Die altenglische Zeit.
(Von 1362 bis 1500).
Entstehung des englischen Volkes. Die volkssprache, deren grundlage das alte Angelsächsische blieb, hatte sich allmälig in demselben masse grössere geltung verschafft, als die geborenen Engländer sich aus dem zustande der unterdrückung erhoben, in welchen sie der sieg der Normannen versetzt hatte. Hauptmomente in dieser hinsieht sind der verlust der Normandie unter könig Johann (1206) und die von Heinrich III. und Louis IX. getroffenen bestimmungen, wonach die unterthanen der einen krone keinen grundbesitz auf dem gebiete der anderen haben durften (Matth. Paris ad an. 1244). Dadurch wurde das band zwischen Frankreich und England gelockert, welches unter Eduard III. vollständig zerreissen sollte. Die bürgerkriege unter Johann ohne land und Heinrich III., in welchen sehr viele alte barone und herren umkamen, hatten den normännischen adel in England geschwächt und englischen familien gelegenheit gegeben, zu würden und ansehen zu gelangen. Ersterer musste sich mit der sächsischen Yeomanry vermischen, als er dieselbe gegen die tyrannischen und zugleich schwachen könige aufrief und mit den abkömmlingen des sächsischen adels die Magna Charta errang; es konnte nicht länger eine schmach bleiben, ein Engländer zu sein, als die normännischen barone unter Heinrich III. die zuströmenden fremden aus Poitou und Aquitanien mit hilfe der sich erhebenden Engländer verjagten.[167] Matthew Paris nennt in diesem sinne den Normann Hugh Bigod einen virum de terra Anglorum naturalem et ingenuum, und diejenigen fremden, qui Reginae attinentes per eam introducti fuerant in Angliam, bezeichnet er als alienigenae. Und um dieselbe zeit will der erzbischof von York einige vom papste empfohlene geistliche nicht annehmen, „weil sie mit der englischen sprache nicht bekannt seien.“
Gründung der englischen Universitäten. Auch die erziehung der höheren stände erlitt im dreizehnten und noch mehr im vierzehnten jahrhundert durch die äussere trennung England’s von Frankreich eine bedeutende veränderung, welche, wenn sie auch die französische sprache als unterrichtssprache nicht augenblicklich zu verdrängen im stande war, doch die unter Eduard III. erfolgende sprachliche und geistige trennung der Engländer von den Franzosen anbahnte. Bis in die mitte des dreizehnten jahrhunderts pflegten die normännischen barone England’s ihre kinder in Frankreich erziehen zu lassen, wo sie fremden sinn oft mit fremden lastern kennen lernten:
Filii nobilium, dum sunt juniores,
Mittuntur in Franciam fieri doctores;
Quos prece vel pretio domant corruptores,
Sic prætaxatos referunt Artaxata mores.
heisst es im manuscript Digby, Nr. 4, welches zu ende des dreizehnten oder anfang des vierzehnten jahrhunderts geschrieben sein mag.[168] Diese sitte hörte mit der zum bedürfniss gewordenen stiftung der englischen universitäten zu Oxford und Cambridge grösstentheils auf. Die gründung der hauptsächlichsten Colleges an diesen beiden hauptsitzen alter englischer gelehrsamkeit fällt in jene durch die verschmelzung des angelsächsischen und normännisch-französischen stammes zu einem englischen volke, so wie durch die entstehung der englischen sprache eben so wichtige als interessante zeit von 1250 bis 1350. Mit der Errichtung dieser pflanzstätten der gelehrsamkeit wie des nationalsinnes wurde die sitte der fremden, französischen erziehung allmälig zur unsitte.
Entartung des Französischen in England. In demselben grade, als die normännischen sieger aufhören, Franzosen zu sein, und das Englische das übergewicht über das Französische erhält, verändert sich auch das letztere in England. Der deutsche accent, welcher auf der stammsylbe der wörter liegt, veranlasste den Engländer, die aus der französischen sprache stammenden wörter, gegen den eigenthümlichen französischen, nach dem ende der wörter strebenden ton, ebenfalls auf der wirklichen oder vermeintlichen stammsylbe zu accentuiren, wodurch die nächst liegenden vokale und sylben, gleichsam von selbst, schwächer und kürzer ausgesprochen wurden. So findet sich arter (arrêter), cardenal, government, judgment, captain, wauter (gautier), tresorer, manere (manière). Bei vielsylbigen wörtern, deren erste sylben nunmehr den accent erhielten, konnte in der letzten oder vorletzten sylbe kein langer vokal geduldet, wenigstens nicht ausgesprochen werden: musoire, estoire, gloire, memoire, ordinaire, adversaire bleiben in England musorie, estorie, glorie, memorie, ordinarie, adversarie. Was die vokale anlangt, so wurde u und eu in den französischen wörtern in der aussprache beseitigt, nach welcher man auch bald die orthographie einrichtete. Dafür treten o und ou ein: so schrieb man rendez-vos, vole-vos (voulez-vous), auctor, cort, sojorn, soverain, seignor, plusiors. Bei den consonanten ist die veränderung noch grösser und auffallender, als bei den vokalen. C, ch, ss, sh beginnen zu schwanken; man findet commence und commenche, redresser und redrecher, Frenceiz und Francheis, blance und blanche, dessiré und déchirée, veinchirent und vainquirent. Das l mouillé verschwindet im dreizehnten und vierzehnten jahrhundert; man liest Wiliam, doel (deuil), travailer, perilouse, mervellus. Ebenso erlischt der nasenlaut des an, ain, en, in, on, oin, un; es wird nunmehr geschrieben: counsell, chemine, maine, champe, mone intencione, counte, secunde, viconte. Auch das nasale gn findet sich selten, mochte wenigstens nicht mehr gesprochen werden; man findet montaigne und mountaine, Alemaigne und Alemaine, Cocaygne und Cocayne, Spaygne und Spayne, soveraigne und soveraynie, compaingnie und companie.
Angelsächsische Wörter dringen in das Französische. Bereits in den gesetzen Wilhelm’s des eroberers bemerkt man eine nicht kleine anzahl angelsächsischer rechtsausdrücke, welche sich für den augenblick, da das volk daran gewöhnt war und sie verstand, nicht füglich in das Französische übersetzen liessen. Solche ausdrücke sind hemfare, sac und sache, soc und soche, sol, tem, infangenethef, hengwite, manbote, were, sarbote, forfengen, heuvelborh (heafodborh), wardireve, utlage. Allmälig mehren sich die wörter angelsächsischen ursprungs in den anglo-französischen schriften. Schon im jahre 1258 findet sich in einem erlass das wort to give: nous giveons nos lettres overtes seelees de nostre seel (we senden gew this writ open iseined [iseiled] wið ure seel). Je weiter man kömmt, desto mehr angelsächsische wörter erblickt man im Französischen (catchpole, villes de Upland, husbandrie u. s. w.), bis man im fünfzehnten jahrhundert kurz vor dem erlöschen des Französischen als umgangssprache sich genöthigt sah, das Französische so gut wie in das Englische zu übersetzen, damit nur verstanden wurde, was die amtlichen erlasse zu bedeuten hatten, z. b. in dem jahre 1463:
1) hand-irons 2) marteaux 3) drepee, ein gericht aus mandeln und zwiebeln 4) dice 5) anneaux Notre dit soverain seignur le Roi ad ordeigne qe null merchant ... amesne, maunde, ne convoie ... ascuns de cestes wares, desoutz escritez,... laces, corses, ribans, frenges de soie ... aund-irons,1) grid-irones,... marteus2) vulgarement nommez hamers, pinsons, fire-tonges, drepyngpannes,3) dises,4) tenys-balles,... daggers, vodeknyves, botkyns, sheres pour taillours,... cisours, rasours, shethes,... agules pour sacs vulgarement nommez paknedles,... aneus5) de coper,... chauffingdishes,... chauffyngballes, sackering belles, (?)... ladels,... scomers,... hattes, blanc file de fer vulgarement nome whitewire etc.
Man möge bemerken, dass man schon in der mitte des dreizehnten jahrhunderts anfing, französische wörter mit englischen endungen zu versehen. So findet sich bereits in dem erlass Heinrich’s III. crouninge (krönung). Wenn das Französische in England so in verfall gerathen und so unrein geworden war, lässt es sich erklären, dass Gower deshalb um entschuldigung bittet, weil er französische verse zu schreiben wagt, und Chaucer über das schlechte Französisch seiner madame Eglantine spottet.
Mischung beider Sprachen. Wenn das eindringen angelsächsischer wörter das Französische veränderte, so war der umgekehrte fall, dass das Französische das bereits abgeschwächte angelsächsische idiom durchdrang, von noch grösserem einfluss auf die bildung des Englischen. Schon in der sächsischen chronik finden sich französische wörter; dieselben mehren sich besonders von anfang des vierzehnten jahrhunderts ab. In dem von Ellis (Specimens etc. band I. seite 83 ff.) aus Hickes’s Thesaurus mitgetheilten, leider in der orthographie modernisirten spottgedichte auf das land Cocaygne sind schon viele französische wörter zu entdecken: flower, fruit, serpent, vile, joy, rivers, fine, oil, pillars, capital, jaspe, corall, canel, odour, girofle, roses, lily, fienestres, baum (balsam), collation, procession, river, jambleus (gambols), solace, penance, dute (déduit); es finden sich darin sogar schon französische wörter mit englischer beugungssylbe, z. b. serveth. Noch mehr französische wörter, mit und ohne englische beugungssylben, befinden sich in der reimchronik Robert’s von Gloucester: paleys, seruyse, usages, sywete (suit), serwede, companye, botelerye, corteysye, noblye, armys, chastore, bachelerye, lance, vylenye, pleyynge at tables, manere, maystrye, large, u. s. w. Seine nachfolger verlassen die einmal betretene bahn nicht mehr, obwohl man bei einzelnen autoren, z. b. dem verfasser der visions of Piers Ploughman, eine geringere anzahl französischer worte findet, was sich meist nach den lebensverhältnissen der schriftsteiler und dem stoffe ihrer werke richtet.
Durch diese mischung und gegenseitige durchdringung beider idiome entstand allmälig jene sprache, welche wir Englisch nennen, und welche mit ausnahme einiger formen der declination des nomens und pronomens, der conjugation des verbs, der comparation des adjectivs und adverbs nur noch trümmer der alten angelsächsischen grammatik zeigt, aber in ihrer einfachen construction der meist beugungslosen wörter vorzüglich geschickt war, fremdwörter aller art ohne schwierigkeit in sich aufzunehmen und sich zu assimiliren.[169]
Obgleich nunmehr die angelsächsische sprache, als solche, schon im zwölften und noch mehr im dreizehnten jahrhundert verschwunden war, um in ihrer abschwächung der mit dem englischen volke zugleich entstehenden englischen sprache als basis zu dienen, so war diese neue sprache trotz der entartung der französischen doch nicht sogleich im stande, diese und die alte bildungs- und gelehrtensprache, die lateinische, aus manchen kreisen des volkes zu verdrängen.
Lateinisch, die Sprache der Gelehrsamkeit u. des Rechtes. Das Latein war bis in das 14. jahrhundert hinein die gewöhnliche sprache des rechtes, wenigstens sind die alten gerichtlichen und gesetzlichen urkunden ausschliesslich in lateinischer sprache bis zum jahre 1275 abgefasst. Erst in diesem jahre wurde eine verordnung Eduard’s I. in französischer sprache erlassen. Während der folgenden regierungsjahre dieses königs sind die verordnungen der regierung theils in lateinischer, theils in französischer, gewöhnlich aber in der ersteren sprache veröffentlicht worden. Das Französische wurde häufiger unter Eduard II. und beinahe ausschliesslich unter Eduard III. und Richard II. angewendet, obwohl auch unter diesem könige sich noch lateinische verordnungen finden. Lateinisch war auch die sprache der scholastischen geistlichen und philosophen, wie überhaupt der eigentlichen gelehrten, mochten sie über geometrie und astronomie, oder über chemie, medicin und andere naturwissenschaften schreiben.
Französich, die Sprache der Bildung. Die französische sprache war immer noch die sprache der bildung und im allgemeinen gebrauche bis in die regierungszeit Eduard’s III., unter welchem während des englisch-französischen erbfolgekrieges eine feindschaft zwischen dem englischen und französischen volke entstand, von welcher nicht bloss die politische, sondern auch die sprachliche sonderung eine folge war. Ranulph oder Ralph Higden, ein mönch des St. Werburg’s-stiftes in Chester schreibt in seinem lateinischen Polychronicon, welches mit dem jahre 1357 endet, dass das Französische immer noch zu seiner zeit die sprache war, welche die kinder gebildeter eltern von der wiege ab sprachen, und die einzige, welche in der schule den knaben gestattet war, so dass sogar die landleute sie gemeiniglich verstanden und sich mühe gaben, in ihr zu reden. Allein man sieht aus den worten Higden’s zugleich, dass die öffentliche meinung gegen diesen allgemeinen gebrauch des Französischen war, welches seine herrschaft nicht mehr der vorliebe, sondern nur noch der gewohnheit des volkes zu verdanken hatte. Der autor des Cursor mundi war der ansicht, dass die Engländer die französische sprache ablegen sollten, da die Franzosen sich nicht um das Englische kümmerten (Ms. Cott. Vespas. A. III. f. 2).
This ilk bok it es translate
Into Inglis tong to rede,
For the love of Inglis lede,
Inglis lede of Ingland,
For the commun at understand.
Frankis rimes her I redd
Comunlik in ilk sted.
Mast es it wroght for Frankis man,
Quat is for him na Frankis can?
Of Ingland the nacion
Es Inglisman thar in commun;
The speche that man wit mast may spede,
Mast thar wit to speke war nede.
Selden was for ani chance
Praised Inglis tong in France!
Give we ilkan thare langage
Me think we do tham non outrage.
Und in dem gedichte King Edward and the Shepherd wird die unwillige verwunderung des letztern über die bei hofe gesprochene fremde sprache in folgenden versen ausgedrückt (Ms. Cantab. Ff. v. 48. fol. 55).
The lordis anon to chawmbur went,
The kyng aftur the scheperde sent,
He was broȝt forth fulle sone;
He clawed his hed, his hare he rent,
He wende wel to have be schent,
He ne wyst what was to done.
When he French and Latyn herde,
He hade mervelle how it ferde,
And drow hym ever alone:
Jhesu, he seid, for thi gret grace,
Bryng me fayre out of this place!
Lady, now here my bone!
Das Englische wird Unterrichtssprache. Trevisa, der englische übersetzer von Higden’s Polychronicon, findet es im jahre 1385 nöthig, der erwähnten stelle seines autors eine erläuterung hinzuzufügen. Trevisa sagt darin: diese weise, die kinder in französischer sprache zu unterrichten, war vor der ersten pest (1349) sehr im gebrauch, hat sich jedoch seit der zeit etwas geändert; denn John Cornwaile, ein schulmeister, vertauschte das Französische als unterrichtssprache mit dem Englischen, von ihm lernte Richard Pencriche diese art zu unterrichten, und andere lernten sie wieder von Pencriche, so dass jetzt (1385) in allen unterrichtsanstalten (gramer scoles) die kinder das Französische verlassen und in englischer sprache construiren (das Latein übersetzen) und lernen und dabei vortheil auf der einen und nachtheil auf der anderen seite haben. Ihr vortheil ist, dass sie die grammatik in weniger zeit als sonst lernen, ein nachtheil aber, dass jetzt die schüler (children of gramer scole) nicht mehr Französisch verstehen als ihr linker absatz, was ihnen, wenn sie über see in fremde länder reisen, sehr leid thun wird; auch bleibt den vornehmen leuten (gentilmen) nunmehr viel zu thun übrig, ihren kindern Französisch zu lehren.[170]
Das Englische wird Rechtssprache. Diese veränderung der unterrichtssprache zwischen der zeit, wo Higden schrieb und Trevisa übersetzte, kann unbedenklich mit jener politischen acte Eduard’s III. in verbindung gesetzt werden, worin derselbe im jahre 1362 befahl, dass alle in den königlichen gerichtshöfen geführten processe in englischer sprache verhandelt, aber in lateinischer sprache eingetragen und verzeichnet werden sollten, während vor dieser zeit die verhandlungen in französischer sprache gepflogen, die acten aber in lateinischer, oder ebenfalls in französischer sprache geführt wurden. Als grund für diesen erlass Eduard’s III. wird angegeben, „dass dem könig von prälaten, herzögen, grafen, baronen und allen gemeinen oft das grosse unheil vorgestellt worden sei, welches verschiedenen des reiches zugestossen sei, weil sie die gesetze, gebräuche und verordnungen dieses reiches nicht immer gehalten und befolgt hätten, indem sie in der französischen sprache gegeben oder verhandelt werden, welche in dem besagten reiche nicht sehr bekannt ist, so dass die leute, welche bei den königlichen und anderen gerichtshöfen klagen oder verklagt werden, keine kenntniss von dem haben, was für oder wider sie gesagt wird; und weil vernünftiger weise die besagten gesetze und gebräuche in der im reiche üblichen sprache um so mehr begriffen, bekannt und verstanden werden, damit jedermann sich um so besser führen könne, ohne das gesetz zu verletzen, und um so eher seine erbschaft und besitzung bewahren und vertheidigen könne.“ Das Französische bleibt noch Hofsprache. Indessen ist sonderbarer weise diese verordnung selbst in französischer[171] sprache erlassen worden, welche seit langer zeit die muttersprache der königlichen familie war, und wahrscheinlich ausschliesslich bei hofe und wenigstens bis 1483 im oberhause gesprochen worden ist. Ritson behauptet, dass Heinrich III. sich nie der englischen sprache bedient habe. Eduard I. sprach nur französisch im rathe sowohl als im felde; viele seiner aussprüche sind von den alten geschichtsschreibern aufbewahrt worden. Eduard II., welcher eine französische princessin heirathete, bediente sich gleichfalls der französischen sprache. Sein sohn Eduard III. schrieb alle seine briefe oder depeschen in der französischen sprache, in welcher sie von Robert v. Avesbury aufgezeichnet und überliefert worden sind.
