinquabit. Hure heiest lorðen after ure loverd Jhesu Crist, þis is ure loverd sainte Powel, munegeð us to rihtlechen ur liflode, and wisseð us on wilche wise and seið þæt we haven riht þar to, and seið hwu, þus queðende: | Nox precessit, dies autem appropinquabit. Unser höchster herr nach unserem herrn Jesus Christus, das ist unser herr der heilige Paulus, mahnt uns zu bessern unser leben, und weiset uns auf welche weise, und sagt, dass wir ursache dazu haben und sagt wie, indem er so spricht: |
| Nox precessit, dies autem, etc., þe niht is forðgon, and dai neihlecheð. and for þi hit is riht þæt we forleten and forsaken nihtliche deden, þo ben þe werkes of þiesternesse, and scruden us mid wapnen of lihte, þæt beð soðfeste bileve, and of brihtnesse, swo þæt we gon a dai bicumeliche; | Nox precessit, dies autem, etc. die nacht ist fortgegangen, und der tag nahet, und deshalb ist es recht, dass wir nächtliche thaten unterlassen und aufgeben, das sind die werke der finsterniss, und uns zieren mit waffen des lichtes, das ist fester glauben, und des glanzes, auf dass wir stattlich am tage gehen; |
| non in commessationibus et ebrietatibus, non in cub. et in pud., non in contentione et emulatione, sed in horum oppositis; and noh on derke wedes. Ac her we seien eow of þese derke wedes, wat þe holie apostle meneð, þo he nemnede niht niehtes dede, and dai leochtes wapne. | non in commessationibus et ebrietatibus non in cub. et in pud., non in contentione et emulatione, sed in horum oppositis; und nicht in dunklen gewändern. Aber hier sagen wir euch von diesen dunkeln gewändern, was der heilige apostel meint, da er die nacht der finsterniss that und den tag des lichtes waffe nennt. |
Sprachprobe aus den Sprüchwörtern Alfred’s.
Der Anfang der Sprüchwörter Alfred’s.
(Aus Reliq. Antiq. Bd. I. Seite 179. nach beiden Manuscripten.)
| Cambridger Handschrift. | Oxforder Handschrift.[134] | |
| At Siforde setin kinhis monie, fele biscopis, and fele booc-lerede herles prude and cnites egleche. | At Sévorde séte theynes monye fele biscopes, and feole bok i-lered, eorles prute, knytes egleche. | Zu Siford sassen viele thanen, viele bischöfe und viele buchgelehrte, stolze grafen und ritter desgleichen. |
| þer was erl Alfred of þe lawe suiþe wis, and heke Alfred, Englene herde, Englene derling; in Enkelonde he was king. | Thar wes the eorl Alvrich of thare lawe swithe wis, and ek Ealvred, Englene hurde, Englene durlyng; on Englene londe he wes kyng. | Da war Graf Alfred, des gesetzes wohlerfahren, und auch Alfred, England’s hirt, England’s liebling; in England war er könig. |
| hem he gon lerin, so we mugen i-herin, whu we gure lif lede sulin. Alfred he was in Enkelonde a king, wel swiþe strong and lufsum þing. | Heom he bi-gon lere, so ye mawe i-hure, hw hi heore lif lede scholden. Alvred he wes in Englene lond and king wel swithe strong; | Sie begann er zu lehren, so ihr mögt hören, wie sie sollten ihr leben führen. Alfred, er war in England und könig wohl sehr stark; |
| He was king and cleric, ful wel he lovede Godis werc; he was wis on his word, and war on his werke; he was þe wisiste mon þad was in Engelonde on. | he wes king and he was clerek, wel he luvede Godes werk; he wes wis on his word, and war on his werke; he wes the wysuste mon that wes Engle londe on. | er war könig und gelehrter, gar wohl liebte er Gottes werk; er war weise in seinem wort und klug in seinem werke; er war der weiseste mann, der in England (darin) war. |
Normännische Sänger und Dichter. Schon vor dem einfalle der Normannen in England hatte sich die lingua Romana auf dem gebiete der literatur und poesie versucht, und die normännischen jongleurs (joculatores) dichter und sänger (trouvères) waren kaum weniger berühmt als die der Provence. Einer derselben, Taillefer, war der normännische Tyrtaeus in der schlacht bei Hastings und zugleich der erste ritter, welcher in die sächsische schlachtreihe einbrach. Die politischen verhältnisse England’s nach der eroberung brachten es mit sich, dass die bedeutendsten schriftsteller der beiden auf die besetzung England’s folgenden jahrhunderte Normannen waren, welche zum theil nicht einmal England ihr vaterland nennen konnten. Die normännisch-französische poesie in England tritt zuerst mit kirchlichen stoffen auf und scheint in Alice von Louvaine, gemahlin Heinrich’s I., eine grosse beförderin gefunden zu haben. Ihr ist das versificirte Bestiarium des Philipp de Thaun und die gereimte legende des heiligen Brandan, deren ungenannter autor wahrscheinlich ein benedictinermönch war, gewidmet. Der anfang dieses letzteren gedichtes möge hier als eine sprachprobe der ältesten anglo-normännischen reimer eine stelle finden:
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[135]Donna Aaliz la
reine, Par qui valdrat lei divine, Par qui creistrat lei de terre E remandrat tante guerre Por les armes Henri lu rei, | Frau Alice, die königin, durch welche das göttliche gesetz sich kräftigen wird, durch welche das gesetz des landes wachsen und aufhören wird solcher krieg, durch die waffen Heinrich’s des königs |
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E par le cunseil qui ert en tei, Salvet tei mil e mil feiz Li apostoiles danz Benediz. Que comandas, ço ad enpris En letre mis e en Romanz, E si cum fud li teons cumanz, De saint Brendan le bon abeth. | und durch den rath, welcher sein wird in dir, es grüssen (?) dich tausend und tausend mal die (?) apostel im Benedict (?) Was du befahlst, das habe ich unternommen in schrift gesetzt und in Romanze und so, wie es dein befehl war, (das leben) vom heiligen Brendan, dem guten abt. |
Hieran möge sich als eine probe anglo-normännischer prosa aus etwas späterer zeit die übersetzung des ersten psalms anschliessen:
Anglo-normännische Psalmenübersetzung.
