Allegorisches Gemälde.
Aesop, der Staatskörper, und ein Gefolge von Weibern und Kindern.
Aes. Welch ein Ungeheuer nähert sich mir! — Wer bist Du?
Der Staatsk. Ich bin der kranke Staat ——
Aes. Wie siehst du aus! Ich kenne dich nicht mehr. Einst warst du ein blühender Jüngling; ich sah den May deiner lächelnden Tage. Dein majestätischer zierlicher Gang gab deiner reizenden Miene eine edle Grösse; dein wohlgestalteter Wuchs reizte die Augen. Deine jugendlich blühende Wange war ein beredter Zeuge von dem glücklichen Umlauf deines gesunden Bluts. Du warest von allen Menschen geliebt, bewundert, hochgeschäzt. Königinnen buhlten um deine Liebe, ein freundlicher Blick, ein Druck der Hand, ein sanftes Wort von deiner Lippe war ein Geschenk, eine Belohnung, um welche deine Günstlinge buhlten. Aber Ach! Wo sind izt deine Bewunderer, deine Freunde? Wie bist du von Alter und Krankheit entstaltet, mißhandelt! Faule morsche Knochen hängen nur durch eine welke Haut zusammen. Dein Athem stinkt, deine triefenden Augen liegen tief in dem kahlen Hirnschedel. Deine Kleider sind zerrissen, ein jammerndes Leichengefolge von Wittwen und Waisen schleichet dir nach, und zerfliesset in Thränen ——
Der Staatsk. Ach! Ich bin das traurige Schlachtopfer des Ehrgeizes! So haben mich die unsterblichen Väter des Vaterlands mißhandelt. Hungrige Geyer verschlangen mein Fleisch, Ottern nagten mein Mark, und Tyger saugten mein Blut. Ich bin meinem Tode nahe. Vergebens suchten einige patriotische Aerzte meine Tage zu verlängern. Ich welke hin, meine Säfte sind vertrocknet.
Aes. Wo schleichst du denn hin?
Der Staatsk. Ein schwindelnder Projektant hat mir die Bäder verordnet. Ein anderer schlägt mir die Eselsmilch vor; aber ich denke auf mein Testament, die Esel und Eselinnen werden mir schwerlich helfen. Ich fühle meine Auflösung. Meine Wunden sind unheilbar. Leb wohl! Wir sehn uns nicht mehr!
Aes. Gute Nacht Vaterland!
Hofanekdoten.
Flugwerk.
Der Bruder der berufenen Gräfin Emilie, einer Exsängerinn, die der König vorzüglich wegen schnellen Füssen bewunderte, verließ die kleine Klasse des Pöbels, und wuchs vom kleinen Schmiedjungen bis zum Aufseher der königlichen Palläste, und Freyherrn von Altberg an. Da sich in zwey Monaten sein wunderbares Genie, und sein Originalgeschmack in den Künsten und Wissenschaften durch Wunder entwickelten, sah sich der König genöthiget, ihn in den Grafenstand zu erheben, und ihm den Vorsitz im Tempel der Musen anzuweisen. Er ließ sich malen, und der Maler sezte seinen Helden auf einen Wolkenwagen.
Verschwindung.
Auch der Hof hat seine Verschwindungsmaschinen. Graf Tannenwald sprach zu dreist von der Menschlichkeit in Gegenwart des Königs. Die Höflinge entdeckten kleine Runzeln auf der majestätischen Stirne. Dieß war ein weissagender Wink für ihre Adleraugen. Sie eilten wie Füchse mit brennenden Schweifen zu den Neidern des Grafen. Man verfertigte in Eile unterirdische Fallen. Tannenwald gleitete aus, und verschwand.
Theatermalerey.
Die Höflinge sind die ersten Erfinder der Theatermalerey. Sie vergrössern mit dreister Hand ihre Pinsel; ihre Geduld ist bald erschöpft, sie eilen hastig zum Zweck, und werfen ihre flüchtigen Gemälde nur verwägen hin. Doch in der Ferne halten die Augen ihre Malerey für Miniaturgemälde.
Episode.