Dafür, dass erst in den letzten jahren der regierung Eduard’s III. jene mächtige veränderung zu gunsten der englischen sprache vorging, spricht auch der umstand, dass in seinen ersten regierungsjahren die mitglieder der universität zu Oxford sich nur lateinisch oder französisch unterhalten durften. Noch früher gab es hochgestellte personen, welche weder Latein noch Englisch, sondern nur Französisch sprachen und verstanden. Von dem bischof von Durham, Lewis Beaumont, wird in dieser beziehung folgende anekdote erzählt: Als er seine bestallungsbulle, welche man ihm mehrere tage hindurch vorbuchstabirt hatte, vorlas (1318), konnte er das wort metropoliticæ nicht aussprechen, so oft er es auch versuchte. Nachdem er sich einige zeit vergeblich gemüht hatte, rief er endlich in seiner muttersprache ärgerlich aus: Seit pour dite! Par Seynt Lowys, il ne fu pas curteis qui ceste parole ici escrit! (Es ist so gut wie gesagt! Beim heiligen Ludwig, der war nicht höflich, welcher dieses wort hierher geschrieben hat!)[172]
Die englische Sprache im Parlament. Das erste englische actenstück in den parlamentsverhandlungen stammt aus dem jahre 1388; es ist eine bittschrift der londoner krämer (Rot. Parl. III, 225). Das nächstfolgende ist das geständniss des unglücklichen Thomas, Herzogs von Gloucester, aus dem jahre 1398, abgenommen zu Calais von William Rickhill (eingetragen unter Plac. coron. 21. Richard II. n. 9). Im anfange der regierung Heinrich’s VI. scheint die französische und englische sprache untermischt in den acten des parlaments gebraucht zu sein. Die subsidien an wolle u. s. w. wurden in englischer sprache gewährt (1 Hen. VI. n. 19). Ein französisches proviso wurde von dem hause der gemeinen den artikeln in betreff des regentschaftsrathes, welche in englischer sprache vorhanden sind, hinzugefügt (ibid. n. 33). Sogar die königliche zustimmung zu gesetzen wurde in englischer sprache gegeben: be it ordeined as it is asked, oder: be it as it is axed (2 Hen. VI. n. 54, 55). Die mündlichen verhandlungen mit sehr wenigen ausnahmen scheinen in französischer sprache geführt worden zu sein, und die erlassenen gesetze (statutes) wurden bis zum ersten regierungsjahre Richard’s III. (1483) unausgesetzt in französischer sprache veröffentlicht. Ein privatvertrag in englischer sprache zwischen dem abt und kloster von Whitby einerseits und Robert, dem sohne John Bustard’s, andererseits, zu York im jahre 1343 geschlossen, (Charlton’s History of Whitby, 247) ist das älteste actenstück dieser art, welches bekannt geworden ist.[173]
Die englische Sprache wird die herrschende. Zum schluss dieser betrachtung mögen hier aus Ms. Bodl. 48. f. 48. die worte eines schriftstellers des 14. Jahrhunderts einen platz finden, worin er seine gründe für den gebrauch der englischen sprache in gemüthlicher weise angiebt:
In Englis tonge y schal ȝow telle,
Ȝyf ȝe so long with me wyl dwelle;
Ne Latyn will y speke ne waste,
Bot Englisch that men uses maste,
For that ys ȝoure kynde langage
That ȝe hafe here most of usage;
That can ech man untherstonde
That is born in Englonde;
For that langage ys most schewed,
Als wel mowe lereth as lewed.
Latyn also y trowe can nane,
Bot tho that hath hit of schole tane;
Som can Frensch and no Latyne,
That useth has court and duellt therinne,
And som can of Latyn aparty,
That can Frensch ful febylly;
And som untherstondith Englisch,
That nother can Latyn ne Frensch.
Bot lerde, and lewde, old and ȝong,
Alle untherstondith English tonge.
Therfore y holde hit most siker thanne,
To schewe the langage that ech man can;
And for lewethe men namely,
That can no more of clergy,
Tho ken tham whare most nede,
For clerkes can both se and rede
In divers bokes of Holy Writt,
How they schul lyve, yf thay loke hit:
Tharefore y wylle nie holly halde
To that langage that Englisch ys calde.
[ I. Englische Poesie.]
Mit dem entstehen eines englischen volkes im dreizehnten, und dessen in die augen springenden gegensatze zu dem französischem volke im vierzehnten jahrhundert stossen wir auch alsbald auf sagenkreise, welche begebenheiten und helden aus der alten volksthümlichen geschichte feiern. Die hierher gehörenden romanzen wurden entweder jetzt erst aus dem gedächtniss und nach der überlieferung aufgezeichnet, welche sie in der zeit des druckes gepflegt und gehegt hatte, oder sie waren umarbeitungen verlorener angelsächsischer originale. Vielleicht schliesst die eine ansicht die andere nicht aus. Zuweilen ist aber der altenglische romanzenstoff nur in lateinischer,[174] oder französischer bearbeitung der nachwelt überliefert worden. Die romanze von Waldef, handschriftlich in französischen versen im besitz des Sir Th. Phillipps, ist in Cambridge auch lateinisch vorhanden; sie wurde auf begehr einer dame, welche englisch nicht verstand, in französische verse, und hieraus in das Latein übersetzt, wie der letztere übersetzer in seiner vorrede erzählt.[175]
Altenglische Romanzen. Der alten angelsächsischen romantik waren die altnordischen und altdeutschen sagenkreise dienstbar, deren unverkennbare spuren sich im Beowulf, in des reisenden sängers liede und einigen andern alten dichtungen finden (vergl. s. 52. 55. 68); die thaten Arthur’s und seiner ritter, obwohl in den altenglischen reimchroniken vielfach erwähnt, haben nebst dem sagenkreise Karl’s des grossen nicht sowohl englischen als vielmehr normännisch-französischen dichtern den stoff zu ihren romanzen geliefert. Ausschliesslich englischen heldensagen dagegen, auf dem boden der englischen geschichte erwachsen und von dem herzen und dem munde des englischen Volkes getragen, begegnen wir zuerst in denjenigen gedichten, welche die kämpfe der Angelsachsen und Dänen feiern. Die anfänge dieses englisch-dänischen romanzenkreises erblicken wir schon in denjenigen liedern der älteren literatur, welche die thaten Byrhtnoth’s und Athelstan’s besingen (vergl. s. 56. 66). In späterer zeit, als das angelsächsische volks-leben und fühlen unterdrückt wurde, erfuhren die halbvergessenen angelsächsisch-dänischen heldenlieder mannigfache umänderungen, welche ihnen das gepräge sagenhafter romantik aufdrückten; so tauchen sie im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert als eigenthum des nunmehr englisch gewordenen Volkes wieder auf. Englisch-dänischer Romanzenkreis. Zu diesem angelsächsisch-dänischen sagen-cyclus gehören die romanzen von Havelok dem Dänen, könig Horn, Guy von Warwick, Bevis von Hampton, Wade und andere.[176] Die wichtigsten und ehemals beliebtesten romanzen dieses kreises sind unstreitig Havelok der Däne[177] und könig Horn,[178] von welcher letzteren sieben handschriften in englischer und französischer spräche bekannt sind. Die beste französische handschrift ans dem 13. sec. wird zu Cambridge (Ms. Bibl. Publ. Ff. 6, 17) aufbewahrt, we sich auch das älteste, ebenfalls dem 13. sec. angehörende englische Ms. (Bibl. Publ. Gg. 4, 27) befindet. Die französische romanze ist ersichtlich eine Überarbeitung des englischen originals im französischen geschmacke; an einer stelle ist das þ in einem angelsächsischen namen (Godswiþ) beibehalten worden, an einigen anderen stellen wird auf das „pergament,“ d. h. die zu grunde liegende englische aufzeichnung verwiesen:
„Cist ocisl Aaloff, com dit le parchemin;“
„E Horn çi ad turné, com dit le parchemin.“
Während sich in diese alten romanzen durch die den letzten aufzeichnungen kurz vorangegangenen kreuzzüge eine grosse anzahl anachronismen eingeschlichen haben, indem z. B. die Dänen, weil heiden, gewöhnlich als saracenen aufgeführt werden, hat sich eine jüngere bearbeitung desselben gegenstandes unter dem titel: Hornchilde and maiden Rimnild in dem Auchinleck Ms. der advocatenbibliothek zu Edinburgh erhalten, welche den charakter der alten zeit treuer bewahrt hat.[179] Einige kurze sprachproben mögen hier einen platz finden:
Havelok der Däne, König Hörn.
Havelok (französisch).
Haveloc tint en sa baillie
Nicole et tote Lindesie,
Xx. anz regna, si en fut rois;
Assez conquist pas ses Danois.
Mult fu de li grant parlance:
Li auncien par remembrance
Firent un lai de sa victoire.
König Horn (sucht hilfe in Irland).
1) did 2) light 3) fight 4) enough 5) ship 6) drew 7) them He dude1) writes sende
Into Yrlonde,
After kniȝtes liȝte,2)
Irisse men to fiȝle.3)
To Horn come i-noȝe,4)
That to schupe5) droȝe6)
Horn dude him7) in the weie
On a god galeie.
Hornchilde.
(Horn’s vater, Hatheolf, regierte über ganz England nördlich vom Humber. Während seiner herrschaft fielen die Dänen in sein gebiet und wollten eben ihre beute in Cleveland auf die schiffe bringen, als Hatheolf davon kunde erhält, mit seinen mannen nach Cleveland eilt und die Dänen schlägt:)
1) Imp. von blinnan, aufhören In a morning thai bigan,
Of al that day thai no blan1)
That baleful werk to wirke:
Sides thai made blo and wan,
That er were while so fether on swan,
Whiche gamen man aught irke.
When that even bicam,
The Danismen were al slan,
It bigan to mirke.
Whoso goth or rideth ther-bi,
Yete may men se ther bones ly
Bi Seynt Sibiles kirke.
Romanzen dieser art waren noch zu Chaucer’s zeit so ausserordentlich beliebt, dass derselbe ihrer bei seinem Sir Thopas, wie es scheint, nicht ohne einen satyrischen seitenblick, gedenkt:
Men speken of romaunces of pris,
Of Horn-Child, and of Ipotis,
Of Bevis, and Sire Guy,
Of Sire Libeux, and Pleindamour.
But Sire Thopas, he bereth the flour
Of real chevalrie.
Die Robin Hood Balladen. Aller wahrscheinlichkeit nach lebte dieser chevalereske romanzencyclus nur in den höheren klassen der gesellschaft, wofür auch die französischen bearbeitungen desselben sprechen. Ein zweiter sagenkreis, die Robin Hood ballade, war nach seinem entstehen und ganzen wesen eigenthum der tieferen schichten des volkes. Seine entstehung fällt in die zeit, wo die Angelsachsen nach der eroberung des landes durch die Normannen von diesen hart gedrückt wurden, und einzelne kühnere männer des besiegten volkes, welche sich in die sümpfe und wälder zurückgezogen hatten, von hier an dem leben und gute der Normannen, besonders aber an dem durch strenge jagdgesetze geschützten wilde des königs repressalien nahmen, welche das unterdrückte volk unterstützte und guthiess, zumal es selbst manchen genuss davon ziehen mochte. Ob es jemals einen sächsischen outlaw mit namen Robin Hood und seinen treuen genossen Little John gegeben habe, dürfte nicht mehr auszumachen sein, da die spätere volkssage den charakter Robin Hood’s durchaus generalisirt und den namen Robin (Robert, Ruprecht) Hood (mit der kappe, oder vielleicht of the wood, aus dem walde) mit der bedeutung eines neckischen, den armen wohlgesinnten koboldes (Robin-Good-fellow) verbunden hat. In den hierher gehörenden balladen wird der held als vorzüglicher bogenschütze, als wilddieb und als lustiger, die freuden der tafel und der gelage nicht verachtender gesell dargestellt. Eine besondere eigenthümlichkeit dieses balladencyclus ist es, dass der held desselben nur gegen die das volk drückenden diener und grossen des königs, nicht gegen diesen selbst krieg führt; im gegentheil wird der könig bei einer zufälligen begegnung mit dem feinde seines wildes von diesem stets gastlich aufgenommen, so dass beide ganz gut bekannt werden, und der wilddieb wohl gar mit an den hof geht. Mit diesem merkwürdigen zuge der loyalität mochte das englische volk, in welchem jene balladen lebten, seine freude an dem ungesetzlichen leben Robin Hood’s gleichsam beschönigen wollen.
König Eduard und der Schäfer. Eine der ältesten balladen dieses kreises ist könig Eduard (II.) und der schäfer, welche sich zusammen mit der ältesten Robin Hood ballade in einem Ms. (Ff. 5. 48) zu Cambridge aufbewahrt befindet. In diesem gedichte nennt sich der könig Jolly Robin und schickt sich an, mit dem schäfer zu essen und zu trinken, wobei ihm dieser seine schlingen zeigt, mit denen er das wild fängt. Der schäfer begiebt sich auf die einladung Jolly Robin’s an den hof, wo er nach einiger zeit entdeckt, dass sein gast der könig selbst gewesen sei. Folgendes ist die stelle aus dieser schönen ballade, in welcher der schäfer das ansinnen des ihm unbekannten königs, diesem eine probe von seiner geschicklichkeit im fangen des wildes zu geben, zuerst zurückweiset:
The herd bade, „let sech wordis be,
Sum man myȝt here the,
The were better be still.
Wode has erys, felde has siȝt:
Were the forster here now right,
They wordis shuld like the ille.
He has with hym ȝong men thre,
Thei be archers of this contré.
The kyng to serve at wille,
To kepe the dere both day and nyȝt;
And for theire luf a loge is diȝt,
Full hye upon an hill.“
Der König und der Einsiedler. Eine andere alte ballade aus demselben cyclus ist unter dem titel The kyng and the Hermit bekannt geworden, wo die scene bereits im Sherwoodwalde liegt, und der mönch (Friar Tuck), welcher die rolle des schäfers übernommen hat, sich auf den bogen versteht und damit das wild erlegt. Der könig führt hier den namen Jack Fletcher und ladet den mönch ebenfalls ein, an den hof zu kommen. Von dem schlusse des gedichtes fehlt noch mehr als bei dem vorigen. Folgende zeilen schildern den jagdapparat des mönches:
Into a chambyr he hyin lede;
The king sauwe aboute the hermytes bed
Brod arowys hynge.
The frere gaff him a bow in hond:
„Jake,“ he seyd, „draw up the bond;“
He myght oneth styre the streng,
„Sir,“ he seyd, „so have I blys,
There is no archer that may schot in this,
That is with my lord the kyng.“
Die eigentlichen Robin Hood balladen müssen schon um die mitte des 14. jahrhunderts populär gewesen sein, denn der autor der Visions of Piers Plowman erwähnt sie schon:
„But I kan rymes of Robyn Hood,“
und der schottische chronist Fordun, welcher um 1350 schrieb, gedenkt ihrer ausführlich.[180]
Lytell Geste of Robyn Hode. Diejenige, welche sich in dem oben näher bezeichneten Ms. zu Cambridge findet (ungenau abgedruckt in Jamieson’s Ballads, Hartshorne’s Ancient Metrical Tales, besser in Ritson’s letzter ausgabe von Robin Hood), handelt von der befreiung Robin Hood’s durch seine treuen genossen Litul John und Moche, als er von einem mönche, dem er hundert pfund abgenommen, in der kirche zu Nottingham erkannt worden war. Das gedicht beginnt mit einer schilderung des waldes:
1) Dickicht 2) schön 3) hoch In somer when the shawes1) be sheyn,2)
And leves be large and long,
Hit is full mery in feyre foreste
To here the foulys song,
To se the dere draw to the dale
And leve the hilles hee,3)
And shadow hem in the leves grene
Under the grene-wode tre.
Die verschiedenen Robin Hood balladen wurden später zu einem kleinen epos verbunden, welches unter dem titel: Lytell Geste of Robyn Hode gegen ende des 15. jahrhunderts von Wynkyn de Worde gedruckt worden ist[181] und also beginnt (Percy’s Reliques S. 21):
Lythe and lysten, gentylmen.
That be of free-bore blode:
I shall you tell of a good yeman,
His name was Robyn Hode.
Robyn was a proude out-lawe,
Whiles he walked on grounde;
So curteyse an outlawe as he was one,
Was never none yfounde.
