Ballet.

Die Scene ist eine gebirgigte Gegend mit Bäumen umgeben, in der Mitte eines Hügels raget über dem Tempel der Weisheit eine prächtige Sternwarte hervor. Beym goldenen Thore sitzt der Vorsteher, und begrüsset die ankommenden Weisen und Sternkündigen, welche mit Büchern und Ferngläsern belastet erscheinen. Sie drücken alle ihre Begierde aus, neue Entdeckungen zu machen, wodurch sie ihre Unsterblichkeit erreichen.

Izt erscheinen viele Weiber mit Büchern und Sehröhren, und wollen ganz dreist in den Tempel treten. Der Vorsteher erstaunt, und dräut den Verwegnen, die als profane Geschöpfe diese Freystäte der Weisheit entheiligen wollen. Er eilt zornig in den Pallast, und verriegelt die Thore. Umsonst flehen einige Mädchen eingelassen zu werden. Sie stehen alle beschämt und weinen.

Amor fliegt aus einer Silberwolke von Täubchen umflattert, und tröstet die betrübten Schönen, indem er ihnen einen Plan überreicht, wodurch er ihnen die nahe Zusammenkunft des Mars und der Venus eröfnet. Er pocht kühn an den Tempel, und fodert die stolzen Weisen zum gelehrten Streit auf. Sie erscheinen mit einem spöttischen Lächeln über den Knaben. Amor forscht um ihre neuen Entdeckungen, und sie gestehn ihre Unwissenheit. Izt zeigen die Mädchen ihren Plan mit siegreicher Zufriedenheit. Die Weisen erstaunen, und umarmen sie als gelehrte Schwestern die würdig sind, in ihre mystischen Kreise zu treten. Sie drücken alle ihre Freude über diese glückliche Vereinigung aus, und eilen auf die Sternwarte, diese wichtige Verheissung erfüllt zu sehen.

Die Gegend verwandelt sich in einen prächtigen Sternensaal. Der Abendstern und einige Planeten erscheinen in goldenen Kleidern, welche von Diamanten blitzen; sie versammeln die mindern Sterne, und rüsten sich zur feyerlichen Bewillkommung ihrer hohen Gäste. Mars erscheint endlich mit einem furchtbaren Kriegsgefolge: Venus von Grazien und Liebesgöttern umgaukelt begegnet ihm. Sie erblicken einander, erstaunen über ihre ausserordentliche Schönheit, sind von Freude hingerissen, und umarmen sich freundschaftlich. Sein kriegerisches Gefolg hält ihn zwar zurück; aber sie werden von Grazien entwaffnet, und sinken in die Arme der Huldgöttinnen. Amor erscheinet, und bindet mit duftenden Rosenketten die edlen Verliebten, und die bräutliche Vereinigung der Venus mit dem Mars giebt Anlaß zu einem feyerlichen Tanz. Mars und Venus drücken durch entzückte Geberden ihre zärtlichen Empfindungen aus, und alle Uebrigen ergiessen ihre Wollust in zierlichen Reihentänzen. Beide Gottheiten eilen zum Braut-Lager.

Plötzlich verschwindet die Gegend, und unter einem nächtlichen hellgestirnten Himmel erscheint auf der Erde eine glänzende Denksäule. Alle Sternkündigen, Männer und Weiber eilen herzu, und umgeben staunend die Pyramide; der Vorsteher schreibt mit goldenem Griffel die seltne Begebenheit in feurigen Zügen auf das Ehrenmaal. Amor erscheint, bringt das Bildniß Eduards, und Saliniens unter der Gestalt des Mars und der Venus, und hängt die Gemälde mit Lorbeern und Myrthenkränzen auf die Ehrensäule. Alle Gegenwärtigen stürzen zur Erde, und schliessen den Ballet mit einer Huldigung.

Allegorische Scene.

Die Schönheit, Aglaja, Euphrosine, Thalia, und Amor.

Die Schönh.

Wie, Schwestern, folgt ihr mir?

Entreißt Ihr Euch den mütterlichen Küssen;

Könnt Ihr wie ich den Götternektar missen?

Agla.

Wir leben nie getrennt von dir.

Doch theure Schönheit, ich erstaune,

Sprich welche seltne Laune

Des grossen Jupiters schließt Dich vom Himmel aus?

Verdient wohl eine Welt Dich zu besitzen?

Wo ist die Stadt, wo ist ein Haus,

Wo pranget ein Pallast auf edlen Marmorstützen,

Der Dir zum Obdach schiksam ist?