| [136]Beonuré barun chi ne alat el cunseil des feluns, et en la veie des pecheurs ne stout, et en la chaere de pestilence ne sist. | [137]Bienheureux est l’homme qui ne marche point selon le conseil des méchants, et qui ne s’arrête point dans la voie des pécheurs, et qui ne s’assied point au bank des moqueurs; |
| Mais en la lei de nostre seignor la volunted, e en la sue lei purpenserat par jurn e par nuit. | mais qui prend plaisir en la loi de l’Eternel, et qui médite jour et nuit en sa loi: |
| E iert ensement cume le fust qued et de juste les decurs des ewes, ki dunrat sun froit en son tens. | car il sera comme un arbre planté près des ruisseaux d’eaux, qui rend son fruit en sa saison, |
| E sa fuille ne decurrat, e tutes les coses que il unques ferad serunt fait prospres. | et duquel le feuillage ne se flétrit point; et ainsi tout ce qu’il fera, prospérera. |
| Nient eissi li felun, nient eissi, mais ensement cume la puldre que li venz geted de la face de terre. | Il n’en sera point ainsi des méchants; mais ils seront comme la balle que le vent chasse au loin. |
| En pur iço ne surdent li felun, en juise, ne li pecheor el conseil des dreituriers. | C’est pourquoi les méchants ne subsisteront point en jugement, ni les pécheurs dans l’assemblée des justes. |
| Kar nostre sire cunuist la veie des justes, e l’eire des feluns perirat. | Car l’Eternel connaît la voie des justes; mais la voie des méchants périra. |
Ph. de Thaun. Turold. G. Gaimar. Wace. Geoffrey von Monmouth. Philippe de Thaun, verfasser von zwei abhandlungen in versen über astronomie und symbolische zoologie,[138] Turold, verfasser des schönen romans Roland,[139] Samson de Nanteuil, welcher die sprüche Salomon’s in französische verse übersetzte,[140] Geoffroi Gaimar, verfasser einer chronik der angelsächsischen könige,[141] und David, ein bedeutender Trouvère, dessen werke aber verloren sind, waren die bekanntesten vorgänger eines normännischen schriftstellers von noch grösserer berühmtheit und bedeutung besonders für die spätere englische literatur, namens Maistre Wace aus Jersey. Um das jahr 1160 schrieb Wace in französischer sprache ein episches heldengedicht Li Romans de Brut, oder Le Brut d’Angleterre.[142] Der hauptheld des gedichtes ist Brutus, ein fingirter sohn des Trojaners Aeneas; von diesem Brutus wird viele jahrhunderte vor der christlichen zeitrechnung das britannische reich gegründet. Wace schöpfte seinen Brutus aus einer im guten ernst geschriebenen geschichte, welche einige jahre vorher Geoffrey von Monmouth, ein mönk, in lateinischer sprache geschrieben hatte,[143] und worin dieser die brittische geschichte durch eine lange reihe fingirter könige von Cadwallader, welcher im jahre 689 der christlichen zeitrechnung gelebt haben soll, bis auf Brutus, den sohn des Aeneas, hinaufführte.
Diese geschichte ist wegen ihres ursprunges und durch ihren einfluss auf die spätere englische literatur ein interessantes werk geworden. Die Britten von Wales, Cornwall und in der Bretagne besassen zu jener zeit in einer grossen menge von volksthümlichen legenden und fabelhaften sagen eine art von überlieferter geschichte, wie sie sich noch in späterer zeit bei den stammverwandten Schotten fand. Aus dieser brittischen quelle romantischer geschichte im äussersten westen Europa’s haben die benachbarten völker reichlich geschöpft. Walter Calenius, archidiaconus von Oxford, sammelte einige jener sagen von geschichtlicher färbung und theilte sie dem mönche Geoffrey mit, welcher sie ordnete und in der gestalt einer wirklichen geschichte veröffentlichte. Historischen werth besitzt das buch des Geoffrey so gut als gar nicht, allein einen desto grösseren als eine hauptquelle geschichtlicher romantik für die nächstfolgenden zwei jahrhunderte, welche es noch nicht zu erschöpfen vermochten, denn Shakspeare entlehnte, wenn auch nicht direkt, diesem werke die fabel zu seinem King Lear, Sackville den stoff zu Ferrex und Porrex, während Drayton es zu seinem Polyolbion benutzte, und sogar Milton nicht verschmähte, manche anspielungen daraus zu entnehmen.
Maistre Wace schrieb auch eine geschichte der Normannen unter dem titel Roman de Rou,[144] d. h. Roman Rollo’s, des ersten herzogs der Normandie, und einige andere schriften. Heinrich II. gab dem Chronisten eine domherrnstelle zu Bayeux.
Benoit. Guernes. Benoit, ein zeitgenosse Wace’s, und Verfasser einer geschichte der herzöge der Normandie,[145] sowie Guernes, ein geistlicher zu Pont de St. Maxence in der Picardie, welcher das leben Thomas à Becket’s während der jahre 1172-1175 in versen beschrieb,[146] sind zwei andere normännische schriftsteller,[147] welche in naher beziehung zur literaturgeschichte England’s stehen.
Layamon. An Wace’s Brut knüpft sich ein höchst interessantes denkmal der untergehenden angelsächsischen, oder neuentstehenden englischen sprache. Es is dieses die metrische übersetzung des Brut von Layamon, einem geistlichen, geboren zu Ernley an dem Severn. Da der Brut im jahre 1155 beendigt war, so muss Layamon später geschrieben haben, nach seinen Worten über Heinrich II. zu schliessen, wahrscheinlich zu ende der regierung, oder nicht lange zeit nach dem tode dieses königs (1189). Layamon’s sprache ist noch angelsächsich zu nennen; noch hat sie die beugungen der muttersprache, ist aber von der zur zeit der normannischen eroberung lebenden durch die einführung, oder wenigstens durch den zunehmenden gebrauch von hilfsformen verschieden; auch ist der charakter der sprache darin geändert, dass nur wenige umschreibungen, ellipsen und inversionen, die im Angelsächsischen so oft vorkommen, zu finden sind. Französische wörter kommen nur sehr selten in Layamon’s werk vor. Es ist auch nicht eine blosse übersetzung, sondern mehr eine umschreibung der Waceschen schrift. Die annahme des schlichten, ja beinahe kriechenden styls des französischen romans an die stelle des stürmenden schwunges des angelsächsischen gesanges zeigt deutlich die entartung des Angelsächsischen, obwohl die sprachformen meist noch die alten sind, und sich neben dem reime auch noch die alliteration, jedoch vernachlässigt findet. In Worcestershire, wo Layamon schrieb, mochte sich die veraltende sprache länger halten, als unter den mit den Normannen in grösserer verbindung stehenden bewohnern des südens von England. Eine vollständige handschrift Layamon’s wird im brittischen museum (Ms. Cotton. Calig. A. IX.) aufbewahrt; dieselbe scheint aus der ersten zeit des 13. jahrhunderts herzurühren. Ein zweites manuscript in derselben Sammlung (Ms. Cotton. Otho. C. XIII.) ist nur noch ein bündel verbrannter blätter. Letztere handschrift ist jünger, gehört aber auch noch dem 13. jahrhundert an.[148]
Die folgenden, aus Ellis’s Specimens etc. entlehnten sprachproben werden das verhältniss zeigen, in welchem Layamon zu Wace und dieser zu Geoffrey von Monmouth steht.
Sprachproben aus G. von Monmouth, Wace.
Galfredi Monum. lib. VII cap. 4.