Ausser den romanzen und balladen, welche den angeführten beiden sagenkreisen angehören, waren im vierzehnten jahrhundert noch mehrere andere vorhanden, wie jene beissende satyre auf das ritterthum The Tournament of Tottenham,[182] ferner The Tale of the Basyn and the Frere and the Boy,[183] vielleicht auch The Nutbrowne Maid,[184] wenn auch letztere nicht in ihrer jetzigen gestalt, indem sich volksthümliche lieder bis zu ihrer aufzeichnung durch schrift oder druck im munde des volkes vielfach umgestalteten.[185]
Gower. Zu gleicher zeit, d. h. in der zweiten hälfte des 14. jahrhunderts, erhielt die englische poesie, welche durch die Visions of Piers Ploughman zur selbstständigkeit gelangt war, einen überraschenden aufschwung durch Gower und eine solche ausbildung durch Chaucer, dass seine werke für zwei jahrhunderte als unerreichte muster dastehen. Der ältere dieser beiden männer, John Gower, war wahrscheinlich einige jahre vor Chaucer geboren, den er auch um acht jahre überlebte, indem er erst 1408 starb. Todd in seinem werke „Illustrations of the Lives and Writings of Gower and Chaucer (8. London, 1810)“ hat eine verhandlung aus dem archiv des herzogs von Sutherland (damals marquis of Stafford) mitgetheilt, welche von Stitenham (oder Sittenham in Yorkshire) im jahre 1346 datirt, und als deren erster zeuge Johannes Gower unterschrieben ist. Eine aufschrift auf dieser verhandlung in einer wenigstens ein jahrhundert späteren handschrift sagt, dass jener Johannes Gower „Sir John Gower the Poet“ gewesen sei. Nach dieser angabe müsste Gower mindestens vor 1326 geboren und über 80 jahre alt geworden sein. Solches steht in übereinstimmung mit den angaben der alten schriftsteller, welche Gower immer in gemeinschaft mit Chaucer, aber vor diesem erwähnen. Gower war, wie aus seinem testament hervorgeht, ein mann von rang und beträchtlichem vermögen. Mit Chaucer war er durch freundschaft verbunden, wie auch seine im jahre 1393 vollendete Confessio amantis bezeugt. In diesem gedichte legt Gower in den mund der Venus folgendes compliment für Chaucer:
And grete well Chaucer, when ye mete,
As my disciple and my poete;
For in the floures of his youth,
In sondry wise, as he well couth,
Of ditees and of songes glade,
The which he for my sake made,
The londe fullfilled is overall;
Whereof to him in special,
Above all other, I am most hold;
Forthy now in his dayes old
Thou shalle him tell this message,
That he upon his latter age
To set an end of all his werk,
As he which is mine owne clerk,
Do make his Testament of Love,
As thou hast done thy shrift above,
So that my court it may record.
Einige jahre früher hatte Chaucer seinem freunde Gower das gedicht Troilus and Cresseide in folgenden zeilen gewidmet:
O moral Gower! this booke I direct
To thee, and to the philosophical Strood,
To vouchesauf there need is to correct
Of your benignities and zeales good.
Das beiwort „moral“ ist seitdem dem dichter Gower geblieben, indem spätere dichter ihn „moral Gower“ nach Chaucer’s vorgange zu nennen pflegen.
Gower war der verfasser von drei grösseren gedichten, abgesehen von mehreren kleineren: des Speculum meditantis in französischer sprache, jetzt verloren, der Vox Clamantis in lateinischer sprache und der Confessio Amantis in englischer sprache. Die kleineren gedichte Gower’s wurden, nachdem einige schon früher veröffentlicht worden waren, im jahre 1818 für den Roxburghe Club von dem herzog von Sutherland (damals Earl Gower) unter dem titel Balades and other Poems by John Gower, printed from the original Ms., Latin and French; in black letter, 4. London, herausgegeben. Gower war wahrscheinlich einer der letzten Engländer, welcher in französischer sprache zu dichten versuchte; am ende eines dieser kleineren gedichte bittet er seine leser um verzeihung wegen etwa in dem fremden idiom gemachter fehler, weil er ein geborner Engländer und nicht meister der französischen beredsamkeit sei:
Et si jeo n’ai de François la faconde,
Pardonetz moi qe jeo de ceo forsvoie.
Jeo sui Englois: si quier par tiele voie
Estre excuse ...
Gower’s hauptgedicht von 30,000 versen, die Confessio Amantis, ist ein dialog zwischen einem liebenden und seinem beichtvater, welcher ein priester der Venus ist und Genius heisst. Der inhalt ist moralisch und beruht auf der annahme, dass jeder glückliche liebhaber nothwendiger weise auch ein guter mensch und christ sein müsse. Der beichtvater bespricht zum beweise dieses satzes in ernster weise alle schwächen des menschlichen herzens und die moral, sowie das eigentliche wesen der liebe. Der schluss des ganzen gedichtes ist unbefriedigend, indem der held desselben uns erzählt, nicht etwa dass seine geliebte unerbittlich oder treulos, sondern dass er selbst schon so alt sei, dass die unterwerfung seiner schönen gegnerin kein triumph für ihn sein würde.
Chaucer. Unendlich wichtiger als Gower für die englische literatur und sprache ist Geoffrey Chaucer, dem die dankbare nachwelt den beinamen „Vater der englischen dichtkunst“ gegeben hat. Obgleich die englische sprache schon mit der entwickelung des unterhauses unter dem ersten Eduard angefangen hatte, nach der herrschaft über die französische zu streben, so hatte sich diese sprache doch am königlichen hofe und in den höheren kreisen ungeschwächt behauptet. Es bedurfte daher eines so gewandten und umfassenden geistes, als Chaucer besass, um, wenn auch durch die kirchlichen und politischen verhältnisse unterstützt, der sprache und mit ihr der literatur England’s einen festen halt und eine sichere, bestimmte richtung zu geben. Fortan galt Chaucer’s sprache und styl, welche Spenser mit der ehrenvollen bezeichnung „The pure well of English undefiled“ belegt, als das musterbild englischer literatur, welches in den folgenden zwei jahrhunderten nicht erreicht, viel weniger übertroffen worden ist. Freilich war Chaucer’s auftreten, wie Warton bemerkt, nur gleich einem heiteren tage des englischen frühlings, wenn die sonne mit ungewöhnlicher wärme und schöne das antlitz der natur erfreut, worauf aber der winter mit neuer macht zurückkehrt.
Der dichter erzählt uns selbst in seinem Testament of Love, dass er zu London geboren sei. Als sein geburtsjahr wird auf seinem grabsteine (im nordöstlichen theile der Westmünster-abtei, im sogenannten Poetenwinkel) das jahr 1328 angegeben. Ob er die universität Cambridge oder Oxford, oder beide nach einander besucht habe, sind bestrittene punkte; gewiss ist aber, dass er die armee begleitete, mit welcher Eduard III. in Frankreich einfiel, und im jahre 1359 gefangen genommen wurde. Um diese zeit erwarb sich Chaucer die freundschaft und den schutz des John of Gaunt, dessen heirath mit Blanche, erbin von Lancaster, er in seinem gedichte The Dream feiert. Der dichter und sein beschützer waren sehr vertraut. Chaucer heirathete Philippa Pyckard oder de Rouet, die tochter eines ritters aus dem Hennegau und ehrendame der königin. Eine schwester dieser dame, Catherine Swinford (wittwe des Sir John Swinford) wurde die geliebte und endlich die frau des prinzen John of Gaunt, mit dessen glück auch das des dichters stieg. Im jahre 1367 erhielt er von der krone ein jahrgehalt von 20 mark silber; im jahre 1372 wurde er als gesandter an den herzog von Genua gesendet, bei welcher gelegenheit er die norditalienischen staaten bereist und Petrarca einen besuch gemacht haben soll; diese letztere vermuthung gründet sich jedoch nur auf eine anspielung in den Canterbury Tales, wo der Clerk von Oxford von seiner geschichte sagt, dass er sie
Learned at Padowe of a worthy clerk—
Francis Petrarch, the laureat poet,
Highte this clerk, whose rhetoricke sweet
Enlumined all Itaille of poetrie.
Es ist dieses die geschichte von Patient Grisilde, welche von Boccaccio geschrieben und von Petrarca in das Lateinische übersetzt worden war. So viel dürfte nicht bezweifelt werden, dass Chaucer die berühmten italienischen dichter der damaligen zeit wenigstens als vorbilder zu lehrmeistern des geschmacks und der poesie gehabt habe. Die göttliche komödie Dante’s hatte die italienische literatur verherrlicht, Petrarca erhielt die lorbeerkrone im römischen capitol nur fünf jahre früher als Chaucer seinen Court of Love schrieb (1346), und Boccaccio hatte sein Decameron, in welchem der wohllaut der sprache mit allen reizen der romantik verbunden war, der bewundernden mitwelt geschenkt. Solche Vorbilder entzündeten den empfänglichen geist Chaucer’s.
Eduard bewährte seine gunst, indem er Chaucer das einträgliche amt eines inspectors des wein- und wollsteueramts zu London verlieh und ihm täglich einen krug wein von der königlichen tafel schickte, wofür er später eine jährliche pension von 20 mark silber erhielt. Eduard sandte ihn auch an den französischen hof, um eine heirath zwischen dem prinzen von Wales und Marie, der tochter des französischen königs, zu vermitteln. Wenn Chaucer in England war, wohnte er in einem ihm von dem könige verliehenen hause in der nähe des königlichen schlosses zu Woodstock, wo er nach seiner schilderung in dem gedichte The Dream mit allen genüssen und feinheiten des lebens umgeben war.
Der anfang der regierung Richard’s II. brachte eine veränderung in Chaucer’s äusseren Verhältnissen hervor, indem er sich in die politischen und kirchlichen Unruhen der zeit verwickelte und der partei des John von Northampton, welcher ein anhänger Wycliffe’s war, gegen die neue regierung anschloss. Chaucer musste fliehen und begab sich zuerst in den Hennegau und nachher nach Holland. Als er im jahre 1386 nach England zurückkehrte, wurde er in den Tower geworfen. Im mai 1388 empfing er die erlaubniss, seine beiden pensionen zu verkaufen, wahrscheinlich aus noth zu diesem schritte gezwungen. Seine befreiung aus dem Tower erhielt er nicht eher, als bis er seine früheren parteigenossen angegeben hatte. Seine leiden, das elend, den hass, welchen er ertragen musste, und seinen unwillen über seine früheren bundesgenossen malt der dichter in rührender sprache in dem Testament of Love. Nach seiner unterwerfung wurde Chaucer wieder von der königlichen gunst getragen und erhielt 1389 ein öffentliches amt zu London und 1390 ein ähnliches zu Windsor. Späterhin empfing er wieder ein jahrgehalt von 20 pfund und jährlich eine tonne wein. Jetzt erst, am abende seines bewegten lebens angelangt, bearbeitete er wahrscheinlich in bescheidener zurückgezogenheit zu Woodstock sein hauptwerk, die Canterbury Tales. Im jahre 1398 wurde ihm von der krone ein schutzbrief bewilligt, ob wegen seiner politischen vergehen oder gegen gläubiger, ist nicht recht klar. Im jahre 1399, als Henry of Bolingbroke, der sohn John of Gaunt’s, seines schwagers, den thron bestieg, wurden weitere 40 mark der pension Chaucer’s zugelegt. Chaucer miethete sich jetzt (24. december 1399) ein haus in London in der nähe von Westmünster, wo jetzt die kapelle Heinrich’s VII. steht; hier starb er am 25. october 1400 und wurde in der Westmünster-abtei beerdigt, der erste jener dichter, deren asche in diesem englischen nationalheiligthum ruht.
Chaucer war gelehrter und weltmann, hofmann und soldat; er wurde in wichtigen und zarten staatsangelegenheiten verwendet, und war ebenso bekannt mit dem glänzenden hofe des kriegerischen und prachtliebenden Eduard III., als mit den unglücklichen schicksalen, welche ihn während der bürgerlichen unruhen in seinen späteren lebensjahren trafen. Chaucer führte ein bewegtes leben und hatte die verhältnisse der welt mit dem auge eines scharfen und glücklichen beobachters geschaut, so dass er besonders geeignet war, das leben der menschen, ihre beweggründe und zwecke getreulich zu schildern. Seine besten schriftstellerischen arbeiten fallen in seine späteren lebensjahre, wo sein verstand durch viele erfahrungen gereift, sein herz aber nicht erkältet, noch seine heitere laune vergiftet war. Er war kein feind der lust und heiterkeit, aber zugleich thätig und fleissig; er war ein feind des aberglaubens und kirchlicher missbräuche, aber seine satyre war nicht bitter; in der komischen erzählung und der charakterschilderung zeigte er sich besonders stark. Sein ganzes leben hindurch bewahrte er sich die liebe zur natur, deren belebenden und stärkenden einfluss er kannte. Mit reizenden farben schildert er die lieblichkeit eines frühlingsmorgens, und der maimonat scheint immer eine festzeit für sein herz und seine phantasie gewesen zu sein. Der aufenthalt in Woodstock, wo er in seiner jugend geschwärmt und im hohen alter die letzten und schönsten träume seines lebens empfangen hatte, mochte diese verehrung der natur in ihm geweckt und erhalten haben.
Chaucer’s Schriften. Chaucer ist ein sehr fruchtbarer dichter. Ausser den Canterbury Tales übersetzte er The Romaunt of the Rose von dem französischen roman de la Rose von Guillaume de Lorris und Jean de Meun; ferner dichtete er Troilus and Cresseide, eine nachahmung des Filostrato von Boccaccio, The House of Fame, Chaucer’s Dream, The Book of the Dutchess, The Assembly of Fowls, The Flower and the Leaf, The Court of Love, nebst vielen balladen und kleineren gedichten. Die werthvollsten derselben sind The flower and Leaf, eine begeisterte allegorie, Troilus and Cresseide, welches lange zeit beliebt war, und The House of Fame, späterhin von Pope paraphrasirt. Chaucer’s Canterbury Tales. Das schönste und dauerhafteste denkmal von Chaucer’s dichtergeist sind aber seine Canterbury Tales,[186] eine nachahmung von Boccaccio’s Decameron. Der italienische dichter lässt zehn personen während der pest des Jahres 1348 sich von Florenz in eine einsame villa zurückziehen, wo sie sich nach dem speisen damit unterhalten, einander geschichten zu erzählen. Zehn tage bleiben sie beisammen, und eine jede person erzählt täglich eine geschichte, so dass das ganze werk hundert geschichten enthält. Chaucer hat einen ähnlichen plan, aber ein freundlicheres motiv seinen Canterbury Tales zu grunde gelegt. Eine gesellschaft von neun und zwanzig verschiedenen leuten (sundry folk), worunter sich auch der dichter befindet, treffen sich im Tabard Inn zu Southwark. Die gesellschaft speist zusammen in dem grossen saale des gasthauses; nachdem sie eine gute mahlzeit gehalten, schlägt der wirth vor, dass ein jeder aus der gesellschaft auf dem wege nach Canterbury, wohin sie zu dem grabe des heiligen Thomas à Becket eine wallfahrt unternehmen wollen, zur abkürzung des weges zwei geschichten und auf dem rückwege wieder zwei der bestandenen abenteuer erzählen solle. Derjenige, welcher dann die beste geschichte vorgetragen haben würde, sollte auf gemeinschaftliche kosten ein abendbrod im Tabard Inn erhalten. Auch der wirth erklärt, selbst mitreisen zu wollen, um sie lustig zu erhalten und ihnen den weg zu zeigen. Die gesellschaft ist mit diesem vorschlage einverstanden und begiebt sich sammt dem wirthe am nächsten morgen auf den weg, wo einen ritter das loos trifft, mit dem geschichtenerzählen zu beginnen. Charactere aus den Canterbury Tales. Sämmtliche charaktere sind in dem prolog zu den Canterbury Tales von Chaucer selbst in launiger und lebendiger sprache geschildert. Da giebt es einen ritter, einen würdigen mann,
That fro the time that he firste began
To riden out he loved chevalrie,
Trouthe and honour, freedom and curtesie.
Aber des ritters equipage war nicht so gut als sein ruf:
But for tellen you of his araie,
His horse was good, but he ne was not gaie;
Of fustian he wered a gipon
Alle besmotred with his habergeon,
For he was late ycome fro his viage,
And wante for to don his pilgrimage.
In begleitung des ritters befindet sich sein sohn, a yonge squier,
A lover and a lusty bacheler
With lockes crull as they were laide in presse,
Of twenty yere of age he was I gesse.
* * *
Singing he was or floyting all the day;
He was as freshe as is the moneth of May;
Short was his goune, with sleves long and wide;
Wel coude he sitte on hors, and fayre ride:
He coude songes make, and wel endite,
Juste and eke dance, and well pourtraie and write.
So hote he loved, that by nightertale
He slep no more than doth the nightingale.
Vorzüglich ist die schilderung der priorin, der madame Eglantine, ihres näselnden singens, ihres schlechten Französisch
After the scole of Stratford atte Bowe.
For Frenche of Paris was to hire unknowe.
Auch ein lustiger mönch ist unter der gesellschaft, der in seinem stattlichen aufzuge aussieht, als wenn er einst abt werden würde; übrigens lebt er nicht gerade nach der klosterregel, weil sie schon etwas alt ist:
This ilke monk lette olde thinges pace,
And held after the newe world the trace.