Wie selig ist der Ort, den deine Lippe grüßt!

Die Schönh.

Ich will nicht lange mehr um eine Herberg suchen.

Dieß kleine Dorf umringt von hohen Buchen,

Soll stäts mein Aufenthalt auf dieser Erde seyn.

Euph.

So willst Du Dich o Schwester von uns trennen?

Wähl einen Sitz, wo wir auch wohnen können.

Ich heisse nicht das Landvolk zu gemein;

Nie schlich der eitle Stolz in unsre Herzen;

Einst pflegten wir mit Schäfern froh zu scherzen;

Doch jene Zeiten sind nicht mehr.

Die Dorfmagd kennt nicht unsre Reize.

Jedoch die Städterinn sucht uns mit Geize.

In grossen Städten wohnt die Schönheit würdiger.

Thalia.

O Schwätzerinn, Du machst mich lachen.

Was sollen wir am faden Putztisch machen?

Das ist das Grab für alle Grazien,

Da würde man uns sterben sehn.

Jedoch Freund Amor kömmt; der wird die Wohnung wissen,

Die wir mit Anstand wählen müssen.

Laßt uns dem holden Gott entgegen gehn.

Wir wollen ihn recht schwesterlich begrüssen.

Amor.

Willkommen Grazien! Gewünscht besucht ihr mich!

Kann der galante Zevs Euch einen Tag entrathen?

Gewiß berauscht er sich

Heut mit Ambrosia bey einem kalten Braten.

Die Juno, die so oft Euch Schwesterchen beschlich,

Sah Euch vielleicht mit ihrem Gatten spielen;

Ihr fächelt oft bey Göttern Feuer an;

Der Donnerer pflegt selbst auf Euch zu schielen,

Und seine Majestät beliebt sich abzukühlen.

Der Zufall freuet mich; ich habe manchen Plan.

Beym Styx! Ihr kommet mir, als wäret Ihr gerufen.

Die Wohnung wähl ich Euch, so gut man wählen kann.

Sie ist bequem, und ohne hohe Stuffen,

Auch nicht zu groß, und nicht zu klein.

Das Aug Saliniens, das selbst die Götter schufen,

O Schönheit soll für Dich die schönste Wohnung seyn?

Da thronst Du königlich! Ihr weisser Busen

Ist schon der Sitz der edlen Musen:

Und die benachbarten und hübschen Gegenden

Sind für Euch theure Grazien!

So könnt Ihr stäts beysammen wohnen,

Und jeden, der mein Mädchen sieht, belohnen.

Mein Plan gefällt gewiß, weil wir Euch lächeln sehn.

Besucht Salinien, und machet eine Probe.

Auf ihrer Wange blüht unschuldige Natur.

Da findet Ihr von Schminke keine Spur,

Genug ist es, wenn ich der Liebesgott sie lobe.

Eilt theure Grazien, und ziehet siegreich ein,

In ihrem Herzen will ich euer Nachbar seyn!

Hochzeitode.

Göttliche Schönheit, und ihr siegenden Tugenden

Werdet die Säule des Liedes, das ich Euch heilige.

Sehet, dort nähert die Braut eines Eroberers

Schüchtern, keusch, und jugendlich!

Nicht so reizend erschien Griechenlands Helena;

Auch nicht Aegypten dein Schmuck! Römerbezauberinn,

Dich beschämet ein Blick einer Salinia,

Welche die Tugend verherrlichet.

Täuscht mich ein gaukelnder Traum, nähert sich Venus selbst?

Aus dem Silbergewölk eilt sie mit Grazien,

Die Liebesgötterchen, und Täubchen umflattern sie,

Sie reicht den Gürtel Alsinien.

Töne hochzeitlich und süß goldenes Saitenspiel!

Der schönlokichte Gott reicht ihr den Myrthenkranz;

Seine Fackel entflammet siegende Zärtlichkeit,

Welche die Liebe verewiget.

Schüchtern erscheinet der Held, vor dem die Erde bebt,

Er blikt Salinien an, staunet und huldiget,

Leget den Lorbeerzweig ihr zärtlich zu Füssen hin,

Und begrüßt sie als Königinn.

Antlitz verschönernde Scham, zärtliche Liebe stralt

Auf der Wange der Braut, wie früh das Morgenroth.

Eduard krönet ihr Herz, den Sitz der Tugenden,

Sie sind fürstlicher Kronen werth.