Rex (Arthur) et regina, ille ad suum palatium cum viris, hæc ad aliud cum mulieribus, epulatum incedunt; antiquam namque consuetudinem Troiæ servantes Britones, consueverant mares cum maribus, mulieres cum mulieribus, festivos dies separatim agere. Collocatis postmodum cunctis ut singulorum dignitas expetebat, Caius dapifer, hermenio ornatus, mille vero nobilissimis iuvenibus comitatus est, qui omnes, hermenio induti, fercula cum ipso ministrabant. Ex alia parte vero Bedverum pincernam totidem vario amicti sequntur, qui in scyphis diversorum generum multimoda pocula cum ipso distribuebant. In palatio quoque reginæ, innumerabiles ministri, diversis ornamentis induti, obsequium suum præstabant, morem suum exercentes, quem si omnino describere pergerem, nimiam historiæ prolixitatem generarem.
Wace.
Quand li service fut finé,
Et lte Missa Est chanté,
Li roi a sa corone ostée,
1) Monastère, dôme. Qu’il avoit au mostier1) portée,
Une corone menor prist:
2) Ensemble, aussi. 3) Ils. 4) Les atours plus grands. El la reine ensement2) prist.
lus3) mistrent les greignors ators4)
Plus legiers pristrent, et menors.
Quand li roi torna del mostier,
A son palais ala manger.
La reine à une autre ala
5) à, avec. Et les dames o5) sei mena.
Li roi mangea avec les homes,
Et la reine avec les dames
6) Déduit. O grant deduist6) et grant joye,
Come soloit estre à Troie:
Et Bretons encor la tenoent
7) Fête. Quant ensemble feist7) feisoent
Li roi et les homes mangoent,
Que nule fame n’i menoent:
Les dames mangoent aillors,
N’i avoit que lor servitors.
8) Dais. Quant li roi fut au deis8) assiz,
A la costume del païs,
9) En tour. 10) Son honneur. Assiz sont les barons entor;9)
Chescun en l’ordre de s’enor10)
Li senescal, Kei avoit nom,
Vestu d’un ermine pelliçon,
Servi à son mangier li roy,
Mil gentilz homes avec soi,
11) Tous. 12) Cuisine. 13) Épais. 14) Écuelles. 15) Mets. Qui tuiz11) forent vestus d’ermine,
Cil servirent à la quesine.12)
Sovent aloent et espez,13)
Esqueles14) portant, et mes.15)
Beduer, de l’autre partie,
Servi de la boteillerie.
16) Damoiseaux. 17) Beaux. 18) Aux coupes et aux pots. 19) Hanap, trinkschale, A. S. hnæp, deutsch: napf. Ensemble o li, mil damoisealz,16)
Vestuz d’ermine, genz, et bealx,17)
O copes et o pos18) d’or fin
Et o henas19) porteient vin,
N’i avoit home qui servist,
Qui d’ermine ne se vestit.
Beduer devant euls aloit,
Que la cope li roi portoit,
Li damoiseals après aloent,
Qui les barons de vin servoent.
20) Eut. 21) Quels, ni quants. La reine ost20) ses servanz
Ne vos sai dire quenz ne quanz.21)
Sprachproben aus Layamon.
Layamon.
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Þa þe masse wes isungen, Of chirccken heo þrungen. Þe king mid his folke To his mete verde, And mucle his dugeðe: Drem wes on hirede. |
Da die messe war gesungen, drängten sie sich aus der kirche. Der könig mit seinem volke zu seinem mahle fuhr, und viele seines adels: freude war im hause. |
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Þa quene, an oðer halve, Hire hereberwe isohte; Heo hafde of wif-monne Wunder ane moni en. þa þe king wes iseten Mid his monnen to his mete, To þan kinge com þa biscop, Seind Dubrig, þe was swa god; And nom of his hafde His kinc-helm hæhne.[149] |
Die königin auf ihrer seite, suchte ihre herberge; sie hatte weibsleute wunderbar viele. Da der könig sich gesetzt hatte mit seinen mannen zu seinem mahle, kam zu dem könige der bischof, der heilige Dubrig, der war so gut; und nahm von seinem haupte seinen hohen königshelm. |
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(For þan mucle golde Þe king hine beren n’alde) And dude enne lasse crune On þas kinges hafde, And seoð-þen he gon do Aðere quene alswo. Inne Troie þis wes lage Bi heore ælderne dage Þa Bruttes of come. |
(wegen des vielen goldes wollte ihn der könig nicht tragen) und setzte eine kleinere krone auf des königs haupt, und darauf that sich an eine andere auch die königin. In Troja war dieses gesetz, in ihren früheren tagen, da Brutus wegkam. |
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Þe weoren wel idone, Alle þa wepmen, At heore mete seten, Sundi bi heom seolven. Þat heom þuhte weldon. And alswa þa wifmen Heore iwune hafden. |
Die männer wohl gethan, alle die waffenleute, sassen bei ihrem mahle gesondert bei einander; das däuchte ihnen wohl gethan. Und auch die weiber hatten ihre wohnung. |
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Þa þe king wes isete, Mid alle his dugeð to his mete, Eorles, and beornes, At borde þas kinges, Þe stiward com steppen, Þe Kay wes ihaten; Haxt cniht on londe, Under þan kinge, Of alle þan hæpe, Of Arþures hirede. |
Da nun der könig sass mit allem seinen adel bei dem mahle, grafen und barone am tische des königs, kam der hofmeister geschritten, der Caius war geheissen, der höchste ritter im lande unter dem könige von all’ dem haufen von Arthur’s haushalt. |
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Kay hehte him bivoren, Moni heah mon iboren. Þer weoren a þusen cnihte bald Wunder wel italde, Þal þeineden þan kingen, And his here þringen. Aelc cniht hafde pal on, And mid golde bigon; And alle heore vingeres, Iriven mid gold ringes, Þas beorn þa sunde, From kuchene to þan kinge. |
Caius gebot vor sich manchen hochgebornen mann. Da waren tausend kühne ritter, wundervoll wohl gezählt, die dem könig dienten und zu seinem dienst sich drängten. Jeder ritter hatte einen mantel um und mit golde besetzt, und alle ihre finger eingefasst mit gold’nen ringen; die trugen das gesendete aus der küche zu dem könige. |
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An oðer half, was Beduer, Þas kinges hæge birle; Mid him weoren eorlene sunen, Of aðele cunne iboren; And þere hehge cnihtene sunen, Þa þider weoren icunen. Seoven kingene sunen, Þat mid him quehten. Bedever avormest eode, Mid guldene bolle: After him a þusend Þrasten to hirede. |
Auf der andern seite war Beduer, des königs oberkellner; bei ihm waren grafen söhne aus adeligem geschlecht geboren, und da hoher ritter söhne, die hin gekommen waren, sieben königssöhne, die mit ihm sich bewegten. Beduer ging zuerst mit goldener flasche, nach ihm tausend drängten sich zum dienst, |