Chaucer’s satyrische schilderung des verweltlichten und üppigen lebens mancher klosterbrüder spricht sich noch beissender in der vorführung eines anderen klosterbruders von einem der bettelorden aus, der bei dem almosensammeln fett geworden ist:
And knew wel the tavernes in every toun,
And every hosteler and gay tapstere.
Ein ablasskrämer (a gentil pardonere), welcher geraden wegs von Rom kommt und reliquien mitbringt, z. b. ein stück schleier der jungfrau Maria und einen theil des segels von St. Peter’s schiff, und mit allen seinen reliquien und ablässen an einem tage mehr geld macht, als ein armer landpfarrer in zwei monaten einnimmt, und ein kirchendiener (sompnour) mit feuerrothem gesicht und lüsternen augen, der gern kräftige weine trinkt und für geld alle sünder entschuldigt, welche er vor des archidiaconus gericht bringen sollte, vollenden Chaucer’s bild von den damaligen übelständen, welche sich in die kirche Christi eingeschlichen hatten, und zeigen uns klar, dass unser dichter ein anhänger Wycliffe’s und gegner der hohen geistlichkeit war, welche bei vielen gebrechen ihrer untergebenen beide augen zudrückte.
Dass Chaucer indessen nicht etwa ein verächter der religion war und auch die geistlichkeit nicht mit seiner satyrischen geissel strafte, wenn sie ihre schuldigkeit that, sieht man aus seiner schilderung des guten pfarrers, welcher an der wallfahrt theil nimmt. Von diesem heisst es:
A good man ther was of religioun
That was a poure Persone of a toun,
But riche he was of holy thought and werk;
He was also a lerned man, a clerk,
That Christes gospel trewely wolde he teche;
Benigne he was, and wonder diligent,
And in adversity ful patient,
And swiche he was ypreved often sithes;
Ful loth were him to cursen for his tithes,
But rather wolde he yeven out of doute
Unto his poure parishens aboute
Of his offering, and eke of his substance.
Mit welchem wohlgefallen hebt Chaucer hervor, dass der gute hirt seiner heerde ein gutes beispiel gab,
That first he wrought and afterwards he taught,
dass er die pfarrei keinem miethling überliess, nicht nach London lief, um sänger zu holen, oder in eine bruderschaft trat,
But dwelt at home and kepte wel his fold;
und was seine predigt anlangt, so war seine sprache mild gegen reuige, aber streng gegen halsstarrige, und zum schluss wird bemerkt:
But Cristes lore, and his apostles twelve
He taught, but first he followed it himselve.
Der pfarrer stammt aus dem bauernstande, und sein bruder, der ackersmann (plowman), welcher die gesellschaft begleitet, erhält wegen seiner gemüthlichkeit, arbeitsamkeit und gewissenhaftigkeit, mit welcher er alle seine pflichten erfüllt, das beste lob unseres dichters, der von ihm sagt, dass
Living in pees and parfite charitee,
God loved he beste with all his herte
At all times, were it gain or smerte,
And than his neighbour right as himselve.
He wolde thresh, and therto dike and delve,
For Cristes sake, for every poure wight
Withouten hire, if it lay in his might.
Nicht so gut als den mönchen und geistlichen ist es dem oxforder gelehrten in der welt gegangen; seine gelehrsamkeit und sein Aristoteles haben ihm nicht viel eingetragen, denn sein pferd ist so mager und dürr als er selbst:
But all be that he was a philosophre,
Yet hadde he but litel gold in cofre.
Dass der englische freisasse (frankelein), oder substantial farmer, wie er jetzt heisst, schon zu Chaucer’s zeit wusste, was comfort und good cheer war, sieht man aus dessen schilderung:
Withouten bake mete never was his hous
Of fish and flesh, and that so plenteous
It snewed in his hous of mete and drinke
Of alle deintees that men coud of thinke.
Auch der bürger mochte zu Chaucer’s zeit nicht noth leiden, denn sein haberdasher, carpenter, webbe, deyer und tapiser sind alle wohl zur reise gerüstet mit stattlicher kleidung; das silber war an ihren messern, gürteln und taschen nicht gespart, und jeder dünkte sich gut genug zu einem alderman. Hatten sie doch auch einen koch bei sich, um die hühnchen zu kochen und die pasteten zu backen, denn
He coude roste, and sethe, and broile, and frie,
Maken mortrewes, and wel bake a pie.
Die anderen charactere in den Canterbury Tales sind ein kaufmann (marchant), der sich so trägt, dass niemand merkt, er stecke in schulden, ein advocat (sergeant of the lawe), der immer geschäftig scheint, ein schiffer (shipman), der nicht eben gewissenhaft mit der ladung verfährt, im übrigen aber ein wettergebräunter, erfahrener und überall bekannter mann ist, ein arzt (doctour of phisike), der sehr erfahren und gelehrt, aber doch ein quacksalber ist und sich hauptsächlich auf sterndeuterei und magische kuren versteht, ein müller (miller), der so derb und knorrig ist, dass er mit seinem kopfe eine thür einstossen kann, nicht gerade überehrlich, aber doch ein stattlicher mann, ein hausverwalter (manciple of a temple), der alle seine einkäufe so einrichtet, dass er selbst dabei reich wird und seine herren, welche rechtsbeflissene und kluge leute sind, sämmtlich überlistet, ein amtmann (reve), der sich auf seines herrn gütern mästet, eine frau aus der nähe von Bath (A good wif of beside Bathe), die bei aller weltlichkeit und eitelkeit sich doch den vortritt in der kirche nicht nehmen lässt. Fünfmal verheirathet und weit gereist,
And thrice hadde she ben at Jerusalemme;
She hadde passed many a Strange streme:
At Rome she hadde ben, and at Boloine
In Galice, at Seint James, and at Coloine,
konnte sie auch vieles erzählen. Alle diese personen sind mit unendlicher laune und manchem derben ausfalle auf die damaligen zeitverhältnisse geschildert.
Zum schluss möge der anfang der Reeve’s Tale, welche Th. Wright in Anecdota literaria s. 24 aus dem besten Ms. (Harl. No. 7334) der Canterbury Tales mittheilt, als sprachprobe hier eingeschaltet sein.
The Reeves Tale.
At Trompyngtoun nat fer fro Cantebrigge,
Ther goth a brook, and over that a brigge;
Upon the whiche brook ther stant a melle:
And this is verray soth that I ȝou telle.
A meller was ther dwellyng raany a day,
As eny pecok he was prowd and gay;
Pipen he coude, and fisshe, and nettys beete,
And turne cuppes, wrastle wel, and scheete.
Ay by his belt he bar a long panade,
And of a swerd ful trenchaunt was the blade:
A joly popper bar he in his pouche;
Ther was no man for perel durst him touche.
A scheffeld thwitel bar he in his hose.
Round was his face, and camois was his nose:
As pyled as an ape was his skulle.
He was a market beter at the fulle.
Ther durste no wight hand upon him legge,
That he ne swor anon he schuld abegge.
A theef he was for soth of corn and mele,
And that a sleigh and usyng for to stele.
His name was hoote deynous Symekyn.
Unvollständigkeit der Canterbury Tales. Die Canterbury Tales sind, wie sie in unsere hände gekommen, ein unbeendigtes, oder wenigstens unvollständiges werk, welches nur aus vier und zwanzig (einschliesslich zwei in prosa geschriebenen) geschichten besteht; vor einer jeden geht ein vorwort, prolog, vorauf, welcher zuweilen, wie vor der geschichte des weibes aus Bath, sehr ausgedehnt ist. Von diesen 24 geschichten sind einige unvollständig. Von der des kochs haben wir nur einige zeilen, des junkers geschichte wird nur halb erzählt, und die burleske geschichte des Sir Thopas wird absichtlich in der mitte abgebrochen. Wenn der in Chaucer’s prolog niedergelegte plan ausgeführt worden wäre, hätte das gedicht aus hundert und zwanzig geschichten, wahrscheinlich doch auch einer schilderung des aufenthaltes in Canterbury und der lustigen preiszuerkennung nach der rückkehr der gesellschaft im Tabard Inn bestehen müssen. Es ist auch nicht unversucht geblieben, in alten ausgaben einige unächte geschichten zur ausfüllung der lücken im original unterzuschieben, welche von Tyrwhitt zurückgewiesen worden sind. Trotz seiner unvollständigkeit reicht jedoch das gedicht vollständig aus, um Chaucer den ersten platz unter den alten englischen dichtern und damit die unsterblichkeit zu sichern. Schon seine zeitgenossen und unmittelbaren nachfolger waren stolz auf dieses werk und betrachteten es als einen triumph England’s nicht bloss über die französische vergangenheit, sondern auch über die literatur anderer völker in jener zeit. Zahlreiche abschriften verbreiteten Chaucer’s ruhm, und als die druckerkunst in England eingeführt wurde, war es eine der ersten pflichten der presse Caxton’s, jene geschichten Chaucer’s zu drucken, welche eine neue aera der englischen literatur so glänzend begonnen hatten.
Chaucer’s Bearbeiter. Dryden und Pope haben einige schöpfungen Chaucer’s überarbeitet und sie, in anderer sprache und von manchen zu derben ausdrücken und schilderungen befreit, späteren zeiten geniessbarer gemacht, freilich aber auch die eigenthümlichkeiten des alten dichters sehr verwischt. In neuerer zeit hat R. H. Horne unter dem titel Chaucer Modernised mit mehr rücksicht auf das wesen der gedichte Chaucer’s die schönsten derselben dem dankbaren vaterlande mitgetheilt, und C. C. Clarke im jahre 1835 in zwei bänden unter dem titel The Riches of Chaucer die schönsten stellen des alten barden mit veränderung der orthographie hervorgehoben.
Chaucer’s Metrik. Chaucer’s verse besitzen eine cäsur. In den handschriften ist jeder vers in der mitte durch einen strich in zwei theile gesondert. Die alten bis zum jahre 1532 erschienenen ausgaben haben diese bezeichnung der cäsur beibehalten; in späteren wurde sie nicht mehr bemerkt. Das metrum besteht meist aus fünffüssigen jamben, welche indessen oft durch eine überschlagende tonlose sylbe einen weiblichen schluss erhalten. Dabei sind die sylben mit tonlosem, im späteren Englisch gewöhnlich stummen end-e oft gezählt, vorzüglich wenn ein consonant auf sie folgt, wogegen sie meist mit einem folgenden vocale zusammenschmelzen. Diese eigenthümlichkeit des metrums Chaucer’s ist ohne zweifel auf die aussprache des Englischen zu seiner zeit basirt, nicht aber auf willkür, wie englische commentatoren anzunehmen geneigt sind. R. Chambers in seiner Cyclopædia of English literature, Edinburgh, 1844 band I. s. 15, sagt: „The accentuation, by a license since abandoned, is different in many instances from that of common speech; the poet (Chaucer), wherever it suits his conveniency, or his pleasure, makes accented syllables short, and short syllables emphatic!“ Solche annahme, in dem munde eines Engländers zumal, ist ehrenkränkend für den alten barden, welcher die grundsätze der metrik sehr gut gekannt, aber schwierigkeiten genug gehabt haben mag, die flüssige, in steter veränderung begriffene volkssprache damit in einklang zu bringen. Das alte angelsächsische element mochte sich sowohl durch umlautung, oder besser durch ablautung der stammvokale, als durch abschleifung der endungen immer mehr dem jetzigen Englisch nähern, andererseits aber noch im kampfe mit den vocalen und besonders mit dem accent der neu aufgenommenen französischen und fremden wörter befinden, so dass besonders in letzterer hinsicht Chaucer, welcher im verhältniss zu seinen nächsten vorgängern, ja seinen eigenen zeitgenossen, als übersetzer und bearbeiter französischer originale sehr viele französische wörter in seinen werken gebraucht, vielleicht neu einführt, gewiss viele mühe hatte, die noch nicht erstarrten, oft wenig homogenen wörter und sprachformen in die harmonie und den rhythmus eines verses zu bringen.
Chaucer’s Accent französischer wörter. Die aussprache der französischen wörter in Chaucer’s zeit muss ihrer jetzigen, wo der germanische accent den französischen grösstentheils überwunden hat, wenig geglichen, sondern mit der romanischen, welche die neigung hat, ihre accente dem ende der wörter zu nähern, mehr übereingestimmt haben. So hat Chaucer natúre, coráges, pilgrimáges gesprochen, wie aus folgenden beiden versen (10. 11. des prologs zu den Canterbury Tales) hervorgeht:
So prik|eth hem | natú|rĕ in hir | corágĕs
Than long|en folk | to gon | on pil|grimágĕs.
Ebenso muss man licóur, vertúe und flóur accentuirt haben, wie vers 3 und 4 desselben prologs zeigen:
And ba|thed ev|ĕry vei|nĕ in swich|ĕ licóur,
Of whichĕ vertúĕ | engen|dred is | the flóur.
Auch die wörter pleasánt, amiáble, contreféten, manére, reverénce, consciénce wird man in folgenden versen (137-142 des prologs) mit französischem accent versehen finden:
And si|kerly | she was | of gretĕ | disport,
And ful | pleasánt | and a|miáblĕ | of port,
And pei|ned hirĕ |to con|trefé|ten ché|rĕ
Of court | and ben | esta|tĕlich of | mané|rĕ,
And to ben hol|den dignĕ | of re|verén|cĕ.
But for | to spe|ken of | hirĕ con|scién|cĕ.
In dieser weise lassen sich noch eine grosse anzahl französischer wörter nach ihrer damaligen, mit der romanischen übereinstimmenden aussprache aus Chaucer’s gedichten feststellen, z. b. servíce, limitóur, solémpne, langáge, mariáge, contrée, confessión, absolutión, penánce, pitánce, acquaintánce, vitáille, scolére, Amasónes, mentióun, citée, magnificénce, uságe, lináge, honóur, senatóur, curát, villáge u. s. w.
Accent französischer Wörter. Dieselbe art, die französischen wörter zu accentuiren, findet sich auch bei Chaucer’s englischen und schottischen Zeitgenossen Gower, Barbour, ferner bei den dichtern der nächstfolgenden zeit, schottischen sowohl als englischen, bei könig James I., Robert Henryson, William Dunbar, Gawin Douglas, David Lyndsay, John Lydgate, Andrew Wyntoun, Blind Harry, und ebenso auch in den alten gedichten Chevy Chase, The Battle of Otterbourne, The Not-Browne Mayd. Erst zu anfang des 16. jahrhunderts hat der germanische accent den romanischen mit geringen ausnahmen besiegt. Bei John Skelton, Thomas Wyatt und dem Earl of Surrey findet sich nur noch selten eine abweichung von dem gegenwärtigen accent der französischen wörter, obwohl selbst Spenser noch nicht vollständig frei davon ist, wie stanze VIII. der Fairy Queen Book VII. Canto 7 beweist.
In a | fayrĕ plain | upon an e|quall hill,
She pla|ced was | in a | pavi|lión;
Not such | as crafts|men by | their i|dle skill
Are wont | for prin|ces státĕs | to fa|shión:
But th’ Earth | herself, | of her | ownĕ mo|tión,
Out of | her fruit|ful bo|som madĕ | to growĕ
Most dain|ty trees; | that, shoot|ing up | anon,
Did seem | to bow | their bloom|ing heads | full lowĕ,
For ho|mage un|to her, | and likĕ | a thronĕ | to shew.
Die wörter pavilión, fashión, motión müssen einen um so stärkeren accent auf der endsylbe haben, da diese die reimsylbe zu dem auf der zweiten sylbe scharf betonten anon ist.
Accent angelsächsischer wörter. Was die wörter angelsächsischer abkunft anlangt, so hat namentlich das particip auf ing bei Chaucer gewöhnlich diese sylbe accentuirt. Diese selbe erscheinung findet sich bei seinen zeitgenossen und nachfolgern während des 15. jahrhunderts, ja spuren dieser eigenthümlichen accentuation begegnet man sogar noch bei Spenser gegen ende des 16. jahrhunderts, z. b. in seiner Fairy Queen Book VII. Canto 7.
Seekíng | for right, which I of thee entreat.
Dammníng | all wrong and tortious injury.
Ridíng | together both with equal pace.
Ferner sind die wenn auch abgeschwächten vocal-überreste der sächsischen beugungssylben, welche in neuerer zeit ganz weggefallen, oder als stumme zeugen der vergangenheit gewöhnlich nur die dehnung des vokals in der vorhergehenden sylbe bezeichnen, bei Chaucer noch hörbar und meist nur dann metrisch stumm, wenn sie unmittelbar vor dem anfangsvokal des folgenden wortes stehen, während sie bloss ausnahmsweise elidirt werden, sobald sie ihren platz zwischen consonanten einnehmen. Als beispiel der behandlung dieser angelsächsischen endsylben, welche auch auf die schwachen, späterhin stummen oder wegfallenden endsylben der französischen wörter übertragen wird, möge der anfang des prologs zu den Canterbury Tales dienen:
Whanné | that A|pril wíth | his shóu|res só|te
The dróugh|tĕ of Márch | hath pér|ced tó | the ró|te,
And ba|thed év|ĕry véi|nĕ in swíche | licóur
Of whích|ĕ vertú|ĕ engéndred ís | the flóur.