Losin hatte dem König lange und treue Dienste geleistet. Er stand am Gipfel des Glückes, und der Ehren, als endlich seine mächtigen Feinde am Hofe seinen plözlichen Sturz bereiteten. Er ward vom König zu einer wichtigen Unternehmung versandt; aber seine Gegner wusten die Sache so hämisch einzuleiten, daß er weder die nöthigen Kriegsleute, noch genug Geld und andere Bedürfnisse zur bestimmten Zeit erhielt. Alles gieng natürlich unglücklich. Das Glück selbst schien sich gleichsam mit seinen Widersachern zu vereinigen. Man schrieb alle Fehler dem Obersten Losin zu. Der Kriegsrath beurtheilte die Handlungen so streng, daß Losin zum Tode verurtheilt wurde. Seine Seele war zu groß, er würdigte sich nicht sich zu vertheidigen. Der König kennt mein Herz, und meine Dienste. Das war alles, was er dem erkauften Kriegsrath zur Antwort gab, und es näherte sich der Tag seines Todes. Niemals war unter dem Volk eine grössere Gährung. Losin war von edlen Bürgern geliebt, von allen Kriegern als ein Held bewundert. Man schloß die Kaufmannsgewölber. Die Handwerker verliessen ihr Gewerbe. Das Volk eilte zur Gerichtstäte. Die Biedermänner zerflossen in Thränen; die Väter erzählten den Söhnen mit Schluchzen seine Thaten, und die Mütter wuschen ihre Säuglinge mit Zähren, indem sie den Patrioten segneten. Selbst der Stab zögerte, und erwartete mit ängstlicher Ungeduld vom König ein gewünschtes Zeichen der Begnadigung; aber vergebens waren alle frommen Wünsche. Unter dem lauten Zuruf, und von Millionen Segen des zuschauenden Volkes begleitet stieg Losin auf das Blutgerüst; sein ruhiges Antlitz war nach seinem edlen Herzen gestimmt. Er grüßte liebreich seine Kriegsgefährten, und dankte der Versammlung des Volkes für die großmüthigen Zähren. Er erwartete mit offenen Augen den Tod, den er so oft in blutigen Schlachten für das Vaterland, und für seinen König verachtete. Schon rüsteten sich die Vollzieher der strengen Gerechtigkeit, als ——[18]
Maschinenkomödie.
Ein Hain am Gestade eines Stromes.
Fritz, Lieschen, zu ihnen Amor.
Fritz. Lieschen, setzen wir uns in das Gras ——
Liesch. Aber sey nicht schlimm ——
Fritz. Zu Zeiten einen Blick, und einen Kuß —— Ich will fromm wie ein Turteltäubchen seyn ——
Liesch. Geh, du bist ein loser Schurke! Der Ort ist einsam —— Mein Herz —— Ach mein Herz ——
Fritz. Wann wird es ganz mein Eigenthum? —— Wär ich reich! —— O Liebe gieb mir eine Heerde!
Liesch. Fritz, sieh, es ziehen dort Wetterwolken über die blauen Gebirge. O diesem Winkel trau ich nie! Alle Stürme kommen daher!
Fritz. Es blitzt wirklich; auch der Donner schleicht schon ferne. Die Winde heulen. Sieh dort schwellen die Wogen empor ——
Liesch. Wenn etwa unsere Fischer Schaden leiden. Sieh, was ringt dort mit den Wellen?
Fritz. Ein Kind!
Liesch. O das arme Kind! Hülfe! Geschwind Hülfe! —— Nimm lieber Fritz ein Schiffchen! —— O mein Fritz hundert Küsse!
Fritz. Nur hundert? —— Willst du zweyhundert geben; so schwimme ich um den Knaben —— weniger nicht ——
Liesch. Geh, du bist ein Nimmersatt! —— So geh nur —
(Fritz springt munter in die Fluten, und haschet den Knaben.)
Am. Hab Dank für die Hülfe! Begehrt eine Gnade!
Fritz. Wer bist du?
Am. Ich bin ein Geigenmacher, und reise auf meine Kunst.
Liesch. Ich muß für dich dreyhundert —— nein zweyhundert will ich sagen —— ja richtig zweyhundert Küsse zahlen, schenk mir aus Erkenntlichkeit eine Geige von deiner Arbeit, denn du bist so artig, daß deine Geigen viel Harmonie versprechen.
Am. Ich will Euch die Liebesgeige schenken. Singt mir indeß euer Lieblingslied. Ich beginne die Arbeit. Seht das Meisterstück. Wenn man sie spielt; so macht ihre Wunderkraft alle Zuhörer tanzen. Sammelt Geld, das sey euer Hochzeitgeschenk.