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And alle þas cunnes drenche, Þem cuðe on biþenche, And þe quene, an hire end Wifmen swide hende; A þusend hire eode bivoren, Riche men and wel icoren, To þainen þere quene, And þan þat mid hire weoren. |
und mit aller art getränke, die man sich nur denken kann. Und die königin hatte auf ihrer seite sehr schöne frauen: tausend gingen vor ihr, reiche und auserlesene männer, zu dienen der königin und denen, die bei ihr waren. |
Verschiedenheit der Handschriften Layamon’s. Thorpe in seinen Analecta Anglo-Saxonica (seite 143) theilt die geschichte des königs Lear und seiner töchter nach beiden handschriften des Layamon mit; zur vergleichung möge der anfang dienen, nebst der entsprechenden stelle der Historia Britonum des Geoffrey von Monmouth:
| Cedente igitur fatis Baldudo erigitur Leir eiusdem iilius in regem, qui sexaginta annis patriam viriliter resit. |
Bladud hafde ene sune, Leir was ihaten; Efter his father daie, he heold þis drihlice lond, — — — somed an his live sixti winter. |
Bladud hadde one sone, Leir was ihote; after his fader he held þis lond, in his owene hond, llaste his lif-dages sixti winter. |
| Aedificavit autem super fluvium Soram civitatem, quæ Britonum lingua Kaerleir, saxonice Leircestre nuncupatur. |
He makade ane riche burh, þurh radfulle his crafte, and he heo lette nemnen, efter him seolvan; Kaer-Leir hehte þe burh. Leof heo wes þan kinge, þa we, an ure leod-quide, Leir-chestre clepiad, geare a þan holde dawon. |
He makede on riche borh, þorh wisemenne reade, and hine lette nemni, after him seolve; Kair-Leir hehte þe borh. Leof he was þan kinge, þe we, on ure speche, Leþ-chestre cleopieþ, in þan eolde daiye. |
Bladud hatte einen sohn, Leir war er geheissen; nach seines vaters tagen nahm er dessen land in seine eigene hand—seines lebens tage dauerten sechzig winter. Er machte eine reiche burg nach weiser männer rath und liess sie benennen nach sich selbst. Kair-Leir hiess die burg. Lieb war sie dem könige, die wir in unserer sprache Leir-chester nennen in den alten tagen.
Das Ormulum. In dieselbe zeit fällt die metrische, aber ungereimte evangelienharmonie, welche man das Ormulum nennt. Der Verfasser Orm erzählt, dass er und sein bruder Walter, dem das buch gewidmet ist, augustinermönche seien, und dass er die bearbeitung dieser evangelienharmonie auf wunsch seines bruders unternommen habe. Die sprache des, wie es scheint, im norden von England geschriebenen buches ist einfach und rhythmisch und scheint in die letzte hälfte des 12. jahrhunderts zu gehören. Merkwürdig ist das Ormulum
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þiss boc is nemmned Orrmulum, forrþi þæt Ormm itt wrohhte: And itt iss wrohht off quaþþrigan off Goddspell-bokes fowwre. |
Dieses buch ist Ormulum genannt, deshalb weil Orm es schrieb: Und es ist viertheilig abgefasst aus vier evangelienbüchern. |
dadurch, dass der verfasser den consonanten nach einem geschärften vocale jedesmal verdoppelt, wie dieses im heutigen Deutsch geschieht, um die aussprache zu erleichtern und zu sichern. Orm legte dieser consonantenverdoppelung in seinem buche solche wichtigkeit bei, dass er ausdrücklich jeden folgenden abschreiber ersucht, seine orthographie unverändert beizubehalten:
And whase wilenn shall þiss boc efft oþerr siþe writenn,
Himm bidde icc þatt hett write rihht, swa summ þiss boc himm tæcheþþ,
All þwerrt utt affterr þatt itt iss uppo þiss firrste bisne,
Wiþþ all swillc rime alls her iss sett wiþþ alse fele wordess;
And tatt he loke wel þatt he an boc-staff write twiggess;
Eggwhær þær itt uppo þiss boc iss written o þatt wise;
Loke he well þatt hett write swa, forr he ne magg nohht elless
On Ennglissh writenn rihht te word, þatt wite he wel to soþe.[150]
Und wer wünschen wird, dieses buch wieder ein andermal zu schreiben, den bitt’ ich, dass er es schreibe recht, so wie dieses buch ihn lehrt, alles durchaus nach dem, wie es ist in diesem ersten exemplar, mit all’ solchem reime, wie er hier gesetzt ist, mit eben so vielen worten; und dass er wohl zusehe, dass er einen buchstab zweimal schreibe; überall, wo er in diesem buch geschrieben ist in dieser weise, sehe er wohl zu, dass er so schreibe, denn er kann nicht anders auf Englisch das wort richtig schreiben, das wisse er wohl als wahrheit.
Das in der Bodleyana zu Oxford aufbewahrte manuscript des Ormulum’s scheint des verfassers autographie zu sein; am ende ist ein blatt verloren gegangen.[151]
Nicholas von Guildford. Dem Nicholas von Guildford wird ein anderer überrest jener zeit des übergangs der angelsächsischen zur englischen sprache zugeschrieben, welcher aber nach seiner grösseren verderbtheit des alten idioms jedenfalls jünger ist als Layamon’s und Orm’s werk. An einer stelle des gedichtes, worin eine eule und eine nachtigall um den vorzug streiten, wird eines vor kurzem verstorbenen königs Heinrich gedacht, so dass der dichter wahrscheinlich um das jahr 1200 lebte. Die handschriften, welche dieses gedicht enthalten, befinden sich im brittischen museum und in der bibliothek des Jesus College zu Oxford.[152]
[ II. Die Entstehung der englischen Sprache.]
Die normännisch-französische zeit der englischen literatur geht mit dem anfange des 13. jahrhunderts allmälig zu ende. Das alte idiom, welches in seiner verstümmelung nur noch von dem ungebildeten volke gesprochen wurde, hörte dadurch von selbst auf, als schriftsprache brauchbar zu sein, indem es als solche von dem Französischen und Lateinischen[153] verdrängt worden war. Es findet sich daher während des ganzen 13. jahrhunderts eine lange lücke in der nunmehr englisch zu nennenden literatur, welche nur hin und wieder durch kleine lebenszeichen von dem vorhandensein des sächsischen elementes zeugniss giebt. Hierzu gehören einige metrische lebensbeschreibungen von heiligen, welche um das jahr 1250 zu setzen sein dürften. Auch findet sich eine versificirte betrachtung des heiligen Augustin, welche ohne zweifel in der zeit von 1244 bis 1258 geschrieben ist. In das jahr 1258 gehört eine proklamation Heinrich’s III. an das volk von Huntingdonshire, obwohl man annehmen kann, dass sie durch ganz England circulirte. Dieselbe lautet:
Proklamation Heinrich’s III.