Whan Zé|phirús | ekĕ with | his só|te bré|the
Enspí|red háth | in év|ĕry hólt | and hé|the
The tén|dre cróp|pes, ánd | the yón|ge són|ne
Hath ín | the Rám | his hál|fe cóurs | yró|nne, u. s. w.
Die gleiche rhythmische geltung dieser alten angelsächsischen endsylben finden wir bei Chaucer’s zeitgenossen und unmittelbaren nachfolgern auf dem felde der englischen oder schottischen poesie bis zu Spenser herab, bei welchem jene alten beugungssylben und ausgänge der wörter zwar spärlich vorkommen, aber doch noch vorhanden sind, wie folgende verse aus der Fairy Queen, Book VII. Canto 7 zeigen:
That wéll | mag sée|men trúe: | for wéll| I wée|nĕ
Then lét me ásk | you thís | withóu|ten blá|mĕ.
Occleve. Lydgate. Nach Gower und Chaucer ist das feld der englischen literatur länger als ein jahrhundert unfruchtbar. Warton in seiner geschichte der englischen poesie und Ritson in seiner Bibliographia Poetica haben sich zwar bemüht, diese weite lücke durch die namen einer grossen anzahl vergessener dichterlinge auszufüllen, so dass letzterer zwischen Chaucer und Lord Surrey an 70 englische dichter zählt. Von allen verdienen aber nur zwei einer besonderen erwähnung, Occleve und Lydgate. Thomas Occleve wird von Warton um das jahr 1420 gesetzt. Von ihm sind eine anzahl kleinerer gedichte auf uns gekommen, von denen im jahre 1796 von Dr. Askew sechs ausgewählt und veröffentlicht wurden, und ein längeres gedicht De Regimine Principum, welches nach einem lateinischen original desselben titels gearbeitet, aber nie gedruckt worden ist. Occleve ist ein träger und ungeschickter nachahmer Chaucer’s, den er auch als sein vorbild verehrt und wahrscheinlich persönlich gekannt hat. Viel bedeutender ist John Lydgate, der mönch von Bury, dessen blüthe nach Warton um das jahr 1430 fällt. Lydgate war, sagt der geschichtsschreiber der englischen poesie, nicht allein der dichter des klosters, sondern aller welt: „If a disguising was intended by the company of goldsmiths, a mask before his Majesty at Eltham, a maygame for the sheriffs and aldermen of London, a mumming before the Lord Mayor, a procession of pageants from the creation for the festival of Corpus Christi, or a carol for the coronation, Lydgate was consulted, and gave the poetry.“ Von Lydgate’s dichterischer fruchtbarkeit giebt sein literarischer nachlass[187] den besten beweis. Ritson zählt ungefähr 250 gedichte auf, welche diesem autor zugeschrieben werden. Sein hauptwerk besteht aus neun büchern „tragödien“ über den fall von fürsten und ist eine übersetzung eines lateinischen werkes des Boccaccio. Gedruckt wurden die tragödien zu London zur zeit Heinrich’s VIII. Ausserdem verdienen unter Lydgate’s gedichten noch bemerkt zu werden The History of Thebes und The destruction of Troy, beide mit antikem stoff, welcher allmälig in gebrauch kommt. Was von den persönlichen verhältnissen des dichters bekannt ist, beschränkt sich darauf, dass er Frankreich und Italien bereist und sich mit der dichtkunst dieser länder vertraut gemacht hatte. Dass er aus der fabrikation von gedichten und gelegentlich auch von handschriften ein gewerbe machte, geht aus manchen nachrichten hervor; auch errichtete er in seinem kloster eine schule für den unterricht junger personen aus höheren ständen in der metrik und verskunst. Hawes. Barklay. Auf Lydgate’s schultern steht Stephan Hawes, welcher sein grösseres gedicht „Pastime of Pleasure, or the Historie of Graunde Amour and la bel Pucel“ im jahre 1506 vollendete (gedruckt 1517 von Wynkyn de Worde). Man würde nach diesem titel in dem buche kaum eine gelehrte moralische allegorie erwarten, in denen die sieben Wissenschaften des triviums und quadriviums und daneben noch ein ganzes heer personificirter tugenden und guter eigenschaften auftreten. Der dichterische werth des langen werkes ist bei aller gelehrsamkeit und philosophie sehr gering zu schätzen, indessen sind die Verdienste Hawes’ um die volkssprache nicht zu verkennen. Hawes scheint in Oxford erzogen worden zu sein und viele reisen auf dem festlande gemacht zu haben; er bekleidete unter Heinrich VII. ein hofamt. Alexander Barklay, welcher ebenfalls in dieser zeit lebte, aber in hohem alter erst 1552 starb, ist zwar kein selbstständiger dichter, sondern nur ein übersetzer, als solcher aber durch seine bearbeitung des narrenschiffs von Sebastian Brandt bekannt, welche im jahre 1508 gedruckt wurde. Barklay benützte zu seiner arbeit eine französische und lateinische übersetzung des originals und bereicherte dasselbe mit einer beträchtlichen anzahl narrheiten, welche er unter seinen eigenen landsleuten fand. Dieses giebt dem werke einen besonderen werth als ein denkmal der damaligen englischen sitten.
Skelton. Alle diese nachfolger Chaucer’s haben ersichtlich mit der sprache, in welche sie ihre gedanken und bilder kleiden wollen, zu kämpfen. Während sich bei Chaucer die worte mit den gedanken zugleich darboten und im leichten flusse auf einander folgen, ist es das hauptstreben seiner nachahmer und nächsten nachfolger, die worte zu bewältigen und sie zur aufnahme der gedanken geschickt zu machen. Die versification steht über der poesie. Der erste wirkliche dichter, dem wir nach Chaucer begegnen, ist John Skelton, geboren um 1460. Er studirte zu Cambridge, begann zwischen 1480 und 1490 gedichte zu schreiben und zu veröffentlichen, während welcher zeit er in Oxford zum dichter gekrönt (poet laureate) wurde, welche ehre ihm im jahre 1493 auch in Cambridge zu theil wurde. Im jahre 1498 empfing er die priesterweihe, wurde wahrscheinlich um dieselbe zeit zum erzieher des jungen prinzen, nachmaligen Heinrich’s VIII., ernannt, später zum pfarrer (rector) von Dysse in Norfolk befördert und starb 1529 im Sanctuarium der Westmünster-abtei, wohin er vor der rache des cardinals Wolsey, seines früheren beschützers, geflohen war, nachdem er ihn mit spottgedichten verletzt hatte. Als gelehrter besass Skelton einen europäischen ruf, und der grosse Erasmus pflegte ihn „Britannicarum literarum decus et lumen“ zu nennen. Seine lateinischen verse zeichnen sich durch ihren geist und ihre classische reinheit aus. Seine englischen gedichte besitzen grosse leichtigkeit, ja ungebundenheit der verse, lebendigkeit und frische der sprache und eine unerschöpfliche phantasie. Seine satyrischen gedichte erhielten durch diese eigenschaften einen besonderen reiz, aber auch eine besondere schärfe, welche den hass und die verfolgung des cardinals Wolsey wohl erklärlich finden lässt. Skelton’s satyre auf denselben, oder das „little book,“ wie er sie bezeichnet, hat den titel „Why come ye not to court?“ und enthält 1300 verse. Ein anderes satyrisches gedicht Skelton’s, sein Bouge of Court (Bouche à Court) ist in strophen von sieben zehnsylbigen jambischen versen geschrieben. Auch im drama versuchte sich Skelton und lieferte „a goodly interlude and a merry“ unter dem titel Magnificence; dasselbe ist gereimt und von beträchtlichem umfange. Nach dem geschmack der zeit ist es allegorisch-moralisch, und unter den personen treten felicity, liberty, measure, counterfeit, countenance, crafty conveyance, cloaked collusion, courtly abusion auf. Aber auch im einfachen und sentimentalen war Skelton ausgezeichnet. Vielleicht ist sein „Book of Philip Sparrow,“ eine lange komische elegie auf den von einer katze in dem nonnenkloster zu Carow bei Norwich erwürgten sperling der schönen Jane Scroop das beste gedicht Skelton’s. Vorzüglich anmuthig ist der zweite theil desselben, The Commendation of the „goodly maid,“ in seiner einfachen und reizenden natürlichkeit zu lesen. Der refrain:
For this most goodly flower,
This blossom of fresh colour,
So Jupiter me succour,
She flourisheth new and new
In beauty and virtue;
Hac claritate gemina,
O Gloriosa femina, etc.
kehrt so plötzlich und unerwartet und doch so natürlich wieder, dass es den eindruck macht, als sollten die wechselnden verschlingungen eines lebendigen tanzes durch eine einfache figur aufgelöst werden.[188]
Mysteries. Die früheste erwähnung scenischer vorstellungen in England findet sich bei Matthew Paris, welcher erzählt, dass Geoffrey, nachmaliger abt von St. Albans, als schulmeister zu Dunstable die legende der heiligen Katharina pantomimisch und mit erklärung in französischer sprache von seinen schülern darstellen liess. Dieses muss vor 1120 geschehen sein. Man nannte solche vorstellungen, wo die mimen auch bald die erklärer ihrer darstellung wurden und damit den monolog und später den dialog verbanden, von ihrem stoffe miracle-plays oder mysteries. Nach und nach erhielten dieselben eine solche ausdehnung, dass sie nicht stunden, sondern tage und selbst wochen dauerten, wie z. B. die aufführung der weltschöpfung zu Skinnerwells im jahre 1409. Obgleich die mysterien anfänglich unter der besonderen leitung der geistlichkeit standen, in den kirchen und klöstern aufgeführt wurden und auf die weckung des religiösen und kirchlichen sinnes unter dem volke berechnet waren, so arteten sie doch bald aus und scheinen als öffentliche spectakelstücke mehr zur belustigung, als zur erbauung des volkes gedient zu haben.
The Harrowing of Hell. Schon unter der regierung Heinrich’s II. 1154-1189 wurden in London märtyrergeschichten der heiligen aufgeführt. Von dem jahre 1268 bis 1577, wo sie aus der mode kamen, wurden mysteries alljährlich zu Chester, dann auch in anderen grösseren Städten[189] aufgeführt, anfänglich unter der leitung von geistlichen, welche auch ihre verfasser waren, später von zünften und gilden, theils auf öffentlichen plätzen, theils auf bühnen, ja auf räderkarren. Bis in das 14. jahrhundert bediente man sich der lateinischen, später unter der regierung Eduard’s III. 1327-1377 bereits der volkssprache. Das älteste stück dieser sogenannten mysterien in englischer sprache von einem pergament Ms. der Harley’schen sammlung im brittischen museum ist The Harrowing of Hell.[190] Das drama stammt wenigstens aus der regierung Eduard’s II., wenn es nicht vielleicht noch älter ist, und besteht aus prolog und epilog und den dazwischen liegenden gesprächen von neun personen Dominus, Sathan, Adam, Eva u. s. w.
Moralities. Da die mysteries, welche mehr und mehr nur dem vergnügen des volkes dienten, sogar in obscönitäten verfielen und trotz ihres kirchlichen Stoffes zu blossen carricaturen herabsanken, so trat endlich die geistlichkeit dagegen auf und verbot sie. Unterdessen war es aber sitte geworden, in diesen spielen menschliche und geschichtliche charaktere mit abstracten personificationen von tugenden, lastern u. s. w. zu vermischen, woraus dann die sogenannten moral plays oder moralities entstanden, welche sich besonders bei hofe und den grossen des landes in gunst setzten und den dichtern gelegenheit gaben, ihren scharfsinn und witz in erfindung und anordnung der neuen stoffe, und ihre phantasie und verskunst bei der ausführung derselben zu zeigen. Bei krönungen, hoffesten, feierlichkeiten der grossen erschienen masken, meist historische personen, Cäsar, Carl der grosse, Alexander u. s. w.; allegorische personificationen, tugenden, laster, die gerechtigkeit, die wahrheit, der frieden u. s. w. hielten anreden und unterhielten sich auch unter einander, wodurch eine verschmelzung religiöser, moralischer und weltlicher charaktere erfolgte und die einführung des eigentlichen dramas vorbereitet wurde. In den moralities trat gewöhnlich ein witziger, schadenfroher und lüderlicher charakter unter dem namen „Vice“ auf. Ursprünglich scheint derselbe eine allegorische durchführung der idee des lasters gewesen zu sein, allein allmälig erhielt dieser charakter menschliche individualität und bildete die grundlage zu dem späteren englischen punch. Der teufel, ein charakter, der in den alten stücken selten fehlte, wurde meist in gesellschaft des lasters eingeführt und musste manchen schlag von ihm erdulden.
Interludes. Obwohl solche scenische vorstellungen noch immer von zünften, zuweilen auch von schülern und studenten gegeben wurden, so finden sich doch andeutungen, dass die kunst scenischer aufführungen gegen das ende des 15. jahrhunderts professionirt zu werden anfing. So besass der berüchtigte Richard III. noch als herzog von Gloucester eine spielertruppe. Heinrich VII. von 1485 bis 1509 hielt deren zwei und interessirte sich besonders für alle arten von schaustellungen. In seine zeit fällt auch der moralities grösste ausbildung, welche man gewöhnlich so einrichtete, dass zur aufführung nur fünf personen nöthig waren, da nie mehrere auf einmal auftraten und zwei, auch drei rollen von einem darsteller gegeben werden konnten, wenn es nöthig war. Allein der prunkliebende Heinrich VIII. von 1509 bis 1546 fand diese kleine zahl nicht ausreichend, sondern stellte 1514 acht Players of Interludes an, wie damals die dramatischen darstellungen hiessen, welche achtzehn minstrels, musikanten und sänger—meist Deutsche und Italiener—verherrlichten. Die hoffeste, welche den allgemeinen namen Revels führten, wurden von einem hohenpriester der ausgelassenheit, Abbot of misrule genannt, geleitet und beaufsichtigt. Da die interludes meist gelegenheitsgedichte waren, so ist der grösste theil derselben verloren gegangen.
[ II. Schottische Dichter.]
Schottische Dichter. Während in England unter der regierung Eduard’s III. der volkscharakter in religiöser, politischer und literarischer beziehung eine andere, nicht mehr normännisch-französische, sondern nationale, d. h. englische richtung nahm, hatten auch die Schotten eine heldenzeit, ihre Wallace und Bruce zu ende des 13. und anfang des 14. jahrhunderts gehabt, welche für die unabhängigkeit ihres vaterlandes gegen Eduard I., Eduard II. und Eduard III. stritten. Von natur romantischer und poetischer als die Engländer, verarbeiteten die Schotten im 14. jahrhundert den grossartigen nationalen stoff, welchen ihnen diese unabhängigkeitskämpfe gegeben hatten, in ihrer mit dem nordenglischen idiom verwandten sprache, welche, weniger mit dem Französischen vermischt, ihre abkunft von den nördlicheren germanischen stämmen, welche von dem 5. bis zum 11. jahrhundert den norden England’s und die sogenannten Niederlande (lowlands) von Schottland zum Schauplatz ihrer niederlassungen und kriegerischen einfälle machten, nicht verleugnete.
Evrard. Zwar hatte die normännisch-französische literatur im 12. und 13. jahrhundert ihren weg auch nach Schottland gefunden, das Französische war, wie in England auch in jenem lande die sprache des hofes geworden, und in Schottland wie in England fanden die normännischen trouvères ihre nachahmer. Evrard, ein mönch zu Kirkham in Yorkshire, im jahre 1150 von könig David I. zum ersten abt der neugegründeten abtei von Holme-Cultraine in Cumberland ernannt, schrieb eine metrische übersetzung der sogenannten distichen des Cato in französischer sprache mit abwechselnden männlichen und weiblichen reimen. Malcolm, der erbe der schottischen krone, floh nach der ermordung Duncan’s durch Macbeth im jahre 1039 nach England und verweilte daselbst siebzehn jahre, hauptsächlich am hofe Eduard’s des bekenners von 1041-1065, welcher, in der Normandie erzogen, das Französische mit vorliebe sprach. Die schottische münze vom jahre 1165 trägt eine französische inschrift, und könig Alexander III. sprach den krönungseid Latine et Gallice, d. h. er las die alte lateinische formel und dann eine übersetzung in französischer sprache. Schottischer Dialekt. Späterhin, als sich England in seiner staats- und kirchenpolitik von Frankreich ablöste und seinen eigenen weg ging, der es für das jenseits des kanals verlorene gebiet auf die eroberung des nordens als eine natürliche entschädigung hinwies, schloss sich Schottland zum schutze seiner unabhängigkeit kirchlich und politisch sogar noch mehr an Frankreich an. Dessenungeachtet drang das Französische nicht in dem masse in die schottische volkssprache ein, als in England, welches unter normännisch-französischer herrschaft drei jahrhunderte hindurch in fortwährender persönlicher Verbindung und wechselwirkung mit Frankreich stand. Der schottische dialekt unterschied sich durch beibehaltung einer grossen anzahl wörter germanischen ursprungs, welche bei Chaucer schon durch französische ersetzt sind, durch eine breitere aussprache der vokale und eine härtere der consonanten, unter welchen der gutturallaut ch, welcher im Englischen verschwindet, zu erkennen ist. So findet sich bei Barbour nocht für nought oder not, wrechyt für wretched, mycht für might, ficht für fight, lichtly für lightly, faucht für fought, raucht für raught, reached u. s. w. Eine andere eigenthümlichkeit Barbour’s ist die alte participialform and für ing: fechtand für fighting, takand für taking, givand für giving, fleeand für fleeing. Indessen kommen beinahe eben so viele participia auf ing vor: fechting, thristing, girning, graning u. s. w., welche form bei Chaucer die vorherrschende ist, obwohl auch die participialendung and bei ihm noch nicht ganz verschwunden ist. Für die alte imperfect- und participialendung de und ed steht regelmässig der härtere laut it oder yt: hangyt für hanged, yarnyt für yearned, levyt für lived, cowplyt für coupled, assayit für assayed, lovyt für loved, callit für called, lispit für lisped u. s. w. Die 3. person des praesens hat das alte dh oder th gewöhnlich in ein is oder ys verwandelt: giffis für gives, levys für lives, steris für steers (jedoch auch noch failythe für fails). Ebenso findet sich is oder ys für die alte pluralendung as (es): armys für armes, sterapys für stirrups. Für den vokal o ist oft a gesetzt: wald für would, na für no, ga für go, strak für stroke, clave für clove (cleft), warld für world, mar für more, knaw für know, shaw für show. Von der späteren eigenthümlichkeit des schottischen accentes, das einem vokale folgende l am ende der sylben abzuwerfen, oder mit dem vokale zu verschmelzen (a’ für all, fa’ für fall, fu’ oder fou’ für full, pow, how für pole, hole) findet sich bei Barbour noch keine spur, wohl aber finden sich bereits elisionen von r und k: ma’ für more, ourta’ für overtake; dagegen braucht Barbour schon die formen: thai, thaim und thar für they, them und their, wo Chaucer noch die alte form hey oder hi, hem und hir oder her hat. Es möge hierbei bemerkt werden, dass die alten schottischen dichter Barbour, Dunbar und sogar noch Lyndsay ihre sprache die englische nennen und mit recht, da die Schotten (nicht die gälischen, oder celtischen Bergschotten) von den alten Angeln abstammen. Erst später wurde von den Engländern die in Schottland gesprochene volkssprache bis auf den heutigen tag als schottischer dialekt (broad Scotch) bezeichnet, während die Schotten, besonders im 16. jahrhundert, aus politischer abneigung ebenfalls anfingen, ihr heimisches idiom im gegensatze zum Englischen schottische sprache zu nennen.
Barbour. Der erste einer reihe von schottischen dichtern war John Barbour, archidiaconus von Aberdeen um das jahr 1357, so dass sein geburtsjahr bald nach 1320 gesetzt werden kann. Als archidiaconus von Aberdeen ist Barbour in einem schutzbriefe genannt, den ihm Eduard III. auf wunsch David de Bruce’s (des königs David II. von Schottland) ausstellte, und worin er ihm und drei anderen gelehrten gestattete, nach England zu kommen, um auf der universität von Oxford zu studiren. Ausser diesem geleitscheine sind noch drei andere aus den jahren 1364, 1365 und 1368 vorhanden, welche dem dichter theils zu demselben zwecke, um in Oxford zu studiren, theils dazu bewilligt wurden, um durch England nach Frankreich, vornehmlich nach St. Denis in literarischen absichten zu reisen. Im jahre 1357 war Barbour einer der beiden delegaten des bischofs von Aberdeen, um in Edinburgh über die auslösung des königs aus der englischen gefangenschaft zu berathen. In seinen späteren lebenstagen scheint Barbour die königliche gunst in besonderem grade genossen zu haben, indem er sich im genusse von zwei pensionen, die aus den königlichen zöllen und steuern von Aberdeen gezahlt werden mussten, befand. Eine notiz in den acten der stadt Aberdeen aus dem jahre 1471 bemerkt, dass die zweite pension ihm ausdrücklich wegen anfertigung eines werkes über „die thaten könig Robert’s I.“ bewilligt worden sei. An einer stelle des „Bruce“ sagt Barbour, dass er damals im jahre 1375 mit der ausarbeitung desselben beschäftigt war. Sein tod fand wahrscheinlich im jahre 1395 statt. Von Barbour’s grosser reimchronik war lange zeit nur ein einziges manuscript aus dem jahre 1489 bekannt, welches zu Edinburgh in der Advocates Library aufbewahrt wird. Es ist jedoch eine zweite handschrift in der bibliothek von St. John’s College zu Cambridge entdeckt worden. Der älteste druck von Barbour’s gedicht mag gegen ende des 16. jahrhunderts vorgenommen worden sein, obwohl sich kein exemplar mit einem titelblatte von dieser alten ausgabe erhalten hat. Seit dem jahre 1616 ist das buch indessen erweislich verschiedene male aufgelegt worden.[191]
Barbour’s Bruce. „The Bruce,“ in vierfüssigen Jamben geschrieben, ist ein sehr langes gedicht, welches Pinkerton in zwanzig, Jamieson in vierzehn bücher getheilt hat. Es schildert die geschichte von Schottland, vorzüglich aber die schicksale des grossen Bruce von dem tode Alexander’s III. im jahre 1286 oder vielmehr von des ersteren bewerbung um die krone nach dem tode Margareth’s 1290, als Eduard I. seine ansprüche als oberherr über Schottland erhob, bis zum tode von Bruce (Robert I.) im jahre 1329. Ausser Bruce ist dessen beständiger gefährte und mitkämpfer, James Douglas, welcher des freundes herz in das heilige land trug, der held des werkes. Sein verfasser nennt es ein „romaunt,“ verheisst aber nichts als wahre begebenheiten zu schildern, indem er am schluss seines vorwortes gottes beistand anruft, dass er nichts sagen möge als die wahrheit. In der that ist auch Barbour’s werk immer als eine authentische und historische schilderung von Andrew von Wyntoun bis zu den neuesten geschichtsschreibern, welche Barbour’s schrift als quelle benutzten, anerkannt worden; denn diejenigen verschönerungen und zusätze, welche die romantik beanspruchte, sind leicht von den geschichtlichen grundlagen zu unterscheiden.
Barbour’s charakter, so weit er sich aus seinem werke erkennen lässt, war edel und aufrichtig, sein verstand erleuchtet, sein herz gross und sein gefühl warm. Auch als geschichtsschreiber zeichnet er sich vortheilhaft aus, indem ihn seine vaterlandsliebe, selbst da, wo er den furchtbaren druck Eduard’s I. schildert, nicht verleitet, in ausbrüche der wuth zu verfallen; ebenso wird die tapferkeit und ausdauer der schottischen helden von ihm zwar mit bewunderung und wärme, aber nicht durch übertreibungen gefeiert. Mässigung und selbstbeherrschung sind die haupttugenden Barbour’s als dichter und als geschichtsschreiber. In folgenden worten verherrlicht der dichter der schottischen unabhängigkeitskriege die selbstständigkeit und freiheit:
A! fredome is a nobill thing!
1) makes. 2) have. Fredome mayse1) man to haiff2) liking!
Fredome all solace to man giffis:
He levys at ese that frely levys!
A noble hart may haiff nane ese,
Na ellys nocht that may him plese,
3) fails. 4) over. 5) eigenschaft, knechtschaft. 6) thraldom. 7) perquire, genau. Gyff fredome failythe3): for fre liking
Is yearnyt our4) all othir thing.
Na he, that ay hase levyt fre,
May nocht knaw weill the propyrte,5)
The angyr, na the wrechyt dome,
That is cowplyt to foule thyrldome.6)
Bot gyff he had assayit it,
Than all perquer7) he suld it wyt;
And suld think fredome mare to pryse
Than all the gold in warld that is.[192]
Ausser dem „Bruce“ wird noch ein anderes werk Barbour’s, eine metrische chronik „The Broite“ (Brute), welche die geschichte der schottischen könige von dem fabelhaften Brutus ab enthielt, von dem geschichtsschreiber Andrew of Wyntoun mehrere male erwähnt. Es ist jedoch bis jetzt noch keine handschrift dieses zweiten werkes Barbour’s entdeckt worden. Dass die sprache Barbour’s durch spätere copisten keine wesentlichen umänderungen erfahren haben könne, ist daraus ersichtlich, dass Wyntoun, welcher nur kurze zeit nach Barbour lebte und schrieb, und dessen werk in einer handschrift aus dem jahre 1430 erhalten ist, längere stellen aus Barbour’s gedicht in derselben fassung, kaum mit irgend einer abweichung von der von Jamieson benützten handschrift, mittheilt. Leider! haben die englischen herausgeber sich nicht enthalten können, wenigstens orthographische änderungen in den einzelnen Wörtern vorzunehmen.
Andrew of Wyntoun. Der früheste nachahmer Barbour’s war Andrew of Wyntoun, oder wie er sich selbst schreibt, Androwe of Wyntoune, ein domherr von St. Andrews und prior des klosters von St. Serf’s Inch in Lochleven, welches von St. Andrews abhängig war. Er soll um das jahr 1350 geboren worden sein und seine „Orygynale Cronykill of Scotland“ in den ersten zwanzig jahren des 15. jahrhunderts vollendet haben. Wyntoun schrieb in dem metrum, aber nicht mit demselben durch ernste Studien gereiften geiste und durch vielfache reisen geläuterten geschmacke seines vorbildes. Indessen hat Wyntoun seine verdienste als chronist, indem er wie Barbour diejenigen theile der schottischen geschichte, deren zeit er zunächst stand, mit gewissenhafter treue und benutzung der besten quellen schildert. Das werk beginnt, wie gewöhnlich bei den gereimten chroniken der damaligen zeit, mit erschaffung der welt und führt in neun büchern bis zum jahre 1408, indem es sich zuletzt ausschliesslich mit schottischer geschichte beschäftigt. Es ist bemerkenswerth, dass ein beträchtlicher theil von Wyntoun’s chronik nicht seine eigene arbeit, sondern die eines anderen gleichzeitigen schriftstellers ist; diese einlage geht vom 19. c. des achten bis zum 10. c. des neunten buches und umfasst die zeit von 1324 bis 1390, was Wyntoun zu anfang und zu ende des fremden Stückes, dessen vorzüge vor seiner eigenen arbeit er rühmt, auf das genaueste und gewissenhafteste angiebt. Das ganze werk ist wichtig als eine schilderung der damaligen sitten und denkart und als eine sammlung historischer anekdoten, wie sie in den klöstern sich weiter erzählten.[193]
Hutcheon. Clerk of Tranent. Ausser den beiden genannten blühten noch andere romanzendichter und reimende chronisten in Schottland bis gegen mitte des 15. jahrhunderts. Einer derselben, namens Hutcheon, mit der näheren bezeichnung „of the Awle Ryall“ (of the Hall Royal) schrieb einen versificirten roman unter dem titel „Geste of Arthur.“ Ein anderer, Clerk of Tranent, war der verfasser eines romans The Adventures of Sir Gawain, von welchem zwei gesänge erhalten sind. Sie sind in 13sylbigen versen mit abwechselnden reimen und häufigen spuren der alliteration in einer schwer verständlichen sprache geschrieben.
Blind Harry. Der bedeutendste dieser schottischen romanschriftsteller ist unstreitig der blinde sänger Henry (Blind Harry), von welchem das berühmte gedicht von dem leben und den thaten Wallace’s herrührt. Der lateinische chronist John Major, welcher um 1469 geboren sein soll, gedenkt dieses einst überaus beliebten gedichtes in folgender weise: „das ganze werk von William Wallace hat Henry, ein blindgeborner, in der zeit meiner kindheit (meae infantiae) in volksthümliche verse gesetzt, in welchen er geschickt war. Er ging umher und recitirte seine verse vor den grossen (coram principibus) und erwarb sich dadurch nahrung und kleidung, deren er würdig war (victum et vestitum, quo dignus erat).“ In dem gedichte selbst kommt keine anspielung auf die blindheit des autors vor, worauf man auch aus den oft vorkommenden schilderungen einzelner scenen nicht schliessen sollte. Im übrigen muss der blinde Heinrich mit den romantischen sagenkreisen seiner zeit gut bekannt gewesen sein, denn er macht an verschiedenen stellen anspielungen auf den gewöhnlichen romanzenstoff, welcher die Schicksale Hector’s, Alexander’s des grossen, Julius Caesar’s und Carl’s des grossen behandelt. Merkwürdig ist es, dass der dichter gegen ende seines werkes ausdrücklich erklärt, es sei durchaus eine übertragung aus dem Latein. Als verfasser der lateinischen quelle oder quellen werden Maistre John Blair und Sir Thomas Gray, pfarrer von Libertown, von ihm selbst genannt, von denen der erstere als ein „worthy clerk, baith wise and right savage“ und als „lewit (loved, geliebt) before in Paris town amang maistres in science and renown“ geschildert wird. Blair sei mit Wallace in die schule gegangen (Wallace and he at hame in schul had been) und habe nebst Sir Thomas Gray die thaten Wallace’s am besten gekannt; auch habe der bischof Sinclair, damals Lord of Dunkeld, welcher das buch Blair’s in die hand bekommen, es als sehr treu und richtig anerkannt, (himself had seen great part of Wallace deed), weshalb er es auch habe nach Rom an den papst schicken wollen, damit dieser sein urtheil darüber abgebe. Der blinde Heinrich selbst war übrigens ein patriotischer Schotte, welcher im eingange seines gedichtes von den südlichen stammesgenossen in England sagt:
Our auld enemies comen of Saxons blud,
That never yet to Scotland wald do gud:
It is weil knawn on mony divers side
How they have wrought into their mighty pride
To hald Scotland at under evermair:
But God above has made their might to pair.
„The Wallace,“ welches ein langes gedicht in zehnsylbigen jambischen versen ist, war seiner zeit noch beliebter in Schottland, als „the Bruce,“ was sich theils aus der grösseren volksthümlichkeit seines helden Wallace, theils aus der grösseren lebendigkeit und begeisterung des autors erklären lässt. Harry’s buch mag vielleicht schon 1520 zu Edinburgh gedruckt worden sein; der gegenwärtig als ältester bekannte druck ist in 4. und rührt aus dem jahre 1570 her. Im 17. und 18. jahrhundert wurde „Wallace“ mehrmals von neuem aufgelegt und dabei vielfach modernisirt und verändert.[194] Eine paraphrase des werkes in das heutige Schottisch von William Hamilton of Gilbertfield ist lange zeit ein lieblingsbuch der schottischen bauern und dasjenige buch gewesen, welches den schlummernden dichtergeist von Robert Burns weckte. Folgende verse des blinden Harry werden von Chamber’s Encyclopaedia in der ursprünglichen orthographie der handschrift mitgetheilt:
So on a tym he desyrit to play
In Aperill the three and twenty day,
Till Erewyn wattir fysche to tak he went,
Sic fantasye fell in his entent.
1) ging 2) ere noon 3) bitter, schwer. To leide his net a child furth with him yeid;1)
But he, or nowne,2) was in a fellowne3) dreid.
His swerd he left, so did he neuir agayne;
It dide him gud, supposs he sufferyt payne.[195]
Jacob I. Schottland hatte im anfange des 15. jahrhunderts sogar einen königlichen dichter, Jacob I, Verfasser des „King’s Quhair“[196] (king’s quire, king’s book), eines allegorischen gedichtes in zehnsylbigen jambischen versen und siebenzeiligen strophen, dessen gegenstand die liebe des in englischer gefangenschaft schmachtenden königs zur Lady Joanna (Jane) Beaufort ist, seiner späteren gattin, welche er von dem fenster seines in dem runden thurme des schlosses zu Windsor befindlichen gefängnisses in dem darunter liegenden garten zum ersten male gesehen haben soll. Das gedicht ist aller wahrscheinlichkeit nach während des königs aufenthalt in England vor seiner heirath, welche im jahre 1424, einige monate vor seiner rückkehr nach Schottland stattfand, geschrieben worden. Dass Jacob I, welcher seit seinem 11. jahre neunzehn jahre in England gelebt hatte, trotz seiner schottischen aussprache einiger worte dem wesen nach vielmehr ein englischer, als ein schottischer dichter genannt zu werden verdient, dürfte besonders daraus hervorgehen, dass er Chaucer und Gower seine Vorbilder und meister nennt:
—maisters dear
Gower and Chaucer, that on the steppes sate
Of rhetorick while thay were livand here,
Superlative as poets laureate,
Of morality and eloquence ornate.
Jacob I. ist in der that einer der frühesten und glücklichsten nachahmer Chaucer’s. Während seiner regierung Schottland’s bis zum jahre 1437, wo er ermordet wurde, soll Jacob in mehreren humoristischen gedichten ländliche scenen beschrieben haben; jedoch können diese gedichte nicht mit sicherheit auf ihn zurückgeführt werden: „Peebles to the Play“ und „Christ’s kirk o’ the Green,“ welche man diesem dichter zuschreibt, mögen vielmehr von seinem eben so begabten und ebenso unglücklichen nachkommen Jacob V. (1513 zu Flodden erschlagen) herrühren. Zwei andere berühmte komische balladen „The Gaberlunzie Man“ und „The Jolly Beggar,“ werden von einigen neueren, aber gewiss ohne allen grund, ebenfalls einem der beiden genannten könige angeschrieben.