1) Gnade 2) wünschen 3) treue 4) gedeihen 5) schulden 6) gesetze 7) halten Henry, þurg Godes fullome,1) king on Engleneloande, lhoaurd on Yrloand, Duke on Normand, on Acquitain, Eorl on Anjou, send I greeting, to alle hise holden, ilærde and ilewerde on Huntingdonschiere. Þat witen ge well alle, þæt we willen and unnen2) þæt ure rædesmen alle oðer, þe moare del of heom, þæt beoð ichosen þurg us and þurg þæt loandesfolk on ure kuneriche, habbið idon, and schullen don, in þe worðnes of God, and ure þreowðe,3) for þe freme4) of þe loande, þurg þe besigte of þan toforen iseide rædesmen, beo stedfæst and ilestinde in alle þinge abutan ænde, and we heaten alle ure treowe, in þe treowðe þæt heo us ogen,5) þet heo stedefestliche healden and weren to healden and to swerien þe isetnesses6) þet beon makede and beon to makien, þurg þan toforen iseide rædesmen, oðer þurg þe moare del of heom alswo, alse hit is before iseide. And þet æhcoðer helpe þet for to done biþam ilche oðer, aganes alle men in alle þet heo ogt for to done, and to foangen.7) And noan ne of mine loande, ne of egetewhere, þurg þis besigte, muge beon ilet oðer iwersed on oniewise. And gif oni eðer onie cumen her ongenes, we willen and heaten, þæt alle ure treowe heom healden deadlichistan. And for þæt we willen þæt þis beo stædfast and lestinde, we senden ȝew [154] þis writ open, iseined wið ure seel, to halden amanges ȝew me hord. Witnes us-selven æt Lundæn, þæne egetetenðe day on þe monðe of Octobr, in þe two and fowertigðe ȝeare of ure crunning.
Anonyme epische Gedichte. Ein siegeslied, wahrscheinlich in London nach dem von den verbundenen baronen im jahre 1264 erfochtenen siege bei Lewes entstanden, scheint nach seiner sprache älter zu sein, als es ist. Schon im folgenden jahre wurde die siegende partei in der schlacht bei Evesham gänzlich vernichtet, wodurch jede veranlassung zu jenem triumphgesange benommen wurde. Die Reliquiæ Antiquæ von Wright und Halliwell enthalten einige anonyme gedichte der epischen gattung, welche in diese zeit fallen, so Maximon (Bd. I. seite 119-125), Judas (s. 144), beide aus dem dreizehnten jahrhundert. Die lyrik ist vertreten durch gebete (s. 22. 57), fromme betrachtungen[155] und lobgesänge auf Jesus und Maria (s. 48. 49. 100-103). Unter den letzteren, sämmtlich dem dreizehnten jahrhundert angehörenden gedichten befindet sich eine hymne auf Jesus und Maria (seite 100), welche sich durch einfache natürlichkeit der sprache eben so wohl als durch künstliche reime auszeichnet. Folgendes ist der anfang dieses lobgesanges:
Somer is comen and winter is gon,
this day beginniz to longe.
And this foules everichon,
joye hem wit songe!
So stronge kare me bint,
Al wit joye that is funde
in londe,
Al for a child
That is so milde
of honde,
1) schön 2) reinheit. 3) sought 4) haveth 5) broke That child that is so milde and wlong,1)
and eke of grete munde,2)
Voye[156] in boskes and in bank
i-sount3) me hauȝ4) a stunde!
I-funde he hevede me
For an appel of a tre
i-bunde,
He brac5) the bond,
That was so strong,
wit wunde.
Lyrische Gedichte. Mehrere kleinere gedichte, deren abfassung ungewiss ist, mögen ebenfalls in die zeit von 1260-1320 gehören. Darunter befindet sich eine der frühesten proben des schottischen dialektes, ein lied auf den tod Alexander’s III. aus dem jahre 1285, welches eine menge französischer wörter enthält.
Fabliaux. Die Sprüchwörter Hending’s. Die französisch-normannische literatur dieser zeit war besonders reich an fabliaux, mährchen und sagen im geschmack der geschichten, denen Chaucer am schluss des vierzehnten jahrhunderts seine berühmtheit verdankt. Sie wurden von den joculatores, jogelours, jongleurs, oder wandernden minstrels in den schlössern der barone und ritter erzählt oder gesungen. Obgleich die edeldamen von dieser beliebten unterhaltung nicht ausgeschlossen waren, wählten die joculatores oft sehr lüderliche stoffe, deren ursprung sich in einigen fällen bis zu den Arabern, ja bis nach Indien verfolgen lässt. Nur sehr wenige solcher fabliaux waren vor ablauf des dreizehnten jahrhunderts auch in englischer sprache vorhanden, da bis dahin die französische sprache in den schlössern der grossen, deren freigebigkeit und lüsternheit von den jongleurs ausschliesslich ausgebeutet wurde, noch die alleinherrschende blieb. Das älteste bruchstück eines ohne zweifei aus dem Französischen übersetzten englischen fabliau befindet sich in dem in der Bodleyana zu Oxford aufbewahrten Ms. Digby, Nr. 86, fol. 165, welche handschrift aus der zeit Eduards I. herrührt. Das englische fabliau in sechszeiligen gereimten strophen, nicht ohne alliteration, hat die französische überschrift: Ci commence le fables et le cointise de dame Siriz.[157]
Die didaktische poesie ist um das jahr 1300 durch mehrere gedichte vertreten. So finden sich in den Reliquiis Antiquis bd. I. seite 109. 193. 256 drei recensionen der sprüchwörter Hending’s, welche, wie man aus dem öfteren vorkommen schliessen kann, beliebt gewesen sein müssen. Zugleich als ein beispiel der verschiedenheit der sprache in verschiedenen handschriften, mögen hier die ersten sprüchwörter Hending’s nach einer kurzen, nur in Ms. Harl. 2253, fol. 125 befindlichen einleitung folgen:
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Mon that wol of wysdam heren,
At wyse Hendyng he mag lernen, That wes Marcolves sone; Gode thonkes ant monie thewes For te teche fele shrewes, For that wes ever is wone. |
| (Ms. Harl. 2253.) | (Ms. Digby, 86.) Hending the Hende. |
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Jhesu Crist, al folkes red,
That for us alle tholede1) ded Upon the rode2) tre, Lene us alle to ben wys, Ant to ende in his servys! Amen par charité! „God beginning maketh god endyng,“ Quoth Hendyng. |
Jhesu Christ, all this worldes red,
That for oure sunnes wolde be ded On that holi rode tre, He lete ous alle ben wise And enden in his servise Amen, per seinte charité. |
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Wyt ant wysdom lurneth gerne
Ant loke that none other werne3) To be wys ant hende; For betere were to bue wis, Then for te where feh and grys, Wher so mon shal ende. „Wyt ant wysdom is god warysoun4)“ Quoth Hendyng. |
Wit and wisdom lerneth gerne,
And loke that no man other werne To ben ful wis and hende; For betere were to ben wis, Than to werren for and gris, Were se mon shal ende. „Wit and wisdom is god wareis“ Quod Hendyng. |
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Ne may no mon that is in londe
For nothyng that he con fonde, Wonen at home ant spede; So fele thewes for te leorne, Ase he that hath y-soht georne In wel fele theode. „Ase fele thede, ase fele thewes;5)“ Quoth Hendyng. |
May no mon that is in londe,
For nothing that he con fonde, Wonen at hom and spede Fele thewes for to lere, So he that haveth wide were Fouht in fele thede; „Also fele thedes, also fele thewes,“ Quod Hendyng. |
1) Leiden 2) kreuz 3) wehre, hindere 4) witz und weisheit sind gute gaben 5) so viel völker, so viel sitten.