R. Henryson. Das traurige schicksal des königs Jacob, welches ihm eine englische erziehung und eine vorliebe für die englischen dichter Chaucer und Gower verlieh, war wahrscheinlich ursache zur verpflanzung dieser dichter und nachahmung derselben in Schottland. Einer der frühesten bekannten nachahmer Chaucer’s in diesem lande war Robert Henryson, oder Henderson, von dessen persönlichkeit nicht mehr bekannt ist, als dass er schulmeister zu Dumferling war und einige zeit vor 1508 in hohem alter starb, weshalb man annimmt, dass er um die zeit, als Jacob I. nach Schottland zurückkehrte, geboren sei. Henderson hinterliess eine schöne idylle Robin and Makyne.[197] Henderson’s hauptwerk ist indessen eine fortsetzung von Chaucer’s Troilus und Cresseide, welche auch gewöhnlich mit diesem gedichte unter dem titel „The Testament of Fair Cresseide“ zusammen gedruckt wird. Henderson ist auch der verfasser einer versificirten übersetzung von Aesop’s fabeln, von welcher ein Ms. (3865) in der Harleyschen sammlung vorhanden ist.[198] Auch wird „Orpheus und Eurydice“ in der sammlung alter gedichte, welche unter dem titel „The knightly Tale of Golagrus and Gawayne,“ etc. im jahre 1827 von Laing herausgegeben wurde, Henderson zugeschrieben.
Dunbar. Grösser als seine vorgänger ist der dichter Dunbar, welchen man mit recht den schottischen Horaz nennen kann. Nachdem er seine bildung auf der universität St. Andrews bis zum jahre 1479 erhalten hatte, trat Dunbar in den franciskaner-orden (Grey Friars). Als mönch reiste er mehrere jahre lang in Schottland, England und Frankreich umher, predigte und lebte nach der ordensregel von den almosen der frommen, welche lebensart er selbst als eine widerwärtige und als eine beständige übung von falschheit, betrug und schmeichelei schildert. Endlich musste es ihm gelungen sein, dem mönchsleben zu entkommen. Aus verschiedenen anspielungen in seinen schriften ist zu schliessen, dass er von 1491 bis 1500 gelegentlich von Jacob IV. gesandtschaften in fremde länder zugesellt wurde und als solcher attaché England, Irland, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland besuchte, wobei er sich die zufriedenheit seines königlichen gönners erworben haben muss, indem ihm dieser im jahre 1500 eine pension von 10 pfund verlieh, welche später auf 20 und endlich auf 80 pfund erhöht wurde. Es ist zu vermuthen, dass der dichter von dem könige auch bei den verhandlungen in betreff der heirath mit Margareth, tochter Heinrich’s VII., welche 1503 statt fand, verwendet wurde. In den folgenden jahren lebte Dunbar als hofdichter und gesellschafter des königs am hofe, fühlte sich aber durchaus nicht glücklich, indem er oft über das knechtische und abhängige leben, welches er führen müsse, klagt und sich eine selbstständigere existenz wünscht. Der dichter überlebt noch das jahr 1513 und mag um 1520 gestorben sein.
Seine werke,[199] welche mit ausnahme einiger gedichte in einer vergessenen handschrift länger als zwei jahrhunderte verborgen waren, wurden erst zu anfang des 18. jahrhunderts bekannt. Namentlich war Walter Scott ein grosser verehrer Dunbar’s, den er „alike master of every kind of verse, the solemn, the descriptive, the sublime, the comic, and the satirical“ nennt. Die grösseren gedichte Dunbar’s haben theils einen allegorischen, theils einen moralischen, theils einen komischen inhalt. Eine grosse anzahl seiner kleineren gedichte sind lyrische ergüsse und betrachtungen über den dichter selbst. Besondere erwähnung verdienen The Thistle and the Rose und The Dance. Ersteres ist ein hochzeitsgedicht zu ehren des königs Jacob IV. und der prinzessin Margareth. Letzteres, vielleicht das bedeutendste aller, ist eine schilderung der sieben todsünden, welche in der unterwelt eine höllische fastnacht halten. Ein ausschliesslich moralisches gedicht, worin er die irdische und die geistige liebe mit einander vergleicht, ist The Merle and Nightingale; die amsel vertheidigt die erstere und schliesst ihre Worte immer mit dem refrain:
A lusty lyfe in Luvis service bene,
während die nachtigall die geistige liebe vertritt und alle ihre gedanken in den einen satz zusammenfasst:
All luve is lost bot upone God allone!
Die amsel wird bei dem wettgesang überwunden und stimmt endlich, überzeugt von ihrem irrthum, in die worte der nachtigall freudig bewegt ein. In seinen komischen gedichten erscheint Dunbar nach dem geschmack und den sitten seiner zeit niedrig und unrein. Seine Twa Married Women and the Widow und The Friars of Berwick gehören in diese klasse. Höchst komisch ist die schilderung eines wettstreites zwischen einem schneider und einem schuhmacher in der hölle. Dunbar’s kleinere gedichte, subjective betrachtungen des lebens von seiner angenehmen sowohl als unangenehmen seite, worin er einen vernünftigen lebensgenuss empfiehlt, da das leben ungewiss sei, enthalten gedanken und lebensansichten, wie wir sie in den gedichten des Horaz zu finden gewöhnt sind.
Gawin Douglas. Ein anderer literarisch berühmter Schotte war Gawin Douglas, geboren um das jahr 1474, ein jüngerer sohn Archibald’s, grafen von Angus. Douglas wurde für die kirche erzogen und stieg in deren dienste bis zum bischof von Dunkeld; er starb im jahre 1522 zu London an der pest. An dichterischer kraft steht Dunbar weit über Douglas, dessen poesie nicht natürlicher fluss der phantasie, sondern manier und erkünstelte metrik ist. In seinen versificationen, welche einen überfluss an neu aus dem Lateinischen und Griechischen eingeführten wörtern, wie violate, purpurate, chrystalline, illumine, illuminate, redemite, bestial, viol, emispery (hemisphere) u. s. w., nebst einer grossen auswahl von ausdrücken aus der alten mythologie enthalten, leuchtet das bestreben hervor, die aus dem neubelebten studium der lateinischen und griechischen klassiker gewonnene bildung auf die volkssprache überzutragen. Douglas war auch der erste, welcher ein werk des klassischen alterthums, Virgils Aeneide, in schottische verse übertrug. Jedem buche der Aeneide ist eine art von prologue nach Chaucer’s weise vorgesetzt. Dieses für die damalige zeit bedeutende werk vollendete Douglas im jahre 1513. Das grösste von Douglas eigenen gedichten ist The Palace of Honour.[200] In diesem Jacob IV. gewidmeten gedichte stellt der dichter eine gesellschaft dar, welche zu dem Palace of Honour pilgert; der dichter gesellt sich dazu und beschreibt die reise. Ein anderes allegorisches gedicht von Douglas, King Hart, enthält des dichters ansichten von dem menschlichen leben. Trotz der vielen klassischen wörter und bilder hat Douglas seine gedichte in ganz breitem Schottisch geschrieben, welches von dem damaligen Englisch weit mehr abweicht, als die sprache aller seiner schottischen vorgänger.
[ III. Prosa.]
Ayenbyte of Inwyt. Nachdem nun die englische sprache das übergewicht über die französische erlangt hatte und für den verkehr der gebildeten des volkes geeignet befunden worden war, finden sich auch sogleich die anfänge einer englischen prosa, während das Englische früher nur der volkspoesie diente. Die erste probe englischer prosa, welche uns erhalten ist, stammt aus dem jahre 1340 und ist im kentischen dialekt geschrieben. In Ellis’s beiträgen zur malerischen geschichte England’s befinden sich zwei auszüge aus dem Arundel manuscript Nr. 57, im brittischen museum. Im anfange dieses Ayenbyte of Inwit, gewissensbisse, überschriebenen Ms. befindet sich die bemerkung: „This boc is dan Michelis of Northgate, ywrite an Englis of his oȝene hand, thet hatte Ayenbyte of Inwyt; and is of the bochouse of Saynt Austine’s of Canterberi under the letters CC.“ Der erste auszug aus diesem Ms. enthält von fol. 42 die fabel von dem hunde, welcher seinen herrn liebkoset, und dem esel, welcher es ihm nachthun will, aber mit schlägen zurückgewiesen wird. Die zweite stelle von fol. 82 enthält das datum des manuscripts und eine kurze metrische einleitung,
Nou ich wille thet ye ywyte hou hit if ywent
thet this boc is ywrite mid Engliss of Kent, etc.
wonach die kentische übersetzung des vaterunsers, des ave Maria und des glaubens folgt:
[201]Pater noster. Vader oure thet art ine hevenes, y-halȝed by thi name, cominde thi riche, y-worthe thi wil ase ine hevene and ine erthe, bread oure eche dayes yef ous today, and vorlet ous oure yeldinges, ase and we vorleteth oure yelderes, and ne ous led naȝt in to vondinge, ae vri ous uram queade. Zuo by hit. Ave Maria. Hayl Marie of thonke vol, Lord by mid the, y-blissed thou ine wymmen, and y-blissed thet ouet of thine wombe. Zuo by hit. Credo. Ich leve ine God, vader almiȝti, makere of hevene and of erthe, and in Jesu Crist his zone on lepi oure Lord, thet i-kend is of the holi gost, y-bore of Marie mayde, y-pyned onder Pouns Pilate, y-nayled a rode, dyad, and bebered, yede doun to helle, thane thridde day aros vram the dyade, steaȝ to hevenes, zit a the riȝt half of God the vader almiȝti, thannes to comene he is, to deme the quike and the dyade. Ich y-leve ine the holy gost, holy cherche generalliche, mennesse of halȝen, lesnesse of zennes, of vlesse arizinge, and lyf evrelestinde. Zuo by hit.
Mandeville. Der älteste englische prosaiker ist Sir John Mandeville, geboren zu St. Albans im jahre 1300. Nachdem er eine gute erziehung erhalten, machte er in den jahren 1322 bis 1356 viele reisen im Orient und beschrieb sie nach seiner rückkehr. Sein tod soll in Lüttich um das jahr 1371 erfolgt sein. Seine reiseabenteuer enthalten neben authentischem, was er selbst sah und erlebte, viele fabeln und wundergeschichten des mittelalters. Das buch ist oft gedruckt worden, am besten 1725 zu London in 8., welcher druck der neuesten ausgabe von J. O. Halliwell mit einleitung, anmerkungen und glossarium, 8. London, 1839, zu grunde gelegt worden ist. In der vorrede zu seinem werke zählt Mandeville die von ihm unternommenen reisen und besuchten länder im Orient auf und giebt an, dass sein buch hauptsächlich für diejenigen geschrieben sei, welche die heilige stadt Jerusalem und die heiligen örter in dessen nähe besuchen wollten. Schliesslich erwähnt Mandeville, dass er sein buch zuerst in Latein geschrieben, es darauf in das Französische und aus dieser sprache wiederum in die englische sprache übersetzt habe, „that every man of my nacioun may undirstonde it.“ Von den vielen handschriftlichen exemplaren von Mandeville’s „Voiage and Travaille“ stammen einige noch aus dem vierzehnten jahrhundert. Es folgt eine probe seiner sprache:
[202]And ȝee schull undirstonde that whan men comen to Jerusalem her first pilgrymage is to the chirche of the Holy Sepulcr wher oure Lord was buryed, that is withoute the cytee on the north syde. But it is now enclosed in with the ton wall. And there is a full fair chirche all rownd, and open above, and couered with leed. And on the west syde is a fair tour and an high for belles strongly made. And in the myddes of the chirche is a tabernacle as it wer a lytyll hows, made with a low lityll dore; and that tabernacle is made in maner of a half a compas right curiousely and richely made of gold and azure and othere riche coloures, full nobelyche made. And in the ryght side of that tabernacle is the sepulcre of our Lord. And the tabernacle is VIII. fote long and V. fote wyde, and XI. fote in heghte. And it is not longe sithe the sepulcre was all open, that men myghte kisse it and touche it. But for pilgrymes that comen thider peyned hem to breke the ston in peces, or in poudr; therefore the Soudan hath do make a wall aboute the sepulcr that noman may touche it. But in the left syde of the wall of the tabernacle is well the heighte of a man, is a gret ston, to the quantytee of a mannes hed, that was of the holy sepulcr, and that ston kissen the pilgrymes that comen thider.
Johann von Trevisa. Ein anderer prosaiker der damaligen zeit ist Johann von Trevisa. Er übersetzte und erweiterte Higden’s Polychronicon in englischer sprache auf den wunsch von Thomas Lord Berkeley, dessen kaplan er war, und soll seine übersetzung 1387 vollendet haben. Sein buch wurde von dem ersten englischen buchdrucker, Caxton, im jahre 1482 mit einer fortsetzung bis zum jahre 1460 gedruckt, allein Trevisa’s text ist von Caxton nicht bloss durch auslassen und einschieben von wörtern verändert, sondern dessen alte sprache vollständig modernisirt worden. „Ich, William Caxton, eine schlichte person,“ sagt der drucker, „habe mich bemüht, erst das besagte buch Polychronicon ganz zu überarbeiten und habe das grobe und alte (rude and old) Englisch, d. h. gewisse worte, welche jetzt weder gebraucht, noch verstanden werden, zu ändern.“ Und doch war noch kein ganzes jahrhundert verflossen, seit Trevisa das Polychronicon in das damalige Englisch übersetzte, ein beweis, wie schnell sich die sprache im munde des volkes vor ihrer feststellung durch gebildete schriftsteller und den buchdruck veränderte. Ausser dem genannten werke übersetzte Trevisa mehrere andere werke in seine muttersprache, von denen noch einige handschriftlich vorhanden sind.[203]
Wycliffe. Die veränderung in der sprache des englischen volkes unter Eduard III. hatte nicht allein politische, sondern auch kirchliche gründe. Eine neue, gegen Frankreich gerichtete politik befreite England von der herrschaft der französischen sprache, eine neue kirchliche richtung sollte es von der übermacht des römischen stuhles und damit von dem drucke der besonders zu kirchlichen zwecken verwandten, aber vom volke nicht verstandenen lateinischen sprache erlösen. Die vergebung englischer pfründen an fremde, besonders italienische geistliche, sowie die erpressungen der päpstlichen legaten waren schon längst ein gegenstand der beschwerde geworden, so dass unter Eduard III. und seinem enkel Richard II. von dem parlamente mehrere gesetze gegen diese übelstände erlassen wurden. Bei diesem streben gegen die päpstliche macht fand könig und parlament eine mächtige hilfe in John Wycliffe, geboren 1324, einem gelehrten geistlichen und professor der theologie im Baliol-College zu Oxford, wo er bald nach dem jahre 1372 gewisse lehren und einrichtungen der römischen kirche, welche seit der eroberung durch die Normannen in England unbestritten gegolten hatten, anzugreifen begann. In diesem streite wirkte Wycliffe durch rede und schrift und schrieb eine anzahl aufsätze, einige von ihnen in englischer sprache, gegen die übermacht des papstthums, den reichthum der höheren geistlichkeit, die verweltlichung des clerus, das überhandnehmen der mönche, während er zugleich durch sein hauptwerk, eine übersetzung der bibel in die landessprache, dem volke die beweismittel in die hände zu geben suchte, auf welche er sich in seinen streitschriften gegen seine mächtigen gegner unter der höheren geistlichkeit stützte. Diese vollständige übersetzung des alten und neuen testamentes, welche Wycliffe in seinen letzten lebensjahren mit hilfe einiger freunde zwar nicht aus den originalen, sondern nur aus der lateinischen vulgata ausführte, ist sowohl in theologischer als sprachlicher beziehung ein werthvoller überrest des englischen mittelalters. Wycliffe wurde mehrere male wegen ketzerei verfolgt und in die grösste persönliche gefahr versetzt, aber er entging theils durch günstige umstände, theils durch die freundschaft des herzogs von Lancaster (auch Chaucer’s und Gower’s freund) der gefahr und starb endlich 1384 als landpfarrer, nachdem er aus dem College entfernt und gezwungen worden war, einige seiner ketzereien zu widerrufen. Vierzig jahre nach dem tode Wycliffe’s wurden seine gebeine zufolge eines beschlusses des concils von Constanz ausgegraben und verbrannt, und die asche in einen bach geworfen. Sein geist wich aber nicht mehr aus England, obwohl seine anhänger, die Lollarden, von dem später die krone erlangenden hause Lancaster verfolgt und geopfert wurden, um für den schwankenden thron in dem clerus eine stütze gegen den adel zu gewinnen.
Die ganze bibelübersetzung Wycliffe’s ist noch handschriftlich vorhanden, allein nur das neue testament ist gedruckt worden, zuerst in fol. im jahre 1731, redigirt von dem Rev. John Lewis, später in 4. im jahre 1810, redigirt von dem Rev. H. H. Baber, endlich in 4. im jahre 1841 in Bagster’s English Hexapla. Die herausgabe des alten testamentes von der Clarendon druckerei auf kosten der universität Oxford und unter redaction des Rev. J. Forschall und Sir Fr. Madden ist längst verheissen, aber das werk noch nicht erschienen. Von den streitschriften Wycliffe’s sind ebenfalls einige gedruckt, die übrigen handschriftlich aufbewahrt worden. Wycliffe’s styl ist zuweilen etwas roh, besitzt aber kühnheit und kraft des ausdruckes, wodurch sich sein grosser einfluss auf das volk erklärt; die sprache erscheint härter und älter als Mandeville’s, welches vielleicht dem stoffe zuzuschreiben ist. Folgendes ist eine probe aus dem alten testamente Exod. chp. 15.