(Ms. Gg. I. 1, fol. 475. Bibl. Publ. Cantab.)
Ici commence le livre de Hending.
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Jhesu Crist al folkis rede,
That for us alle tholed dede Apon the rode tre. Lern us alle to be wise, And to hendi in Godis servise! Amen, par charité! „Wel is him that wel ende mai,“ Quod Hending. Ne mai no man that is in londe, For nothing that he mai fonde Wonin at home and spede, So fele thewis for to lerne, So he that had i-sowt yerne Aventures in fele dede „Also fele dedis, also fele thewis,“ Quod Hending. |
Treatise on dreams. Fabel. Ein sonderbares lehrgedicht ist die Metrical Treatise on Dreams, über die bedeutung der träume, welches Reliquiæ Antiquæ, Bd. I, seite 261-268 aus einem in der regierungszeit Eduard’s II. geschriebenen Ms. (Harl. Nr. 2253, fol. 119) mitgetheilt wird. Zuletzt möge von den anonymen gedichten dieser periode die bekannte fabel vom fuchse und dem wolfe in den brunneneimern erwähnt werden; sie rührt aus der zweiten hälfte des dreizehnten jahrhunderts her und ist in den Rel. Ant. Bd. II, S. 272-278 (aus Ms. Bodley. Digby, Nr. 86, fol. 138) abgedruckt. Die sprache ist einfach und sehr wenig mit französischem element gefärbt; auffallend ist die aspiration mancher vokale am anfange der wörter. Folgendes ist eine probe:
On hous ther wes, the dore wes ope,
1) gekrochen Hennen weren therinne i-crope1)
Five, that maketh anne flok,
And mid hem sat on kok.
2) höhe 3) nähe The kok him wes flowen on hey,2)
And two hennen him seten ney.3)
„Wox,“ quad the kok, „wat dest thou thare?
Go hom, Crist the ȝeve kare!
4) schämen, schrecken 5) sänger Houre hennen thou dest ofte shome;4)
Be stille, ich hote, a Godes nome!“
Quath the wox, „Sire Chauntecler,5)
Thou fle adoun, and com me ner.
I nabbe don her nout bote goed,
I have leten thine hennen blod.“
Robert von Gloucester. Erst gegen das ende des dreizehnten jahrhunderts begegnen wir wieder auf dem felde der englischen literatur einem grösseren werke, der reimchronik Robert’s von Gloucester,[158] eines mönches der abtei zu Gloucester, welcher während der regierung Heinrich’s III. und Eduard’s I. lebte. Er schrieb in langen gereimten versen von 14 sylben eine geschichte England’s von dem fingirten Brutus bis auf seine zeit, indem er dabei hauptsächlich das lateinische geschichtenbuch von Geoffrey von Monmouth, aus welchem auch Wace und Layamon geschöpft hatten, zu grunde legte. Obgleich die sprache Robert’s schon eine ziemliche anzahl französischer ausdrücke enthält, so hat sie doch noch altsächsische eigenthümlichkeiten beibehalten, was sich vielleicht aus der lage Gloucester’s im abgeschlossenen westen England’s erklären lässt. Nach den ereignissen, welche die chronik erwähnt, muss sie nach 1278 und, wie einige schliessen wollen, sogar wenigstens zum theil nach 1297 geschrieben sein. Zur vergleichung mit Layamon’s sprache möge hier aus Robert’s reimchronik dasselbe von könig Arthurs krönungsfeierlichkeiten handelnde stück folgen:
Aus Hearne’s Ausgabe, Band 1, Seite 190. 191.
Þe kyng was to ys paleys, þo þe seruyse was y-do.
Y-lad wyþ þys menye, and þe quene to hyre also.
Vor hii hulde þe olde vsages, þat men wyþ men were
By hem sulue, and wymmen by hem sulue also þere.
1) Anjou 2) suit Þo hii were echone y-set, as yt to her stat bycom,
Kay, kyng of Aungeo,1) a þousend kynȝtes nome
Of noble men, y-cloþed in ermyne echone,
Of on sywete,2) and seruede as þys noble feste a non.
Bedwer þe botyler, kyng of Normandye,
3) suit 4) forto, in order to 5) before Nom also in ys half a uayr companye
Of on sywyte,3) vorto4) seruy of þe botelerye.
6) noblesse 7) endure By uore5) þe quene yt was also of al suche corteysye,
Vorto telle al þe noblye6) þat þer was y-do,
Þey my tonge were of stel, me scolde noȝt dure7) þerto.
Robert Manning. Ein nachfolger Robert’s von Gloucester ist Robert Manning, gewöhnlich Robert de Brunne genannt, weil er in dem kloster Brunne oder Bourne in Lincolnshire in der letzteren zeit der regierung Eduard’s I. und während der ganzen regierungszeit Eduard’s II. lebte und schrieb. Manning’s reimchronik besteht aus zwei theilen, welche beide aus dem Normännisch-Französischen übersetzt sind. Der erste theil schliesst sich an Wace’s Brut an und geht bis zum tode Cadwallader’s; der zweite verfolgt die geschichte bis zum tode Eduard’s I. und ist aus der chronik des Piers oder Peter de Langtoft, welcher in dem stifte St. Augustin zu Bridlington in Yorkshire gleichzeitig mit Manning lebte, geschöpft. Der letztere theil von Manning’s reimchronik, als der interessantere, wurde 1725 ebenfalls von Hearne herausgegeben.[159] Dieser theil ist wie das französische original Langtoft’s in zwölfsylbigen alexandrinern, dagegen der ältere aus Wace’s Brut entnommene, wie dieser selbst, in achtsylbigen versen geschrieben. Manning übersetzte auch die lateinische abhandlung seines zeitgenossen, des cardinals Bonaventura, „de Coena et Passione Domini, et Poenis S. Mariae Virginis“ in gereimte verse unter dem titel: Medytaciuns of the Soper of our Lorde Jhesu, and also of his Passyun, and eke of the Peynes of hys swete Modyr mayden Marye. Ferner übersetzte er unter dem titel: A Handling of Sins in einer gereimten umschreibung das Manuel des péchés des William von Wadington, worin die sieben todsünden in legendenhaften geschichten geschildert werden.
Aus Robert von Brunne’s Vorrede zu seiner Chronik.