[204]Thanne Moises song, and the sones of Israel, this song to the Lord; and thei seiden, Synge we to the Lord, for he is magnified gloriousli; he castide down the hors and the stiere into the see. My strengthe and my preisyng is the Lord, and he is maad to me into heelthe, this is my God: y schal glorifie hym the God of my fadir, and y schal enhaunce hym: the Lord is as a man fiȝter, his name is almiȝti.
Chaucer’s Prosa. Auch Chaucer nimmt eine stelle unter den ältesten englischen prosaikern ein. Er gab den Engländern eine übersetzung des Boethius de Consolatione Philosophiae, welche Caxton unter dem titel: „The Boke of Consolacion of Philosophie, which that Boecius made for his Comforte and Consolacion“ ohne datum in folio veröffentlichte. Ein zweites werk Chaucer’s in prosa soll eine Treatise on the Astrolabe sein, welche er im jahre 1391 an seinen sohn Lewis richtete. Mit welchem rechte diese abhandlung gerade Chaucer zugeschrieben wird, ist indessen nicht recht klar. Sie befindet sich auch in der brüsseler handschrift No. 1591, welche ausserdem noch einen kalender und astronomische und medicinische aufsätze enthält. Aus dieser handschrift (Mone’s quellen und forschungen Bd. I. S. 549 ff.) möge die vorrede dieser Chaucer zugeschriebenen abhandlung hier eine stelle finden:
Litel Lowys my sone I perceyve wel by certeyn evidences thyn abilite to lerne sciences towchynge noumcers and proporcions and as wel considere J thi bisy prayere in special to lerne the tretys of the astrelabie. Thanne for as moche as a philosophre seith. he lappeth hym in his frend that condescendith to the rightful prayeres of his frend? therfore haue J yeue the a suffisant astrelabie as for owre orizonte compawned after the latitude of Oxenforde. upon whiche by mediacion of this litel tretys J purpose to teche the a certeyn noumbre of conclusions perteynynge to the same instrument. J seye a certeyn [noumbre] of conclusions for thre causes. The firste cause is this. Trust wel that alle the conclusions thet han ben fownden or ellis possibly myghten be fownden in so noble an instrument as is an astrelabie, ben unknowe parfitly to eny mortal man in this region as J suppose. Another cause is this. that sothly in eny tretys of the astrelabie that J haue seen ther ben somme conclusions that wolen not alle thynges parfourmen here byhestis. and somme of hem ben to harde to understonde and to conceiue to thi tendre age of X yeer. This tretys divided in V parties wole J schewe thee under fulligte rules and nakede wordes in englisch, for latyn canst thow yitt bul smal my litel sone. But netheles it suffiseth to thee these trewe conclusions in englisch as wel as suffiseth to these noble clerk is i grekes these same conclusions in greke. and to Arabyens in arabik. and to Jewes in ebrue and to latyn folk in latyn. whiche latyn folk hadden hem first owt of othere diverse langages and writen hem in here owne tonge that is to seye in latyn. and god wood that in alle these langages and in many othere mo. han these conclusions ben suffisanntly lerned and taugt. And yitt by diverse rules rigt as diverse pathes leden diverse men the rigt weye to Rome. Now wole J pray mekely every discrete persone that redeth or hereth this litel tretis to haue my rude enditynge excused and my superfluite of wordes for two causes. The firste cause is. for that curious enditynge and hard sentence is ful heuy att ones for swich a child to lerne. and the secunde cause is this. that sothly me semeth betre to write to a lernere twies a good sentence than he forgete it ones. And yitt Lowis gif it so be that J schewe the in my ligt englisch as trewe conclusions towchynge this matere, and not oonli as trewe. but as manye and as sutil conclusions as ben schewid in latyn in eny comon tretys of the astrolabie, konne me the more thank. And pray we. god saue the kyng that is lord of this langage. and alle that hym feith bereth and obeyeth euerich in his degre the more and the lasse. But considere wel thal J ne usurpe not to have fownde this werk of my labour or of my engyne. J neam but a lewid compilatour of the labours of olde astrologiens and have it translated in myn englisch oonly to thi doctrine. And with this swerd oonly schal I sleen envie.
Ein anderes werk Chaucer’s ist The Testament of Love, offenbar eine nachahmung der abhandlung des Boethius, welche Chaucer in seinen letzten lebensjahren schrieb. Beide letzteren schriften Chaucer’s sind in den alten ausgaben seinen gedichten beigefügt. Auch zwei seiner Canterbury Tales, nämlich The Tale of Meliboeus und The Parson’s Tale sind in prosa geschrieben. Die erstere ist eine ziemlich genaue übersetzung einer französischen sowohl in prosa als in versen vorhandenen erzählung „Le Livre de Melibee et de Dame Prudence“ und in einer schwunghaften, rhetorischen prosa geschrieben; die letztere, welche die Canterbury Tales beschliesst, ist eine lange moralische abhandlung über und gegen verschiedene sünden. Obwohl sonst nicht gerade interessant, giebt diese Parson’s (Persenes) Tale eine gute schilderung der sitten damaliger zeit.
Fortescue. Der nächste prosaiker, dessen styl und sprache schon einen bedeutenden fortschritt verräth, ist der oberrichter der King’s Bench unter der regierung Heinrich’s VI., Sir John Fortescue, welcher von 1430 bis 1470 blühte. Ausser mehreren lateinischen abhandlungen benutzte Fortescue auch die volkssprache zu einer schrift, betitelt: The difference between Absolute and Limited Monarchy, as it more particularly regards the English Constitution, worin er eine vergleichung des zustandes der Franzosen unter einer absoluten regierung mit dem der Engländer in einer beschränkten monarchie anstellt, welche, manche seltsame ansichten und arge übertreibungen abgerechnet, sehr zum vortheil seiner landsleute ausfällt und ausserdem ein lebendiges bild von den damaligen sitten liefert.
R. Fabian. Die früheren reimchroniken verwandelten sich nun ebenfalls in prosaische, zuweilen sehr langweilige tage- oder jahrbücher, deren einziger werth in der ängstlichen genauigkeit der aufzeichnung gleichzeitiger begebenheiten besteht. Die chronisten machten dabei gewöhnlich keinen unterschied zwischen wichtigen und unwichtigen vorfällen, sondern verzeichneten, was gerade vorfiel und sie interessirte. Einer der ersten dieser chronisten in prosa ist der Alderman und Sheriff von London Robert Fabian, welcher im jahre 1512 starb. Er schrieb eine allgemeine englische geschichtschronik unter dem titel „The Concordance of Stories,“ welche verschiedene male, zuletzt im jahre 1811 von Sir Henry Ellis gedruckt und herausgegeben worden ist. Obgleich Fabian die alten fabeln des Geoffrey of Monmouth von neuem wieder in umlauf brachte, ist jedoch seine chronik gleichzeitiger begebenheiten besonders bezüglich der stadt London genau und sorgfältig.
John de Irlandia. A. Cadiou. Auch in Schottland ward die volkssprache gegen ende des 15. jahrhunderts zur prosa verwendet. Der erste beweis hiervon ist ein zum gebrauche königs Jacob IV. von einem priester John de Irlandia im jahre 1490 verfasster abriss der practischen theologie, welches buch augenscheinlich in der urschrift des autors in der advocatenbibliothek zu Edinburgh aufbewahrt wird. Dieses werk, sagt John Leyden, welcher einige auszüge daraus in der einleitung seiner ausgabe von The Complaint of Scotland gegeben hat, giebt eine probe der schottischen sprache jener zeit; styl und orthographie nähern sich mehr der modernen weise, als man erwarten sollte. Eine moralische abhandlung, unter dem titel The Porteous (manual) of Nobleness von Andrew Cadiou aus dem Französischen in schottische prosa übersetzt, wurde im jahre 1508 in Edinburgh gedruckt, ist aber mit ausnahme des schlusses verloren gegangen. Dieser ist von Leyden in seiner einleitung (seite 203-208) und von David Laing in seiner sammlung The knightly Tale of Golagrus and Gawayne, Edinburgh, 1827 abgedruckt worden.
[ IV. Die Einführung der Buchdruckerkunst.]
Caxton. Die buchdruckerkunst war beinahe dreissig jahre erfunden, ehe sie ihren weg nach England fand. Endlich sicherte sich ein londoner kaufmann einen ehrenplatz in der geschichte der englischen cultur, indem er aller wahrscheinlichkeit nach der erste seiner landsleute war, welcher die neue kunst erlernte, und sicherlich der erste, welcher ein englisches buch druckte oder die buchdruckerkunst in England ausübte. Dieser mann war William Caxton, geboren, wie er selbst erzählt, in the weald of Kent, ungefähr um das jahr 1412. Dreissig jahre später findet sich sein name unter den mitgliedern der gesellschaft der kaufleute (mercers) zu London. Als kaufmann scheint Caxton mehrmals die Niederlande besucht zu haben, zuerst in eigenen geschäften, dann 1464 mit einem anderen kaufmann im auftrage Eduard’s IV., um einen handelsvertrag mit dem herzog von Burgund zu verabreden. Caxton trat sogar in die dienste der herzogin von Burgund. Während er sich in Deutschland, oder in den Niederlanden aufhielt, muss er die neue kunst des buchdrucks kennen gelernt haben und soll das von ihm aus dem Französischen des Raoul le Favre in das Englische übersetzte buch The Recuyell of the Histories of Troye fol. im jahre 1471 zu Ghent gedruckt haben, „whyche sayd translacion and werke“, wie der titel besagt, „was begonne in Brugis in 1468, and ended in the holy cyte of Colen, 19. September 1471“, welche worte sich jedoch nur auf die übersetzung beziehen. Von Knight, dem letzten lebensbeschreiber Caxton’s, sind jedoch gewichtige gründe vorgebracht worden, welche es mindestens sehr zweifelhaft machen, ob das genannte buch von Caxton gedruckt worden sei.[205] Das früheste als unzweifelhaft ächt angenommene werk Caxton’s ist eine übersetzung von ihm selbst aus dem Französischen, betitelt: The Garne and Playe of the Chesse, ein folioband, welcher am letzten märz 1474 beendigt worden sein soll. Man nimmt gewöhnlich dieses buch als das erste an, das in England gedruckt worden sei, und setzt mithin in dieses jahr die einführung der buchdruckerkunst in England. Vollständig gewiss ist aber nur, dass Caxton 1477 seine presse in der Almonry unweit Westminster-Abbey aufgestellt hatte, wo er in diesem jahre The Dictes and Notable Wyse Sayenges of the Phylosophers, eine übersetzung aus dem Französischen von Anthony Woodville, Earl Rivers, in folio druckte. Von dieser zeit ab übersetzte und druckte Caxton mit unermüdlichem fleisse bis zum jahre 1490, welches datum sein letzter druck trägt. Sein tod erfolgte wahrscheinlich im jahre 1491 oder 1492. Noch vor seinem tode liessen sich mehrere buchdrucker in London nieder, wahrscheinlich, wenigstens zum grossen theil, Caxton’s frühere gehilfen, welche er von dem festlande nach England gezogen hatte. Theodore Rood, John Lettow, William Machelina und Wynkyn de Worde, sämmtlich fremde, und Thomas Hunt, ein Engländer, waren die unmittelbaren fortsetzer der kunst Caxton’s. Zu St. Albans richtete ein Schulmeister, dessen namen nicht überliefert worden ist, eine presse ein, und zu Oxford begann man im jahre 1478 ebenfalls zu drucken. Es scheint sogar, dass die englischen drucker bald das festland mit ihren werken versorgten, denn zu ende einer lateinischen übersetzung der briefe des Phalaris, welche im jahre 1485 zu Oxford gedruckt wurde, befinden sich folgende zwei verse:
Celatos, Veneti, nobis transmittere libros
Cedite; nos aliis vendimus, o Veneti.[D]
Natürlich druckten Caxton und seine unmittelbaren nachfolger zunächst solche bücher, welche gesucht waren und einen grossen leserkreis fanden; ihr eigener vortheil musste sie diesen weg führen. Eine aufzählung der drucke Caxton’s wird also nicht allein den besten beweis von dem unermüdlichen fleisse und umfassenden geiste dieses mannes geben, sondern uns zugleich den literarischen character seiner zeit am treuesten schildern. Geistlichkeit und adel waren damals noch beinahe allein die gebildeten klassen des volkes; sie gaben auch den ton in der literatur an, welche der kirchlichen und ritterlichen romantik huldigen musste, wenn sie freunde und leser finden wollte. Die klassische literatur des alterthums, welche einen weltlichen gelehrtenstand voraussetzt, dann aber nicht bloss einzelnen klassen, sondern dem ganzen volke seine schätze erschliesst, äusserte noch keinen directen einfluss auf die englische literatur, sondern höchstens einen mittelbaren durch das medium der französischen, welche damals eine hauptquelle für englische schriftsteller war. Caxton’s drucke umfassen folgende werke: The Pilgrimage of the Soul (aus dem Französischen); Liber Festivalis, or, Directions for keeping Feasts all the Year; Quatuor Sermones (in englischer sprache); The Golden Legend (eine sammlung lebensbeschreibungen der heiligen) in drei ausgaben; The Art and Craft to know well to Die (aus dem Französischen); Infantia Salvatoris; The Life of St. Catherine of Sens; Speculum Vitae Christi, or Mirror of the Blessed Life of Jesu Christ; Directorium Sacerdotum; A Book of Divers Ghostly Matters; The Life of St. Wynefrid; The Provincial Constitutions of Bishop Lyndwood of St. Asaph (lateinisch); the Profitable Book of Man’s Soul, called the Chastising of God’s Children. Alle diese bücher behandeln religiöse und kirchliche stoffe; die folgenden gehören nach ihrem inhalte in das gebiet der ritterlichen romantik: The History of Troy (wenigstens von Caxton übersetzt, wenn nicht gedruckt); The Book of the whole Life of Jason; Godfrey of Boloyn; The Knight of the Tower (aus dem Französischen); The Book of the Order of Chivalry or knighthood (aus dem Französischen); The Book Royal, or the Book for a King; A Book of the Noble Histories of king Arthur and of Certain of his knights; The History of the Noble, Right Valiant, and Right Worthy knight Paris and of the Fair Vienne; The Book of Feats of Arms and of Chivalry (aus dem Französischen); The History of king Blanchardine and Queen Eglantine his Wife. Von englischer nationalliteratur druckte Caxton: The Tales of Canterbury (in zwei ausgaben), The Book of Fame, Troylus and Cresseide und einige kleinere gedichte,—sämmtlich von Chaucer; The Confessio Amantis, that is to say, in English, the Confession of the Lover, von Gower; The Work of Sapience; The Life of our Lady von Lydgate; ausserdem einige andere kleinere gedichte gemeinschaftlich mit Chaucer’s. Dabei möge bemerkt werden, dass Caxton die werke Chaucer’s in seiner zweiten auflage aus einem besseren und richtigeren manuscripte entlehnte, als in der ersten ausgabe, welche er nach einer mangelhaften handschrift veranstaltete. Dieses erste beispiel der kritik bei der ausgabe eines englischen buches war nothwendig geworden, wie Caxton in der vorrede zur zweiten auflage so ehrlich ist unumwunden einzugestehen, „for to satisfy the auctor, whereas tofore by ignorance I erred in hurting and defaming his book in divers places, in setting in some things that he never said ne made, and leaving out many things that he made which been requisite to be set in it.“ Von den klassikern wurden folgende übersetzungen auf Caxton’s presse gedruckt: Cicero über das Alter und die Freundschaft; Boethius’ trost der philosophie, von Chaucer; Aussprüche der Philosophen; Virgil’s Aeneis; Cato Magnus und Cato Parvus; Subtle Histories and Fables of Aesop. Auch geschichtswerke fing Caxton zu drucken an: The Chronicles of England; The Description of Britain; The Polychronicon; The Life of Charles the Great (zwei ausgaben) und The Siege of the Noble and invincible City of Rhodes. Endlich gingen noch einige bücher allgemeinen inhalts aus Caxton’s presse hervor: The Game of Chess; The Moral Proverbs of Christine of Pisa; The Book of Good Manners; The Doctrinal of Sapience (aus dem Französischen); The History of Renard the Fox (aus dem Deutschen) und A Booke for Travellers. Endlich druckte Caxton noch die gesetze (Statutes) des ersten parlaments von Richard III. und der drei ersten parlamente Heinrich’s VII.
Mit der einführung der buchdruckerkunst schliesst die geschichte der altenglischen sprache und literatur. Die sprache, welche, so lange sie nur im munde des volkes lebte, in rechtschreibung und ausdruck individuell und dialektisch geschwankt hatte, erhält nach kurzer zeit festigkeit und sicherheit in orthographie und grammatik; die literatur, deren poetische unmittelbarkeit und natürlichkeit verständigem fleisse und prosaischer überlegtheit wich, wird dadurch zur belehrung und bildung geschickter. Das geistige leben des englischen volkes tritt in der folgenden periode deutlicher und allgemeiner hervor.