(Ausgabe von Hearne, Bd. I, S. XCVI.)
Lordynges, that be now here,
If ȝe wille listene and lere
All þe story of Inglande,
Als Robert Mannyng wryten it fand,
And on Inglysch has it schewed,
1) einfältig 2) wohnen 3) lust 4) beisammen Not for þe lerid bot for þe lewed,1)
For þo þat in þis land wonn,2)
Þat þe Latyn no Francys conn,
For to haf solace and gamen3)
In felawship when þai sitt samen.4)
And it is wisdom forto wytten
Þe state of þe land, and haf it wryten:
What manere of folk first it wan,
And of what kynde it first began.
And gude it is for many thynges,
5) thaten 6) schlemmen For to here þe dedis5) of kynges,
Whilk were foles and whilk were wyse,
And whilk of þam couth mast quantyse;6)
And whilk did wrong and whilk ryght,
And whilk mayntend pes and fyght.—
Als þai haf wryten and sayd,
Haf I alle in myn Inglis layd,
In symple speche as I couthe,
Þat is lightest in manne’s mouthe.
I mad noght for no disours,
7) geschichtenerzähler 8) harfner Ne for no seggers7) no harpours,8)
But for þe luf of symple men,
þat strange Inglis can not ken.
For many it ere þat strange Inglis
In ryme wate neuer what it is,
And bot þai wist what it mente,
Ellis me thoght it were alle schente.
I made it not forto be praysed,
Bot at þe lewed men were aysed.
9) versus caudati 10) versus interlaqueati, welche sich in der mitte und am ende reimten. 11) bâton. If it were made in ryme couwee,9)
Or in strangere or enterlace,10)
Þat rede Inglis it ere inowe,
Þat couthe not haf coppled a kowe,
Þat outhere in couwee or in baston11) [160]
Som suld haf been fordon,
So þat fele men þat it herde,
Suld not witte howe þat it ferde. [161]
L. Minot. Das vierzehnte jahrhundert war nicht unfruchtbar in englischer dichtkunst. Die gedichte Lawrence Minot’s über die siege und schlachten Eduard’s III. von 1333-1352, welche vielleicht das erste selbstständige denkmal englischer poesie sind, indem seine bekannten vorgänger fremde werke nur übersetzten und nachahmten, wurden von Tyrwhitt in einem manuscripte des brittischen museum’s (Cotton. Ms. Galba E. IX.), welches man früher für eine handschrift Chaucer’s gehalten hatte, entdeckt, als er materialien zu seiner ausgabe der Canterbury Tales suchte, und in seinem Essay on the language and versification of Chaucer, welches seiner ausgabe der Canterbury Tales vorgedruckt ist, 1775 zuerst (unter note 54) erwähnt. Später theilte Warton in seiner History of English poetry (Band III.) proben der gedichte des Minot mit. Endlich wurden sie 1796 von Ritson vollständig mit vielen historischen und sachlichen erläuterungen und einem glossarium herausgegeben. Eine neue auflage des Ritson’schen werkes erfolgte im jahre 1825.[162] Die zehn gedichte Minot’s, welche es enthält, handeln von der schlacht am Halidon Hill (1333), der schlacht von Bannockburn (1314), wo Eduard’s III. vater geschlagen wurde, dessen niederlage der sohn rächte, dem ersten einfalle Eduard’s III. in Frankreich (1339), dem seegefecht in der Swine, südlich von der insel Cadsand an der mündung der Schelde (1340), der belagerung von Tournay (1340), der landung des englischen königs zu La Hague (1346), der belagerung von Calais (1346), der schlacht von Neville’s Cross (1346), dem seegefecht mit den Spaniern bei Winchelsea (1350) und der einnahme von Guisnes (1352).
Während die alten Angelsachsen den reim wenig kannten, sondern ihre verse, abgesehen von dem inhalte, durch die alliteration von der prosa unterschieden, wurde durch die Normannen der reim in England eingebürgert, und als kennzeichen der poesie auch von der alten volkssprache angenommen. Dabei findet sich aber in den trümmern derselben immer noch eine entschiedene neigung zur alliteration, deren spuren nie ganz verschwinden. So zeigt sich z. b. bei Minot ausser dem reim an vielen stellen die alte art der poetischen form.
1) wohnung Edward, owre comely cing,
In Braband has his woning1)
With many comely cnight;
2) bis zur zeit wo And in that land, truely to tell,
Ordains he still for to dwell
To time2) he think to fight.
Now God, that is of mightes mast,
3) angehörige Grant him grace of the Holy Ghast
His heritage to win;
And Mary moder, of mercy free,
Save our cing and his meny3)
Fro sorrow, shame and sin.[163]
The visions of Piers Ploughman. In der mitte des vierzehnten jahrhunderts entstand ein satyrisches gedicht The Visions of Piers Ploughman. Dieses gedicht, als dessen verfasser Robert Longlande genannt wird, ist eines der wichtigsten werke, welches vor einführung der buchdruckerkunst in England geschrieben worden ist. Es enthält in volksthümlichem gewande diejenigen lehren und ansichten, welche allmälig die kirchenreform herbeiführten, und suchte mit beseitigung des reimes das alliterationssystem, wie es in der alten angelsächsischen sprache geherrscht hatte, von neuem in das leben zu rufen. In beiden beziehungen ist es characteristisch für eine grosse literarische, wie politisch-kirchliche veränderung in England, indem die sprache und alte selbstständigkeit der deutschen bevölkerung England’s, wenn auch modificirt, wieder die oberhand über die sprache und gesinnung der romanisirten Normannen gewonnen hatte. Von diesem werke sind viele handschriften vorhanden, da es einst sehr populär war; ebenso ist es oft herausgegeben worden, zuerst im jahre 1550 in London von Robert Crowley, in neuerer zeit (1813) von Th. D. Whitaker, zuletzt im jahre 1842 von Thomas Wright, dessen ausgabe auf jene älteste fusst, während sein vorgänger Whitaker ein abweichendes manuscript abgedruckt hat. Von dem autor des gedichts ist so gut wie nichts bekannt; gewöhnlich wird er Robert Longlande oder Langland genannt; aber es ist aus inneren gründen wahrscheinlich, dass er nicht Robert, sondern William hiess, und dass er unter diesem namen in dem gedichte von sich selbst spricht. Er will als mönch im westlichen England in der nähe der Malvern hills gelebt haben, wo er eines maimorgens, wie das gedicht erzählt, eingeschlafen sei und nun verschiedene träume oder visionen gehabt habe.
1) scóp (shaped,) gestaltete 2) gewänder 3) aber 4) morning 5) wunder 6) broad 7) brunnen, quelle 8) es überfiel mich so sanft. [164]In a summer season, when soft was the sun,
I shoop1) me into shrowds,2) as I a sheep were;
In habit as an hermit unholy of werkes,
Went wide in this world wonders to hear;
Ac3) on a May morwening4) on Malvern hills
Me befel a ferly,5) of fairy me thought.
I was weary forwandered, and went me to rest
Under a brood6) bank by a burn’s7) side;
And as I lay and leaned, and looked on the waters,
I slombered into a sleeping, it swayed so mury.8)
An einer stelle findet sich eine anspielung auf den im jahre 1360 mit Frankreich abgeschlossenen vertrag von Bretigny; an einer anderen wird des merkwürdigen sturmes vom 15. Januar 1362 als eines kürzlich vorgefallenen ereignisses gedacht. Es ist daher wahrscheinlich, dass das gedicht in diesem jahre oder bald nachher geschrieben worden ist. Dasselbe ist in Wright’s ausgabe in 20 abschnitte oder passus eingetheilt, von denen jeder eine besondere vision enthält. Die verbindung dieser abschnitte ist sehr lose, so dass das ganze eine zusammensetzung mehrerer gedichte zu sein scheint. Der rhythmus des gedichts hängt nicht von der anzahl der sylben, sondern von der anzahl der accente im verse ab. Nur die tonsylben sind von bedeutung für das metrum, der übrigen können mehr oder weniger sein. Der vers, in zwei hemistiche getheilt, besteht gewöhnlich aus vier tonsylben, von denen zwei auf das erste hemistich, und zwei auf das zweite hemistich kommen. Die beiden tonsylben des ersten hemistichs, sowie die erste des zweiten hemistichs enthalten die alliteration und beginnen mit demselben buchstaben. Zuweilen ist die alliteration auch bei den vier accentsylben beider hemistiche zu finden. Der inhalt des gedichts ist eine auseinandersetzung der hindernisse und versuchungen auf der bahn des lebens im moralisch-satyrischen style. Der hauptangriff ist gegen die fäulniss der kirche, gegen die scheinheiligkeit und weltlichkeit, die unwissenheit, unverschämtheit und sinnlichkeit des geistlichen standes gerichtet. Dieser umstand bewirkte, dass zur zeit der reformation im jahre 1550 die drei ersten auflagen des buches in einem jahre vergriffen wurden. Eigentlich ist nichts antirömisches mit rücksicht auf lehre oder verfassung der kirche darin zu finden, wie vielleicht später bei Chaucer; indessen riefen Piers Ploughman’s visions nachahmungen und fortsetzungen nach form und inhalt hervor, welche directere angriffe gegen die römische kirche enthielten.
Alliteration. Nach Langland’s vorgang wurden alliterirende verse von neuem beliebt und in gedichten von beträchtlicher länge, wie z. b. in dem gedichte über die im jahre 1399 erfolgte absetzung Richard’s II.[165] angewendet. Die romanzen William and the Werwolf, Alexander, die belagerung von Jerusalem und andere sind ebenfalls in alliterirenden rhythmen geschrieben, welche bis gegen das ende des 15. Jahrhunderts nicht ausser gebrauch kamen.[166]
Piers the Ploughman’s Creed. Die wichtigste nachahmung der „Visions“ ist ein gedicht unter dem titel Piers the Ploughman’s Creed, welches gegen das ende des 14. jahrhunderts geschrieben zu sein scheint, und von Reynald Wolfe im jahre 1553 in 4. zuerst, dann 1814 als eine fortsetzung der Visions von Whitaker, zuletzt aber von Th. Wright 1842 in verbindung mit den Visions herausgegeben worden ist. Es beginnt, wie es scheint, in der ursprünglichen schreibart (Percy’s Reliques seite 157):
Cros, and curteis Christ, this beginning spede
For the faders frendshipe, that fourmed heaven
And through the special spirit thal sprong of hem tweyne,
And al in one god hed endles dwelleth.
In diesem gedichte, bemerkt sein letzter herausgeber, ist Piers Ploughman nicht länger eine allegorische person; er ist einfach der vertreter des bauers, welcher sich erhebt, um für sich selbst zu urtheilen und zu handeln.
Die satyre ist nur gegen die geistlichkeit, besonders aber gegen die mönche gerichtet. Der dichter stellt sich, als wäre er mit dem rechten glauben unbekannt, und wendet sich nach der reihe an die franciskaner-, dominikaner-, carmeliter- und augustinermönche, um von diesen auskunft zu erhalten. Diese können ihm keine genügende belehrung geben, stossen ihn vielmehr durch ihre faulheit, unwissenheit und unsittlichkeit zurück. Dann wendet sich der dichter an Piers; dieser wird als ein armer pflüger (ploughman) dargestellt, von welchem der dichter jene belehrung in christlicher wahrheit empfängt, die er vergeblich bei den privilegirten dienern der kirche gesucht hatte. Der verfasser ist offenbar ein anhänger Wycliffe’s, dessen er als eines gestorbenen mit ehren gedenkt. Wycliffe starb 1384; bald darauf mag dieses satyrische gedicht entstanden sein.
Folgendes ist eine die schilderung des Piers und seiner familie enthaltende probe dieses gedichtes nach Craik (a. a. o. seite 260 ff.), welcher der ausgabe von Wright folgt, aber sich veränderungen der orthographie erlaubt:
Then turned I me forth, and talked to myself
Of the falsehede of this folk, how faithless they weren.
1) silly, simple And as I went by the way weeping for sorrow,
I see a seely1) man me by opon the plough hongen.
His coat was of a clout that cary was y-called;
2) shoes 3) gucken 4) bakenschienbeine; die hosen hingen über die knie herab 5) [beschlumpert], beschmutzt 6) koth 7) fausthandschuhe 8) abgetragen 9) wicht 10) waten 11) rinder 12) abgenützt, mager His hood was full of holes, and his hair out;
With his cnopped shoon2) clouted full thick,
His ton toteden3) out as he the lond treaded;
His hosen overhongen his hoc-shynes4) on everich a side
All beslomered5) in fen,6) as he the plough followed.
Twey mittens7) as meter made all of clouts,
The fingers weren for-weard8) and full of fen honged.
This whit9) wasled10) in the feen almost to the ancle;
Four rotheren11) him beforn, that feeble were worthy;
Men might reckon each a rib, so rentful12) they weren.
His wife walked him with, with a long goad,
13) worfeltuch (zum worfeln [werfen— reinigen] des getreides) 14) sie vor dem wetter wahren 15) stand 16) wiege (crumb-bowl) In a cutted coat, cutted full high,
Wrapped in a winnow-sheet13) to wearen her fro weders,14)
Barefoot on the bare ice, that the blood followed.
And at the loud’s end lath15) a little crom-bolle,16)
And thereon lay a little child lapped in clouts,
And tweyn of twey years old opon another side.
And all they songen o song that sorrow was to hearen;
They crieden all o cry, a careful note,
The seely man sighed sore, and said, „Children, beth still!“
This man looked opon me, and let the plough stonden,
17) livelihood 18) lend 19) lieber And said, „seely man, why sighest thou so hard?
Gif thee lack lifelode,17) lene18) thee ich will
Swich good as God hath sent: go we, leve19) brother.“